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Schrift u.id Handwerk.

3m Lichthof des Dcwcrbemuscums in Dann- stadt und in einigen anstoßenden Räumen ist in Gegenwart des Etaatspräsidenten, von Vertretern zahrreicher Behörden, insbeiondere auch der Äir» chen und Schulen eine Ausstellung mit der 'Be­zeichnung »Schrift und Handwerk" eröff­net worden. Es handelt sich hier im wesentlichen um eine Ausstattung derOffenbacher SchrAber"; unter dielen aber steht bei weitem Professor Rudolf Koch an der Spitze, so daß seine Ar­beiten dem Unternehmen in erster Linie das Gepräge geben. Ausstellungen ähnlicher Art waren aus Deranlassung von Profestor Haupt, des Leiters des Gewerbemuseums. schon hier zu sehen, aber sie waren-nicht so bedeutsam wie diese, die einen liefen Einblick in die Arbeits­weise des Schristkünstlers Rudolf Koch gewährt. ES sind etwa 25 Jahre her. der Katalog nennt das Jahr 1903, seitdem Koch mit einer neuen Schrist hervortrat. 3toci Reuerungen waren es, durch die er die Ausmerksamkcit auf sich lenktet er schrieb mit einer breiten Feder. unD, was besonders aufficl. er gab den Buchstaben neue Formen. Die Schriflformen erscheinen leicht als etwas Gegebenes, Unveränderliches und Starres. Koch hat sie neu belebt. Er ging keineswegs grundslürzend vor, wie so viele andere vor und nach ihm, die Schriftgattungen erfanden, die den Leser allzu fremdartig anmuteten oder auch fast unlesbar waren. Koch ging von den allen Schrist- formen, namentlich denen des Mittelalters aus, und schuf durch vorsichtiges Weiterbilden neue Schriftarten, einen eigenen Stil. Allein das wäre nur eine kunstgewerbliche Angelegenheit gewesen, die neuen Schriften wären wohl immer Zier­schriften geblieben, wenn der Künsller nicht mit der Schriftgießerei Gebr. K l i n g s p o r in Offen­bach in engere Derbindung getreten wäre. Da­durch wurde dem Schaffen Kochs eine sichere Grundlage und eine weitere Verbreitung ge­geben. Daneben widmete sich Koch der Pflege der Handschrift. Es ist bemerkenswert, daß in den letzten Jahren, trotz des Buchdrucks wenn auch nur Liebhaber als Käufer in Betracht kom­men handschriftlich hergcstellte Bücher Ab­satz gefunden haben. Die Ausstellung im Ge­werbemuseum zeigt Proben davon. Die Erzeug- Ätffe der Offenbacher Werkstatt stellen aber eine

Zusammentritt bes Reichstages.

Don D. Dr. Dr. Bredt. Al. d. R . o. Prof, der Rechte an der Hniversitäl Marburg.

Der Reichstag ist noch selten unter so schwie­rigen Verhältnissen zusammengetreten wie dies­mal. Die Regierungsbildung stößt auf Schwierigkeiten außergrwöhnlicher Art. aber auch die sachlichen Ausgaben werden in der kom­menden Sesiion nur mit großen Mühen zu lösen sein. Es ist daher keineswegs ausgeschlosien. dah der Reichstag bald nach seinem Zusammentritt der Auflösung anheimfallen wird.

Die Schwierigkeiten für die Regierungsbil­dung liegen in der Eigenart der Parieikonftella- tion. Die letzte Regierung toure« vor Weihnachten gestürzt durch einen plötzlichen Vorstoß der So­zialdemokratie, mit der sie sich wesentlich im Einklang zu besinden vermeinte. Entscheidend war eS daoei, daß die Deutschnationalen btc Sozialdemokraten bei ihrem Vorgehen unter- stützten, so daß die Regierung -einem konzentri­schen Stoße von links und rechts zum Opfer fiel. An sich mühte nun nach parlamentarischer Ge­pflogenheit die Opposition die Bildung der neuen Regierung übernehmen, aber hierzu be­steht keine Möglichkeit, denn Deutschnationole und Sozialdemokraten bilden zusammen keine einheit­liche Opposition, die zur Regierungsbildung be­fähigt wäre. Der Schwerpunkt liegt bei uns in der Mitte, und eS ist nur die Frage, ob die Mitte mit rechlS oder mit links zusammen die neue Regierung bilden will. Für das Zen­trum mag dabei die Entscheidung sachlich schwer fein, aber das eine muß man sagen: solange das Zentrum nicht entschlossen nach der einen Seite geht oder nach der anderen, solange ist eine dauerhafte Regierung bei uns über­haupt nicht au bilden. Von den beiden Flügel- parteien der Mitte neigt die Deutsche Volkspartei zweifellos nach rechts: die Demokratische Partei neigt ebenso nach links. Die Entscheidung liegt also allein beim Zentrum, und alles wird daraus ankommen, ob diese Partei eine wirlliche Bindung nach der einen oder nach der anderen Seite eingehen will.

