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TU. 272 (Elftes Blatt

177. Jahrgang

Montag, 2|. November (92i

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

drvck iwb ötrief: VrLhl'lche UttivrrsitLtr.vstch« I»h Slrtibridfrti H. teuft In liefen. Sdfdftletting und *ff$äft$Mr SAnlWre^t 7.

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Dt Fnebe Tdiltz. Cangr Terewtwerih* lürTMink Dr Ye wiU» Ca*ft. ftr FraiLet», Dt f> 1 beriet; ffir den Ikdgte Ini Er« st Dlumichrtn. Itr ben Xu» leigtwtrd Mert Ailmaew, lÄMtlitf) i» G letzen.

Finanz und Welthandel.

Wmrrilee Macht alt «länbinrr><aat.

5le u g o r f, 19 Koo. (BolH ) Sri bem Jahre», btnfrtt der Hcabrmq of Potilteat Ecknce hielt

ß a m o n t vom Haufe Morgan & So., einejUbt *rt tntemahonok Finanzbeziehungen de» ®»lt- Wbde. ör fchtlderte die SnirouHung der arnettka- nßchen kl n leche Politik und ink» den Vorwurf zu- ritt, daß die Hochfinanz den 8u»bruch bet Weltkriege» gefördert habe, ö» war chtmehr do» Oeflenleil der Fall. heute muffe sich die 'Dochftnorrz gegen die Zweifel, tah sie zur Forde» ,ng de» Welthandel» dotroge. oertefdigen. chich Hoover «rzweifefte da» offenbar. . Meine Xnt- «prt*. erklärte Lamont,wäre hierauf folgend«: .f*tr do» amerikanische inoefkierende Publikum licht durch feine Banfier» den Löwenanteil 6 er grohen vawe»onieihe übernom » rie n. fo wäre e» doch lehr fraglich, wie Deutsch» feine grotzen Boumrooll- und Kupserkäufe hatte dewerkhelligen fallen. Für Amerika gilt heule eben» '3 der Satz der früher in England flalt. Verhan­del folgt b t n Anleihen. In den Jahren ifD M» 1025, in denen Amerika al» Vniethegeder al England» Stelle trat, hat fich die Lu»» 'chr der vereinigten Staaten nach Südamerika um 2S Vrowrt erhöht, Gleichzeing ging die englische '«»fuhr um 23 Prozent zurück. Amerika. Im» ehrend de» Bkftkrkge» vom SchuVnedwat zum HlLudigerftant wurde, brfujt deute zwei Fünftel de» gefamten Goldvorrate» 6tr Welt, mir durch harmonische Zusammenarbeit «doch kann der grob« Ausichwmig in den Vereinig- >-ii Staaten und eine vesierung in dem Aufschwung ta vag« der übrigen Staaten verbürgt werden.

Der Rüstungstaumel.

Ein inicrrffanhr Streit in lLngland

London, 19 Loo. 1WTD.) Der Sekretär be* «krieg» am. er Worthinglon-Evan». bat heute eine Erklärung abgegeben. In der er >>ch gegen bi» Jenlattonclk und irrtümliche Dar- Teilung" wendet, die in der letzten Zeit von ilohd George. Lord Rothermere und bem 3r* «eüerführer Thoma» dezügi'ch der Stärk» der «uropüifchen Armeen abgegeben worden tkn. Or sagte: Lloyd George» Behauptung, tle siegreichen "Kationen hüllen gegenwärtig über 10 Millionen Mann unter den Da f len. beruht aus salfchen Anformationen, ^sächlich stehen beut» in Europa 3 552COO Tmnn untre den Dalsen, davon entfallen aber I: 124 000 Mann auf bie Hole Armee in H üb­len b. so hab e# cihne die Sowjclstreitkräftc «gesamt nur 2 428 000 Mann gibt gegenüber 318 000 Mann im Jahre 1924." Der Kl . n1 ft er :eonte weiter dast die britilche Aegierung alles :ri>gliche getan habe, um den Weg für bie allgc- rein« Einschränkung der Aüstungen zu fixen und lagt«: »Denn man den verminderten Aert be# Selbe» berücksichtigt, fo find die Ausgaben für da» brilifche Heer viel ; --ringer als vor bem Kriege Don den 41L Lillionen Pfund für das heeresbudgel entfallen rodäbr 8 Millionen P' md auf Pensionen rb bergleichen. so datz für ba5 eigentliche Heer «r 33 5 Millionen Pfunb übrig bleiben. Dem- :< -r zeigt bet Etat der Dolen Ar m e e tue bemerkenswerte Steigerung von 43 Mil- '. men Pfunb im Jahr- 1924 25 auf 87 Mil- I »nen Pfunb im Jahre 1928 27.

