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Nr. 245 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefien)

Mittwoch, |9. Gttober (921

Manöver jenseits der Grenze.

Dem uniesrm ni./Zteri^t'critalter.

!Aochdruck auch mit CUteOtaaegafa hcrbotenO Älf*t nt» .QMleeaZHfn; DItobcr 1Ü27.

3* Mekr. lagen flogen bei ben OBanboeox der Roten armer In der IHcdtne mehre« Ifari giUbcnt rumä;rt'd>c Granaten über die rumäni- fdr Grenze wnb planten auf bellarabttchern Oe» btet.---5>tc Morteappara:« Oabpem, das

X*jrabben«mt arbeitet mit Sy&tbrurf. der frei- Mie Lel«g ramm verkehr Ift feit Tagen gesperrt. Vor dem ouffal tenb gut und ausfallend toetfj geftridyenen Regterungsgebäud« Äratttoagen. Schon die zweite Kommission geht an die ruf- sisch« Gven-e ab. Die Juden fürchten P ogr ome. Jebrn Augenblick erwartet man die Verhängung bet Delageruagszu stanbes. Gestern wurden vier Dauern unb «In Mann mit einem 2lugeng'ov verhaftet. Und der Grund? - Grohmanöver der Roten Armee in der Ukraine.

3n gewisser Beziehung haben ta M« Ru- r.iänen recht. Ausveuck gumachbarltcher Freund- fchast lirrd M*f« sowjetrustifchen Kriege spie le nicht. Auch Ut es vom Standpunkt internationaler Achtung der Hohes,-recht« ungehörig, Uebungs- granaten, die .ver'ehentlich scharf geladen" sind, auf rumänischem Boden platzen zu lassen. An- de«rselts find auch die Dukarester schlau genug, um die Gelegenheit zu einem in Westeuropa deutlich vernehmbaren Klagegebeul gründlich aus- zunutzen: ..Der Wols kommt, der Wals ist da!" Was geschieht aber, wenn der Wols wnckllch einmal da ift?

Dorläufig Ift es aber noch lange nicht so weit. Würde nicht ab und zu ein bolschewistisches Propaganda du re au ausgehoben, wobei jedesmal ..kompromittierende Dokumente"' gesunden wer­den. dann wär» Kischinew ein politische- Dorado. Duhig kommen die Dauern zum Markt, friedlich hauen die Juden sie über'- Ohr. und gemächlich rollen die Stuten des Dyk zu Tal. Bloß die t>erb. .. Aussen schieden über die Grenze.

Unlängst hatte mich ein Deutscher, einer von denen, die im Süden zwischen Abmerfchanze und nördlichen Trajanswall toobnen, auf ein Dorf hinausöeführt. Auf ein russische» natürlich, denn rumänische Enklaven sind hier selten und nur auf den ..Sprachenkarten'' in Dukareft zu finden. Sine Schule war nicht vorhanden, die Kirche ver- waist Der Pope ift vom Metropoliten adgefetzt worden, und sein Aachsolger ift Rumäne. Die Tauern sind nicht fanatisch, sie wollen aber wis­sen. was man ihnen Sonntag- predigt. Der Staroft (Dorfälteft«) lief» sich in ein Gcipräch mit uns ein. Wir tauschten Krieg-erinnerungcn au-. Auch er war in den Karpathen gewesen. Vielleicht hat man sich an derselben Stelle gegen­über gelegen... Hebet den bochgepolsterten Del­len Harren Heiligenbilder ins Lee«, und der bluttriefende griechisch-orthodoxe Cbriüofj blickt drohend aus der (Me, in der der klein« Haus­altar fleht.

Plötzlich ein Geräusch schlürfender Schritte, und ein Riefe, uralt uub doch nicht gebeugt, ein Rübezahl des Märchens, steht vor uns. .Ihr Krüppel, was wißt Ihr! Ich war noch bei P l e w n a dabei. Auch damals sollten die Au- mant kommen. Wir werden sie aber auch heute zum Teufel lagen, jal Der Slarost gab uns ein Zeichen:Or ist ein bissel blöb, der Alde. tut jedoch niemand was zuleide." Aber das Bild, bl« Wort«, bleiben einem erhalten, wirken nach, tage-, wochenlang

Man Halde Aumünien 1878 um CM1 ar ab Um [wlrogcn und ihm dafür die Dobrudscha ,.gc- 1dxnn", und lauert jetzt auf den Augenblick, tun ihm bk-fe« selbe Desfavabien wieder zu neh­men. dieses Desfavabien wo Ruthcnen, lUramcr. deutsche. Magyaren, Tataren, Juden und, ach, so 11 «eilig Rumänen wohnen. Ewige 3rrcbcnta. putsche Hölle, wo das Recht des Stärkeren legiert und nur brutalste Gewalt sich durchsetzen kann. Armes Rumänien!

