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Nr. U4 Lrster Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag, 25. Juni (927

Erscheint tägltd),ash«! Sonntags in» Stintac»

StUeye:

Wegener ^o-wtlienblällf j^nmcl i* Bild thc Scholl, »oiets«B<iey»reU:

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Anschrift flr Drotzrnach- richte». Sijeieer Kietze» Pot,*,(ffowto:

Sraeflnn a« Main 11688.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnd üerlag: vfühl'sche Universtlätr-vuch' ind Steinömdrrei B. Lange in Liehen. 5chrifliennng und Geschüfirtzekle: 5chnlfttahe Z.

3nna)»e von Snje ei für btt la-emvmmcr ?ts jim '.Te*mittag vorder.

Pni» ftr l mie

flr Sntnern von 27 - in Srtiic onlich 8, aBSffdrti 10 Reich» p enmg, für Sie» Klomean;eigen ren 70 "-m Brette jS trmj,

Tlc*rw4*n'i 20 . mehr.

ChefttdnKtecr

Dr. j-rtcbr. TWl). Lange. Deranrwonlich für Vohtiii Dr 5r Dill) Cong,, Hit Feuilleton Dr. $ Idyr oi; für den übrigen Iw! ffr-tft Dlumlchetn: für ben Sn« leigentril Muri fiiümenn, lämtlid) in Dietzen.

Länder und Befolöungsreform.

Tie Berliner Konferenz der^inanzminister.

Eigener Drahtdencht bn(Biefctner tlnyigere".

Berlin, 23 Juni. Vettern Hal nunmehr die Konferenz der Finanzminister der Länder mit Retthssivanzminister Dr. Kohler stattgefunden die zur Klärung der Frage der Be- omiendesoldung dringend notwendig gewor­den war und auf die deshalb Dr. Köhler vereit­ln der letzten Auseinandersetzung im Hau»holt»au. schuß de» Reichstage» hlnwtes. Do der Hauohatts oasschuß um Bttchteumguno dieser Besprechung ba:. hatte der Aeichostnonnminifter die Landenninister telegraphisch nach Berlin gebeten. Wie wir erfahren, haben alle Länder an dieser Konferenz tettgenom men und alle Minister erklärten, daß sie durchaus ron der ?lotromöigfdt der Steform der Beamtende- solduno aberzeugt seien. Buch traten fle dafür ein, al» Termin für das Inkrafttreten der neuen Verordnung tot 1. Oktober on-usetzen, da ein früherer Termin im Hinblick aus die finanziellen Schwiengteiten her Länder n i d) t in Frage komme. De» weiteren jedoch erklärten die Minister, dost die Länder nicht in der Loge seien, M e h r a u f - Wendungen aut eigenen Einnahmen zu decken Auch seien ihnen keine anderen Deckung-Möglichkeiten gegeben. Der Reich»- sinonuninister erhärte darauf, doh ReIch » zu - fchüsse in der Frage brr veomienbefoldung, wie er bereit» im Hau»h,tti»au»schub erklärt Hot. nichl in Frage torm.ien tonnten. Da» Ergebni» der Be­sprechung wird Dr. Rübler nunmehr dem Hou»halt»- autschich oortrogen. Ein dommuniqut über diese Besprechung wird nicht bereu»gcflcben werden, do die ^Verhandlungen nur im Nahmen einer Au», spräche geehrt mürben.

Ueberbtuft man diese» Ergebnis der Besprechun­gen, jo d, ;-maa man daraus leider nur die traurige Tatsache festzustellen. dost die BesoWungssrage durch diese Besprechrmgen auch keinen schritt weitergekorn- men ist. Die Kardinal frage bleibt nach wie vor: Woher da» (Selb nehmen, um die höheren Gehälter zahlen zu können?

