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Br. 2f5 5melf« Blatt

Siebener Anzeiger (GenerafAnzefger für Gberheflen)

Samstag, 17. Dezember (927

In deutschen Dörfern an der Wolga.

Vsn Konten

3»|<f Pont««. bvt betanrtr 6*rtf:t«U«r. arbeitet ort r.nrm groben lonan in be* «r die Urnxaund Der ®rnr<4xr Aber «tnen groben leU der @rb< frir. ju unternimmt. Der

Xoown Iptrit tum grobe« Xril bi Xufr- Uiab. edirr Tlfbert-blad leinet Sriidim t* den beu-.k^en Wolga tvlonien II die hier Dertt'milubff Schilderung bei Inllmen Tor^-hcn» an bet Wolga Gtn Mix im Auslatz wird von bet Einstellung bet WoLgadeullchm 5001 Xlrdoflee sprechen.

Da wohnen bük Deutschen ta den stillen, stillen Tartern, oul dem hoben Bergu'er bteilett*. ans bem (lachen Wksenuler |enleü< bet W.flQ. und frier bi» In btt Kira'lmfteppe fr.nein Tte- mal» lab ich Io stille Dörfer Aus bet weiten russischen «bene ströntt Still«. Da gtbl es keine Wälder aus benen Analog tönt. nut einiges Buschwerk ziemlich entlegen von den Mcu- hmgm fein Berg ist da von bem der Ihm- pachllch« L-arm eines Dors es widerhallt. In den DerMlrahen kommt kein Ccho oul von frufrr- werk ober BiehgebtüU. benn bl« Häukr linb nietrlfl und bi« Straften sehr breit, russisch breti bas weite Land erlaubt es und bie Feuersgeladr macht für bie froUetbautm Häuser tatfarn; Mt Stroben sind nicht befestigt, nicht gepflaslen ober motobaaiillerl. bie Wagen fefrree RUI in bet staubigen, muligen «rbc in bei beeilen Stroben lieaen Ne weiträuinigen Gehöft« an La um ist ja kein Mangel, es woh­nen weit weniger Menschen auf bet vieblungs- fläche als oul bet gleich groben Fläche eines unsrer Dörfer; nicht alle Dörfer besitzen eine Kirch« so haft baS Geläut bet «loden oft ftfrir und haben 11« ein« Kirch«, so haben manche keinen starrer, bet Plärrer kommt von Zeit zu Zeit aus bem Aochbardors was man 'o w Xufilanb ^Aachbar"dors nennt; unb H« haben keine Schenke, aus bet Sonntags Singen unb Gegröle tönt, keine Wem-, fr.ne Bier-, keine Branniweiul-chmke. nicht einmal ein« Teestube (oul) ft bi Wirtshaus. In bem man untrrlvmmen könnte), unb keine Schützenwiek. VON woher «s Sonntags so lustig knalll; und Hütten sie leeftube. Branntwein schenk und Schützrnw.es« - obgleich bie Deutschen &um gröstten Xeü von gerüufchvollen Ahein- und deutsch«) Westlündern abstammen, mir scheint, lie linb ziemlich phlegmatisch geworden, wenigstens fand ich He so. vielleicht hat her Charakter des ebenen Landes mit beiner Schwer­mut und Welancholi» doch den Charakter dieser deutschen Menlchen beeinflustt und ein wenig gewandelt

3n einzelnen deutschen Zügen flnb fit un­leugbar Busse n geworden Ihre Häuser sind völlig russisch«. CMe unterscheiden fstch In ihrer duhrrm Formgebung in nichts von denen rein- rufsilcher Bachdarbörfer. auftet vielleicht durch eine wohlgefällig« gröber« Sauberkeit und Or­dentlichkeit Ich bin immer mtftirausch bei Beobachtung «Ti. In M« Pa tnvtismu» frinein- sp leiem kann, aus Sauberkeit des Geistes, aus «Furcht, der Patriotismus könne die sachlichen Beobachtungen hin die Wahrheit fälschen; in e*nea Falle jedenfalls, als ich aus einem Leiter­wagen aus einem telndeutlchen Dorf In ein reinrufsl'ches Dors fuhr, wenn selbst der Grob- Hl dl Td:olal Bikolajewitfch. dieser Allen s«. All­slawe. bei mir gewe'en wäre, er Hälse den augenfälligen Unterschieb zugunsten des deutschen Dorfes nicht leugnen können. Aber bi« böliernen Häuser klbst. ihr Grundrist. chr« Architektur, ihr Schnitzwerk an 3 en ft em. ®ie- beln unb Hof toten alles ist so wie in den rus i'chen Dörfern. Das kommt wohl daher, bah den Einwanderern in den sechziger Jahren des achtzehnten Iahrhunb.-tls von bet russischen Ne­gierung und durch russisch« Beamte Häuser e t stellt würben lodet doch erstellt werden soll- ton), bk Begierungsoorlorge wird dm Stil be­stimm, haben. Was bem Grundrist unb bie ar- chiteklonilch« Aaumorbnung angeht, war es ge-

