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Montag, 20. Juni (927

177. Jahrgang

Nr. Hl Erster Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

t>md Dtrlaf: vrühl'fche Uiiversitüts-Vuch' «nd Sietutniderei R. Lange in Stetzen. 5chnftlerrnng und «-ejchäftsjtelle: Zchnlttra^e 7.

$r|d)<tnt täglich, asft<r Sowxiaqs unb ffteiertag»- Beilagei:

OMeftwr FamllienblLtter Herma! hn SUb Die Schale.

UI»iialsiBe)igsFteti: 2 Reichsmark nnb 20 Reich»pf,ning flr Träger- lohn, a»ch de» Richter- scheinen einzelner Ramm ern infolge HL derer Gewalt. FernfprechanschlLsfe: 51, M und HZ Nnschrisi fLr Drahtnach- richte»: Nizeiget Oletze».

petscheckkontv: $re«tfwTi an mein 11686.

Annahme von Nnzeiarn für bte lageenummrr Die jum Nachmittag vorder.

Pfeil für 1 mm höhe für Anzeige» von 27 mal Brette v»rtli4> 8, auoa>4rts 10 Rrid)»pftnmg; fir 9ie- klameantftgen von 70 mm Breite :<> Rc-tzspfernüg, Plotzvorlchrttt 20* , mehr.

Cbefrebakteet

Dr. Fnedr. Wüt» Lange. 'Ber»ntwörtlich fUrDvUtiK Dr. Ar. Mlb. Lange, für Feuilleton Dr. H.Tyyriol; tür den übrigen leil Ernst Blumfchein: für den An- zeigen,e>l »Inrt HiNmann. fämtltd) in Dietzen.

Ein ftanzöstich-ameritanifches Locarno.

Don unterem I.-Bernchterstaner (Hadjbrud. auch mtt QueUenagabe. verboten!)

Pari«, den 18. Juni 1S27

Anläftlrch ix« zehnten Jahrestage« bei Ein­tritt« der Bereinigten Staaten m den Äneg hielt Drtand eine Rede, in der er der arnerttanifchen Regierung einen vielbeachteten Vorschlag auf Aoschluft eine« französisch-ameri- kan tschen Dertragc« machte, der die Mog- lichlett emr* Är.egt» zwischen d.eien beiden Län­dern ein für allcma! auSfch'.iehen sollte Briand versprach sich offenbar von diesem Vorschlag lehr Diel, da angeficht« de« damals berorstehen- oen Besuches de« französischen Staatspräsiden, ten Doumcrguc in London, diese Ausfor- derur chen 2tuf,cnminiftcr« doppelt

freundlich auf Amerika wirken muhte, weil dieser Vorschlag auf da« deutlichste besagte, das, Frank­reich nicht nur England sondern auch deifen grohen angelsächsischen Detter zu schätzen wisse. Trotzdem wurde der Drtandsche Vorschlag ziem- Itxb kühl ausgenommen unb nur einige we­nige Blätter behandelten chn mit Wohlwollen. Der Vorschlag schien also in» Wasser gefallen ,u fein und Sie franzöfischersert« groh angekün­digte Aktion geriet fast in Dergessenheit. weil andere, aktuellere D nge da« Interesse der Oef» fentl.chkeit erheischten.

Erst die Oiecnübcrguerung LindbcrghS t rachte die Angelegenheit wieder inv Rollen, da die Reden d r Staatsmänner anläftlich dieser Gelegenheit. und die geradezu krampfhaften Be- nühungen de« amerikanischen Botschafter« in pari«, Mtzrion T. Herrick der Ozeanübcr- luerung auch ein politische« Nachspiel anzuhän­gen, den erwünschten populären Widerv>ll in 5er amerikanischen Oefsenllia-keit sanden, und da« Staatsdepartement m Wafhinaton zwangen, den Rufforderungen des französischen Ruhenmi­nister» mehr Gewicht beizulegen al« bisher. Der amerikanische Botschafter in Patntz wurde be­auftragt der sranzcf.-chen Regierung mttzutei- len. daft die amerikanische Regierung bereit fei. diplomatische Derba nblungen über den Rbsch uh eine« französisch-amerikanischen Ver­trages aufzunehmen

