Sreitag, 24. Juni (927
IT7. Jahrgang
Nr. 145 Erster Blatt
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Dnid Derlei: vrühl'fche U»tversttülr Such und Steinöniderei L. Lauge tu Gietzen. rchnfiteiluug uud SeschäflrfteNe: SchulNrafze ?•
SllA)B( Ml lljdltl |ü »le logeenxeimcr bl» iutn Viod)mittag vorder.
Preis t»r 1 mm hthk fit Hnjeiqcn von 27 MM Breite Örtlich S, aesmärt» 10 Keich»psenn,g- |üt Be- hl«me*nteigen ron 70 mm Breite 36 Xeid)»Pfennig, platzvorschrift 20' mehr.
Cbefrebaiiteu:
Dr. ftnebr. Wild Lange. Berantwsrtsich tut Bclitt» Dr Jr. Will) Lange, für Feuilleton Dr H Ihyriot; für bei übrigen leti Ernst Blum'chein, für ben Rn» jeigenleil Hurt Aitlmane, lämtlid) in Giesten
Erscheint täglich,-Mtz«' Seiartag» unb 3<UTtag» Beilegte.
®tebwr ^amdiexblÄttn Heimat im Bild
Tie Scholle
neeeli-Fejegiftei» 2 Reich.mard unb 30 Xeich»Pfennig für Träger, lohn, auch »ei Richter- scheinen ei»,einerXummem infolge höherer (Bemalt Fere|ptechanfchlllffe:
51. M enb 112.
Umschrift für Trahtnach» richten Uizetger Olttzee
Ruhrpolilik ooer xiocarno.
Der Genfer Bericht vor dem Reichstag. - Strefemanns Antwort auf die Rede von Lun^viNe.
Eigener Drahldericht de» .tihefeenti Anzeiger»* (Berlin. 23. 3uni Der berühmte Wallotbau (tefrt bereits feit heute morgen im Zeichen grob* ter öpennung Parlamentarier find früher ringet rof kn. als es Ion ft bei an unb für ebenfalls tmchrigen pvl'tifchen »rctgnllkn ihre Ge- wvhnheit *u fein pflegt, man debattiert in den Louloirs und am Eingang 5. der für Pos Publikum freigtflvlxm ist ftepen Mc Oleuaiengen bereits fett den frühesten Morgenstunden Schlange. Die sich auf Senfationen geiaht gemacht hatten, wurden allewing» enttau-d>t Wenn dte Ruhe und der »rnfi. mit dem tne »rfiärung ©trete- manns im Reichstag aufgenommen wurde, ein Maftftab für den (Prob dec erreichten politischen Schulung M Volke» und des Parlament« find, io haben ttnr fchon einen bemerkens werten Stand dreier Entwicklung erreicht. Wn gewiffer örnft in der La« ist unverkennbar, unb die ohne feinen gewohnten rhetonfchen Schwung gegebenen Torleguiivim Pt. Sne'emanns. die aber dafür umsomehr Nachdruck auf fachliche Feststellungen .Men konnten, trugen von dem Bewusttsein dieses Jrnstes. «ein ikrsuch die Dürftigkeit der dies- maligen Genier Rat-ergebnilse zu verschleiern, kein Beriuch. durch Äraftmeiertum ober Unter- fkreichen dieser und jener Vtcblingiibee Beifall iu erringen schlicht und nüchtern werden an- einandergereiht der Verlauf und die Ergebnisse der Befprech>>ngen über da« Rustlandproblem. über die allgemeinen Friedens! ragen und die einzelnen Punfte der Genfer Ratstagung, um zu gipfeln In einer lehr deutlichen, wenn auch konzilianten Antwort auf die unerfreuliche Rede Poincar^s in Luneville.
Sitzungsbericht.
Die Tribünen finb überfüllt. 3n der Diplomatenloge wohnen die Vertreter der fremden Mächte den Verhandlungen bei.
Präsident Lobe eröffnet bk Sitzung um 15 Uhr. . . Ä
Auf der Tagesordnung steht hte Entgegennahme einer Regierungslrllärung über di- auswärtige Politik In Verbindung mit den 3nter- pellahonen der Regierungsparteien, der Sozialdemokraten und der Kommunisten über die aus- loärtlV Lage.
