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fir.42 Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Samstag, 19. Zebruar 1927

Die englischpolnifche Annäherung.

Don unserem W. v. Ä. - Mitarbeiter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten).

Lon von. den 14.2.27.

Der Engländer ist ein höchst bösartiger De- feile, wenn er etwa- übel genommen hat. Dann wirb et kleinlich, philiströs, unangenehm. Dann kommen keltische Charalrerzüge zum Dorschein. Er wird unerfreulicher noch als der Franzose in seinem Zorn, da ihm der mildernde Um­stand gallischen Esprits fehlt, und, um keiner­lei Irrtümer auskommen zu lassen, diese Seite seines nationalen TharaklrrS zeigt der Englän­der heute unS gegenüber. Wir wollen nicht untersuchen, ob er seinen Loearnorausch auSge- schlafen hat und ob ihn jetzt ein intensiver Kater quält. Doch die Zeit, wo der deutsche Botschafter Sthamer mit Herrn Austen Cham­berlain auS dem LiebeSbecher trank, scheint von tausendjähriger Vergangenheit verschlungen zu fein.

Zu diesem Stimmungswandel einflußreicher Kreise macht die englische Presse eine mißtönende Vegleitmu'ik. Selbst verständige Organe bekom­men tote in Vorkriegszeiten auf daS Stichwort deutsch" eine Art von Koller, vor allem die Times" und der Manchester Guardian". Diese Dinge sind keineswegs auf die gekränkten Ge­müter ihrer Berliner Korrespondenten zurück- Zufuhren. Sie spiegeln die seelisa^en Untergründe der englischen Stimmung nur zu getreu wieder. WaS sich dieTimeS" neulich in einem Leit­artikel über die neue deutsche Koalition leisteten und WaS auch in der deutschen Presse gebüh­rend gebranbinarkt wurde, ist nur ein kleiner Ausschnitt auS einem Zerrbild, tote eS die eng­lische Gesamtberichterstattung liefert.

Statt mit Deulschland. daS man erkannt zu haben glaubt, lieoäugelt der zeitgenössische Brite nunmehr mit dem edlen Polen. Man ent­faltet, wie über die ganze Presse verstreute No­tizen über die Notwendigkeit der Beseitigung wirtschaftspolitischer Hindernisse zeigen, eine ganz zielbewußtc Propaganda, um diese bisher am Strande der Themse höchst unbeliebtenEuro­päer" sich menschlich näher zu bringen. Zwar schaudert eS den in seiner Masse doch reinlich empfindenden Engländer, mit diesen Vertretern einer sehr entwickelungssähigen Halbkultur zu­sammen zu kommen, obwohl die polnische Pro­paganda selbstverständlich nur die bezaubernd­sten Blüten der polnischen Aristokratie serviert. Doch bleibt untergründig ein Mißtrauen ge­gen die Haltbarkeit dieses polnischen Kultur- lackS, gegen die Ehrlichkeit der vertretenen Po­litik und die Verläßlichkeit des dahinter stehen­den NechtSgefühls.

England will Geschäfte machen. DaS ist die Formel, die zur Erklärung genügt. Geschäfte in jedem Sinne, politische und andere. Das politische Geschäft beruht auf den chinesischen Nöten, wo die englische Politik Rußland ge­genüber eine auch mit vielen Worten nicht aus der Welt zu schaffende Niederlage nach der an­deren erleidet. Polen ist der Nachbarstaat Ruß­lands: eS soll die chinesischen Kastanien Englands ouS dem russischen Feuer holen. Polen seiner­seits ist darob nicht verlegen. WaS man wünscht, liegt aus der Hand: Eine Drenzgarantie für alle Ewigkeit, eine auswärtige An­leihe zu möglichst niedrigem Zinsfuß und einen permanenten S i tz im Völker­bünde. Mit einem Worte: Polen möchte sich von England die Berechtigung seiner deutschfeindlichen Politik verbriefen lassen. Diese Wirkung ist unabwendbar, wenn die geschilderte Linie der englischen Politik wei­terhin verfolgt wird Daß man auf das ge­schilderte Ziel hinausgeht, daS zeigt die Wen­dung in der englischen Presse, die sicherlich keine zufällige ist. Fraglos werden die ent­sprechenden Abmachungen die Natur eine- eng­lisch-polnischen GeheimvertrageS oder dessen, was enan einGentleman Agreement" nennt, er­halten.