Damit ist die Frage de« amerikanisch-fran­zösischen vertrage« offiziell zur Diskussion ge­hellt und die Frage der französisch-ame­rikanischen Schuldenregelung wieder aktuell geworden, da eS sich selbstverständlich trotz einer Vermeidung die,er Beze.chnuii-, im Grunde genommen, bei franzc-si^ch-amerikonischen Bespre­chungen nur um dieses Problem handeln kann, das sowohl für Frankreich, tote auch für Qinie- rika nach wie vor von ausschlaggebender polte tischer Bedeutung ist.

von diesem DcNchtü »unkt u«i» muh zunächst sestgestellt werkten. dah die Tatsache, dah Amerika auf die Initiative Briand« eingegangen ist. als ein nicht zu unters,atzende« Svmptom eine« Gesinnungswandels in den Vereinigten Staaten angefprochen werden muh. Amerika dürfte allo von seinem intransigenten Stand­punkt abzurücken bereit sein, und dementsprechend eine Rhänderung de-> letzten sogen nnten Mellon-Berenger-AbkommenS nicht glattweg ab­schlagen. wenn Frankreich um Besprechungen in diesem Sinne ersuchen sollte. Da bekanntlich h u c vor n d) t be­reit ist. diese« Abkommen zu ratifizieren - noch vor einigen Tagen stellte Poincare in der Kammer fest, dah niemand hierzu seine Hand reichen wolle - fo ist da« allo ein Rachgeben Amerikas, wie es sensationeller kaum gedacht werden kann, well e« angesichts des Affronts erfolgt, den Frankreich Amerika in der Frage der eeeabrüftung zugesügt hat und in ab­solutem Widerspruch zu der bi-herigen Haltung der amerikan.fchen Regierung steht.

Immerhin sind einige, von der Weltpresse bisher nicht übermaftig beichtete Handlungen Amerika» diesem öffenllidxr. (tzestnnungswechsel voraus- gegangen, die die amerikanisch Llellungnahm« zu», Briandfchen Vorschlag uerftänblidjer er- scheinen lasten. So Hot die amerikanifch BankweU, ium Teil sogar unter Führung der Federal Reserve Bank (der amerikanischen Jlolenboivf) schon lange mit der Bank von Frankteich ein in der Deffcntlid)- feit bi »her so gut wie überhaupt nicht behandelte» ä b t o m m e n aetroffen, da» den amerikanischen Banken grotze Finsgcwinne und der Dank von Frankreich die jXinnfuhrung der Stabilisierung»- poiittk ermöglicht hat. Weiter haben diese Danken. VI. auch in Verbindung mit derBank of Eng­land". die Ansammlung eines graften Devisen- Vorrats und eine erstaunliche Ansammlung von Gold durch die Bank von Frankreich »ugriafien und sogar aktiv gesördert. die erst die Stabilisierung, wenn nicht sogar eine weitere Revalorisierung de» Franken ermöglicht bat. Und endlich ist durch diese Politik der amerikanischen Banken die wohl nnt Recht für ihre früher der französischen Wirtschaft gegebenen Kredite xitroeilig gefürchtet hatten die Sanierung de» französischen Budget», di« Durchführung der fionfolibarion der schwebenden Schuld und endlich eine Unab­hängigkeit der Bank von Frankreich geschaffen wor­den. die so bald nicht wieder in eine Abhängigkeit vom Ausland umgewandelt werden kann. Die ame- rifanijtfcen Banken können und da» vermag kein Dementi der amerikanffchen Regierung hinwegzu- leugnen dies« Maßnahmen nicht o y n e Billi­gung de» Staatsdepartements in Washington geduldet haben, so daft aus dieser Hal­tung Amerikas geschloffen werden must, baft sie in

Eine Sonntagsrede Poincares.

Pari«. 19. 3unt iWTB> 3n ßunetnlle wurde heute ein Kriege: benfmal in Anwefen- beit des Minifterpräsidenten Pvrncar. enibüllt Die Rede, kne Poincar.- hielt, läfrt die Srrnne- rung an da« Jabr 1923. als er Sonntag um Sonntag Reden ähnlichen Inhalts hielt, lebendig werben 3n seiner Betrachtung ging Poincar,.- zurück bi« zum 3af>rc 1913. al« ein eppe- linluftsctzifs in Lunevi11e not la n Den mufre Gr crflärte. daft man damals auf diplo- rnatifchem Wege Beschwerde r*?gen beleibt gen der. mit Kreide auf dem Luftschiff angebrachten Auf­schriften nur deshalb habe unternehmen lassen, um daS neue M i l i t ä rge se h. das da­mals dem Reichstag vorlag durchzudrücken. Poinear- erwähnte dann da« Jcberfliegen der Stadt Rürnberg zu Beginn de« Monat« August 1914 durch französische Fliegei und behauptete, am 3. August 1914 hätte ein deu tf che« Flugzeug sech« Bomben über 2 u ne- Dille a bgeworsen. Trotzdem, so erklärte Poincar/. suchten weder die Lvchringer. noch die Franzosen in ihre- schrecklichen Erinnerung an den Krieg Gründe ewigen Haffe« (rflen eine benachbarte Ration.

