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gibt bas Kräfteverhältnis beider Mannschaften richtig wieder.

Lebhaft begrüßt, betrat anschließend die neu .ufgestellte Handballmannschaft des V. f.D. das Spielfeld, um ihre Kräfte mit der ersten Hand- aallrnannschaft des Sportvereins Wetzlar zu messen. Nach einem sehr interessanten, von beiden -eilen forsch durchgeführten Spiel war Wetzlar .tücklicher 1: O-Sieger. Für die junge V. f. CD.» Mannschaft bedeutet diese knappe Niederlage einen Achtungserfolg, der zu den besten Hoff­nungen für die Zukunft berechtigt. Jedenfalls ist die Bildung der Handballabteilung nach der Wiederbelebung des Leichtathletikbetriebs ein weiteres Zeichen für die stete Aufwärtsentwick­lung des De einS.

Das Hauptinteresse des Tages beanspruchte naturgemäß das Ligatreffen. V. f. B. hatte sich die Liga des Wetzlarer Sportvereins (Vereinigung der beiden Vereine F. C. und B. C.), die am vorigen Sonntag die Bezirksliga der Marburger Germania 4:3 schlagen konnte, eingeladen. Die Platzmannschaft stand mit Böckler, Schneider, Bingei, Möller. Kreß L. Henrich II., Post, Sieger, ö t tiger, Flachskamp und Kleinke. Die Vertretung Wetzlars dürfte wohl auch die ftärkftmögliche gewesen sein. Bald nach Beginn schon zeigte es sich, daß die V. f. B.-Elf ihrem Gegner in Ballbehandlung und vor allem im Zuspiel weit überlegen war. Trotz der sich daraus ergebenden Feldüberlegenheit erzielte Wetzlar durch zu weites Aufrücken der Gießener '-ßerteibioung und infolge eines Mißverständnisses zwischen Tormann und Verteidiger das erste Tor. Mit Ausnahme kurzer Zeitspannen war D. f. B. bis zur Pause stets leicht überlegen und übernahm auch durch zwei Prachttore von Flachskamp und Kreß I. die Führung. War das Zusammensviel der Platzmannschaft schon vor dem Wechsel recht ordentlich, so war es nach der Halbzeit ganz hervorragend. Es war ein Genuß, Len Ball in so selvstoerständlicher Weise von Mann zu Mann wandern zu sehen. Sportverein versuchte dies durch Energie und Wucht auszugleichen und verlegte sich auf Durchbrüche, die hin und wieder recht gefährliche Mümente vor dem Gießener Tor hervorriesen, ledoch ohne Erfolg blieben. Dagegen konnte wieder Flachskamp eine von den zahl­reichen, vom Sturmführer B ö t t i g e r herausgear­beiteten Torchancen zu einem weiteren Treffer ver­werten. In der Mitte der zweiten Spielhälfte fiel die V. f. B.-Mannschaft mit einem Male völlig ausein­ander und ließ sich für etwa zehn Minuten von Wetzlar stark bedrängen. Nach Ueberwindung dieser auffallenden Schwäche kam Gießen wieder stark auf und zeigte wieder sein blendendes Zuspiel. Wetzlar kam mit einem wetteren Dcrlusttor durch Elfmeter, den Henrich verwandelte, verhältnismäßig gut davon. Das Endresultat lautete denn 4:1 für V. f. B. Das Spiel wurde im allgemeinen von beiden Seiten fair durchgeführt und dürfte die trotz Regen­schauer erschienen Zuschauer befriedigt haben.

Die beabsichtiaten Stasselläufe mußten leider wegen zu späten Äntretens der Wetzlarer Läufer, be­dingt durch Zugverspütung, ausfallen.

Sptelöcretnigung 1900 Metzen.

ö. Aus Anlaß des 27. Stiftungsfestes, das mit zwei internen geselligen Veranstaltungen begangen wurde, war für alle Abteilungen des Vereins Spiel- und Startverbot angeordnet worden. Nur die 3b- (4.) Mannschaft trug ein vereinbartes Gefell- . schaftsfpiel gegen den Verbandsneuling, den Sport­verein Steinbach (Str. Gießen), aus, und konnte nach schönen ansprechenden Leistungen die 1. Elf der Gäste mit 7:0 geschlagen nach Haufe schicken.

