Zreitag, 16. September 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 217 Drittes Blatt
Turnen, Sport und Spiel
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Verbandsfpiel trifft sie dort auf die erste
Elf deS F. C. Burgsolrns. Burgsolms hat
jetzt zwei Derbandsspiele ausgetragen und
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termannschafl verfügt, liegt das Schwergewicht,
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UNDZURüCk
18.—21. September 18Z7
Amerikas Turner und das Deutsche Turnfest 1923 in Köln.
vv. Die deutschen Turner Amerikas beschlossen kürzlich in Cleveland, in Köln 1928 als geschlossene Einheit aufzutreten. Für die lleber- fahrt nach Deutschland sind drei Schiffe bereits belegt. Es sind die „America" für den Bezirk Illinois, Abfahrt von Reuyork am 25. 3imi 1823, „Bremen" für den Bezirk Pittsbourgh, Abfahrt von Aeuhork am 5. 3uli und „Republik" für den Bezirk Aeuhork, Abfahrt von dort am 7. Juli. Die Turner auf sämtlichen drei Schiffen treffen sich in einer noch zu bestimmende Stadt Deutschlands und werden vereint in Köln einmarschieren, wo sie von dem Vorsitzenden der D. T., Dr. Berger, und der D. T. feierlich empfangen werden. Aach dem Deutschen Turnfest (23. bis 28. 3uli) werden die amerikanischen Turner eine gemeinschaftliche Reise durch Deutschland und die Schweiz unternehmen. Man plant eine Rheinfahrt nach Dingen und Rütes- heim, dann Besuch der Städte Frankfurt, Heidelberg, Stuttgart, Zürich, Luzern, Interlaken, Bern, München, Aürnberg und Leipzig.
Aus dem
Mittelrheinkreis der D. T.
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auf eigenem Platz, wenig Umstände machen und die Gäste mit einer Aiederlage hckmfchickrn.
Oppenrod, das Hachborn empfängt, dürfte es kaum anders gehen, höchstens d;fj hier die Ried.wlage etwas empfindlicher ausfäll.
Die SchülerNasse.
Einen recht guten Auftakt zu dem Streit- klassespiel in Gießen gibt das Spiel der Schüler ■ Mannschaften Gießens und Wiesecks. D.ide Mannschaften, die ein recht interessantes Spiel, bei dem der Ausgang ungewih ist, zeigen werten, sind sehr befähigt.
Dasselbe gilt von den Schillermannschafien Lollars und Wetzlars, die sich in Wetzlar ein Stelldichein geben. Auch hier sind die Aussichten auf den Sieg geteilt.
Tennis.
Gießener Tennisklub 1922 E. V.
gegen Tennisklub „Dlau-Deiß" Limburg 15:3.
Am Sonntag trug die 2. Mannschaft des Gießener Tennisklubs 1922 ein Städteweltspiel gegen den Tennisklub „Blau-Weiß" Limburg aus. Die Gießener Spieler waren in sämtlichen Konkurrenzen um eine Klasse besser und gewannen das Spiel leicht mit 15:3 Punkten.
Aus dem Amtsverrn .oigungsblatt.
* Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 6 6 vom 13. September enthält: Falsche Reichsbanknoten: Feldbereinigung Gro^en-Brfteck.
hat eins gewonnen unö eins verloren. Heuchelheim, das bis jetzt zwei Spiele gewonnen und eins verloren hat, wird sich wohl klar darüber sein, daß ein weiteres verlorenes Spiel sie aus der Spitzengruppe verdrängen wird.
Dis Derbandsspiele im Arbetter-Turn- und Sporlbund.
Die Kreisklaffe.
£ Am kommenden Sonntag findet das erste Spiel der Kreisklassenmannschaften der Aachrunde in Gießen statt. Die ersten Spiele am vergangenen Sonntag brachten den beiden Spitzenmannschaften, Franifurl-We^end und Praunheim weitere Siege, und damit eine Befestigung ihrer Posittvn. Auch die Spiele am nächsten Sonntag lassen keine Veränderung erwarten, denn West end dürfte auf eigenem Platz Dackenheim sicher schlagen, und Praunheim wird sich in Dorheim die Punkte ebenso sicher holen. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf das Gießener Spiel: hier treffen die beiden Mannschaften der Tabellen-
Spielvereinigung 1900 Gissten.
