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Nr. 66 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, st). März 1927

Die nationalliberale Partei und das Reich.

Don Archivbirektor Dr. Wentzcke, Düsseldorf.

Wenn heute deutsche Augen sechzig ereignis­reich« Jafcre zurücksehen, so hallen fic in erster Reihe an den wundervollen Leitsätzen, in denen die junge Hationalliberale Partei bei ihrem ersten Wahlgang Zuversicht und Hoffnung e.neS ganzen Dolles zusammenfahte. .Denn uns beseelt und vereinigt der Gedanke, dah die nationale Einheit nicht ohne die volle Befriedigung der liberalen Ansprüche des Dolles erreicht und dauernd erhalten, und dah ohne die tatkräftige und treibende Macht der nationalen Einheit der FreiheitSsinn des Dolles nicht befriedigt werden kann. Deshalb ist unser Wahlspruch Der deutsche Staat und die deutsche Freiheit müssen gleich­zeitig mit denselben Mitteln errungen werden. ES wäre ein verderblicher Irrtum, zu glauben, dah daS Doll, seine Fürsprecher und Vertreter, nur die Interessen der Freiheit zu wahren brauchen, die Einheit dagegen auch ohne uns durch die Regierung auf dem Wege der Kabi- neltspolitll werde ausgerichtet werden. Die Eini­gung des ganzen Deutschlands unter einer und derselben Verfassung ist unS die höchste Ausgabe der Gegenwart/'

Bewußt nahm dies Parteiprogramm, das die lange Reihe ähnlicher Kundgebungen für volle fünfzig Jahre im Juni 1867 eröffnete, in diesen Forderungen das große Erbe früherer Jahr­zehnte auf. Jetzt erst ward die politische Er- ziehung vollendet, die der fridrizianische Staat begonnen, der Befreiungskampf von 1813 und der Dersuch der Reichsgründung durch die PaulS- klrche 1848 fort geführt hatten. Jetzt erst, da der große Gegenspieler Bismarck mit den Kräften des preußischen Staates die Grundgedanken deS deutschen Liberalismus ergänzte, lernte man end­gültig einsehen, .daß auch die beste innere Ein­richtung den Staat nicht vor der Ohnmacht und dem Untergang schützen könne, wenn es ihm an der nötigen Macht fehlt, um sich im Kampf ums Dasein zu behaupten" Zugleich aber lag in der Auswirkung dieser Lehre ein schlechthin revolutionärer Gedanke, der auch in dieser Folge unmittelbar die Ueberlieferung der preußischen Dergangenheit fort führte. Um der eigenen Größe seines Staates willen hatte Friedrich der Große einst die Art an den kümmerlichen und längst entlaubten Stamm des alten Deutschen Reiches gelegt. Aus innerer Rotwendigkeit heraus aber wuchs aus der Zerstörung zugleich ein neuer Reichsgcdanke empor.

In dieser dunklen Gewißheit war der junge Goethe in Frankfurt sritzisch gesinnt, in dieser Auffassung strömten dem brandenburgisch-preußi­schen Staat immer neue Kräfte auS dem übrigen Deutschland zu. Richt um Preußens willen, son­dern. um durch Preußen das Reich neu zu schaffen, traten ein Scharnhorst und ein Riebuhr. vor allem ein Freiherr vom Stein in seinen Dienst. AuS solcher Anschauung heraus sind auch die Keime der ersten gesamtdeutschen Partei­bildung erwachsen, die unmittelbar nach den Frei­heitskriegen am Rhein und in Süddeutschland die Einigung Deutschlands unter dem Herrscher­haus der Hohenzollern erstrebten. Der parla­mentarische Schauplatz fehlte, die Partei als solche, die 1817 in .Grundsätzen und Beschlüssen deS Wartburgfestes" geradezu schon das künftige na­tionalliberale Programm vorwegnahm, spüren wir heute in Reden und Schriften, in Briesen und Kundgebungen deutlich. AuS solcher Anschauung schließlich wird auch die Gruppierung der Par-

Märtyrer der Liebe.

Roman von 3. Schneider-För st l.

28 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Du wirst nicht sterben, Annemarie!" preßte Nclla heijer hervor.Hast du keinen Wunsch, mein Liebling? Die Mama wäre so glücklich, wenn sie etwa» für dich tun könnte!"