Mit dieser Frage der Regierungsbildung hängt sachlich zusammen zunächst die Frage der Außenpolitik. Man braucht nicht den min­desten Zweifel zu hegen, daß Dr. 6 t r e f e - mann als Außenminister sich halten toirb; daher werden wir hier auch mit keinen grundsätzlichen Aenderungen zu rechnen haben. Die deutsche Außenpolitik ist allmählich in feste Dahnen ge­kommen. die zwangsläufig weiter führen. Es handelt sich im Grunde nur noch darum, wel­che- Tempo bet dieser Politik eingeschlagen werden soll und nur hier gehen die Meinungen noch auseinander. Die bisherige Außenpolitik wird getragen von der Mitte mit Hnterstützung von links nicht von rechts. Für die Außen­politik Dr. Stresemanns wäre daher ein nach links gerichtetes Kabinett zweifellos bequemer. Vielleicht bezweckt aber Dr Stresemann gerade eine Fesselung der Deutschnationalen an seine Außenpolitik und will darum mit ihnen zu­sammen eine Regierung bilden.

Eng zusammen mit dec Frage der Außen­politik hängt die wichtigste Frage der Innen­politik . das ArbeitSzeitgesetz. ES scheint, daß zwischen den Spitzen der Unternehmer- und der Arbeiter-Verbände eine gewisse Einigung zustande gekommen ist. so daß es vielleicht mög­lich sein wird, dieses viel umstrittene Gesetz nun­mehr so unter Dach zu bringen, daß von keiner Seite mehr ein grundsätzlicher Widerspruch er­hoben wird. Aber selbst dann, wenn dies gelingt, steht im Hintergründe die Frage, ob dabei das sogenannte Washingtoner Abkommen ratifiziert werden soll. An sich geht dieses Abkommen wohl kaum hinaus über das. was jetzt im Wege der inneren Gesetzgebung erreicht werden soll. Wird aber daS Abkommen ratifiziert, so seht gleichzeitig eine internationale Kon­trolle deS Völkerbundes ein, die für Deutschland sehr gefährlich werden kann. Wir sehen eS jetzt bei den Fragen der Abrüstung, daß England unter dem Vorwande einer Ein-

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

schränkung der Rüstungsindustrie tatsächllch eine Beeinträchtigung der gesamten deutschen Indu­strie erstrebt: anders ist fein unglaubliches Ver­langen in Bezug auf die opttsche Industrie gar nicht zu verstehen. Selbst wenn daher die anderen Staaten ebenfalls das Washingtoner Abk »mmen ratifizieren, bleibt diese Gefahr immer noch bestehen. 3m kommenden RttchS'age werden triefe Dinge lehr eingehend zu prüfen fein. Sie werden vermutlich auf innerpolicischem Gebiet zu großen Kämpfen führen, wenn es nicht vorher gelingt, auf der Grundlage der Regierungsbildung zu einer Einigung zu kommen.

Die größte Aufgabe des Reichstages wird wiederum die Verabschiedung des Staatshaushaltsplanes fein. Zur Heberraschung aller hat die Vorlage der Regie­rung hier den letzten Staatshaushalt ganz erheb­lich überschritten aus Gründen, de noch nicht ganz ersichtlich sind. Wie das deutsche Volk die Lasten tragen soll, die ihm durch diesen Staatshaushaltsplan zugemulet werden f ollen, das bleibt bisweilen unerfindlich. De Lasten des Dateesplanes b^ginn-m erst letzt allmählich in voller Schwere sich geltend zu machen. Wenn nun außerdem die Lasten im Innern derartig anschwellen, ist nicht damit zu rechnen, daß wir die nötigen Summen noch aus unserem Volke herauspressen fönnen.