Lorb Aothermere erwiderte heute auf Erklärungen bes Kncgsministers Ich ver- '!ehe nicht, was Worthingion ®ixin» mt seiner Orflänmg meint. Es ift eine unbeftreltbarc Xat- '»he. bah Im Falle einer Kriegs- brvdung Innerhalb von zehn Tagen Frank­reich vier Mi llionenMann unterben lassen haben würbe. Italien dreieinhalb Unionen unb Ne brri Staaten der Ä leinen B ntente zwci-inholb M Ilion en Mann, was i,«gesamt zehn Millionen Mann er- prnen würbe. In meinem Artikel habe ich bie ten Vlovb tTcoryc genannten Zahlen benutzt

ich n.cht den Dun'ch hatte, den Eindruck zu erwecken. aL8 ob ich übertreibe. Tatsächlich aber bet ßloab George bie bewaffneten Stveilkrüfre bU im Sofie eine» afiffemeinen Kriege« sofort rvbü gemacht werden könnten, ganz erheb- ! leb unlerschLtzt. Das übrige SurotM kann -tne SchwierigkeTt weitere zehn Millwnen -«gebildeter Soldaten auffkefien. was eine Se­ern t s u m m e von zwanzig Millionen bewaffneter ergeben würde

Die amerifonitoen pk-äsidentsckastswohlcn.

Dashinqton, 20 Roo. sDP ) Nach den (Er- n-ttlungcn, bie da» ^National Repudlic Magazin»' unter den Verlegern und Politikern de» ganzen San­ta anftedtf, werden Herbert hooo » r und A. L. 5 m i I h an brr Spist« der Nepubfikanifchrn b«D 'r. Dcmokrakiichen Partei 1928 bie Präsidentschak::. f: npagn» führen. Don den bei der Umfraac abq?» Plenen Stimmen erhielt Hoover von den Äepubli- !nem M4 Stimmen, Fran' 2 o d b e n 766, Charles h - ghe » 133. ? a ro c * 1J'5. während auf bemafre- :qer Seiterrtb 1071 Stimm n feinem Oiegen kibibaten, bem Senator Reed ron Mistouri, der rar 274 Stimmen bekam, weit überlegen ist. Die ^rabeatzfttmmuna wurde in der SiTnabme oorge* »nrnen, datz Toolidge nicht kandidieren perbe. i) o o e r ift Handelsminister im gcg?nwärt> ?tx Kabinett Coolidge, ?I. 8. 5 m i t b, der demokra- Noe Prösibentschastskandidot, Gouverneur des ctan- Ik Neuyork.

Dom sibirischen Sträfling zum Gowjetminister.

Das Schicksal Joffes.

Moskau, U.Koo. (WI3.) Der, wie schon kurz gemeldet, durch Selbstmord geen­dete Lowfrtführer Joffe wurde heule auf dem Friedhöfe bet Kloster» Uowodewitsthi deigefestt. Vie Grabrede hiefl namen» de» Zentralkomiter» der kommunistischen Partei der Sowjetunion, de» Rate» der BolMom- mlftare der Sowjetunion und de» Rufjenfom- miflarialx I f d) 11 f di e r i n . namen» der Dolfefommlffare Jnnerrutzland» Lefchawa und namen» de» Moskauer ftomltoe» der fommuninifd)eu Partei R j u 11 n. weitere Grabreden hielten ats Zreunde bet verstör denen Irohki. Slnojero, Kamenew und Ra kowfki. Der deutsche voifchafter. Gras Vrockdorff-Ranhau hat dem volkt- kommistae bet Reiheren. Ifchitscherin. bat Beileid \um lobe Joffe» ausgesprochen.