Daß auf diese Weise, nämlich, wenn sich Die Richtigkeit dieser Diagnose bestätigen sollte. England diejenige Macht i,t, die den europäischen Stieben als erste bedroht, liegt auf der Hand, n dieser Gefahr liegt indessen auch ein gewisser Schutz gegen die Fortführung solcher Pläne. Einer solchen Eventualität ist England nicht gewachsen: aber man wird sich natürlich nicht scheuen, ein neues Unternehmen wie den ktzlen griechischen Krieg gegen die Türkei in Szene zu setzen, wenn cs das Interesse Deutsch­lands verlangt. Staaten vom Range Polens sind dafür der englischen Politik gerade gut genug.

In diesem Zusammenhänge darf natürlich die 5a fache deS Berliner Vertrages zwi» f<ten Deu.schland und Rußland ni£t übersehen «erden. Hier aber liegt, so weit sich die Dinge oon London auS beurteilen lassen, auch wie­der eine Handhabe für Deutschland, um in das östliche Geschäft hineinzukommen. Daß der lünst- ich aufgeblähte polnische Staat letzten CndeS kein wirklicher Widerpart sürRuß - land ist, sieht selbst der von Abneigung gegen Deutschland geblendete Engländer ein; aber ge­rade wegen deS Berliner Vertrages will er daS nicht sehen. So kommt eS denn, daß die Engländer mit Vorliebe die Möglichkeit einer Art von Kreuzzug gegen Rußland er­örtern, ohne sich jemals die Frage vorzulegen, wie denn ein solches Unternehmen überhaupt bewerkstelligt werden soll.

Doch wir können all diese Fragen, die von der Zukunft beantwortet werden, auf sich de- ruhen lassen. Entscheidend ist heute die Feststel­lung der von der englischen Presse vorbereiteten Annäherung an Polen. Aeußerlich wird es da um handelspolitische Dinge gehen. Der .Manchester Guardian", die Handelsausgabe der .Times" wiesen vor einigen Tagen auf die Rot- Wendigkeit der Hinwegräumung des Erlaubnis- Ichein-SystemS in der polnischen Handelspolitik 6b. Es ist klar, daß sich eine Anleihe nicht begeben läßt, wenn die Einfuhrbestimmungen la Polen nicht gelockert werden. Wie sich diele Fragen werden technisch lösen lassen, wird nicht fldagt. So wird man denn Dolen die An­leihe zum Bau von Schiffen auf engfi» lchen Werften, aber für polnische Rechnung, und für strategische Eisenbahnen gegen Rußland geben, wenn sie überhaupt zustande kommt. Zweckmähigerweise will ja auch England

Unsere Auswanderung nach den Vereinigten Staaten.

Von Ernst Fritze.

Die ZeitungSmeldung von einer Abände­rung der nordamerikanischen Sin« wanderungSquoten, durch die die deutsche Iahresziffer t>on 51 OOO auf etwa 22 OOO her­abgesetzt würde, hat sich vorläusig noch nicht bestätigt. Aber selbst wenn der Präsident am l. April d. 2. keine neue Verteilung der zugelassenen Einwanderer auf die einzelnen Na­tionen verkündet, so muß mit dem starken Cin- sluß der pro-britischen Tendenz in der Ein- Wanderungsgesetzgebung für später gerechnet werden.

Daraufhin hat eine Versammlung von zwei­hundert Vertretern zahlreicher deutschamerikani- scher Vereine sich mit einer scharfen Entschlie­ßung gegen die geplanten, die Deutschen zurück- setz enden Maßnahmen der Regierung gewandt und die Veranstaltung von Massendemonstra- tIonen und eine Internen.ion beim Kongreß an­gekündigt. Unsere Landsleute drüben erblicken in der Zuwanderung von jährlich fünfzigtausend eine frische. Blutzufuhr und bezweifeln offenbar, daß die Hälfte dieser Zahl ausreichend ist. um diese Ausgabe zu erfüllen. Hier soll nicht näher auf diese Frage eingegangen und keine Untersuchung darüber angestellt werden. waS die fünf Millionen im Laufe der letzten hundert 2ahre in den großenSchmelztiegel" geworfenen deutschen Einwanderer unserem Volkstum und ihrem Stammlande genützt haben.

