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Nr. 17 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (<5eneral-H:i;eiij.er für GberlMn)

Zreitag, 21. Januar 1927

Der Sammler aus Kuna uno 'mruenlchaft.

Gesellschaft fürErd- undLölkerkunde Prof. Lchmitthknncr:

Reisen und Erfahrungen in China."

3m gut besetzten &aale der Heuen Aula sprach Pro*. Heinrich Schmitlhenner aus Heidelberg über seine .Reisen und Erfahrungen In China" und unterstützte seinen Vortrag durch zahlreiche eindrucksvolle Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen.

Die Reisen und Forschungen umfaßten ein recht au-gebreitetes Gebiet des inneren China. China. Allerdings mußten sie sich jeweils den politischen Verhältnissen und den Sicherhells- zuständen anpasfen. Aber trotz de- Kriegszu­stände- und der vielen Räuberbanden konnte der Reisende im großen Ganzen unbehelligt seinen Zielen nachg l-en. Von Peking au- ging die Reise zunächst in- Lößland nach Schansi. in die Hochgebirge im Rordosten der Provinz und an den lief eingefch Utten m Rordsüdlauf d:S Hwangho. Auf dem Wege nach Mittelchina wur­den die bisherigen B vbacht rngen noch durch einige Touren in Honan ergänzt. Aber der auS- brechende xÄrieg machte die Reife nach Süden unmöglich, und der Reifende mußte nach Osten ausweichend die große Stromader deS Jangtse aufsuchen. Von hier au8 bereiste er in mehreren Stichtouren da- Hwaigeb rge. jene- Dergland zwischen nordchinesischer T esebene und 3angtfe- fiang, da- noch sehr wenig b2taiTTTt ist. Eine Tour tn die Ianglseschluchten oberhalb Itschang be­reicherte seine geoqraph fche Anschauung ganz wesentlich. Weiter führte die R? se vom 3angtfe- Hang über Tschangsia nach Westhanin und denn quer durch diese und die Rachbarprovinz Kiangli an den Iangtsckiang bei Ki.ikiang zurück. Um die Forschimgen über dm Landschaftstypus des süd­östlichen (Vi a abzeschliehen. ging d e R^ise über Schanghai au See nach Futschau und dcnMink ang empor in die seltsame mit Bambas und Busch­werk bedeckte Bergwelt Fallens hinein.

Die Forsch ingen waren morphologisch-geo­logischer und anthropogeographischer Ar:. 3m Lößland wurde der Vers ch gnnacht. die Ab­

lagerung deS LößeS mit de i kleinen, im Hoch­gebirge vorhandenen Gletscher p ren zu ver­birden u d Dezi h'. ngen zu den a.'ten hochlieg n- den Talböden d:s Hwaegw aulzudeken. DaS Lößland ist dir Hrrkanf.'sstätte der chinesischen Kultur und d e Beobachtungen der Beziehungen zwischen dem Löß und d n Menschen, die auf ihm geboten werden. In Lößhöhlen leben, den Löß ihr Leben lang mH der Hacke und dem Pflug bear­beiten und sch'ießlich im ööß begraben werden, können manches zum tieferen Verständnis des Lhlnesenturn beitragen.