Der 80. Geburtstag des Reichspräsidenten. "Berlin, 22 Juni. (TDtrfff.) Auf zahlreiche bn "Büro des AcichsPräsidenten und der Reichs- rcgicrung eingsgangene Anjragcn und Vorschläge für die Feier des 80. Geburtstages des Herrn Heidn'Vrallbenten a m 2. Oktober diese» Jahre« wird amtlich folgende- mitgeteilt: Reich-Präsident v. Hindenburg hat den Wunsch au-gelprochen. dost an seinem 80 Geburtstag von kostspieligen und gerä ufchvvllen Fei­ern oder Be t a n n a11 u na c n 2 bstand genommen werden möchte 2111 cn. die Hinden­burgs an diesem Tage gedenken wollen, ist einem jedem nach seinen Kräften Gelegenheit Scaeben. die- durch "Be t c H i g u n g an der lindenburgspe n de zu tun. Sie werden im »inne de- Herrn Reich-Präsidenten handeln, toenn sie dazu beitragen, die Rot '.ahire.cher durch Äricpd-eit- und Rachkriog-:,eit geschädigter Volks­genossen zu lindern.

Um der "Bevölkerung Berlin- und Um­gegend (Mcgcrbvit tu q?S Den Herrn Retch-präsidei.ien zu ehren und ihn zu grüfier.. hat sich der Herr Veich-präsident bereit erklärt, am Rachmittag de- 2. Oktober sSonntag» im Stadion eine Huldigung der "Berliner Schuljugend entgegenzunehmen. Em besonders zusammengestellter iSbor "Berliner Schüler und Schülerinnen wird dem Herrn Reichs­präsidenten einige Lieder Vorsingen Aul dem "IBcoe zum Stadion sollen Unter den Linden Veroände und Vereine, die Studentenschaft und andere Körperschaften sowie die Bct'öllerung Spalier b.lden. um dem Herrn Reichspräsidenten ihre Huldigung Da nut bringen. Am Vormittag des 2. Oktober wird der Herr Reichspräsident die Glückwünsche der Aeichsregie- r u n g. der Reichswehr und der Reich-marine, de- Reich-rat- und anderer Körperschaften In seinem Haufe entgegennehmen Für den Vor­abend ist ein militärische rZapfenstreich vorgesehen.

Die Stadt Salzburg beabsichttgl. am 2. Oktober, dem 80. Geburtstag des Reich-Präsi­denten von Hindenburg, die Westbahnstrahe in Hindenburgstrahe umyitaufen.

Die britischen Gewerkschaften gegen Moskau.

London. 22 3uni. <WV.> 5kr (Bcncralrat der englischen Gewerkschaften und der geschäfts- führende Ausschuß der Arbc-.terpartel haben eine Snttchlicoung angenommen, in der cs u. a. hecht' Unter Anerkennung der außergewöhnlichen Schwierigkeiten, die die politische ©itu- ,.r Rus-'.and mit Ld) bnngt und in 1'2*1 ter QSürbigunfl der gerechiserttgten Empörung der Sowjerreg.cruna über da- Attentat auf Wo . kow halten sich doch die Delegierten für genötigt, gegen eine Politik zu protestieren, die eingestandenermaßen an der Ermordung Wo.- kows unbeteiligte Personen al# Repressa­lien gegen diese Ermordung hmrichren läßt Sie sind der Anl.cht. daß eme solche Politit nur verh ängnisvvlle Folgen für Goto- jetrußland haben kann und geben der Hoffnung Ausdruck, baß die in Sowietruftland grüble Justiz der H r.r .chtung von Perfon.m. die f^ch politischer Delckte schuldig gemacht haben ein­gestellt werden wird.

Die gukunft der deutschen Wirtschaft.

Reichswirtschaftsminister Dr. Turtius auf dem Industrie- und Handelstag.

(Eigener Drahtbericht de» Gießener Anzeiger*'

Berlin. 23. Juni. Daß der Reichowirtschafts- Minister Dr. C u r t i u » gerade die i'oQoerfammlung de» Deuridxn Industrie- und Handelstoge» in Ham­burg wählte. um eine höchst bedeutsame program- mansche Rebe zu halten, ist gewiß kein 3uk)Q. Da» Bernerfcn»ro<nc an den grohangelegten Äu»führun- gen de» Reichswirtschaii:Minister? war. daß er sich nicht nur theorettsch mit den wirtschafttichen Gegen. wartdproblemrn beschäftige, sondern ganz be» ftlmmte Taten, b.e sich mit logischer Rolwen- digkeit au» dem Bekenntnnie zu dem Geist und den Bestrebungen der Wettwirtschastskonfenenz ergeben, I n 21 u »f i 41 ft e 111 e.