Reichsminister Dr. Slresemann:
Der Abbruch der diplomalifchen Beziehungen zwischen England und Ruhla nb ist ein Vorgang, der für die gesamte internationale Lage von größter Bedeutung ist Deshalb ist auch in Genf über dieses Thema zwischen den Derire- lern der beteiligten Regierungen und mir vertrauensvoll und offen gesprochen worden. 3ch habe schon in der letzten ReichstagSdebatte getagt, das, sich an unterer bisherigen Austenpolitik nichts ändern werde, die durch die abgefch!offenen Vertrüge, besonders die vertrüge von Locarno und Verlin. und den Eintritt in den Völkerbund charakterisiert ist. ?,Weisel darüber, ob wir im Ausland Verständnis für den Sinn unserer Politik gewinnen, sind trotzdem ausgetaucht. 3ch kann 3hnen auf Grund der Genfer Velprechiingen mit aller Bestimmtheit versichern, dah sich auf keiner Seite Veit rcbungen bemerfba1- gemacht haben, uns von dieser Politik abzudrängen. 3m Gegenteil haben die Genfer Verhandlungen dazu beigetragen, dah rvti Verständnis und Anerkennung finden. Ich kann aus das bestimmteste erklären, dah mir non einer Koalition gegen Sorojet- rublanb nichtS bekannt geworden ist. 3ch habe vielmehr die Ueberzeugung gewonnen, dah alle in Betracht kommenden Staaten volle Handlungsfreiheit erhalten wollest, ihr Verhältnis zu Ruhland seldstänNg und nach Matzgab' ihrer individuellen 3ntcremen zu bestimmen (Lachen bei den Kommunisten.) Sine 3nterven wn in die inneren Angelegenheiten des russischen Regimes kann für uns selbstverständlich nicht in Betracht kommen. Ebenso werden wir auch in Zulun!t allen Versuchen mit größter Snt- 'chiedenheit entgegentreten müssen, die sich etwa •on außen gegen unsere eigene Staats- ♦ o r m richten
Darin beflnbrn wir un» in Uebetfinilimmung mit allen anderen Staaten, dast wir einer roeit- rroolulionären pro’,'jgu;i>a cntschicdencn Wider stand entgegensetze., werden Aber das ist nicht itra dir Folge c.ncr ausdrückiiä-en oder ftitl- ichw-igenden Vereinbarung, sondern die rein tatsKhsiche Jolge de» elementaren Gesetze» der
Selbflrrbattung.
Unter« Lage verlangt tu w.nschaflliche 3er- Inupfimg mit unseren Rachbarländern Wenn wir dam.t rechnen sollten dah ein grobes mäch- ligeS W'.rtschaftsgeNct von Deutschland etwa abgeschlossen werden sollte in den allgemeinen W i rilchastsbez ehungen. so wurden wir bann ine Gesährdung der Lage in ganz Europa er- licken Rur die Universal.tät der Beziehungen Her Völker, der Austausch geistiger und wirt« chistlicher Werte, kann für die Menschheit von Ruhen sein Von irgendeiner gegen e.nc Macht erichteten ?<..on würden alle Mächte Schaden oben Dieser allgemein europäische Standpunkt ist auch der spez ell deutsche Standpunkt.
Zwei Spannungsmomente hat die letzte Zeit gebracht denMord an dem russischen ©e-
sandten in W a r scha u und den Abbruch der diplomatischen Veziehungen zwilchen 3 u aofla - Wien unb Albanien. Es war zu befürchten, dah der Gefandtenmord in Warschau zu einer ausi er gewöhnlichen Spannung zwischen Ruhiand unb Polen führen könnte. Auf Grund unserer t.^r- reften und guten Veziehungen zu Sowjetruhland waren wir berechtigt und verpflichtet, in freunb- fchaftlicher Weile die Vertreter Svwjetruhlands darauf hinzuweisen, dah der bedauerliche Vorfall nicht zur Verschärfung der europäi- fchen Lage führen dürfe Wir wollen den Frieden und befinden uns damit in Ueberdnftimmune mit der Auffassung, die in den Genfer Ve- sprechungen einmütig zum Ausdruck gekommen ist. Wir haben inzwischen mit Defried.gung seststellen können, dah die Regierung von Sowjetruhland nicht die Abficht hat. Nelen Fall irgendwie au ver- scharf en. wenn die Haltung der polnischen Regie- nmg dieselbe bleibt, wie sie bisher gewesen ist.