Die nur aus jungen Leuten zusammengestellte 4. Elf 1900s zeigt von Spiel zu Spiel größere Fort­schritte und wird wohl in den kommenden Derbands- spielen ein gewichtiges Wort um die Meisterschaft dieser Klasse mitsprechen. Für den ausgebliebenen Schiedsrichter leitete ein Herr vom Platzverein zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Die deutschen Rudermeisterschaften, die am Sonntag auf dem Medeweger See bei Schwerin ausgetragen wurden, brachten die erwar­teten Ergebnisse. Meister im Vierer o. St. wurde Berliner R. C. in 7:8,2 vor dem Dresdner R. V.; Meister im Einer der Frankfurter Flinsch vor Koblo-Berlin; Meister im Zweier o. St. Hellas- Berlin in 8:8.1 vor Heidelberger N. K.; Meister im Doppelzweier Wiking-Linz in 8:5 vor Brema- Bremen; Meister im Achter die Kölner R. G. 1891 m 6:42,2 vor Berliner R. C.

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Geld und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

17 Fortsetzung Nachdruck verboten

Ich glaube gar nicht, daß ich Jem Parker be­wegen kann, den Narren zu spielen", brummte ich.

Dafür lassen Sie mich sorgen!" rief Lawrence freudig, denn er sah, wie schwach ich wurde.Sechs Glas Jamaikarum und fünfzig Dollar Trinkgeld! Damit zieht er uns eine brennrote Jockeijacke an. Stone, der ein Vater von sieben Kindern ist und Professor an einem Technikum in Buffalo war, will in grünem Spenzer und gelben Hosen antreten. Er denkt wie ich. Aber wohlgemerkt, Sie müssen es ihn gewinnen lassen. Er repräsentiert Amerika."

Das ist ein weiterer Punkt", warf ich ein.Die beiden Maschinen gleichen sich wie ein Ei dem an­dern und laufen genau gleichschnell. Von einem Wettrenne» ist also nicht die Rede."

Kann man dies nicht machen, wie man will?" fragte Lawrence, fast wieder aufgebracht über meine Borniertheit.Das wird mit Stone und Parker ganz genau verabredet. Dreimal über die Bahn, denke ich mir; zuerst Stone voraus; dann Parker voraus, immer weiter voraus, eine halbe Bahn­länge zwischen beiden. Stone in Nöten Parker lachend. Dann auf einmal Stone hinterher wie der Teufel, mit offenen Zylinderhähnen, damit man sieht, daß jein Elefant sich anstrengt. Parker pustet und keucht. Vergeblich. Fünfzig Schritte vom Ziel sind sie beide Schornstein an Schornstein. Parker hat die Innenseite der Bahn; noch immer kann er gewinnen aber in den letzten drei Sekunden, un­ter dem donnernden Jubel von fünfzigtausend Men­schen, siegt Amerika mit einer Nasen- oder Rüffel­oder Kesseklänge, ganz wie Sie wollen. Was sagen Sie jetzt?"

Die einzige Rettung für uns alle!" stöhnte Delano, der mich ängstlich betrachtete. Es mußte mit der Landwirtschaftsgefellschaft von Louisiana in der Tat schlecht stehen.

Ich will mir's überlegen!* sagte ich zögernd und fühlte, wie die scharfe Lust Amerikas mein Lungengewebe durchdrang und das schwere deutsche Blut rascher oxidierte. Die Empfindung steigender Wärme war nicht unangenehm. Auch leichter fühlte

Oberhessen.

