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Nr. HO Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhesfen)

Samstag, 18. Juni (027

Max von Baden und die Revolution.

Eine Buchbesprechung.

Achon (di Jahren wartete inan in ringe» Wechten Streifen auf eine Afeherschrift von bem, was der baditche Thronfolger Prinz Ma,, der letzte Reichtzkanzler der Monarchie, zu den Ereig- nisfen de« Kriege« und namentlich zu dem der AovemberrevvluiMn de« 3obre« 1918 au sagen Hoden würde. 3eyt liegt diese Riededchnft vor in Gestalt eine« 700 öd!en hitfri Bande« Erinnerungen und Dokumente" Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. Preis 14 Mk.. 246). Da« Derk ift in mancher Hinsicht eine Enttäuschung in anderer eine Bestätigung, bringt aber <a,'UJlid) auch mancherlei neue jüge. besonders für da« Verhältnis »wischen Oberster 5^eer."«leiiung und politischer Kriegs- führung. für die Kriem»Politik der Sozialdemo­kratie und nicht zuletzt für die tatsächlichen Vor­gänge vor Ausbruch der Revolution

Der Prinz, der an der Front feine Der- Wendung gesunden hatte, schalste sich auf Grund seiner engen verwandt'gastlichen Beziehungen zum dänischen, schwedischen und russifch--n Hose dn ausgedehnte« Tätigkeitsgebiet in der Für­sorge sür bte deutschen und fremden Gesang en en Seine Arbeit brachte ihn ball» bd Verhandlungen über Gefangenenaustausch usw. mit Perfönlich- kdten de« neutralen und feindlichen Auslande« zusammen. Gr gewann früher, als die verantwort­lichen Leiter unterer Außenpolitik einen klaren Ueberbluf über die Berhuünife in den Ländern unserer Gegner, namentlich in England und Ruh­sand, und luchte daraus schm» bald durch Berichte und Informationen an da« Auswärtige Amt für die Leitung imferer Auhenpolitik Ruhen zu ziehen Ör kam auch in Verbindung mit den Männern der Zentralstelle für Auslanddienft. in der Paul Rohrbach in Fühlung mit dem Auswärtigen Amt für die feindliche und neutrale Presse Lektorate eingerichtet batte, deren Er­gebnisse für die praktische Arbeit de« Aus­wärtigen Amt« nujibar gemacht werden sollten. Lchon bei diesem Punkt dämmert die erste (3r- fenntnis das Auswärtige Amt verschließt sich mit dner unbegrdfiichen bureoukratischen Sn^« fttrnigfeit den praktischen Schluhsolgerungen. die die über die Stimmung und die polnischen Strö­mungen im sdndlichen AuSlande gewih aus- gezdchnet unterrichteten Herren dieser Zentral* hdle den verantwortlicheii Ldtern unterer Ärieg«- politik nahefegten Rämlich dne umsassende Pro­paganda gegen die sdndliche Greuelhetze. Leug­nung jeder deutschen Annektionsabsicht (auch auf Belgien), von der autoritativen Stelle der Rdchsleiiimg au- und rechtzeitige Erklärung unserer Bereitwilligkeit zu ^nedenSveiHandlun­gen. Man gewinnt au« dem Buche den Eindruck, Mi die Oberste Heeresleitung, und besonders auch General Ludendorss schon 1916 geradezu gedrängt hat. hiefe Fr i ebens verband lungen cuxAuIdten. dah eS aber im Parlament starke Strömungen gab, die dnem umfassenden Annek- ttoniprogramm das Mort redeten, und dgh na- mentlich die Reichsleitung Jahre hindurch nicht die Energie sand zu dner eigenen groben Linie und dnem energischen Schritt, dem in geeigneter Form und zu Zeiten dner günstigen militärischen Lage gewih keine schlechte Prognose zu stellen war. Die berüchtigte Friedens- r'esolutivn des Reichstags vom Sommer 1917 war allerdings ganz gewih nicht diese ge­eignete Form, und Lubendvrsfs Waffen­stil l st a n d s b i t t c im Oktober 1918 fiel gewih nicht in die 3dt einer irgendwie noch günstig zu nennenden militärischen Situation. So muh man über da« ganze Kapitel der politischen Kriegführung daS bittere TDort des Generals tzoffmann von den .versäumten Gelegen­heiten" setzen.