Die Gesichtspunkte, welche die Rede de» Reichs- wtrtfchaftvminisrer» enchielt, sind die gleichen, wie die non der Internat,ovalen Handelskammer vorbereite­ten. die ^u den Genfer Beschlüssen der Delttviri-

on'cren, führten und die auch im Mittelpunkt de» in den nächsten Tagen beginnenden Stockholmer Kongresse» stehen werden. Auch die Darstellung der großen Lime unserer Dirtschist^testaltung und der innerwirtschaftlichen Vorausletz-ingen für die Ber- gröherung unsere» Warcnabf-iftes ordnete sich diesen Gesichtspunklen unter. Der Reichswirtschntsminister erachtet die Vergrößerung de» Darenab- safte» im Inland wie auch im Ausland nur auf der Grundlage ermäßigte n Preis­niveau» al» möglich. Hier liegt also die Konse­quenz dasür, dast die Heraufseftung der Kohlen- prelle ad gelehnt wurde, und dast auch für die Zu­kunft eine Kohlenpreiscrhöhuna nicht gebilligt wer­den wird, weil sic mit dem Ziel, die industriellen Produkte zu möglichst billigem Preise herzustel- len. nicht in Einklang zu bringen ist. Im übrigen gipfelten seine Ausführungen über die Gestaltung der Wirtschaft darin, dast die Stabilität der deutschen Währung absolut gesichert ist. und dah die Passivität unserer Han- delsbilanz (einerlei Gefahren mit sich bringt da e» die deuiiche Wirtschaftspolitik in der Hand hat die schädlichen Folgen bezüglich des Devisen- obfluffc» einzudämmen.

Seine Ausführungen über die innerwirtschaft­liche Lage TX-utschland- ergänzte der ReichS- wirtschaflsminister durch die Schilderung der vor­gesehenen handelspolitischen Rkasinahmen, die nicht- anderes sind, als die praktischen Folge­rungen ter TDeltwirtschastskonferenz. Danach Ist die Reichsregierung entschlossen, durch lang­fristige Handel-Verträge zu einer mög­lichst weitgehenden wechselseitigen G r m ä h i - g u n g der überhöhten Zolltarife zu gelangen. Bei den schwebenden Ha-id.lövertrap.s- verhand'.ungen mit Südslawien und der Tschecho­slowakei soll bereit- im Deiste der Beschlüsse der "Deltwirtschastskvnserenz die wechsel­seitige Senkung der Tarife versucht werden und entsprechende Verhandlungen sollen mit den Staaten geführt werden, mit denen be­reit« Abrnachunaen bestehen. Deutschland wird austerdem. unabhängig von den Vertrag-Ver­handlungen. in dieser Richtung den Weg de- Abbaues seiner Zndustri^ezölle gehen, so das» also damit eine grundsätzliche Aenderung der oft als reine Verhandlung-- und Kamps- ÄÖÜe gedachten Industriezölle eintritt Die deut­sche Regierung kommt dem Auslande in weitest­gehendem Maste entgegen, zumal sie bereit ist. innerhalb der bisherigen Handel-verträ-r Aende- rungen durch Erweiterung der Zvll- tarifpvsitivnen orrzunehmen. Wenn der Reichswirtschast-minister in diesem Zusammen­hänge das BekennmiS auSsprach. dast da- Schick­sal Europas auch das deuttchc Schicksal sein werd.. so liegt hierin zugleich daS Bekenntnis zu dem Prinzip der europäischen Ar­beitsteilung. Die- ist um so wichtiger, als eS au- der realen Erkenntnis der Interessen der deutschen WiNschaft. wie sie vorn Minister geschildert wurden, geboren ist und darum am besten beweist, dast Deutschland die praktischen Folgerungen der Weltwirf chastSkonferenz an­erkennt und m die Tat umsetzt.

Die Hamburger Tagung.

