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Ur. 242 5mdtes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)
Samstag, (5. Gtiober 1927
Der Osten.
-lußenpoliiische Umschau.
Don Prof. Dr. Otto Ho«»s ch M d.R.
Wan spricht in Senf sehr wenig oder gar nicht vom Osten. THina und 3apan ftnb an Mllerbunb, aber rnü ihren Innr'.egmbeizen be- mühen sie den Döktetbund ntcpt 2He östlichen AandstoaZen und die Oiootm Südvftcur-opa« frnb auch im Döllerbund, aber toeurrn da nur auhndbmÄÄtfc mit tber.i fpeyieilen Sogenl tilgen und Problemen hervor. Vollends fehlt feöe ® e - f a m t «rörtenma btefcr vMamnwnbänac. weil Rußland fehlt und toeü die ©tcihir.g zu Rußland natur^cmLH in Genf memaU auch nur berührt wird Aber dah der Often und Südosten Suropas da find, baO bat der 3ntunaB- Lcjer in den letzten Wochen »ehe nachdrücklich erfechren: Atauifch-potnifche Spannung, bulaa* nftb-TugoflatDikbe Spannung. ruffstch-fran-Ssycher Streit l
Jugoslawien hat neu gewählt. Die Annäherung der Aadikalen und Demokraten bedeutet «ne gewisse Erweichung bei alten Paschi s ch vegimrS, dessen Schöpfer ja auch dckhin- aegangen t st. In der Außenpolitik tm besonderen hat der Außenminister Marinkowltsch immer eine friedliche und Verstandigungepvlittk mit 'Ärfganen, da« die nächste tuaoslawische .Tyrogc ist. betrieben. Die bulgarische Regio- rung ibredetl« batte jetzt nnt ihrem Bericht vor den, ,tjTndiuioTTntee bei Völkerbundes den psychologischen Augenblick ersaht, damit endlich an eine Regelung der Aeparattonsfrage. unter der Bulgarien so sehr leidet, gegangen werde und auch da ist Neigung zu einer friedlichen und Verständigung^Politik imi Jugoslawien vorhanden. Da brach plötzlich mit der ßrmortnma eine« jugoslawischen General« durch mazedonisch« 5t o- rnitatschi« ein Balkanstreit ältester Sorte wieder aus Et ist. da auf beiden Seiten leine Reigung zur Heberfpannung vorhanden war, beigelegt toorben. Auch ist selbstverständlich eine derartige Gewalttat nicht das Mittel, mit dem diese mazedonischen Komitee« ihre fragen und Mansche zur Diskussion und Erfüllung bringen fmmten. Ader damit ist die mazedonische Frage nicht erledigt Sin grelle« Licht fiel auf eine floru wunde Stelle, die die FriedensvertrLge geschaffen haben, und auf die große Lücke, dah eben derartige Festlegungen der Fnedenstx-r- träge, au« denen mit Sicherheit Konflikte immer und immer wieder entsichern müssen, nicht revidiert werden tonnen; noch nicht revidiert werden können.
Da« gilt ganz ebenfo für den litauisch- polnischen Streit. Litauen will auf Wilna nicht verzichten, die jetzige Regierung will foqar in einer Derfasfungsändeiung ausdrücklich Wilna zur Hauptstadt erklären lassen. Dabei ist W. na in der Hand der Polen, und zur Feier de« Jahrestage« seiner Eroberung ging der Mar- schal Pilsudski selbst dorthin. Auch hier ist an beiden Stellen, m Kowno und in Warschau, die Lcheu vor bewaffneten Konflikten und der Verantwortung davor groß Aber es sind die gleichen Fragen. Wo bleibt die Sicherung der Rechte der Minoritäten? Wo bleibt da« friedliche Mittel, dergleichen Spannungen, die fortgesetzt den europäischen Frieden beunruhigen, zu uermeibent Wo bleibt da« ernsthafte Bemühen der beteiligten Mächte und de« Völfer- bunde« um eine solche Lebensfrage für den europäischen Frieden?
Im rusfisch-sranzösifchen Konflikt liegt da« Problem etwa« ander«. E« ist ein sonderbarer diplomatischer Streit, der zwischen Moskau unb Pari« geführt wird. Man nurit. wie die französische Politik den Bruch Dcrmciben mechte und doch i*on einem mächtigen Teil ihrer Presse und Oessentlichkeit dazu gedrängt wird. Man merkt, dah die russisch- Politik den Bruch erst recht txrmeiben möchte und doch nicht teuu fommt. die Zugeständnisse zu mach-it. die Rußland nun einmal machen muh. will eS überhaupt in dauernd geordnete
Oer hundertjährige Böcklin.