Schon das Hwa gebirge ist ein anderes Land. SS ist die Dche dr zwjchen Rord- und Südchina, cin alter, aber jung zerbrochener Gebirgsrumpf, durch die Abtragung In seltsamer We se auf­gelöst und in einzelnen. 1700 bis 1900 Meier »oben kühner Bergen gipfelnd. Aehnlich wie am Tale des Hwangho fand der Reisende an den Jangtseschluchten oberhalb 3tschang den Beweis dafür, daß das Gebirge jünger als der Fluß Ist, der er b1 rchbricht Di? Farich mgen in Südchina sollten vor allem dem Abschluß der rnorphalori- Idben Studien und zum Vergleiche der Land- schaststypen dienen. Mittel- unO Südchina sind weit leuchter und grüner als der Norden. Es ist daS Land des Drisbaaes und des Tees, In b'm ließ d-S ganze Leben des Menschen und. was für den Reisenden einschne dnrdn: ist, die Art des Reisens in ganz anderer Weise vollzieht. Der Vortragende war schon 1913 einmal in China, und er konnte daher die Fortschritte der Verwest­lichung dcs chtnes.schen Lebens b sonders gut auf- sassen. 3m 3 mern ist bis a s den verschwundenen Zopf alles so ziemlich beim alten geblieben, während in dem großen, den Fremden geöffneten Städten ein großartiger Amer kan'sierr-ngSprrzeß eingesetzt hat. wie überhaupt die Amerikaner mit ihren gemalt gen Propagandam Nein und der Mission den nachhalt g'len Einluß auf China zu gewinnen scheinen. D c verwickelten politischen Zustände entstammen der chin fischen Revvlut on 1911. die zu keinem Ziele geführt bat. Der Süden hat sich a's eftr-m republikanisch abge­spalten und im Rorde i ringen die großen MI.i- tannachthaber um die Vorherrschaft. 3n den aroßen Industriezentren der offenen Handels- Hälen hat eine Arbeiterbewegung eingesch', deren Auswirkungen sich m t der 3nnen- und Außen­politik vennengen. Reben diesen inneren Kämpfen

aber stets mit ihnen verflochten geht der Kamps des gesamten China geg.-n die fremden Mächte uni) dir ungleichen, fe.t 80 Jahren eßina aus- gezwc.n,zenc.! Verträge. Ls beleuchtet schl^giicht» artig die Weltsit. ar on. wenn man bedenkt, daß China, in Mie.n 3nnern das tollste D rche nunder bciikJ. ter e-ropä sch-ame. ikan scheu We.t Sluck ,ür Stuck ihre alle'. Dorrechie abriagr. Das An­sehen d.s weißen MarneS ist d. rch den Krieg in der ganzen Welt gesmrk n, und die anderen Mächte werden in China ebenso die Ausnahme­stellung verlieren, wie sie Deutschland im Kriege eingebüßt bat.

Für uns Deutsche ist China ein wichtiges Roh­stoff- und Absatzgebiet. Der Deutsche ist bei den Chinesen wohl ang sehen Aber es wäre töricht, sich über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, d e gegenwärtig Erg and in China hat. zu freuen, da auch unsere Kaufleute unter Boykott und Streiks, wenn auch nicht direkt, so doch indirekt zu leiden haben. Rach dem Krieg, an dessen Ende die Dcutschm aus China ausgewi sen wor­den waren, hat sich das Deutschtum in CH na wieder stark entwicke t. uiib es ist zu hoffen, daß es sich auf dieser Höhr halten wird, trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Z.iten. die gegen­wärtig in China Herrscher. Denn das Chinefen- tum bedeutet der vierten Teil der Menschheit, und. wenn wieder Ruhe und Ordnung herrschen, muß ein gewaltiger, entwicklungsfähiger Markt entstehen.

Verein für das Deutschtum im Ausland.

Dr. Mann Hardt:Volk nnd Ltaat in Rumänien".

Eine rege Tätigkeit entfaltet die Gießener Ortsgruppe des Vereins für das Deutsch­tum im Ausland, die am letzten Mittwoch wieder einmal zu einem interessanten Vortrag im Singsaal des Realgymnasiums eingeladen hatte. Dr. Mannhardt, Direktor des Insti­tuts für Grenz- und Auslanddeutschtum und Leiter der Bursa in Marburg, ein gründlicher Kenner des Deutschtums in Rumänien, der, auf einer erst kürzlich i.r die dortigen Gebiete unter­nommenen Studienreise, eigenes Anschauungs­material sammeln konnte, sprach über .Volk und Staat in Qlumänien. Rumänien als Staat hat keine historische Tradition, wie etwa Deutschland, da es noch vor etwa 100 Jahren einen rumänischen Staat nicht gab. Die- ist erst eine Deuschöpfung deS vergangenen Jahr- Hunderts. Kurz nur skizzierte der Redner den Gebietszuwachs des neuen Rumäniens und be­tonte die wett bis nach Ungarn verlaufende Grenze, die weder eine natürliche Grenze die Karpathen berücksichtigt, noch aber von vollS- polttischen Gedanken abhängig gemacht worden ist. Der Rame Rumänien wurde erst Im 19. Jahr­hundert gebräuchlich, während früher andere Be­zeichnungen, wie Walachen, üblich waren. Ver­schiedene Theorien bestehen darüber, was für ein Volk die Rumänen eigentlich seien, doch sind alle mehr oder minder nut Vermutungen. Die im Volke lebende Tradition allerdings will den Ramen auf die Römer und ihre Besetzung der Provinzen Dalien und ien zurückgesiihri wissen. 3edenfalls ist es eine Mischbevölkerung mit stark thrakischem Einschlag, aus der der Kaiser Trajan hervorgegangen ist.