Die Kommissionen arbeiten jetzt in Dcseni und cotofi. Sie fertigen Akten an. die m D.tka- reft komme..liert und In Genf registriert werden sollen. Di? Herren sind nicht zu beneiden. Auto­fahrten . SeinbcJanb" sind kein Kinderspiel. Unb man merkt, baft der Pruth doch eine be*

(Biebener Stabttheater.

Mleift:Tao Käthchen von Heilbronn".

3n einen Reisebries schildert Kleist ferner Braut ein halb traurigäi. halb lächerliches ®c* lebnis in der Leihbibliothek zu Würzburg. .Hove uxi» ich darin fand, und ich werde Dir ferner nichts uxhr über den Don von W^zburg za 'a<wn brauchen." Gr wünscht ein paar gute Dächer zu haben. Gnva von Wieland. Goethe oder Schiller, lind obwohl alle Wände voll Düchcr stehen, laut« bic bedauernde Auskuickt. .Halten zu Gnaden, bie^c Schriften werden hier gar nicht gelesen. . Was stehen denn also «faent- lich für Dächer hier an drien Wänden?" Rittergeschchten. lauter die Rltterge chchten mit Gespenstern. Untt ohne Gespenster, nach Delleben. - .So. so.

D<.s war im September 1903. und man mag 'ich nach diesem Würzburger Grl^niS Klei'ls eine TodteUung von der unglaublichen Bei heit und Derbreitung c.ner ü «arischen Gattung ::.achm. Don der wir heute kaum noch eine Ahnung haben. .Das Käthchen von Heildrvan oder di« Feuerprobe". ein großes h.stonlcheS Rtttertchaujpiel. ist der überragende und toeü über Bestimmung und Weien dieses St ls Mn- c.usgewachleite Spätling: es ist eine Ritterge­schichte. »war ohne Gespenster", aber sonst mit allen ncftoaibiaen 2£tttibuten chrer volkstüm­lichen und uncoenbürtigcn Geschwister ausge- fiattvi: mit einem heiligen Aehmgericht und einem Iwenmrtfien Schloß. cmer jm^zfränlich-lteb- I-chini Madchengestalt inmven and einer böten und aamz aIyK#cimxn Kunigunde mit Zweikampf und Flucht und UcberfalL mit S.lvestemachts- träum unb verrauschten 'Briefen, mit Dassen- gaxificl. Fansercnton. Feuerlärm unK Glocken- Hang Dies alles sah man. barm:* wies man bin, wenn men sich bemühte, den D chter als ein Kind ber Roman:i.' zu erfaßen und ihm damit eine feftgcgrnnMc Stellung im deutschen Schrift­tum anzuweisen.

Sicherlich ist auch >»8 .Kächchen". flüchtig angegeben, das rom.mttfchste unter allen feinen Werken: man r.nts nur scheivesi zwischen dem, was ihm innerlich dabei vom Herzen kam, und was äußerliches ZugoftStrdnis an ein Publikum

quemert Grenze war. Unb dann bic Bccnilen bte Geni.'armen, bic Armer was kost« t da­für Geld! Schrecklicher Dallaft! Wenn dieser Ballast nur nicht so furchtbar wäre!

Odessa zu nah and Odessa Ift für Me befsarabischc Verwaltung das roce Tuch m dop- pciter Bedeutung. Wenn nu: die Hälft« von dem wahr ist. was mar. oon den Plänen M« dort Aegen Rumänien geschrniede: werden, erzählt. Io muhte «s ein Gebot der 'tertza.

Me ohnedies schon stark ramponiertc Stadt von rumänischen Si egern in Grund und Beben bom­bardieren zu lassen.

3n Odessa war angeblich auch der General­stab der «inen russischen Armee, die den Auf­marsch an der bessaradtlchen Grenze vollzog und

bk lchatt geladenen Granatcngrühe her.ck>er- fanbte Odessa Ift auch das ®irJa;'.«t?r für Me roten Propaga ndakommlssare 6k 'ob­ren vor bon nach Akkerwan ober. pardo .