Bedenklich ist es schon, daß desmal der R e i ch s r a t die Ausgaben n'cht verringert, son­dern noch erhöht hat. 3m Reichstage werden erfahrungsgemäß die Ausgaben nie­mals herabgesetzt, sondern immer nur erhöht. Man kann daher hier mit großer Sorge in die Zukunft sehen. Wenn unsere Finanzwirtschaft gesund bleiben soll, muß diesmal der Reichstag starke Hand anlegen und den Staatshaushalt auf ein erträgliches Maß zusammen st reichen. Ob man hier aber große Hoffnungen hegen kann?

Wenn nun eine feste Regierungsbildung nicht möglich ist. bann wird vielleicht der Reichs­tag aufgelöst werden. Man muß sich aber klar darüber sein, daß damit vermutlich wenig erreicht werden wird. Gerade die drei Par­teien, auf die eS ankommt, die Dentschnaiio- nalen. das Zentrum und die Sozialdemokraten, werden sich in ihrer Stärke nicht so nennenswert verschieben, daß eine andere Zusammenstellung möglich fein wird. Vielleicht werden sich aber die Parteien schneller und leichter einigen, wenn sich erst die Zwecklosigkeit einer Auflösung her- ausgestellt hat. Dedaueriich ist eS nur wieder, daß die schwere, sachliche Arbeit, vor die der Reichs an sachlich jetzt gestellt ich. noch erschwert wird durch die Frage der Reg erungsbildung. Sachliche Arbeit allein aber kann uns über die jetzige mehr als schwierige Finanzkrise Hin­weghelsen. Wir wollen die Hoffnung noch n'cht sinken lassen, daß es doch möglich sein wird, die Partei! chen Gegensätze vor den drängenden sachlichen Aufgaben zurücktrelen zu lassen.

Die Arbeitslosenversicherung.

Von Generalsekretär Wilhelm F e ch t, Berlin.

Der Reichsarbeitsminister hat dem Reichs­tag den neuen Gesetzentwurf über Arbeitslosen­versicherung zugehen lassen. Das Problem der Arbeitslosenversicherung gehört zu den schwie­rigsten und dielumstrittensten sozialpolitischen Fragen. Auch der Gesetzentwurf, der Ende Ro- vember vom Rcichsrat eingehend verhandelt wor­den ist. dürfte von verschiedenen Gesichtspunkten aus beurteilt werden. Schon der Reichs rat nimmt in einer wichtigen Einzelheit, über die noch zu sprechen fein wird, gegenüber dem Re- gierungsentwurs einen abändernden Stand­punkt ein. Wichtiger erscheint jedoch, daß der lange erwartete Entwurf nach ausgiebigen Vor­arbeiten endlich beim Reichstag vorliegt.

Seit 1919 sind verschiedene Gesetzentwürfe über eine vorläufige Arbeitslosenversicherung ent­worfen Worten. Der vorläufige ReichsteirtschastS- rat hat sich 1922 mit dem Problem sehr ein­gehend beschäftigt, zu einer Verabschiedung kam es im Reichstag infolge der Inflation nicht, trotzdem damals von feiten der organisierten Ar­beitgeber verhältnismäßig weniger Einwände er-

