Kr. 140 Driiies vlatt
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, (8. Juni (927
Oie Gießener Letciebsrechnung jür (927.
Ai. der krirstchcn Petra chtung der ® t e fc e ne r ft ä b t i f d) t n Berriebrrkchnung für bas RechnungSfahr 1927, die in Ausgabe mit ') 036 061 Mark (gegen 4 120 767 Mark hn Vorzahre) und mit einer Bedang au? Berwaltungseinnahmen und Steuern in Hrhr von 4 286 061 Warf adfihlietzt. ir.uft man sich eigentlich wundern, daß e» der Stabt- Verwaltung gelungen ift, den neuen Soranfdjfcg gegenüber den oidertri Höheren Lniorüchen nur |o mafpg anwachsen zu lassen. Ein oehlbetrag von 750000 Mark m Giften gegenüber 3 h«X) 0(> • Mark in Ma»n^ 3000 000 Mart in z^nrftatu. 3 fiiOOOO Mark in O '^nb-ch und 1 i</* Mark In Warm,
«tat jedenfalls, bah i sere 'Genu al hing bei der Ausstellung de» Dovv„|chlca» d«, Ausgaben bereit» in einem Umfange ah^»b^^^*e^t hat twfj nach dieser Jtkbtung hin den Stadtverordneten woh! kaum noch etwa, v* un übrig bleibt Ein gewisses Anwachsen her Huhiwidjn-.f.. mfo eben b-ngenommen werben, wenn man nicht haben will, baß die unab« weilbaren ’.loiumtugf eilen ftäbrifdjrr Lsirlschast nur Haid cr'üllt ober iderhaupt nemachlLssigt werben. <E» gehr doch nicht fe ohne weiteres, wie kürzlich ein SUbiDercrtmeler in einer Sssendichen Der- Eimlung sagte, datz durch „rürNichrrlose» Zu-
«nenslr. ichen der Ausgaben' brr Ausstich mit
Einnahmen herzuftevui ist. Diele Worte jene» Stadtverordneten m die lat umgesetzt würde de- beulen. eine gesunde Dorwarir- und .'lu'wäris- entotdlun i der $ teilt mit Gewott hemmen, die brite immer mehr beflogt* „PoWE der verpatzten ©t* legenbeiten" jiim teil wieder beginnen, yim Teil weiter forderen. Den Schaden davon würde natürlich die Stadt in ihrer Gesamt- bett. Insbesondere aber der durch Grundbesitz und Gewerbe hier gebtmbrnr leit der '.^.i^erschaft haben eftarm man eine solche Entwicklung im fRed)« nungsjahr 1977 verhüten w.II, wird man gut tun, den pon der Beewttung oorgetegten Doranschlag ohne Abstriche anymifc ' en, denn bescheiden genug sind die Ansätze schon gehalten.
3u den Titeln im einzelnen wäre nicht allzu viel u sagen. Bei dem Titel „Waldungen" ist e» vom Eianbpunft der Klarheit de» Etat» au» zu bcarii- tzen, daß die Lerwa.'rung auf der Einnahmeseite nicht mrr v
gebrtiRe der bisherigen Hcsigverweriung, die meist ■
einen erhöhten Betrag ren 2i **) 000 Mark (gegen 160 000 Mark im Dorfchrej bei 9323 Festmeier Fällung (jegen 8792 im Vorjahre) eingesetzt hat. Mit Besned'-'ung ist hier auch der Anfang der Bildung eine» Forstb triebsstrcks mit der erstmaligen Rücklaae von 10 000 Mark zu verzeichnen.
