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Hr. f2 Zweites Blatt

Donnerstag, 2|. April VJ2Z

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheften)

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zu erklären, um bann, wie er binte wunden zugestand. Cdbftmorb zu beg rt diesen zweifellos bedeutsamen Schritt unter­nahm, sichtete und ordnete er noch einen umfang­reichen 'Dukt vergilbter Familienpapiere, die kunterbunt tn einer alten Truhe aufgefchich et lagen und denen er bisher in der Hast des ®e- fchafi-lcl. noch kein InteveNe hatte widmen

Aähe dercUitnt* auf nicht all** großem Xxu» beisammen aui dem bie Häuter d h die pnau- HDte Wellblechbütten ödte und dg!. wie Pilze aus dem 3obm h.rvoeschtehen und bald eine Dtamant en z räderst ad« bi Iben. Der. auch dies alles nur sehr eirlach und noidürfr.g HL io {atm man in dieser lvgenanruen Stadt doch alles Im- den. was man braucht. Täglich werde« neue Geschälte und Läden erdNnet. die alles lubtvn. was der für Inn Leden und feine Arbeit

braucht, selbstverständlich schien auch Polt. lete» grapb und Bankhäuser nicht. Auch für das eidliche Wohl ift g "sorgt. beim es gibt eine Un-

für fei« Amt doch unertästlichen Zylinder kaufen konnte Dir Regierung selbst !<« gern bereit, die Prozent tu gewähren. Aber dazu fei rote Erhöhung der Steuer notwendig und er empfehle deshalb ber Abordnung ^.c Bubgetkvmnnii.on des D<jm zu bearbeiten. Der mächtige P llubski. der sich lor.st nicht geral-x m.t Rücksichten auf das Parlament de'chwert. kennt allo bie Grenzen

Kinos am. Neren vorausgefetz!. bafl er fein Geld mch« schon am Tag br. Lotter,e unb Glücks'vielcn per.eren bat Tenn fs ist der Afrilaner wenn er Geld bc: must es wieder twiubell werden Mrtln ob er den nächsten Tag auch nichts zu leben hat er hat |a einen.daun* unb morgen sinder er vielleicht einen SO- oder gar lddkarati- gen Diamanten.

Lprechftunden brr Redaktion.

12 di, 1 Uhr mittags. 5 bh 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Für unverlangt eiogesandte TNünnskrtpte ohne beigefügte* Rüdporlo wird keine Gewähr Übernommen.

rtozeigenauiträge find lediglich an die Geschalt,stelle zu richten

tkitcr Lchulbhast.

(f.) London.

von Saits Restaurants ja sogar .SoMUT sselbitvcrstärchlich nicht mir warm und kält Dasfer List u«w.> Der abend» nach getaner Atbdt sein Gelb loswerden tr-II. bann sich bet ÄondklL

Geschichten aus aller Welt

(Flachdruck auch mit Quellenangabe, verboten

seines Sinllulles De Abordnung der Beamten begab sich in den Sejm. verhandele mit einflus^- reichen Abgeordneten, hatte jedoch keinen drtpli Aber die Ablehnung war ja nicht von Pilludl..

in England mit Rech abgötfch rerrhNen EHarles Dickens des .Shakespeares des

Ts» tkqrabnio nach ägyptischem Vittucll

(1). Reuvork

Dor einigen Wochen starb im Staate Ohio eine bejahrte TU ulu.it JUonänn. ßude AavuL 3um Mniredalerben ihres aus 2? Millionen Dollar geschätzten Vermögens letzte sie ihren einzigen AcsL-i aus. machte aber von dem Ge- woyndc.te recht amerikan.scher Millionäre. auch aus dem Sterbebett die ungeschwächte Ssistenz eines auhervrbentllchcn Spleens zu dokumen­tieren. dadurch Gebrauch, bah sie in ihrem Testa- ir.cni eine .allügnptilche Original-Be.fetzung nach pbaraonilchem Rituell" für sich forderte Da dies allein aber noch nicht genügte, fügte sie hinzu, der flrbe mülle eine Pyramide auf ihrem Grabe errichten