Griechen- und Römertum haben gerade in diesen ©eJieten einen starken Kamps geführt und neben der Graecisierung tonnte sich in Rorden ganz deutlich eine Romanisierung durchsetzen, die sich einwandfrei in der rein erhaltenen Sprache der Hirten und Holzfäller des Gebirges nach­weisen läßt. Die Völkerwanderung bringt dann Splitter slavischer Völker und später türkische Volkstri.'e. Seit dem 12. 3ahrhundert waren in Siebenbürgen Deutsche eingewandert, die sofort als Kulturträger auftraten und zunächst die Kar­pathenländer zu höherer Kulturentwicklung brach­ten, als die südlicheren Teile. Doch fanden auch diese allmählich Kulturanschluß und bildeten unter der Führung einzelner kulturell höher Entwickel­ter selbständige Fürstentümer, die jedoch später vielfach von den Bulgaren erobert wurden. Rach der Türkenherrschast knüpfte die Freiheitsbewe­gung der Romantik an und die 3Dee der natio­nalen Vereinigung verlangte eine eigene Staats- bildung. Dieses Ideal erlebte Rumänien 1836 unter Karol von Hohenzollern. Einer der besten Politiker seiner Zeit, gelang ihm der Erwerb der Dobrudscha, 1833 schloß er das Bündnis mit den Mittelmächten, wodurch er sich in den Wie-

Was ist eine Erfindung?

Dom Geheimen RegierungSrat Max G e i t c L

Der Hochstand der neuzeitlichen Technik ist daS Ergebnis der sich durch die Jahrtausende hindurch aneinanderreihenden großen und kleinen Erfindungen. Die ungeahnten Erfolge, die uns das Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität gebracht haben, find nur allzusehr geeignet, den Maßstab zu verschieben, den wir bei der Würdi­gung der technischen Leistungen unserer Väter und Urväter anzulegen haben, wollen wir diesen in verdientem Maße gerecht werden. Die Ra­men derer, denen wir die Urerfindungen, wie der Rolle. deS Hebels, der Feuergewinnung, der ersten Werkzeuge, Waffen usw. zu ver­danken haben, sind für immer in Dunkel ge­hüllt. Von einer dieser Urerfindungen, des die Kraft der geballten Faust vervielfachenden Ham­mers. sagt LazaruS Geiger in seinen Vorträgen zur Entwicklungsgeschichte dcs Menschen treffend: .So groß der Gegensatz einer Dampfmaschine unserer Tage zu dem ältesten Steinhammer immer sein mag, das Geschöpf, das zuerst seine Hand mit einem solchen Werkzeug betoaffneie. das vielleicht einen Fruchtkern zum ersten Male auf diese Weise einer harten Schale abgewann, es mußte, so scheint es, einen Hauch jenes Geistes in sich verspüren, der einen Entdecker unserer Zeit unter dem Aufblitzen eines neuen Äedankens befreit.

