Einzelbild herunterladen

Nr. 269 Zweiter Blatt

Giessener Anzeiger fGeneral-Lnzeiger für Gderhefsen) Donnerstag, 17. November 1927

Stalin und Trotzki.

Don Dr Äettadt Hessen-

Dor turpem brachten tu Dtarier bi« Rach- n*t. bat die briben&ro der tommunift.'chen Oppo'üior. Trollt und Sitzvwj «w au# dem .-wtc'..onvdct der russischen lomtnu- nist »schen forti aulgeschlossen worden srnd Vieler Vekchlust wurde In einer besonder« angtfrtttr. ö^unfl fldafjt. tn dem Augeichlick. all du Low) erregt. ru>w die prunkvoll« .^eier chre« lOMrtarr> h.brn» vorbereitete. Dach langem Abwägen und Zögern kam der allmäch- rige Wann de« heuigen Ausland«. Slatin, zur Ueber^ugur^ r-on der DoNvcndigteil dieser Mastnahmtn und segle ihre Durchführung durch. Und trotzdem 'u für ntnnanb uneroottti ge­kommen ist. trotzdem man Tag für Lag aus sie wartete, bat die .'lachrlcht nicht nur im Lande selbst, fordern weit über feine Grenzen hinaus etnen gewaltiaen Glndruck bervvrg«ruf«m Venn die^e Mastnohm« Staltns betrti'l Männer die non Anfang an mit an der Spttze der Sowjet- TtaUT-nfl gestanden die an der Defeingur.g de« nu» mit gröstrer teilgenornm«n haben

T r o tz l i die rechte Hand Lenins, des ..roten 3oten". schiebt sich schon von den ersten Lagen des Oktvderumstur^ an in die vordere Rech« Ihm wird die Derteidigung der jungen Sowjetrepublik gegen die 5r.nl* anvertraut er wird mtt der Organisation der Dolett Armee beauftragt Mtt übermenschlicher Äratt geht er an diese Arbeit 3n dem unerhört grausamen Bürgerkrieg behält das boi'chevistttche Heer di« Ueberband. Trvyll selbst tkl als Oberbefehlshaber überall. 8t Intet die mililLri'chen Operationen, beaeiftert die Lrupprn. erobert sich eine auster- ordentliche Popularität

Der Bürgerkrieg ist glücklich für die Sowjets beendet Das Land muh zur friedlichen Wieder- aufbauatbrit übergehen. In diesem Augenblick stirbt Lenin. Auf seinen Platz wird gegen den Dillen der Mehrzahl der Führer ein hosf- nungslofer Trinker eine gänzitch unbedeutende Persönlichkeit Dy los s zum Vorsitzenden des Dales der Dvlkskommi'sare gewählt Alle Wilsen und fühlen dah Dylols nureinSlroh- mann ist. dast hinter chm ein neuer (Gewalthaber stehl, der keil dem Lode Lenins allmächtige Se» krelür des Aentralkontitees der kommun, st t«chen Partei der Georgier S t a l l n - Djugaftchwilt. Doch bei dessen Leben spielte er eine der erl'.cn Geigen, aber die grenzenlose Verherrlichung des -.roten Zaren' gestaltete ihm ntcht. aus stch her­aus zu gehen, zwang ihn. in btt zwr.ten Deihe zu Dletben Aber als Lenin stirbt, fühlt Stalin, bah seine Stunde gekommen tst. dast er nun an der Reche ist. seine Macht zu zei- aen Dor allem must er sich seiner Rivalen ent­ledigen. Unter ihnen an erster Stelle steht Trotzki, gestützt auf die von ihm ge'chalfene Rote Armee. gelingt Stalin. Trotzki» Der- letzung vom Amt des Äriegskommtssars auf einen Verwaltung »Posten durchzuseyen. ör kommt an die Spitze des Äonzesstons-Äomitees. Mit ver­doppelter Ärafl und Sncrgie geht er an keinen neuen Pflichten Stalin sieht, dast es ihm nicht fv leicht gelingen wird, sich leine« Rivalen zu ent- lekrzen um 'o mehr, als dieser viel« Andänger bat und keine llnrufrtedenhett mit der Stalin» schen Politik nicht einmal zu verbergen sucht.

