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Nr. (58 Erstes Blatt

IN. Jahrgang

Donnerstag, 10. Juni <92Z

Erscheint täglich,«her Srmwtaqs wnb Jttertog«. BrUagei.

Lietzener 3**tlimb[8t1er Heimat im Vild Vie Scholle.

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Liaatz», von L,j,iora für die lagrsnummcr bis zum Nachmittag vorher.

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Dr. Fnedr. Will». Lange, verantwortlich für TMinli Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilltton Dr. H. Thynot; für ben übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Kart Tillmann, sämtlich in Gießen.

Das russische Gespenst auf der Genfer Ratstagung

Das Thema der Genfer Unterhaltung.

Von unserem L R.'venchterftotter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Eens. 15. Juni 1927.

Heber die Tatsache, das, bas eigenlliche Pro­gramm der Bölkerbundsratstogung trotz nianch,r interessanter Punkt, nur zweitrangige Be» »eutung besitzt, braucht man wohl nicht mehr zu reden. Die Fragen der Sklaverei, de» Mädchen- bandele, der Hygiene und des Kinderschuh,; wer- >en. wie man gerade gestern sah, in viertel- Zündigen Sitzungen abgemacht und erledtgl. wichtiger sind schon die Gespräche, die im Zimmer Stresemonns im Hotel Metropole, In dem rhamderlains im Beau-Rioag, und in dem B r i a n bs im Hotel des Bergues adgeholten wer- zen. 3n der Einschätzung dessen, was in diesen bei- iahe schon historischen Zimmern vor sich geht, leistet nan sich in der Oessentlichkelt fast aller Länder und nsdesondere Deutschlands, aber doch wohl manch- nal reichlich viel. Gewiß, die Besprechungen unter >i,r oder sechs Augen sind und bleiben wichtig, und ,jemals wäre Herr Chamberlain in so unruhigen tagen wie in den jetzigen nach Gens gekommen, wenn nicht um mehr ginge, al* interessante Spezial­ragen. Dazu hat man doch schließlich Lord Robert kec> I. der ein recht geschickter Taktiker ist, und *r sich längst schon die Genfer Sporen verdient >al. Für England handelt es sich wirklich bei den rrwarteten Genfer Ergebnissen um g r u n d s ä tz - 'iche Fragen. Deutschland aber sollte nicht »ergessen. daß seine Wunsche und deren heißer- lehnt, Erfüllung nicht in Gens entschieden wer- ->en, sondern in Pans und London, lieber die Räu­mung des Rheinlandes z. B darf man nach den knttauschungen. die das Reich erlebt hat, nicht mehr n Genf, und nicht mit Briand und Chamberlain Prechen. sondern mit Churchill und Poincart.

Man irrt sich eben in Deutschland sehr, wenn nan meint, dasi Briand aug-mblickltch überhaupt n der Lage sei. eine selbständige Außenpolitik iu treiben. Der Führer dec Außenpolitik Zrank- ceichs ift schon fett langem Poincarö. und Briand tut nur ba«, wag Poincart ihm au tun gestattet Briand hüllt nur die Entschlüsse, die Poincare selbstverständlich im Einverständnis mit Briand gefaßt hat. in bezaubernde, zarte, blumige und delikate Phrafen. Poincarö ist so populär und seine Macht ist so graft, dasi. wenn Briand auch wollte, er gar nicht in der Lage wäre, seinen Willen dem allmächtigen Retter Frankreich» aufzudrängen. Zudem ist Poincars Realpolitiker, während BciandS viel- gerühmte starke Phrase zugleich feine größte Schwäche ist. Was daS Reich nach vielen Ent­täuschungen :m Berkehr mit Briand erst lernen muhte, nämlich die Bieldcutigleit und Unfaßbar- feit dieser Phrasen, die einen wesentlichen Be­standteil Briandscher politischer Mentalität bil­den. da- weist man tn Frankreich längst DaS nutzt auch Poincarö tn.t dem ihm eigenen Geschick au«. Polneare ist ft et« zur Rachgicbialeit bereit, wenn c« fich um Fragen geringerer politischer Be­deutung handelt und wenn die Rachgiebigkeit teuer bezahlt wird.