Der Gebe, dem darum zu tun war. möglichst schnell in der. Genust des Rtefenvermögens zu gelangen, unglücklicherweise aber wohl in Fuh- ball« und Tennisreglemenls nicht aber m Aegvp- tologie beuxinberl war. lieh sich nun auS London einen Sachverständigen für allagnptischc 'Be» gräbnismctbvden kommen. Aber auch Inder war im Augenblick nicht ganz sattelfest und muhte erst eine endlose Reihe von Papyrus-R ollen durchstudieren, ehe er der Situation vollkommen gewachsen war. Endlich waren jedoch alle Schwie­rigkeiten überwunden Der Leichnam ber alten Dame wurde, so gut es ging, bei der Unlderlich- feit der Akzepte mumisiziert. in feine Linnen- rücher eingewickelt und in einem nach welt­berühmten Mustern modellierten Sarkophag zur ewigen Auhe bestattet.

Zum Glück für den Erben hatte Curie Aaoul vergessen, in ihrem Testament die Höbe der von ihr begchrten Grabpyramide anzugeben. Ilan IxbauWrt allgemein, und wohl nicht mit Unrecht hab der Orbc durchaus nicht Im Sinne hat. ein Bauwerk von den Ausmahen der Sdeops- pvramide über der letzten Ruhestätte seiner braven Tante errichten zu lassen. Um jedoch den Wünschen der Verblichenen auch in Kleinigkeiten, die ja nicht viel kosten, gerecht zu werden gab der tfrbc ihr noch alle Schönheitsmittel einer modernen Frau mit ins Grab, damit sie den Aegypterinnen, die ja ähnliche Gepslogen- beiten hatten, im Jenseits das moderne Schön- betlwibeal vorsühren könne Zum Schluß muhte - streng nach ägyptischer Vorschrift der Lieb- lingskaker der Toten dran glauben: er wurde vergiftet und zu Fähen ferner Herrin bei geletzt.

Minister in zerrissenen Hosen.

(e). Warschau

Zum allmächtigen Ministerpräsidenten von Polen, dem AalionalHelden P i l f u d f k i. kam vor kurzer Zeit mit ihren Sorgen auch eine Ab­ordnung der polnischen Staatsbeamten. Sie klagten über die Aot im allgemeinen und die Kärglichkeit der Gehälter im besonderen Sie schlugen in brtngcnXr Form eine ZSprozentige Erhöhung ihrer Gehäller vor. Pilsudlki eröärte. hab er und feint Mtnisterkvllegen ja felbft Staatsbeamte seien und die schwere Finanz­lage der Diener des Staates wohl beurteilen und nachfühlen können. Selbst bie Lage ber Mi­nister fei durchaus n.cht rosig und die meisten von ihnen Iahen in zerrissenen Holen auf ihren Ministerstühlen. Einem von ihnen habe er 150 Zloty borgen muffen, damit er sich den

was ihnen beliebte, hatten eine Kantine in der zu kaufen war. wonach ihr Gckchmack stand und kennten ungehindert innerhalb des Gesäignilles -.tnnanbrr verletzwn. Aus den elf Zetteln Un- den sich Bitten um bte zettweite Ueherkallur.g einer gröberen Kasterd« .zu cnem .Geburt»- tagsbraten mit ein paar fröhltchen Bärtchen, einmal auch bie Bitte um die Ausleihung von 5 Guineen, dann wieder ein Aezept für ein Hustenmittel, und alle diele Schritt-tuckchen find unterzeichnet mit dem noch gut lei erlichen Samen Dickens' Es ist der Vater des heute noch

Dah hie Sunden bvr Väter tm wirllichen Leben doch nicht immer bis ins dritte und vierte Glied ihrer Geschlechter heimgesucht werden, dafür gibt es unzählige geschichtliche Beispiele. Das hat tn schlagender Weise letzt auch das Erlebnis eines Neinen Londoner Krarnladenbefitzers be­wiesen. her dieser Tage nahe daran war. infolge der 'chlcchten Geschäfte der letzten Jahre und sehlgeschlagener Spekulationen seinen Bankerott

ausgesprochen. sondern von den Abgeordneten, " gerettet, zumal die ge- ^»linberhut ihren Gin-

raben Wege abwich----.