wenn Deutschland nach seiner Niederlage offen di« Regierung und die militärische Kaste, die e» in den Krieg getrieben habe, desavouiett hätte, wenn e» unsere eigene Terlcugnunq von 1870 nachgemachl. wenn e» nicht gegen jede Wirklich- feit die riederschmetterud.' vecantwcrtlichkeit der kaiserlichen politif abgeleugncl halle, würde «6 niemand in den Sinn gekommen sein, da» Volk mit einem Regime in Verbindung ju bringen und der Allgemeinheit der Deutschen die schrecklichen Attentate upifd) - I

Zeuge wir gewesen sind.

T3ir sind zu gerecht, um nicht die notwendige Unter­scheidung zu machen, und keiner von uns verfolgt alle Deutschen mit einem Haft unb einer Ranküne, die kontrastieren würde mit Sen ritterlichen Traditionen Frankreichs. Frankreich hat spontan dem Besiegten die Hand gereicht, >edoch unter einer Bedingung, daft man nicht nerfudn, ihm seinen Sieg streitig zu machen. Der, seitdem ter Friede proklamiert mürbe, chn gestört hot, da» ist genrift nicht der schlechte Wille Fran kreichs. Frankreich I)üt n ie m a ( 9 a u ft e r- halb der Verträge ober über bie Der - träge hinaus gefordert. Es fordert nur bie Sicherheit feiner Grenze unb Repara- tionszahlungen. In Locarno wie in Genf hat Frankreich, glaube ich. ziemlich offenkundig Be­werfe sem-s friedkichen WiHens gegeben. Tiber »Dar­um Hot Deutschland vor zwei Wochen ostentativ nach "Lissabon ein Kriegsschiff ent- f a n b t, das noch dazu den Namen El saft trägt?

Warum hat in Reben vorn 1. unb 3. 11. 1925, d. h. nach Locarno, ein deutscher Winifler, unb nicht der geringste, erklärt, daft der Verzicht aus die bewaffnete Gewalt Deutschland lediglich

durch die Tatsache diktiert wurde, daft e» keine uewafinetr IN acht mehr besitzt? Warum hat er c.-klärt, daft Deutschland in keiner Weife mora­lisch auf deutsche Provinzen ober deutsche Be- oSlfcrung verzichtet habe? Unb warum hat ein anderer INinlster ausdrücklich hin zugefügt, baft er das (Elfaft al« eine deutsche Provinz betrachte« und baft Deutschland, wenn es auch aus die Ge­walt verzichtet, boch auf fein beuksches Gebiet verzichtet habe? Ob bie Berliner Regierung glaubt baft eine berartiqe Auslegung der Lo camo-tlbfommen dem Gefühl Frankreich» enl- ipricht? Warum lasten andererseits hohe bcutidtc Finanzauloriläten bereit» setzt durchblicken, baft binnen zwei Jahren ventfchlanb eine R e o i - Hon de» Da tot «plane« «ordern und nicht mehr die vorgesehenen Zahtungen leisten könne?