3nbuftric bar; eS ist jedoch eine 3nbuftrie, die noch aufs engste mit dem Handwerk verbunden ist. Heberhaupt ist für Koch das Handwerkliche die Grundlage seines kunstgewerblichen Schaf­fens. Das ist besonders deutlich an den kunst­gewerblichen Erzeugnissen zu erkennen, die reli­giös-kirchlichen Charakter tragen. 3m Grunde genommen offenbaren fie dieselben Eigentümlich- feiten wie die neuen Schriftgattungen Kochs; fie verbinden Altes mit Heuern. Sie stellen eine Vereinigung überlieferter Formen mit neu- erfundenen bar und bilden so ausgeprägt neu­artige Leistungen, denen man ohne weiteres an- sieht, daß sie von einem erstklassigen Stil­künstler herrühren. Aehnlich wie die Schr.ft erscheint auch die religiöse angewandte Kunst, namentlich die Kleinkunst, in ihren Formen viel­fach erstarrt; was aber Koch erstrebt, ist eine formale Reubelebung, mit der die seelische Hand in Hand gebt. Alles, was Koch und seine Offen­bacher Werkstätte an kirchlichen Geräten, Sticke­reien, insbesondere an Paramenten usw. auf der Ausstellung bieten, ist unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, und ma# darf Wohl sagen, daß diese Arbeiten berufen find, die kirchliche Kunst zu erneuern, jedenfalls weisen sie Wege in ein Reuland. Die Grundlagen der Kunstanschauun« *gen Kochs lassen sich auch auf das Zeichnen und den Schreibunterricht in den Schulen aus- dehnen. Daher zeigt die Ausstellung eine Reihe von Vorlagen und Arbeiten, die das Ergebnis eines dieser Weife erteilten Unterrichts find. Auch auf diesem Gebiete find die Wirkungen einer gefunden Reform zu verspüren. Die Ausstellung wendet sich nicht nur an Kunstgewerbler, sondern an viel weitere Kreide, an Handwerker Gewerbe­treibende. an die Vertreter der Kirchen und an die Lehrerschaft. Es ist zu hoffen, daß sie von den hier genannten Kreisen auch zahlreich be­sucht wird: sie wird längere Zeit im Dewerbe- mufeum zur Schau gestellt sein.

Opium ©Tuch und Geißel der gelben Rasse.

Ob in der kostbaren Schildpattpfeife des kunstliebenden Mandarins, ob im geschwärzten Bambusrohr des Bürgers oder in der schmutzigen Pfeife deS Landstreichers allen schenkt das Opium die dreifache Gabe, die die Menschheit

hoben wurden, alS daS heute der Fall fein Dürfte. Die Reichsregierung Hal bann von dem Ermächtigungsgesetz Gebrauch gemalt und die gegenwärtige Rege ung der Erwerbelofeitfürorgc geschaffen, die in ihren Grundlagen trotz vieler Aenderungen im einzelnen auch heute noch be-

Unausgeglichenheiten in sich, die sich aus ihrem Üebergan<a>.-c)ara:ter ergeben und wie es in der Begründung zum Gesetzentwurf heißt von Domperein nur für eine be­schränkte Zeit gcwoi.lt und auch nur für sie erträglich waren. Die gegenwärtige Regelung ist eine Mittelstufe zwischen Fürsorge und Ver- sicheiung. Dcitragspslicht und Uxternüfcung ste­hen in der Srwerbslvseniürforze unverbunden nebeneinander. Während die Dc tragspflicht zur Zeit auf dem Prinzip der Versicherung beruht, ist für die Unterftütjung das Prinzip der F ü r - sorge entscheidend. Danach hat, wer arbeitslos wird, zunächst noch keine Anwartschaft auf Unterstützung erworben, denn diese wirb nur gewährt, wenn der Arbeitslose bedürftig ist. 3n dieser Regelung, die allerdings durch die Praxis gemildert wurde, liegt eine große Hn- gerechtigtcit gegenüber denjeni.-e t Arbeitnehmer- schichten, die sozial höher stehen. Diele Schichten erhalten zum Dank für ihre S-arsamkeit und andere wertvolle Eigenschaften, wenn sie ar­beitslos werden, keine llnterftü^ung, während umgekehrt andere Schichten, für die solche Vor­aussetzungen nicht zutresfen. durch die Fürsorge Alntcrftüi ung bekommen. Die zwci Orum.-fragen zur Einführung der Arbeitslosenfürsorge ober Versicherung find denn auch erneut in der Be­gründung des Gesetzes eingehend crör eet. Das Gesetz hat sich für das Versicherungs- Prinzip entschieden. Die Frage, wie weit dadurch eine weitere finanzielle Belastung e.it- steht, ist stark umstritten. Rach der Begründung zum Gesetzentwurf haben amtliche Erhebungen er­geben. daß eine Steigerung von 5 Pro »ent zu erwarten ist. Ob diese Ziffer ausreicht, ist noch fraglich, jedoch scheinen Ziffern, die über 10 Pro­zent hinausgehen. wohl zu hoch gegriffen.