Tschetatea Alba, wie es jetzt so schdn he.ht Dabei rnüsten sie über C Pi bl 0 bei. bat j»tt Mer viel gcannt u irt

Ovibl 0 pel! S.adt des Ovtd! Mt'auier Rar e, mit dem Hauch tzlstvn .xr Romantik um­geben unb ,ctzt Onbcgnff Polin u>cr Propaga-iba und rnilltärttcher Spionage <5 -.g,* hundert Kilo­meter von hier, dort wo die südlichen Trajan-- wälle an's ckchwarze Meer flohen, schrieb einst her verbannte rdrnttche Dich er'ürst seine erschüt­ternden Lrista. Welcher Rumäne versaht beute für fein Vaterland das beflarabische Klagelied?

Die deutsche chemische Industrie und ihre Stellung aus dem Weltmarkt.

von vr. Hermann Grohmann, Profrssor an der Universität Berlin.

Die deutjche chemische Jndusttte hat von j<r,cr im Mittelounkt bei allgemeinen Interesse» gestanden, das sich ktncfcroege allein auf das Inland I c'chränkt bat. Ls ist jedoch erft in der letzten Zeit wieder­um allmählich möglich geworden, sich eine einiger­maßen exakte Vorstellung von der Entwicklung und dem derzeitigen totanb dieser Industrie innerhalb der Deltwirtschast zu machen.

Obwohl die Produktionostatistik gerade in der chemischen Industrie in den meisten Ländern immer noch sehr viel zu wünschen übrig Iaht, läßt sich doch ein vergleich der gegenmärigen Welt Produktion an Chemikalien auf Grund von Schätzungen ausstellen. Die solgende Uebersichtstabelle ergibt eine gewisse Vorstellung von der Welterzeugung a n ch e - mischen Produkten und ihre Verteilung auf % bic wichtigsten Herstellungsländer.

Delterzeugung an chcm Produkten

1913 biro. 1914 123 bj». 1924 Milliard. Anteil MMiard. Anteil

®m. Proz. öm.

v Staat, v. Amerika 3,4 34 8,4

Deutschland 2,4 24 3,0

Kanada \ s 0,4

Schweden . 4,1 42 0L

alle übrigen Staaten]______l_6.0

Insgesamt 10,0 100 18^

Proz 47 17

2 1

83

100

Demnach sind vor bem Kriege für nmb 10 Milliarden Doldmark Thernikalen in her ganzen W<lt hergestellt worben, während in den Jahren 1923 bzw. 1924 der Wert der chemi­schen Produktion auf 18 Milliarden Goldmark gestiegen ist. was unter Derücksich.igung der Gv Mittwer ung eine Prvduklrorsstei.^er-'nz von ungefähr 3d Prvz. gegenüber der Bvrkrie^vzeit bedeute!. Auch auf diesem Gebiet hat wiederum Amerika sriuen Dorsprung vor allen übrigen Cüntsr 1 einschl. Deutschland in thrr Produktion w.-sentlich tx-r<^öfjert, unb das gleiche gilt auch für den gdamten Auhenhandel. in welchem Deutschland zwar immer noch bei der Aus­fuhr mit 23 Prvz. gegenüber 16 Droz, bei den bereinigten Staaten an der Spitze steht, während in der Einfuhr von T7.emikal.en der deutsche Anteil cm der Wel einsichr von 17,7 Pro-. Im Jahve 1913 auf 7.8 Prvz. zurückge^iiigen Ift. Dagegen konnte» Me Dereinigten Staaten von Amerika ihren Anteil an der ötnfubr von 18,8 biS auf 22.8 Pr»z. steigern. Jn der Ausfuhr von Themitalien tour vor ben Kriege M« Reihen­folge gültig: D eutschland, S n g land, 60 ile. Vereinigte St aalen, Frank­reich. während heute folgende Ordnung gilt: Deutschland, Vereinigte Staaten, 1 - - England, Fra 1. kreich Thile. Die bedeutende absolute Lussuhrsteig r ing ber Verein.gten Staaten erklärt sich naturg map aus ber auherordenklichen Zunahme ber amerikani- fdK-n chernischeii 3nbuftnc seit 1913. während der Rückgang Chile- als eine Folge der ffCDf>.m wirtschastliwen unb technischen Or^eugung der Stick st otf-Industrle b.fond.'rs in Deutsch­land anzu'elien ist. Hiermit hängt auch zu ecnem erheblichen -feil der stark absolute Rückgang der deutschen Sinfuhr von Chemikalien zusammen, di«