Hamburg, 22. Juni. (Dolfs.) Aus der 47. Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handclstayes nahm nach einer Begrüßungs­ansprache des Präsidenten Franz von Mendelssohn Rcichswirtschastsminisler Dr. (E u r t i u s das Dort zu einer großangelegten Rede, in der er die Grund- züge der schwebenden deutschen WirtschastLfragen behandelte. Im Zusammenhang mit der Beurteilung der gegenwärtigen Lage könne mit absoluter Sicher- beit gefaxt werden, dast die Stabilisier ung der VLahrung gewährleistet ist und daß irgendwelche Gefahren zur Zeit oder in Zukunft für die deutsche Wahrung nicht bestehen. Auch von der Seite der Reporattonsvcrpflichtungen her könne der deutschen Währung eine Gefahr nicht drohen. Das erhebliche Steigen der Passivität der Handels­bilanz finde ihre ausreichende Erklärung in den Konjunkturoerhältnisfen. Bei einigermaßen gleich- bleibender Einfuhr zeigte die Ausfuhr einen -war langsamen, aber stetigen Aufstieg.

Mm die deutsche wirtschaft stark und fon- kurrenzsählg zu holten, sei eine Senkung der Dreisc und eine entsprechende Steigerung de» Realeinkommens wahrscheinlich der einzige weg.

Daher habe der Minister auch die Erhöhung der Kohlenprcite untcriagl. Er baffe ferner, dast im gegenwärtigen Augenblick eme Steigerung

der Eisenpreise vermieden werden kirne. 3n der Frage der bevorsteh.-nden Reuregelung der LiquvdatirnS- und Verdrängten'chaOen müsse da- Reich alle- tun, was in feinen Kräften stehe und zwar rafch und In einer leicht über­sehbaren Form.

3m zweiten Teil feiner Rede behandelte Dr. EuNtuS die Fragen der deutschen Han­delspolitik. Die Reichsragierung werde ihre Kraft in der Richtung der Empfehlungen der "Deltwirtschaftskonserenz einketzen mit dem Ziele einer schnnwe.ten und paritätischen Sen­kung des Zollniveaus der "Welt. Die deutsche Regierung sei erttschlossen. hierzu durch langfristige Handelsverträge zu gelangen .

dem wirb sie Ländern, mit denen bereits Tarif­verträge abgeschlossen wurden, neuerding- in der gekennzeichneten Richtung Verhandlungen Vor­schlägen. Der Minister bedauerte, dast e» noch nicht gelungen sei. zwischen Deutschland und Frankreich e.ne dauernde wirtschaft-politische Verständigung aus bre.terer Basis herbeizu­führen. Das Ziel scheine wiader in weite Ferne gerückt zu sein. Deutschland habe Frankreich Vorschläge im Sinne der "Deltw et- fchastskonserenz unterbreitet. Sollte eS nicht zu einer Verständigung kommen, so werde sich Frankreich darüber flar fein massen, dast ihm ein wesentlicher Teil der Verantwortung für die weitere Entwicklung der "Dirtschaft-verhältmsse Europa- zusällt. Zum deutschen Zollniveau über­gehend. erklärte der Minister, dast die Reichs­regierung die gegenwärtig beftefjenbe Disparität zwischen dem landwirtschaftlichen und industriellen Zollschutz durch einen entsprechenden Abbau de- l ndu st r i ewi rt s cha f 11 i chen ZvH- nlveau- mit größter Beschleunigung erreichen wolle.

Al» erster Qtebner der Tagesordnung hielt sodann der Eisenindustrielle V o e g e l e Mann­heim einen Vortrag über

Deutsche Industrie In ber Weltwirtschaft".

Der Wiederaufbau der deutschen Industrie habe sich vor allem auf die Vereinsachung deS Herstellung-Programm- au erstrecken. Durch Rakonialisierung müsse das Döchstmah an Leistungen unter geringem Aufwand erhielt wer­den. SS sei zu begrünen, dah die Weltwirt­schaft skonserenz den Gedanken eine» Abbaus der Zollschranken anerkannt habe. Der Redner wie- weiter auf das verstärkte Austreten von 2 m e - ri ka mit Fertigwaren auf dem Weltmarkt und die gesteigerte Bedeutung der östlichen Märkte für Deutschland hin. Wirtschaftliche Autarkie sei in absehbarer Zeit in Deutschland undenkbar. Sine solche intensive Industrie, wie f.e Deutsch­land besitze, bedürfe gröherer Winschas'.ü- gebiete. Aufgabe der Regierung sei eS, eine Handelspolitik zu betreiben, die in aller Aner­kennung der hervorragenden Bedeutung des inne­ren Markte- dem Rechnung trägt und eine

Sozial- und Steuerpolitik betrübt, d.e es ..r deutschm Winschaft ermöglicht, wettoe- werbsfähig zu bleiben.