Zwi'chen den beiden Svw.er-Mächtigen be- ein Kamps bi« au'« Messer Trotzki nimmt jede Gelegenheil wahr, um öf'en lich die Polink seines Gegner» mit beleidigen"«n 2t«? en he runter- Autetfien. 8r tritt in Arde'terver^amm langen auf. spricht in den Satzungen de« Zentralkomitees der kommunistifchen Partei, dieses höchsten gesetz­gebenden Organ» des neuen Rustland. Gr be» endet feine Reden mit der Parole -Dieder mit Stalin!", lagt, dast Stalin da« Land zur Katastrophe führt. Aber auch der andere schläft nicht. Cr überhäuft Trotzki mit in'amsten An­klagen und unternimmt al.es Möglich« um seinen Gegner endgül rg un'chidUch zu machen Unb hier must man w.flen. dast Stalin ein Mensch ist. der kein« Hemmungen kennt Sr ist zu allem fähig. Schon in den Zeiten de« zaristi'chen

Regimes wurde er ja dadurch besannt dast «r an einem Raubüberfall au* ein Prvvinzpostamt tnlnabm und dafür ms Zuchthaus kam 8in solcher Menkch wrrd natürlich vor e.ner blutigen Wrechnung mit kernen Gegnern nicht surüd- schrecken kerne Furcht haben, keine Feinde aufs Schakott zu dringen. Unb wenn er es jetzt nicht lut, so hau er ichembar den Rugendlick dafür roch - -l>t für gekommen Gr empfindet noch du Macht Trotzki« fühlt, dast ihn eine Unvorsichtig­keit teuer zu stehen kommen kann. Deshalb be-

schr. nkt er sich auf Mastnahriun. wie die Aus- kchlrestung Trotz!» aus dem Xomtrucrr. unb aus dem Zentra, konnte« der kommunistischen Partei.

Aber der rus i'che g Thermidor ist nicht fern. Gtn solcher Zustand kann nicht lange an- dauern Und wenn di.- Äöpke der bedeutendsten Sowtetführer vom Scha'ott 'liegen dann werden d:e Taae der Ststoieirepubli! gezahlt sein Mit den embaupictex Fahrern wird auch das gant« Sowjet^ystem zusammenstürzen.

Das Reichsschulgesetz im Ausschuß

Um trm Leier eine wirkliche Ueberltcht über die Verhanblungen im Blldung^aue^chuft des Reichs­tage» zu geben, bähen wir Herrn Geheimrat Dr Runkel gebeten, uns tn bestimmten Zwischenrä ,men eine zusammenlas lende Darstellung der Verhandlungen zu geben Der portifflcr.be erfte Artikel Mit da» Grgeänis der allgemeinen Aussprache zusammen.

Die allgemein« Aussprache über das Reichs» kchulgesetz im Ausschust war zum Teil eine Dieberholung der cllgcmiinen Aussprache im Plenum des Reichstage» Der gröstte Teil der Debatte wurde von der Opposition bestritten. Da'.ei kam es zwischen den Sozialdemo­kraten und Äommuniften immer wieder, von letzteren veranlastt, zu parteipolitischen scharfen Auseinandersetzungen bi« schon ganz unter dem agitatorischen Bedürfnis künlt.gcr Dahlrnache standen Die Äommuniften warfen der SPD in religiösen Dingen Unentschieden­heit und Halbheit vor. Pflege des religiösen, sogar des christlichen Gedankens, während sie im Gegensatz dazu die atheistische Wellanschau» ung verträten unb auf dem Boden materialisti­scher Geschichtsaufsassung ständen, hierfür die un­entschiedene Arbeiterschaft zu gewinnen, sei ihr« Ausgabe Ganz ausfallend war das Bestreben der sozialdemokratischen Redner, immer wieder den Toleranzgedanken gegenüber Religion und Kirche zu betonen. Auch hier werken künf­tig« Sreignilse von Reich und Preußen ihre parteipolitischen Schatten voraus. Dur nicht un- zellig Töpke zerschlagen unb die Möglichkeit zum Zusammengehen offen lassen.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen den Opposition«- und den Regierungs­parteien stand die Frage der Verfassung«- gern ästhell des Gntwur's. Hierbei richteten sich die Angriffe der Opposition hauptsächlich gegen das Zentrum als der Mitkoalttions- partei von Weimar. Führend war hierbei di« SPD Ci« wars ihm vor. es wolle vom Wei­marer Schullompromist herunter, was au« seiner veränderten Stellungnahme zum Gemeinkchafts- schulprobkem hervorgeht Ss negier« da« zwi­schen Sozialdemokratie. Zentrum und Demokraten damals abgeschlossene zweite Schullompromist. worin als Zugeständnls an die Demokratie der Gemeinschastsschul« eine Vorzugsstellung unter den übrigen Schulsormen eingeräumt kl Wie dies auch aus den Erklärungen der in Weimar an dem Äompromih beteiligten Führer des Zentrum, der Abgeordneten Gröber, Bur- lag«. Hintze und Mausbach hervorgehe. Bon auch für bi« Gesetzgebung aus klärender Bedeu­tung waren dabei die Ausführungen des frühe­ren Staatssekretärs Schulz der als bamaltger Berhandlungsleiter näher« iHltteilun-en über Die Doraävge in Weimar und über die Dersakkung»- ab'ichten der Äoalitionsunterhäidler machte unb fr a bei ausdrücklich seit stellte dast das letzte Äoa» litionskompromist e.nwand'rei der Gemein- schiftsschule in Absatz l von Artikel 146 eine Dorzugsstellung eir.geiäumt da' e und dast man die Form der Gemeinschaftsschule in der damaligen Simultankchule gefeben habe. Man ha'^e durch das Kompromist eine Reichskim, Itan- lchule als Regelschule schaffen tooPen die In ihrer Auswi Ung durch Absatz 2 allerdings be­grenzt worden fei.