S.nd das wirklich hinsichtlich der c-'iden ragen die Frankreich für vital halten must. Worte der vlughnt und tvr Dersöhnnng? Wenn Deutsch­land inte offen sagen Würbe: 34) habe auf ülsast-Lvthr-.ngen. das ich euch 1870 g.waltfam en tristen habe unb daS einmütig gegen die An­nektion protestierte, verzichtet, ich werde nicht versuchen, e« euch durch eine neue Gewalt­tat. noch durch List, noch auf irgendeine andere Weise wieder zu nehmen, wenn D utschland gleichzeittg enbllch. wie die Bollchafterkontercnz am 10. Februar b. 3S. es gefordert hat, ein- willigen würde, seine Polizei zu reorgani­sieren. die militärischen Devchände aus­zulösen, die Arsenale und Kasernen zu veräustern, die e« in Derletzung de« Derttages behält und die Riederlegung der ver­botenen Fefiungsanlagen au becndiaen. dann würde eS der Welt FriedenSpsänder geben, die sede Beunruhigung beseitigen und eine ^in- näherung erIcid)teTn. die wir b.S zuletzt wün­schen. Bor einigen Wochen, al« ich ösfentlich. ebenso wie meine sämtlichen Vorgänger eS ge­tan hatten, auf diesen beiden wesentlichen Be­dingungen beftanlKm habe, nämlich Repara­tionen unb Sicherheit, sind die wenigen Worte, die ich an dieser Stelle gesprochen hab«, in vielen deutschen Zeitungen entstellt (?) und bisweilen mit Titterlcit kommentiert worden. Man hat mich al« eine Art Monomanen hin­gestellt und behandelt al« die halsstarrige Per- fon'.fizierung des armen Lochringen, unfähig an­derer Absichten als die der Rache zu nähren. Unsere Toten haben gedacht, fcaft ein Krieg, der ihnen erklärt wurde, nicht zu GnZ>e gehen dürfe, ohne dost Frankreich die Provinzen zurückerhalte, die man ihm genommen hat. Der Sieg hat unsere Bemühungen gekrönt. Frankreich Hit nichts mehr zu wünschen als den Frieden und die B e o b - achtung der Verträge. ES hat auch nichts anderes gewollt: es will heute nichts andere« und eS wird morgen nichts anderes erstreben.

Wirklichkeit im vollen Einverständnis mH der ameri­kanischen Regierung erfolgt ist.

Au« all dem ergibt sich bk überraschende Cchiusifolgerung. dast trotz aller Divergenzen über die Möglichkeit einer Durchführung des Mellon- Berenger-Abkrmmens. zwischen Frank­reich und Amerika tatsächlich eine Annäherung erfolgt ist, die nur durch gemeinsame gröbere Interessen bewirkt .norden fein kann. Die Vermutung, die fich unmittelbar an diese Tatsache knüpft, geht, wie das auch in Pariser politischen Streifen ganz offen zugegeben wird, dahin, dast die R e q c l u ng derXriegS- schuldenfrage überhaupt das zwingende Motiv für die zweideutige Haltung Amerikas ist. Denn die befannte Differenz der Ansichten Zwischen Amerika und seinen Gchuldnerstaaten der Streit, ob Deutschland mit Hilfe^ des Dawesplane« alles bezahlt, oder ob die Länder auS eigenem hin-,usteuern müssen, um die Verpflichtungen ge.^nüber Amerika zu erfüllen eriftiert Frankreich gegenüber deshalb nicht, weil ^Frankreich infolge feiner finanziellen Miß­wirtschaft tatsächlich nur daS bezahlen kann, was es aus dem Dawesplane herausholt und nicht mehr. Der Gegensatz, der zwilchen England und Amerika in der Frage der Revision des Dawes- plane« dadurch gegeben ist, dast England klar sieht, die Aufrechterhaltung des DawesplaneS in seiner jetzigen Form werde zu einer Ver­schärfung der Konkurrenz auf demWelt- markte führen muffen, die ihm unweigerlich schadet, während Amerika dies kalt lästt. führt al<o innerhalb des Rahmens der grosten Inter­essenten am Dawesplane schon heute dazu, dah fich die Standpunkte Amerikas und Frankreichs nähern...

eo wenig also der Abschluft einesameri­kanisch-französischen Locarno»^ oberewigen Frie­den» vertrag es" mit der Frage der Revision des Dawespians in direkter Bcrbindung steht, so sehr ist demnach auch andererseits durch Verdandlungen über einen solchen Vertrag die Möglichke« gegeben, die amerikanische bzw. die französische Politik ge­rade über dem Umweg des schulde nab kommens gegenüber dem Dawesplan so abzustimmen, baft in dieser Frage beide Mächte konform gehen, wenn Frankreich dafür das Schuldenabkommen eines Tages doch noch annimmt. Die französisch-ameri­kanischen Besprechungen, die in England bereits das allergrößte Mißtrauen unb Unbehagen aus- gelöst haben, sollten unter diesem Gesichtspunkt also auch in Deutschland mit größter Huhnerf- samt eit oer'vlgt werden trog des lächerlichen Ge­wandes. in das die Vorschläge des Amerikaners Shotwell sie gekleidet haben.

Die Beamtenbefol-ungsreiorm.