Das Buch de« Prinzen Max ist ein erschüt­ternde« Dokument für die Rat- und Hilflosigkeit in der Cdfung unserer Kriegspolitik, für daS Degen- und Durcheinander zwischen Oberster Heeresleitung und den oberften zivilen Stellen. Auch das Urteil de« Professor Bredt von dem

ungeheuren Mah von Schuld, das tue Parla­mente, der preuhilche Landtag nid,: minder als der Reichstag, durch ihre rücksichtslosen Partei» kämpse und ihre politische Änstinktlosigfeii wäh­rend de« Krieges aus sich geladen haben, wird in vollem Ilmfange bestätigt. Man gewinnt end­lich den absoluten Eindruck, dah Ludendorss durch die völlige Passivität der politisch verant­wortlichen Stellen in die diktatorische Äellung hineingezwungen wurde die man ihm später so lehr zum Vorwurf gemacht ha:. Auch dem Prinzen Mar scheint es nicht angängig, in diesem Punkt die Schuld de« Generals zu suchen. he lag auf ganz anderem Feld. Sie lag in der Verkennung unserer militäri­schen Lage die zu dem übereilten, psycho­logisch unvorbereiteten Daffcnftillstanhsangebvt führte, und in der nochmaligen Verkennung der militärischen Lage, wenige Wochen später, als der General den militärischen 3u1arnmen- bruch nicht sehen wollte, und sich selbst iind die Rdchsldtung sowohl über die Aktionssähigldt der Armee, wie über die gebliebenen militäri­schen Möglichkeiten täuschte Dieser spontane, durch die Verhältnisse in feiner Weise begrün­dete Wechsel vom tiefsten Pessimismus und grund- Irfcm Optimismus im Lause von wenigen Tagen cllS Folge dne« verlorenen Selbstvertrauenr» ist die Schuld de« Feldherrn Luhendorlf. DaS kommt in den Dokumenten de« Prinzen Rlar in aller Deutlichkeit scharf zum Ausdruck, genau so scharf, wie die ungeheure Schuld der für die politische Kriegführung verantworllichen Rdchs­ldtung. die ohne Tatkraft unb ohne eigene Ideen dem Treiben der Partden im Innern kdnerlei Einhall gebot, und ohne eigene« Programm den Strudel der Kämpfe um die Kriegziele hemmungs­los über sich ergehen lieh.

Der Rdchskarren stak schon tief im Dreck, als Prinz Mar von Baden im Oktober 1918 die Re- 0 übernahm. Unter denkbar ungünstigsten nissenI Die Oberste Heeresleitung drängte auf die Herausgabe des Waffenstillstandscmge- bvts, mit dem sich der neue Reichskanzler weder der Form nach noch dem gewählten Zeitpunkt nach dnverstanden erflären tonnte Die 'Parteien hatten dem neuen Manne bereit« von sich aus die Liste seiner Mitarbdter aus den Reihen der RdchStagSmehrheit präsentiert, dne Liste, die dem Prinzen nicht pahte. an der aber nach dem Willen der Partden nichts mehr zu ändern war. Das war der Anfang der parlamentarischen Re- gierungtform in Deutschland: die Diktatur des Partdwillens über die Persönlichkeit. Der badische Prinz hatte in dem Thaos der Rdchslxnlptstadt einen nutzer st schwierigen Stand. Man toirh ihm nicht abftreücn dürfen, dah er aus der völlig verfahrenen Situation heoauSzuhvlen versucht hat, wa« er nur irgend konnte. Aber auch der Eindruck bleibt nach der Lektüre feines BucheS, dah er in keiner Weise die Persön­lichkeit war. die nur mit rücksichtsloser Ent­schlossenheit und brutalem Durchgreifen die Lage hätte zum bessern wenden können. ®r war in allem gebunden. Gebunden an den Willen der Rdchstagsmehrheit, die nach dem Sturz des Grasen Hertlrng und dem Durchsetzen einer bar» lamentarischen Regierung Morgenluft witterte, gebunden an die Tradition eines deutschen Fürsten und preußischen Osll.-ierS, gebunden schllehllch an die verwandtschaftlichen Dc^iehimgen zum Hause Hohermvllem. die ihn hinderten, den Thronver- zichl de« Kaisers in dem Augenblick durchzu­sehen, wo er ihn für notwendig erkannt hatte (man mag über diese Äotwendigkett an sich denken wie man will).