England war das Land, das zuerst mit der Schaffung einer den Erfinder schützenden Patent- Gesetzgebung vorging und im Jahre 1623 das Statute of menopolies einführte. In den Ver­einigten Staaten maß man dem Patentwesen in

früherer Zeit einen solche Bedeutung bei, daß die Patenturlunde vom Staatspräsidenten eigen­händig unterschrieben wurde. Tretend äußerte äußerte sich Goethe über den Erfolg dcs engli'chen Patentschutzes. .Das Erkennen und Erfinden sehen wir als den vorzüglichsten selbst erworbenen Besitz an und brüsten uns damit. Der fluge Engländer verwandelt ihn durch ein Patent so­gleich in Realitäten und überhebt sich dadurch alles verdrießlichen Ehrenstreites. Der Engländer ist Meister, das Entdeckte gleich zu nutzen, bis es wieder zur neuen Entdeckung und frischer Tat führt. Man frage nun, warum sie uns überall voraus sind." Liebig führt aus, daß die Erhebung des Menschen über das Tier wesent­lich von feinem Vermögen abhängt. Erfindungen zu erzeugen, die zur Befriedigung seiner Bedürf­nisse dienen, und daß ihre Summe in einer Be­völkerung den Begriff ihrer Zivilisation in sich einschließt.

Rach deutschem Patentrecht werden Patente für neue Erfindungen erteilt, die eine gewerb­liche Verwertung gestatten. Der Begriff der Erfindung ist im Patentgesetz nicht erklärt, und alle Versuche, eine brauchbare Beantwortung der Frage: »Was ist eine Erfindung?" zu finden, find bisher gescheitert. Dennoch bewegt sich die Rechtsprechung des deutschen Patentamtes hin­sichtlich der grundsätzlichen Gesichtspunkte im wesentlichen auf einer einheitlichen Cime, und es sind, wie das Patentamt in einer Denkschrift ausgeführt hat, wenig grund'ätzliche Gegensätze zu Tage getreten. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Fassung der Grundsätze, fonDern in deren An­wendung auf den einzelnen Tatbestand, denn beim Vergleich des Reuen mit dem Alten ist schließlich immer ein Urteil über die Erheblichkeit des

deriesitz von Dessaraben. das d.e Russen 1812 genommen hatten zu fegen gedachte, ein Ziel, das aber erst Ferdinand nach icm Weltkrieg er­langte. Die Bla,ic der Bevölkerung. Kleinbauern und Hirten, zeichnen sich durch gesundes, kräf­tiges Voltsrum aus, dellen Ausdruck unsere volle Symparhie verlangt, während die Intelligenz westlichen Borbilbern gefolgt ist und durch Wis- sensvermittluna eine Halbbildung erhalten hat, die kaum zu überbietende Bürger- und Beamten­demoralisation und Korruption im Gefolge hat. Die Bojaren oder Großgrundbesitzer, früher die Träger des Staates, mußten wegen unverbesser­lichem Optimismus das Heft aus der Hand geben und sind physisch, moralisch und polit-sch dem Untergang geweiht. Die Rechtsverhältnisse find, allem gs nur auf dem Pap er, nach französischem und belgischem Bluftvr geordnet.