iiöircifl Gictzen

CO KleinLinden, 15. Aug. Der hiesige Evang. Kirchengesangverein, einer der ältesten seiner Art in Oberhessen and einer der rührigsten im Dekanat Gießen, feierte am Sonn­tag das Fest seines 50jährigenDestehens. Schon rund 25 Jahre wird der Verein von Kreisbauinwart Germer dirigiert. Der hiesige Posaunenchor, ebenfalls unter Leitung von Kreis­bauinwart Germer, eröffnete in feierlicher Weise am Sonntagmorgen mit Choralblasen das Fest. Der Festgottesdienst brachte ein überfülltes Gotteshaus. Gemischte Chöre des Kirchengesang- oereins wechselten ab mit Gemeindegesang, be­gleitet von den Posaunenchöven von Lang-Göns und Klein-Linden. Für die Festpredigt war Pfarrer Germer- Dingen, ein Sohn unserer Gemeinde, gewonnen worden. Er legte feiner sehr ernsten und tief zu Herzen gehenden Predigt einen Text aus der Offenbarung Johannis, Kapitel 3, zugrunde, und gedachte in seiner An­sprache ganz besonders des zur Zeit der Grün­dung schon mehr als 60 Jahre zählenden Phi­lipp Jung, der sich um den Derein und das kulturelle Leben unseres Dorfes große Verdienste erworben hat; Jung war auch der Gründer des schon 1854 erstandenen Pomunenchors. Nachmit­tags fand die Nachfeier statt. In seiner Begrüßungsansprache überbrachte der OrtSgeift» liche, Pfarrer Göbel, die Glückwünsche des lei­der am Erscheinen verhinderten Superintendenten für Oberhessen, Oberkirchenrats Wagner- Gie­ßen. Auch von den einst in Klein-Linden tätig gewesenen Geistlichen waren Glückwünsche ein­gegangen. Der Vertrauensmann der Kirchen- gefangvercaie, Pfarrer Staubach- Watzen- horn, hatte seine Grüße und Glückwünsche schrift­lich übermittelt. Die Festansprache hielt Stifts­dechant Lenz- Lich, der ebenfalls ein Sohn un­seres Dorfes ist. In seiner Ansprache über Matthäus 13, Ders 44, wandte er sich namentlich an die Jugend und ermahnte sie zur tatkräftigen Mitarbeit an den schweren Aufgaben unserer Zeit. Der Gemeindegefang wurde von den ver­einigten Posaunenchören von Lang-Göns und Klein-Linden begleitet. Die Evang. Jugendver­einigung trat mit einigen Liedern mit Lauten- und Geigenbegleitung zum erstenmal an die Oefsentlichkeit. In tr^ftichen Worten wür­digte Dekan Gußmann - Lollar, der Dertreter des Dekanats Gießen, die Verdienste des Jubel­vereins und sprach über die hohe Bedeutung unserer Kirchenlieder. Zum Schluß dankte der Ortsgeistliche, Pfarrer Göbel, allen, die gum guten Gelingen der Feier beigetragen hatten. Mit dem gemeinschaftlichen LiedAch, bleib mit deiner Gnade" fand die erhebende Feier chren Abschluß. Die sehr reichlich ausgefallene Kollekte kommt je zur Hälfte der Inneren Mission und dem Kirchenbau in Gau-Alaesheim zugute.

I Mainzlar, 15. Aug. Dank des guten Auftragsbestandes wurde biefer Tage bei der hiesigen Firma Scheidhauer & Giebing der fünfte Ringofen in Betrieb genommen. Diese Vollbeschäftigung mit sämtlichen Oefen konnte man letztmals im Jahre 1913 fest stellen. Auch werden z. Z. umfangreiche Vergrößerungen des Betriebes vorgenommen. Infolge dieses guten Geschäftsganges hat unsere Gemeinde schon seit März d. I. feine Erwerbslosen mehr, und eine größere Anzahl kleiner Landwirte der Umgegend fand wieder lohnende Beschäftigung. Die Firma beschäftigt z. Z. zirka 400 Arbeiter; teilweise so­gar in drei Schichten. Die Fertigsabrikate gehen zum Teil ins Ausland.