Die Au«ga> isttr geru: ,z im Xitel .BolkS- und Jvrchlldungsschulc, Stadtschulamt und Harle" (167 3« Mk. gegen 115 387 Mk. im Sonabrvi wird man nach Set schril tllch u Begründung des Voranschlags durch oic Stadtverwaltung, die wir in unserer Tlr 121 vom 25. Mai abbrudten, als hinlänglich begründet an’eben müssen, zumal wenn man btbenft. datz hier 52 500 Mk. aL8 itnsendienst für die zmn Zwecke deS Schulhaus - baue« aufziinehmende Kapitalien vorgesehen sind. Die No<wendigk«t betf SchulhauSbaues wird kein Einsichtiger mehr bestreiten.
Beim Xittf ^Stadttheater' ist ein Mehrzuschutz der Stadt von 14 274 Mk. vorgesehen. Die Verwaltung knüpft daran die Vemerirmg: .v« muh erstreok werden, da'; der Staat feinen 'Beitrag zum Theater der oderhassifchcn Pro- vlnHialyauvtstadt wesentlich erhöht." Dieser An- menung, In der zugleich eine durchaus berechtigte Äritü deS Staates lieiv. stürmten wir vollkommen zu. In dankenswerter Weste bat sich bisher im Landtag nur die Abg. Irrt. Birnbaum bemüht. den bvrcdylurten und doch so ausserordentlich befdtethenen WtnEchen der Stadt iS testen in dieser Hinsicht (Irfütlunj durch die StaatS- bett bisher ohne Erfolg. Allerbing« kamt man dabei die Tot'achc nicht übersehen, dost die Abg. Frf. Birnbaum dabei die Hnter- stützun,! der anderen Giestcncr Abgeordneten garnicht und die der oberheslischen LandtagS- nrttfllubet nur insoweit hatte, als diese der Fraktion der *7bg. Birnbaum angeboren. QBir möchten dringend wünschen, bah alle die einslutz- reichen Kräfte. Me bisher in dieser Sache noch
untätig abseits standen, den Morren der Eichener Stadtverwaltung, die auch eine Mahnung find, ^ehör schenken und nach ihnen handeln. Denn die Ltaatsregierung \tn Landestheaier in Darmstadt, das dcch eiaenilich nur e.n Darmstädter Stadt thealer i’t. jährlich rund eine Halde Millwn Zutchuh gibt, wenn sie das Mainzer Stadttheater alljährlich mit rund 170 000 Mk. unterstützt bann muh sie doch wohl auch für das Siebener Ltadttheater. die Bahne der Provinzial- baupritabt überbe<\*n<. mehr leisten als die ärmlichen 5003 Ml. die sie jetzt dafür zur Dersügung stellt.
3n bem T tel .Demeinnüy'.ge Zwecke" hoben wir nca 10 000 Mk. für Derkchrswerbung durch daS ftädrstche Verkehrsamt eingestellt. Dir begrüben diese Maßnahme der Verwaltung, bebaue m aber zugleich daß davon gleich wieder 2075 Mk. als Sehaltsanteil für einen 'Beanv.cn abgesetzt werden müssen, so datz für reine Werbe- Secke eigentlich nur 80A3 Mk. übrig bleiben.
s [K^cbeiNnim Anfang gedacht wollen wir uns jedoch heute damit zufrieden geben, obwohl Sir kein Zweifel darüber bestehen kann, daß für e Zwecke einer grotzzügigen Derkebrswerbung noch weit höhere Beträge erforderlich <tnb. Welche g rotze Dort ei le bte De rkehrswerbu ng für unser Gemeinwesen bat. konnten wir im verslos-enen Iah re mehrfach bemerken, und gegenwärtig sehen wir diele 'Borteile wieder in dem Besuch der Dewerbeausstellung. 3m Hinblick auf diese Erfolge werden die Ltadtvero.dneten diesem bescheidenen Anfang hoffentlich keine Schwierigkeiten bereiten.