o. Die Ligamannschaf t tritt am kom° 1 menten Sonntag in Marburg der dortigen Sportvereinigung Verein sürDewegungs- piele Kurhessen 05 entgegen. Die Gie» jener Elf hat eine kleine Aenterung gegen den Vorsonntag erfahren. Richt nur, daß man im Lager der DLauroeihen mit der bestimmten Mitwirkung des Linksaußen rechnet, auch in der Mannschaft selbst wurden mehrfache llmftellun- gen vorgenommen, wodurch man hofft, die Elf kampfkräftiger zu machen: vor allem will man einheitliche, erfolgreichere Stürmeraktionen erzielen. Zu berücksichtigen siird bei dem Marburger Treffen die Plahverhältnisse, denn bei der jetzt herrschenden Witterung verliert der bärtige V. f. D.-Platz nur allzuschnell feine Spielfähigkeit. Bekannt ist, daß die Gießener Elf auf morastigem Spielfeld nie durchstecht, und so wird auch wohl am konrmenden Sonntag bei der zur Zeit schlechten Form der Vereinigten ter Plahverein S. V. Marburg, wenn auch nur knapp, Sieger bleiben. Das Spiel wird geleitet von dem Dezirksschiedsrichterreferenten Colt- mann- Kassel.
Alle anderen Senioren- und Iugevdmann- schaften ter SpieLvereinigung 1900 spielen in Gießen. Die Liga res er ve tritt nachmittags der gleichen vom Veretnfür Rasenspiele Butzbach entgegen. Aus Grund ter Leistungen vom Vorsonntag ist damit zu rechnen, daß die Punkte in Gießen bleiben. — Vor diesem Treffen sticht die 3 a - M a n n s ch a f t 1900s im Ver- bandsspiel gegen die 3 a des Ortsrivalen, V e r» ein für De w egungs spiele Gießen. Der Ausgang ist völlig offen, wenn man auch nicht verkennen kann, daß dem Playverein vielleicht ein kleines Plus gutzubringen ist, auf Grund des seitherigen Abschneidens beider Mannschaften. — Die 3b-Mannschaft hat vormittags die 2. Elf vom Sportverein 1920 Heu che lheim zu Gast. Im allgemeinen hat die Gießener Elf im Spiel am letzten Sonntag enttäuscht. Die Elf muß schon alles aei§ sich herausgeben, wenn sie ihren guten Ruf auch weiterhin wahren will, denn auch die Heuchel- heimer II. ist nicht zu unterschätzen. — Die 1., 2. und 3. Iugendmannschaft 1900s tragen Diplomspiele gegen die gleichen Mannschaften vom Verein für Dewegungsspiele Gießen aus. Alle Begegnungen zwischen diesen Mannschaften entbehrten seither nicht des Reizes. Gutes technisches Können, gepaart mit großem Siegeswillen, ließen Kampfesbilter entstehen, die die Zuschauer in ihren Bann zogen. — 1900s erste Schü lerels empfängt nachmittags die jüngste Schülerelf aus dem Gau, die vom Sportverein Klein-Linden, und dürfte erwartungsgemäß einen ziemlich hohen Sieg erringen.
Heuchelheim.
Burgsolms ist am nächsten Sonntag das Reiseziel der ersten Mannschaft vom S. V. 192 0.
- In Friedberg tagen am kommenden Sonntag die Gau-Jugendwarte des Mittel- rheinkreises der D. T. Bereits am Samstag findet eine Sitzung des Kreis-Iugendausschusfes statt. Abends schließt sich ein Tie im Kasino an. Die Haupttagung füllt den Sonntagvormittag aus. Aus der Tagesordnung steht u. a. ein Referat über die
Schritt die Rinder den Vorführungsring und zogen an ter Tribüne vorbei, ebenfalls nach Provinzen geordnet. Den Reigen eröffnete jedesmal ein mächtiger Stier, der am Aasenring geführt wurde, dann folgten die Kühe. Es waren vertreten die Vogelsberger Rasse, Otenwälder Rvtvieh und Vieh ter Glan-Donnersberger Rasse.
Im Anschluß an die Eröffnungsfeier fand nbd) ein
daß die Ausstellung zum Wohl und Segen Hessens und des deutschen Vaterlandes gereichen möge.