1827 — 16. Oktober — 1927.
Don Dr. Paul Landau.
Der Künstler, seit dessen Geburt ein Jahrhundert PctfloHe-i ifs, steht im Licht der Unsterblichkeit oder ruht im Dunkel de« Vergessen«. Das Dezänk de« Dage«. der laute Beifall der QRtngc. sic- sind glecherwefe perklung-n. die Rachwel: hat den nötigen Abstand gewonnen, um Persönlichkeit und Werk au« dem Deist der Zeit zu verstehen und ihre Aachunrkung abzu- schätzen. So wird der 100. Geburtstag vielfach zum entscheidenden Dotengericht. da« das end- Öe Urteil spricht und dem noch lebendigen er seine Stellung in der Grichichte anweist. Auch für Arnold Döcklin dürfte jetzt der grobe Augenblick gekommen fein, da er feierlich in bas Pantheon der unvergänglichen Genien der Kunst au}genommen wird. Längst ada-fallen ist ja hon seiner Erscheinung bie graue Hot bes ßeben« dii ihn und dte Seinen in Hunaer und Krankheit stürzte, länast herflungen Hcchn und Geiächler, H<»v und Verachtung der Unverständigen, die die nie gesehenen CMtalten leinet Phantasie für Mistgedur en hielien. vnhalit l«r jubelnde Lärm, der an knnem Qeben«abenb tbn überschwenglich und mafjloe feierte. Die Au«- einanderfetzung über den wahren Werl letne« Schassen« hat bald nach feinem Dode eingesetzt und dürste jetzt zum Abschluß gekommen feilt
Es sind übet 20 Jahre her — da schlug plötzlich Meier-Eraese« .Fall BöLlin" wie eine Bombe in bic Verherrlichung, die m den letzten Jahnen seine» Leben«, um die Jahrhundertwende. allgemein gewordm war. Was der tempera ment volle Dorta-.p'er des Imprrffwnis- mus behauptete, war nicht mehr und nicht weniger. als dah Böcklin — nicht malen könnte. Diese Behauptung war nicht viel anders, al« wenn man gesagt hätte. Doerhe foime keine Verse machen, und da« ist ja auch von manchem Prvfodiker gesagt worden Das Me^.er-Draefe unter Malen oedtanb. war die Innige Valeur- Kunst der Franzosen und an ihr gemessen konnte höchstens heriunge Böcklin bestehen ebenso wie sein Kritiker auch nur den jungen Menzel gelten Üefc Meier-Graefe« Anarisl. der damals fo viel Staub aufnnrbel'.e und leidenschaftliche Kämpfe bervorriss. ist heute so ziemlich vergessen: er bat aber for: gewirkt und toiro folgerichtig von denen vertreten die in Manet oder Leibi den Höhepunkt moderner Malerei sehen Sch cf f-
Beziehungen zu Europa kommen Das aber will «< toeÜ e« bat muh, en« an diesen Be^Mfunger. allem die Mc>gich^err !>iixjt, Kredite gröberen Umfange« und auf lange .yrift zu erhal.en ohne die der Sowtetttaat sich dauernd incht halten kann In diesem Streit ir.-.i .Frankreich tat Au hl and ein grvsts» ^.uge Ü Midnr« berettS gemacht. Es erkennt ferne Vorkrieg-schulden an, gegen allen Marrismu« und Kommun:«nm», und macht Vorschläge, diese Verpf lrchtunaen zu erfüllen, wogegen es bann sofort icn^lr-ft-^c »rohe Kredite emtaufchen will. Diesen Verhaiid- kungen sieht Deutschland insofern in Auhe M, als feine Aechte tm Ropcxlo-V. r:rag gc- nchert sind Amwtt Auhland die Orfi g solcher Verpstichnrngen anZ>eren Ländern k. jnuiber auf fich. so fallt automatisch der Verzicht < cutf4>- brnds auf övftaihrng feiner Ansprüche weg Die Verlockung für Frankreich und ferne Älein- eentner, auf ein solche« Arrangement e.Trzuqechen ist nicht gering.