Als nach.er Qlcbnrr sprach H..r F.anz Heinrich Withoesst ül\*r ..Äamluirg.' Bretung für Vvlls- und Welttoirtftvaft" AIS dritter Redner verbreitete s.ch noh M. u r g über da- Thema

»Der Kredit im Geschäft»- und Slaateleben", wobei er seine Ansichten über den Kredit der Rotenbank, des Staate- und der 'Priva u irt- schäft entwickelte. Der Redner eriTärtc: Der Kredit des Reiches, der Kred.t ber 7'oi.n- banken und der Kredit der Privatwrtschäft sind voneinander a b b ä n p i q 3m all gemeinen 3n- werden. Somit d e Kapitalisten In der Lage sind, ihr Geschäft auszudehnen mit andere,i V indem zu konkurrieren und vor allem auch der C ..'eiter- schäft die Arbeitsgelegenheit, die sie bcXir »u erhalten. 3n einem Lande, In dem für die soziale Fürsorge derart vi-'l ae Lieht wäre an Stelle deS Worteskapitalistisch^ in dem bis­herigen einteiligen Sinne das Wort ..<o*ial- k a p i t a 11 st i, ch angebracht Ter R.i re ä : Die unwirtschastl ch?Beben 'lun i Deut '.a.ids. die wirtschaftlich widersinni gen Ma nah nen auf Grund de- Versailler Vertrages Ichadigen nicht nur Deutschland, sondern f t e schädigen Eu­ropa. Europa w.rd sich immer weiter r- schulden, den Kredit verlieren und e- wdie Zeit wiederkommen, wo Europa in der ult gröhcre Kredit als 'et-kosten hatte, wenn wir nicht die Wirtschaftliä>en Rotwendigkri en. unab­hängig vom Ehauvini-mu- und Parrikular^-mu- zur Geltung bringen.

Al- letzter Redner sprach Reich-mtn. !e D. Hamm, erste- yeschäst-führende« Praftdie U» glied de- Industrie- uno Handel-tage- zur .. ie .Staat und Wirtschaft", indem er zugleich eine Entschließung vorlegte, die die gruntlflDlidx Auf­fassung des Deutschen Industrie- u. Hand. t?g. S von ben wichtigsten Gegenwartsfragen zu!am en- fassen soll.

Die Entschliehung wurde einstimmig ange­nommen. Der Präsident richtete einen Appell an die deutsche Wirtschaft und in-befondere an die deutschen Handel-kammem. der vom Reicl)s- fabinelt beschlossenen Hlndenburgspen. e zum Erfolge zu verhelsen. Es folgte die Uat)! von Holz- Mainz. deS GeneraldiiektarS H ' > f - mann-Oppeln und von Oskar Bcrifer- Pforzheim zu Mitgliedern k<S Hauptav-. . eS. Rach Genehmigung der Dor ,e chlagenen Lai".n- änberunqen, wobei es u a. ten auölL . n Handelskammern und Wirts hostlichen "Berdnigi.n- gen deutscher Industrieller im AuLlande gcf. . i.t weiden soll, dem Deutschen Industrie- und 5j. n- delStag unter bestimmten Voraussetzungen alfl außerordentliche Mitglieder beizutreten. fa>: ß ie Tagung.

Bor einer neuen Aera Poincare

(Von unterem Pariser XI/. S.-Äonefbonbenten.) Par iS, den 21. 3unl 1927.

Als man am Montag die Pariser Presse- lom.r.entere zur neuen Hetzrede PoincaräS laS. konnte man auS zweierlei Gründen irregeführt werden. Einmal muß man wissen, daß die großen Pariser Zeitungen in manchen Fragen ihre eigene Politik treiben, nicht aber, wie in Deutschland, die Auffassung ihre- Leserkreise- vertreten. Zum andern aber konnte man von vorneherrin nicht ganz flar erkennen: Inwieweit waren diele Blätter richtig informiert, wenn sie sämtlich -- bis auf zwei Ausnahmen (Volonte unb Soir> mit fliegenden Fahnen sich von Briand abwandten unb in- Lager deS .Regierungschef-" abfchwenkten.

