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M. 216 Erster Blatt
177. Jahrgang
vomerrtag, 15. September 1927
Erscheint täglich, außer Sonntags anb Feiertags.
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Meiner FamUienblStler Heimat im Bild Die Scholle.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
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Chefredakteur.
Dr. Fnedr. WUH. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.
Die russisch-französische Spannung.
Um die Abberufung des Pariser Sowjetbotschafters Rakowski. - Nutzlands Isolierung. Die Politik Tschitscherins.
Zwischen Rußland und Frankreich ist schon seit längerer Zeit ein Pressekrieg im Gange, der von dem Gebiet der Diplomatie seinen Ausgang nimmt und möglicherweise auch weittragende politische Konsequenzen ziehen wird. Der Anlaß ist an sich sehr gering. Der Sowjet- botschaster in Paris, Rakowski, hat eine Entschließung des Zentralkomitees der dritten Internationale mit unterzeichnet, worin di« Soldaten der kapitalistischen Länder zur Revolution aufgefordert werden. Gs kann natürlich ein Zufall fein, daß die französische Regierung diesen Fall ausgegrisfen hat, unmittelbar nachdem Chamberlain auf der Durchreise nach Genf sich mehrere Tage in Paris aufhielt. Jedenfalls sind in Moskau diplomatische Vorstellungen erhoben worden und Tschcksck)erin hat — selbstverständlich seinen Botschafter des- avouieist. Herr Rakowski selbst hat eine längere Erllärung veröffentlicht, worin er sich damit entschuldigt, dah er unterzeichnet habe als Mitglied des kommunistischen Zentralkomitees und nur einen eventuellen Krieg gegen Rußland im Auge gehabt habe, dah er also an- Frankreich gar nicht gedacht haben könne, dessen Politik Rußland gegenüber immer als Friedenspolitik bezeichnet worden sei. Er hat darüber hinaus mit Entschiedenheit die Andeu- - tung zurückgewiesen, als ob er in Frankreich Aufstände oder Desertionen organisieren könne.
Wenn er erwartet hat, dah er damit den Sturm im französischen Blätterwalde beschwichtigen würde, so ist er im Irrtum gewesen. Der zielbewußte Kampf gegen ihn geht unentwegt weiter. Die törichte Verkettung zwischen der International« und der ofsiziellen russischen Regierungspolitik, die ja schon wiederholt zu Zu- sammenstöhen geführt hat, macht sich auch hier wieder unangenehm bemerkbar. Auch der deutsche Außenminister hat Herrn Tschitscherin in Baden- Baden zu verstehen gegeben, daß dieses Reben- und Durcheinander der beiden Instanzen aufhören und «in« reinlich« Scheidung «Intteltn müsse, weil auch Deutschland es sich nicht gefab- len lassen wird, dah dieselben Persönlichkeiten, die als amtlich« Vertreter des russischen Reiches gute Beziehungen zu Deutschland predigen, als Beauftragte des Bolschewismus die Zersetzung der inneren Ordnung Deutschlands betreiben. Wenn Frankreich sich in derselben Form zur Wehr setzt, so ist das an sich nur verständlich; allerdings, die Schärfe, mit der die französische Rechtspresse den Kampf gegen Rakowski betreibt, deutet doch darauf hin, daß hier noch andere Momente im Spiele sind.
Sie liegen zum grohen Teil selbstverständlich auf dem Gebiet der inneren Politik. Herr Poin- care hat bereits mit den Vorbereitungen für den neuen Wahlkampf im Mai nächsten Jahres begonnen unb da ist ihm der Kommunismus ein dankbares Wild. Denn die Angst des französischen Bürgers vor dem Kommunismus, den et ja aus eigener Erfahrung noch gar nicht kennt, ist riesengroß und kann die schwankenden Elemente wohl aus feiten Poincares treiben, wenn «r ihnen klar zu machen verftefyt, dah er der Hort des Bürgertums und des Kapitalisnrus gegenüber dem Vordringen den Bolschewismus ist. Das französische Kabinett hat sich denn auch mit der Entschuldigung Rakowskis nicht einverstanden er» Härt, sondern einen weitergehenden Beschluß gefaßt, der offiziell geheim gehalten wurde, der aber doch nicht ohne Absicht in die Öffentlichkeit durchgesickert ist. Er soll dahin gehen, daß die Moskauer Regierung aufgefordert wird, Rakowski abzuberufen. Die endgülttge Entscheidung wird erst am Freitag fallen und es ist verständlich, wenn Briand den Wunsch hat, an den Beratungen des Kabinetts teilzunehmen, da er inzwischen sich in Genf dahin ausgesprochen hat, daß kein Grund nach seiner Meinung zu einem so gewaltigen Schritt vorläge, der die russisch-französischen Beziehungen brüskieren mühte. Daß ein Botschafter mißliebig geworden ist und seiner Regierung vertraulich seine Abberufung nahe gelegt wird, kommt ja öfter vor, braucht auch, wenn die. Gründe einigermaßen stichhaltig sind, die Beziehungen zwischen zwei Ländern nicht zu stören. Hier aber liegen die Dinge doch anders, hier ist dafür gesorgt, dah die Verhandlungen sich auf öffentlichem Markt abspielen, und wenn Tschitscherin Rakowski jetzt abberiefe, dann würde er damit eine diplomatische Riederlage erleiden, jedenfalls zeigen, wie schwach er sich fühlt und in künftigen französisch-russischen Verhandlungen Frankreich das Liebergewicht geben.