Gerade die Stellung zur ADdastkuitg«- frage ist symptomatisch für den Charakter deS Prinzen. Er hielt den freiwilligen Thrvn- vcrzicht de« Kaisers für notwendig, weil er fürch­tete. eine von dem Präsidenten Wilsm, dner- seits, den Unabhängigen Sozialdemokraten an- derersdtS erzwungene Abdankung werde ein­mal in der von ihm erwarteten günstigen politi­schen Wirkung veichufsen, zum andern aber auch die Monarchie selbst in Deutschland gefährden. Wochen hindurch rang der Prinz um daS Pro­blem .Wie sag' ich's meinem Kaiser?" Die Frage wurde um so brennender, al« die Hof- generale den Monarchen dem Einfluß der Der-

Vom neuen Wohnhaus zur neuen Stadt.

Die Wohnungsnot, die bei fast allen Völ­kern Europas mit gleicher Grausamkeit herrscht, fordert gebieterisch eine umsassende Bautätig­keit. die in der einfachsten und praktischsten Weife vor sich gegen mühte. Run wird aber auch heut noch sehr viel gesündigt von Behörden und Privatleuten, indem das Bauen unnütz erschwert oder durch allen möglichen unorganischen Schmuck verteuert wird. Deshalb bricht sich jetzt eine Bewegung Bahn, die einen neuen Wohnbau in der schlichtesten und natürlichsten Form for­dert und zugleich einen neuen Städtethp, der daraus hervorgehen soll. Der wichtigste Vor­kämpfer diese« Strebens bei uns in Deutschland. Bruno Taut, veröffentlicht soeben im Verlag von Klinkhardt & B ermann zu Leipzig unter dem Titel ..Bauen. Der neue Wohnbau" dn anschaulich illustrierte« Programm. Allem Da- thet.scheu. Romantisch-Altertümelnden. den üoer- llüsiigen Schnörleln und anderen Zutaten er­klärt er den Krieg und verlangt auch für die Baukunst dneneue Sachlichkeit", wie sie sich in den andern Künsten d.irchgesetzt hat. Heber- all mutz man zur Sachlichkeit und Ratürlichkdt zurückkchren. und interessante Beziehungen bie­ten sich da zwischen Baukunst und Frauen- klddung. denn die Damennwde ist ja immer einfacher und sachlicher geworden und ähnelt in ihrem Stil bet altägyptischen und griechischen Tracht, gerade so wie die Baukunst, dic sich auch wieder die alten Aegypter und Griechen zum Vorbild nimmt. ..Wir Bauenden haben einen einfachen geraden Weg vor uns," so bekennt Saut. ..Wohin er führt, ift nicht genau zu um- reihen, wenn man nicht Prophet spielen will. Wir stellen unseren Beruf wieder auf die Basis de« aUgemdn Vernünftigen, und. wenn man will. Menschlichen. Hier gibt eS feine Begriffs­spaltungen und Klügeleien. Hier gibt es nicht den Künstler auf der einen ©eite und den Tech­niker und Konstrukteur oder den Rechner auf der anderen Seite, sondern hier ist «in» mit dem andern unlöslich verbunden." Man muh wieder zu der natürlichen Selbstverständlichkeit deS Bau­en« zurücllehren. b:e unsere durch histori'che ©tu- dien und olle mögliche gelehrte Bildung abge­

lenkte Architektenschaft vergessen hat. Was fal­len bei dnem gewöhnlichen Wohnhaus die riesen­hohen Dächer, die Türme und Prunkfassaden, die Erker und Schmuctornarnente. Auf dem Lande findet sich noch hier und da. auch bd neuen Bauten, die klare saubere Hausform früherer Zeiten.Es sind jene einfachen Häuser mit simpelstem Dach, ohne Walm mit einfachem Die­bel. die in ihrer schönen Laren Kantigkeit so un­schuldig dastehen, wie wenn sie eben aus der Spielschachtel genommen werden. Ss handelt sich allerdings dann immer um Häuser, die weder ein Architekt noch ein Maurermeister entworfen hat, und die keine behördliche 'Bauberatung pas­siert haben."