Die Augen des Kickdes maßen sie schweigend. Die schmalen, zersprungenen Lippen öffneten sich zur Hälfte und legten sich wieder fest aufeinander. Annemarie brachte es nicht fertig, sie vor der Mutter zu offnen.

Du weißt also gar nichts, womit die arme Mama dir Freude machen konnte?", bettelte Nella und druckte ihre Wangen gegen die heißen Kinder- bäckchen.

Keine Antwort. Dann nach einer kurzen Weile mit sichtbarer Ueberwindung das zagende Geständ- nie:Ich wüßte schon etwas, aber das kannst du mir nicht tun!"

Sag' mir'», Annemarie, vielleicht kann ich es doch."

D nein!"

Was ist es denn. Liebling?"

.Liebhaben! ... So lieb wie der Papa!"

Rellas Hände glitten kraftlos von der Decke. Ihr Gesicht bog sich herab. Das Kind war ihr unbarm­herzigster Richter geworden. Und das Schreck­lichste dabei war, daß es die Wahrheit sprach. Was halte sie ihm bis heute geschenkt? Nichts als das Leben! Und das nicht einmal mit Freuden! Sie hatte dieses höchste Geschenk des Weibes als eine Last emp-funden, solange sie es unter ihrem Herzen geborgen gehalten, und, zum Leben erwacht, ließ sie es in die Hände einer Amme legen. Ihre ganze Mutterpflichterfüllung hatte darin bestanden, daß sie es elegant kleidete und nicht darben ließ. Ein Mehr" hatte sie nicht für ihr eigen Fleisch und Blut übngachabt. Liebe? Rein, das war nicht Liebe gewesen. Mutterliebe, die war anders. Die dachte immer erst an ihr Kind und dann an sich selbst, die gab und gab und wurde nicht müde des Gebens, rannte nicht Maß und Grenze, wenn sie Liebe schenkte. Die lag vor Goll auf den Knien und

leien in der ersten deutschen Hationaloedamm- lung verständlich, in der die .Erbkailerlichen" die alten Hoffnungen und das alte Sehnen nach einer Einigung bei Gesamtvaterlandes zunächst auf den Üeiicheutfchen Kern des Reiches be­schränkten. Als zehn Jahre nach dem Zusammen­bruch der Paulskirche der Rationalverein die ver­sprengten Getreuen sammelte, ward ihr aner­kannter Führer, der Hannoveraner Rudolf von Bennigsen, freudig als .ein zweiter Gagern" begrüßt So lebendig war damals das Gefühl, daß diese neue Bewegung nur die ältere Partei- bildung sorlsetzte. die unter der Führung Heinrich von Gagerns die Einheit des Reiches erstrebte.

Dor allem das eine ist bedeutsam: Wiederum riefen Richtpreuhen vor allem, Dertreter eines gemeinsamen deutschen Liberalismus, der als Welt- und Staatsanschauung die Grenzen der Bundesstaaten längst überschritten hatte, die Freunde in Preußen zur Tat auf. E.n jüngerer Führer im .rheinischen LiberalismusGustav Mevisfen in Köln, hat in den entscheidenden Vorverhandlungen der 1866 gegründeten .Ratto­nalen Partei" besonders betont,haft Preußen wieder werde, was zu sein es von der Dorsehung bestimmt war, ein gegen die bestehende Ordnung protestierender revolutionärer Staat. Wir ver­treten wieder das Prinzip der Bewegung". Be­wußt führten Alt- und Reupreuhen den Kampf fort, den einst Friedrich der Große begann, be­wußt aber war gerade im deutschen Liberalismus aus dcm zerfallenden Staatsgebäude ein neuer ReichSgedanke erwacht die Rattonalliberale Par­tei ward der eigentliche Vollender dieser Re­volution!

