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Samstag. 23. Zull 1927

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Ar. 170 Zweites Blatt

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Das Slawentum

t eiten rocht verschiedenartig, aber das Endergeb- i is ist an beiden wichtigen Stellen mindestens Unklarheit und llnsichecheit der innerpelitischen

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war es ein Kreis

wandert, in der tionen ausstirbt.

sein Geschlecht nach drei Genera- Aufgabe des deutschen Landadels,

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1925: 40,1

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gedient werden.

Der sogenannte Kamps um das Oberhaus zeigt deutlich die innere Schwäche dieses Kabi- nettes. Es lies; einen Vorstoß zu, der das heutige Oberhaus rückwärts auf die Machtstellung vor 1811 revidieren, der kurzerhand auch bei einer radikalen Mehrheit im Unterhaus die konser­vative Mehrheit im Oberhaus sichern wollte. Argen diesen Gedanken, der selbstverständlich die ; liberale und die Arbcitsopposition aufs schärfste wachrief, entstand eine Revolte in der eigenen konservativen Partei und der Plan einer solchen grundlegenden Verfassungsreform wurde nach we- 1 jtigen Tagen einfach zurückgeschoben. Das ist eine glatte Niederlage des Kabinettes, die es sich selber besorgte. Und nachdem das Gewerkschastsgeseh die Einheit der Arbeitspariei wieder hergestellt hat, hat dieser Reforrnvorstoh in Sachen des Oberhauses noch die Spaltung der Liberalen überwunden. Lloyd George und Dreh sind seit 1916 zum erstenmal wieder ge­nieinsam in einer Versammlung aufgetreten and rüsten sich gemeinsam zum Kampf in der Neuwahl.

Vicht viel anders ist das Bild in der großen Politik. Vach dem jähen Abbruch der Beziehun­gen mit Rußland hat die englische Politik i^rückgehalten. Sie hat in keiner Weise Rußland provoziert und der letzte Monat ist ohne Der- fctärfung der Spannung verlaufen. 2lber was hat nun England davon? Die Welt glaubt wohl noch an die Ehrlichkeit und Friedensliebe Lhamberlains, aber sie sieht, wie er um seine Stellung im Kabinett kämpfen muß, und sw licht weiter, wie von England aus eine unaus­gesetzte Teunruhigung der Außenpolitik ausgeht. Vas will England eigentlich? Etwa iti Südosteuropa in der Auseinandersetzung zwi­schen Italien und Jugoslawien? Was will es vor allem eigentlich in seiner Stellung gegen c Sowjetruhland? c . ,x.

Wir sehen mit Besorgnis, ja mit aufrichti­gem Bedauern auf diese Situation, in der das englische Parlament sich rüstet, in die Ferien M gehen. Es wäre im Interesse Europas, wenn

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Es wird hier gezeigt, wieviel Unwissenheit, wieviel Leichtgläubigkeit, Unvorsichtigkeit und un­angebrachte Vertrauensseligkeit dem internationa­len Verbrechertum immer noch das abscheuliche Gewerbe erleichtert; man sieht hier auch, mit wie­viel Vafsinement und Großzügigkeit, mit welchen Mitteln an Geld und Organisation von hoff­nungslos entgleisten Existenzen in aller Herren Ländern gearbeitet wird; man wird endlich darüber belehrt, auf welche Weise und mit welchen rie­sigen Schwierigkeiten die Polizei und die Behör­den an der Bekämpfung und Vieöerzwingung dieser Gefahr arbeiten, die die ganze zivilisierte Welt bedroht.

Der Film führt den Beschauer in die be­rüchtigten Quartiere der großen Verbrecher, nach Budapest, Konstantinopel und Athen, man erlebt die unheimlichen Schicksale zweier junger Mäd­chen und ihre endliche Befreiung eindringlich mit; es gibt sehenswerte Landschaftsbilder, eine klar entwickelte Handlung; der Regisseur Jaap Speyer und der Manuskriptbearbeiter Rosen­hahn (ein literarischer Spezialist auf dem Felde der Kriminalschilderungen) haben im ganzen er­freulich Hand In Hand gearbeitet.