Auhland hat weiter Frankreich einen fogo- nannten Aichteinmischungspakt inü> einen fogenannten Aichtangriff«pakl an# geboten. Der erstere enthält mir Selbstverständlichkeiten di« Verpflichtung, sich in di« inneren
Angelegenheiten des anderen Lande« nützt durch Begünstigung revvlutionäver 'Bestreburrgen etn- zumifchen Foankreich lohnt ab, auf solche Selbft- verständlutzteiten e.nzugehen Diese treffen ja auch nicht das Wesentliche, was tm Falle Rakowski so deutlich hervortrat, nämlich: dah es unmöglich ist, als Diplomat die friedlichen Be^iehnmgen zu einem anderen Lande auf- tragsgcmah zu pflegen und zugleich al« Mitglied der 3. Internationale Erklärungen zu unter» schreiben dah im Falle eines Kriege« die Soldaten der anderen Armee zu der Aoten Armee üiberlausen muhten wie es Rakowski getan hat.
In anderer Form ist es dasselbe Problem, wie tm englisch-ruslifehen Konflikt um die Beteiligung der russischen Hcmde!-Vertretung in London an kommunistischer Propaganda in ötxp land. Will Auhlund dauernd gcircherte D«-:c- hungen au Europa, so wird es nicht umhin kötinen pierm ganz bestimmt« Verpflichtungen nicht nur auf sich zu nehmen, sondern auch zu halten Da« sieht sicherlich die Leitung M Sowjetstaates auch ein aber sie ist in einem schweren Kampf mit ihrer eigenen radikalen
Opposition bic ihr jedes Zugeständnis an Europa anhribrt und an greift.
Der Aichtangrifsspakt dagegen ifteine wichetoc Idee von grober Tragweite. Derui Frankreich unb Rußland einen solchen Pakt schlössen und in ihn Polen einbezögen so liegt auf der Hand, w-.e bedeutsam «int solche Ätwn- brnanon Wäre, wie bedeutsam auch für Deutschland und England Es iß Wohl ein Zufall, aber cm für England günstiger vlutall. dah der englisch--' Auhenrmmster auf seiner Rückkehr von der M'.rretmeerrmfe in diele Der- schärf ung des trxu ichi'il <tz-ruskstchien Konfliktes hereintam unö im ildefpröch imt dem franzö- silchcn und polnischen Auhemnimstcr den Versuch machte die englische Auffa'sung zu vertreten Stellt man fich vor. r.n solche« russische» Angebot auf einen Daranttepakt würde von Frankreich und Polen auf genommen und zu einem Aphtzluh gebracht «was auhcrocdentlichc Schwierigkeiten in fich trüge), fo wäre England in feiner Auhlaiidpo!.uk noch isolierter als es heule schon ist. Gebracht hat dieser Abbruch der Beziehungeii England gar nichts; nicht» wirtschaftlich und nicht« politifch. Die Well fragt sich, was England eigentlich damit gewollt und bezweckt Hal. und findet die Antwort aus bre ,yravx nur in den bekannten Drunden und Rücksichten der inneren englischen Politik unZ> der kommenden Weltprvpaganda. unter deren Einfluß allmählich die Staatsmänner der großen Staaken Europa« immer mehr geraten.
D« russisch-sranzösische AuSeinandersetzun g bedroht ja nicht den Frieden Europa«. Aber fic zeigt, wie unbefriedigend die Verhältnisle Ul unserem Kontinent noch find. Jetzt pocht« deo Osten vernehmlich an t>fe Tür. Und toerm an jugoslawilch-bulgarischer Konflikt Deutschland auch unmittelbar nicht berührt, an den litauisch- polnischen AuSeinandersehungen sind wir selbst- verständlich interessiert, und an den russisch- französischen Au-kinanderfetzunaen erst recht. Der Winter wird in bc,,ug auf den Osten bic deutsche Aussenpolitik nicht nur zwingen, wa« selbstverständlich ist, mit gespanntester Aufmerksamkeit aus diese Entwicklungen zu sehen, sondern er wird sie unsere« Erachten« auch zwingen, an bestimmten Stellen ihrerseits positiver und aktiver vvrzugehen al« c« in den letzten Monaten geschehen ist.