Don derselben Doraussetzung ging bei allen srüheren Derhandlungen und geht auch in den Ausschustverhandlunaen bl« SPD aus wenn sie eine bebingte Vorzugsstellung der Gern« n- schastsschule unter den übrigen. Schulformen als versassungsgemäst sordert unb danach ihre An- träge stellen wird. Die Z e n t r u m s Vertreter luchten den Angrllsen der SPD gegenüber die Ginheitlichkcit in der Aussa'kung unb der Stel­lungnahme ihrer Partei zur Dersalsung darzutun und ihr« gerade Linie seit Weimar nachzuweisen. Gine bei ingte Vorzugsstellung scheinen auch si« tat Gemeinschastsschule als versassungsmästig zu­erkennen zu wollen.

Dach wie vor stellten sich bi« Vertreter der Deutschnationalen aus den Boden des Gntwurss unb hielten die gesonderte Regelung

-ulen nach Absatz 2 des

RD für das zur Zeit Dotkve,idige Alle Vor­zuges ragen müfiten aus dem Spiele bleiben. Ab'atz 1 könne bei der Regelung ausgeschallet werden AVer auch in ihrem Bestreben, der Zu­erkennung bet Vorzugsstellung damit aus dem Weze zu gehen, liegt indirekt doch die Aner- fennuna einer solchen versas'ungsgrmä'.en Vor­zugsstellung. die sie allerdings vom Parteistand- punkt« aus grundsätzlich ablehnen.

Weirerhi!» liefen de Verhandlungen er­kennen, dast von dec ge'amten Opposition die weltliche Gemeinlchastsschule gcf.r.ert und die von der D Vp gdotberte christliche Ge­meinschastsschule abgelehnt wird. Wie sich die Deutschnationalen unb da« Zentrum zu bet volks­parteilichen Forderung stellen, wirb sich erst ent­scheiden. Auch hier kann man wohl mit ziem­licher Bestimmtheit aut Grund von Vorbespre­chungen sagen, dah die Deutschnationalen diese Forderung ablehnen. das Zentrum ihr aber unter gewissen Voraussetzungen zustimmen wird.