Solch gesunde« natürliche« Bauen ist e«. das uns nach Taut« Ansicht nottut. Solche Häuser lassen sich auch im Serienbau Herstellen, bei dem die Haustelle fertig auS der Fabrik auf die Baustelle kommen und unabhängig vom Wetter aufmontiert werden können. Das ift die letzte und wichtigste Vorbedingung für die Her­stellung de« Masfenwvhnhauses, und dann erst wird sich auch ein wirklich ökonomischer und grob- zügiger Wohnungsbau nach einhdtlichem Plan durchführen lassen, der nicht mehr nur au« .Saison-Arbeit" besteht. Der Typenbau der Flachsiedlungen ist oaS Ziel de« neuen Wohn­baus. Bei ihm kommt es nicht so sehr auf daS einzelne Haus als auf die Aufreihung dner gröberen Zahl gleicher Häuser an. de sich in demselben Rhythmus zu dner Kette fügen und in die Landschaft dngliehern. Dadurch wird es zu einer Ueberbrüdung her Grenzen zwischen Stadt und Land kommen. ..Wir sahen." sagt der Verfasser,dah vom Bauernhaus über den Sied- lungsbau eine unmittelbare Verbindung zum mo­dernen Serienbau führt; wir sahen, daß fdne Quellen sogar zeitlich mit jenen zusammenfallen, die zur Erneuerung de« städtischen Wohnhauses führten. Diese von dem Grotzstadtgehanken aus­gehende Erneuerung führte in dner zusammen­hängenden Linie w.eder zum ©iedlungShause und seinem Serienbau, so dah sich also in den Er­scheinungen her reuen Baukunst tatsächlich schon eine Einigung von Stadt und Land vollz.eht." Ein großer Gegensatz besteht so zwischen her Zeit vor 50 Jahren und heute: .Damals wurde die Stadt noch als dne von Mauern und Festungswätten umgebene Häuf ermässe betrachtet, heute dagegen bedeutet sie einen Zusammenfluh

liner Regierung durch eine überraschende Reise in« Hauptquartier entzogen hatten. Der Prinz vermag diese »Fluch: aus Berlin" nicht zu ver- htnher::. er bringt es auch nicht über stch. von ':Ä aus den Anstotz zum Thronverzicht zu geben, c! helius . der kaiserliche Slügelabju:cnl. kehrt vor her Türe um. Dryander. der Hofpredtger. vedagt sich, der Grohberzog von Hessen hüll sich mchl für den Geeigneten, mit bem Kaiser über das heikle Thema zu sprechen. Graf Ler- chenfeld. dem bayrischen Gesandten. wurde von München aus btc Reise nach ©paa nicht erlaubt, der Prinz Friedrich Karl von Hessen. de« Reifet« Schwager, zuckte im letzten Augenb.ick zurück. Der preuhkschr Staalsminister Drew« nahm schließlich die wenig dankbare Mission auf sich ohne den gewünschten Orfolg. Prinz Mar kann sich selbst zu feiner entfchie. denen Aktion in her von ihm erstrebten Richtung aufraffen. Al« er sich eittschlofsin Hal. selbst zum Kaifer zu gehen, ist e« z u spät, der Kaiser ist nicht mehr in Berkin Des Prinzen vornehme flMtanung. aber auch dn starker Schutz sentimen­taler Weichheit hinderten ihn. den Kaller vor btc Alternative zu stellen, obwohl seiner Uebcrseugurg nach her Thronverzicht. zur rechten Zeit au-gdprochen. unsere autzen- wie inner- politische Lage -um Bessern hätte wenden kön­nen. Es wird auch heute noch schwer sein, in diesem Punkt zu einer klaren Erkenntnis zu kom­men. Ludendorss« Rachfolger. General Drän er. her damals dn entschiedener Gegner der Ab­dankung war. hat im Münchener Dolchstohprozeß erklär!, dah bunt) dn Zusammenwirken zwischen Oberster HeereSldtung und bem späteren Reichs- Präsidenten Ebert, damals Führer her Mehr- hdtsfvziakisten. bd dnem rechtzdsigen Thrvn- verzicht he* Kaisens die Monarchie vielleicht noch »u retten gewesen wäre. Denn, batz btc Sozialdemokraten gemäßigter Observanz auf dne Aenderung her StaatSsorm keinen Wert legten, wirb in bem Erinnerung«buch des Prinzen Max mehrfach belegt. Der spätere Reichsminister Da­vid erklärte fo z. B. noch am 7. Rovember: .Dahlen zur Rationalversammlung würden mdne