Mir wird glaubhaft von französischen Diplo­maten veriichert dasi Pomcarö Herrn Briand jede Freiheit in der Frage der Kon­trolle der Oftfeftunflcn mitgegeben hat. dasi Briand bezüglich der vorzeingen Räu­mung de« Rheinland,« aber vollkommen gebunden ist Herr Poincarö weist ja am besten dost e« auch noch andere Möglichkeiten gibt, sich von der wirklich erfolgten 3crftürung an den Oftfeftungen zu überzeugen, al« gerade durch eine offizielle Reife und Führung mili- tärifcher Sachverstänbigei Ein vertrauenswür­diger Tourist dem sicher leine Hinbernis'e in den Weg gelegt werden, faim fich die g . ^e Bescherung bequem und auSgiebig betrachten und sehr schön darüber berichten, ohne dah die regicrung oder die deutsche Oeffentlichke.t von dem Q!u«flug diese« Manne« überhaupt nur eine Ahnung zu haben braucht Poincar.'- treibt auch feine Prestigepolitit um k»e« Prestige« willen.

Ganz ander« verhält e« sich mit der Rhein- andräumung. GS ist nun einmal zum Dogma geworden, hast die Räumung wegen der Sicher­heit Frankreich« erst vollzogen werden kann, wenn die grobe französische Armeereform durchgcfüdrt ist. und wenn der Bau der riesigen französischen Ostfestungen abgeschlossen ist. Hierbei ist da«, was Briand denkt, gänzlich un­wichtig. Gewicht dal nur die Meinung Fachs, al« de« groben militärischen Sachverständigen die der G r o h i n d u st r i e und des Ausfuhr- handel«. Di, Wirtfchaf »Streife mit ihren viel­fachen Beziehungen zu den militärischen Sach- günstiger Fortgang der deutsch-französischen E>ande «vcrtragsverhandlungen. die .Julafhmi eines schonen Wc.rkontingent- unb die Berucksichiigung der französischen Xertilicn viel günstiger in deutschem Sinne auf die Der- kürzung der Frist der Räumung einwirken würde, al« alle guten Reden und Gespräche an Früh­stücks tischen in Tboiry und Genf. Ist dem so, bann wird allerding« für daS Reich bie Frage auf tauchen, ob man nicht lieber die vertrag­lich festgesetzte Frist abwartet. ehe man um der Be'atzunqsfrage willen schwere Wirttchastsketten hv tr :ia au* sich ninrr-

3n gewissem Sinne steht di, Räumungssrage aber auch im Zusammenhang mit der unter der Oberfläche der aktuellen Tagcsereignisse 'chweienben Frage der polnischen West grenze, über di« mon in Paris gern cranial grundsätzlich redete be­vor es zu spät geworden ist. Aber «s ist ebensowenig anzunehmen, bah diese fundamentale Frage In Genf

brnNen mird. wie mon barmt rechnen darf, day die Rheinlandräumung zur klärenden Aus­sprache gestellt würde.

Die England interessierenden Fragen dürsten viel unmittelbarer In Gens angeführt wer­den. Trotz aller Ableugnungen von engliichcr und auch von deutscher Seite weih die englische Reoie- rung genau, daß sie ohne die Mitwirkung Deutsch­land!) nicht in der Lage ist. die Sowjetmacht zur Kapitulation zu zwingen. Die Beziehungen zu den Sowjets und ihre diplomatische Unterstützung durch da» Reich sind starke Trümpfe im Spiel der deutschen Außenvolilik. Churchill versteht das sehr gut. vielleicht bester als Chimberiain. Er würde für die Unterstützung Deutschlands, d. h. für die Bil­dung einer gemeinsamen Front gegen Rußland, aver auch für eine England wohl­wollende Neutralität de» Reiches einen hohen Preis bezahlen. Gut informierte englische Diplomaten sprechen es ganz offen aus, dah Cham­berlain über derartige Möglichkeiten sich mit Dr. Streif monn unterhalten hat unb noch weiter unterhalten wird. Die Sorge um Frankreichs Stellung ist England los. Die eisige Dusche, die Tschitscherin von Poinear« bekam, war ein froher Erfolg der englifckjen Diplomatie. Wenn auch Frank- reich di, diplomotifchen Beziehungen mit den So­wjets nicht obbrechen wird, so wird es sich in keinem Falle jetzt zu einem Abkommen über Vorkriegs- Ichulden oder gar über neue Kredite für die Sowjet» bereit finden. Ebenso sicher wie Frankreich ist auch Polen in der Front der Sowjetgegner zu finden. 5m englisch russischen Konflikt und in der Stellung Deutschlands zu diesen Hegt der Schlüssel der europäifeben Politik unserer Tage. Hier laufen alle Fäden zusammen, und hiervon hangt schließlich auch die weitere Entwicklung der Deutschland interrifte- re oben Probleme ab