Gerade dah'.naehende. genaue Informationen sollten in Deutschland noch viel mehr zu denken geben als die Rede PoincarLS an sich. Wir können auf daS bestimmteste versichern, daß Poincare seine Rede in Luneville nicht gehalten ha', ohne seine Ministerkollegen. und vor allen Dingen ohne auch den verantwortlichen Ressvn- miniftcr, Briand also, vorher genau von dieser Rede zu informieren. Unb daS gesamte a- b i ne 11. die ganze französische Regierung, h a t diese Rede gut geheißen. DaS ist daS Wesentliche. Gewiß. Poincarö berauscht sich gern an feinen eigenen Phrasen und mag ftch von seinen lochringischen Landsleuten haben bin- reihen lallen zu einigen besonder- scharfen Aus­drücken. Das ändert jedoch nicht das mindeste an ber feststehenden Tatsache, baß Deutschland in dieser Rede die offizielle Stellung­nahme Frankreich- zur Locamo-Politik zu erblicken hat. Hier haben wir die Quittung auf Gent. Wir sind genau so weit, wie vor drei Jahren, auch nicht einen Schritt weiter

Dann beginnt man also in Deutschland allge­mein zu erkennen, daß der französische Generalstaö und die chauvinifttschen Rrcite um Poincars Herren der Lage sind, ganz gleich, wer auch immer der nominell verantwortliche Leiter der französischen Auhenpolitik ist?

Ter ..Temp»" mag immerzu schreiben, Deutsch­land wollte nun einmal Poincarä nicht verstehen. Rein, wir verstehen ihn nur zu genau. Wir haben den amtlichen Bortlaut dieser Poincaräschen

Rede ganz genau und mehrfach durchgele'cn. Wir wollen auch zugeben, daß Poincars zum ersten Male einige genaue Unterscheidungen macht zwischendem deutschen Volk" undbem telserlichcn Deat'ck/i^nd". Seine Schlußfolgerungen aber bleiben d>e gleichen: nomlid): Deui'chland soll uns neue Pfänder, neue Garantien, neue Sicherheiten schaffen.

Wir wollen foflar noch einen Schritt weites j.n und nicht verschweigen, daß die oerantwort.ichen Berliner Stellen in einigen Fragen, mir z. B in ber der Dflbcfeftigungen von hier au» betrachtet sich taktisch recht ungeschickt benommen Haden. Auch ionjt sind in der letzten Zeit von Berlin aus an die diplomatischen Aubland Vertretungen Anweisunpen und Instruktionen ergangen, die aus bebaucrliche Regtesehler sehfießen lasten.

Aber ttotzalledem: Eine derartigeinteilige Auslegung von Locarno, wie sie Frankreich bel ebt, ist auf die Dauer unmöglich, |a noch mehr, sie be­deutet schon jetzt dasFias'o jegllcherloi)o- len, vernünftige n Annahe rungspoli- t i k zwischen Deutschland und Frankreich

Denn man einmal nach Deutschland tomirt, soll man immer wieder die Frage beantworten:Io. wie kann Poincars denn so etwai überhaupt sag." y Des­halb läßt sich ein Mann w;? Briand denn jo etwas überhaupt gefallen?^ Mit Verlaub: .Hatte 'zrianb denn die Macht, gegen den Stachel zu löten?- Darauf erschallt dann die Antwort: ,^o, dann soll er eben zurücktreten!- ,La, und bann?"

Leider betrachtet man in Deutschland r elfach d.e gesamte deutsch fran;.' I che Annäher m.^-- Politik unter einem ganz schiesen Gesicht^wir.kel. Man hat nach Locarno allzusehr in Osti- rni-rnus ..gemacht" und ein Tnnpv m bet Annäherungspoftrik ..vorgeleat", das fchwindel- cnxgenb war. Das muhte fxb über kurz ober lang rächen, unb h a t sich bitter gerächt. ES wurden gar viele Illusionen zerstört, auf b e man anscheinerrb In Deutschlanb übere frigft unb allzu oertrauendfetig gebaut hatte Man über» liegt in Deutschlarrb offenbar stets bie inner- politische Lage in Frankreich in all ihren Zusammerchängen und Folgerungen, als da s.nd TDähruiw-sragen. Wahlrechrrreivrm. Ent- wasfnungsfeinbscha't. Hcrresorganifation, Schul- benbebatten. Enlenlerücksichten, Bertrag-bindun-