wih bas Aechte, beim blefe Heb an rulftschen Haufe brn l.ina. Ichen und geographischen Be- 0 6 r f n IU e n bet Landes angepastt ent­standen Aeu'änber in Land« muhten die Oe- ktze der ... .ut b«s Landes annehmen unb konn­ten sie nur beherrschen indem he Hch ihr füg­ten. Deutch« Hausior?nm hatten betr. unge­wöhnlich freiften rulliIchen Sommer und dem ungewöhnli.ch kalten russischen Winter nicht eNt- 'prvcheTi. Da ist z. B als wichtigstes Arch.- tefturriemmt des tulli'chen Hauks der Ofen, im Winter ist et Le-^<ns^uelle Herd unb Altar des Haukes, alles oru^rlett sich um ihn, man l)t aa ihn «lefrnt und wenigstens bie Aussen chlafm au* ihm (in bm deutschen Häusern sah ich regelrechte Betten: «hebenen. Kinderbetten CeHnbebetten). 3m Sommer aber hält man es in einen Raum mit Ofen und Herd nicht aus. im Hof ist ein besonderer Oen aus Lehm, der ji her Hitze ste.nhari trrrb. kunstvoll und ptak- tich eingerichtet (et wächst ort den Bedürfnissen, brauch« man ein neues Feuerloch so wird es Un nassen Lahm bet Gelamtarchitektur des Ofens an- und eingdügt) und ein besonderes Haus, leicht und luftig, das Sommerhaus, ist um ihn mtftanben. In dem di« Familie sich den Tag über aushält, bie Haus'rau kocht und han­tiert. die Männer ff en. di« Kinder spklen: und nur zum Schlasm geht man hinüber ins Winterhaus welches bas eigentliche Haus bleibt

Richt einmal Kaufläden hab« ich in den Dörfern. In denen ich war. gegeben, di« Wirtschaft jedes einzelnen scheint sich selbst zu genügen, auch Hufschmiede. Stfllmacherei unb Wagnerei. die In keinem Drrs In Deutschland sehlen. erinnere ich mich nicht, aefehen zu haben. Di« Hausfrau bereitet mit ihren Töchtern im Sommer di« Borrät« für den Winter vor. auf dm Dächern werden Im langen, frei hm Steppmfommer Apsel- (chnitzel und alle Kernfrüchte geltodnet, Tabak- blätter hängen In Guirlanden. bi« Arbufm (bie Waisermelonc >) wer dm zuhaus« für dm Brot- ausstrich eingekocht, und In jeder Familie scheint von dm Zraum bas Brot selbst gebaden zu tperbm. 3m achtzehnten 3ahrhunbert wird es in Deutschland kaum ander- gewesen sein, mir scheint, diese Deutschen dort brausten sind in ihrer Abgeschiedenheit von der Well aus der Wirt- schastsstus« des achtzehnten 3ahr- Hunderts stehen geblieben und daher mutet ihr Leben so austerorbrntlich altenümltd). altmodisch unb fast fossil an. Mir scheint, wer beule sich ein Bild von bm Zuständen im deut­schen Dorf zur Zeit unserer Urei lern machen will, er könnte es In Deutschland nicht mehr, nur noch bei den deutschen Bauern an der Wolga finden.

3st das bet Grund, weshalb mir, einem Abkömmling von Bauern, bäuerliches Leben mit all feinem Aeiz und all seiner 3dyll« und aller land- und erbgebunbenm Echtheit seiner Lebens- sormrn nie Io mittelbar und überzeugend sich ge- ossenbarl wie dort drauheu an der Wolga?