Beim Abbruch bet Beziehungen zwischen Ingo- slawien unb Albanien hat die Hcid)srcglerung auf Grund von Besprechungen mit England bc- schiosfen. jenem Komitee in Belgrad beizutrelen. da» im jalle von Grenzstreitigkeifen die lat fachen feststellen unb badurch zur Entspannung bei fragen soll.
3n ben Besprechungen in Gen» würbe eine Einigung darüber erzielt. Jugoslawien unb Albanien Vorschläge zur Lösung der Fragen zu machen, die zum Abbruch der Beziehungen geführt haben, and die normalen Beziehungen beider Länder wieder Herstellen zu können. Ich gebe der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, dah daS Zusammenwirken von Sngldüb. Frankreich. Italien unb unS dieses Ziel erreichen wird
Der Völkerbundsrat hat in dem Sinne der von mir vorgelchlaqenen Snischltehung der Reichs reg lerung zur Durchführung der Beschlüsse ter Weltwirtschaftskonferenz entschieden. Inzwischen ist auch ba» Cumii-: <Scunomique bereits auf den 12. 3uli zufammenberufen. um Ne praktischen Verwirklichungen der Beschlüsse auf dem Zolltarifgebiet vorzubei eiten. Die Reichsregierung hat die Entschließung über Ne Welt- wirifchastskonfermrz gebilligt. (Rufe links: Auch Schiele?) »Die Sntschliehung ist vom Kabinett einmütig gebilligt worden (Lachen links.) Die zuständigen Körperschaften der Reichswirtschaf lS- rat und der Handelspolitische Ausschuß des ReichstageS. werden sich in der nächsten Zeit mit einer Herabsetzung unseres Zol l - niveaus zu beschäftigen haben. (Rufe links: Ra! Ra!)
Wir wünschen, dah da- Abrüstungsprv- bl em entsprechend der klaren Forderung des Artikel- 8 der VölkerbundSsahung gelöst wird. Leider ist eS durch Ne Fülle der ‘Beratungen und Resolutionen beinahe zu einer Geheimwisfen- schast geworden. Dabei ist es doch nicht so kompliziert. wenn man eS nur entschlossen angreift 1 (Sehr richtig! bei der Mehrheit.)
Welcher von unfern Rachbarn könnte von un» noch weitere Sicherungen verlangen? Unfere Entwaffnung bl» jur Rackthclt ist doch ba» kieuherste. was man fordern kann. Wir gehen also tu den Abrüslung»oerHandlungen nicht al» Schuldner, sondern al» Gläubiger. Ich habe in Gens erneute Zweifel geäußert, ob der gute Wille auch überall vorhanden ist, der Ber- oflichtunn zur Abrüstung nachzukommen. Jür den vötlerbund felbfl ist die Lösung dieser Frage cinsach eine Jrage seiner eigenen Weitung, ja, eine Frage seiner Existenz.