Tab fröhliche Auto.

(a). A e u y v r k.

Das Städtchen Bvnkers im Staate Reu- York, arm an >2 inwoynern. arm an De. kehr. lag still in der Morgendämmerung. Plötzlich gegen 7 Uhr. «Wen in ber Hauptsttafte ein Automo­bil, das die seltsamsten Schaustellungen begann. Zickzackfahrt. Autsch auf den Bürgersteig. Vloh gegen einen Baum, und dazu die heraus! or- derndsten. gellendsten Hupensignale Der hort stationierte Polizist. In seinem stillen Winkel halb cingcfdjlummvrt. wird jah wach und reiht die verschlafenen 'Augen auf Daun nimmt er mühfam. wie man so sagt, bie Beine in bie Sand und folgt den Kapriolen des Autos so nge. bis dieses sich in einer Strafrsnele seft- aesahren hatte und er zu dem Mann Hingeiangen konnte, der es steuerte. Dieser Mann war bet ihm bekannte Einwohner Andrew -SurnbdL Der Polizist verlangte den Führerschein. Gr batte keinen. Aich» diese Antwort an sich, sondern, wie es im Protokoll heiht. ber Umstand, .hast Turn bell stark aus dem Munde roch nach innerlich angewandten Spirituosen", gab dem Polizisten die ganze imposante Würde rhw» beamteten Vertreters des Gde^-s wieder, und er brachte ihn vor den Polizei richt er. Was I angesichts der ebenso wie das Auto unbrauchbar gewordenen xmlttm Extremitäten Turnbells ein mühevolles Geschäft war. Bor dem Richter . t den Ucbeltater mit den strengsten ihm zu Ge­bote ft ebenden Blicken mast, erklärte Turnbell, | cinigermaben zu sich kommend .Sehn Sie. Herr Aichler, meine Frau hat mir diese Macht Zwil­linge geschenkt! Als ehrlicher Mann habe ich mich tcufeUmäbifl darüber gefreut I So was muh inan doch ordentttch feiern, ja oder nein? Der Aichter - bejahte schmunzelnd unb fuhr den unbestraften Delinquenten eigenhändig noch Hause tn den Dchotz seiner soeben erst so erfreulich angewachsenen Familie.

2a. es gibt noch Aichter tn Amerika II

Lebens seines Vaters im Londoner Schulbgrtäng- nis btnteriallen hat Jedes noch so Re. An» denken an biden grvsten Romancier beltz! heute noch in England mehr als beträchtlichen händie- rischen und Liehhaberwert. Der Heine Händler Hardni hatte nach dieser Aacht. die t jmtll* die lenie seines kargen Daseins hatte sein «ollen, natürlich nichts Eiligeres »u tun. als llchpotn- streichs zu einer der grbstten Kuntthandl nigen Londons zu begeben und dort feine elf Zettel anzubieten Die Echtheit ber Dokumente wurde hinnen achtundoierzig Stunden einwandfrei fest­gestellt unb die Kunsthandlung zahlte dem über» V I glücklichen Entdecker 100 Pfund, all» rund 2000 ,4 Mark, für jeden dieser 3et teL

I Mister Huryn, hat keinen Bankerott an- gemeldet Allster Harvn, hat keinen Strick ge­kauft Mister Aaryni ist aber von unsäglichem Danke erfüllt für feinen verewigten llrgrosivater. der in seiner geschäftlichen Praxis nicht gerade die zartesten Skrupel betast unb gerne vom ge­

körnten.

Da kamen, verstaubt und von Würmern angc- sressen von der unentrinnbarsten Äranlbelt aller «rankherten. der Zeit, verunstaltet, ideburts- urfunhen. Taufcheine. Aechnungen und 'Briefe an» Tageslicht, die gcneraiipnenlang in dunkler Verschlossenheit geschlummen hatten Unter an­derem saiid sich ein zusammenaefchnürtes Bündel von Papieren, aus dessen Lektüre dem unglück­lichen Aachsahren erftchllich wurde, dost sein 11t» grostvater, in derselben Hotlage wie er heute, von seinen unerbittlichen Gläubigern tn das be­rüchtigte Londoner Schul da efängnls gestellt worden war. wo er über drei Jahve lang ge­nügend Muhe hatte, feine geschäftlichen Fehl­schlag? und Verfehlungen, denn auch um solche hatte es sich gehandelt, zu überdenken. Und inmitten dieser zerknitterten und stockfleckigen Ur­kunden eines gescheiterten Daseins fielen dem modernen Bankerotteur einige Zottel in die Hand, elf an der Zahl, die er anfangs nur flüchtig tn Augenschein nahm, die ihn dann aber veranlah- ten, jäh von seinem Sitze auszuspringen. Er hatte durch Zufall einige für jeden Engländer wert­volle Autogramme gesunden