Das Problem der Älmultanlflnbet wurde nur nach einet Seite hin eingehender be­handelt. Wie im Reicherat. so erhoben auch hier die Vertreter einer Reihe von Ländern über den Entwurf hinaus den Anspruch, den Simultan- chatakiet ihrer Schulen im Reichsschulgesetz sicher zu stellen. Don besonderem Interes'e war dabei die Forderung Sachsen«, auch als Simultan­schulland im Sinne von Artikel 174 anerkannt zu werden. Wenn auch bei den übrigen Ländern bet AuSschuh kaum das Für und Wider nach- prü'en kann, es letzten Endes auch Sache der Länder selbst sein muh. den Simultancharakter ihrer Schulen clntranbfret nachzuweisen, so liegen doch die Derhältni se in Sachsen weder rechtlich noch sachlich so klar, wie die Vertreter des Sirnul- tan'chulcharakters bartun. Die Problematik er­gibt sich biet schon aus der Tatsache, dah bei der ersten Lesung im Reichsrat Sachsen nicht unter di« Zahl der Simultanländer ausgenommen wurde, dah dies erst bei der zweiten Le'ung ge­schah: ergab sich weiter au« der Tatsache dah sofort au« de i Reihen der Deutschnationalln i nd der Deutschen Volk-Partei die gegente ligc sach­liche und rechtliche Ausfalsung mit Rachdruck vertreten wurde Ganz abge ehen von der recht­lichen Seite spricht gegen die Au'sassung. dah Sach en Simultanschulland im Sinne der Verfas­sung ist. vor allem die Tatsache, dah e» sich bei Anerkennung eine« Lan e« als Simultanschul- land nach Artikel 174 RD um geschichtlich fiewordene und bestehende Simultan- chulländer mit dem Wesen nach eindeutigem Simultanschulcharak:«r handelt. Dicht das Wort

.Slmultan'ch.ch.' tiitb er ter brr. Der«, s ungtzkchutz gestellt, 'ondern bt« Simultankchulver- hält nilfe des Landes. Unter d ekes Ätitetlxn* stellt scheidet Sachsen aus der Z^ihl der Cünul- tankchulländer aus. Weder ist hier di« Simul- tanfchul« gewerlen. noch handelt es sich um den a ristlichen Schulchorak.er bet bestellenden Simul»

Xebner der SPD darta, um eine weltlich« Limultanfchule ein Schultyp den es bei Inkraft- ireten der Dersalsung in Wirklichkeit n cht gab und darum auch nicht unter den Schutz de» Ar­tikels 174 gestellt werden konnte.

Don Bedeutung war noch die Grörterung der Ävstenfrage bereu prinzipielle Rege­lung im Rahmen der Au« chuhberatungen auch von der Deutschen 'So If Apart et gelorbeit wurde. Dor allem betonten bleie Dotwendigß« t di« Ländern« tr te Aus der OnrtN u g he5 ?'« 4 s innenrnmifter* ging hervor bah bi« man tum Äostenparaarapd gelange, die Äoltenfrag« geklärt

Di« allgemeine Aussprache brachte zwar keine sachliche Älärung. kennzeichneie aher doch ein­wandfrei Haltung unb Stellung der einzelnen 'Parteien »u den strittigen Prvbletrien ,m ih-tTurt. lieh auch schon erkennen, in welcher Richrung eine 'ung gefunden werden muh. Als sicheres Or- gebnis aber kann jetzt schon sestgestellt werden, dah in dem kommenden Reichsschulgefetz neben der Regelung des Absatzes 2 in Art 144) über den Tntwurf hinaus auch Absatz 1 geregelt wird, d. h.. dah da« Problem der Gemeinlchasts» schule im neuen Reichsschulgefeti s« ne per» fa'sungsgemähe Lösung unb gesetzlich« Regelung sinden soll.

Die Zagdergebniffe im Vogelsberg.

Wer die Berichte über die der its stattg-hab» trn Treibjagden i m Vogelsberg g nau verfolgt hat der wird fest gestellt haben, bah ein ganz bedeutender Rückgang der jagdbaren Tiere in unseren «bemal» so wildreich«n Revieren des Dog.'lsbcrg.« zu ver­zeichnen ist

In Revieren, die sich früher durch ihren reichen Bestand an Rehen auszeichn t-'n und in denen bei einem Tr Iben 23 bi« 25 Rehe zur Strecke gebracht wurden, sind In diesem Iahre kaum 5 bi« 6 Rehe geschossen worben. Dicht etwa, weil sich die Iäaer e ne ganz be­sondere Reserve auserlegten. sond m weil f a st nicht« mehr da ist. Der Raubbau der Änegs- und Dachkrieg«iahre macht sich in er­schreckendem Mahr bemerkbar. Zu einer Zeit, wo es unseren alten ein; H 11 nicht möglich war. die Pachtsumme auszubringen, stürzten sich Ärieg«- unb Inslatlonsaewinnler uni das oerk Irgendw ! '