Hingegen erscheint die berufsmäßige Gliederung unserer derzeitigen Auswande­rung nach den Vereinigten Staaten eine Prü­fung zu erfordern. Die Verteilung nach Berufen regeln nicht wir, die wir wertvolle Menschen­kräfte abgeben, sondern die amerikanischen Ein- wanderungsgeictze bevorzugen Landwi rte und Landarbeiter. Infolgedessen ist der Anteil der GruppeLandwirtschaft" an der Auswande- rung nach Nordamerika viel ft ä 11 e r . als ihr Verhältnis in dec beruflichen Gliederung deS gesamten Volkes. Wir lassen das Ab- strömen landwirtschaftl eher A.beiter zu. ob- wohl wir al jährlich 130 000 polnische Sachsen­gänger einfübren, die mit einer von Ken­nern aus annähernd einhundert Millionen Mark berechneten Lohnsumme nach der Ernte aus d em L ande gehen. Wir haben eine vor- nehmiich auf die menschenarmen Ostprovinzen sich erstreckende Besiedelungspolitik einge­leitet und die gesetzgebenden Körperschaften haben auf fünf Jahre insgesamt eine Diertelrnilliarde Goldmark dafür ausgeworsen; aber wir sehen untätig zu. daß die a l S Siedler i n s Auge gefaßten Menschen zweite und dritte Bauernsöhne, landwirtschaftliche Beamte ohne Aufstiegsmöglichkeiten zu besser bezahlten Derwalterposten u. a. m. die Heimat ver­lassen und sich einem Lande z uw enden, wo sie mit wenigen Ausnahmen ihr Lebelang nur Knechte bleiben. Nachdem heute wohlfei.es RegierungSland nicht mehr zur Verfügung steht, kanndrüben" nur ein eigener Besitz aus zwei­ter Hand und nicht ohne verfügbare 5000 Dol­lars erworben werden.

Mit anderen Worten: DaS Deutsche Reich hat gegenüber den Vereinigten Staaten von Ame­rika keine eigene AuswanderungSpol lik. Diese Systemlosigkeil mochte hingehen, solange, wie in den zwei Jahrzehnten vor dem Kriege, unser

jährlicher Verlust durch Abwanderung im Iah- resdurchschnitt etwa 20 030 Menschen betrug, ist aber nicht mehr am Platze, wenn ein einzigeS Land in zwölf Monaten mehr als 50 000 Deutsche an sich lockt, darunter gerade Angehörige von 'Berufen, denen wir aus innerpvlitischen Grün- den eine besondere Fürsorge widmen. Wir wollen nicht die Frage aufwersen, ob wir etwas aus Gründen der sogenannten großen Politik unS bisher zurückgehalten haben.. Wäre es der Fall, so würde unS Portugal be'chämen. das vor einem halben Iah re die folgende Verordnung erlösten hat: Von der für die Einwanderung in die Vereinigten Staaten quotenmäßig xu» gelassenen Zahl portugiesischer Auswanderer ha­ben 70 Prozent auf Personen weiblichen De- schlechte- zu entfallen und nur 30 Prozent au Männer. In beiden Kategorien nimmt die por­tugiesische AuSwanderungspo izei die Aus- wohl und Einreihung vor, und ohne ausdrückliche Zustimmung des Innenministers darf kein Reise­paß für dir 'Bereinigten Staaten ausgegeben werden, während w i r die Auswahl und Ein­reihung unserer Auswanderer den fremden Be­hörden überlassen, die sich natürlich darüber klar sind, daß ein geschulter deutscher Landarbeiter ein wertvoller Gewinn für die amerikanische Volkswirtschaft bedeutet