Es ist und bleibt die große Frage, ob die beutfche Politik die (Bcnernlprobc besteht, vor die sie nestelst wird, denn die Möglichkeiten, die diese Situation in sich trägt, können leicht auch in rin gefährliches Extrem ausschlagen

Die Sechsmcichteb onferenz

Genf, 15. Juni. (IU.) lieber die heutige Be­sprechung der in d e r Botschafterkon- ferenz vertretenen Mächte, bk etwas über zwei Stunden bauerte, wird von der deutschen Delegation ''olgendes Kommunique ausgegeben:

3m Verfolg der Arbeiten der letzten fion- iircni der. TRonnls Dezember haben die Mit­glieder der Konferenz die in der Schwebe ge­bliebenen Fragen geprüft, feflgeffeUt, bis ju roeldjem Punkt die (Erfüllung einiger dieser Jragen gelangt ist und für die übrigen Fragen sich über die Mittel und Wege geeinigt, um Ihre Verwirklichung innerhalb einer m ö g 11 d) fl kurzen Fr 1 st sicher zu- slellen. Die Mitglieder der Konferenz haben hierbei neuerlich ihren einmütigen Dillen feft- gclcgt, d i e Locarnopolitik weiter f o r t; u s e tz c n . die bisher im Jntereffe des Friedens wichtige Resultate ergeben Hal und weiter ergeben wird."

Wie weiter vertäutet. steht zu erwarten, daß noch heute ober im Lause dec- morgigen Tages eine Ver­einbarung über die Kontrolle der O st - f e st u n g e n Zustandekommen wird. In der Frage der Herabsetzung der R h e i n 1 a n b t r u p pen bestehen nach wie vor nicht unerhebliche K e - g e n s ä tz e , doch erwartet man, daß auch hier in den heutigen und morgigen Verhandlungen eine ge* wisie Klärung eintreten wird. Sollte in den Mächte- nMungen am Mittwoch ober Donnerstag, wie gegenwärtig beabsichtigt wird, eine allgemeine Erklärung über bie künftige Politik der Großmächte ausgearbeitet werden, so dürft, darin aller Voraussicht nach bie Frage der Bf- schränkung d c r A h C i n I a n Ji t r u p p e n grundsätzlich zum Ausdruck kommen.

Pariser Gerüchte.

Tcutschiands Haltung im Russcnkonflikt

Paris. 15. 3um. (XU.) Da über ben Genfer Deheimbefprcchungcn ziemlich undurchsichtiges Dunkel liegt, macht sich in Pariser diplomatischen reifen eine gewisse Rervvsität bemerkbar, bie befonber« in ber Frage ber Orientierung Westeuropas gegenüber Moskau zu­tage tritt. Man hält zur Zeit bie politische Lage Englands für stark genug, um in Guropa ben Ton anzugeben unb man nimmt allgemein an, bah Chamberlain ben Versuch machen werbe, btc europäischen Mächte zur Annahme bes eng­lischen Lranbpunk'.es in ber Beurteilung bet Moskauer Politik zu veranlassen. Frankreich be­müht sich zwar nach wie vor. feine Entschluh- freiheil zu wahren. Es läßt sich aber erkennen, bah nach bem Abbruch ber diplomatischen Be­ziehungen zwischen Lonbvn unb Moskau unb angesichts deS ergebnislosen Derlaufs ber Schul- benttcrDan h 1urigen auch in PariS Neigung besteht, ba« englische Beispiel nach- 3 u a b m e n. Die grobe Unbekannte ist für Paris bie Haltung Deutschlands baö man cl« unentbehrlichen Faktor in bieser politischen ®Ua-