jedoch für den erhebe.chen Rückaana cr.^dner Fw-ige des deutschen Chem.kalienhandd» in ber Ausfuhr bei weitern Innen vollen Grs atz Meten konnte. Ss ist immerhin zu bedcnketr. dast an sich die deutsche Chemikalienausfuhr von ranb r.ncr halben Milliarde Mark im Jahre 1913 fast auf die Hälfte im Jahre 1925 gurikfgegangen ist. während die Ausfuhr immer noch über eine Milliarde Goldmark betrüg'. Ferner ist zu be­rücksichtigen dast der deutsche Anteil an ber Wrllprvdukrion in der chemischen Industrie von einem Viertel auf ein Sechstel zurückge- g an gen ist. 04 ergibt sich daher doch im ganzen aus Mesen Fahleii ein viel weniger glänzendes Bild der deutschen chemischen Jnbuftrie. all eS

.1 genug allein auf von e niscpen Srfo'.gen geschildert wird, deren Wir- fmrgcn sich immerhin erst im günstigsten Falle in späteren Jahren bemerkbar macheii dürften.

Aus der anderen Seite aber darf naturgemäß auch niemals vergessen werden, dah ein b. sonders leistungsfähiger Teil ber deutschen chemischen In­dustrie gerab? in den letzten wahren auf ganz bedeutsame technische Leistungen hinweis.'N fann. Me auch für die Zukunft ein ersm-eichcs Arbeiten zu gewährleisten scheint. Aber e- haben sich doch unter dem Crinfluft dos Krieges unb ber Rachkrtegszeit nicht zu überfebenbe gewisse Wandlungen in der chemischen Industrie der Welt vollzogen, die bas häufig viel zu leicht ausgesprochene Wort von ber unbebtng.cn mono­polistischen ileberiegenh.il der deutschen chemi­schen Industrie, das übrigens auch für die Vor­kriegszeit keineswegs allgemeine Geltung b:an- sprachen konnte, in ber Gegenwart bestimmt als völlig unzutreffend erscheinen laffen. Mit Recht weist auch Ungewitler darauf hin, dah man von einer gc issen Ueberlegenbelt Deutschlands üb r upl nur In dem öinnc sprechen fann. dal) diese- Land einen bcfonders grohen Anteil an allen neuen wisienschas tlichen und technischen Ideen auf dem Gebiete ber She77ne gchabt Hal unb auch heute nrxb hat.

Stark Aurüif gegangen ift der Ulen je nach bauptsächlich die deutsche Ausfuhr an Teer­farbstoffen. während toerim. (jig besonders neuerdirigs Meter fgani weniger stark ins Gewicht fallend erscheint. ifVfttegcn Ist dagegen sehe erheblich, wie bereits erwähnt, die Aus- fuhr an Stlckstoffverblndun gen, Me auf der Tatsache beruht, dah Deutschlaich setzt bereits mehr als den dritten Teil bet Weltprvduktion an Stickftoffverbindungen her stellt und auch bei 'Ik-rgroDerung der ausländischen Gea gebundenem Stickstoff auf diesem Gebiete wohl noch längere Zeit ein starkes älcbergewicht be­halten wird. 3m Gegensatz zu dieser günstigen Entwicklung der StickstofIndustrie steh: aber lei­der immer .wch Me der Leistungssahigke-.t der deut­schen LuperphoSphaIndustrie keineswegs ent­sprechende Produktion und der Absatz an biet em wichtigsten phoSphvriäurehal! gen Diingem'cktel.