Cm Beschluß des ReichHkabineflc-

Berlin, 19. Juni. (Wolff.) Das Rcichskabinett bat in feiner Sitzung vorn Samstag in der Frage der Beamtenbefolbung In folgendem Befchluft Stel­lung genommen:

Die Reichsregierung verichlieftl sich nicht der Er­kenntnis, daft bie Bezüge der Beamten in­folge der fliiteigcrlen Lebenshaltungskosten unzu­länglich sind, und ist daher auch aus flaatspoli- tifchrn Gründen gewillt, die wiederholt besprochene Aufbesserung dieser Bezüge durchzuführen. Sie glaubt in der Annahme, baß eine Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage nicht einfreien wird, zusagen zu können, daß noch im laufenden Kalender­jahr, und zwar mitWirfungoom 1. Ottober 1 92 7. eine durchgreifende, alle Beamtengruppen umfassende Reform der Beamtenbefolbung erfolgen wird. 3m Reichssinanzmsniflerium ist man dementsprechend mit der Ausarbeitung eines Ent­wurfes befchäfffgt, der bei einer durchschnittlichen Erhöhung der Bezüge auch eine Aenderung des derzeit geltenden Besoldung-aeietze» oorsieht unb bie vielen berechtigten Beschwerden beseitigen soll, bie sich im 3ahre 1926 ergeben haben, und sowohl Ge­genstand der parlamentarischen Verhandlung wie zahlreicl-er BorilcUnnaen der Beamten waren. Da» heutige Besoldungssnstem beizubehaiten, um daraus prozentuale Zuschläge zu geben, ist nicht beabsich­tigt. Auch soll keine Teillösung der Besoi- dungssrage durch Gewährung vorläufiger Abschlags­zahlungen versucht werden. t)ie Bezüge der Ruhe - fiehattsempsänger, Wartegckdsempfänger oroie Hinterbliebenen sollen eine entsprechende Be­rücksichtigung ersahren. 3m Zusammenhang mit der Erhöhung der Beamlrnbefcloung werden auch ge- mäft § 87 bes Reichsbefolbunpsgesches die zur Befferung der Lage der Kriegsbeschä­digten erforderlichen Mittel bereitgestellt werden.

Die Feier des Dersassungslages.

Berlin. 20. 3unt lPriv.-Tel des ®. 2L) Die Frage der Feier des DerfaffungStages. die durch den im Reichstag eingebrachten Antrag er­neut in den Mittelpunkt de« öf.enrlichen Inieref- feS gestellt worden ist. hat Samstag vormittag wiederum auch daS Reichskabinett in seiner Sitzung beschäftigt, in der dte allgemeine Rege­lung des Dienstes amBerfaHunggtage erörtert wurde. Es wurde beschlossen, für alle Relchsbe- börden Sonntaasdienst einzulegen mit ge­wissen, auS der Ratur der Sache sich ergebenden Sonderregelungen für die Betriebsverwaltung.

Die BesatzungsstärKe.

Eigener Drahtberichl de» (Bieftener Anzeiger»^

Berlin. 20 3uni Dir hatten txceii» dar­aus hingewiesen. dast lediglich eine Umgiupr.c- rur.g ober Verminderung der Formationen der 'Besatzungstruppen ohne erhebliche Reduz ic- rung der Kopsstärke keinesfall« eine 0r- fülluna de« Versprechens sein würde, dast Driand als Prafidem der Botfchafterkrnfeien.z am l^ Rovember 1925 an den deutschen Dotfchatt.r in Paris gerichtet hatte, und in dem in aller Form eine .merkliche Herabsetzung" her B-'-tt- zungStruppen zugesag: tmirbe. so dast sie sich .den normalen Zlssern nähere' Bei der vielleicht nottocnbig werdenden Feststellung ob tlächlich fine t^lche nerlliche Herabletzung erfolgt fein wirk spielen die Berechnungen ei;:c Rolle, die von deutscher und von frctn.i** sischer Seite über die Stärke der BesatzungS- truppen gemacht worden sind, und d'e vonein­ander abuxichen. Rach der deutschen Berech­nung befanben sich am 15. Mär-z d 3. im be­setzten Gebiet 75 477 Franzosen. Belgier und Engländer. Rach den französischen Anga­ben sollen es nur 68 199 gewesen (ein. Die Un- stimmigkeit kommt einmal daher, das) die Fran­zosen die Besatzung des Brückenkopfes .H c b l, die unter einem Straßburger Koimnando steht, und ferner Militärhandüterker und Militär- beamie nicht berückfichtiat haben. Dann ist die französische Zählung auch in einem Augenbllck vorgenommen worden, al« gerade ein 3aftr - gang entlassen und noch nicht alle Rekruten neu eingestellt waren Wenn man diese Momente berücksichtigt, so loinms man zu einer Uebereinftimmung der beiden Berech­nungen.