Nur eine schwache, brüchige Stelle ist im Aufbau des Films, die zu vermeiden gewesen wäre, die aber stört und den Eindruck ab­schwächt; alle Vorgänge flnö klar und durchaus wahrscheinlich gezeichnet bis zum letzten Akt, wo eine Wiederholung peinlich auffällt: es ist nicht anzunehmen, daß ein junger Polizeioffizier mit offenen Augen und gesundem Verstand sich die eben aus einem verrufenen Mittelmeer­quartier in letzter Stunde geretteten Mädchen gleich darauf in der plumpen Weise zum zweiten- mal abnehmen läßt, wie das hier gemacht wird; schade darum, es ist das einzige, was man an dem Film auszusetzen hat.

Auch die schauspielerische Besetzung ist zu beachten. Klein-Rogge (als Mabufe vielen Filmsreunden gewiß noch in guter Erinnerung) gibt einen Verbrecher von glaubhaftem Format. Kaiser-Titz unZ) Lincoln als gutgesehene Gegenspieler, ferner Mary Kid, Wera En­gels, Mia Pankau, die Hesterberg und Diegelmann.

Zusammengefaht: ein Film, der im besten Sinne aufklärend wirkt, und dessen Besuch emp­fohlen werden kann. "r"

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ein zielbewußt geleitetes konservatives Kabinett auf dieser breiten Grundlage im Parlament in der Lage wäre, eine positive erfolgreiche Politik im Innern und eine wirklich erfolgreiche und zielbewuhte Außenpolitik zu machen, im In­teresse Englands selbst, das doch selber den Frieden und für seine wirtschaftlichen Beziehun­gen den Frieden Europas braucht wie das liebe Brot. Run aber liegen die Dinge doch derart, daß dieses England für niemand, sobald es ernst wird, wirklich ein Bundesgenosse ist und daß England in öefc großen Politik Europas! ührend und bestimmend aufzutreten tatsächlich nicht in der Lage ist.

Dieses Schwergewicht liegt vielmehr heute bei Frankreich. Sein Exponent ist Poincare. Briand ist krank und den Geschäften für längere Zeit fern. Es ist kein Zweifel, daß Frankreich sich nicht in die englische Ruhlandpolitik ziehen lassen will und daß es durchaus kein Handels­geschäft wünscht etwa in der Richtung: Rhein- landräumung gegen Beteiligung an der Auf­stellung gegen Rußland. Weniger klar aber ist, was es über sein Verhältnis zu Deutschland denkt. Will es die eingefrorene Verständigungs­aktion wieder zum Leben erwecken? Oder will es sie liegen lassen, um zuerst die Währungs- frage vollständig unter Dach zu bringen?

Die Antwort darauf ist auch, wenn man nur Poincare ins Auge faßt, keineswegs ein­deutig zu geben. Roch weniger bestimmt ist die Antwort auf die Frage, ob Poincare im Innern noch so fest wie etwa im Frühjahr steht. Er hat die Führung behalten. Er hat seinen Willen in der Frage der Erhöhung der Beamten­gehälter durchgeseht. Die Wahlreform ist an­genommen worden, das Rekrutierungsgesetz des­gleichen. Und die Kammer ist mit einem Er­mächtigungsgesetz auseinandergegangen, das die Fortführung der Handelsvertragsverhandlungen ermöglicht. Aber sind das alles Erfolge Poin- cares?

Man weih, daß auch dieses Kabinett alles andere ist als geschlossen. Mit dem Kampf um die Wahlreform ist zugleich der Kampf um die Orientierung der französischen Po­litik weiterhin eröffnet, und zwar un Sinne der Linken. Denn die Wiedereinführung der Em- zeltpahl und die Preisgabe des Proportional- wahlsystems bedeutet, daß der nationale Block als solcher schwerlich geschlossen in die

Wahl geht und noch weniger geschlossen

aus den Wahlen hervorgehen wird. Das neue System gibt der Linken mehr Aussichten auf Erfolg als das bisherige. Wir sind gespannt, wie Poincare die Ferien benutzen wird, ob er in dieser Zeit eine Umgruppierung in ferner Regie­rung anbahnt, um die nationale Einheit neu zu - begründen und aufrecht zu erhalten, die docy recht erschüttert ist. Wir sind noch gespannter, ob er im nächsten Winter bis zur Wahl sich halten, oder vor den Neuwahlen zurücktreten wird. Schwerlich wird er es noch einmal riskieren, wie das letzte Mal, in eine Wahl hineinzugehen, ohne die Sicherheit der geschlossenen Front und des Sieges. _ .