Die x Erklärungen der litauischen Regierung zu den Beschwerden der Memellän- 6er gaben dem Präsidenten des Völkerbund- rate Veranlassung zu bet Erklärung, dah der Völkerbundsrat nun hoffentlich nicht noch einmal sich mit der Regelung die beschäftigen mühte Die Erklärung Litauens enthielt die Zusage, dah der memellünbiiche Landtag spätestens am 1. September gebildet fein würbe dah das Wahlrecht nur solche litauischen Staatsbürger haben sollten, die ihren dauernden Wohnsitz im Memelland haben, unb dah die Regierung dem Landtag verantwortlich sein soll. DaS Haupiorgan der Deutschen, das ..Werne- ler Damplboot", erkennt an. dah das Ne Durchsetzung der deutschen Forderung bedeutet. Der Redner bespricht Ne Hinzuziehung eines Deutschen zu der kolonialen Man- datSkommission. Die Mandatskommsision besteht auS Mitgliedern verschiedener Nationalität. die besondere koloniale Erfahrung belitzcn. bic aber nicht von ihren Regierungen abhängig finb. Der kommunistische Antrag, den Eintritt in die Mandats'ommif'ion abzulehnen, geht von der falschen Voraus eyung aus. dah Ne Mandatskommission gegen bic 3nteressen der Eingeborenen gerichtet sei. Für unsere Wirtschast ist ferner von auherorbentlicher Vebeutung. dah uns die koloniale Erfahrung nicht verlorengeht. Dir brauchen sie für unsere Betätigung in den Rohstoffgebieten. Wenn die frühere koloniale Generation ausgestorben ist, brauchen wir junge Kräfte, die diele Erfahrung nur bekommen können, wenn wir in der Mandatslornrn f ion arbeiten. Chamberlain führte zu dieser Frage vor dem Rate aus. die Dunbesverlammlu'.g erwarte die Gmerainung eines beu.f^en W tgl cdeS. Er schlägt vor, diese Frage an die Mandatskommission zu verweisen in
der Erwartung, bah ble Kommission sie kläre, so dah der Rat im Dezember die Ernennung eines deutschen Mitgliedes vollziehen kann. Ich kann annehmen. dah im September die Hinzuziehung eines deutschen Mitg. edes in bi Mandatskommission erfolgt Ich glaube, dah unser A ntritt wünschenswert ist
Die stärkste Enttäuschung Hal Deutschland durch die laifudx erlitten, dah die Jrage der Zwi schenrrvision Im Rheinlande bei den biestnali- grn Besprechungen In Genf nicht gelöst wurde.
ES ist eine völlig falsche Auffassung, wenn die französische Preise meint, bah bic Erfüllung biefer beutsthen Forderung ein Beweis beS guten Willens gegenüber Deuifchlanb sei. bem ein anderer guter Wille Deutschlands gewiss ermahen als Kompensativn gegenüberstehen müsse. Es handelt sich hier nicht um irgendeine Konvention, sondern die Revision der Rheinlandtruppen bildet einen Teil in jenen Zusicherungen, von denen die Unterzeichnung des L oc a r n o - De r t r a g c s abhängig war. (Ledhaste Zustimmung.) Bei ben Zusicherungen, bic am 14. Rovcmber 1925 erfolgt finb. steht denn auch die Frage der Truppen- revision naturgemäß an er ft er Stelle. Wir wollen anerkennen, bah bic Zusicherungen anderer Art lohal erfüllt worden sind. Dir haben auf bic Erfüllung bet Zusage bet TruppcnrcviNon einmal einen formellen unb -weitens einen weit darüber hinausgehenben politischen Anspruch. Der formelle besteht in der unbebingten Klarheit der gegebenen Zusagen. Es gibt keinen Zweifel. SS gibt keine AuSicgung darüber, ob wir hier im Rechte seien. Deshalb hat bic Gegenseite niemals verlucht. unser Recht in Frage zu stellen. Dre fühlbare Dcrminberung der Truppen, die in ber nächsten Zeit eintreten soll, kann natürlich nicht mit der Verminderung der Truppen um 4- 5000. Mann gegeben fein. 3n ber Zulage heistr es. bah der Zustand sich dem normalen annähern solle. Das kann natürlich nur deihen. bah die Truppen auf die Zahl vermindert werden fallen, ble vor dem Kriege von Deutfchlanb im Rheinfande unterhalten wurden.
Die Erledigung dieser Jrage ist einmal eine Jrage be» Rheinlande», da» ein Recht auf die Verminderung ber Besatzung hat. aber sie ist noch mehr, nämlich der Kampf um die Welhoöe der Cocarnopolilif überhaupt. Wenn da» 7NIH- Irauen in den Wert frierlidj gegebener Zusagen sich ausbreitet und erhärtet wird dadurch, dah aus einem Gebiet etwa» nicht erfüllt wird, so befiehl die Gefahr, dah die Zusicherungen auf anderen Gebieten mit erschüttert werden.
