Kameraden.
Roman von Felix Mveschlitt.
Copyright by (Tori Sünder, Berlin W 62.
IS Fortfe^ung. Nachdruck verboten.
Er wandte sich zu Georg Lutz. ,.E» freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ein Mann, der tne Frau eine» anderen heiratet, wie ich, der nimmt mit der Frau auch den ersten Mann ins Hau». Wohlan, ich habe Sie gerne ins Hau» genommen. Da» soll fern leeres Wort fein. Das Eingeständnis befer Tatsache ist mir zuerst auch nicht leicht geworden. Ich brauche Ihnen da» wohl nicht zu erklären. Heute sage ich offen (damals hätte ich es nicht getan): Bielleicht liebe ich viele» an ihr, das von Ihnen ist. Ich kann da» .vielleicht sogar getroft weglafsen. Ich gebe mich keiner Täuschung hin." Er schwieg und schien wieder zu lauschen. „3n Zukunft werde ich das noch deutlicher wissen." Er lächelte, ju seiner Frau gewandt, die ihre Hände gegen die Brust preßte. Sic wußte nicht, war cs aus Freude oder aus Schmerz, so tief war das Gefühl der Erlösung.
„Vielleicht", fuhr der Blinde fort, „sagen auch Sie später einmal — Sie werden die Anmaßung, die in meinen Worten liegt mir zugute holten — vielleicht sagen auch Sie: E» hat mich gefreut, die Bekanntschaft Dr. Schröder» zu machen. Wir Blinde sind nämlich olle ein wenig eingebildet. Da» liegt in der Natur unserer Isolierung. Nicht wahr, Marianne?"
Georg fand nur einen kurzen Satz, um das aus- zvb-Ock-n, wo» feiner Meinung nach olle» erklären und gleichzeitig fein Tun auf fein rechte», bescheidenes ;u<uh zurückführen konnte. „Es geschah aus Kameradschaft," sagte er einfach.
,La," sagte der Blinde und leuchtete aus. „Das ist'.-, wo» ich gespürt habe. 9hm begreife ich es erst recht. Es war wie im Felde, wenn einer zum andern gesagt hat: Ich bin stärker als du, darum schlage ich dich zu Boden."
Sie hielt ihm rasch die Hand auf den Mund. „Nicht so, Hans, er glaubt noch daran, und bei uns soll er daran glauben."
.Latin es denn hier anders sein als dort?" sagte Georg. „Sind es nicht die gleichen Menschen?"
,.E» gibt auch hier ÄameraM tagte Hon» rasch, „wenn es auch noch etwas andere» gibt"
jyat man nicht auch bei Ihnen gesagt: «artet nur, bi» der Krieg zu Ende ist, dann werdet Ihr sehen, wo» wir au» Deustchland machen werden?"
.La, da» hoben arir getagt"
..Sieht du, Marianne," triumphierte Georg. „Und hot man nicht auch bei Ihnen gesagt, wir wollen immer Rameroben fein?"
„Doch, do» haben wir gesagt."
,Lch wußte e» jo. E» ist nicht nötiL daß man es unterschreib:. Nun werde ich den Peter Grundt suchen."
„Georg, tu's nicht.” bot Marianne. ..Man kann dich ja überhaupt nicht allein reifen lassen."
„Du vergissest mein Amulett", sagte er, „wie du es genannt hast."
sie ichätkelte den Kopf.
„Was ist do» für ein Amulett?" fragte der Blinde.
Georg reichte ihm dos Gelöbnis.
Der Blinde drückte das Papier erschüttert an die Brust. ,La, dos ist die Lust des Schützengrabens. Alles schien so leicht. Man schreckte vor dem Der- messenften nicht zurück. 'Aber der eine starb, und der andere wurde blind, und der Dritte ..." Er oer- ftummte. „Es scheint leicht zu fein, fein Blut zu geben, aber es scheint schwer zu fein ..." Wieder unterbrach er sich. .Hier find Sie unter Kameraden", sagte er, und gab das Papier zurück, ruhen Sie aus bei uns, ehe Sie den Schritt wogen. Es ist hier ein bißchen eng, es wird nicht am bequemsten fein, aber wenn einer von dort herkommt, von wo Sie kom- men. so wird es genügen, ich zweifle nicht daran, und Sie werden müde sein."
.Jyans", sagte Marianne, „er hat alles verloren."
Der Blinde dachte einen Augenblick nach. „Na- türlicb hat er alles verloren," murmelte er. „Wieviel meinst du, daß wir ihm geben können. Hoben wir tausend Mark?"
„3a", jubelte sie, „das hoben mir!"