Eine phantastische Laufbahn hat ein über- raschen des schreckliches Ende gefunden: Adolf Abramowitsch Joffe, russischer Diplomat, kom- munisti'cher Agitator, slelloertret.-nder Dorfitzen- ber des Hauptkomitee« für die Verleihung von Konzessionen in Sowjetru^land. hat sich in Mvs-

S er ade in Deurfh'.and wird der plötzliche Tod dieses Mannes grobe Austnerk- lamfcit erregen: denn Joffe hat tn der Geschichte der deulsch-russi'chen VezicHungen eine hervor­ragende Volle geblclt. und man kennt in Ver- liner Diplomatenkreisen die gedrungene Gestalt dieses ersten Sowjetdotschafters in Deutschland noch recht gut. Wan lad dem geletzten Manne nicht an. wie bewegt fein Geben verlaufen ist. der» charakteriltstch. fo schien es beim ersten Eindruck, waren die hohe, runde Stirn des Thevretikers, die durch den erst in der Mitte kes. Kopses beginnenden Haaransatz noch mäch­tiger »rschicn, und der dichte Vollbart, der schon an fing, ein wenig grau zu werden. Sah man aber genauer hin. so waren das Aufsülligste doch bie blitzenden Augen, die scharf durch einen altmodischen Äneifer mit riesigem Bügel blickten. Auf der Strafte Hütte ihn wohl niemand beach­t' : und doch war Joie einet der radi­kalsten Aevvlut ionÜ re . »in Mann, der Gesilnanls und Verbannung kennenaelert hatte, und dem. wie seinem Parteifreund Rakowski, das Schicksal nicht fremd geblieben ist, als lästiger Ausländer von einem Land zum andern gejagt zu werden.

44 Jahre ist Joffe all geworden. Hm 10. Oktober l^T wurde er in Simferopol geboren, ciner Stadt von rund SO000 Einwohnern, die jetzt di» Haupt» stabt der Ärimrepublif ift. Lenin war 17 Jahr» all. al» rr sich der russischen soziaiistifchen Bewegung. Bakowlki noch (tzymnasiast. als er sich reoolutio» närtn Organstationen auf bem Balkan anschlost, und euch Joffe zahlte erst 16 Jahre, als er in di» rus­sische sozialdemokratische Patte' eintrat. Als Jude war e» schwer, als Sozialdemokrat unmöglich, in Rnstlond di» llnioerfi'.ät zu besuchen, und so tauchte Josse in den ersten Jahren des neuen Iahrhundett» in Berlin auf, um dort Medizin zu studieren. Mu» dieser Zeit stammt wohl seine hervorragende st . nntnI der deutschen 8prache, btr später, bei feinen diplomatischen Verhandlungen, so .zustatten gekommen ist. Aber auch im kaiserlichen ^eutichlano sah man russische Revolutionär» nicht al» willkommene Gäste an und so wurde Joffe im Jahre V* aus Deutschland ausgewiesen. 211» Mitglied der Sozialdemokratischen Pattei ging er nach Wien unb lernte dort Trotzki kennen, mit dem er bi» an fein Lebensende befreundet ge­blieben Ift. Damals war Leo Trostki noch kein Bol» fchewik, fonbem im Gegenteil ein ernster Geg­ner Lenin», ben er in zahlreichen Huffahen de- kämpfte Joffe» Stellung innerhalb brr sozialistischen Parteien in dieser Zeit ift nicht mehr fo klar zu ernennen: man kann auch nicht sagen, in welchen Ländern er sich aufgehalten bat denn viele feiner MgitationereHen wurden illegal mit falschen Papieren und unter falschen Namen ausgefühtt. Cr lebte in Zürich und Pari», und immer wie­der fuhr er auch nach Nustland. um die Fühlung mit den russischen Sozialisten aufrechtzuerhalten. 190R gründen er mit Trotzt, die Zeitung ..P r a w d a': im Jahre 1912 wurde Joffe bann von den russischen Dedörden entdeckt, verhaktet. o»r- utteilt und auf Lebenszeit nach Sibirien verbannt. Bi» ;um März 1917 muhte er in der russischen Einöde ousharren, bann aber, mit der perenfki Jievolution. kam auch für ihn bie Freiheit, und wenige Monate später begann fein grandioser Aufstieg