3m Artikel 112 der Reichsversafsung heißt es: ..Ieder Deutsche ist berechtigt, nach außerdeut- fchen Ländern auszuwandern. Die Auswanderung kann nur durch Reichsgesetz beschränkt werden." Ein Sondergesetz ist u. E. gar nicht vonnöten, denn nach ß 23c des Auswanderungegesetzes vom 9. Iuni 1897 istdie Beförderung von Reichs­angehörigen untersagt, für welche von frem­den Regierungen oder von Kolonisationsgesell­schaften oder ähnlichen Unternehmungen der Beförderungspreis ganz oder teil­weise bezahlt wird." Das trifft auf min­destens neun Zehntel unserer nach den 'Bereinig­ten Staaten gehenden Landwirte zu. Sie reisen nicht mit eigenen Mitteln, sondern auf die Freikarte hin, die ihnen von drüben von Farmern unter der Bedingung zugestellt werden, daß der Einwanderer, welcher wähnt, eine be­sondere Wohltat zu empfangen, dafür auf län­gere Zeit an den vorauszahlenden Arbeitgeber gebunden und ihm für niedrigeren Lohn als den landesüblichen ausgeiie ert ist.

In derGeschichte der Deutschen Gesellschaft von Pennshlvanien 1764 bi« 1876" ist unter anderen auch die folgende Verkaufsanzeige auS demPennsylvanischen Staatsboten" vom 4. Aug. 1766 abgedruckt.Es ist zu verkaufen einer deutschen Magd Dienstzeit. Sie ist ein starkes, frisch und gesundes Mensch, nicht mehr als 25 Iah re alt und versteht alle Bauernarbeit." So plump ist man heutzutage nicht mehr; aber tm Grunde ist doch die heutige bevorzugte Aus­wanderung von Landwirten jenen Methoden ver­wandt. Gustav Schmollet hat vor einigen fünfzig Jahren versucht, den Verlust unserer Volkswirt­schaft durch die Abwanderung wertvoller Fach­kräfte zahlenmäßig zu erfassen. Wir wollen ihm .darin nicht folgen, sonst käme wohl eine Summe heraus, die noch größer ist als di: Belüftung der deutschen Zahlungsbilanz durch die von den polnischen Sachsengängern auS dem Lande ge­tragenen Beträge.

kein eigene- Geld in die Unternehmung hin- einfteden. sondern die Amerikaner zur "Be­gebung der Anleihe veranlassen. Immerhin er­gibt sich aus dem Gesagten, daß die deutsche Politik die Vorgänge im Osten höchst aufmerk­sam verfolgen sollte. Nicht von polnischer Seite drohen hier Gefahren, sondern von England. England steht im Begriffe, besessen von der Dolschewistenangst, im europäischen Osten eine Torheit zu begehen, die sich dem Versailler FriedenSschluß würdig zur Seite stellen Dürfte.