Bürgermeister Mueller-Darmstadt sprach Glückwünsche ter Stadt Darmstadt aus: er gab u. a. ter Genugtuung Ausdruck, daß die Ausstellung nicht in Frankfurt, was wohl für Oterhessen näher gelegen hätte, sondern auf hessischem Boden ftattfinte. Stadt und Land seien aufeinander angewiesen. Was uns am meisten nottue, sei ein inneres Locarno, eine Versöhnung ter Gegensätze in unserem Volke. Er wünschte der Ausstellung vollen Erfolg, wie auch ter nächste Redner, Fabrikant Schenck, der Vorsitzende der Industrie und Handelskammer Darmstadt.
Vorführung von Pferden und Rindern.
Die Aufmerksamkeit des Publikums hatte sich inzwischen schon den Pferden und Rindern Au- gewandt, die in einiger Entfernung von der Tribüne aufgestellt wurden. Es waren nur ausgesucht schöne Tiere, Prachtexemplare, die prämiiert worden sind. Auf einen Wink des Präsidenten Hensel betraten dann die Tiere den Vorführungsring: voran Pferde, Kaltblüter, geordnet nach den drei hessischen Provinzen. Ihnen folgten Halb- und Warmblüter in großer Zahl. Dann betraten in gewöhnlichem
Rundgang
statt. Den Mittelpuntt ter Ausstellung bildet die große Festhalle, in ter zahlreiche Abteilungen einer wissenschaftlichen Schau untergebracht sind, die von der Landwirtschaftskammer und den staatlichen Behörden zusammengestellt wurden. In der Mitte ter Halle ist eine wundervolle Sonderausstellung von Obst und Gemüse, die fich durch eine eigenartige und dem Auge höchst gefällige Anordnung auszeichnet. Das ganze Geläute linier Hand von ter Festhalle ist auf- geteilt und mit landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten dicht beseht. Hier ist u. a. ter Elektro-Hof, ein Dorfkino, eine Beregnungsanlage usw. Hinter ter Festhalle (von ter Eintrittsseite aus) stehen die Pavillone verschiedener Syndikate (Kali, Stickstoff usw.). Im Weiterfchreiten gelangt man auf eine größere freie Fläche, dem Vorführungsring, an den die große Tribüne grenzt. 'Iteiter nach Süden schließen sich die vielen großen Bauten und Zelte an, in denen Pferde, Rinder, Ziegen, Schweine, Kaninchen und das Geflügel untergebracht find.
Don dem vielen Sehenswerten, was ein Rundgang bietet, soll in einem weiteren Aufsatz berichtet werden.
Eröffnung der
Landwirtschaftlichen Landesausstellung
Von unserer Darmstadter Redaktion.
Freizeitbewegung.
ZandbaK in der D. T.
Kommenden Sonntag stehen sich auf dem Platze des Männerturnvereins die beiten 1. Mannschaften des M. T. D. Gießen imb des Turn- und Sportvereins Butzbach zum ersten Derbandsspiel gegenüber. Bis zum vorigen Jahre gehörte Butzbach zur Gau- verbandssonderklasse und war bis dahin sechsmal hintereinander Gaumeister. Die sympathisch spie- lente Mannschaft spielte nicht nur im Gau Hessen eine führende Rolle, sondern konnte auch gegen namhafte süddeutsche Vereine annehmbare Resultate herausholen. - Wenn auch die Mannschaft in diesem Jahre zur Gaumeisterklasse abfteigen mußte, so ist damit doch nicht gesagt, daß sie an Spielstärke erheblich eingebüht hat. Butzbach gehört immer noch zur stärksten Klasse und wird dadurch die M. T. D.-Mannschaft vor eine schwere Aufgabe stellen. Die Gießener treten in ter stärksten Aufstellung Butzbach entgegen und wollen sich so leicht nicht Niederkämpfen lassen. Ohne die Spielstärke anderer Vereine oder Mannschaften abzuschwächen, dürfte feststehen, daß in diesem Spiel sich die beiden stärksten Vertreter des Gaues gegenüberstehen.
Im Anschluß an dieses Spiel treffen sich die 1. Mannschaft des Turnvereins Heuchelheim und die zweite des M. T. V.