Dom fibiriMben Sträfling zum Sowjcimmi- ster! Doch wöhvmb der revolutionären Dampll'. die vor itfrt Jahren zur Err chtunq der Sowiet- herrfchaft fühtten. wurde Joste in ben Pe­tersburger Arbeiter- unb Solbaten- r a t gewählt. Die erste Sorge der neuen Macht­haber war es, 5 r i eben m ; t Deutschland zu Ichl'.rhen. unb bie russische Deirgation. die zu bidcm Zweck nach Drest-Litows k gc- gesch.ckt würbe, stand solange unter bei Führung CfoHci bis Trotzki zu den Der-andlungen per­sönlich erlchvm. AIS Vorfitzender deS Krieg#- r.itrS unterzeichnete Joste m Vrrst-Litowsk ben Masfenstifistands>ertrüg. verwegertc aber feine llnierkchrift dem Entwust des Ir edensvertrages. den die deutsche Delegation ihm vor legte. Man fegt, dast er Trotzki xu jenem Abbruch der Zviedensver^andlungen, zu der .Veend.gunq bes Äricgc» ohne Freden", geraten habm foll. bic den Au"en nichts genützt hat. da sie wenige Dechen später doch einen beutIch-ruststchen Frie-

bensvertrag unterzeichnen mutzten, lieber bie nte Atnwfphär» die damals in Vvest- Lltowsk berrschke. bench- J auch Pn>v

Ma» von Baden 'ehr anschaulich in feiner Er­innerungen. D e deutschen Diplomaten und hohen Militärs verhandelten mit den Mitgliedern ber russischen D^egalion in einem Ton ausgesuch­tester' S'ie Mahlzeiten wurden ge­meinsam eingenommen, und neben dem General Hostmonn ober dem Fürsten 8mft Hohenlohe 'atzen Joste und Frau Dyzenkv. bie am 5. Dez 1905 den General unb ehemaligen Rr egsminister Sacharow ermordet hatte. Das Ichvostc 01 ul­tet en des Generals Hoffmann in ben Verhand­lungen lelbst machte auf Joffe, der ebenfo wie Centn und Trotzki an ben baldigen Ausbruch bet Meltvevolution glaubte, nur geringen Eindruck. Man weist in Deutschland nicht, datz er damals zu den übrigen Milgliebem der rusfifchon Dele­gation 'pöttilch sagte .Das war der letzte Faust- schlag der Monarchie"

Im März 1918 er chien bann Joste alsruf - flfcherVotfchasterinDerlin: aber feine Tätigkeit aalt weniger der Anknüpfung diplo- matifcher Veziehungvn, als ber Vorberei­tung ber 'Resolution, eben jener Delt- revvlutivn, auf die man damals noch in 2tuh- land unerlchüttettich hoffte. In aller Erinnerung bürste noch die Episode fehl, bie am 5. Aovewbrr 1918 zum Abbruch ber deutsch-russischen diplo­matischen Beziehungen führte Pr.nz Mat von Vaden schreibt Araber: .Am 4. Aovember abends war bie (russisches Äurerfiftc auf dem Schlesi­schen Dahrchos plamnätzig entzweigegan- A»n (planmätzig übrigens auf Anraten des damaligen parlamentarischen Staats­sekretärs Vcheibemannj. Soll berichtete am Morgen des 5., datz dabet aufrührerische Schriften denkbar tom^rr) mittlerenen Inhalts ans Tageslicht gekommen wären. Aufruf» zum Aevolutionskarnpf und Meuchelmord. Runmebr hatten wir die gewünschte Handhabe gegen Jolle unb feinen Stab von geübten Aevolutionk^ech- n<fem. Mir beschlossen am Abend dickes Tiges bem diplomatischen Vertreter Autzlands m t Mdei­len, datz er am nächsten Morgen mit seinem ge­samten Votschastspersonal Vertin zu ver­

lassen hätte."

Joste kehtte nach Moskau zurück, wurde Mit-

glleb des Autzenkommiflariats und einer der wich- ngtten Mitarbeiter Tlchttfcherlns 3m 3abrt 1920 verhandelte et in Aiga mit den Polen, mit denen er einen Vertrag fchlotz. und auch al» Unterhändler mit ben Aandstaaten spielte er eine wichtige Aolle Seine Ausmerk- samkeit galt von nun ab aber vorwiegend bem Orient, ber nach bem Scheitern ber revolu­tionären Bewegungen in Europa zum Aus­gangspunkt für bi» noch immer erhofft» Mell» revolunon werden sollt». 1922 bifit sich Joffe noch einmal kurze Zeit in Berlin auf auf ber Turchreif» nach Genua, wo er Dinh unb Aaihrnau zum Abfchlutz des Aapalko-Vertraaes drängte. Dann aber verbrachte er bie nächsten 3ahre tm fernen Osten: In Peking entfahrt» rr als russischer Getanbier In ganz ckhina »ine Icbbaite kornmunistüch» Propaganda, unb Im 3ahre 1923 besucht» er auch Japan.