8 ©rünberg, 15. Aug. In der hiesigem Kirche wurde gestern im Nachmittagsgottesdienst das 50jährige Bestehen der Kleinkin­der sch uleHenrietten stift" feierlich be­gangen. Die Schule wurde im Jahre 18Z7 ge­gründet. Unter den Gründern waren u. a.: Bürgermeister Bracht, Hermann Jöckel I., Philipp Sehrt, Gustav Rohleder, Konrad F u l d a t, Baurat D i e f f e n b a ch und Pfarrer Koch. Durch hochherzige Stiftungen wurde schon zehn Jahre nach der Gründung der Dau eines eignen Heims möglich. Tesonders hervorzuheben wäre eine größere Geldspende von Frau Dekan P u 11 m a n n. Die Schule stand zunächst unter der umsichtigen Leitung der Schwester Char­lotte. Leider war sie an der Teilnahme bei der heutigen Feier infolge Krankheit verhindert. Die übrigen Schwestern es waren 19 - - der letzten 50 Jahre waren zum Jubiläum nach ©rünberg

ich mich, wie ein Ballon, dem plötzlich mit weiteren fünfzig Kubikmeter Gas unter die Anne gegriffen wird.

Und ich," rief Lawrence, indem er mir rasch die Hand drückte,laufe auf die Redaktionen. Für die Morgenblätter wird es gerade noch Zeit fein. Aus Ihnen, Herr Eyth, kann immer noch etwas werden. Ich gebe Sie nicht ganz verloren. Adieu!"

Er lief, den nächsten Weg über das gepflügte Feld nehmend, dem Parktor zu, und zwar so eifrig, daß er, über die mächtigen Furchen stolpernd, zwei­mal auf,die Knie fiel, ohne Zeit zu verlieren.

Delano und ich sahen einander an, zaghaft, trüb­selig, ich noch immer in einem unbeendeten Seelen­kampf, in dem die Neue und die Alte Welt mitein­ander rangen und mich qualvoll hin und her zerrten; Delano mich mißtrauisch bewachend, als ob er fürchtete, es könne doch noch alles schief gehen.

Es ist gut, daß Sie sich entschieden haben", sagte er endlich mit dem ersten Lächeln aus seinem gelben Gesicht.Wenn Sie nein gesagt hätten, wäre ich morgen früh nach Kuba abgereift. Ohne die Ge- sellschaftskafse. Die ist leer."

*

Neue Hoffnung.

DieCrescent City News" waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf den Lawrence feine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmundswechsel kaum hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten, wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull und Jonathan in begei­sterten Farben geschildert, ihre merkwürdige äußer­liche Aehnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen, daß in ihrem Innern wesentliche Ver­schiedenheiten bestehen dürften. Das Verhältnis von Heiz- und Rostfiäche, vom Zylinderraum zum Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrich- tung, ein heimlicher Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen laste den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erschei­nen. Uebrtgens komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeis an, und da Jo-

geeilt. Dekan Schmidt legte sssiner Predigt die Ch^istusworte (Markus, Kap. 10,14):Lastet die Kindlein zu. mir kommen und wehret ihnen nicht" zugrunde. Er würdigte die segensreiche Einrichtung der Schule für Eltern und Kinder und gab einen Aeberblick über die verflossenen 50 Jahre. Die Kleinsten verschönten die Feier durch vortragen von Gedichten und Gesängen. Der sechsjährige Robert Römer richtete an die Gäste und Festteilnehmer einen gut vor- getragenen Wilttommengruß. Eine ausgezeich­nete Leistung stellte der Chor der Schwestern dar, die das LiedO, daß ich tausend Zungen hätte" zu Gehör brachten. Die sttmmungsvolle Feier wurde durch die Darbietungen eines Streichorchesters umrahmt. Nach Beendigung des Gottesdienstes tour.cn die Kleinen durch eine Brezelgabe überrascht. In der Kleinkinderschule fanden sich dann nach der kirchlichen Feier die erschienenen Schwestern und Gäste zu einem gemütlichen Plauderkaffee zusammen. Heute Mon- tagnachmittag erhielten auch die Kleinen einen Festkaffee" mit Kuchen in der Schule gereicht. Im Durchschnitt wird die Schule von 40 Kindern besucht. Die Kleinkinderschule Henriettenstift steht unter der rührigen Leitung der Schwester Ba­bette, die schon auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken kann.