Kommenden Sonntag greift die V. s. B. - Liga- rn a n n s cha f t wieder in die Derbandsspiele der 1. Bezirksligaklasse ein. Sie hat auf eigenem Platz die bekannte „Borussia" F u ld a zum Gegner. Die Borussen haben unter der Leitung ihres österreichischen Trainers ihre Spielstarke bedeutend gehoben und sind heute wohl zu den stärksten Mannschaften des Bezirks zu zählen. Die beiden, in den diesjährigen Derbandsspielen erzielten Resultate (gegen den vorjährigen Bezirksmeister „Sport" Kassel 2:2 und gegen S. C. 03 Kassel 2:1 gewonnen stellen das Können der Mannschaft unter Beweis und zeugen vor allem, im Gegensatz zur V. f: B.-Els, von einer konstant bleibenden Leistungskurve. Die Stärke der Mannschaft liegt im Sturm. Die V. f. B.- Elf tritt in stärkstmöglicher Aufstellung an; sie will unter allen Umständen versuchen, die Schlappe von Marburg wieder gutzumachen. Bis jetzt hat D. f. B. gegen stärkere Gegner stets beffere Leistungen gezeigt, als gegen schwächere. Gerade Fulda mußte dies in der letzten Derbandsspielserie durch den Verlust von drei Punkten anerkennen.
Die Ligareserve hat ebenfalls auf dem Waldsporiplatz Herborns Ligareserve im Verbandsspiel zum Gegner. Obgleich Herborn nicht unterschätzt werden darf, kann man doch mit einem knappen, aber sicheren Sieg der Platzmannschaft rechnen.
E r st e und zweite Iugendmannschaf- ten tragen, gleichfalls auf eigenem Platz, die ersten Diplomspiele aus, und zwar sind die gleichen Mannschaften der Spielvereinigimg die Gegner.
totn Ne Mannschaft siegen, bei dem Sturm, ter Ne größte Schußfreudigkeit entfalten muß. Friedberg besitzt in seinem Tormann ein sehr stackes Bollwerk und in seinem schnellen und ball» sicheren Sturm eine recht gefährliche Angrisss- toaffe. Dazu dürfte bei Friedberg die Läuferreihe besser beseht sein.
Die L Klasse.
Gießens Ib ist Gast in Alsfeld. Die Alsfelder hinterliehen am Sonntag nicht den besten Eindruck, und Gießen tut gut, sich ju dem Spiel am kommenden Sonntag mit gesunden Aerven zu wappnen. Ganz ohne Aussicht unternimmt Gießen die Fahrt nicht, denn die Mannschaft zeigte gegen Marburg recht anspre ende Leistungen. Auf eigenem Platz werten die Ali- felter jedoch alles daransetzen. um den Sieg zu behalten, ter dann aber kaum hoch werden dürste.
Marburg! und Wehlari treten ia Marburg an. Konnte Marburg am Sonntag nicht so stark überzeugen, so ist doch anzunehmen, daß die Mannschaft auf heimischem Boten besseres leistet. Wehlar gelang eS zwar, den derzeitigen Tabellenzweiten Lollar, wenn auch knapp, zu schlagen. Ne Aufgabe am kommenden Sonntag ist jedoch schwerer. Der Ausgang muh vollständig offen bleiben, aber das steht fest, daß ein faires und ruhiges Spiel in Marburg zustande kommt.
Vorher spielen die zweitenMannschaf- t e n ter gleichen Vereine. Auch diese Mannschaften zeigen eine gleiche Spielstärk , so daß die eifrigste Mannschaft auch ter Gewinner fein dürfte.
Die II. Klasse.
Zu einem • spannenden Spiel treffen sich Rodheim I und Fronhausen 1 in Rod- heim. Die meisten Siegesausjichten hat hsiröei Rodheim, obwohl Fronhausen recht ernst zu nehmen ist und seinem Gegner nicht ohne toei:er?d die Punkte überlassen wird.
Burkhardsfelden I geht gegen Leun I in ein aussichtsloses Rennen, denn hier trifft der' Tabellenerste mit dem Tabellenletzten zusammen. Leun wird überlegener Sieger bleiben.
Das interessanteste Spiel dieser Klass? dürft, in Dau bringen steigen. Hier stehen sich Saubringen I und Grvßen-Linden I gegenüber. Beite Mannschaften stehen an der Spitze der Tabelle, Daubringen mit einem Pun>: Vorsprung. Der Ausgang des Spiels entscheidet über den 2. Platz. Beide Mann chaften zeigen eia ausgeglichenes sympathische Spiel, bei dem es immer schwer war, den Sieger vorher zu nennen. So ist es auch diesmal. — Vorher spielen die zweiten Mannschaften Grohen-Lin- d e n s und W i e s e ck s in eine n Freundschaftsspiel, wobei sich Wieseck als Ne Spielerfohr n ren zeigen werden.