Damit find wir bereits zur Erörterung der Grundlagen des neuen Geseeys selbst gekommen. Die Träger der Arbeitslosenversicherung wer­den die Lanbesarbeitsloseniassen sein, deren Bezirke sich mit den Bezirken der Landes­ämter für Arbeitsvermittlung decken. Sitz der Landesarbeitslosenkasse ist das Landesamt für Arbeitsvermittlung. Als Organ dieser Kallen ist ein Ausschuß und ein Vorstand vorgesehen. Bei den Arbeitnebmerrertretungen soll sich mindestens ein Angestellter befinden. Heber den Landes- arbeitslosenkasfen besteht beim Reichsamt für Arbeitsvermittlung eine Ausgleichskasse. Die Frage der Organisation der Zünftigen Ar­beitslosenversicherung unterliegt noch gewissen Meinungsverschiedenheiten. Einigkeit besteht darüber, daß die Arbeitslosenversicherung in engster Verbindung mit der Organisation deS Arbeitsmarktes durchgeführt werden muß. Da­gegen wird von manchen Seiten vorgeschlagen, die Arbeitslosenversicherung den Behörden der allgemeinen Verwaltung zu übertragen. Reben diesen sollten die Versicherten und ch»e Arbeit­geber durch die Verwaltungsausschüsse der öf­fentlichen Arbeitsnachweise Mitwirken. Rach An­sicht der Begründung steht dem die Auffassung gegenüber, daß die Arbeitslosenversicherung nur dann ihren wirtschaftlichen und sozialen Zweck erfüllen könne, wenn sie eigene Versicherungs­träger besitze, In denen die Beteiligten unter unparteiischer, öffentlicher Führung (also toirt- f christlicher und ös.entlicher Einfluß in einem Organ vereinigt) die Angelegenheiten der Ver­waltung ordentlich leite und verwalte. Die Ar­beitslosenversicherung könne nicht an den Er­fahrungen vorübergehen, die an den anderen Trägern der Sozialversicherung gewonnen wor­den sind.

Von weiterer Wichtigkeit im neuen Gesetz find Personenkreis. Läger der Kosten und die Leistungen der Arbeitslosenversiche- rung. Versicherungspflichtig können nur Arbcit- nehmet fein. Denn der Schadensall ist der Verlust der Arbeitsstelle. 3nfolgebeffen kennt das Gesetz eine freiwillige Selbst- oder Weiter- beglückt: Vergessen der Vergangenheit. Verach­tung der Gegenwart und Gl:ichgält-gk it für die Zukunft...3n solchen Worten ist im Orient das Opium gepriesen worden, dies gefährliche Gift, daS mit dem Leben der grlbea Rasse viel enger verbunden ist als Tabak und Alkohol mit dem unfrigen, und das man als®lüd und Geißel" des Asiaten bezeichnet hat. Der Kampf gegen das Opium ist uralt, und er ist jetzt in ein neues Stadium getreten durch die Durchführung des ,3ntemationcl-n Opium-Ab'ommens". das auch Deutschland bei seinem Eintritt in den Völkerbund angenommen hat. Dr. Arthur Mayer, der sich in einem Aufsatz über ^Völkerbund- Fragen" mit der Bekämpfung des Opiumhandels durch den Völkerbund beschäftigt, betont, daß die Durchführung aller Abmachungen in Deutschland in weitestem Maße gesichert ist. Dagegen kann man gespannt sein, ob die anderen Dertrags- mächte. denen die Hauptaufgabe bei der Unter» drückung der Opiumpest zufällt, sich streng daran halten werden. Heber die Gefährlichkeit des Opiums gehen die Meinungen auseinander; man weiß noch nicht genau, in welcher Form es schäd­licher wirkt, ob geraucht oder gegessen, und unter welchen besonderen Bedingungen der Genuß zu den schweren körperlichen und geistigen Schädigun­gen führt. Vielfach nimmt man an. daß Opium, in mäßigen Mengen und gelegen.lich g noffen. fjarm- loö ist. und hält den mäßigen Opiumgenuß für die gelbe Rasse ebenso unschädlich wie ein gutes Glas Wein für den Europäer Diefes Glück des Opiums, an dem der O.ientale so hängt, ver­wandelt sich aber bei übermäßigem Gebrauch in eine furchtbare Geißel. Wenn auch über die in China verbrauchten Opiummengen keine genauen Angaben vorliegen, so kann man doch nach den in* Formofa von 3apan durchgeführten Beobachtun­gen annehmen, daß der chinesische Gewohnheits­raucher täglich etwa 3,5 Gramm verbraucht, das ist daS Siebenfache der deutschen Maximaldolls. Der indische Opiumesser nimmt bedeutend weniger zu sich, aber auch hier wird das Opium so miß­braucht. daß Krankheit und Elend die Folge finb., ganze Länderstriche zugrunde gerichtet und entvölkert tperben. Der Kampf gegen bas Opium ist daher im letzten 3ahrhunderi mit großem Eifer geführt worben, freilich ohne rechte Erfolge, weil immer toieber geschäftliche Rücksichten bie Mahnungen der Moral übertönten. Die Mohn- lultur und der Opiumhandel sind nämlich für die