) L i ch , 15. Aug. Der Schutz- und Polizei­hund-Sportverein Lich und Umgegend hielt gestern auf dem Hardtberge dahier feine diesjährige Zucht- und Schutzhundprüfung ab. Als Preisrichter fungierte Polizeiwachtineifter Nienhardt - Gie­ßen. Zur Prüfung standen ein Rüde und fünf Hündinnen. Bereits in den frühen Stunden begann die Nasenarbeit, während nachmittags Gehorsams­übungen und Mannarbeit geprüft wurden. An die Besitzer der Tiere konnten fünf Schutzhundzeichen uni) eine Zuchthundbescheinigung ausgegeben wer­den. Die Preisverteilung, für die recht schöne Ehren­preise zur Verfügung standen, gestaltete sich wie folgt: 1 Preis Lotto von der Vogelshöhe, 16 M. alt, Besitzer Josef Brünning, Lich, 2. Asta, 3j Jahre alt, Bes. Ludwig Menges, Lich, 3. Bella v. d. Lahnquelle, 17 M. alt, Bes. Schutzmann Kempf, Lich, 4. Willja vom Tiefenweg, 2 I. alt, Bes. Ernst Pein, Nieder-Bessingen, 5. Senta, 3 I. alt, Bes. Karl Eise, Lich, 6. Nero, 34 I. alt, Bes. Rechner Rühl, Ober-Bessingen. Sämtliche vorgeführten Tiere waren deutsche Schäferhunde. Die Hunde- dressuren verdienen besonderes Jnteresfe, und aner­kennenswert find die Bestrebungen des hiesigen Ver­eins, geeignete Schutz- und Polizeihunde heranzu­bilden.

T Nieder-Bessingen, 15. Aug. Der B e - zirk Lich der K r i e g e r k a m e r a d f ch a s t Hassia" hatte dem hiesigen Kriegerverein unter seinem rührigen Vorsitzenden Wilhelm Lotz sein erstes nach dem Kriege stattfindendes Bezirks- scyießen übertragen. Nachdem schon am 7. August das Probeschießen abgehalten worden war, wurde gestern durch den Vorsitzenden des Bezirks Lich, Tierarzt Dr. Walter, mit einer Ansprache, die in einem Hoch auf das deutsche Vaterland ausklang, das Bezirksschießen eröffnet. Nach 13jät)riger Pause trafen sich die besten Schützen der dem Bezirk Lich angegliederten Kriegervereine von Lich, Muschen- heim, Bettenhausen, Birklar, Ronnenroth. Nieder- und Ober-Bessingen, Ettingshausen und Hattenrod. Aus je 15 Mitglieder eines Vereins kam ein Teil­nehmer am Bezirksschietzen. Es wurden je vier Schutz auf die Ringscheibe 12 mit dem Gewehr- mode ll 71 abgegeben. Nachstehend folgen die zehn ersten Sieger: 1. Preis mit 44 Ringen H. Mohr, Ettingshausen; 2. mit 44 Ringen H. Kämmerer, Bettenhausen; 3. mit 43 Ringen P. Walter, Ettingsl-ausen; 4. mit 43 Ringen H. Müller, Lich; 5. mit 43 Ringen H. Schomber, Ettings­hausen; 6. mit 43 Ringen H. Pauli, Bettenhausen; 7. mit 43 Ringen H. Heckmann, Muschenheirn; 8. mit 43 Ringen K. C. R a u, Lich; 9. mit 42 Rin­gen K. Müller, Birklar; 10. mit 41 Ringen W. Lotz, Nieder-Bessingen. Jrn ganzen wurden 30 Preise (der letzte mit 36 Ringen) ausgegeben. Die von dem Hauptverband gestiftete Hassia-Ehrenscheibe errang Will). Kraus, Lich. Laut Beschluß des Bezirks soll das Beürksschießen nun wieder alljähr­lich abgehalten werden.