Eine gewaltige Umgestaltung der Berhäit- nisse hat die Agrarreform erbracht, wodurch das früher in den Händen der Bojaren bef ndliche Land für das Land- und Industrieproletariat frei wird. Eng damit zusammen hängt die Be­siedlung deS nach Abmarsch von Türken und Tartaren nach Anatolien frei gewordenen Lan­de- mit der aus Mazedonien herbeigebrachten rumänisch sprechenden Bevölkerung c.ne Kolo­nisation im großen Stil, die unsere höchste Be­wunderung erregen muß. Großrumänien ist ein Rationalitätenstaat, der noch Ungarn. 850 000 Deutsche, die zahlenmäßig an zweiter Stelle stehen. Russen, Juden, Bulgaren, Zigeuner, Tür­ken usw. umfaßt. Von großem Interesse ist das Iudenproblem in Rumänien. Scharf zu scheiden sind Ostjuden und assimilierte Juden oder Spa­niolen, von denen die ersteren zwar rumänische Staatsbürger sind, s.ch aber als nationale Minderheit fühlen und somit Hand in Hand mit den übrigen nationalen Minderheiten, also auch den Deutschen, arbeiten. Da c n großer Teil dieser Ostjuden aus Oesterreich und Ungarn stammt, so sprechen sie deutsch und sind für die Erhaltung deutscher Art und deutschen Wesens von größter Bedeutung. Interessant ist auch die Wahrnehmung, daß die deutsche Sprache augen­blicklich in Rumänien im Vordringen begriffen ist. da d e bukowinische Bevölkerung gut Öster­reich sch gesinnt war und noch heute deutsch spricht, weshalb die rumänischen Offiziere unb Be­amten in dort ger Gegend sich ebenfalls zum Ge­brauch dieser verhaßten Sprache bequemen müssen. Wie lange jedoch solche Verhältnisse gebulBet werden, bleibt abzuwarten. E.n Streiflicht auf die Lage der neuerworbenen Gebiete wirft die Tatsache, daß die bessarabische Bevölkerung, also meist Rumänen, w'eder unter russische Herrschaft zurückverlangen. Von den mit Deutschen be­wohnten Gegenden Rumänien- zeichnen sich Sie­benbürgen und das Banat durch die zahlen­mäßig stärkste deutsche Besiedlung und damit verbundene höchste Kultur, sowie durch die auf Grund jahrhundertelangen Abwehrkampfes gegen deutschfeindliche Elemente beruhende Erfahrung au-, weshalb sie die geborenen Führer der deut­schen Bewegung abgeben. Erschwert wird aller­dings die Erreichung ihres Zieles kultureller Autonomie durch die religiöse Spaltung in Evan­gelische und Katholische. Wir hier in unserer Heimat aber sollten ihnen kulturelle und wirt­schaftliche Hilfe (Kreditgewährung) angedeihen lassen, um so allmählich die Idee eines deutschen Gesamtvolkes die Zusammenfassung aller in der Welt zerstreut lebenden Deutschen der Wirklichkeit näherzubringen. Dr. W.

Oderheffficke Gesellschaft fürNatur-undHeilkunde.

Gch.-Nat Llt: Tas Zeichnen

im natnrwissenschastlichen Unterricht.

In der letzten Sitzung der Oberhessischen Ge­sellschaft für Ratur- und Heilkunde entwarf eingangs Dr. med. Martin- Bad-Rauhetm ein LebenSoild des einstigen Soodener Salinen- inspektors Franz Benjamin Rieß, eines ge­bürtigen Rciuheimers (1807), der enge Verbin­dungen mit Gießener Gelehrten unterhalten hatte und sich insbesondere mit milroskopischen Studien beschäftigte, ohne aber bei seiner großen Be­scheidenheit mit ihren Ergebnissen öffentlich her­vorzutreten. In seinem Rachlasse bat man aber nicht nur forgfält ge Lagebuchaufzeichnungen ge­funden, sondern auch eine große Zahl höchst sorg­fältig ausgeführter und rcg.strierter Zeichnungen mit Wiedergaben seiner milroskopischen Beobach­tungen, die der Vortragende vorzuweisen in der Lage war.

Anschließend an diese historischen Mitteilung gen hielt Gehc.mrat Professor Dr. Olt einen durch kunstgcwandte Darstellungen auf der Wandtafel belebten Vortrag über das Zeichnen im naturwiffenschaftlichen Unterricht.