Die Wohlfahrtspflege beansprucht einen Zuschuh von 993 000 Mk.. der Mehtnufchutz im laufenden Rechnungsjahre beziffert sich auf 54 000 Mark. Wer die Begründung dies« Anforderung liest, wird zugeben müssen, datz man hier nicht einsparen kann, ohne wichtigen sozialen Belangen Abbruch zu tun. 3m übrigen möge man bedenken. dah in vielem Titel manche Aufwendung steckt, die durch reichsgesetzliche Verpflichtung begründet ift. und ferner ist nicht zu überleben, dast In dieser Verwaltung ein grohes Stück des verlorenen Krieges zum Vorschein kommt, der auch hi« wieder seine Rechnung zur Begleichung vor legt.
Zum Schlutz noch einige Worte über die Steuern. WaS hier notwendig ist, hat die Verwaltung in ihrer Begründung -um Voranschlag die wir in unserer Ar. 121 vom 25. Mai d. 3. wörtlich zur Kenntnis der Bürgerschaft brachten. eindrucksvoll dargelegt. Das, auch unser Demehvcoefen angesichts der ganzen Sachlage um eine g.-wisie Steuererhv^i na nicht : umkommen werde, stand schon seit langem fest. Die Stadtverwaltung hat sich bemüht, diese Erhöhung durch stärkst Drosselung der Ausgaben so niedrig wie möglich zu halten. 3n der Burger- soweit sic von der Hcraustctzung der Ausschlagsätze betroffen wird, mutz man sich darüber klar sein, datz es nicht im Interesse der Stadt wäre, wenn man ihrer Entwicklung unbegründet Fesseln anlegcn würde. Den Rachteil davon hätten dann in der Hauptsache doch nur die durch Grundbesitz und Gewerbe mit der Stadt auf Gedeih und Verderb verbundenen Bürgerkreise. Deshalb sollte man sich der Rot- Wen digleit und Drinalichkeit dieser immerhin noch erträglichen Steuererhöhung nicht verschliesten und der Verwaltung bereitwillig die Mittel zur Verfügung stellen, mit denen sie bem Dienst für unser Gemeinwesen im Rechnungsjahre 1927 gerecht zu werden hofft.
(fciCHcner Tsochcnnmrktpreisc.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butler 130 bis 150. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bi« 140. Wirsing 25 bis 30. Weisskraut 20. gelbe Rüben (das Päckcheni 15 bis 50, rote Rüben 10, Spinat 20 bi« 25. Römischkohl J5 bis 20, Bohnen 40 bis 50. Spargel 70 bis 110, Erbsen 45 bi« 50. Mischgemüse 12 bis 15, Tomaten 100 bis 130. 3ttnc6cln 20. Meerrettich 40 biS 60. Rhabarber 20, Kartoffeln 7 bis 8, Kirschen 45 bis 70. Erdbeeren 90 biS 120, Honig 50. junge Hahnen 100 bis 120. Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Tauben 80. Eier 11 bi« 12, Blumenkohl 50 dis 100. Salat 6 bis 10. Salatgurfen 35 biS 70, Ober-Kohlrabi 15 bi« 25. Lauch 5 bi« 15. Rettich 15 bi« 23.
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Roman von Sven Elve st ad.
Copyright bei Georg Müller, München.
10. Fortsetzung Rachdruck verboten.
„Wein." warf der tibei ein, ..ich meine natürlich nur die Einrichtung.' Er sah auf seine Uhr ..Zn fünf Minuten sind wir da. sie Zeit will ich dazu benufoen. Ihnen zu erzählen, was Ich heute abend halb elf Uhr al»o vor zwei Stunden, erlebt habe. Wie bie vieUei'cht wissen, habe ich hn Sommer, wie in früheren Iahe. draußen auf der Snar-Insel gewohnt. Zu Frühimg^-anmng siedle ich über und ziehe im 5pälhcrt*it in die Stabt junirf. Fast jeden Id end fahre ich rr.it meinem Motorboot hinaus, und da meine ganze Haushatmna während der Zeit da drautzen ist. ziehe ich es vor, tm Hotel statt in meiner Stadtwohnung zu schlafen, wenn ich aus irgendeinem Grunde einmal gezwungen bin, hier zu übernachten. Ader natürlich habe ich immer hier und da irgend etwa» in meiner Wohnung zu besorgen; und ich kann wohl jagen, dost ich in der Woche ein paarmal bingefre^ 3n einigen Tagen, fo war es geplant, sollte meint Familie zu rücklehren, da es an fängt, kalt zu werden. Darum wollte ich heute abend eine freie ctunbe da.zu benutzen, in meine Wohnung zu gehen und dort nach dein Rechten zu sehen."