Die Männer arbeiten aus den Feldern. Sie säen, sie mähen, sie ernten und dreschen Dresch- tmnen und Scheunen sah ich feint, die .Frucht" (so lagt auch dort braufoen der Dauer noch, wie unter rechter Bauer, statt ItLdtisch-modern von Getreide" zu sprechrn) wird drauhen vor dem Dors In ho hm Mieten ausgestapelt und ver­arbeitet. Was man den Winter über an Stroh oder Blehsutter braucht, wird von der Miete adaeschnittm unb hereingcbracht. Auch das ist russischer. Brauch, aus Land und Klima gewor­dener Brauch, denn in bie'en Steppen ist der Winter Atoar kalt, doch auch lchneearm laber auch In den Ichneereichen Landen des -mtralm Auftlands hält es der Dauer nicht anders).

Hur die Kirchen in den Dörfern sind sremdläntl ch< G b L« 3n e.nem rus l chen Kirch­bors ist d>e SUt^t« ein bvzanltnilch-rus'l.cher Dau. blodig. mit Kuppeln b« etzt. die meist grün und b'sweilm goldsarben sind uib die Kreuze darauf find mit Äettm als Windltütze gehaltm. nebenan steht der Glodentutm ober der (offene) Glockenftuhl. Zwar auch im deutschen Dors schwingen bie «loden nebenan in kunstvoll unb

statisch abgeststtztm offenen Stühlen, mag lew. daft die auch aus Holz erbauten lürme der Älrten nicht stark genug für Gewicht unb bi« Schwingungsmechanik der »loden linb. Aber bet Turm '«löst ist ein regelrechter Turm west - ländischer Fotmtnig. bockig tn sich ver­jüngenden Stodwer.'m errichtet, bi« mit enter kleinen grünen Kuppel ober Zwiebelhaud« Ichl.c- hen unb das Ganz« en bei in einem freistehenden vergoldeten nadien. g rohen, protestantischem Kreuz (Ich war nur in protestantischen Dörfern). Unb her Kirchenraum dahintereibft ist ein rechtedieer hoher frölzemer Saal, mit kreuzdektz- tem Altar, mit grober Kanzel für bie groben, mit kleiner für die gewöhnlichen Gottesdienst«, mit Bet pult des Predigers dm Sitz- «nicht Knie-, bänkm und dm Tafeln mit dm 3afrlm der Ge'angbuchvers«. bie beim heutigen Gottesblenst zu fingm find, rechts fitzm bi« Männer, links librn die Frauen vorn bi geschloffenen Dänken die Gemeindevorsteher unb di« Aeltestm unb eine Orgel »ft da für bie Feste unb ein Har­monium für bie gemeinen Sonntage ganz wie brühen im Reich in dm rellgiös rclnhei Ge­rne! ndm eines geographisch zusammenhängenden Protestantismus. Die Kirchen linb Im klassi­zistischen Stil gehalim. dem Stil der in der bie Auswanderer Deutschland verlieben mir scheint, auch neu« Kirchen würden sie nicht anders kleiden, unb so ist auch in dieser Hin­sicht bie Zeit stehen geblieben.

Mb groben, schwarzen. In die Achs«! gleich einem Knüppel Holz gellemmten Gesangbüchern, aus die einfach« grohe Kreuz« in Gold aus- gebrüdl find, pilgern bie Gläubigrn zum Gottes­dienst während des stürmischen Geläutes, das die Dorfbuben auf bem o'.senen Stuhl mit Kraft

unb luftiger Hingebung veranstalten. Die Weiber "ännern aber nur die alten, bie jüngeren treten brausten auf der Trepp« zufammm zu einem sonntäglichen Gemeindepalaver. Ile Hnb m t altertümlich schwav» »m Kleidern angetan unb tragen grob« runde, tppifche. altmodisch« DavernfiiA« Die wir last nur noch von alten Bildern her kennen, ober Kappm mit Schirm «es sollen alte hessisch« Typen fein eine Kappen iabrik soll sich gletch nach der Cinwanderung tn einer benachbarten Stadt zur Herstellung die'er hekllfch-deutfchen Kopfbededung aufgetan haben). Ganz leiten trägst ein Bauer Im langen Rod e.nrnal russische Filz­stiefel. bie meisten aber echt«, schwarz« frohe, gewichst« Schaftstie'el. Die an den Älännern not* belichte tenten trauen und Mädchen flnb mit weiten steifen Rödm unb mit Kopftüchern

unb nur bie Mädchen in bunten grellen Farben, aus welch« russisch« Sitte «ingewirkt haben mag.