kungen legten sich diese Herren natürlich nicht auf bei der Ausübung ihres neuen .Handwerke«". Ietzt, wo diese Sorte von Weidmännern so ziem­lich wieder verschwunden ist. spürt man erst di« Folgen ihr«« schädlichen Treiben«. Die Ze tcn. wo man Rudel von 12 bi« 15 3e6en seh« was jedem Datursreund eine Fr-ude war schei­nen vorbei zu sein. Unb wenn sich unsere h-u- liyen Iäger nicht grvhe Reserve auf'Tfegm. so wirb es bald ganz um den Wildbestand -.scheben lein. Wäre es nicht möglich, dah man einmal a-rf ein ober zwei Iahre alleIreibiagb-n ein- stellt? Aber da hört man immer wieder b e Out- schukdigung von einzelnen Jägern, bah s.« gerne schonen würden, doch der böse Dachbar knalle alle« weg. was ihm vor die Büchs< komme. Sollte da nicht eine Einigung zu en dm le n? Wo ein Wille ist, da ist auch «n Weg' 'Hlan sollte doch meinen, dah im Interesse des schnm-n Weibwerkes unb im Interesse uns r-» Wilb- bestandes zwisä)«n den Iäaern ein Abkoininen möglich wäre, damit di« Zag den Wied r h-ch kommen. Die Daturschutzbewegung unb zahl­reiche Datursrrunde had-n schon lärg'i aus die kommende Verödung unserer Walder hige- wiesen.

Achnlich wie mit den Rehen ist « m t den Hasen. S e sind auch rech' r ir gewordm. Der

@ie&ener Siadttheater.

KclixZoachimfoi,:..Küns von dcrZaz;band"

Dah e« sich hier um ei. en ganz jungen, zeit­genössischen Autor handelt und um ein ganz modernes Derk. Uirb jcbe.mann Hinrei-Henb llar geworben fein Sin auherorbentlich modernes Theaterstück weniger des öaropbone wege t. das hier eine nicht unwichtig« Rolle Ivielt alfl der schlanken Linie wegen, deren sich bi« drei Akte befleißigen; ein lefcr schlanke« man kann schon sagen ein mageres Stück es lebt, übertragen ge­sprochen und um im Bilde zu bleiben zu lehr von lustigen Tabletten, nichtsnutzigen Kalorien und zw«ifeldas:en Vitaminen statt v.m getunter, handfester Hausmannskost Schade bei an wenig beferer Pfleg« und Srä*,rjnfl bitte etwas recht Hübsches daraus werden können.

Gin lustiger GinlaU. der zur Äomöbie hätte fuhren können, der seinen Hövepunkt in ausge­sprochener Schwanlfituati.'n findet und der zum Schluh im Sand« ver.äuft. weil dem jungen Dutor der X*rm aus;eht Ss ist also eiflcnta» lein Stück, sondern etn Stückchen, au'gebaut auf einem Ginfall, der im ®ruiüc ein 2 rßllten ist, «in Id«ech«n. an Fünkchen Dah das Game keine Äomödie ist. wie I o a ch . m s o n es sich dachte unb warum es keine ist. braucht wohl nicht atrsfüdr.ich bewiesen zu werden Das muhte bei früheren (belegenfxihm an dieser Stelle Neiderll allzuoft bataeleg; werden, unb wir wollen niemmben ohne Rot langweilen Man begnüge sich allo mit dem Hnwes au< fa« viert« Bild <typischer Schwankt unb auf die weitere Anmerkung, bah mindestens v er fer Hauptbeteiligten keine Menschen knb leine Cha­raktere. keine Persönlichkeiten ..

... sondern zur Sache: in erster Linie Musikamen in zweiter Lin e rnä-n ichcn Ge­schlechts. Das rächt nun !ei.er tüt ein« Äomödie nicht aus. (Aber für einen Schwank ganz c n- fach, ist das ganz« Stück doch wiederum zu ele­gant. zu liebenswürdig zu lüeror.fa) zu wen q plump unb stellenweise Die! zu gesche: unb zu luftig.) Vier von der Iazzband .Dicr!) bebt- umerwegs Autvpanne ste.qen tn einer<tr ?c ab. finden dort ein Mädchen, ba* ib :cn an anqS gar nicht, bald aber sehr gut gefällt, nehmen es