(Lebhafter Beifall.) Ich begrübe deshalb, dah der englische Unterstaatsfekretär ausdrücklich her- vorgehoben hat. dah der englische Auhenminister Chamberlain die Zusage in derselben Weife aufgelegt hat wie wir. Der deutsche Botschafter in London hat über diese Erklärung eine Ausfprache gehabt. Ihm ist versichert worden, dah nach englischer Auffassung Die Frage ber Ostfestungen nicht etwa als eine Voraussetzung für bic Er'üllung der Zusage der Truppenrcoifion im Rhcinlande anzusehen ist. DieS ist eine interne Frage der BclanungStruppcn. Wir haben zu fordern, dah die Mächte bahin zusammen« wirken, um die Erfüllung ihres feierlichen Versprechens wahrzunchmen. (Beifall.) D e Frage ist eine Frage der Vertrauenswürdigkeit. der Ehrlichle.t und der Absichten unserer DertragSgegner. Die Zerstörung der deutschen Ostfestungen kann in keiner Weife mit dieser Frage verquickt werden. Eine solche Verquickung muh unter allen Umständen abgclehnt werden. Wenn das deutsche Kabinett sich entlch^ofsen hat. einen oder zwei Experten zur Besichtigung der Ostfestungen cinzuladen. so ist da- lediglich ein Alt dcS Entgegenkommens, weil die deutsche Regierung nichts zu verbergen hat und wünscht, dah die Ostfestungen nicht einen ewigen Streitapfel zwilchen den Mächten bilden. Das damit kein Präjudiz gefchafi'cn wird, ist ton ben in Frage kommenden Mächten kürz- I.ch bestätigt toorberu
AngelichtS dieser entgegenkommenden Haltuna Deutfchlanb- in biefer Frage, in der es rechtlich n.cht gebunden ist. ist bic bcutsche Prelle um so mehr empört worben durch die Arr und Weise, in ber der französische Ministerpräsident Poincare in ferner kürzlich gehaltenen Rede geglaubt hat, das französische 6crhaltnrS zu Deutschland kennzeichnen zu sollen. Ich will auf bte Betrachtungen in dieser Rede nicht näher eingehen.
Ich bin der Ansicht, bafj wir den Problemen der Gegenwart nicht dadurch näherkommen, dah wir in den Akten jurüdblättern. Ich kann mir die Widerlegung der gegen die deutsche Politik gerichteten vorwürfe ersparen. Denn bic tiu1- fiärung in der Weltöffentlichkeit ist fo weit vorgeschritten, dah eine derartige Aufklärung nicht nötig ist.
Poincare soll ernstr.ch auf Ne Behauptung verzichten, ich fei fein aulrichtiger Anhänger der Locamo-Polit.k. Es bedarf keiner Auseinander- Ic^ung über die Locamo-Polrtik, Ne flar unb eindeutig desiiüert und die von Deutschland niemals in Zweifel gezogen ift. Darum bezieht sich Poincare nicht auf die feierliche (Srflärung. Ne Reichskanzler Dr. Mart nach ter D.ldung
des gegenwänigen Kabinetts an Nefer Stelle abgegeben hat Er hat ausdrücklich betont, dah die Fortführung der Austenpolitik auf der Grundlage her Locarno-Verträge fortgesetzt werde. Er bat gelchlolsen mit den Worten .Unfere Auhenpolttik ift gekennzeichnet durch den Verzicht auf den Gedanken der Revanche. Ihre Tendenz ist vielmehr Ne Herbeiführung ber gegenseitigen Verständigung. Wenn er lagt, Deutlchland müsse erst einmal die Forderungen der Votschafterkonferenn in ben einzelnen De'atzungsfragen erfüllen und dam.t einen Beweis für feinen guten Willen liefern, fo möchte ich mir daS fo erklären bah PoincarS infolge Arbeitsüberlastung über b e Vorgängenichtgenügendinfornllet ist. 3m vorigen Jahre ist von der Botscha,» r- konferenz mit Genugtuung festgestellt tron'/n, dah über den groben Teil der mehr al» bun.vrt Fragen eine Verständigung erziel, worden fei. Heber zwei Fragen stand Ne Verständigung noch aus Die beiden damals nc»ch ausstehenden Fragen waren die Fragen der Nutlchen O st f c ft u n a c n unb der preuhi'chen Polizei. Die Erfüllung Nefer Forderungen ist ober bereits in der Durchführung begriffen. Was Ne vaterländischen Verbände anlangt, fo find diejenigen. Ne sich den gefetlichen Vorschriften zuwtNr mit militärischen Dingen befahlen, aufgelöst worden. Die Bestimmungeit deS Versailler 'Vertrages über Munition-wcrke find nach Auf- faffung der Botschafterkonferenz erfüllt Von den alten Kasernen ist ein grober Teil in privaten Besitz übergegangen. Die übrigen suchen wir ebenfalls zu veräubern. EnNich ist die Zerstörung der Unterstände an der Ostgrenze ver- cinbarungtigemäb erfolgt. Das ist von der Gegenseite mit Genugtuung anerkannt worden. Poincar^ hat also keinen Anlast mehr, Ne beut'd>e Vertragstreue zu bezweifeln. Er kann der beut- fchen Oesfentllchkeit ben Beweis sriner gut n Michten erbringen, weim er seinen arosien per- fönlichen Sinfluh dafür einfegt und brispicis- weise zunächst in der Frage der Truppenreduktion Genugtuung verschafft. (Lebhafter Beifall.)