Wie unsicher bereits jetzt die Lage geworden ist, geht aus der Art hervor, in der einer der klügsten Mitarbeiter Porncares. Tardieu, zum Wahllampf sich äußert. Er will nicht mehr die Trennung zwischen Kartell der Linken und natio­nalen Block, sondern er will eine neue große Mittelpartei. Ist das eine Idee, die tn sich Kraft trägt? Ist das schließlich etwas anderes als der nationale Block und das Kabinett der nationalen Einheit, die doch eben am Abwirtschaften sind? Kurz, auch Frankreich ist innenpolitisch in Un­klarheit und Übergangserscheinungen. Der Posi­tion in der Außenpolitik in Europa vor allem entspräche eine unwandelbare Sicherheit und Ge- schlosseicheit im Innern, die aber nicht vorhanden ist. Und die letzte Probe hat ja auch Poinccnre noch nicht abgelegt. Die Währung ist in Ruhe, der Franken steht seit geraumer Zeit. Aber von einer endgültigen Sanierung ist noch ferne Rede; ausdrücklich behält Poincare sich doch vor, den engültigen Stabilisierungskurs zu bestimmen, wann und in welcher Höhe er will. Er hat eine

Ferienbilanz in England und Frankreich Außenpolitische Ninschau.

Don Professor Dr. Otto H o e h s ch, M. d. R.

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daß er, der als Lieferant der Brotgetreidemengen für die heimatliche Stadtbeoölkening volks­wirtschaftlich unen tbehrlich ist, zugleich als Ansaugezentrum slawischer Arbeiter und slawi­schen Gesindes und als fiauptgueQe der Landflucht volkspolitisch eine Gefahr bedeutet, dringt durch die Landbevölkerung die deutsche Scholle, während der und Arbeitersohn in die Stadt ab-

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Die französische Kammer hat sich vertagt, das englische Parlament nähert sich desgleichen dM Sommerschluh. Die Bilanz ist auf beiden

DerGietzener Ehrenspiegel."

Don Dr. W. Rehmann.

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Mill. Menschen = 64,4°/°

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denken vor einigen Tagen am alten Pädagogium Ecke Sonnenstrabe und Neuen Baue eine Gedenktafel errichtet wurde, der sich zur Pflege deutsch-vater­ländischen Geistes zusammengefunden hatte. Als dann nach den Freiheitskriegen die aus dem Felde zurückkehrenden Studenten wieder die Horfale bevölkerten, verband die gemeinsame Waffenbrüder­schaft die Musensöhne auf der Universität weiter ort, und man schloß sich zurPflege deutschen Den­kens und deutscher Sitte' zusammen.

Im Wintersemester 1814 entstand dieDeutsche Gesellschaft", in der die Brüder Carl und August F o l l e n i u s eine führende Rolle spielten, und die ihr Streben darauf richtete, die ganze Gießener Studentenschaft in ihren Kreis einzubeziehen. Sie batte keine lange Lebensdauer. Als 1815 die lands­mannschaftlichen Verbindungen der Hessen, Nassauer mb Konstantisten gegründet wurden, mit dem Ziele, tem Komment früherer Zeiten wieder Geltung zu »er chaffen, gelang es diesen anscheinend, die .Teutsche Gesellschaft" zu sprengen. Indes erstand 1-'hr bald (1815) eine neue vaterländische Verbin- Jung, der Germanenbund, mit den Farben schwarz- »lau-rot, der die Gießener Sttidentenschaft durch jein moralisches Uebergewicht" erobern und den Somment beseitigen wollte. Einer drohenden Um , rsuchung wegen statsgefährlicher Umtriebe entzog sich der Germanenbund dadurch, daß er sich als Deutscher Bildungs- und Freundschaftsverein' Inter Vermeidung äußerer Formen weiterfuhrte.