Aber da kommt der Pfarrer aus bem Pfarrhaus« her geschritten Im schwarzen Kitt«! mit Befschm. ober er kommt auch angelobren aus bem Sprengeidori. oder es schreitet auch nur der Schulmeister aus dem Schu.haufe her. bet an Stelle des Pfarrers ben Gottesdienst beute besorgt auch bie Männer treten aus knarren­den Stiefeln aber di« fnartenbm Holztreppen und bi« Dirien des Dorplatzes In b.e Kirch«, bie Türm I«blieben sich hinter dem Schulmeister, das Geläute verstummt unb von drinnen tönt der schrill« Gelang des wetdlichen Teils der bas Cingangslted singenden Gemeinde unb bi« laut« Stimme des betenden ober das Gvangeliurn und eine Grbauungspredigt aus einem Buch vvr- lelenben Schulmeisters.

Wallstreet und Lombardstreet.

von Dr.- Walter Hagemann.

Drei Männer fombollfkrm bm Ausstieg der Bereinigten Staaten 'Lashinglon, Tlonroe unb Wilson Der erfte mochte üu» her Kolonie ein Keich, der zweite legt« lein« Hand aus den ganzen Kontinent, der dritte macht« do» Mutterland Europa lributpfltchllg. Ulur ein» hundertuichfünszig Jahre brauchte bi« Union für diesen gröhten nuffheg der Weltgeschichte, länger wtrb Europa brau«hen. «he e« sich an die neue L'oge der Ding« gewolmt hat. 3n Nordamerika ist «m neue» e'.hnagrapgische». wirtfchostlich«» unb poli­tisch«» Äraftjmtnnn entstanden, wir müssm un» die Vorstellung ado«wohnen, al» wenn Europa noch da, Herz der Welt sei.

Nicht allen Europäern wird do, leicht fallen. Deutschland am leichtesten, weil sein M-icht- traum kurz unb da» Erwachen bitter war. Frank­reich schwerer, benn e» beherrscht militärisch bm Kontinent und nahm einmal uir See den zweilen Platz ein. England am schor«rsfen. benn Irin« Flagg* triumphiert« drei dabrfrunbert« auf ollen Ule«reit DieBalance of power* In Europa gab ihm freie Hand in der übrigen Well, und die Äon- troll« der fremden Kontinent« mar do» Grund- tfriom her «ngllfchm Politik Hl» Amerika wirt- schalilich wuchs. Loderte sich der angelsächsifche Weltdau. unb ® a 11 ft r « « t begann bie Corn- barbftreel abudoien. Al» Per erste omert- kamsche Soldat auf ben französischen Schlacht sei dorn erschien, begann auch bas Äe 1 ste Hau» über Downing Street ju siegm. Da» Äroftyntrum verschob sich über ben Ojean. und bie Wirtschast»- gebiete der Welt begannen noch Nordamerika hm- überxun eigen.

Man muh da» tm Hupe dehallrn. um England» neu« Stellung zu Europa und der U. 6. H. zu begreifen. Geiste»- unb iÜÖlkergefchichte lehren un». bog England und U 6. A. ob Protagonisten Zweier Hemisphären notwendig irgrndwi« Geg­ner sein müssrn. Dieser natürliche Wettstreit kann durch Blut»oerwandtschiit gmuOkrt. doch nicht beseitigt werben, bmn Blut ift nicht dicker al» Daskr. und vor allem sind Wirtfchaft»inter-