Asbjörn Krag, der halb und halb zu verstehen begann, worum es sich hattdelte. fragte:
„Wann sind €*t das letztemal bagcöeien?"
Vor vier Togen. Da war Ich oben, um In meinem Schreibtisch nach einiger. Privotbrie^en ui sehen."
Und da war alles in Dränung?"
..Alles in schönster Ordnung. Jhm aut. ich komme also um halb elf llbr abends in meine Wohnung. Ich wohne ja im ersten Stock. Bon auhen merkte man nid*?. D c Gardinen w^r. i herobs .slen."
„Sie haben ai'o nach den Fenstern hingeieben?"
..Gewiß, ich sah hin. Sie wissen, manchmal kommt einem fo eine sonderbare Eingebung, die man sich nicht recht erklären rann. Es war übrigens alles ganz fttll. Es ift ein sehr ruhiges Haus. Ich schloh die Haustür auf. steckte den Schlüssel m die Korridortür und kam auf den Korridor."
Krag unterbrach: „Die fanden Sie das Schlotz vor?"
„Es war in Ordnung, vollkommen in Ordnung. Im Korridor drehte ich das elektrische Licht an. Schon hier widerfuhr mir die erste Ueberroschung. Der Korridor war leer, und ich < ntfüme mich, dah ich halblaut zu mir sagte: Hallo, hier find Einbrecher gewesen! Al» ich bat letztemal da war, standen Schirme und Hutschachteln herum, jetzt war rein nichts zu sehen. Nur das Telephotz hing einsam an der Wand. Es überlief mich heih, aber ich ging ins nächste Zimntzer. Hier machte ich oerMüftt aut der Schwelle halt."
„Denn es war nichts im Zimmer?" fragte Krag.
„Rein, im Dunkeln konnte ich feinen klaren lleberbluf gewinnen. Ich zündete Licht an und fah, daß die Stube vollständig ausgeräumt war. Ich versichere Ihnen: kein Mäbel mehr da, keine Matte auf bem irufoboben, fein Bild an der Wand. Wissen Sie, wo» mein erster Gedanke war?"
„Dah Sie träumten?"
„Nein, ich glaubte, in eine verkehrte Wohnung geraten zu sein. Ich muhte in Gedanken ins zweite Stockwerk gestiegen (ein, statt im ersten anzuhalten. Und darum lief ich schnell zurück. Aber nein, ich war wirklich nn ersten ctotf. und neben der Korridortür prangte mein Namensschild. Don neuem stürzte ich in die Wohnung
Ich ging durch alle Räume und zündete überall Licht an. Alle Zimmer leer, alle Möbel fort! Selbst die Gardinen waren abgenommen. Ja selbst verhält- nismähig wertlose Dinge wie Kohlenkaften und Aschenbecher waren weg."
„Und die Küche?"
„Ja, dann kam ich endlich in die Küche Auch hier völlige Leere. Das einzige, das zuruckaeblieben war, war meine grohe türktzche Pfefferbüchse. Die thronte in einsamer Majestät mitten auf der Küchenvanf."
„Das klingt wie ein wohlgelungener Späh."
„Das weih Gott! llnb ich takte es auch als ab- sichsti^e llnverichämchett auf. Aber tue Anwesenheit der seltenen Pie'ierdüchke entfernte wenigstens alle Zweital darüber, ob ich mich in meiner eigenen Wohnung be'and ober nicht. Denn es gibt keine zweite derartige Pfefferbüchse. Sie lachen!"