hessische Regierung
In dem weit abgesteckten Rahmen der Siebener Verkehr-Politik nimmt di« ‘Bieber- talbahn einen hervorragenden Platz ein. Sie soll — tut e« bi« jetzt aber immer noch nicht! — einen groben Teil der preußischen Rachbarschast in zusr.eben stellender Weise mit bet Stadt Sieben verbinden. Richt nur Tran«pvrtinstrumenl eine« Teile« der Wirtschast in unserer Stadt und im Biebertal, sondern Dienerin der ganzen Wirtschaft, eifrige Helferin und Stütze der Be- völlerungSgcsamtheit in Stadt und Land toll fie fein. Die Tatsache, daß dieses Bahnunternehmen nur mit toc.tgcbcnber Unterstützung durch di« Allgemeinheit «Hrrgabe von Selänbe. Sobäuben ul®, ohne Entschädigung) entstanden ift. legt ihm Verpflichtungen gegenüber der Allcemein- heit auf. Wie mangelhaft diesen Derp'llchtungen dl« Bahn bi- auf ben heutigen Tag entsprochen hat. ist zu bekannt, al« das; to.r darauf noch näher einzugehen brauchten. S« sei hier mir an die trübe" Srsahrungen ev.nnert, die alle An- Itcgctflemc nben her Biebertalbahn insbesondere 1923 24 mit diesem. Verkehr-unrein men machten. Seitdem ist in diesem Betriebe zwar eine gewiss« Besserung eingetr« en. aber von einem wirklich zufriedenstellenden Zustand lind wir auch heute noch weit entfernt D.e berechttgten Interessen der Allgemeinhe.I kommen bei diesem Unternehmen immer noch erit in zweiter Linie, da» Eigeninteresse der bett ed-führenden Firma ist die Hauptsache, da» Dahnunteknehinen also
und viebertalbahn.
vor allem Selbstzweck der Unternehmerin. Trotz der obenerwähnten Opfer der Allgemeinheit!
Diese Sachlage ist allgemein bekannt. Auch die hier in Betracht kommenden Behörden, darunter die hesfische Regierung. Abteilung für Eilendahnwcsen im hessischen Finanzministerium, kennen fie vollkommen. Die Akten können viel erzählen von diesem traurigen Kapitel. Umso erstaunlicher sind die Vorgänge, von denen wir anfangs dieser Woche Kenntnis erhielten und die wir nach sorgfältiger Rachprüfung in unserer Ausgabe Rr. 239 vom 12. Oktober veröffentlichten. 6» sei hier, um ungerecht erttgten Unterstellungen von vornherein Dotjubeuten. eingeschaltet. dah unsere Ver-s<cntlichung vom Mittwoch. wie auch diese kritische Betrachtung der nTerlwurdigcn Entscheidung der hcff.schen Regierung nicht das geringste mit dem bevorstehenden Wahlkamps sur die LandtagSwahl zu hin hat. Wir lehnen es grundsätzlich ab. unsere tom- munalpolitische Arbeit parteipolit schen Interessen dienstbar zu machen. Unser« Kritik in d.eser Angelegenheit hätte sich schon früher mit der gleichen Entschiedenheit wie heute gegen die hes- '.sche Regierung gerichtet, wenn wir von dieser befcaucrlidjcn Entscheidung der Regierung zu e.nem früheren Zeitpunkt Kenntnis erhalten hätten. Sehr bedauerlich und aufjet» ordentlich befremdend ist in der Tat die Entscheidung, die jetzt toietertim von der höchsten hessilchen Behörde über alle gut begründeten
Vorstellungen der örtlichen Lachtvaltcr ösfentl.äer .l:itcre''m brr.weg zugunsten der B ebene’.bafcn- Untemchmerrn gctroffen würbe. War da» Vorgehen der heffvchen Reg.erung im September 1K2. wo die auf 50 Jahre lautende Konze'ston für di« B.ebmaibahn über den Kops der Stabt Sieben h nweg auf W Jahre verlängen wurde, ohne da« Eigentumsrecht der Stadt am 21 cu# ftädier-Torhau- und am Erund und Boden gebührend zu beachten 'chcm fchr anfechtbar, fo ift e« bic jetzige Entl^-idung der he'stfchen Regie- ruiig voni 20. Jun. 1927 n chi minder Bei der Abteilung für OiQnbabnwden im he!frechen Fi» nansminiWenum konnte es gar nicht unMcnnt fein, daß nicht etwa die Stadt f esten allein, sondern all« ‘BiebenallNibngctne.ni-en, alle 3er- irettr d«S öffentlichen Inlnre'fes schon feit Jahren auf eine passend« <vel«genhe.t warteten, die eine grundlegend« Otenterung im Vetn«b und in der Verwaltung der B.ebertalbahn ermöglichte. Diese Sdegenbctt war im Sommer dieses Jahres gegeben, al« die bttherige Z^on»<"ions- Inhaberin einer neuen Firma Plan machte und nun die llcbertragung der Äon>c"-.on aift di« neue betriebstma bei der K Ichen Regierung beantragt wurde Anstatt bei dieser Sc- legcnbcit im Sinne des Allgen e nintereise« zu verfahren, trat hie hessische Reg «rung ein« Ent- 'cheidung — wiederum über den Kopf der Stadt Siesten b.nwcg! —, die sich in der Wrlung gegen das öffentliche Interefs« echter! Und nun hat die betrieb« führen de Äölntr Akticngesellfck>ift d.c 5ll>nic'fton für die T eber- talbahn bi« ISSö in der H<n,d!