Diese elf Zettel waren kurze Mitteilungen. 'Bestellungen und Bittschreiben. hie ein anderer 3nfaffc des Schuldgesängnisfes an den Urgrvh- vater Haryn» so Heisti der Held dieser «Deschichte - gerichtet hatte Bekanntlich gcnolfcn die Schuldgefangenen zu deren Unterhalt vom Staat wie vom Gläubiger Beitrage geleistet wur­den verhältnismühige Freiheit tn ihrer Hast, wohnten in Stuben in denen sie kochen fonulen.

t)er wettlauf um die Diamanten.!

Bor eudger Zeit wurde aus Südafrika beruhtet, dast bi< 'Kcw-mi- ; bei der Ber- tedunj neu entdeck e. T am .. ens.lder unter c « Dtamantengrädern einen Wett- lauf um die besten Grabstücke »rtaetalteL Bon einem solchen Drttlauk wird uns vt einem Gietzensr Ätnb. Syrern Xajrl A c ust aus Ichannessturg folgendes ge- scheiebrn

Bor U Tagen bin ich einmal m den jetzt so viel besprochenen Diamantenfeldern gewesen Ich bin mit meinem Ehrs Ungefähren unb habe mich da ich doch einmal da war. uu* an einem Wett­lauf beteiligt und für ihn 2 dmmt abaetedt allerdings habe ich m.ch nachher auch Drei läge ins Bett gelegt, da ich n'cht «ehr gehen und stehen konnte. Ohne kurze Beschreibung die ich im Bett ausgesetzt habe, lege ich bei. Etwa ISO THnlm von Iohann Lutj der gröstten Stabt Südafrikas, liegt im ndrblichen Transvaal der Dzstrik: Lichtenbur.j. der zur Zett vo seinen nngewdhnltchen Fund.n, an D.ama tten bie ganze Welt sprechen laßt Auf die Äunhe von diesen neu entdeckten Dramanten',Hürn setzte eine wahre Völkerwanderung nach diesem Begirk ein und au» allen Teilen Afrikas, ja aus anderen Erd­teilen. ströme--. h«e Diamantengräber > her­bei. um ihr Glück zu versuchen, in der Hoffnung, in kurzer Zeit al» steinreiche Menschen wieder heimzietzen zu könne,'

Aber so ganz etnsach und Icichi ist «* nitfct. hort ein Vermögen zu gewinnen Die von der Aegterung durch Bodenuntersuchung als gut er­nannten Grabplätze "nd reservier, und

können von denj'ntgeu. die Geld dak> n. käusllchsür 100 SC». 10CO Pfund Sters, oder mehr erworben werden, das andere Land steht dendiRgers** zur Verfügung Wird ein solches Land dann httgeflebm. fo twmftallen die Behörden ein Wettlaufen und wer Glück bat und ein guter Läuser ist kann sich einen ober mehrere ®rab- plätze (15 15 Vardf errennrn. Die Entfernung vom Startplatz bi» zu den Grabplätzcn betrag: bis zu 1? Meilen. Wer ein Läufer ist und die osrikanliche Lonne kennt, wird wissen, was es heistt. diese Entfernung zu laufen, aber trotzdem versuchen es viele, waren es doch bei dem letzten Hernien cn. 28CKO Menschen!