.La, ich kann s mir nicht verkneifen", rief Krag. „Die Situation ist zu konnsch!"
Hus der provinzialhauptftadt.
Gießen, den 18. 3uni 1927.
Eine Aulolinie-A.-G. Oberhessen in Sicht
tScftern ronnttiafl fand im Kreroamtsgevaute in Vletzen eine Konferenz start, die als vorbereitende Besprechung zur Errichtung einer Äraft- wagen-Akt.-<Aefe . Hast Ooerhessen gedacht war An der stark desuchtrn Konferenz nahmen teil: als Vertreter der desiischcn Regierung deren Der- kehrsde-iernent ;m M.mfterium de» Innern Re- fl-.erungftrat Dr Krebs ein Vertreter der Rrichsbahnd.rekt.on ^rank-uri der Oberrosi- direktion Darmstadt, hir die Siadt N etzen Beigeordneter Dr. Hamm, eine grvtze Zahl Bürgermeister der interessierten Oeirrrben, Vertreter der bestehenden Autv'.imen usw Zweck und Ziel der noch fvrtzuführenden Besprechungen soll die Zusammenfassung sämtlicher in Oberhessen bestehender Auto! . nien zu einer groben Aktien-Gesellfchaft sein, deren Defch0:ste- und Betriebsführun: in Händen tzer Retch-bahndirektivn zu liegen hätte. Die Anregung hierzu ging von der hessischen Regierung aus. die sich an- gefich!« der immer zahlreicher werdenden Oiuto- hnien der Reichsbahn gegenüber in einer schwierigen Lage befindet. 3n der lebhaften Aussprache kam im allgemeinen die Zustimmung der Anwesenden zu der Anregung zum Ausdruck, die sich allerdings nur verw Glichen lässt, wenn alle Autolinien, besonder« die bereit« konzesiionrerten, sich an der Zusammenfassung beteiligen, und wenn es gelingt, die immerhin erheblichen Schwieri Seiten, die sich bei der Regelung der Sin c[fragen ergeben werden, andern Wege zu räu ner.
•• StaatSminifter a. D. von Ewald 75 Jahre alt Der ehemalige Staats- und Iustizminister von Ewald in Darmstadt wird am heutigen 16. Juni 75 Jahre alt. Ehrtstian Wilhelm Karl Ewald wurde am 18. Juni 1852 in Rehbach bei Erbach im Odenwald geboren. wo sein Vater (Oelonomierat) der Landwirtschaft oblag. Ein Vorfahre des Staatsminister« ist' der Stadtpfarrer von Offenbach Johann Ludwig Ewald, ein Jugendfreund DoecheS. gewesen. Karl Ewald besuchte daS Gymnasium in Weimar und studierte an den Universitäten Leipzig, Döttingen und Dietzen: 1674 legte er sein erstes und 1877 sein zweite- juristisches Ctarnen ab. Es wird von ihm gesagt, datz er mit die besten Leistungen auszuweisen hatte, die je bei den juristischen Examina zutage getreten sind. 1879 wurde Ewald Amts anwalt V Mainz. 1882 Amtsrichter in Worms, 1884 Staatsanwalt in Darmstadt. 1885 in Mainz. 1893 Erster Staatsanwalt in Mairxz und 1898 Reichsgerichtsrat in Leipzig als Vertreter der hessischen Justiz beim Reichsgericht. 3m Oktober 1905 wurde er hessischer 3ustizminister und im nächsten 3ak>re Staatrimnifter i unter Belastung in der Stellung al« 3ustizminister) und Bevollmächtigter zum Bundesrat. Seiner Amtsführung, die ein gemäfitgt liberales Gepräge trug, sachlich und sparsam war und die auf gesetzgeberischem Debieta bedeutende 6rforge zu i er zeichnen hatte, setzte die StaatSumwäUung ein Ziel, bevor sie noch eigentlich abgefSofien war. Der ©roh- Herzog hatte den Vetchrcnsten Ewalds um das hestifche Staatswesen durch Verleihung deS erblichen Adel« Ausdruck gegeben.