„Nein, nein", sagte Georg, „ich werde schon Ar- beit finden."
„Still," kommandierte Hons mit einer Kraft, die man ihm nicht zu getraut hatte. ,Ln diesem Leben müssen Sie Geld haben, und ein Kamerad muß nicht nur helfen können, sondern er muß auch Hilfe an- nehmen können. Sonst Ist er kein rechter Kamerad!"
Georg wollte Einwände erheben, aber Dr. Schröder erzählte chm, daß er Glück aehadt hätte mit emer kleinen Erfindung, denn vom Stundengeben und von der Mitarbei: an Zeitungen allein waren keine tausend Mark zu ersparen gewesen. Da» nun die Erfindung betreffe, so handle es sich um eine kleine Serbefkrung auf dem Gebiete de» Nadio». einer Sache, die er natürlich auch noch nicht kenne urtb auch gor nicht kennen könne, morgen werde es ihm gezeigt und erklärt werden. Und da nun das Geld noch daheim liege, so muffe er es auch annehmen. Gerade weil er sich so leidenschaftlich auf die flame- radlchost berufe. Georg blieb nichts anderes übrig, als hi zu lagen und zu danken.
In der Nacht erwachte Han» und hörte, daß Marianne neben chm weinte. ..Darum weinst du?" fragte er und spürte einen Stich im Herzen, sie antwortete nicht. „3d) weih, warum du weinst", sagte er mit Aufbietung aller feiner Kräfte, „es wird nicht das letztemal fein. Ich will betnen Kopf halten, bis du ausgeweint hast. Wir leben olle in der Unvollkommenheit und machen bas beste aus ihr und firtb sogar ganz fröhlich dabei, solange e» Tag ist. Aber m der Nacht werden wir immer wieder der Doll- kommenhelt nad)meinen, die uns versaat worden ist, dtr und mir, jedem auf seine Weise/ Sie suchte dankbar seine Hand, imb so, Hand in Hand, schlum- werte sic endlich ein.
Am Morgen war Georg Lutz verschwunden. Aus dem Tische lag ein Zettel mit Worten des Dankes und dem Schlußsatz: Ich geh' zu Peter Grundt.
17.
Marianne tat ihre Arbeit. Doch jede Stunde geschah es. daß sic die Hönde ein paar Mote sinken lieh und vor sich hin starrte. War es recht, daß Georg allein in die Welt hinausging? Mußte sie ihn nicht bewahren vor diesem Peter Grundt?
Um ^ehn Uhr ging sie zu Han» hinein. ,Hch bin so unruhig. Bist du mir böse, wenn ich ihm nachreise?"
„Reise ihm nach", sagte Han», „wenn ein Blinder helfen könnte, so käme ich mit"
Als es bestimmt war, daß sic reifen sollte, wurde sie ruhiger. Noch war die» und jenes zu tun. Sie wollte den Mittagszug nehmen. Bis dann war sie fertig.
<$• läutete, flam er zurück' Schnell lies sie zur Türe. S» war ein Fraulein, das gelautet hatte. Hilde Römer? Sie kannte feine Hilde ‘.Romer. — Sie habe etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen. — Etwas Wichtiges? — Ja, es handele 'ich um Georg Lutz. Sie kenne ihn ein wema von früher her. (Sie wurde rot dabei.) Nun sei hc im Irren - haute gewesen und habe bi/ Adresse von Frau
7i. Marianne verspürte «ist, bte junge, verwirrte Per'on kurz aburaxden. Ader aus dceiern Antlitz, da» sich in deutlicher üiUlofigreit hob und senkte, sprach etwa», bas sich nicht adwetten lieft- Marianne dachte an bte letzte Nacht. Han» batte ihr die Hand gegeben, vielleicht war es nun an ihr, jemandem die Hand ju geben. Ste mußte sich einen Augenblick an der Wand ballen, bann sagte sie: „Bitte, treten Sie ein." Mit schw ren Schritten ging sie der Fremden voraus und öffnete die Tür zu ihrer 6tuet.
Eine halbe Stunde später tarn sie zu Hau». Ich reife nicht", sagte fie. „Es ist nidw mehr nötig. 3d) weiß jetzt, daß temanb ander» für ihn total."
„Wer denn' Ein Freund''"
„Ein Mädchen." Sie sank in einen Stuhl. „Ich sollte eigentlich froh fein darüber', tagte sie mit einem wehmütigen Eächeln. „Ich glaube, es ist em guter Kerl."