chung erkennt Man weist aller bi ng« ben Ge- banfen von ber Hand, al« ob e« sich um einen Anttsvwjetblock handeln finrne, gibt aber ber Meinung Au«druck, dah es and) nicht im deut­schen Interesse gelegen ku mit den Mächten der Anarchie zu paktieren. Man nimmt deshalb In Pari« an, dah Deutschland bereit Irin werde, mit ben übrigen europäischen Mächten zusammenzugehen, wenn e« sich nur um eine Defensiv rnahnahme handele Al« sicher nimmt man an, bah Deutschland dafür Zuge­ständnisse von ben 2111Herten tn ber Rheinlandfrage verlangen wer he

Eine Rustentzonferenz?

Riga. 15. Juni. iXU.) Wie aus Mos­kau gemeldet wirb, hat bie Nachricht von ber möglichen Einberufung einer Sonder- konf erenz zur Regelung russischer Fragen In Moskau Befremden hervorgerufen. In politischen Kreisen MoS!auS wirb ber Erfolg einer solchen Konserenz l ezweiielt und eine Be­teiligung ber Sowjetunion al« überf üssig bezeichnet Man betont, bah eine Derartige Kon­ferenz nur bann erfolgreich verlaufen können wenn bie Großmächte bie bestehenbe Ord­nung in ber Sowjetunion aner ken­nen würben. Wenn bie Sowjetregierung über­haupt teilnähme, bann könne es nur a 1 «Be­ll b a ch t e r ber Fall sein. Wie weiter gemclbct wirb, soll heute oder morgen eine Besprechung zwischen bem sranzösischen Geschäft-träger in Moskau unb Litwinow in bieser Frage statt- fmben. Die Komintern hat sich gegen eine Zusammenrbeit Sowjetruhlanbs mit ben Groß­mächten ausgesprochen In Mo-kauer politi­schen Kreisen wirb weiter betont, bah eine Aen- berung ber russischen Haltung nur bann ein- tteten könne, wenn man in Moskau die ®e- wihheit habe, bah bet englisch-russische Konflikt beigelegt werb«.

Enttäuschung in Berlin.

Berlin, 16. Juni. (XU.) Da« Kommu­nique über bie gestrigen Ministerbesprechungen wirb von ber Berliner Presse als vollkom­men unbestimmt bezeichnet, weil es fein« positiven Angaben enthält unb nur zu Kom­binationen Anlaß gibt. Man vermutet, bah bie Deutschlanb befonber« angehenben Fragen vollkommen in ber Schwebe bleiben, dah Weber über bie Frage ber Ostfeslungen noch über Die Räumungvfrage irgenDeine klare Vereinba­rung zustandegekvmmen ist. BesonDers erstaunt ist man Darüber. Dah Da« Kommunique allem Anschein nach al« vorläufiger Abschluß Der Genfer Besprechungen gedacht ist. Die Blätter lagen, man könne nur von einer Enttäuschung für Deutschland sprechen Eine aus französischer Quelle stammende Mitteilung, dah eine Verminderung Der Besatzungstruppen um 17 000 Mann geplant fei, wirD in Genf al« leere« Geruch! bezeichnet

Die Bereinigung der IHemeifrage

Von unserem SonDerkorrefpondenten.