essen mächtiger ab Familiendande. Dazu stärkt s'ch gerade nach dem Weltkrkge in dem Vvlterkonglo- 1 n«rat ?lorbam«rikae eine Bewegung, welche bk kugn«L Der Kampf um da» Del. ben Kautschuk, bie Baumwolle, waren bk ersten Scharmützel eine» Wirtschaft»- fnege», weicher bk tomenenben 3>hrzehnt« ersül- kn wird 3n diesem Wettstreit hat sich Nordamerika dem durch bm Krieg geschwächten englischen WIN- schastokorper weit überlegen gezeigt: Ame­rika ift freute durchaus ein« Sphäre der U. 6 !L; in W« st Indien herrscht bw Union allein. Ka­nada wächst immer engte mit ihr zusammen, in Südamerika aewinnt sie ständig an Boden. Der Kampf um Asien wird in China. Indo­nesien. im Irak mit wechselnden Erfolgen odüfrrt Leibst nach der afrikanischen Kolonie, bk gröfrkrteib englisch ift Nordamerika frlr> über: Dem Hnteil der arnerikanlschm Hochfinanz an bm Pkinenunkrnefrmungen Südafrika» unb de» Kongo stellt sich bk Tätigkeit amerikani­scher Missionen, amerikanischer Kegeroropaann- bi,ten nxrt|am zur Seite. Da» abessinisch» Dammdau-Projekt fral einige Tage lang Im Foreign Office Krisrnstimmung erzeugt. 3n Europa sieht der groste Lchattrn be» Oloubiaer» U 6. H. frinw ben Sesseln ber Miniskr und Märt bk oom Kneg ohnehin erschütterte ..bahnet of power*.

Wir vermeiden e» In Europa unter bm entsetz- lichen Erinnerungen be» Weltkriege», den Krieg beim Namm xu nennen, unb überall sind Kräfte am Derk, einen Hriebene piftanb von Dauer Au fch'.sfen. 2n Ämenka ist man nicht durch b»e reinigende Ko- tfrorfi» be» Hrmagebbon hirchurchgegangen. unb bk allgemeine Prosperität frjt «In gewaltige» Kraft de Wohlsein erzeugt. Da» bedeutet durchau» keinen Krieg»willm, denn Amerika ist ooröiegmb wirtschaftlich orimtiert unb her­um grundsätzlicher Feind aller tmrtfd)ofl»flörtn- dm Plahnohmm. Hl» au Herste» Dr 0 hmttlel gegm ben Konkurrentm Ipklt aber die KrimomSg» iichkeit in den Keben vieler amerikanischer Staat»- männer rin« Rolle. Huf der Konkurrenz In Da»

ttzießener Gtabttheater.

Kritik Laifrn: ..Tab ftärtrrf Band-.

Cs war «in gründ.ich verlorener Aömd. der beffer hält« angewandt werden können llnbe- greilllch. tr«e man batoul oedallm konnte, vor einem so Ipott ch'ech:«n Stück den Zuschauer ge- fchiagen« imc e nhalb Stunden knj bjr.ibet nach- benfm tu lassen, warum man bann nicht lieber gleich .Wt-He d^ldero gmommm hat oder sonst irgend einen franb eficn Aelber. fr.-r wrnigstens nnfehldar aufs .Gemüt" und aus b.e Tränen- bcüfm wirkt .. , .

Dies frier wirkt nicht einmal au's Gemüt, «s Ist einfach lanawe'.l'g (Unb Langeweile Ist die aNerunverzeihlichst« Sünde wid.-r den G.-lst des Theaters 1 Man fragt sich beklommen. In welcher schwachrn Stund« F.N« Salten, der uns vor gar nicht langer Ze t eine re z nd« Ti^rge ck.ich:e aus dem Waid« be'd.«tte und auch sonst Beweis« von Ta'rnt unb Geschmack geliefert hat. in welcher Anwandlung er gelinde g agt) das Selbstgefühl aufbrachte. d:ese drei Xte als eine Komödie auszugeden. Gin Stück, das ein ganz dünner, zweiter Aufguh der .Kvnlli te . der Sentimenlalltäten und der oerwä s.rt n Stiw- munasma'.erei von .Alt-Heidelderg ist.

Wenn Salten wenigstens dm Mut zum glatten Kil'ch und zur entschlofknen Attacke auf empfindsam« Seelen gehabt hätte, die sich nicht weiter um RetwrndigieCen Da r che n ich eit n und menschlich« Chara.'ierc lümm.rn sondern bie ein Stuck danach beurteilen, ob es .flut* ober schlecht" ausgeht. ob es rührend ist. und ob fie sich kriegen!