# Aus der nördlichen Wetterau, 15. Aug. Die Getreideernte ist so ziemlich beendet. Die Gerste hat etwas unter dem starken Wachstum des ein&e'äten Ro.tte^s gelitten, der oft über die Gerstenähren hinausragte und teil­weise zu blühen begann. Die Dreschmaschine hat schon die Arbeit auf genommen. Das Drusch­ergebnis ist als gut zu bezeichnen. Auf einem

nathcm von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb), John Bull von einem nicht min­der hervorragenden Engländer, Jem Parker (rot und blau) geritten werde der Berichterstatter entschul­digte sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich in die Sprache des Turfs verfalle, fo fei der Sieg des einen oder des anderen keineswegs eine leicht ooräuszufehende Sache. An den Schenktifchen der Hotels und Salons von St. Charles- und Kanalstratze fei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen fei in den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorite, während im St. Charles-Hotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockei man grö­ßere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden.

Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder aufgenommen. Das amerika­nische Fieber, das den wohlatklimatifietten Law­rence in einen jungen Mann voll Feuer und Ener­gie verwandelt hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Slorgen nach unserer Bespre­chung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklem­mung die bekannte Anzeige in fünf Zeitungen ge­sehen und mich an deren Aussehen ein wenig ge­wöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Auf­wallung alle Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war viertausend Meilen vorn würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal sein muhte und mein ernster, ehr­barer Dampfpflug auf ein paar Stunden den Nar­ren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! General Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich wünschte er allerdings in diesem Falle mehr in den Hintergrund zu treten. Um so tätiger waren feine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen, die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich kleinen Anwandlungen von Ge- wisiensbiffen aussetzte. Lawrence lachte mich aus: Ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute ihr Geld in der Tasche behalten?" fragte er.Ist es für das gemeine Wohl von irgend­welcher Bedeutung, in wessen Tasche bes Volkes es schließlich sitzen bleibt?" Ich mutzte ihm recht geben.

Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte er.Mister Fowler schickte

Morgen werden durchschnittlich 8 bis 11 Zentner Korn crusgedroschen; bei Weizen hat man 14 bis 17 Zentner auf gleicher Fläche geerntet. Wenn nun noch die auf Haufen stehende Frucht gut ein­gebracht wird, so haben wir heuer eine sehr gute Körnerernte zu erwarten, wie auch der Strohertrag als vorzüglich bezeich­net werden muß. Auch die Hackfrüchte stehen in gutem Wachstum. Die in kiefern Jahre allent­halben vermehrt angcbauten Zuckerrüben zeigen jetzt bereits Knollenstärkon, wie sonstjahrs zur Zeit der Ernte. In diesem Jahre haben die Landwirte wieder viel Stoppelerbsen und -Wicken gesät, dir durch die vorhandene Erdfeuchtigkeit gleichmäßig aufgelaufen sind und bereits gut treiben. Dir Aepf el- und Virnenernte verspricht gute Erträge. Ganz verschiedenen Behang zeigen die Z w e t s ch e n, die vor allem zur Herstellung des WetterauerHoinks" benötigt werden. In den Gärten liefern Dohnen und Gurken vollen Ertrag.

Streid Friedberg

ZFriedberg,15. Aug. Einen feierlichen Empfang bereitete heute abend die hiesige Turn- gemeinde dem Turner W. Schäfer am Bahnhof, als er von den Deutschen Meisterschaften in Berlin zurückkehrte, woselbst er von den Schwimmern im Streckentauchen zweiter Sieger^geworden ist.

4# Steinfurth, 15. Aug. Das Gustav- Adolf-Fest des Zweigvereins Wetterau wird am 25. September hier gefeiert werden, wofür Pfarrer D e r n b e ck von Hofheim in Starken­burg und andere Festredner gewonnen sind. Der Altar unserer Kirche zeigt seit der Rosenausstellung jeden Sonntag frischen Dlumen- schmuck. Jetzt sind es meistens Rosen, die den Altar zieren, und es ist eine schöne Sitte, die sich auf Veranlassung unseres Pfarrers einzubürgern scheint, das Gotteshaus in der Rosenzeit mit der Vlume zu schmücken, deren Kultur der Haupt­erwerbszweig der Steinfurther geworden ist.

Kreis Schotten.