Ausgehend von dem Worte Kant-, daß Be­griffe ohne Anschauung leer, Anschauung ohne Begriffe blinb seien, 'orderte er. daß jedes Vortrag über naturwissenschafll.che oder medi­zinische Dinge durch Anschauungsmittel unter­stützt werde. Bei der allgemeinen Verbreitung von Projektionsapparaten könne dieser Forde- nmg heute mit Le.chiigkeit genügt werden: in­dessen darf man nicht übersehen, daß diese Art, Anschauung zu vermitteln, nicht selten den päda­gogischen Zweck, charakteristische Erscheinungen der Grinnenmg einzuprägen, verfehlt, insbeson­dere wegen der oft großen Flüchtigkeit de- Ein­drucks und infolge der Schwierigkeit, sich bei der meist im Dunkeln stattfindenden Projefiion Aufzeiehnungen machen zu können. Deshalb ge­büßte der Zeichnung an der Wandtafel im Unter­richte ein ganz besonderer Vorzug. Wte dia Kunst des Malers grundverschieden von der deS Photographen ist, so ist auch die Dar­stellungsweise deS wifsenschaftltchen Zeichner- durchaus andersartig al- das photographierte und an die Wand geworfene L.chtbtld. Wird dort da- Wesentliche einer Erscheinung mit charakteristischen Strichen angedeutet, so wird hier auch alles unwesentliche und oft störende Beiwerk vorgeführt, wodurch die Erkennung de« wesentlichen Merkmale nicht selten beeinträchtigt wird. Die wissenschaflliche Zeichnung dagegen hat gewissermaßen die Bedeutung einer zweiten Sprache rind bildet eine organische Ergänzung des mündlichen Vortrages, Die insbesondere in solchen Fällen weiterführt als d e Projektlott, in denen beispielsweise die aufeinanderfolgenden Stadien einer Gcwebeentwickiung oder -Umbil­dung dargestellt werden sollen.

Wer das Zeichnen an der Wandtafel mit Erfolg pflegen will, muß freilich diese Kunst üben und darf nicht vergessen, seinem Handwerkszeug sorgfältige Beachtung zu schenken. Da ist zunächst auf möglichste Gröye und gute Beschaffenheit der Tafel zu achten. Der Vortragende fand be­sonders gut bewährt einen Tafelanstrich mit schwarzem Lack, der mit Dimsst einstaub vermengt ist. Der trockene Aastrich erfährt durch Uebsr- reiben mit einem Stück Bimsstein eine leichie Abdämpfung und Aufrauhung, so daß daraus gezogene Kreidestriche gut und gleichmäßig decken, aber bei Bedarf auch leicht mit den Fingern zu unscharfen Linien verwischt werden können. Ein großer, beim Gebrauche stet- zu drehende« Schwamm Ist für gutes Gelingen ebenfalls wich­tig. Auch mit der Kreide darf nicht zu sparfam umgegangen toerben. Sie soll in großen Stücken vorrätig gehalten werden. Dor allem können die Kreidestücke «Ine Zurichtung erfahren, die manche Zeichenausgaben außerordeicklich verein­fachen. Bringt mckn z. B. auf den Längsseiten eine- Kreidestückes mittels einer kleinen Laubsäge eine Reihe dreieckiger Einschnitte hervor, so gibt eine solche durch Kerben unterbrochene Kante beim Ze.chnen eine ganze Schar paralleler Ginicn, gestattet also Schraffierungen usw. mit Leichüg- keit auSzuführen. Im Handumdrehen entstanden so an der Wandtafel Zeichnungen emeS Wurmes, einer Muskelfaser mit mannigfachen Einzelheiten histologischer Art. Dabei gilt die pädag gi'ch- Regel, daß die Anfertigung der Zeichnung Leit Vortrag nicht unterbrechen, sondern ihn im rich­tigen Tempo begleiten soll. Gs ist nun leicht, durch Veränderung deS BildeS irgendwelche Veränderungen an dem Objekte gewissermaßen vor den Augen der Zuschauenden sich absp.eten zu lassen. Durch geschicktes Derw.schen, AüS- lupsungen mit dem Schwamm usw. lassen s ch so die verschiedensten Verwandlungen anschau- llch machen. Indem der Hörer d.e Entstehung der Zeichnung, die nur die notwendigen u;xt> charakteristischen Striche aus weißer und bunten Kreide ausweist, verstehend verfolgt, übt er zu­gleich die Fähigkeit zu genauer Beschreibung einer Beobachtung, zur eindeutigen Erläuterung gegenüber einem Fachmanne.