mit. ohne viel Federlesen«, al« fünften -Mann-, für die >auke

Merken bald G« geht nicht. Denn vier von der Iazzband waren eigentlich nur ein Mann, harmonierten glänzend, ohne sallchrn Ion. Ietzt kam das Mädchen 3ef'ie dazu, unb aus einem Mann wurden vier Alle vier DTrlirbm sich m das Mädchen bi« Äapellc tst gesprengt, die Richtung ist verloren, aus einem Ä!anq!örper wurden vier Mnnn. von denen j ch r sich für den fünften, der doch ein Mädchen ist. heftiger ml er­eil irrt. als ihnen allen. Sarophon. Älavier. Geige und Schiagzeug. gut. und dem Musizieren eben o ungünstig ist wie den diesbezüglichen G n- nahmen.

2uHerdern ist das Mädchen Iesll« fürchter­lich unmusikalisch, fie malträ tert b.e Pauk«, lle verpastt den Ginfafi und baut mit erschreckender Gehör'.»»gkei» daneben. Fern-r ha: sie nichts anzuziehetv Im lenten Moment muh man ihr ein Äleib .besorgen . Da sowohl die verpatzte Mu'tk wie die Herkunft d's Äle.d s unang nehm bemerkt werben, rnüss.-n di? fünf die Flucht er­greifen. Unterwegs machen die vier Iazztr.änner dem Mädchen von der Pauke ein Geständnis, jeder allein, unb Iefsie erhört fie alle vier und bestellt fie vor ihre Tür.

Alle vier vor der Tür. teils vor bet rich­tigen, teil« vor brr falschen, erst einzeln, bann zusammen. Äeine Spur von Äomödie. aber sehr luftige Situation. Hebet das, was nach bem vier­ten Bilde kommt, ist kaum noch etwas zu sagen. Das mihglückle näch llche Abe.teuer schlägt dem Fah dem Boden aus bte tnerc sehen e.n dah es fo nicht weiter geht m t di et em Mädchen, fie beginnen sich auf das. was sie zuer't waren. Mu ikanten. werken aufs neue ein Mann, packen kurz entschlossen das gehörte'c Weibsbild wi-der auf und laden es wieder ab in s-iner Dar an der Landstrasse Dah bir Bar inzwischen einen nmen Beeiser gehinben hat «leicht?r: jedem einz-lnen den Rückzug. S-.e fagen, es war f?ht nett, und «s tut uns letb. aber es dürfte doch wohl am besten sein, tmr bleiben, was wir marm: v er von der Iazzband... tote an Mann. Das Mäd­chen Iefsi« ab« hat seinen Ausschank wieder dazu ein elegantes treu7« Äl ib. einen ferlösen Mitinhaber in den besten Iahtet und mit den schönsten Ausllchten, da die G.mabmcn auch ganz gut für zweie reichen. Schluh Vorhang.

Da« alles begibt sich von 1933 Uhr bis 21.30 Uhr einschliehl ch Prüfe: da-. w>riuf es ankommt. Hütt« in bet Hälfte bet .-Jett gut erledigt werken können: das erste D ld B braucht e wa eine Viertel).und« für r.ne An­gelegenheit, dir bequem tn fünf Minuten abzu- niachen gewesen wäre. Da- ist die schlanke-Linie, von der wir sprachen Haupt einwand gezen da» Ganze, obwohl diese Schwäche zugl ich auch Geschick, ja die Äunft «inlchlteht, aus wen g etwas zu madxn. Unb fo lehr man bedauern must, bah ein Äomödiengedanke im Schwank gipfelt unb schlecht pointiert ausklingt, fo sebr must man sich andererseits wundern Iunb manch­mal sogar bewundern), aus wie wenig der Autor doch immerhin fr ne drei 2 te gebaut hat wenn sie auch kurz sind.