Mittwoch, sy. Januar 1927

Versicherung nicht. Ferner können nur die Per­sonengruppen eingezogen werden, die der ver- sicherun zsmäßigen Vorsorge für den Fall der Arbeitslosigkeit bedürfen. DaS sind in erster Linie diejenigen Arbeitnehmer, die gegen Krank­heit versichert sind. Einschränkungen sind vor­gesehen für Per!onengrupPen und Deru'Sarten per Land- und Forstwirtschaft. Ferner erfahren eine Ausnahme von der BerficherunaSpfllchtig- kett Personen, die im Lehrverhältniö ste­hen. Hier tritt d.e BerftcherungSpsttcht erst sechs Monate vor Ablauf bcS Lehrvertrages ein. Sie Hausgehilfen, die in der Erwerbslosenfürsorge noch für beitrag-frei crllärt sind, sollen aus der Versicherung nicht mehr ausgenommen werden. Heber die Kranlenrersicherunarpflicktiten hinaus ist der PerfonenkreiS in zweiscn' er Richtung aus­gedehnt. Einmal für die Seeleute und bann für die Angestellten. Die Angestellten s.nd in der Krankenversicherung nur biß zu einer 3ahreS- arbeitSverdienstgrenze von 2.00 Mark. Bei der Lage des Arbeitsmarktes kann man sie nicht un­geschützt lassen, zumal auch die Erwerbslofenfür- orge in dieser Frage d i e Versicherung bereits vorbereitet hat. Seit dem 1.3a- nuat 1926 sind alle Angestellten über die Grenze der Krankenversicherung hinaus bis zur Höchst­grenze der Angestelltenversicherung (6000 Mk.) in der Erwerbslosenfürsorge beitragspilichtig und unterstühungssähig. 3nSgcsamt d.rite die Er­werbslosenfürsorge etwa 16.5 Millionen Qlrbeil» nehmet umia'fcn.

Der Entwurf sucht die Träger der Ver­sicherung finanziell selbständig zu machen. Die Mittel werden durch die Beiträge der Arbeit­nehmer und Arbeitgeber je zur' HÄfte aufge­bracht. Da wir aber zur Zeit in wesentlich anormalen Verhältnissen leben und ein Gesetz auf diese nicht aufgebaut werden kann, trennt der Entwurf das Risiko für die Arbeitslosen­versicherung .die die Versicherung aus ihren .eigenen Einnahmen tragen soll, und das Risiko für die Krisenunterstützung, die in außergewöhnlichen Rotzeiten für solche Arbeits­losen bestimmt wird, bie entweder ihre Anwart­schaft nicht voll erfüllt oder den Anspruch auf Arbeftslosenunlerstühung bereits erschöpft haben. Das Risiko der Krisenunterstützung nimmt der Entwurf ganz auf öffentliche Mittel. Rach den Vorschlägen des Reiches sollen sie drei Viertel für bas Reich, ein Viertel für die Gemeinde betragen, bet Reichörat beantragt dagegen die Gemeinden nur mit einem Reuntel und daS Reich mit acht Reunteln zu belasten.