•• AuS dem G ietzener Standesamt S r e g i ft c r. ES verstorben in der Zeit vom 1. bi« 15. 3uni. 2. 3uni: Mathilde Eich. geb. Seering, 75 3ahre alt, Ostanlage 27; Luise Marie Elisabeth Mecke, geb. Sand. 34 3abre alt, Wetzsteinstratze 40. 3. 3uni: Eölestine Seyffecth, geb. Hebestreit. Witwe, 73 3ahre alt, Liebig- ftratze 70. 4. 3uni: Abraham Stiefel, Kaufmann, 68 3ahre alt, Eteinstratze 67; Hermann Schäfer, 1 3ahr alt. An den Bahnhöfen. Block 8. 5. 3uni: August Rausch, Arbeiter. 60 3ahre alt Caplans- gaffe 19, Helene Ottilie Friede Fanny AuSfeld, ohne Beruf, Südanlage 8. 6. 3uni: Luise Halm, ohne Beruf. 24 3ahre alt, vchisfenberger Weg 63. 8. 3uni: Helene Mielcke. Reriinerm. 74 3ahre alt, Alicestratze 14. 9. 3uni: Heinrich Zinn,
„3i>flep>*ben. Und als ich vor der Pfefferbüchse stand, da hab' Ich selber lachen müssen. Ich glaube wirklich, ich habe so laut gelacht, dah die Leute in der Etage über mir es hören konnten. Dann lief sch hinaus und rief den Portier."
„War der auch erstaunt?"
„Erstaunt? Nicht im geringsten. Er fragte nur, ob ich etwas vergessen hatte. Aergesten? sagte ich. Darf ich Sie bitten, mit mir in meine Wohnung zu gehen! Ihre Wohnung? erflärte er verwundert, ging aber mit mir. Und als wir mitten in der leervn Wohnung standen, fragte ich ihn: Sagen Sie, mein lieber Mann, wohne ich hier, ober wohne ich nicht hier?"
Sie? erwiderte er. Nein, Sie wohnen hier nicht mehr. Sie sind doch gestern ausgezogen."
In diesem Augenblick hielt das Automobil mit den beiden.
Wir sirrd an Ort und Stelle", sagte der Poli.zei- chet. „Kommen Sie mit in die Wohnung, bann werd' ich Ihnen den Rest der sonderbaren Deichichtc erzählen."
„Was mich am meisten interessiert," bemerkte Krag, „ift, zu erfahren, wie der Dieb sich zu erkennen gegeben hat!"
„Brieflich", antwortete der Polizeiches. „Durch einen mit der Maschine geschriebenen Briei, zierlich und höstich."
Als die beiden dann in dem dunklen Hausstur standen, sagte der Ches: „Warten Sie einen Augenblick, dann werde ich den Portier rufen. Ihn müssen wir bei uns haben!"
Krag, der wartend stehen blieb, hörte, wie jener an ein Honenfter klopfte, und wie eine grobe Stimme von innen einige undeutliche Worte brummte.
..Der Portier ist schon zu Bett gegangen", flüsterte der Polizeichef, als er zurückkam. „Aber er kommt gleich. Haben Sie Licht. Krag?"
„Stets."
Kra^ zündete seine Blendlaterne an, und der Chef wtes auf die Wände des Irepcnaufganges: -Da sehen Siej! Sehr behuttam sind tre Ziehleute nicht mit den Sachen umgegangen. Man sieht beut- nÄ2??B f1* Hatter Ich bin gefpaunt, wie meine Möbel aussehen werden."