An einigen seinem eigenen Arbeitsgebiete! entlehnten Beispielen bewies der Vortragende die große heuristische Bedeutung dcS wissenschast- lichen Zeichnens Im Unterrichte. So zeichnete er einen Schnitt durch die Haut mit ihren wesent­lichen Organen und ließ die Veränderungen ver­folgen, die etwa info^e eines SticheS über den Zu st and der HyperäWe, Entzündung und Ka­pillarenschwellung schließlich zur Eiterung füh­ren, oder er ließ aus dem Rormalzustands

Unterschiedes abzugeben, für das sich begriffliche Grenzen nicht auf alle Fälle festfetzen lassen. Auch über die Abgrenzung des Gebietes des Patentwesens gegenüber anderen Rechtsgebieten besteht, wie die genannte Denkschrift feststellt, im wesentlichen Einverständnis.

Um nun die Frage, was eine Erfindung ist, zu erläutern, geben wir im nachstehenden einige Erklärungen des Begriffes Eriindung, die von hervorragenden Kennern des Patentwesens stammen:

Rach Kohler ist die Erfindung .eine zum technischen Ausdruck gebrachte Gedankenschöpfung des Menschengeistes, die der Ratur eine neue Seite abgewinnt und hierdurch mit Erfolg darauf abzielt, durch Benutzung von Raturkräften mensch­liche Forderungen zu erfüllen.

Eine .Umschreibung" im Sinne des Patent­gesetzes nicht eine Begriffsbestimmung der Erfindung gibt Seligsohn: .als eine durch Be­nutzung der Raturkräfte hergestellte Schöpfung, die gegenüber dem bisherigen Zustande einen wesentlichen Fortschritt Darftellt und ein mensch­liches Bedürfnis befriedigt".

Rach Gareis ist die Erfindung die Entdeckung einer vorher nicht bekannten Tatsache, daß durch eine konkrete technische Einwirkung auf einen Stoff der Außenwelt ein der Wiederholung an sich unterziehbarer Erfolg ery.eit wird.

Rach Dambach ist die Crf.ndung .die Schaf­fung und Hervorbringung eines neuen, bisher noch nicht vorhandenen Gegenstandes oder Er- zeugungsmirtcls zu materiellen Gchrauchszwecken.

Zschimmer gibt folgende Erklärung: »Die Erfindung ist ein für das objektive technische Willen neuer Gedanke, durch den erkannt wird.

wie durch einen vom Menschen herstellbaren Regulator eine in Der Ratur nicht von selbst vor sich gehende, wlllkürlich zu bewirkende Rege­lung von Raturvorgängen in bestimmter Form vorzunehmen sei."

Reuleaux erlläri die Erfindung als .eine Einrichtung oder ein Erzeugnis auf gewerblichem Gebiete, das bezüglich e'incs Stoffes ober eines Werkzeuges oder eines Verfahrens oder der Zusammensetzung der zu technischer Wirkung ver­einigten Teile von bestehenden Einrichtungen und Erzeugnissen durch weitergehende Wirkung ab- weicht'.

Rach Hartig ist die Erfindung .die Lösung einer technischen Ausgabe, die nach ihrem techno­logischen Begriff neu und nach der Art ihrer Verwirllichung in mindestens einer AuSführungs- form vollständig dargelegt ist".

Auch Goethe, der. tote bereits ausgesührl wurde, das damalige Uebergewicht England in Technik und Industrie in der englischen Patent- gefeßgebung erblickte, hat sich wiederholt mit dem Begriff der Erfindung beschäftigt und sich u. a. folgendermaßen geäußert: .Alles Erfinden kann als eine weise Antwort auf eine ver­nünftige Frage angesehen werden." .AlleS. waS wir Erfinden, En'.decken im höheren Sinng nennen, ist die bedeutende Ausübung. Betäti­gung eines originalen WahrheitSgefuhles. daS im stillen längst ausgebildet, unversehens mit Blitzesschnelle zu einer fruchtbaren Erkenntni- führt. Es ist eine aas dem Innern am Aeußerea sich entwickelnde Offenbarung, die den Men'chen seine Gottähnlichkeit vorahnen läßt Es ist eine Synthese von Welt und Geist, die von der ewigen Harmonie deS Daseins di« seligste Ver­sicherung gibt*