Vielleicht am grundsätzlich wichtigsten ist, daß für die Bemessung der Arbeitslosenunterstützung in Zukunft Lohnklassen eingerichtet werden sollen, die an Stelle der derzeit-igen schema­tischen Arbeitslosenunterstützung treten. Die Leistungen aus der Versicherung sollen sich in Zukunft nach dem Arbeitsverdienst deS Unter» stützungsberechtigten richten. 3m ganzen sind sieben Lohnklassen vorgesehen, und zwar Lohn- llasse I bei einem wöchentlichen Arbeitsentgelt bis zu 12 Mk., Lohnklasse II von 12 bis 18 Mk., Lohnklasse III von 18 bis 24 Mk., Lohnklasse I V von 24 bis 30 Mk., Lohnklasse V von 30 biS 36 Mk., Lohnklasse VI von 36 biS 42 Mk. und Lohnklasse VII über 42 Mk. Die Hauptunter­stützung beträgt In den Klassen I und II 45 v. H. eineS für die Klassen angenommenen LmheltS- lohneS (12 und 15 Mk.), In den Klassen III IV und V 40 v. H. deS angenommenen Einheitslohnes (21, 27 und 33 Mk.). In den Klassen VI und VII 35 v. H. des Einheitslohnes (39 und 42 Mk.). Als Familienzufchlag werden für jeden zuschlags­berechtigten Angehörigen bis zu gewissen Grenzen 5 v. H. des Einheitslohnes gewährt.

3n dieser Bestimmung ist der Kernpunkt der Neuregelung, die Unterstützung nach dem Ar­beitsentgelt. der nicht die Rachteile anhaften, die beim Leistungssystem der Erwerbslcllenfür- sorge und ihrer schematischen Regelung entstanden sind. 3n Zukunft wirb die Unterstützung des Arbeitnehmers Im Verhältnis zu seinem früheren Einkommen und damit gerechter fein.

Sum Schluß noch eine kurze allgemeine Be­merkung: Die Arbeftslosenversicherung dient, wenn der neue Entwurf Gesetz wird, nicht dazu, beiden größten Erze.:g?r7ei)iete. für Ehina und 3nöien. von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeu­tung. Das meiste Opium wird in China erzeugt, unb bort bürste ber Mohnbau trotz beS kaiser­lichen Verbotes im 3ahre 1906. in bem die letzten amtlichen Berichte ausgegeben wurden, nicht sehr wesentlich zurückgegangen sein. Ebenso wirb in 3nbien trotz aller schönen Verspr- chungen ber Englänber zweifellos nicht viel weniger an- gebaut als früher. Die gesamte Wellerzeugung an Rohopium wirb nicht weit hinter 45 M'-ll onen Kilogramm zuürckblciben. Diese M nr-e stellte 1906 einen Wert von. 935 Millionen Mark bar. ber letzt bei ber beträchtlichen Steigerung ber Opium- Preise auf etwa l1/- Milliarbe Golbmark ange­wachsen ist. Das inbische Opium-Monopol brachte ber inbischen Regierung bis zu B ginn bes Welt­krieges jährlich 7 Millionen Rupien, unb bi ess Einnahmen sind natürlich ein schweres Hinbernis gegen eine wirklich durchgrellenbe Bekämpfung bes Opiumhanbels. Der chinesische unb inbische Mohnpflanzer hat gar keinen Gewinn, denn der Mohnbau ist ein schlechtes Geschäft und wird in 3ndien nur durch bie Erhöhung bet Mohn- Prämien aufrechterhalten, währ-mb in China bie 3nnenprovinzen, die hauptsächlichen Mohverzeu- ger. von 3ahr zu 3ahr mehr verarmen. Rur die Schanghaier und Hongkonger Großhändler haben mit bem Opium Reichtümer gesaw.m llt. Ein großer Teil bes inbischen Opiums wirb in China ein­geführt. 3m ganzen werben von ben Opium­mengen n/i4 von den Erzeugern selbst verbraucht, wahrenb 3/-u in ben internationalen Hanbll kom­men. Davon etwa 75 Tonnen nach Deutschland. Selten ist in einer geschichtlichen Bewegung der Zwiespalt zwischen den Geboten der Sitllichkeit und Hygiene unb ber Gier nach Macht und Ge­winn deutlicher hervorgetreten als im Kampf gegen den Opium, der gegen Ende des 19. 3ahr- hunderts von Gladstone energisch ausgenommen wurde, aber bisher nur wenig Erfolg hatte. Rach allen Berichten ist noch am meiften in China vor bem Weltkrieg burchgesetzt worben, wenn auch von keiner burchgreifend-m Bekämpfung bie Rede sein konnte. Der wichtigste Grund für bie Abnahme des Opiumverbrauchs war bie Steigerung der Opiumpreise. Man barf hoffen baß unter der Führung des Döllerbundes bessere Ergebnisse ge­zeitigt werden.