Wer nun glücklich ein solcheschtm er nmgen tzal. ist Besitzer desselben und kann es ausbeuten. Aber hiermit sängt erst die schwierigste und härteste Arbeit derdijtßen* an. Wie bie Arbeit in den Goldminen und Goldfeldern, ist die der Tiamantenflräb-r eine der ungesündesten. trtc es überhaupt gibt. Ständig wird der Staub, der aus hen nach Taullnd, n zählenden Gruben auf- steigt. Tag und Vacht einfleatinrl Tagsüber leben und arbeiten bie «dijmeri in tropifcher Hitze und bie armseligen Behausungen Zelte ober aus einigen Wellblech'.afein hergeftellte Hutten, bieten geoen die empfindlich falten Aächte nur wenig Schutz Der zu bearbeitende Boden ist grosttenteils bart, zum Teil sogar felsiges Ge­stein Ist nun ein Teil der Erde ausgvhoben. fo wird diese gesiebt und was durch das Sieb sällt. wird in der Waschmaschine gewaschen. Hier wird alle Erde fnrta^d^-cinmt. der zurück bleibende grobe Sand unb die kleinen Steine werden nach Diamanten durchlucht Mancher sindet dann in einem Sieb voll solchen Waschgutes einen oder mehrere, meist kleine Diamanten, aber zum gröst­ten Teil macht derdieger* nach folch einer Durchsuchung ein enttäufdbtd! Gpsichl Vach allem, was man hier sieht imb hört. Ist es nur wenigen vergönnt «etwr 4 bis 5 Proz.f ihr Glück zu machen, die Hülste aller hier befindlichen Dia­mantengräber fristen mit den Funden grade das Leben Die übrigen oerfommen und gehen zu Grunde, wenn sie nid)t noch rechtzeitig mit ihrem ersparten unb mitgebrachten Geld versuchen, in anberr Verhältnitte zu kommen. Aber bei vielen, sehr vielen, ist bies nicht mehr möglich, da he ihr ganzes Hab unb Gut versa uh unb alles im Stich gelassen haben, um aus die Diamantenfelder ziehen zu können.

Alle die nach Tausenden zahlenden ..divers die meisten mit ihren Frauen und Jtmbcrn unb den zur Arbeit nötigen Saffern, leben in der

Die Spinne.

Bon Marie Henriette Steil.

Oben im Dinkel der vergitterten Fenster­luke webt d-.c Spinne ihr Aetz. Den Winter über hat sie geschialen sehr gut oeschlasen. denn in diefes hüftrrc und K-i^e Loch dringt fein vor- witziger Sonnenstrahl.

Der Mensch unten aus der Pritsche schläst «och.

,Ob er mir wieder Fliegen fangen wird?" denkt die Spinne - ,3a. es ift noch derselbe vom vorige»' Sommer, nur klappriger ist er ge­worben Kein Wunder, nach dem langen Winter. Wir ist auch ganz schwach in den Beinen. Aber da auf dem Schemel neben der Pritsche, was ist das? Das ist etwas Veues. fo ein D-.ng habe ich noch nicht gesehen. Die ein viereckiger fchwar- »er Stein heb« cs aus und glänzt wie die seuchten Sterne ber Zelle da. wo der Mörtel aba es allen ist. Das must ich mir mal näher anfeben r

Mit ihren langen Beinen den kürzesten Weg um Ziele ernschlagend. läuft die Spinne quer über die Decke unb an her aegenüberliezZenden Wanb hinunter ucn Schemel, wo sie regungslos sitzen bleibt. Das geheimnisvolle Ding rührt sich nicht. - Die Spinne räuspert sich aber alles bleibt still

.Ich will hoch mal hinaufkrabbein." denkt sie. Mit drei Beinen ist sie schon oben

.Guten Morgen. Vladame." rast da ein seines, vmnderseines Sümmchen.

Die der Blitz ist die Spinne triebet an der Wand Also doch das Ding ist lebendig 1 Schleu­nigst tritt sie den Aückzug ar.

.Aber ich bitte.' ruh bas Sümmchen, .ich bin es ja nur. Papyra. die Bücherlaus"

.Ach fo." tagte die Spinne erleichtert, .na. entfchuldtgci'. Sie nur. ich lab Sie nicht gleich da oben auf dem Stein. Sie sind «was nein geraten. Ich bin die Spinne"

.Sehr erfreut. Frau Spinne." (hie Laus macht einen vollendetem Saj^'nmbcnfru? .bitte, wollen Sie sich nicht berauVcmübcnT

Aber mit Vergnügen." lächelt bk Spinne, .der schöne Stein ist trobi Ihre Dobnung?"