3n jenen 3..bren entftanb das schwer» Her­ren!»1, ben, ba» ihn nach MoskauerJRelbungcn in der lebten Zeit bei anders schrecklich aequäll haben soll, unb da» bi» unmittelbare Ursache se.nes Selbstmordes geuv'rn ist. Sv sehr man leine Arbelizkräft gerade für die chlnell'che Tätig­keit zuerst tn Moskau fchäyte. Io wenig war Tschits cherln miteinem Mitarbeiter später gneben Er wurde deshalb aus Ehina zurückge- t unb nahm im Jahre 1924 an den russischen rfhinblungen in Conbon teil. Daan wurde Jost» Svwjelgesanbler in Dien, wo er aber nur b.» zum Jahre 1925 geblieben IfL Diese ruhelose Aeifetät'.^keit mutzte bk Gesundheit des Verven kranken, feit seiner 3ugenb von Canb zu Canb gebebten Mannes schwer er14>üUem. Aber bie Sowjetunion, die um ihre Esistenz rang, kannte b;e Arbeitskraft eines gestrmungSlreu<m Aeovlutionärs nicht mlHen, unb fo wurde Josse denn in Moskau, .zur Erholung". Professor am 0rient-3nftituL Dort arbeitete et wissenschaftlich, soll aber au<U wie Berliner ömigrantenfrelfc behaupten, in feinen Vorlesun­gen Kritik tm ber ogreffloen Orientpolitik der Sowjets geübt haben. Dieselben Kreise wollen Wilsen, datz Joffe als Freund Troykis bet Opposition sebr nahe ft an b. und batz Hein Tob nicht xu'eyt auf den scharfen Kamp« Stalins gegen bk Opposilianssühoet zurückzu­führen fer.

Die Finanzlage der Reichspost.

Maßnahmen zur Vermeidung eines Defizits.

Berlin. 19. Vov. (Dolff.) Der Derwal- tungsrat der AeichSpost trat am Samstag zu einet Sitzung zusammen auf beren Tagesordnung als erster Punkt die Besprechung der Finanz­lage der Acichspoft stand Der braunschweig.iche Gesandte Boden berichtete über dir Verhand­lungen tm ArbeitsauSkchuh. Er erflärte. bie fi- natizielle Situation se. lange nicht mehr so kr.- Nsch wie bei Derabichtedung bet Qkbübrrnoar- lage. Vun bringe bie Besolbungsvorlage etwa 80 Millionen Mehrausgaben für das lausende Rechnungsjahr. Es bletde eine unge­deckte Spanne von 116 Millionen: für t* tfe müsse ein Ausgleich gesucht werden. Da» Haupt- mittel dafür müsse man in einet weiteren Veschnetbung ber Ausgaben etf>li4c7L Ailerbings werde es unrnbUlich frn den ganzen Betrag etruiribaren. 3n elfter Cinie solle an Bauten. Telegraphie Telephonie, Vorräten usw. gespart werden. Der Rest solle gedeckt werden

1. durch Heranziehung der an ba» Reich ab- julicfemben 70 Mlll^nen Aeichsmark für 1927.

2 müsse men zur Deckung des Bestes auf bie *3 üd lagen zurückgrei'en, ba» fei jedoch rt<i möglich nach Inanspruchnahme bes Betrage», bet sonst an da» Aeich abgdic- fen werden mühte. Die Aücvage mühte übrigen» Im batauffoljerCcn Jahre w eder auf gefüllt werden. Ihre 3nan'pruch- natnne bedeute also eine Belasturzg bes Jahres 1928.

3. könne man vielleicht bei den Postscheck­geldern eine Anleihe aufnehmen. da­gegen beftänben aber gewllke Bedenken, hauptsächlich bas Bedeecken. bah bie Polt stet» liquibe gehalten w.-tden mühte.