V o l ck (Regte) spielte den Scherz im ersten und vierten Bllve sehr u.iterhalllam unb luft.g. In den üb«rir-.«genben Teilen sand tr aber nicht den Rhythmus der hinter dem heiteren Aben­teuer steht, nicht das Ternpo, das bi« »echs Vllder beflügeln must. Dialog und 3ulamme v spiel waren vielfach undicht, brüchig und fchlep- penb. G n'äne und Vorhänge kamen zu spät, Spairnungen wurden ohne Rot gelockert S.nze!- h« ten nur gediehen zu urfprüng.'ichfter Äomik (die auch sofort aufs Parkett übersprang), aber aus dem Ganzen wäre doch mehr heraus zu holen getot^en. Dast das letzte Bild am mattesten blieb, kommt allerdings n.cht aus das Äonto der Lpiel- führung. sondern fällt dem Dichter zur Latz

Bill. 3«an. Moritz. Iim.. Sarophon Geige. Älatr.er. Schlagzeug .., drei Weist«, ein Dig­ger... vier Mann wie einer: Hennig. T a n- n « r t. B a h 4. W e h r I; am besten ba. wo sich ihr« Garrzheit in vier widerstrebende Sinzel- gönger ort lewer gerne infamem ..ulobjefl fpoltei; allo da. wo das Stück zur Äomob;« on'eyt unt steckendkeibt. Was auszastellen ist an den vieren, wurde bereits bei der Be'prech».-ng der Regie angebeutet Al.« Ärahmer spielte die Iessh. zuerst und zuletzt fr.ntcr ber Theke, da­zu ischen an der Pintke. unterwegs und im Bett. Am sichersten ohne Zweifel ün fri dyn Ln^chlust der S.ngangsfze^: nachher viel Ichvächer. well sie keine rechten Trümpfe mehr auszu'pielen halte. Auch das ist die Schuld des Autors

Trotzalledem: fo schlecht wie die mehrfach unmihverständluh zu verneHmende Stimme des

anwesenden Publikums ba« Stuck machen wollte, ist «s denn doch nicht. Wir sehen aus guten Gründen davon ab. uns aus den ausge'prochenen Breunschwelger Premieren erfolg unb Ut lehr wohlwollende Aufnahme in Berlin zu berufen, wo das Stück die Winterspielzril der preustifch-en Staatstheater eröffnete: aber es sollt« koch gc- fagt sein, dast es ganz erhebl st le^er u ch literarisch wertvoller ist. al» zahle ich« ander«. 1 rüber gegebene .Werke", deren M l er oeri a- feit kaum bewiesen zu werben brauche, die aber ein gleiche« Publikum lich nicht nur willig und oft wiederholt oorletzen llest. sondern «ogar mit stürTnischem Beifall beklatsch:« br.Th,

Lochschulnacki-ichten.

Der Professor für L aats-, Derwaltungs- unb Bik.'errecht unb Direk or beS Institut» für internationales Recht unb Pol tik an ber Un - versirät Bonn Dr Gerl Schrn111 ist mit W r- kung vom 1. April 5um o Prv'essor an ber Han­dels-Hochschule in Berlin ernannt worbe. Zum Prä identen der bayerischen Ak adern, der Wi'senschasten w-urbe al« Dachfol^er des D*r- ftorbenen Hygienikers Ma» v Gruber ber Alt­philologe Geh. Rat Prosessvr Dr. Eduard Schwa r tz gewählt. Die amtliche Ernennung des Heidelberger Prtvatdoz nten Dr. Richard Harder zum ordentlichen Proses'or der llallischen Philologie an der Hnioerl lät berg ist jetzt erfolgt. Zum ordent­lichen Prosellor in der meb.^tn schen FikultLt der llmvertität Greifswald ist der Pr vat- dozent und 1. Allisten! bei Institut- far gertcht- Uche unb soziale Medizin Dr Rvls Heh in Vonn ernannt worden. Zum Ordinarius lur Anatomie in Ä lei wurde der a v Professor daselbst Dr Afsred Benninghofs ernannt. Pros. Bemnnghofs. der auch die Le-.tung des Anatomischen Inlii u.« übernimmt, ist Dachsel^er des nach Freiburg berufenen Prof, o Moellrn- bvrsf. Der Oberarzt der Lugenllink ber Westphäll'chen Dilheims-117-.iver'.tät zu M a n- ft er. Privatdozent Dr. Friedrich PooS ist für sein« 5:r*d>L'Hgen über .Physwiozir unb Pb^r- makologie ber inneren Augenrnusk In" (itr.n Ha» bllitationsschrilt, von der Italxnischrn Ovhchal- mologischen Gesellschaft in Rom mV dem.Drosten internationalen L:rincane-PreL" <h der Höhe von 23 (XX) Lire) ausgezeichnet worden.