gen. Al« Republikaner mützten wir für die Republik amtieren. Mancher von uns aber ziebt die demokratische Monarchie vor. Werde Deutsch­land Republik, dann müßten wir uns mit Roya­listen herumschlagen DaS fd auch feine ange­nehme Aussicht ' 11 nb Ebert erflärte am 6. Rovember in her entscheidenden Besprechung mit General ©ebner, mit einer Monarchie mit sozialem Einschlag unter parlamentarischcm System werde and) er sich abfinhen. Die Schwierigfeiten innerpolittscher Art waren also in den verhäng­nisvollen Wochen he« Oktober und Rovember ge­wiß ungeheuerliche, aber nicht unüberwind­bare. Allerdings gehörte dazu eine Persönlich­keit, die au« festerem Holz geschnitzt war, als Prinz Mast von Vaden e« war. Wie wenig er imstande war, da« von ihm als recht Erkannte knirchzusetzen, wie wenig er im Ehaos her gegen- dnanbertoitbelnhen Meinungen sich zu behaup­ten vermochte, gdchwdge denn die Qdtung in Händen behalten konnte, ha« zeigen fdne ht die­sem Buche niedergelegten Aufzeichnungen über dic letzten Aste her Rotx*mbertragbble mh ev- schütternder Deutlichkeit.

deutsches Recht zwischen Frankreich und England.

Von Dr. Karl Mehrmann -5koblenz.

Es bedeutet gewiß auherordentlich wenig im englisch-französischen Schach- und Schacherspiel, waS wir Deutsche als unser Recht am Rhein be­trachten. Eine achtjährige Gewöhnung hat un- gewitzigt. daß dn Abgleich englischer und fran­zösischer Gegensätze immer das deutsche Rheininteresse beschnitten und mdft gröblich beschnitten Hal. 3n einem Augenblick, in tn dem sich England gegen di« Wahrfchdnllch- kdt zu schützen sucht, dah Rußland, durch die Spaltung der chinesischen Rationalpartd au« feiner Angriffsbewegung gegen die britische Weltstellung in Ostasien zurückgeworfen, nach dem Muster von

1905 fdne Operationsbatzs wieder nach Europa verlegt, erhält die Freundschas'. Frankreich« und seine» polnischen Verbündeten für die Londoner Politik naturgemäß eine erhöh:e Bedeutung Zn einen solchen Zeitpunkt versteift sich cbenfeTdbO- verständlich die sranzösifche Wdgcrung. her deut­schen Forderung nach völl ger Räumung de« Rheinlande» nachzugeben. ötne Möglichkdt der Besayungsverminderung kann imtnerbir: erwartet werden, wenn da» Deutsche Reich, dem cnglifchen Wunsch entsprechend. Polen dn freundliche» Ge­sicht mach: und c« fo in, st and letzt sich mit einer durch deutsche Neutralität gefichener. Rücken­deckung als vorgeschobener Posten der britischen Sowjet-Fdndschaft der etwa von Ofuhen nach Europa um- und zurückgckehnen Bolfchnvisteic- front entgegenzustellen hllft nicht» man muh da» unverminderte Gdchick der Londoner Diplo­matie bewundern, die cs versucht und vielleicht emröglicht hat, die Pariser Qfevr.erung i durch die Aussicht den italienischen Tatendrang im M'.ttel- mecr zu zügeln» dem Gedanken zugänglich zu machen datz da« bdreuhete Polen seine Front für die nächste Zukunft mehr nach Osten gegen Rutzland al- nach Westen gegen Deutschland kehrt. Dast dieser Stellungstix>ch'el Polens nach franzö­sischer Ansicht nur erträgltch fein dürfte wenn sich das sravzösische Sicherheit»bedürfni» (in Wahr­heit der französische Herrschaltk-wunsch) am Rhein durch die Fortdauer der Befetzuntz befriedigt fühlt, läht 'ich au- her gewobnheitsmätztaen Denkweise der Pariser Politik mit Leichtigfett folgern