Besonders stark war daher gerade in der ersten Zeit das Bewußtsein, daß die große Aus­gabe mit der Begründung des Rorddeutschen Bundes und selbst deS kleindeuttchen Bundes­staates. der so ruhmvoll aus den neuen Freiheits­kriegen vsn 1866 und 1870,71 erstand, längst nicht gelöst war. Deutlich genug sahen ihre Führer die Unzweckmäßigkeit des Doppelspiels, in dem Preußen und das Reich wertvolle Kräfte der politischen Bildung und des wirtschaftlichen Le­bens lahmlegten: deutlich aber war gerade in den Rattonailiberalen der Gedanke lebendig, daß nur die enge Anlehnung an das bisher Erreichte, die Fortführung der .Revolutton" durch Preußen zu Deutschland dem Zug der Geschichte und den Forderungen der Zukunft entspreche: Dem auf- lösenden und zerfetzenden Föderalismus, der zeit­weise in anderen Parteigruppen hervorbrach, trat hier stets der Wille zum Aufbau entgegen. In diesem Sinn nur stellte die Partei vor sechzig Jahren gerade den Grundsatz auf, die Bundes­kompetenz zu befestigen und über alle gemein­samen Angelegenheiten auszudehnen, in diesem Sinn forderte Die Fraktion später im Reichstag immer aufs neue Reichs Minister und Reichs- fteuern. Ungern genug sahen wichtige Gruppen in Rord- und Süddeutschland den Gedanken der Reichs bahnen und der Reichs finanzverwal- tung schwinden, den DiSmarck vergebens aus dem Programm der Aationalliberalen Partei in die eigenen Pläne ausgenommen hatte. Gewiß kann die Geschichte auch in dieser Frage Rückschläge feststellen. Eine nüchterne historische Betrachtung aber wird am heutigen Gedeicktag nur von einem vorläufigen Verzicht auf unerreichbare Ideale sprechen, nicht einen Wechsel der Gesinnung und der Grundsätze feststellen. Im Gegenteil: Jede außenpolitische und innerpollttsche Krisis weckte dem alten Drang aufs neue die Gewißheit, die Heinrich von 6t)bei vor sechzig Jahren der öffent- I lichen Meinung in Frankreich gegenüber aus­sprach. daß die deutsche Einheit nur in bet Schule des Liberalismus erlangt werden könne.

bettelte um Glück und Gesundheit für das Wesen, das sie zum Lichte geboren.

Das hatte sie alles nicht getan. Beten? Ach, Nella Nenkell hatte nie einen Gott gebraucht in all den Jahren ihrer beiden Ehen. Sie hatte immer Sonne gehabt und nie gefroren. Keine Sorge be- bräute ihr Dasein, in lauter Helle und Glück war ihr Leben gebadet. Und nun?

Wenn sie betete? Ob der Gott ihrer Kindheit sie hörte, wenn sie zu ihm rief?

Durch Annemaries Körper raste das Fieber. Eie schrie nach dem Papa, nach dem Onkel Doktor, selbst Elisabeths Namen nannte sie. Nach ihrer Mutter frug sie nicht. Ihre Augen risien sich bisweilen im jähen Schrecken auf, schlossen sich wieder und irrten unter den gesenkten Lidern wie rollende Kugeln. Nella maß nach Reichmanns Befehl die Tempe­ratur . . . 40,3 ... Die Hände des Kindes streck­ten sich, ein Zucken ging durch die Glieder . . . Dar das das Sterben?

Annemarie!" schrie Nella gellend auf vor Furcht und Entfetzen.

Erschrocken fuhr diese hoch und starrte sie an.

Nicht sterben, Annemarie! . . . nicht sterben! Mama hat dich ja lieb . . . so lieb!"

Beide Arme warf sie über das Kettchen und drückte das Gesicht hinein, in wildem, alle Seelen­tiefen aufrüttrinbem Weinen. Die beiden brennend trockenen Kinderhändchen tasteten über ihr Haar und suchten ihr Gesicht.Mutterie!"

Und Nella bohrte ihren Kopf weiter in die seidene Decke und biß ihre Zähne darein und wollte beten, fand kein Wort und schrie doch aus innerstem Herzen:Vergib mir meine Schuld! Laß mich gut- machen, was ich gefehlt habe! Alles, alles gut- machen!"

Annemaries Augen glitten nach der sich öffnenden Tür. Reichmann war gekommen, nachzufchen. Er war kaum eine Stunde weggewesen, aber es hatte ihm keine Ruhe gelassen, er mußte wissen, wie es stand. Er sah auf Nella und von ihr zu dem Kinde, das ihm die griunde Rechte entgegenstreckte.

'Nella!" maynte er.

Sie hob den Kops nicht und gab ihre Stellung nicht auf.