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Innerlich trotz allem fest zusammenhaltend, ar­beiteten die Germanen an der Reform des afabemi« fien Lebens weiter. 3m Juli 1816 schien, ba bie landsmannschaftlichen Kreise der Gründung eines allgemeinen Burschenschaftsstaates nich mehr ab­lehnend gegenüberstanden, die Verwirklichung der burschenschaftlichen Ideen nahegeruckt, zollen imb seine Getreuen arbeiteten einen Verfassungsent­wurf für den zu gründenden Burschens.aat aus. Als aber dieser Entwurf,D e r E h r e n s p i e g e l , im Dezember 1816 einer allgemeinen Studentenver­

sammlung vorgelegt wurde, hatte sich die Stim­mung im landsmannschaftlichen Lager geändert.

Man vertrat jetzt den Stadpunkt, bie (anbs-- mannschaftlichen Verbindungen allein hätten bas Recht, über Kommentfragen zu entscheiben, unb bie Vertreter ber Konstantia unb Hassia verließen den Beratungsraum, als man von feiten der Bur­schenschafter auf Durchberatting des Verfassungs­entwurfs bestand.

Die zurückbleibenden Anhänger desEhrenjpie- qels" verbanden sich darauf mit den Germanen, nahmen den Entwurf des Ehrenspiegels an und gründeten im Januar 1817 dieChristlich-teutsche Burschenschaft". Der Kampf zwischen den Anhängern des Ehrenspiegels und den Landsmannschaften nahm seinen Fortgang. Als während des Wartburgfestes 1817 die Gießener Streitigkeiten zur Sprache kamen und der Vertreter der Gießener Landsmannschaften, der Hesse App, dem Sprecher ber Gießener Burschenschaft v. B u r i bie Hand zur Versöhnung bot, schien der Streit begraben zu (ein.

Aber jetzt scheiterte die Versöhnung an dem star­ren Sinn ber innerhalb ber Gießener Burschenschaft ein besonberc Gruppe bilbenbenSchwaben", bie sich allein für bie berufenen Reformatoren des beut- schen Burschenlebens hielten. Als im Jahre 1818 von lanbsmannnschaftlicher Seite eine neueGer­mania" mit ben Farben blau-rot-grun ms Leben neunen wurde, stauben bieSchwarzen" grollenb beiseite, da sie infolge dieser Entwicklung immer weniger damit rechneten, ihre Ideen durchsetzen zu können. _ ,

Zur Rechtfertigung ihres Standpunktes gaben ie im Herbst 1818 dieBeitrage zur Ge- chichte der teutschen Sammtschulen eit dem Freiheitskriege 1813" her­aus in denen ber Ehrenspiegel abgebrutft ist. 3m Januar 1819 fanb endlich eine Verschmelzung ber beiben burschenschaftlichen Parteien statt, unb bie Gießener Burschenschaft erreichte m diesen Monaten eine Mitgliederzahl von 134 Mann. Am 3. November mußte sich dann infolge der Karlsbader Beschlüße die Gießener allgemeine Burschenschaft auflosen.

Der Gießener Ehrenspiegel ist als Zeitdokument von historischer Bedeutung. Neben mancherlei überschwenglichen Forderungen unb Grunbsätzen enthält er vieles, was wir heute als Selbstverstänblichkeit ansehen, roie z. B. auf politi­schem unb wirtschaftlichem Gebiet die Einheit des Reiches ober in stubentischen Fragen bie Reform des Zweikampfes, bie Einsetzung von Ehrengerichten

Vorbereitungen für die Hessische Landwirtschaftliche Landes­ausstellung.

Darmstadt, 22. Juli.