Bierverleger. 75 3ahre alt. Strinstratze 76: Marie Bennewiv geb Flor. Witwe. 92 Jahre alt. Erednerstrata 38 10 3uni Ludwig Albert Heb Schmiele ■.•(ter, 46 Jahre alt. Löwen- gasse 22 Ernst Schmidt. Kvelsaue'chufwberfekre- tar IX, 33 Jahre alt. Licher Strafte 37. 12 3un. Wilhelm Enders Schirl'er. 23 3obre alt Weidens aste 7. Johannes Hirz. Rentner. 78 3ahre alt Selters weg 22 14 3imi: Lbristine Schäfer geb Langsdvri. 46 3ahre alt. Schönen- 'tratze 17. Katharine Knörr geb Ricke! Witu^e. 67 3ahre alt Alterweg 13. 15 3uni ö'milic Die'enbach. geb Rencker Witwe. 58 Jahre alt, Licher Strafte 74; Margarete Herr, geb Zinnel. Wttwe. 74 3ahre alt. oennenftraf'c 6
4 D i e Rdkinfahrt der Dolksfchtilen de« K re . les Dietzen findet am 21 3ull flat:. Der Preis für die 5abrt ist verhält-::«- mäftig niedrig gehalten: er beträgt fxir Schüler 5.50 Mk Um auch Erwacht.nen d e Schdnhv.ren deo deutschen Rde.neS zugänglich zu machen, ift auch für sie bie Teilnahme an der Rhein- fahrt gestatte: Der Prei- beträgt für Erwachsene 6.50 Ml. e.nfchlietzlich aller Unkosten Die Zahrt geht mit Scmdernrg bi# Mainz-Kastel, von dort mit dem Schiff dts Koblenz 3ür die Rückfahrt nach Diesen ist wieder ein Sonderzug vorgesehen De Ankunft hierselbst erfolgt so zeitig, datz die Olnlchlüste nach allen Richtungen noch erre.cht werden lönnen.
DL R. Rachsendung von Postsachen. Wer in der Reisezeit seine Postsachen pünktlich nachgelandt haben will, vergesse nicht, bei der Post einen Rachsendtmgsantrag zu stellen, und benutze dazu möglichst die am Post'chalter unb bet den Zustellern kostenlos erhältlichen Rach- sendungsvordrucke. Rur ein rechtzeitig und genau ausgestellter RachsendungSantrag ermöglicht e« der Post, die Rachsendung von Postsachen pünktlich und rechtzeitig auszusührcn
" Die dritte Zuchtviehverstei- gerung des Landwirtschastslammer- Ausschüsse« für die Provinz Obe ehesten findet am nächsten Mittwoch. 22. Juni, vormittag« 11 Uhr, in Lauterbach statt. Anaemeldet sind 50 Bullen der Hess. Fleckoiehrasse. Die bekannte Angerobacher Hochzucht bringt 23 Stück. Die Zuchtviehverstetgerung tst eigene Veranstaltung des Landwirts chaft«kammer-Au-schusse« für die Provinz Oberhessen, auf her nut in bae- > buch eingetragene und zur Versteigerung zugelassene yafclticre ausgetrieben werden dursen. Dcmeinden und Zuchtgenossenschasten ist hier De- legenheit geboten, ihren Bedarf an guten Zuchtbullen zu decken. Man beachte die heutige Anzeige.
” Die Reichsbahn will den Schlaf :’!(!)! :n ehr ft ö r e n
Reichsbahn muffen, zumal auf einer längeren Zahrt. mitunter von einem Gleise auf das andere umgefestt werden. Bei diesem 'Jtonaieren der befestten Schlafuxtgen wurden bie Reifenden zuweilen durch Stötze beim Abnehmen unb Ansehen der Schlafwagen im Schlafe gestört. Um diese Störung künftig zu verhindern, hat nun bie Deutfche Reichsbahn- gesellfchaft Deratckassimg genommen, alle Bebtettsle- ten, insbesondere bas Lokomotio- unb Rangtaroerso- val, anzuweisen, bie Bewegungen der besetzten Schlafwagen mit aller gebotenen Vorsicht oorzunehmen, damit die Reisenden in ihrem Schlafe nicht gestört werden. Auch bei der Abstellung von c-chlafwaaen, die auf Bahnhöfen längere Zeit auf den Ansch!uh;ug warten müssen, oder aber schon vor Abfahrt und nach der Ankunft des Zuger von Reisenden benutzt werden dürfen, soll größte Rücksicht auf das Ruhebedürsni» der Restenden genommen werden. Die Schlafwaaen werben so gestellt werd. tzere Geräusche Ruhe di1
senden möglichst wenig beeiMrächtigen. Inolusnndere soll der Gebrauch der Dampfpfeife in der 'Höbe der Schlafwagen auf das äufterfte eingeschränkt werden.