Die Jugendklasse.
Rach einer vorgenommenen Spielverlegung kommt Heuchelheim am Sonntag nach Gießern Wenn die Einheimischen ein so schwaches Spiel zeigen, wie am vergangenen Sonntag gegen Kletn-Linteir, so haben sie recht wenig Aussicht, gegen die zwar kleinen, aber I außerordentlich fünfen und technisch Gutes leistenden Heuchelheimer aufzukommen.
Wieseck müßte in Klein-Linden
mitte, Gießen I und Friedberg I auseinander. Rach dem guten Abschneiden Gießens im Praunheimer Spiel ist es recht schwer, eine Vorhersage zu treffen, denn letzten Endes wird, bei der fast gleichen Spielstärke beider Mannschaf- ten, ter den Sieg erringen, ter den größten Siegeswillen und die stärksten Rerven mitbringt. Da Gießen über eine bemerkenswert sichere Hin»
wie in Gießen geben, zeigten, daß sie über di> sind.
Lollar wird mit Alten-Buseck, zumal
* Darmstadt, 15. Sept.
Die heute eröffnete Landwirtschaft l i ch e - Landesausstellung Darmstadt 1 927, die bis zum 20. September dauert, ist zweifellos ein Markstein in der Geschichte der hessischen Landwirt- ■ schäft. Sie übertrifft alle früheren Veranstaltungen , ähnlicher Art nicht allein durch ihre Große, sondern auch durch die Fülle der zur Schau gestellten Tiere, . Ma chinen und sonstiger Ausstellungsobiekte. Es ist nicht übertrieben, wenn von dem unternehmen gesagt wird, daß es das umfangreichste nächst den Ausstellungen der Deutschen La ndw'ri schäft sgesell - schäft ist. Um ein ungefähres Bild dieser Nie enfchan zu geben, sei nur auf den Katalog verwiesen, der 560 eng bedruckte Seiten zählt: eine Wanderung, die aber nur einen Heberblicf gewahrt, dauert mehrere Stunden. Die Landwirtschastskammer hat mit diesem Unternehmen eine ganz cmtzerordentsiche Leistung vollbracht. Noch vor einigen Tagen war nur wenig auf dem Ausstellungsplatz zu sehen, aber es ist ungemein rasch gearbeitet worden, so daß die Ausstellung heute ein fertiges Bild bietet.
Heute mittag fand die
(Eröffnung der Ausstellung statt. Dar Wetter war prächtig. Auf der Tribüne, die über taufend Zuschauern Raum gewährt, hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden. Unter ten Ehrengästen waren die Minister Kimber- ger, Raab und Henrich, ferner zahlreiche Rc- gierungsvertteter, Landtagspräsident Adelung und viele Landtagsabgeordnete. Besonders stark waren natürlich die landwirtschaftlichen Kreise vertreten, die Mitglieder und die Beamten der Land- wirtschastskammer und viele Landwirte aus allen Teilen Hessens. Auch die städtische Bevölkerung war bereits in großen Scharen auf dem Ausstellungsplatz und auf der Tribüne zu sehen. Zu Beginn der Eröffnungsfeier ergriff der
Präsident der Landwirtschaftskarnmer Delonomierat Hensel
das Wort zu einer Begrüßungsansprache, in der er den Ministern, den Vertretern der Staatsregierung, des Landtags,- der Industrie und Handelskammer, der Handwerkskammer und den sonstigen Gästen herzliches Willkommen bot. Er dankte allen, die die Ausstellung gefördert haben, insbesondere den Stifum von Ehrenpreisen, namentlich dem Staatspräsidenten, dann auch dem Landtag für die Bewilligung von Mitteln und allen Ausstellern, die keine Mühe und Opfer gescheut hätten. Der Redner fuhr dann u.0, wie folgt fort:
Eine lange Zeit, 22 Jahre ist verfloßen, fett in unserem Hessenland eine derartige Veranstaltung nicht stattgefunten hat. Im Jahre 1910, wo eine Ausstellung hätte stattfinten sollen, konnte sie durch auftret ente Viehseuchen ntcht abgehalten werden. Dann tarn ter große Krieg, wo an eine Ausstellung natürlich nicht zu denken war. In der Aachkriegszett konnten wir bei der großen Rvttage, tn Ne unsere deutsche Landwirtschaft geraten war, an eine Ausstellung gleichfalls nicht denken. Hart und schwer liegt ie Hand dcS Schicksals auf unserer hessischen Landwirtschaft. Hier einzugreifen, ist Ne Pflstht unserer Landwirts chaftSkammer. Wir wollen