Am Nachmittage des gleichen Tages stieg bic alte Haushälterin be Prioaigelchrten Peter Grundt lüngi.im. ein wenig keuchend, die Treppe zum ersten Stock hinan, klopfte an die Türe be» Arbeitszimmer». öffnete und sagte: „Unten ist ein Herr, der Sie zu sprechen wünscht. Sein Nome ist Georg Lutz."
„Kommen Sie herein, Elise," jagte Peter Grundt. „und schließen Sie die Türe. Wie steht er aus?"
„CFin hübscher, großer, blonder Kerl. Er trägt zwar einen Bart, ganz gegen alle Mode, und im Bort sitzen Ihm ein paar graue Haare und auch an den Schläfen. Reich kann er nicht fein, sonst käme er nicht im Soldatenrock, bas tut hoch niemand mehr. Auch den Hosen sieht man noch den Krieg an. doch sind sic sauber gewaschen, und gegen bac- Schuh- )cuq ist nicht» einzuwenden. (Einen Hut trägt er nicht, bas muh ich noch sagen. Aber bas tun ja jetzt viele, es hat also wohl nicht» zu bedeuten."
(Fortsetzung folgt)
Guter Gesellschafter kenn nur Jemand sein, der gesund ist, dessen Körper und Geist frisch ist. Die Vorbedingung hierzu ist aber, dafj das im Körper kursierende Blut die richtige Zusammensetzung hat; in der jetzigen aufreibenden Zeit nutzen sich, die Nerven sehr schnell ab, daher die vielen sich einstellenden Beschwerden
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Zwangsversteigerung.
Die umstehend bezeichneten Grundstücke, die zur Zeit der Eintragung de* Dersteigerung-vermerkS in Blatt 76« auf den Namen des
Tertor, Johann Konrad Dritter, Bierbrauer, und in Blatt 767 auf
a) Teator, Johann Konrad Dritter. Bierbrauer in Lick, b) Textor, Margarete geb. Graf, dessen El>cftau in Lich, Gesamtgut der Errungenschaft-gemeinschaff
im Grundbuch eingetragen waren, sollen [10660 D
Freitag, den 20. Januar 1928, vormittag» 9 Uhr
durch da» unteucicfmctc Gericht im Arntsgerichttgebäude Zimmer Nr. 1 versteigert werden.
Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung auf tktreiben verschiedener Gläubiger.
Der VersteigerungSverrncrk ist am 16. August 1927 in das Grundbuch eingetragen worden.
Insoweit Rechte zur Zeit der Einttagung des Bersteigerungs- vermerls auS dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens nn Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzu- meiben und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls fie bei der Feststellung dc» geringsten Gebot» nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Vcrstei- gerungSerldieS dem Ansprüche de» Gläubiger» und den übrigen Rechten nachgesetzt werden.
Diejenigen, rorftbe ein der Versteigerung enttzegenstehcnde» Recht haben, werden ausgefordert, vor der Erteilung deS Zuschlags die Yhifhebung oder einstweilige Einstellung de» Ver- fabten» berbeizuführen, roibrigcnfall» für das Recht der Ver- steigerungSerlS» an die Stelle be» versteigerten Gegenstände» tritt.
Lich, den 15. November 1927.
Hessische» Amtsgericht.
Bezeichnung der Grundstücke.
Hütte
Ordn.-
Qua-
Betrag
Nr.
17
Flur Nr. Sulturart Gewann drat-
meter Grundbuch für Lid» Band VIII Blatt 7' II 209 Acker an der Ehaussee
u. dem alten Wca 1195
der Schätzung 86:
550 NM.
18
111
48
Acker
vor d.roten Busch
2960
700
NM.
19
21)
VII VII
2 219
GraSgarten Gralgarten
ün veinberg auf dem (Mieten-* berg
294
1042
100
280
R«.
RM.
21
IX
326
Grad- und GroSgarfen
am l‘ang»botfer Weg
303
368
1000
RM.
22
IX
328
tzosreiie Wiele
daselbst
718
12000
RM.
23
XI
190
bei der Ziegel-
790
420
RA.
Grundbuch für Lich Band Vlll Blatt 767:
Drucksachen aller Art
Wt Brflbrf*« UitlversNätt'Vrvckeeel, R. csnge, Netzen. rchulUr. 7
12
II
208
Acker
an der Ehaussee u.dem alten Leg 1143
670
RM.
13
kV
120
Acker
an der Ehaussee u. dem Hodlweg 1203
800
NM.
14
VII
220
Grasgarten
auf dem Gleien» berg 2206
600
NM.
lö
IX
329
Grasgarten
am Lang»doricr Weg 161
240
NM.
16
XI
189
Diese
bei der Ziegelbütte 1119
560
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