70 Jahre Norddeutscher Lloyd Bremen.

Auf ein 70jährigcs Bestehen blickt am 20. Fe­bruar 1927 der Norddeutsche Lloyd in Bremen zurück. Die Gesellschaft wurde im Iahre 1857 von Konsul H. H. Meier begründet. Aus verhältnis­mäßig kleinen Anfängen hervorgegangen, nahm sie im Lause der Iahrzehnte einen so erfreulichen Aufschwung, daß sie schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zu den größten Reedereien der Welt zählte. Dabei war &u beachten, daß der Norddeutsche Lloyd gegenüber den mit ihm im Wettbewerb stehenden ausländischen Gesellschaf­ten. Die sich auf bedeutende staatliche Subven­tionen stützen konnten, von feiner Begründung an. ganz auf sich selbst gestellt war. Im Passagiergeschäst stand Der Norddeutsche Lloyd vor dem Kriege an Der Spitze aller Echiffahrts- Unternehmungen Der Erde, betrug Doch beispiels­weise Die Zahl Der im Iahre 1913 mit seinen Schiffen beförDerten Passagiere rund 700 000. Kurz vor Ausbruch des großen VölkerringenS bezifferte sich der Gesamtschiffsraum deS Nord­deutschen Lloyd auf 982 952 Br.-Reg -TonS. Rach dem FriedenSschluß sah sich die Gesellschaft nahezu auf Den Stand ihres Gründungsjahres zurück- geworsen. Die Verluste deS Norddeutschen Lloyd durch den Krieg und infolge der Auslieferung der Flotte, entsprechend den Bestimmungen des Ver­sailler Diktats, beziffern sich auf 925 230 Br -Reg. - Tons, so daß Dem Unternehmen nur noch rund 57 000 Br.-Reg.-Tons kleiner und klein*"er Fahr­zeuge verblieben. Gegen Ende des Iahr-s 1925 war aber, einschl. aller Neubauten, der Schiffs­raum. über Den Der NordDeutsche Lloyd wieder verfügen konnte, bereits wieder auf 613 056 Br.- Reg.-Tons gestiegen. 3m Iahre 1925 war das naiy Dem Kriege ausgestellte Dauvrogramm zur Ausführung gelangt, aber schon im folgenden 3abre ging Die LloyDverwaltung mit erneuter Kraft an Den weiteren Ausbau Der Flotte heran. Noch vor Ende Des Iahres 1926 wurde das Aktienkapital der Gesellschaft wieder auf Den Stand Des Kapitals von 1914 gebracht und balD Darauf überraschte Der Norddeutsche Lloyd Die Oesfenllichkeit mit Der Beiellung zweier großer moDemer Passagier Dampfer für Den NorD- amcrifaDienft, Schiffe. Die jedes 46 000 Br.-Reg.-

TonS groß werden und Die eine GeschwinDigkeit erhalten sollen, Die es ihnen gestattet, den Weg Don "Bremen nach Neuyork innerhalb von 6 Tagen zurückzulegen. Diese Tatsachen lassen erkennen, daß der Norddeutsche Lloyd den Weg zu seiner Wiedergesundung mit Erfolg beschritten hat. Mögen ihm und dem deutschen Wirtschaftsleben in seiner Gesamtheit eine kräftige Weiterentwick­lung beschieden fein.

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 15. Febr. Während infolge der Wohnungszwangswirtschaft sich sonst häufig Hauseigentümer und Mieter oder beiderseits Mieter in Beleidigungsprozessen als Gegner gegenüberstehen, sind es dieses Mal zur Äb- Wechselung feindliche Nachbarn. Den Eheleuten A.. Die seit längerer Zeit mit Den Eheleuten W. uneinig sind, war im November 1925 ein Huhn entlaufen. Sie glaubten eS in einem im Hühner­stall Des W. besinDlichen schwarzen Huhn mit Doppeltem Kamm wiederzuerkennen, zumal der alte W, der mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter ebenfalls streitig ist. dem jungen N- auf "Befragen erklärt hatte, er habe gesehen, wie Frau W. eines Abends ein schwarzes Huhn an sich gelockt und in ihren Hühnerstall gefetzt habe. Die Eheleute R. ließen daraufhin bei W. nach dem Huhn nachfragen und erstatteten, als daS Vorhandensein eines fremden Huhnes verneint und ein Zählen der Hühner ab- gelehnt worden war. Anzeige bei der Polizei. Nachträglich nahmen sie diese jedoch wieder zurück, weil der alte W. angeblich darüber geklagt hatte, er werde von seinem Sohne wegen der Ange­legenheit so stark drangsaliert. 3m vergangenen Herbst ließ nun R. durch das städtische Ver­messungsamt die Grenze zwischen feinem Besitz­tum und dem Anwesen deS W. seststellen. Als der "Beamte frug, wie eS mit der Einfriedigung stehe, man könne doch dem W. nicht zumuten. sie allein zu bezahlen, rief Frau R.. W. möge fie bezahlen, im vorigen Iahr sei ihnen ein Huhn entlaufen, das von Frau W. behalten worden fei Wegen vieler beleidigend Aeußerung erhob W. Klage gegen die Frau R. In der Hauptver­handlung wurde in keiner Weile sestgestellt, daß Frau W. ein Huhn Der Eheleute R oder ein anderes Huhn an sich gelockt und behalten habe, wohl aber, daß Die Eheleute W. ebenso wie Die Eheleute R. schwarze Hühner mit Doppeltem Kamm haben. Da Frau R. bei einer früheren Gelegenheit schon einmal eine beleidigende Aeuße- rung gegen die Frau W. getan hatte, nahm DaS Gericht an. daß sie die unter Anklage gestellten Morte ebenfalls in beleidigender Absicht gebraucht habe. Es wurde ihr daher der Schun des § 193 Ct®B. versagt u * eine Geldstrafe von 25 M k. gegen sie e-lannt.