3ber sie kriegen sich, ber Erbprinz und bie Deine Schneiderin, bi« noch dazu ein« ganz arme Walle ist Saiten macht überall Komvr? n 11. er traut lich nicht. Äonfequen>m zu ziehen e.nc Situation Io zu End« zu führen, wie man es erwarten kann, dem Zulchauer t».rb die Sache dadurch nicht erleichtert, dah bie Hau. t e: onm mit einer bemerkenswerten Hartnäckig e t alle zwei Minuten das Gegenteil oon b:m sa;en. was sie zuvor tm berühmten Brustton der äleberzeu- gung von sich flegebm haben. Bedauerlich ist aufrerbem. in welch schlechtem Deutsch fie es

sagen, in was für einem ledernen, trivialen unb geschraubten Stil Ile ihre Widersprüche zum bestm geben. iCin Lakai empfängt leinen drin­genden Austra»', mit ben wuchtigen Worten »Saus« wk der Blitz f)

Die 3nha.tsangahe kann 'Ich aus die Haupt- abweichungm von .Alt-Heid«.berg" belchränirn. dort hnb es lünl Al e hier, zum G.ück. nur drei; hier triebe 1 fie sich. Zwar nur linker Hand so nennt man das ja wohl. aber mehr tonnen Ile billigerweis« nicht verlangen, da sie bereis Au'ammen lebten unb Atoei .natürliche" Kinder haben. Während .er" hie: Georg hei il unb e n wi der Hularenleutnant ist. i.anb ,ener im erfim Semester 0 alt« BurlchenherrlichkeitI unb wurde Kar!-Heinz gmannt. Dort starb der Alte, frier dankt er freiwillig ab um lerne Auhe ya haben und um bem Jungenben Abschied leichter zu machen"

Wir wissen nicht, nach wieviel Probrn diese Auf ührung von Teleky herau^gebracht wurde: TU war flau und stimmungsivs im Tempo te ls oerf * ieppt teils überstürzt, hvipri, ün Tess., un- sicher in bm Sinläzen; insolgedeslrn eine ver­nehmliche Mitwirkung ber Soul .ej'e.

Dom Cn'emble am bestm Susanne H « tz m. bi« ihr« Käthi-Aolie mun:«.- und angenetn fr.lch begann, nachher aber, wo eso sehr daraus an- loctmi unch davon adhä gt. die W^-rm« und Herzlichkeu vermi Im lieh, bl« bvch von der £igur aus^e^rn toll Hennig gab den schrecklich «er­fahrenen unb unrei ei Erbprinzen mit einer Pa- therU unb einem Gefühisaufwanb. der tie S^wächrn des Stücks nur hervrrzudebrn ge­eignet war. Auguste Marcks fra..e bi« wirklich undan!bure QLufcob« b,e a. « Herzogii zu 'pielen bi« wie Ile nun einmal in dm drei Akten um- geht nur mit dem harten W?rt albern be­zeichnet ter.'en kann, unb bie ich dabe> noch am End« al» eine .gute S<«^" entpuppen bad indem ic bi« bei dm ht.slo en Li« am dm man auch inker Hand unter bl« Haube bringt Sold war ber Herzog halb Pa.tof ei.,«ld. halb Polterer, im ganzen bai neuerdings w eder zug- kräflige .Romedei bei deutschen Duodezfürsten.

Es gab Bei all nach allm drei Akten.

Dr. Tk

Weihnachisschosten Weihnachissonne.

Bon Professor Dr. Äüflermann.

(Aachdrud verbotenk)