Der Anleihebebatf für 1927 betrage 150 Millionen: hinzu komme noch ein Aest von 24 Millionen au» bem Bedarf von 1926. 3ns- gc'amt feien allo 174 Millionen Mark aufzu- nehmen. Diele Frage fei zu einem Sorgen­kind der AeichSpost geworben aber mir in ter äußersten Vor habe man fich an ba» Ausland wenden wollen. 3m Vordergrund der Bemü­hungen stehe allo eine In lan danleihc Zur Zeit lei i et och eine solche unmöglich Immer­hin würden bie Verbanblungen fortgesetzt. Man habe b»c Tkdficht, je nach Tebad zunächst 100 Millionen aufzunehmen ES bestehe Aussicht, dieke» Geld mit Hllfe bet AeichSda^ auch tat­sächlich zu erhalten. Daher habe di? Verwaltung die Hollnung. datz em Abschluß ohne Fehlbetrag zu erreichen lein werde. Die vorgesehenen Verkehrs- unb Be!riebSverbc"erun- ger. würben bestimmt durchgesithn werben.

Staatssekretär Sauter gab bann eine ge­nauer? Lieber ich? übet die Finanzen btr AeichS- bank. 238 Millionen Mar! feien in Wert­papieren feftgelegt, 95 QHillümen Mark bet

ben Staatsbanken der Länder. 117 Millionen Marl seien slüfsig in Privatdis- konlen vorhanden. Bei einem Aückgrtff auf Me Postscheckgelder würde sich bet Betrag für ben Ankauf von Wechseln vetrninbern. Durch 3nan» grissnahme ber Pvstscheckgeiber könne man fich aber Immer nur vorübergehend Helsen. Den Cändern könn- man das Geld überhaupt nicht ircgnebmen. Die Festlegung In Wertpapieren sei dus einen Druck der Aeichsbank zurückzusühren. Tie Mittel ber Post sollten wieder ber IDl rI- Ichast zugesührl weiden T ie Aeichsbank habe das ganze Gc'chäfl vermittelt unb würde bk Wertpapiere lombardieren. Veräußerungen feien jetzt überhaupt nicht möglich ohne Edchütterungen des Kapllalmarftes.

Aeichspostminister Dr Schätzi erklärte zur Preispolitik der Aeichspost: Du-ch zentrale Beeinsiuisimg der Prtffe sollen alle Ehancen der Konjunftur auSgenutzt werden Die B?- schdfung soll in ben Bez rken fdbft vorgenommen werden, wo bie näheren Verhältn 1k der be­schaffenden Stelle genau bekannt find. A ddllnim über Preis» und F 'tntn werden auf gestellt wer­den. Aber auch andere in den A chtlmim nicht enthaltene Firmen werden berücks cht.gt werben, tmtn ihrefirr'c und ihre Qualitäten Md ei ben sind. Vach längerer Aussprache über bie Frage der sttzeranztehung der Poftfcheckgelder wurde folgende Sntfchliehung des Arbeits­ausschusses angenommen Der Arbeitsausschuß nimmt von den Ausführungen des Adchspost- m ntster» Keimtnis unb erhebt gegen bie von ihm erörterten Maßnahmen wegen Vermeidung eir.-*» am Schluß br* AechnungS,ahre- 1927 etwa verbleibenden Fehlbetrages Tew SrirmTungrn. Der Verwaltung»rat nahm bann Me A.cht- linlen für ben AeichSsparkommifsar für Durchprüfung der deutschen Aeichs­post an. Da» für die Durchführung edorberl che Personal stellt der AeichSpostm nifler zur Der» fügimg ^nb bie Kosten ,m Betrage von etwa 75 030 Tt!. trägt die A^chSpost. Äi» Erflebnis der Prüfung wirb dem Verwaltung-rat vor­gelegt werden.

Wechsel in Kasseler Spihenbehörden.

staffel. 19. 97ob. (TU.) Der dem Zentrum an« gehörende Sasieler Polizeipräsident Freiherr von st o r f f und der Präsident der Londe»versi<he' rung»anftaü. Geheimrat Dr. Schröder, werden ankngs nächsten Jahres nach (Erreichung der Dienftalterrgrenzc von ihren Hemtcm zurück- treten. Wie da; Kasiefer Tageblatt" meldet, wird als Kandidat für den Poften des Polizeiprä­sidenten der jetzige Landrot des streifes Hanau. E. st a i f t r , praamu. der vor feiner Berufung zum L'anbr-t als Parteisekretär der Sozial­demokratie tätig war und den Wahlkreis Hef-