Man fragt sich, welche Sründe bic hesfilch« Regierung wohl zu dieser sonderbaren Entscheidung bestimmt haben mögen. Hier weist bis jetzt niemand etwas über diese Grunde Aber man wird bei dieser Gelegenheit wieder lebhaft daran erinnert, dasi die Öifcnbabnabtctlung de» heffischen Finanzministerium« schon früber eine merkwürdige Sympathie für die betrieb-suhrcn^cn Firmen bet B.cbertawahn und der Butzbach—Lfch —Srünberger Eisenbahn an den Tag legi« Alin der schw engsten Inslation-zeit di« Firm«n unter weitgehendster 2l.chtl>eachtung d«5 Wort- laut« der Verträge rück1icht«lv» den Zuqverlehr brodelten, die Gemeinden sich gegen bic allzu rigoro'e Hintansetzung ihrer ber<-cht.gt«n Ter'vbrs- interessen wehrten und dabei bic Hilfe der C.'en- bahnabteilung des Finanzministerium« am c en. , da zeigt« fich die EllenbahnaiUrilung ganz u. ^cr- ordentlich zartbesaitet gegenüber ton Bahner«,.en. Die Verteilung der Energie der Eifenbatznabtei- lunfl (man hatte den Eindruck, dast vier Fünftel dieser Sympatbie für die Dahn innen und ein Fünftel für die Semcindewün'che waren» n.r- ftlmmte damals in den betroffenen Gemünden austerordenllich Aehnliche Gri ab rangen mit
Darmstadt machte man tm vorigen Jahre gc- d.r Kia tpo’tl c (Sieben Krofdorf. 211« die Konzefsion für bicfen Kraflposibetrieb nächgefucht wurde, erhob die BiebenalbahngesUI'chaU gegen diese Konzes in- nicrung Einspruch, ter gänzlich unbegründet war. Ein monotelange« A ngen um diese Konzession begann, obwohl sich all« örtlichen Behörden und die Oberpostdirellion Darmstadt um die K n- zession für den Kraftpostbetrieb bemühten Bei der Eisenbahnabteilung de« hefsifchen Zlnanz- mlnisterium« lag auch jetzt wieder da- Hindern ». der Einspruch der Diebertalbahn hatte hier zu mächtig gewirkt. Em D«such dc-Krvfdvr erTürg r- melfter» Drockmeler bei der preustifch« . Regierung in Koblenz erbrachte binnen einer Stunde die Erteilung der Konzelfion für die Kraftpoststrccke. soweit das prcu'ufhe (y : iet in Del rächt kam. Dann erst kam man endli a dj in Darmstadt zu dem Entschluß, den grundlosen
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Entscheidung der he s.schen Regierung zug. n der Diebertalbahn-Unternehmer n! Man kann da» Qkrbal.-cn der Darniltädtcr Bsh ' nicht verstehen, man ist nur allgemein auf« h chste
Irr hat in feiner Seschichte b<- Malerei alle Einwände gegen Dö^lin« Schallen noch einmal zuf am menge astt da» Verwiegen
des Stofflichen, da« Illustrative, die drastische lieberfidgenrnfl der Formen und Farben, bic Vermischung von Idealismus und 2feall«mu-, von Dichtung und Malerei. Aber solche .Deck- mererei-7 bringt nicht in den Kem feine« Wesen« und Werke«.