®tne starke Steigerung weist dagegen erfreu- llcherweise die Kunstseidefabrikation auf, Konzernen in ben letzten Isthren technisch sehr

we, »gehend ausgcbaut .'.erden ift. Eh« auch catf dem internationalen Äunhr.bewarf! etne feste starke 2.tllung c mehnrcr

3m !etz:en 3ahre stellte die deutsche AuFuhe an übc.n.I en rund 10.4 Prozent l*r gr'..taten be».: ch n Ausluhr t*ar und stand MimU tote auch bereu- : >r dem Är.^., mit an «rfta £: e u-.mdtcLbar b wer Vr Xf rill» unb Metallwaren-Induftrie. S.ne ine ta« an sich brienber» cru unschte Steigerung Mr deut­schen Ausfuhrtätigkeit erscheint jedoch nur unter der Dvrau-'etzura mdgltch. b.i*\ Mrrch wetteren Ausbau M-r Han M l-vertrag i ne cr aeb .lche Der» mir.;'<Tunfl ber hohen oM.IOik erfolgt, b.e hi verich eMnien Ländern gerade auf chemische Produkte erhol'en wer?>m. Gn Vergleich Mt »►oUbdaTumg vor dem Kriege u-rd in tw Gegen- tvari. Hegt nämlich bei fast o'.'.enJ-'.nbem eine derartige starke ärhehung der Satze, da st es ber c'Ifrgrf1 fiten 3nrr»-r.iungen Mr deutschen chemi­schen 3nbuftrie bedürfen w rd. um tt<n.g'tm< au manchen Gebieten trotz dieser schweren 3oU* belaftunj mit den fonlirtTivrenNn Industr en an­derer Länder erfolgreich in De.tbrwerb treten ,u können, die. so verschiedenart g fie auch .m einzelnen entwickelt worden lind, doch gegenüber M-r deutschen chem.fchen Industrie falt dl i mrn das gleiche Bestreben haben, nämlich b.e Einfuhr nach Möglichkeit einzudämm.n. Man wird allo im ganzen zu dem Otgebni# kommen müssen, dast die deutsche chemische Intustr.e auch in 3u- kunst nur mit vorzüglichen Leistungen auf neuen Gebieten imstande sein wird. M*n Absatz ihrer Produkte aus dem Weltmarkt ertzrblich zu stei­gern. was gerade im Interesse der fo nntiren- digei, Verbesserung der Mmtschei» Handelsbilanz al4 besonders wichl.ges Moment niemals ver­gessen werden darf-

Vom Provinzialousschuh Oberhessen.

In M*r öfscittttchen Sitzung des Prov-n- zialausschusscs am Samstag wutchen ver­handelt:

Klage des Michael Decker In Gießen gegen das Kreis mt Diesten aus Aus- hebwrg des Descheids vom 12. April 1927 wegen Versagens de» Wandergewerbe- schein». Die Klage Wurde al» unzuläss.g kostenpsiichtig abgewiescn, weil Kläger Me zur Einreichung der Klage gesetzlich vorgeschrieMne Frist nicht eingefallen hatte.

Des ol düng des ^eldschützcn der Gemeinde WölserSheim. Der Gemein- berat in Wölfersheim hat nach Aushebung der ministeriellen Richtlinien die Desoldung Mr Ge­meinbebeamten n;u geregelt. Bezüglich ber De- solbung des Zcldschätzen wurde keine L9i gung erzielt, fo datz es zum Deruxil- tungSstrettversahren kam. Der Dcmeinberal falle 150Ö? M. bewilligt, der Krrisdirektvr zu Friedberg 1700 M. angefotmen. Der Kreis­ausschuh zu Zri'-bM-rg fat in ber mündlichen Ver­handlung vom 6. April 1927 dem Ansinnen des KteigbtreltorS entsprochen unb die Desoldung des Feldschützen vom 1. 3anuar 1927 an auf 1700.- M. jährlich festgesetzt Der Feldfchü:.. Ift in der 915 Hektar großen Gemarkung Wölfers­heim voll beschäftigt unb wirb auch im Winter ton der Gemeinde beschäftigt. Gegen das Urteil «des KreisauSschusieS versolgtv der Felbschutze Derullmg mit Mm Antrag auf Orfafana seiner Drioldung, Me einschl. Frauen- und ÄinbecMi» schlagen für drei Kinder vorher 2400 M 0«- tragen hatte. Der Prvvinztalausfchuh gab Mr Berufung teilweife statt und fetzte von, 1. April 1927 an die Desoldung auf jährlich 1850. M. sest Die Koftm des Verfahrens fallen zu Pier* fünftel dem Berufun^Skiäger. zu dnfünftrl der Gemeinde Wölfersheim zur Last.

Klage desBezirkssürforgeverbanbs der Stadt Giesten gegen den Bezirks- sürsorgeverband de» Kreifes '211» seid wegen Grfatze» von Unterstützung »kosten für Hans Günther Pfeil. Der Klege tourt», ftart« gcgclxm und ber Beklagte verurteilt, dem Kläger d32,lv M. zu erstatten. D-e Kosten des 7\r* fafaetrs wurden dem DellaAen zur Last gefetzt.