® « n f. 15.3unL Die heutigeRatSsitzung war nicht unerheblich Durch die Mitwirkung Deutschlands be­stimmt. Denn einmal konnte tn bezug auf Den Bericht über Die Dorbereitenbe Abrüstungskonfe­renz Der ReichSauhenminister zu einer grunb- fätzlich bebeutungsvollen, wenn auch knappen unb ber Form nach nicht zugespitzten Erklärung ba« Wort nehmen, unb fobann konnte er nach ber Bereinigung ber Memel st reitsrage für Deutschlanb zum ersten Male in Dcrlretung eine« deutschen Dolk«teiles außerhalb ber Reichs­grenzen gegenüber einer Recht«Verletzung durch einen fremden Machthaber einen sichtbaren unb namhaften Ers olg bavvntragen. Nicht einen Sieg, beim es wäre versehlt, bie ©elbftüber- winbung bes litauischen Ministerpräsibenten Woldemaras, von bem bie 3niticUive zur Bei­legung beS Konflikts ausgegangen war. zu unter­schätzen. Deshalb ist bas Ergebnis, das nach langwierigen unb ziemlich mühseligen Verhand­lungen zustanbegekommen war. doppelt erfreu­lich. auch deshalb, weil es eine Stärkung de - Völkerbundes darstellt, wenn seine Mitglieder sich sveiwilltg unb spontan vor einer Autorität beugen, beten Vetechtigkeit sie für ihre Vertretung ber Sache fürchten müssen. Man kann auch nicht einmal sagen, bah ein Ver­gleich geschlossen würbe, obwohl bie abgegebene Erklärung Litauen- sich dieser Rechtsform an­dern Privatleben weitgehend nähert. Denn ohne Zweifel bedeutet diese Erklärung eine An­erkennung der memelländischen An­sprüche in allen ihren entscheidenden Teilen und bie wörtliche Verpflichtung zu ihrer Be­friedigung.

Die Erklärung beS ReichSaubemninisters konnte bemgegenüber kurz gehalten unb auf bie Regi­strierung bet lita uischen Ber ps lich - t u n fl beschränkt bleiben; benn Deutschlanb. bas rein formell burchaus nicht eine eigene Sache ver­trat. sondern im Völkerbundsintevesse fungierte, hatte seinerseits keine Veranlassung, den li­tauischen Schritt zu irgenbeinem moralisch n Xrcumps über Lttaucn aub-ubeuten. 5-i Ijr.n nicht auebleiben, bah biese Etlebigung. mit bet bie Vertretet Memels im Hinblick auf ihre eigenen Bestrebungen nach gutem Einvernehmen mit Kowno vollkommen zufrieden sinh auch auf bie Wieberhetstellung eine6 treunbli»

eben Dethältniffes »wischen Deu. lch« l a n b unb Litauen adsärben wirb, ba# sich zunächst in Bezug aus bie Hanbel-vertragsixt- hanblungen geltend machen wirb.

Die Ratssitzuny.

Genf, 14. Juni. (Dolfs.) Zur Mcineisrag, gab heute im Bölkrrbunbsrat Der litauisch, Mmist,r- präsibent Wolb,maras rin, Erklärung ab. in b,r ,» heißt! ..Di, litauische Regierunq legt Wert Darauf, schon j,gt zu ,rflärcn. daß es nicht in ihrer Absicht liegt, das Mcmelgtbiet ohne Volt i crtreiung zu lassen. 6ir ift sich iht,r Psticht und ihrer 13er- ontroortunfl vollauf bewußt. Die Regierung wird daher die ersorderlichen Maßnahmen treffen, damit b i r Wahlen für den Landtag spätestens End, September 1927 stattfinden Die lilauiiche Re- Jierung kann zu ihrer Freirde feftfletlcn, daß die )auptschwierigkeit. die di« Wahl verzögert hatte, glücklich überwunden ist. Hinsichtlich der Auto­nomie des URtmclgebiflfS, wie sie tat Statut festgesetzt ist ift die litauifdjr Regierung fest alles, iixi: an ihr liegt, zu tun, bain;t die Autonomie wirksam wird und sich beziiglich Wählerfchcifi. ZirsEinensetzuna des Land'.aqev und Bildung des Direktoriums- ausdemokratischer (B ru n D l a ae entottfel! 3m Romen ber sieg rung. ber ich oorstehc kann ich das eine frflmen: die politischen und loustigen Rechte des Me.ucl- gcdictes die Rechte Der turiftlschen unb natürlid)en Personen, werden in vollem Maße gewahr- I e i ft c t roerben." Darauf erklärte der deutfcl-e Außenminister Dr. Slrefemann unter anderem: Angesichts der von dem Herrn Ministerpräsib i Woldamaras Im Namen feiner Regierung abgegebe­nen Erklärung glaubt ich meinerseits auf ber jetzigen Ratstagung daraus verzichten zu tonn en, baß die Angelegenheit weiter behmdelt wirb. Ich hoffe, daß durch die in Aussicht gestellten Maßnahme n der litauischen Regierung mit größter Beschleu- niaunfl Im Memelgebiet derjenige Zustand s I che r a e st e 111 wird, der dem Statut entspricht. In der Ratssitzung wurde barm