Der Hauptausschuß der Hessischen Land- wirtschaftlichen Landesausstellung, die vom 15. bis 20. September in Darmstadt ab­gehalten wird, trat gestern im Sitzungszimmer der Landwirtschaftskammer zusammen. Anwesend waren, außer den Ausschußmitgliedern, der Prä­sident der Abteilung für Ernährung und Land­wirtschaft des Piinisteriums des Innern. Mini- sterialrat Direktor Hebel, sowie eine Reihe von Vertretern von Behörden und Korporationen. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Oeko- nomierat Hensel, eröffnete die Verhandlungen, dankte aNen Anwesenden für ihr Erscheinen und legte des näheren die Gründe dar, die erst letzt, nach 22 Jahren, wieder in Hessen eine landwirt­schaftliche Landesausstellung ermöglichen, die sonst alle fünf Jahre stattfinden sollte. Es waren der Krieg und die Viehseuchen, die die Ausstellungen verhindert hatten. Vielleicht, so erklärte der Redner weiter, besteht der Eindruck, als wäre wegen der vielen Ausstellungen und Festlichkeiten diese Ausstellung überflüssig; das ist aber nicht der Fall, sie ist geradezu nötig. Allgemein bekannt ist, daß die Landwirtschaft in der Nachkriegszeit schwer zu leiden hatte unter inneren und äußeren Mißgeschicken, unter der Gesetzgebung, dem Steuer- Wesen und namentlich auch unter schweren Witte­rungsschäden. Es ist notwendig, den Pessimismus zu beheben und den Landwirten das Selbstver­trauen zu geben, damit sie sehen, was sie leisten

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Lage und der Regierung.

In einem freilich ist Frankreich erheblich einstioer daran als England. Wie man auch zu 'Soinc'are stehe, er hat sich auch in den letzten leweren Sommerkämpfen in der Kammer als ein vicksicbtsloser Führer bewährt, der weiß, was x will und vor allem die Einsetzung seiner Per­lon niemals scheut, um seinen Willen durchzu- -üden. Das ist ihm auch gelungen. Dagegen j im englischen Kabinett die einheitliche Führung mehr und mehr verloren gegan- q cn. Man weiß, daß Baldwin und Chamberlain in ber Außenpolitik besonnen und friedlich vor- gehen wollen und in der Innenpolitik wenigstens Baldwin gewisse tory-demokratische Vorstellungen hot. Darunter verstehen wir eine konservative Politik, die von der Notwendigkeit des Aus­gleiches zwischen Kapital und Ar­beit ausgeht, um auch wenigstens einen Teil her in der Stadt arbeitenden Massen an der konsekutiven Fahne festzuhalten. Aber der ent­gegengesetzte Wille ist im Kabinett ohne Zweifel stärker, der Wille eines rücksichtslosen Kampfes gegen die Arbeiterschaft, für die llnternehmerseite, das Programm, das in der Innen- und Außenpolitik verständlich genug als das derD i eh a r d s " bezeichnet wird. Schwer­lich wird auf diesem Wege die Versöhnung der Klassen zustande kommen, schwerlich auch Erfolge der Außenpolitik zu erzielen sein, schwerlich zu- (*t)t auch der konservativen Parteisache wirllich

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ber beutschen Gesamtbevölkerung.

Je starker bie Landflucht anhält, desto früher ver­siegt die Kraftquelle der Volkserneuerung im Gene­rationswechsel. Das Sinken ber Geburtenüberschüsse in ben sich hemmungslos vergrößernden Städten wird in wenigen Jahren das Sinken der Sterblich­keitsziffern und die Geburtenüberschüsse des flachen Landes übersteigen, so daß das Wachstum ber deut­schen Bevölkerung zum Stillstand kommt. Stillstand bedeutet aber auch in diesem Falle Rückschritt.

Während in Deutschland die Geburtenziffern innerhalb einer Generation schneller gesunken sind als in Frankreich seit dem Ende des napoleonischen Zeitalters, zeigt das Slawentum feine Kraftüber­legenheit, indem es noch doppelt soviel Kinder erzeugt als das ganze deutsche Polk, vier- bis zehn­mal soviel als bie beutsche Stabtbevvlkerung. Tsche- cf)en unb Polen brücken mit mehr als 10 Millionen lanbarmer unb -hungriger Zwergbauern in ihrer übervölkerten unb wirtschaftlich rückständigen Hei­mat (100 bis 130 Menschen auf 1 Quadratkilo­meter) auf ben beutschen Osten, ber mit 40 bis 60 Menschen auf ben Quadratkilometer in den Land- gemeinen und 10 bis 40 Menschen Je Ouabratkilo- meter in ben Gutsbezirken trotz seiner lanbwirt- schaftlichen Blüte das dünnbevölkertste Landgebiet in Kultureurvpa ist. Seit der großen osteuropäischen Bauernrevolution ist ber ostdeutsche Großgrundbe­sitz die einzige Insel landwirtschaftlicher Großbe­triebe inmitten der anwachsenden Flut bäuer­licher Klein- und Mittelbetriebe auf dem ganzen europäischen Festlande. Es ist eine große Tragik,