Du sollst das Kind nicht erregen," befahl er. Annemarie muß Ruhe haben. Steh auf, bitte!"

bah auch der Liberalismus lediglich In der Ein­heit de- Gesamtvaterlandes die Erfüllung seiner besonderen Ausgaben und Ziele finde! In wun­dervollem Gleichklang durchzieht dieses doppelte Streben die unvergessene Geschichte der Rational­

liberalen Panei. Die Deutsche VolkSpariei. die heute feierlich ihr Erbe erneuert bekennt sich gerade in b.efer Erinnerung zum Grundsatz, daß das Reich weit über dem Gigennun der Parteien, der Stände und der Länder steht.

Die neuen chemischen verfahren -er ttohleiiveredelung und ihre wettwirtschaftliche Bedeutung.

Don Dr. Hermann Großmann. Professor an der Universität Berlin

Als vor längerer Zeit, etwa um die Wende deS vorigen Jahrhunderts, die Stickstvssrage nicht nur als technisches, sondern auch als grund­legende- Problem der Weltwirtschaft in den Vor­dergrund des allgemciren Interesses trat, glaubte man anfänglich, auf den versch.edensten Wegen den scheinbar kostenlos zur Verfügung stehenden Stickstoff der atnrosphärischen Luft in nutzbare chemische Verbindungen überführen zu können. Aus der außerorden-lich großen Zahl von tech­nischen Vorschlägen, die damals gemacht wurden, haben sich jetzt nur ganz wenige im wirtschast- lichen Großbetriebe und im Wettbewerb m:t dem natürlich Vorkommen den Chilesalpeter al- lebenSfähig erwiesen, und heute kann man un­bedingt behaupten, dah durch die Arbeiten, vor allem von deutschen Forschern, die Stickstosf- frage der Gegenwart kein Problem mehr be­deutet, sondern technisch und wirtschaftlich al- gelöst zu betrachten ist: ja heute macht man sich bereit- in vielen Ländern Gedanken darüber, wie man den immer noch wachsenden Ueberschuß an Sttckstvsfverbindungen in Landwirtschaft und Industrie tatsächlich dauernd mit Ruhen unter­zubringen vermag

In einer ähnlichen Lage wie die Stickstoff­industrie vor 25 Jahren befindet sich nun heute die nichts weniger als einheitlich arbeitende In­dustrie der Kohle Veredelung. Nachdem der nach dem Kriege so überaus fühlbare Kvhlenmangel in der ganzen Welt fast überraschend schnell einer mehr als ausreichenden Bedarssdeckung Platz ge­macht hat, steht hinter der deutschen Kohlen- industrie wie hinter den betreffenden Industrien der anderen Länder das warnende Menetekel der mit der Kohle in Wettbewerb stehenden Energie- faftoren, der Wasserkraft und der flüssigen Brennstosfe, vor allem der verschiedenen Erd­ölprodukte. die von der mächtig aufstreben­den Automobilindustrie in stetig steigenden Men­gen verlangt werden. Daß infolge des engli­schen Koßlenstreiks momentan Störungen und eine zum Teil besonders starte Beschäftigung in der deutschen Kohlenindustrie sowie in den Industrien der Nachbarländer eingetreten war, darf nicht da­zu verführen, die Lage der Kohlenindustrie selbst gegenüber der wachsenden Konkurrenz als beson­ders günstig anzusehen. Auch die stark verbesser­ten Methoden der rationellen Wärmeausnutzung, die Verwendung von Hochdruckdampf und ähn­liche- haben gleichfalls dazu beigetragen, die Mengen der zur Kraft- und Wärmegewinnung verwendeten Kohlen zu verringern ozw. diese Mengen nicht entsprechend den vergrößerten und verbesserten Produktionsverhältnissen der Werke weiter an stet gen zu lassen

Unter dem Einfluß dieser außerordentlich be­deutungsvollen, weltwirtschaftlich nicht hoch ge­nug einzuschätzenden Tendenzen begreift man ohne werteres daS rege Interesse, das man auch in der wetteren Oefsentlichkett allmählich der chemischen Verwertung der festen Brennstoffe zuwendet. Wenn es nämlich gelingen würde, die Ge­stehungskosten und den Absatz der aus Stein­

Sie taumelte empor, sah das Feuchte, Schim­mernde in feinen Augen: wenn ein Mann wie er weinte, gab es kein Hoffen mehr, und doch glitt sie an ihm nieder in die Knie und flehte ihn an:Hilf mir, Georgi Hilf mir doch!"