•• Deutsche Bolkspartei. Man schreibt uns: Die diesmalige Mitglieberversammlung der Deutschen Bolkspartei war dem Andenken Beethovens gewidmet. Den Auftakt bildeten die beiden ersten Sätze der 1. Sinfonie, gespielt von Frau Schlesier und Frau Fischer. Hierauf sprach Frau S ch u b t über Leben und Persönlichkeit Beethovens". Dank ihrem seinen Verständnis für die Größe des Künstlers und des Menschen gdnng es ihr, den Zuhörern ein klares Bild vom Leben und Wirken des arotzen Meister» zu geben. — Frau Schlesier brachte ein Menuett au» der Es-Sur«
„Ich hoste, Sie tonnen bald einen UeberfHitf über den Schaden gewinnen", murmelte Krag.
„Dasselbe hoffe ich auch", war die Antwort de» lachenden Polizeichefs.
Jetzt kam der Portier mit einer großen Lampe hinAU, unb Asbjörn Krag löschte feine Laterne Der Polizeichef zeigte ihm zuerst bie Korridortür. Krog untersuchte das Schloß genau, fand jedoch nicht bie geringste Spur von Gemalt
„Es ist |a auch ein gewöhnliches Schlotz", sagte er, „und läßt sich mit einem Dietrich ohne weitere» öffnen."
Dann kamen sie auf den langen, leeren Korridor. „(Beben Sie zu," fragte der Polizeichef, „datz mein Erstaunen nur natürlich war, al» ich das sah?"
.„Zugegeben."
„21 her nun hier!" Der Ehes öffnete die Tur zum nächsten Zimmer, unb von da ging cs weiter, alles war DoUfommen leer. Rur In der Küche stand in ein- hmer Majestät die Pfefferbüchse. Die beiden fjerren konnten nicht umhin, wieder laut aufzulache .
Dann öffnete der Polueichef eine der Schranktüren. „Hier ift die Kundgebung", sagte er unb zeigte auf bas Innere bcs Schrankes. Krag beugte sich vor unb sah, datz an der Wand ein betriebenes Stuck Tapier befestigt war. Es war eine Miteilung des Diebes.
„Haben Sie bas Papier ungerührt?" fragte der Detektiv.
..Rein, ich habe es bloß gelesen."
Aber nun eilte der Portier diensteifrig hinzu: „Worten Sie, ich werde bas Papier herausholen." Aber Krag packte feine große, grobe Faust: .Hallo, warten 6ie, Mann, wollen Sie mir das ganze Spiel verderben!"
Krag hatte stets ein kleines Etui bei sich, so groß wie eine gewöhnliche Brieftasche, worin er verschie- bene Dinge aufbewahrte, die ihm bei feinen Unter- Buchungen von JRuften sein konnten, darunter eine dünne, leimige Flüssigkeit, bie auf Papier oder glatte Gegenstände geschmiert wurde und dazu diente, mngcrabbrüde heroorzurufen und festzuhalten Da» Papier war an die Schrankwand mit vier Reih, rägeln befestigt. Krag schmierte nun die flüssige 'Jlaffe auf die Reißnägel, wartete ein paar Minuten, bis bie Masse erstarrt war, und löste bann die Stifte von der Wand.
(Fortsetzung folgt.) v