u. a. m. Vor allem aber zeigt er uns den unver­gleichlichen Geist jener studentischen Jugend, bie bereit war, unter Einsetzung ihrer ganzen Persönlich­keit ber Sache bes beutschen Vaterlanbes zu dienen.

Von demEhrenspiegel" bzw. benBeiträ­gen", in benen er enthalten ist, finb nur noch we­nige Exemplare vorhanben. Ein Stück besitzt bie Gießener Universitätsbibliothek. Dieses stammt von einem Pfarrer Friedrich Haupt, der 1822 Gie­ßener Burschenschafter war, von dem es auf den früheren Gießener Bibliotheksdirektor, Geh. Rat Herman Haupt, kam, ber es ber Bibliothek überwies.

Es ist ein Verbienst bes Universitätsbibliothekars Dr. Carl Walbrach, bieses Kulturdokument durch einen mit einer ausführlichen Einleitung ver­sehenen Neudruck erhalten und weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu haben. Das Merkchen erscheint in diesen Tagen als Festgabe zum 65. Gtiftunas- feft der Gießener Burschenschaft Alemannia, welcher der Herausgeber angehört.

Palast-Lichtspiele Gießen.

Mädchenhandel."

Diesen Film konnte man schon vor etwa zehn Jahren in vielen deutschen Städten laufen sehen; oder vielmehr einen andern, der genau den gleichen Stoff behandelte und sich löblicherweise um dieselbe Sache bemühte. Aber damals wurde man, wenn man das alles an sich vorüberziehen sah, einen unangenehmen Nebengeschmack nicht los: derAufklärungsfilm" ein damals gerade häufig gebrauchter und mißbrauchter Begriff war viel zu sehr auf Beiwerk, Ausmalung und, oft genug, üble und anreißerisch plakatierte Sen­sation gestellt.

Heute wird dies alles einfacher, nüchterner, mit einem Wort: besser und viel wirksamer ge­macht; die ganze Angelegenheit hat nichts wehr vom Kolportageroman, in volkserzieherischem Ge­wände erscheinend, sondern ist ein von zeitgemäßer Sachlichkeit wohltuend beeinflußter Tatsachen­bericht, ein geschickt aufgebautes und geläufig sich entwickelndes Dokument, ohne Seitenblicke und Beigeschmack.

Dabei ist diese Gegenständlichkeit, die den Film bestimmt, keineswegs trocken oder gar lang­weilig; man hat vorn Spielfilm gerade so viel hinzu getan, wie es für die Zwecke auch eines solchen Werkes notwendig ist.

dessen wirtschaftliche Leistungen unb menschliche Vor­züge stets unbestritten fein werben, muß es fein, gegen bie zweite slawische Völkerwanberung eine zweitegroßeVolkssteblungzur Hilfe her- anzuziehen, bie in dem großen fruchtbaren Laube zwischen Elbe, Weichsel, Donau unb Karpgthen einen unburchdringlichen Bauernwall schafft. Für bie lanb- unb erwerbslosen zweiten unb brüten Bauernsöhne aus ben übervölkerten ßanbgemeinben Süb- unb Westbeutschlanbs ist hier Gelegenheit, wertvolle Kulturarbeit zu leisten.