Für uno Deutsche erhebt sich umso hnngen- hcr die Rotwendigkdt. das, was unser ift. zu be­hauptens xmh trenn wir nun auf der Ge.tenseite, die uns unser Recht vorenthalten will, eine Stimme hören, wenn auch dnzelne Stimme, die unser Recht unumwunden anerkennt, dann muh dieser Stimme ein wdthallender Refvnmtzboden gegeben werden. 3n ihrer Rr. 13508 hat die Pariser Zeitung , La Ervir". die immerhin doch zu her Rechtspresse zählt, e.ne Untersuchung der ©aar- und Rheinfrage veranstaltet. DcZ« Pariser Rechtsblatt befennt zunächst: .Die Saar mit ihrem Bergwerks» und ru-Sv*- arunddeutscheil Bevölkerung be­be w o h n t die vor hem Kriege in den Reichstag nur katholische unb national!kvevafe 2Ibgv?rhnete fanhte. Rach hen Destimmungen he« Friedens- Verträge« soll eine Bollsabst'-Innung im Zahre 1935 über das Schicksal diese« deutschen Gebiete« entscheiden. Wir sind überzeugt, hast zur gegen­wärtigen Stunde in Frankreich nicht ein einziger, diese« Rarnens würdiger Politiker sich etnbilhen könnte, hast diese Volksabstimmung für un6 gün­stig auSsallen würde." - .La Eroir" erinnert auch daran, hast Deutschland fdne Bereitwilligidt hmhgegebcn Hat, die ©aarminen zutnickzulauien. und sie schliestt diesen Punkt mit her Ansicht: .Wo man auf der einen dhqr her anderen veile guten Willen unb SHrlichkdt zeigt, ha gibt es keine wahrhaft unftbertobthbaiCT Schy>i<d gkellen", um fortflufabren War Saar sagt, fqgt Rhesttland Man farm sich nicht die Ru<kc»abe dne« dieser Gebiete vorstellen, wahrend die Besetzung km an­deren noch aufrecht erhalten tohf>."

Da« ist deutlich und wirb der deutfchei, Aus­fällung durchaus gersht. Aber baS Bfett wird es noch mehr, wenn eS sich Im wetteren Verlauf seiner Ausführungen gegen die französische An­sicht Wendel. Deutschland habe salbst nach der (SnttDoffmmg durch die Schleifung seiner Öftbc- feftigungen fdne Verpflichtungen noch nicht er­füllt; .beim e« wird bann noch xdebl die gdamte ReparativnSsumme bezahlt baden/ DZS ist be- koTrntllch her Standpumt irtshesonbere he« Grafen d' Ormesson im .Ternps". .La Ervix" entgegnet darauf' .Rach bem Versailler Vertrag müllen wir da« linke Rhdnuser spätestens lto5 geräumt haben, aber der Dawes plan, her das Rcpar.i- tionsproblem tn Ordnung brachte, indem er an hie Stelle her aUicrten Schuldner dne inter­nationale Körperschc^t setzfe. sieht vor - wenig­stens gegenwärtig , das; die Leistungen während einer unbegrenzten Zeitdauer zu laufen hätten. Andererseits faßt Art. 233, Zdfe 3 des Versailler Vertrages deutsche ReparaticmSzahlungcn wäh- 30 Jahre von 1921 ab in« Auge. Mit Hilfe dieser Vdspiel« wird man fest stellen, dah es zwischen

von den weitesten Land gebieten her unb dn Aus- ftrömen in diese zurück, dn lebendes Wesen, das wie dn Polyp seine Fühler weit au«ftredt und dessen Levenselement diese Fühler in bem weiten Lande suchen müffeit .Luft, Licht und Grün werden die Stadt duvchspulen." sagt Taut von dieser neuen Stadt, .sie wird wie em Filter sein unb wird die« in deutlichster Weise zeigen, wenn man nach Ablauf einer Generation mit bem Flugzeug über sie huuvegfahren wird. Cs kommt dabei nickst auf die Höhe der Gebäude an; doch werden die neuen Wohngebiete ganz bestimmt zu einer völlig anheren als der heutigen Anord­nung gebracht werden, in der die hygienische und soziale Sdte die erste Rolle spielt, und in der die Erschdnung der Bauten nichts weiter ist als die Folge davon. Bisher verstand man unter .Stadtbild" hübsch photographierte ©den. Straßen ober Plätze, bald wird man darunter etwas ganz anderes verstehen, nämlich das. waS man von her Straße aus an hygienischem unb sozialem Wert der Häuser erkennen kann, und das. was man vom Flugzeug aus sieht. Heute sieht man ob es nun Berlin ober dne andere Großstadt ist von hort oben jene- entsetzliche Gewirr von engen Höfen in Hinter- und Seiten- bäufern, hinter breiten Straßen jene furchtbaren Schluckst eit, jene grauenbafkn Rattenlöcher. Das neue Bauen aber wird weiter um sich greifen, man wird diese Dinge nicht mehr ertragen können, unb man wird schließlich dazu schrdten, sie nieberzurdßen."