Singe mehr. AlleS stehl im

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Vereine Dort inS Leben gerufen, wo man früher nie Daran gedacht Hai ES werden vielfach gc- Dicgene Sportplatzanlagen errichtet, deren Zweck­bestimmung nicht nur rein lokal begrenzt ist, man baut Stadt- oder Festhallen, um eine würdige Stätte für große Veranstaltungen yt haben, or- ganifiert Ausstellungen der xk: bringt Derlei,'rSw och en zustande

Derkehrswerbung und Geschäftswelt.

Im wirtschaftlichen Wettbewerb der Städte wird Die V e rlehrSwerbung von Iahr zu 2ahr in ständig steigendem Maße alS Mittel zum kommunalen Aufbau angewandt. Weitsich­tige Stadtverwaltungen und großzügige Kom­munalpolitiker sind überall bemüht, je nach den gegebenen Möglichkeiten diese» Instrument ter kommunalen Arbeit immer mehr zu vervolllomm- nen, um eS auf Die verschiedenartigste Weise mit Ersolg zum Besten ihre- Gemeinwe'enS an- wenden zu können. S.ädtischc Verkehrsämter werden einae richtet, Ve.kehrSvereine von ihren organisatorischen Grundlagen auS früheren Iah- ren aus neuzeitliche BasiS umgestellt, oder solche

einen großen Gedankens: Hebung der hei­mischen Wirtschaft Durch Stärkung deS ortsansässigen Handels, Gewerbes und Hand- toerl»; Daraus wiederum folgend Die För­derung Der Kommunalwirtschaft mit Dem Ziele der Erfüllung Dringender städtischer Aufgaben.

Wer wie der Schreiber dieser Zeilen als ehrenamtlich Schassender praktisch in der Verkehrswerbearbeit steht, der weiß, daß Die*-- Tätigkeit mit vielerlei Erschwernissen und Ent­täuschungen verbunden ist. Sin Verkehrsamt mit hauptberuflichem Wirken und mit einer behörd­lichen Organisation alS Grundlage hat für seine Maßnahmen eine weit günstigere Position als ein VerkehrSvcrein, der doch nut ein auf Fret- Willigkeit beruhender Zusammenschluß von Len ten teils mit rein materieller Einstellung, tcilr aber auch mit rein ideellen Absichten ist. QBandc» löbliche Streben im Inieresse des Ganzen findet im Rahmen eine» VerkehrsvereinS nie t d e ge­bührende Würdigung und ermangelt infolge­dessen der erforderlichen älnterstützung Schaf­fen Ss rohe Kräfte, Die in Den meisten Fällen an Der VerkchrSwerbung persönlich gar ntcht intcr- esiiert sinD. verlassen häufig enttäuscht Den Kreis deS gemeinsamen Wirkens, oder sie sind von vornherein schon nicht geneigt, ihr Können und ihre Zeit an eine solche Arbeit hinzugeben. Daß darunter natürlich Die Sache ost IciDen muß, beDarf wohl keiner weiteren DegrünDung. Die Ursache DiescS Hebels liegt in Den Reiben Der­jenigen, Die von Der Derkehrswerbung In erster Linie Nutzen haben: in der Geschäftswelt. Diese Feststellung soll nicht etwa eine Anklage sein, sondern Die Notierung einer Tatsache, aus der alle an der Derkehrswerbung beteiligten Kreise zu lernen, auf Besserung abzielende Schluß­folgerungen zu ziehen haben. Betrachten wir uns die Lage in ihrem heutigen Stande 11 ist sehen wir. was zu tun ist, um sie zu Derb ,t