unserer bäuerlichen Bevölkerung durch Ncfe Ausstellung den vielfach verlorengegangenen Glaubet: an Ne eigene Kraft wieder erwecken, sie aus rütteln und sie auf die Selbsthülfe verwerfen. Rach unserer lleberzeugung wird eine Gesundung unserer Wirtschaft ohne Ne Mithilfe ter deutschen Landwirtschaft nicht möglich fein. (Lebhafte Zustimmung). Wenn auch hier und da infolge ter besseren Beschäftigung unserer Industrie Stimmen laut werten. Ne darin schon die Morgen» rote des Wiederaufstieges erblicken, so kann doch nach unserer Ansicht von einer dauernden Besserung nicht gesprochen werden, solange Ne passive Handelsbilanz keine Besserung zeigt. Auf die Dauer kann doch Nefe passive Handelsbilanz mit Auslandkrediten nicht ausgeglichen werten, das dürfte jedem vernünftigen Menschen, einerlei welchen Standes er ist, klar sein. Daß die Sicherung der Volksernährung nach wie vor eine der wichtigsten Ausgaben ist unö sein mutz, Dürfte man eigentlich als selbstverständlich an» nehmen. Doch scheint man sich in Regierungskreisen und bei der Mehrheit der Parlamentarier darüber keine grauen Haare wachsen zu lassen, llnd erst die Masse des Volkes steht dieser, Gefahr aus Unverstand teilnahmslos gegenüter. Die Eindämmung der Lebensmitteleinfuhr und die Hebung der eigenen Erzeugung ist ein Gebot ter Stunde. Aber dies ist nur möglich, wenn ter deutschen Landwirtschaft Lebensbedingungen geschaffen werden, datz sie existieren, d. h., dah sie rentabel wirtschaften kann. Um unserem Volke zu helfen, ist diese Ausstellung veranlaßt. Möge ter Erfolg nicht ausbleiben. In der Zusammenarbeit aller Berufsstände, unter ter Mithilfe ter Regierungen, liegt der Weg zum Aufstieg eingedenk der Worte Friedrich des Großen: „Rur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt." Hiermit fei unsere Hessische Landwirtschaftliche Ausstellung eröffnet.“ Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. 3m Anschluß an seine Ansprache brachte Präsident Hensel ein Hoch auf das Hessenland aus.
Minister für Arbeit und Wirtschaft Raab übermittelte den Denk der Regierung für die Einladung zu der Eröffnung der Ausstellung. Er sprach sich sehr anerkennend über das Unter- nehrnen aus, das Zeugnis ablegen solle von der Bedeutung der Hessischen Landwirtschaft. Man müsse sagen, datz die hessische Staatöregierung zu allen Zeiten für die Landwirtschaft gesorgt habe: sie habe mit Staatsmitteln geholfen, habe Fach- schulen, Winterschulen, Landwirtschaftsämter usw. errichtet und auch diese Ausstellung ges ordert. Die Landwirtschaft zu fordern, sei Aufgabe jeder Regierung. Sie sei nicht allein ein wichtiger Stand von Produzenten sondern komme auch als einer der Hauptkunden ter Industrie für den heimischen Markt in Betracht. Trotz aller Schäden durch Krieg. Inflation und Raturereignisse habe die hessische Landwirtschaft sich immer einen hohen Rang in Deutschland behauptet. Der Redner sprach dann der Landwirtschaftslammer Glückwünsche zum Erfolg ihres Unternehmens aus und überbrachte die Grüße des Staatspräsidenten. Der Minister schloß mit dem Wunsche,
eigentlich Sieger bleiben, aber nur, wenn sie Ne Punkte nicht "schon vor dem Spiel in Ne Tasche stecken, sonst könnte es leicht eine Heberraschung i, wo Ne Klein-L'nteneft