"Berufung des Ministers des Innern gegen das Urteil des Kretsausschuffes

tr-ar, Mu> troiCem nrck^S von ihm toifien wollte. Unb über solcher Romantik wurde beim oft übersehen, was die eS vrlkstümlichste seiner Vchau- spnrie eiq-eniltch, vor allem andern und in eeecm tieferen unb einfacheren Sim« war: bas fchlich» tefte deutscheste unb juqendlichste Stück. daS Klrist je ge^chrteben fat. das freundlichste auch unb das faxrerfte unter seinen ernsthaften Schau­spielen. Wo gibt es in deutscher Sprache eine Liebesszen«, inniger und anmutiger als das Idyll ber Heilbronnerin unb deS Grafen von Strahl in ber Laude am zerfallenen Mauerring 1« chara .wo der Zeisig sich das Rest gebaut, brr zw-.ttevernde. In dem Ho' iundersrrauch" ?

In diese» Werk, wie in alte andern, bat der pteifr.Mjc Junker ber einem inneren Be- dX ge dorchend. lerne glübeiCen Berte nieder- 'choeiben muhde. sein ganzes üdergueitendeS Ge­fühl ergossen, das er un öcben streng keu'ch. auf» äufartte beherrscht, in sich vertchtcH. mit aller L.eblichtei: aller hiirgebenden Treue em Mädchen grtchmückt. da- wie ein Hundtein fernen hohen Hrrm und Herzliebften durch Ward und ZPertcr Reeen und Smenschcnn geduldig nach- läu't al^ <e n e.gencr Schatten: wo» ihm selber vertagt bitcb. greifbar und L-rperlich fal er in c^«c errräumre Geliebte aczaiuxrt, m ein wetbl.chrs Wesen von einer X-vrfatt tzos Her­zens und einer QauterieU des Wrtens. Me gerade darum fo ertchüttemd tfc, wett fie von v .nrm TIcrtdKn erdacht unb ertühck wurde, bem nie Im Leben ene Frau ander» zur debe ftenD. >cxn als Schwester ober Äamcrabin und Be- gicäerin in ben Tod

Zwischen Alkmene und Penthesilea erstand das K-ribchen. zwi'chc-n de- -ny! loschen ycauen bei.« tl'cher Dorzett das bew'cheste Geschwister der Goe.he'chen Margarethe, zwilchen be« im Laby­rinth .Hre4 hoffnungslos ve.wirrten Wetbgefühls den schmalen 2u-weg suchenden Griechin, en bte- (ci Lckwadenkind. da- mir einer nachtwandleri­schen E rterheit. bem untrüglichen Kompah seines jung räu.ichen Herzens folgens, über d e tteürigen Lanbft rasien keiner Destirmn ung en »gegen läuft... mit ae!chlo'fenen Augcn gleichsam, aber von der Uns^lbarkeir etnes Wrsfens geteilet, das pentetrs alter rerstandesntästigcn Vcwusithett liegt.

Unb von hier aus gesehen ist das Ritter- schaufvie! viel mehr als ein adfchsiehendes Glied

jener langen Kette rostig daherrastelnder Schau­spiele und Spukgeschichten, mehr als ein roman­tisches Dokument, mehr alS ein dankbares Publi­kumsstück: von hier aus gesehen, ist es am leichte­sten und zwanglosesten in die Besonderheit des Kleistischen Schaffen- cin^ugliebem: gerade bas GeheimniSvoU-UnalltL^liche. das aur er falb deS Gewöhnlichen Sricheinen.e. der Luhevste Gren^- sall vieler Möglichkeiten ist für Kleist und für sein Heilbronner Stuck so charakteristisch: hierin ist es zeitlos, an keinen Stil und te.nc Gattung gebunden, deren äuhere Merkmale es teilen mag. hier ist <8 reines Werk eines Dichter-, höchst einmalig und benachbart eben nur wiederum anderen Werken die'e» selben Dichters, der in feiner Amazonen fürst in das äuster'te und tra­gischste W'.eberipiel der schwL'.schcn Waffen- IchmiedStochter g« unden und gestaltet fat.