Unter dem Deifrnachlsschattm versteh« ich nicht ben Schatten, ben alle groben Sreignifs« vorauswerfm. bmn bann könnt« man wohl «her von einem Licht sprechen, das zum Welhnachis- setz zum minbeflm in bie Äinbtrletlen fällt 2lein. ich meine vielmehr ben wirklichm. rich­tigen Schalten, den bei Sonnenschein all« Gegen­stände um bie Weihnachtszeit mittags wer!en. Dab dieser Schatten wegen des niedrigen Sonnen­standes viel länger ist als zu anberen Jahres­zeiten. we b wohl lebet. Aber vielleicht ist doch mancher überrascht, zu hören, wie lang dieser Schatten ist. nammtlid) aber, vk schnell sich dies« C4)aUcnlänge ändert wenn wir uns auch nur em wenig von Süden noch Horben be­wegen. C.n Siad von 1 Meter Höhe wirst in München einen Schatten von 3 Meter Bärge, in Karlsruhe einen von 3.17, in Dresd- von 3X50. in Berlln von 4 Meter unb In :gs- txrg von 4.S0 Meter Freilich ist es ru^t so leicht, diese Schattenlänge ganz genau zu meßen, denn abgesehen davon dab bie Spitz« wenigstens bei einem schmalen Stad schon recht unscharf aus ullt. so muh natüradj auch der Doderr auf bm bet Schatten sällt. oölltg eben fein. Stellen wir uns vor. dab et etwa ou* 1 Meter um 2o Millimeter an'tcigt oder ab ällt was wir Ire! ch bei ein ger Auimertfamkelt schon merken würden. so würde das schon vcllig t nre den un den Unterschieb bet Schaiten- lüng« in Berlin unb Dresden au zuhebm. Au einer c.n.g:rmaf)en fle-iaum Mel u g müstte man also lck»on eine Wa> er®egt -uhilk nehmen. Amwethln würde es möglich sein, bei einiger Vorsicht r.nm Unterschied bet Schatt en längen, bet etwa dem dritten Teck der öntfemuna zwischen Berlin unb Dresden entspricht, auch ohne besondere Hck smittel festzustellen; schon bei einer Wanderung von S5 Kilometer nach Aorden oder Süden wirb also eine 2Lenberung

bet Mittagsschattenläng« zur Weihnachtszeit be­merkbar. Anbere 3ahreszeltm sind natürlich weit veniaer günstig, denn beispielsweise zur Zett bet Lag- und Aachtglelch« ift die Schattenlänge eines Meterstabes zur Miticigrzeit in München 1.11 Meter in Karlsruhe 1.15. In Dresden 1.23, In Berlin 1.30 unb in Königsberg 1.41 Meter, unb zur Zeit des längsten Tages betragen bk Zahlen nur 0,46. 0.48. 0,52. 0,55 unb 0,61 Meter.

Währmd sich al'o ber Deihnachtslchalten sehr schnell ändert, wenn vir In nordsüdlicher Äidbtung reisen, ist seine zeitlich« Amderung, natürlich am leiben Ort betrachtet, besonders langsam. Aus einet geographischen Breite von 51 Grad, d h ungefähr aus ber Linie Köln- Dresden Breslau, ändert sich der Weihnachts- 1Cfratten von 4 zu 4 Tagen, also etwa vom 15. zum 19. unb vom 19 zum 23. Dezember von 3,54 zu 3,53 zu 3.59 Meter, also kaum merklich, während die rntsprechendm Zahlm zur Zeit der Tag- unb Aachtgleiche 1.14 Meter, 1.21 Meter und 127 Meter sind allo seht bedeutende älntetsch ede zeigen. Zur Zeit des llngstm Tages muffen wir gar den QKillimclcrmafflab nehmen, um innerhalb 4 Tagen eine Aenderung der Schaltmlänge festftellm zu können, bmn hier lautm bie Zahlen 0527 Meter 0523 Meter und 0522 Meter.

Aber glücklicherweise ist bie Amderung bet Schattenl^ng« nicht d e einzige Möglichkeit, ben Fortschritt der Jahreszeit zu ver olgm. Die Berichiebung des Unl-rganfl8runfte3 ber Sonne bis zum kürzesten Tage nach l nks unb von da ab nach rechts ift dazu ebenso tauglich Wer eine Wohnung mit leiblich freiem Horizont hat, feilte nicht txrläumen. seine Kinder zu bie er urgcTT.c n ein achm und hübschen Beobachtui-g aniufralkn Wir wm'.gstenL fral die QJetfoI- gung der .WeibnachtSfonne" Immer grobe Freude gemacht als mir meine Mutter vor 40 Jahren dielen ersten Anschauungsunterricht bi der Hirn- rreühmb« erteilte. Aevm anderen und wich­tigeren Dingm hin ich ihr auch dafür von Herren dankbar.