,3a, erklärt Papvra. .meine Wednung und Aahrung zugleich Aber eS ist kein Sknr. son­

dern ein Gebetbuch Früher habe ich in einem Bücherschrank gelebt und bin in vieler Herren Bücher berumgetommen. 3a, ich Tann lagen, ich habe ein schönes Stück Weisheit gefretten

unb verbaut Darin nämlich unterscheiden wir Bücherläuse uns v7»n den Menschen. Oe soll zwar Menschen geben, die die Weisheit mit dem Lössel fressen, aber ob sie sie auch verdauen, das ist die Frage! Jetzt, da ich alt geworden bin, habe ich mich m dieses Gebetbuch zurückgezogen. Wenn die Meschen alt werden, greifen sie auch zum Gebetbuch."

.Sie sind aber gut unterrichtet." nwinte die Spinne pewunbernd .Aber ich bin mit ihm (lic badet mit bem linken Hinterbein nach der Patsche, eng btfrcunbct. ja fogar verwandt. Er behauptet nämlich, unter hen Menschen gäbt es auch Blutsauger Lader babe ich noch keinen gesehen. Mein Freund 'ft jedenfalls keiner, denn die Fliegen, die er fängt verehrt er mir. O. er ist ein feiner Menschs

.Die.' ruh Papyra entrüstet .mit dem Strälling haben Sie Freundschaft geschlossen? UnglauWhb! So leid es mir tut. m Zukunft kann ich nicht mehr mit Ihnen verkehren. Vie werden begreifen, meine Liebe . oder haben Sie es am Ende nicht gewustt?"

.Olein," sagt die Spinne ganz zerkiaricht, fo zertniricht wie nur eine Spinne fern kann, .ich habe wirklich nichts davon gemuht. Das ist denn das. an Sträfling?

.Hm" Die Laus kratz: 'ich nachdercklich den Kvpt .Ern Sträfling. daS ist. mm. bas ift ein Mensch her etwas febr Schlechtes getan bat. Zum Berlpiel. er tötet einen andern Mcn'chcn dafür wird er bann lebenslänglich eingesperrt und heißt rwi da ab .Sträfling, fo wie Ihr Freund hier. Manchmal wird der Mörder auch getötet, diese Strafe soll für den Menschen weni­ger grausam sein."

.Run hören Sie aber auf." ruft tue Spinne, .das geht über meinen Spinnenverstand"

. Freilich, meine Liebe um das ui begreifen, muh man eine höhere Bildung genoßen haben. Ich habe 3ura studiert, bis ich nir rmtr.al den Macren ar '? einem allen Band verdorben hatte, er muh schimmelig gewesen fein, da bin ich aut ein andere- Fach über gegangen. Das Stu­dium des Mentche-i ist feicher meine LisLtings-

beschäfttgung gewesen. Wenn ich Ihnen also mit inanen Kenntnissen bienen kann, fo fragen Sie nur. ich stehe gern zur Verfügung."

Bewundernd blickt bie Spinne ihre winzige Freundin an. .Hur eines möchte ich wissen, liebe Laus, ift der Mensch wirklich, wie man sagt, göttlichen Lrfprungs?"

.Ha ha ha." lacht Papyra, .ha ho ha, Vie unschuldstvller Engel! Göttlichen Ursprungs! Kommen Sie her. ich will Ihnen Mr Wahrheit sagen, aber ins Ohr Allo ber Menfch ist nur ein entartetes, das gef rüstigste blutdürstigste, grausamste und Ichädl.chftc naubtitr

.Um Gotteswillen* Entsetzt sährt die Spinne an die Wand .DaS ist ja Blasphemie! Mil Ihnen will Ich nicht« mehr zu schallen haben. Sie scheinen mir ja ein gesährlicher kleiner Käfer ju fein!"

Zorrng rennt sie an ber Wanb empor und über die Decke zurück an ihren Fensterplatz. .So winzig und lo verdorben," brummt sie und vollendet emhfl ihr Aetz...