Id. Schotten, 15. Aug. Nachdem dieErnte in dem Raume Eichel sachsen Breun­geshain, die durch zwei schwere Hagelwetter stark geschädigt wurde, im Gange ist, bietet sich dem Auge ein trübes Bild, denn gar mancher Acker muß ohne Aussicht auf nennenswerten Körnerertrag abgeerntet werden. Besonders groß ist der Ausfall bei Gerste, Hafer und Wei­zen, die in vielen Fällen nicht die Saatfrucht bringen dürften. Glücklicherweise ist keine Feld­mark in ihrer Gesamtheit betroffen, fo daß wenigstens ein Teil der Ernte befriedigt. Größer als man erst annahm ist der Schaden, den die Obsternte in den Gemeinden Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod erleidet. Wenn auch die vom Hagel abgeschlagenen Früchte ver­schmerzt werden konnten, so wird das Ergebnis der Ernte dadurch stark beeinträchtigt, daß die durch die vielen Regenfälle dieses Sommers ohnehin sehr rauhschalig gewordenen Aepfel und Dirnen zum großen Seite von der Wircht der sehr großen Hagelkörner Risse und Druckstellen davontrugen, die mm Ausgangspunkte der Fäul­nis werden.

Gedern, 15. Aug. Die hiesige Klein­kinderschule veranstaltete am gestrigen Sonn­tag unter Leitung der Kindergärtnerin Schwester Dora Wenderoth im festlich geschmückten Saale des Bergwirtshauses eine Feier, die in erster Linie eine Ehrung des Bürger­meisters Müller anläßlich seines Geburts­tages darstellte, da der Bürgermeister sich um das Zustandekommen der Kleinkinderschule ein be­sonderes Verdienst erworben hat. Nach einem Musttvortrag für Violine und Klavier der Ju­gendlichen Walter L i st und Hans Wagner richtete Rentamtssekretär Bauer herzliche Worte der Begrüßung an die zahlreichen Eltern und Freunde der Kleinkinderschule, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten. Es wechselten nun ab in bunter Folge Lied- und Gedichtvorträge der Kleinen und Kleinsten, mit denen in sinniger Weise die älcberreichung von Geburtstagsgaben in Gestalt von Blumen ver­bunden wurden. Die sorgfältige Einstudierung aller Darbietungen zeig.e. mit welch unendlicher Mühe und Liebe zur Sache Schwester Dora Wenderoth der Vorbereitung der Feier ob­gelegen hatte. Besonderen Beifall fand ein Blumenreigen. Bürgermeister Müller sprach für die Ehrung seinen Dank aus und versprach, auch fernerhin für das Wohl des Kindergartens zu sorgen. Ein Musikvortrag beschloß die stim- -mungsvolle Feier.

mich hierher und befahl mir, zu tun, was Sie be­fehlen. Das find meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner Maschine wettrennen soll, fo wettrenne ich; das ist einfach!" Ich klopfte ihm auf die Schul­ter und begann, etwas zögernd, von der roten Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwar­teter Zwischenfall zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte be­reits die intime Bekanntschaft einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte die amerikanische Ab­neigung gegen leichte Farbenmischung nicht, und die junge Dame war Feuer und Flamme für den hüb- schen, kräftigen, wenn auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie anmeffen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine glückliche Frau zu werben. Er brummte, aber er war ein her­ziger Junge, ihr Jem, wenn er die Kakadujacke an­hatte.

Die Ackergeräte blieben irn Felde stehen, wo sie standen, verstaubt und verachtet. Beide Dampf­maschinen dagegen wurden drei Tage lang geputzt und geschmirgelt, dah sie in der Sonne blitzten. Auf der Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere Ma- lerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuche nagte, die eine mit den Worten ,Lohn Bull", die andere mit dem NamenJonathan" be­malen, fo daß ich nun auch selbst wußte, welcher die eine und welches die andere war. Stone brachte auf eigene Kosten nationalfarbene, besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand sich am Mittwochnachmittag mit Girlanden über und über bedeckt, in denen sich reife Drangen be­sonders reizend ausnahmen. Das war Sallys Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Ma­schine zwei Banner befestigt wurden: Parker er­hielt die englische Union Jack, die er mit ruhigem Stolz aufstockte, Stone die sternbesäte Flagge feiner amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhält­nis beider war auch nach längerem Zusammen­arbeiten das gleiche geblieben.

Fortsetzung folgt.)