Gerade hier erwächst der deutschen Land­frau eine Aufgabe von großer, historischer Trag- roette. Es ist ein Gesetz von weltgeschichtlicher Schwere und Unerbittlichkeit, daß zunehmende Der- stadtlichung, 3nt)uftrialifierung und der alle Hemm­nisse überwindende Sieg der zügellosen Erwerbs-, und» Genußsucht bie heranwachsenben Geschlechter immer unfähiger macht, die arbeits- und entbeh­rungsreiche Landarbeit zuertragen" und den Sturzfluten der aus den Städten auf das flache Land hereinftrömenden Reize zu widerstehen. Dar­um ist es von nationalpolitisch ausschlaggebender Bedeutung, daß die deutsche Landfrau als Lebens­gefährtin des Landmannes und als Mutter der künf­tigen Landgeschlechter durch ihre Liebe zur Heimat- schölle unb zur Landarbeit sowie durch charakter­feste, sittenreine Erfüllung ihrer Mutterpflichten der Nation ein kerniges, gesundes Bauern­tum heranzieht. Wächst unter der festen, tatkräf­tigen Erziehung und Pflege der Landfrauen ein ge­sunder junger Menschenschlag heran, der auch in den neuen Siedlungen mit Freude zur Arbeit und Liebe zur Scholle eine neue Heimat gründet; dann wird sich endlich die Hoffnung erfüllen, daß die in­nere Kolonisation eine Angelegenheit des ganzen Volkes wird. Sann, nur bann, erwächst bem beutschen Volke bie Kraft, seinen Lebensraum gegen das oorbringenbe Slawentum zu behaupten : und seinen künftigen Daseinskampf zu bestehen.

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gewaltige Devisenreserve angesammelt und hat vielleicht jetzt schon die Kraft, gegen die Finanz­gewalt der Engländer und Amerikaner aktiv vor- zugehen. Das sind Fragen, die auf der Neuhorker Konferenz der Notenbankpräsidenten sehr ernst besprochen worden sein werden. Poincare wird sich vermutlich denken, daß, wenn die Dinge so liegen, die Endlösung drs Problems also die Endordnung der französischen Schulden in Ame­rika sich für Frankreich noch günstiger gestalten läßt, als es bisher möglich war. Ist dem so und gelingt ihm das, so befestigt er natürlich auch seine Stellung tm Innern wieder mehr, und für Deutschland das wichtigste ist er noch mehr in der Lage als bisher, in der Rheinlandpolitik, überhaupt in der Politik Deutschland gegenüber, so vorzugehen oder vielmehr nicht vorzugehen, wie er es das letzte Jahr getan hat. Der Kampf Poincares im Innern und der Kampf um Poin­care in den französischen Parteien wird im näch­sten Winter nicht nur für Frankreich, sondern auch für die Europapolitik sehr interessant und sehr be­deutungsvoll werden!

Die deutsche Landfrau im Kampf um die Heimatscholle.

Von Dr. Ludwig Rubloff.

Auf ben Schultern ber deutschen ßanbfrau ruht nicht nur ein großer Teil ber hauswirtschaftlichen unb öffentlichen Lasten ber deutschen Volkseniäh- rung, sondern auch ber Kampf um die Heimat­scholle. Die deutsche Volksseele ist der Heimatscholle entfremdet worden; aber keine noch so weitgehende Befreiung der Technik von den organischen Lebens- schranken der uns umgebenden Pflanzen- und Tier­welt kann die enge Verwurzelung der Volkskraft mit ihrem Mutterboden lösen, ohne ihr Leben zu gefährden.

Vor hundert Jahren war bas beutiche Volk ein Bauernvolk; seit zwei Menschenaltern sinb all­jährlich Hunberttausenbe der lebenskrästigsten Men­schen in die Städte gezogen; seit der Reichs­gründung hat die Landbevölkerung sich nicht ver­mehrt, weil der ganze Bevölkerungszuwachs den Städte zugute gekommen ist. Die große Umschich­tung ber Siedlungsweise spiegelt sich in folgenden Ziffern wieder:

Es wohnten in Gemeinden: unter 2000 Einwohnern (Landgemeinden) 1871: 26,2 Mill. Menschen -- 63,9°/° 1925: 22,2 Mill. Menschen - 35,6°/° über 2000 Einwohnern (Stadtgemeinden)

Die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durch die burschenschaftliche Bewegung in der Studenten­schaft lebendig gewordenen reformatorischen 3been waren an unserer Ludoviciana auf besonders gün­stigen Boden gefallen. Zuerst war :: ::r. um Friedrich Gottlieb W e l ck

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