Gewih war Döcklin ein Sohn feiner Zeit, die in der 2)«rgangenheit ihr« Muster suchte und ohne sicheren Geschmack die Stile der Kunstgeschichte mischte. 2Dxr feiner urwüchsigen, gesunden Gcstaltung-kraf: gelang e«. sich iu seinen besten Schöpsungrn zu originaler Gröhe empor- zuriiigm. Sein« Raturbevbachtung war nicht die
der Raturalistm. di« den unmittelbaren Eindruck srilzuhaltmi luch.en; aber sie war nicht minder schari und tid. da sie au« einem un trüg baren Gedächtnis. auS einem unbewußten 2krrrtebri de» Organischen genährt wurde. Gr malle nicht nach Modellen; er wollt« keine .zufällige Ratur". er vertraut« dem notwendigen Zwang seiner Schöpserkrafl, bte der Ratur ver chwdier., Ge- schöpse nach ewigen Sei«9en tän'll rischer Zeugung erstehen lieh .Riemand hat die Dafür genauer gidaraU al« Döcklinsagt Ludwig Justi. .Er kannte sie auswendig. 3a. er hat zuweilen Formen erfunden, bi« sich dann irgendwo wirklich vorlanden." Richt anders ist n mit dem Dorwurf der llteranschen und äußerlichen Anregungen. Das Segenteil ift der Fall. Stet« war es eine räumliche oder farbige Vorstellung, die, au« dem Unbewußten aus steigend, ihn in den Rausch des Schallen« rih. Die Anlehnung an die antike Mythologie, an Homer oder Ariosi, ist ganz nebensächlich; die schönen Titel seiner Dllder haben Freund« und Kunsthändler dazu gefunden Ihn lockte allein die formale Ausgabe, die g anz von selbst di« Gest allung gebar. Das Grüblerisch« und Faustische, da« sich in feinem ewigen 6tpenmenrieten mit Farbe und 2HaI- wrifen. in seinem Studium alter Kunst äußert, berührt nicht die dumpfe Tiefe seines Schöp^liigs- prvzesles. au« der seine Visionen wie au« nächtigen Träumen Hervorst legen. Wohl hatte er etwas vom echten Handwerker, dessen solid« Arbeit sich m der oorrres'lichen Erhaltung seiner Tafeln zeigt, aber »ugleich war er ein echtes ®cnie. 3u» dem Urnoden gesunder Tüchr-.g- feit wuchs leine Kunst tu die Hirn-relsböhen ber Phamtasie. nr.c bic Berge fernes Vaterländer.
Böcklin ist Schweizer, und wir sehen heut« klarer als feine Will ebenden, dah sein Schaffen
sich durchaus in die Dlütezrit schweizerischer Kunst einreiht. Hodler und Wclti find feine Rachfahren wie Spitteler der 6rbe Sott r eb Ke!lerS un1*« E. F. Meyer« wurde. Böcklin ist nivit nur der innige Freund, sondern auch der nächst« Sei csverwendte Weister Gottfried« gerne'er.. Herkunft und Eltern sind merkwürdig gleichgeanef, beide haben e.nen Schuh Bauerntum. von dem großen 2lhnen Gotthelf. und so mancher Äentaucr. Triton und *Pan Döcklin« blickt so urwüchstg derb drein wie ein Senner des Pastor- von Lützelflüh. Wie die Art Keller- ruht auch die Döcklin« auf dem Grunde einer scharfen, unerichö vllich reichen Ratur- beobachrung. die bi« Ina Eigenwillige und Heber- mahige getrieben wird, und zaubert au« einer starken Einb-ldung-krafi lebenswahre und doch übermenschlich« F.guten hervor. Di« Gestalten de« Waler« haben etwas von den Rittern mit den goldenen Helmen im Traum des „grür.tn Heinrich", find leuchtende Steigerungen irdischer Kräfte. Und so ist auch die Llluike. die er w.cbererwecken will, im letzten Grunde s-chwei- zeri'che« Ratutburichentum. freilich verklärt und veredelt durch den goldenen Eon-.enhauch Italiens. e.ne Erfassung de« Dasein« in jenem groben Renaissancege.ft. den fein Jugendfreund Jakob Durckhardt erschaut hatte. Döcklin ist der Dritte in dem erlaua-ien Triumvirat mit dem D.chter und dem Historiker, und dieses Drei- gestim bildet eine unvergängliche Leucht« am Himmel der Kunst. Ein« poenlche Reugestaltung de« llööcklinschen Werkes aber ist di« Dichtung «Lari Spittelet«; die überra'chende Eemein- samkeit tririer beiden Erscheinungen, die au» dem Schweizer.'chen ins llrdcutsche und Weltumfas- send« wach'«n. ist erst jüngst in einer gröberen Arbeit aufgezeigt worden.