Die Geschäftswelt hier und auch in anderen Städten ist hinsichtlich der Der­kehrswerbung in zwei Teile geschieden: der eine, oft genug der kleinere Te l. hat vollstes Verständnis für diese Arbeit, der andere, meist Der größere, aber steht den gemeinnützigen Be­strebungen gleichgültig oder gar völlig ver­ständnislos gegenüber. Die letztgenannte Gruppe Der Geschästsleute läßt außer acht, daß es sich bei der Werbearbeit der Verkehrsvereine Doch in erster Linie, ja ausschließlich um Die Förde­rung der heimischen Geschäftswelt handelt. Gewiß ist Der "Beamte, der Angehörige Der freien Berufe und noch mancher andere auS Dem Kreise der Bürgergesamtheit auch mit Der heimischen Wirtschaft verbunden und insofern an einer Hebung des allgemeinen Geschäfts- Verkehrs interessiert, aber daS Interesse dieser Kreise an einer Steigerung deS Verkehrs von außen her ist doch nicht so unmittelbar wie Das Des direkt und am nächsten beteiligten Geschäfts­mannes. Manche Kaufleute und Gewerbetrei­bende scheinen die Arbeit für die VerkehrS- ftetgerung auch nach dem merkwürdigen Gesichts­punkt zu beurteilen, inwieweit Käufer von aus­wärts bet ihnen selbst im Geschäft erscheinen und ihr Geld direkt überbringen. Daß dieser Stand« punkt nicht Der richtige Maßstab zur Beurtei­lung Der Verkehrswerbung ist, liegt klar zu Tage. Es ist Doch einfach ein Ding der Un­möglichkeit, daß in jedem Geschäft di? Fremden- kundschast selbst in Erscheinung treten farm. Gs ist deshalb auch gar nicht zu verstehen, wenn man gelegentlich und nicht einmal selten von Geschäftsleuten die Worte hört: -Was habe ich von der Derkehrswerbung. ich sehe das ganze Iahr über nur die einheimische Kundschaft in meinem Geschäft." Diese gu*en Leute denken bei solcher Beurteilung offenbar gamicht daran, daß der Käuferverkehr von aus­wärts auch mittelbare Wirkungen auslöst. Wenn ein Geschäftsmann durch d e Frequenz von auswärts gesteigerte Einnahmen hat, so wird er dadurch doch befähigt, auch seinerseits sich kräf­tiger alS Besteller von Handwerksarbeit ober al« Käufer auf dem heimischen Warenmarkt zu be­tätigen; oder auf dem Wege über seine An­gestellten und Arbeiter flieht ein erheblicher Teil Der von auswärts hereingekommenen E n- nahme in andere Kanäle der heimischen Wirt- lchaft ab. Dieser Wirtschaftsvorgang ist natür­lich keine Einzelerscheinung, sondern wiederholt sich alltäglich in vielfachster Weise. Das Geld rollt! WaS an Der einen Stelle eingenommen wird, kommt in irgendeiner Form auch anderen Tellen deS gesamten WirtschastskörperS w oder zugute; niemals bleibt die durch Derkehrswerbung von außen her ermöglichte Einnahmesteigerung nur an einer oder an wenigen Stellen wirksam An Dieser Befruchtung der Wirtschas sgcsamt^eit durch die Verkehrswerbung ist also jeder Ge­schäftsmann. ob groß oder klein, ob im Haupt- geschäftsviertei oder abfeitS davon gelegen, ftarf interessiert. Daraus sollten alle Kaufleute und a 11 e Gewerbetreibenden die Folgerung ziehen unb die tm Dienste der Derkehrstoerb'ng stehende Organisation kräftig unterstützen. Diese lieber l^vng führt zur Ausgabeseite des Hauptbuches.

, eines VerkehrsvereinS wird um so umtaffenber und fruchtbringender sein, je größer Die Mittel sind, auf die er sich bei seinem Wirken stützen kann. Es ist hier wie in '^em faur- mannischein Geschäft, wenn ein beledigendes Ergebnis herausgeholt werden soll, muß zuvor