Fliegererlebnisse mit Vögeln.

JHegererlebniffe roll vögeln.

Wenn man glaubt, oah die Flieger bei ihren Fahrten hoch oben in den Lüften ganz mutter- seelenallein sind, so täuscht man sich. Sie finden Gefährten in den gefieberten Bewohnern dieser Reg.onen und haben mit ihnen fo manches Er­lebnis. Von solchen Abenteuern plaudert dn englischer Flieger: »Adler. Habichte und Zug­vögel aller Art umkreisen daS Flugzeug. Der Flieger steigt ja selten höher als 5000 Fuß empor, und in dieser Höhe begegnet er vielen Vögeln, besonder« in Mitteleuropa, wo die Wildschutzgdeye die Vernichtung her Raubvogel verhindern. Die größte Höhe, in der ich Vögeln auf meinen Flügen begegnet bin, war 10 000 Fuß. Ss war während de« Äriege«, ati dne

Schar Wi 1 dgänse auf ihrem Wege nach dem hohen Rorden mdne Maschine in großer Höhe überflog. Früher hat man angenommen, daß die Vögel bei ihren Wanderzügen in riesigen Höhen. 20 000 Fuß unb mehr, reisen unb un­geheure Geschwindigkeiten erreichen. 2ch habe niemals Vogelzüge tn großen Hohen angetroffen noch habe ich je von dnem andern Flieger da­von gehört. Am häufigsten begegnet der Flieger auf den europäischen Luftweaen den Turm­falken: viele dieser gewandten Tiere haben mich schon auf meinen Fahrten begleitet; sie sind besonder- -ahlrdch im Winter in Spanien, und einmal kreisten 5 Stück um mich. Bussarde, die mit scheinbar unbeweglichen Flügeln dahin- gfeiten, finden sich häufig über Gebirgsketten. Diese Weister deS Gleitfluge« erreichen große Höhen, indem sie sich von den Luftströmungen trdben taffen. Schwarze und weiße Störche, die langen Beine hinter sich ausgestreckt, kreuzen gelegentlich den Pfad deS Fliegers über Holland und Rorddeutschlattd. Adler segeln majestätisch über hie Alpen unb schenken dem Menschen und feiner Maschine geringe Beachtung. Man muß sich besonders vor jungen Adlern sehr in acht nehmen, um ihnen zur rechten Zeit auszuweichen, wenn sie Io daherschteßen, denn ein Zusammen­prall ist für Heide Teile nicht ungesährllch. Zug­vögel benutzen für ihre großen Wanderungen hauptsächlich die Rächt, wahrend sie bei Tage Rahrung suchen und ruhen Oft habe uh bei nächtlichen »lügen ihre Stimmen gehört: da« -arte Gepiepse der einen und die wilden Schrde her andern, wenn sie über die uralten Weg- linien, mir dem Instinkt folgend, zogen. Rur bd mondhellen Rächten ziehen diese wandernden Schwärme in größeren Höhen einher. Zch möchte es für dn Gesetz halten, dah Vögel niemals über Wolken reisen, und bei nebligem ober regnerischem Wetter gehen sie bis dicht über den Boden herab. Dre Abneigung der Bögd gegen die höheren Luftregionen wurden mir deut­lich bd einigen Brieftauben, bie ich ein­mal von dnem Ballon ablieh. Vögel, die in Höhen von 1000 und 3000 Fuß auSgesetzt wur­den. flogen sofort davon, aber andere, die in dner Höhe von 3000 Fuß freigelassen waren, flatterten nur um den Korb des BallonS herum und gingen erst auf ihre Reise, als wir in niedrigere Luftschichten herabgesunken waren."