Wa» ist nun ba» Ziel polncarie? Ruhrpol.tik ober Locarno? Lin» ober ba» anbere Ist möglich, aber nicht ein» unb ba» anbere.
(Sehr gut!) Die Geistesverfassung der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes ist in dem Maste dem Geiste der Verständiaung gefolgt, wie die europäischen Verhältnisse sich entwickeln. Sie Hal der Ruhrinvasion Widerftand entgegengesetzt und daS DaweSabkommen angenoin nen. DaS deutsche Volk wünschte den Weg noch Locarno unb nach Gens, bearübte den Gedanken ber französischen Annäherung. *2Dcr einen Beweis dafür wünscht, rufe sich die Huldigungen ins Gedächtnis, die Herriot in Frankfurt am Main zuteil wurden. Das deutsche VolL ist bereit, bic Hand zu erfassen, aber nicht d i e Ha n d de» Siegers. (Sehr wahr! bei ber Mehrheit.) Immer spricht man unS von der französischen Sicherheit. ES gibt aber keinen verantwortungsvollen Menschen in Deutschland, der so verbrecherisch wäre, Deutschland in einen Krieg gegen irgendeine Macht nn Westen oder Osten zu hetzen. Wir tooflen aber endlich acht Jahre nach dem Kriege die Wieder- herstcllungderdeutfchcnSouveräni- t ä t. Wir toolkn ein friedliches aber ein freies Volk fein. (Beifall.) Gebe man auch dem deu.sch n Rheinland den Frieden, auf den eS einen berechtigten Anspruch hat! Unser Volk ist schwer enttäuscht, weil wir in bezug auf die Gesamt« lösung stehen geblieben, ja zurückge- w o r f e n worden finb. Unsere Stellungnahme ift Her, aber an Frank reich haben wir Die «Trage zu richtens Wohin acht dein Weg, Frankreich? Soll der Gellt der Kriegspsychose di-ig dauern oder wählt ihr die Devisen Für Stieben und Freiheit? Richt nur vir, sondern alle Völker. Ne den Frieden wollen, warten auf Antwort. (Stürmischer Beifall. ReichS.'anzler Dr. Marr reicht hem Redner glückwünschend die Hand.)
rHbg. Dr. Haas (3 r.):
Kein Doll kann er ertragen, dah fein Gebiet ron einer fremden Macht be etzt bleibt, nachdem die Voraussetzungen hierfür längst andern Der- hältnisfen Platz gemacht haben. (Sehr richtig I) Rach ber Annahme deS DaweS-Gutachtens. an- aetichtS feiner reibungslosen Durchführung, nach dem 2lbtchlust Nr Locarnoverträge und dem Eintritt in den Völkerbund hätte die letzte» Stunde fremder Befayuna auf deutschem Boden (ofort schlagen müssen. (Erneute Zuftim:..ung_- Richt einmal Die Verminderung Nr BelatzungStruppen ist durchsllubrl worden, auf Ne Deutschland einen unbestreitbaren Anspruch hat. Wie gedenken Ne Drei OkkupationeMächte eS mit Der Ehre NS gegebenen Wortes zu vereinbaren, dah Ne Zu ege vom Rovembcr 1925 heute noch nicht erfüllt ist? Mit stärkster Enttäuschung entnehmen wir aus Nr Rede des ReichSauhen»7cknistcrS, dah cs nicht gelungen ist. die diesem Ziel N nen* Nn Genfer Besprechungen zum Abschluh zu bringen. Dir erwarten bestimmt, dast eS Nr deutschen Außenpolitik gelingen wird. Ne Einlösung diel es längst fälligen Versprechens end-