Die Laus unten kichert .Je gröher ein Tier, desto bornierter. Angst Hal sie. bie dicke Alle. Laster der Aelpekt. Ich habe das nicht nötig, bei meiner Figur Wich kann der Mensch nicht greisen. Wäre ich noch tausendmal keiner, bann wars umgekehrt ich würde ihn greifen. Trösten wir uns. kann noch kommen: Ceelcn» Wanderung unb so. Es lebe der Göttliche, der Bazillusk"

Papyra schreit. Io laut sie kann und schielt beraub erbernb noch brr Spinne

Die hört sie uuhe. Zufrieden sitzt he H ihrem Hen. mit einem Auge nach Fliegen mit dem andern verliebt nach dem schla«enden Freund auf der Pritsche spähend.

Darmstädler Theater.

3m Kleinen Hause des Hefssschen 2 a n- destheaters in Darmstadt fanb die Aus­führung eines geistlichen Spiels des hessischen Dichters Burkhard Daldts unter dem Titel .Der verlorene Sohn aus Hess en" statt. Burkhard Waldis ist um 1*90 in Allen- darf an der Werra geboren, war ursprünglich Franziskanerpater. trat aber zur evangelllcheri Lehre über unb lebte in jüngeren Jahren in

Aiga, wo et sehr angesehen war. Er geriet von dort aus in russische Gcsangenschast. tn ber er brei 3ahre schmachtete, bis er von seinen Brüdern losgckault wurde Sr kehrte hieraus no<* Aiga zuruck, wo 1527 sein geistliche» Spiel vortl ver­lorenen Sohn ausgesührt wurde Aach lang­jährigen weiten Reisen kam Burkhard Waldis wieder nach Helsen und trat in Bez ehungen zum Landgrasen Philipp dem Groh mutig en 15M wurde er Plärrer in Abterode etwa 1556 ist er gestorben Durch feine Fabeln (zumeist Bearvei-

->n Fabeln Adops unb von Bolks- fchwärcken, war er zu feiner Zell ein fehr ge­lesener Schriftsteller aus bellen Erzählungen saft alle späteren Fabeldichter bis aus Gellert ge­schöpft haben. Das Spiel vom verlorenen Sohn ist von Burkhard Daldis. da es für Aiga be­stimmt war. ursprünglich tn nieder deut scher Sprache versaht worden, die Bearbeitung von Dr. Ornfi Leopold Stahl, tn der das vromo in Darmstadt ausgesührt wurde, wies bochbeutsche Formen auf. etwa m her Ausdruckswelle des Han» Sache Das ^istliche Spiel lehnt sich eng. saft wörtlich an da» Gleichnis vom verlorenen Sohn an, nxe es tm Lula »-Evangelium erzählt ttnrt); von einer eigenen dichterischen Gestaltung des Stosses kann man bei Walbit nicht sprechen, sondern der biblische Tert ist einfach in Gespräche aillaellst- Der äuheve Rahmen des Stückes der auch bei den Bühnenbildern unb bet Darstellung gewahrt wurde, ift der streng lehrhafte Stll der mittelallerlichen Mysterienspiele, ähnelt aber in ber Szene, wo der verlorene Sohn fein Geld in lustiger Gesellschaft verpraß!, den Schwänken des Hans Sachs Die Bearbeitung war infofern nicht glücklich als f;e sich wenig zu Kürzungen verftanden hatte, weshalb sich bte Handlung tr.e obendrein der dramatischen Spannung entbehr! lehr in die Länge zog Zur Berb-ndu>z des Teste» unb ber Szenen hat der Kapef'.me-fter txs LandestheaterS. Or ch Riede e ne Mu'ik gdchneben. die den geistluh-rel aiö en Eharakt« de« Spiels noch mehr betonte. Stilgemöst waren inAbcfenbwe die Bühn end .Iber von Hartontth Pleil- 3n Szene gdetzt war das T3crf oon Eduard Gsbedie Dorf^eller gehöi m t<-r Hessischen Lpielgemernlchah an, r.r.tx ~ " ni- gung. die lich lonst der Aufführung von D a ll- t'tarnen widmet. E. B.