Reben dieser Berechnungsfrage spielt di« Tatsache eine große Rolle, baft ein Teil der heute am Rhetn stehenden Formationen icht schon numerisch durchaus unvollkom­men ist. Von den sechs französischen Divisionen, die sich gegenwärtig auf deutschem Boden bo» fmben. sind die 41. 3nfantenebtoi1 ton in Kreuz­nach unb die Kavalleriedioision in Trier hmtte nur noch Rumpf formatlonen. Die erstere hat nur eine Stärke von 4030 Mann, während bis letztere nur aus einer Rürassierbrigade anstatt normalerweise auS zwei Brigaden besteht. Wenn die Auflösung dieser bvfben stark reduziertet, Divisionen oder ihre Ueberführung nach Frank- vetch erfolgen sollte, so wäre dies keinesfalls eine Verringerung der DesatzmtgStruppen um zwei 'Divisionen. Gitte vielleicht zu erwartende französische Anksindiguttg. daft die französischen Besatzmigsiruppen vott sechs auf vier Divisionen herabgesetzt werden sollen, würde also der ge­nauesten Rachprüfung bedürfen, damit die effektive Verringerung der Truppenzahl festge­stellt wird.

Dandervelde über die Genfer Ratstagung.

Brüssel. 18. Juni. (WB.) Vandervelde erklärte einem Vertreter der Belgischen Sete- graphenagentur über die Genfer Ratstagutrg: Die Delegierten haben Genf mtt einem gün­stigeren Eindruck verlassen al« den. der fte bei ihrer Ankunft beherrschte. Die Loca-nopolitik wird fortgesetzt. Die Frage der Festungen ist geregelt. Die Verminderung der f ran« zöf tfchen Truppenbestände i mR hei n- l a n t> scheint nicht lange auf sich warten lassen zu wollen. Die MandatSkommtstion wird über die Zweckmäßigkeit des Eintritts einer deutschen Per­sönlichkeit in die Kommission befragt werden, und der Rat wird im September darüber ent­scheiden. StrefemannS wichtiger Bericht über die WirtschaftSkonserenz veranlaßte im Rat Kund­gebungen zugunsten gröberer Freiheit des Güter­austausches, benen die Regierungen werden Rech­nung tragen müssen. Man darf hoffen, dah binnen wenigen Tagen diskrete, aber wirk­same Interventionen den Konflikt zwischen Albanien und Jugoslawien beendige., werdew An den Erzählungen von einer heiligen Allianz der westlichen Regierun­gen gegen die Sowjet« ist kein wahres Wort. Alle scheinen im Gegenteil darin einig zu sein, daß die Stellung zu Rußland eine Angelen he it j e t>e « einzelnen Lan­de« ist. und daß jeder Versuch, gegen die Sow­jet« eine Einheitsfront zu bilden, nur die Wir­kung haben dürfte, die Stellung der Solvjet« in Rußland felbst zu festigen.

Eine letzte Besprechung.

Gens. 19.3uni lWolff ) Der englische Staatssekretär für Aeuftece«, Sir Austen Eham- b c r l a i n , hat Samstag vormittag um 10 Uhr Reichsaußenminifter Dr. Stresemann am Sitz der deutschen Delegation ausgesucht. Die Unter­redung dauerte 1,45 Stunden. Die sehr eingehende Aussprache zwischen den beiden Staatsmännern erstreckte sich auf den ganzen Fragenkomplex, der während der letzten Tagung zwifchen den Ver­tretern der sechs Hauptmächte gepflogenen pri­vaten Besprechungen.

Montagvormittag wird die deutsche Dele­gation wieder nach Berlin zurückkehren, und der Reichsauftenminister wird voraussicht­lich schon am Montagnachmittag dem Reichs- k a b i n e 11 über das Ergebnis der Genfer Be­ratungen Bericht erstatten. Jedoch stebt noch nicht fest, ob diese Sitzung schon am Rach­mittag des Montag- stattsinden wird, da dies selbstverständlich auch von Dr. Sttesemann per­sönlich mit abhängt. Auch ist es noch nicht be­stimmt, ob es sich, wie sonst bei dieser Ge-