Die aus der schweizerischen Entwicklung das natürlich Gewachsene seiner Art sich zeigt, so tritt fie auch au« den zeitgeschichtlichen Strömungen beherrichend hervor. Auf den Spuren der rvmanti'chen LandlchafeSmalerei. der deutschrömischen llöedure beg-.nnt et. lernt in Frankreich malen und erwacht in Italien zum 25e1ee!er der Ratur. bet ihre Stimmungen in unvergehlichen Fabelwesen zu verkörpern weih. Mag er da« Gefilde der Seligen ober bi« Toten in sei. das Schweigen des Walde« ober da« Toben de« Meeres, da« Spiel der Welfen oder tri« brüten be Schwere des SommcrmittagS darstellen — ftet« ist e» ein seLstverständliches Hervvrwachfen ber Ericheinuna au« der Ratur. eint ganz selten« Macht ber sinnlichen Gestaltung elementarer
Triebe und Kräfte, und ftet« ist «6 nicht etwa nur öle stoffliche Erfindung, sondern zugleich der innere Ausdruck in Raum und Rhvthm > r. in Form und Farbe. Wenn in seinem langen und fruchtbaren Dasein auch manche« entstanden st, was den Stempel der Unvvllkoinmenheit und Ce- Schmucklosigkeit trägt — da« sind doch nur bie Staubspuren einer leuchtenden Dahn Ter über- schäumende Kraftmensch konnte bert fein und grell bi« zum Unerträglichen, tonnt« durch schlechte Stimmung gelähmt und beirrt werden. 2i: er wenn wir da« Desle feine» Dchas^n« tm Gellt an uns vorüberziehen lassen, bann müssen w r sagen, dah kein deutscher Waler seit bei Tagen der g rohen alldeutschen Wellt er «in so gewaltige« Raturwissen und eine fo unerschöpfliche Dchas- senskrast bdessen, dah kein andere» malerische» Werk seit Dürer so alle Höhen und T.esen oe« Leben« umsaht: 2lauich unb Derzweillung. -arte Liebe und rohen Genuh. fromme E nler,r und heidn.fck-e Wildheit, Krieg und Tanz. Kinder- lust und Alter-weisheit. alle Freuden unb Qualen biefer Welt, das Grauen und b;c Lestgleit überirdischer Regionen, Tod unb Verklärung. Em Hymnu« auf die Ratur und auf da« Leben ist Döckl.n« 25krf. ein unvergänglicher 2!kih- gesang. den fein Tadel an e.nzelre.n bemäkln kann, well er au« einer urtümlichen, wahrhaft antiken Okfetlung quillt.
E» gibt eine 27ovelle von Döcklin« Freund, Paul H e y s e, bei der ihm vielleicht der Schöpfer ber „Kentaurenschlacht" vorschwebte: Der leMe Äentaucr, erwachend au» jahrtausendelangem Schlaf, erscheint unter ben modernen Menschen, wirb von ihnen verkannt. veripoNet unb verfolgt. bis er wieder vor den Staunenden in ber Wilbni» verschwindet. Döcklin war dieser ^letzte Äcntauet* der Kunst, ber un» noch einmal bte große Einheit aller 'Ratur offenbart hat.
Anläßlich der 100. W.ederkehr von Döck- linS Geburtstag fei auf bie vortrefflichen Pu» blikat onen ber F. Druckmann 2L-S. in München h'mg rw.es en; wir nennen; Amolb Döcklin. bet Meister unb fein 2Berf. Wit einet Einführung von H. 2L Schmidt. 95 Tafeln. — Arnold Döcklin unb seine Kunst. Aufzeichnungen von Gustav Flocrfe. Herau«gegeben von Hann« Floerke. — E.ne Auswahl bet hervorragendsten Werke be« We.ster» in Photogtavüre; vier Wappen in Grohfolio. — Döcklin« Handzeichnungrn, hetausgegrben von Ptof. Heinr. 2llfr. Schmidt. — Ferner: Einzelblätter und 25ildkartsn.