das Abriistuttgsproblem behandelt, Da« durch zwei Berichte Dr. 'Beneid)« angeschnitten wurde. In ber Debatte brtorri o Paul Boncvur, bah tn ber Vertagung fein Vegräbnf« ber Abrüstungsfrage unb auch kein EingestänbniS ber Unsahigkeit zu ihrer Lö­sung zu erblicken feu Der belgische Autzenministec Danbervelbe äußerte bie Üeberzeugung. ixift ba« Vorstaoium ber Dlbrüftungt-Iragc bgc - schlossen sei. D- sei unmöglich, ba« Problem uul b c hi toten Punkt zu lassen, aus dem c« sich gegenwärtig befinbet ör richlete ben bringenben 2lppell an bie össentüchr 0tcinung zur Mitwirkung an ber Verwirklichung bc« 20b- rüstungsgebanken«. Chamberlain betonte, bah. trotzdem wie Lorb Cecil sich äuhcrte ber Erfolg be« vorbereitenben 2rbrüftungx.-2Iu«- schusse« al« erheblich zu bezeichnen sei. bie 2(b» rüstungS-Konferenz noch nicht bie restlose Losung bringen könne, fonbem nur ben ersten Schritt auf bem Weg« ber allgemeinen Ab- rüftung bebeutet.

Relchsaußenminister Dr. Strefcinann erklärte. Ohne bie bi« jetzt geleistete Arbeit zu unterschätzen, müssen wir sagen, baß der Vor­bereitende Ausschuß nicht imstande grinsen ist. bie Lösung biese« Problem« sehr weit zu förbern. Ich glaube, es ist notwendig, bah ein« grunbkflenbe Aenberung burchgesühri wer­ben muß. wenn bie zweite Lesung nicht mit einem Fehlschlag enben soll, bie bem Ansehen bc« Völkerbundes abträglich wäre DaS Ab­rüstung-Problem ist eine ber wichtigsten Auf­gaben bc« Döllerbunbe«, unb auf feiner Lösung beruht in weitcstaehenbem Maße bie ganze Wirk­samkeit be« Völkerbunbe«. Die Lösung. Die noch vor wenigen Jahren einfach ausfah. scheint bem Bericht zufolge auf einen fern liegenden Zeitpunkt vertagt. Nach bem Pakt haben alle VölkerbunbSmitglieber bie Verpflichtung, ihre Rüstungen zu verminbern unb eine Aufgabe burchzufuhren, bie sofort hätte ausgenommen werben müssen, auch wenn fie nicht in bet Dölkerbunbsverfassung festgelegt wäre, weil sowohl die Eriltonz wie hi? Xatnleit l S Döllerbunbe« von ber allgemeinen Tlbrüstung abhängen. Ich möchte bie Hoffnung aussprechen, bem Abrüstung-Problem einen neuen Anstoß zu geben, bamit hierburch ber ehrliche Wille zur Abrüstung unb zur Durchführung bes Artikel- 8 be« Völkerbunds Pakt es bewiesen werde.

Line Denffchnst der Saartänöer.

Volksabstimmung und Rückkehr zum Reich gefordert. Genf, 16. Juni. (XII.) Die saarlän­dische Delegation hat am Mittwoch dem Re.chsaußen Minister Dr. Stresemann e.ne Denkschrift überreicht, bie bie schleunige Herbei­führung Der Volksabstimmung im Saar- aefeiet verlangt. In ber Hole heißt es Ichließ- l'.ch:Das Saargebiet ist in feiner jetzigen Ge­staltung nicht lebensfähig. Der Dölker- bunb kann Dem feiner Obhut anvertraulen Gebiet nicht beiftehen. Warum also noch länger zögern mit dem entscheidenben Schritt Der doch einmal getan werden muß. Das einzige Heilmittel zur Herbeiführung gesunder Zustände ist nut in der baldigen Rückkehr des Saargebiete« -um Deutschen Reich gegeben. Wir sind der Uebeqeugung, daß ber Völkerbund nach ge-