Er hob sie empor und drückte sie In den niederen Stuhl neben dem Bette und versprach alles zu tun, was in Menschengewait stand.An mir foll's nicht fehlen, Nella!--Aber deine Macht ist größer!

Du bist die Mutter!" sagte er, von ihrer Ver­zweiflung erschüttert.

Renkell kam aus seinem Zimmer, in dem er ruhelos gelegen hatte. Als er zu dem Kinde trat und sich über dessen Gesichtchen beugte, griff Nella nach seiner Hand und drückte diese gegen ifjre eine 'Bangt. Verwundert blickte er zu ihr hin. Ihre Lieb- kosung war etwas derart Seltenes, daß er sich nickst gleich zurechtsand. Wenn Annemaries Zustand nicht so besoraniserregend ernst gewesen wäre, hätte diese kleine Zärtlichkeit seiner Frau ihn überglücklich gemacht.

Reichmann fuhr zum Mittagstiich nach Hause und traf nach der Sprechstunde wieder im Herren- hause ein. Er hatte Hilbertt gebeten, die Besuche bei seinen übrigen Patienten für heute mit über­nehmen zu wollen. Elisabech hatte die schönsten Spätrofen gebrochen und sie ihrem Manne noch an den Wagen gebracht und gebeten, die kleine Anne­marie von ihr zu grüßen. Aber das Kind zeigte keinerlei Interesie mehr. Nur wenn Renkell seinen Arm unter ihren Rücken schob, sah sie flüchtig aus. Der kleine Mund öffnete sich weder zu einem Lächeln noch zu einem Kosewort für den geliebten Vater. Reichmann erbot sich, die Nacht über zu bleiben, er konnte es nicht übers Herz bringen, die vollständig gebrochene Iugendaeliebte allein mit ihrer Angst um das todkranke Kind zu lassen. Wenn auch Ren- kell sich bis xum äußersten beherrschte und keinen Laut des Schmerzes von sich gab, so wirkte doch schon sein bloßer Anblick völlig entmutigend. Er war fahl bis in die Lippen und saß wortlos neben dem kleinen Bettchen, das Gesicht zuweilen in beide Hände vergrabend.

Es war eine schreckliche Nacht! Der Sturm heulte um den alten Park und ließ das Oeyoeig gegen die hoben Fenster schlagen. Der Regen klatsche an den scheiben und gluckste in dickem Strahlenbündel aus der Traufe in den Kies und den übernassen Rasen.

und "Braunlobten nach verschiedenen neuen tech­nischen Verfahren gewonnenen Produkte in ein richtige- Verhältnis -um prakt scheu Bedarf der Wirtschaft -u bringen, so würde ein solcher Er­folg naturgemäß ach der deutschen Kohlen» industrie, die eine Reivon ungünstigen Satiren hinter sich hat. gro. i Rutzen bringen Da aber nicht nur zwischen Stein- und Braunkohlen im allgemeinen, sondern auch zwischen fvn c nj: en Stein- und Vrauniohlcn verschieden r Voriom- men, ähnlich wie zwischen den zahlreichen Erd­ölen der verschiedenen Länder, die ailergr.'fiten ilntcrf hiebe in der chemischen Zusammensetzung, im Verhalten beim Erhitzen aul niedrigere oder höhere Temperatur und endlich auch in bezug auf die Veränderungen bet der Einwirkung ver­schiedener Gase mit oder oyne die Anwesenheit von sogenannten Komallstosten (Äatalhfatoicn) bestehen, so erklärt sich allein schon auS dielen Tatsachen, die allmählich fast unübersehbar ge­wordene Menge von Veriahrcn zur Kohleverede­lung. Dies trägt natürlich wiederum dazu be\ in der Oefsentlichkett te'lS übertriebene, teil- ge­radezu völlig abwegige Anschauungen über den technischen und wirtschaftlichen Wert der ver­schiedenen Verfahren hervorzurufen Da nun letbcr wiederholt derartige unzutrefsende Au-« führungen über den besonder- großen Wert be­stimmter Verfahren der Kohlenveredelung auch von Persönlichkeiten ui hervorragenden Stellun­gen gemach: worden sind, so verstärkt dies be­greif ucherweis. noch die allgemeine Unilarbeit, die zum Teil sogar bei Fachleuten auf diesem Gebiete herrschte Tatsächlich kann man gegen» wärtig nur folgendes *!S zuverlässig sichergestellt betrachten:

Die Verwertung der Steinkohl: in der GaS- inbuftrie und in der Kokerei liefert nach i^n technisch vielfach verbesserten, im Prinzip aber auf älteren Arbeiten beruhenden Verfahren der sogenanntenTrockendestillation" neben Gas und Koks erhebliche Mengen von Steiirkohlentcer, Benzol, Karbolsäure. Raphtali.i und anderen Produkten der chemischen Industrie, sowie al- weiteres Rcbenprodukt den Stickstoff in Form von Ammoniak, der, an Schwefelsäure gebunden, als Ammonium-Sulsat heute jedoch bereits in viel größeren Mengen in Deutschlaird von der syn­thetisch arbeitenden Luftstickstoffindustrie gewon­nen wird.

Die Verwertung der Braunkohlen in der Schwelerei, die besonder- in Sachsen und Thürin­gen auSgeübt wird, hat in den letzten Jahren eine wertvolle Ergänzung durch die Gewinnung von Braunkohlengeneratorteer in den Rositzer An­lagen der Deutschen Srdöl-A.-G. erfahren. Sehr aussichtsreich erscheint ferner auch das bereits im Großbetrieb auf der Grube Leopold b. Edde­ritz ausgeübte Verfahren der .Kohlenveredelung G. m. b. H.". einer Tochtergesellschaft der AEG. Die weitere Einführung dieses Verfahrens dürfte vor allem davon abhängen, ob eS auch wirtschaft­lich gelingt, den abfallenden Braunkohlenkoks mit Ruhen, z. B. in den großen Kohlenstaubfeue-

Wenn Thesfa, die Doggenhündin. die nahe am Park- tor ihre Hütte stehen hatte, in langen Tönen auf- heulte, hob Nella beide Arme und rüttelte Reich- mann, der in einem Lehnstuhl saß, an den Schul- lern. Renkell sah es kaum, und wenn, bann achtete er es nicht. Es war ihm alles einerlei. Wäre seine 5rau zu ihm getreten und hatte ihm gesagt, daß sie von ihm petzen wollte, es hätte ihn auch das faU gelassen, ©ein Leben war mit dem des todkranken Kindes zu stark verwachsen. Wenn Annemarie aus seinem Dasein schied, gab es niemand, der ihm über diese gräßliche iiütfe hinweghelfen konnte.

Horch!" flüsterte Nella und griff mit harten Fingern nach Reichmanns Hände«.

Don ferne kam ein gräßliches Weinen, ein Kla­gen, Stöhnen, Kinder, die durch Nacht und Nebel irrten und nach der Mutter riefen.

Was ist das?" bat Nella mit schreckensstarren Augen.

Nachteulen!"

Totenoögel!" wimmerte sie.

.Laß den 2lberglauben!" gebot er,ich dächte ..

Renkells Blick, der den Doktor ft reifte, mahnte diesen, dasDu", mit welchem er zu Nella sprach, für den Augenblick hinunterzuschlucken. Dem anderen jetzt eine Erklärung zu geben, war völlig unan­gebracht.

Gegen ein Uhr drohte Annemaries Leben zu er­löschen. Reichmann hatte ihr eine leichte Einspritzung gemacht, um den Schmerz etwas zu dämpfen. Sie tag darauf völlig reglos, die rechte Hand von der ihres Vaters umschlofsen. Als der Tag zu grauen begann, rief sie nach der Mutter.

Nella bog sich mit vom Weinen verschwollenen Augen über sie.

Liebhaben!" bat das Kind.

Als sie die Wange der Mutter an ihrem Halse und deren Anne um ihren Körper gelegt fühlte, ließ sie in wonnigem Behagen des Geborgenseins das Köpfchen zurücksinken.

Ferdinand!" rief Nella in tödlichem Schrecken. Renkell sprang herzu und riß Annemarie empor.

Sieh mich an, mein Liebling."

Baterle!" schmeichelte sie und fuhr kosend mit den kleinen Fingern der rechten Hand über feto Gesicht. Dann lächelte sie und schlief.

(Fortsetzung folgt.)

sind mit bestem Heischextrakt und feinen Gemüseauszügen auf das sorgfältigste hergestellt. Man achte beim Einkauf auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Packung.

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