D.e Aufführung, von H.--frat Steingoet- itr Inszeniert, war. um fefttich zu »irren, .m Gesauuetnbruck zu uncinfa tlich. Ihre Vorzüge lagen zunächst (n einer iiberrafcfa.d schnei en LzeTiensolge. die ohne gröbere 8treichung?n bic fünf Akte in knapp zweiernfalb Stunden bezwang. D.« Grrmenfzene etwa wtro kaum jemand em^ lich vermiht haben: dagegen w ch ber geltem abend gripielre Tert mchclach ohne Rot von ber Kleistischen Fällung ab. z. B war der Schluh Deränber:. und der ar. sich leicht voezufühvenr-e Zwetkampf zwische Strahl unb Fr ebebom hinter b.e Szen« Derl.gt; er tourM ubetch ey durch bte auf der Bühne Stehenden nicht gerade mit bvomatilcher Spannung vermittelt. Am besten ge­rieten das einleitende Fehrngericht bann vor allem das blühende Herz Lück der Dichtung, die Hollundertzrauchszene: auch war her technisch nicht teichre Schiostkwand geschü» bewäl' gl. der Eherud gluck'. .chertveise gestr che-- Sehr matt erschien uns >doch der voraus gehend? Alarm beim UeberfaU. Die..gel ber Aufführung lagen we-.trrhin in der nüchternen StttrntnmgSlof gfett der Szc-tei.- bilder unb. besonders gegen Gnde hin, in einer oft reche spürbaren Brüchigkeit m s-enrfchen und IpoaLtchen Gefüge des Schauspiel». Der Kterlttfche Svrochstil Heilt allerdings, ymcl h«r im Sfaörtponreichen Wschirl zwilchen Vers und Prosa, Me höchsten Anforderungen an ben rm«

zelnen: Im ganzen tourten die weiblichen Partien auffallend Vesser gesprochen als Me männlichen^ die Damen Scherer, Baumann unb Jüng­ling sind in diesem Zusammenhang mit Aner­kennung zu erwähnen.

3inen sehr guten Driss hatte man in der Besetzung Mt Hauptrolle getan: Käthchen war 3ngebot) Scherer, die von der ersten bis zur letzten Szene eine gleichmah g sicher., aus­gezeichnete Leistung bot. Ihr. verschüchterte Zt nd- lichkeit in der scheuen Haltung unb der zag­haften Sprache vor bem Fehmegericht. Me ver­träumte, selbstvergessene Schelmerei unlerm Hol­lunder kamen so schlicht unb echt von ;nnen heraus, wie die hetzende Angst vor Man lieber* fall, bas Schulbbewuhtfein im Anges chte ihres hohen Herrn unb die Trauer um Ihn auf bem Wege zum Kloster. Wenn man etwa- vermistte, 't> wäre e- im Sinne des D chterS wohl bat UntTgrünl e und immer halb Unbewußte Hl Gebärde unb Wort, da- bei jeder neuen Be­gegnung mit ihrer Eriche nung ben 3i"br nf erwecken soll: s.e handelt nicht, sie wandel: im Schlas. es geschieht mtl ifa*.

® elf er» war ein stattlicher cfaen^afiet Filter vorn Strahl, ein ianger.T Bertichinaen, Meder unb wvhlgrtinnt: Me scharfen G.gmfätze der Rolle waren in feiner Wiedergabe einiger­maßen verwifcht: Härte und Schrofsyeft gelangen :hm wer. ?er üM-ryrugenb. alS bas ha b cmftfafte Spiel am Holunderstrauch: hier war ferne Darstel­lung einheitlich unb ungezwungen. Gegen Gode wurde er äußerticher und auch von tertlfchea UirsicherHeire»« gefanunt Die Äuntgimbe, die meistens in der modernen Darstellung ein wenig peinlich wirkt, gab Maryela Baumann mtt wohltuender T-c-enx; M? uxbanfbarfte Szet« hatte man ihr gevschterwe^'e gestrichen. Als tüchtige Sprecher erwiesen sich Dolck fOberfter der Fehmc> und Lutte Jüngling lDrioitte); Teleky sKai'er- unb Sehre lRheingraf) da­gegen sprachen, ihre Partien recht trocken und unfrei Doll /Gvtttchalk- unb Schubert l Friedebom.) sollen im grofan Aufgebot des Abends nicht vergessen sein

Das Haus war gut besucht, das P Mtfum rn angeregter Sttmrmmg bei der Sache.

Dr. Th.