Vermutlich wäre ein Bruch mit Frankreich ten Russen im Augenblick mehr als unbequem. Dah England ihnen den Stuhl vor die Tüv setzte war schon eine peinliche Schlappe, die Mng'e in China haben sich auch nicht so entwickelt, daß die Sowjetpolitik da irgendwelche Erfolge geerntet hätte, in Amerika kommt Moskau in den Kreditverhandlur?en trotz aller hochtrabenden Bersicherunaen nicht recht vom Fleck; die englische Politik hat bei der Isolierung und E-nkesselung Rußlands, also in den letzten Monaten. unzwcrftl- haft große Fortschritte gemacht, zumal nachdem jetzt aud> die englischen Gewerkschaften — ebenfalls aus Angst vor den Reuwahlen und vor
dem Abfchwimmen des Treibholzes tn den Wählermassen — den Bruch mit den russischen Arbeitern vollzogen haben. Grund genug für Tschitscherin, sich krampfhaft zu bemühen, dah wenigstens der Draht nach Paris nicht auch noch abreiht, Grund genug aber auch für Chamberlain, jetzt einen Torpedo gegen di« russisch- französischen Verbindungen abzuschiehen. ilnb cß scheint, als ob Poincare bereit ist, Chamberlains Spiel mitzuspielen, wobei er die stimmgewaltige Unterstützung der gesamten französischen Rechtspresse genießt und sich auch auf die Mitarbeit der Rationalisten im Kabinett unter Führung von Marin und Bokanowski verlassen kann. Briand kommt dabei tn die Enge, und wenn er in diesem Falle unterliegt, würde das erneut beweisen, wie schwach seine Stellung innerhalb des Kabinetts ist. Darüber hinaus würde allerdings der Abbruch der russisch-französischen Beziehungen neue internationale Schwierigkeiten schaffen und den Konfliktsstoft in Europa erhöhen; eine eigenartige Illustration für die Genfer Verhandlungen, die irn. Zeichen der Friedenssicherung und Friedensförderung standen.
Tschitscherin gegen Rakowski.
Erregte Auseinandersetzungen in Moskau.
Paris, 14. Sept (111.) Lin Sonderkorrespondent des „Jnlransigeanl" In Kopenhagen will aus unbedingt zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß sich die Sowjetregierung erst nach einer heftigen Diskussion am 1. September entschlossen habe, Rakowski zu desavouieren. Tschitscherin habe, um znm mindesten eine Desaooniernng Rakowskis zu
erreichen, u. <u ans eine dringende Demarche des deutschen Botschafters Grasen Brockdorss-Ranhau hingewicsen, der besonders die Gefahr betont habe, die der Abbruch der französisch-russischen Beziehungen für die deutsche auswärtige Politik bedeuten würde. Tschitscherin habe bei der gleichen Gelegenheit erklärt dah er Rakowski beschworen habe, die bekannte Kundgebung nicht zu unterschreiben. Rakowski habe es aber vorgezoqen, den Rat Trotzkis zu befolgen. Als Tschitscherin mit seiner Demission gedroht habe, wenn Rakowski nicht desavouiert werden sollte, wie es Paris verlange, habe Bucharin gerufen: „Sie haben auf Ihrem Posten zu bleiben, solange Ihnen dies die Partei befiehlt! , woraus Tschitscherin geantwortet habe: „Ich treibe keine Katastrophen- poHtirr
Keine deutsche Demarche in Moskau.
Riga, 14. Sept (Sil.) Wie aus Moskau gemelbet wird, werden die Gerüchte über eine deutsche Demarche im russisch-französischen Konflikt dort nicht bestätigt Gutunterrichtete diplomatische Kreise glauben nicht, daß Graf Brockdorff-Ranhau irgendwelche Anweisungen seiner Regierung für eine Erllärung über Deutschlands Haltung im französisch-russischen Konflikt erhalten habe. Der deutsche Botschafter habe jedenfalls in dieser Frage keine Erklärung abgegeben. Tschitscherin habe mit dem deutschen Botschafter seit dem Bankett, das dieser zu Ehren Tschitscherins gegeben habe, nicht mehr
gesprochen. Auch auf dem Bankett selbst seien politische Fragen nicht berührt worden. Morgen früh werde eine offizielle Erklärung der Sowjetregierung zu den Gerüchten über eine deutsche Demarche erwartet.
Die Ziele russischer Außenpolitik.
Eine Nnterrcdung mit Stalin.
Reuhork, 15. Sept (W.T.D.-Funkspruch.) Die Presse veröffentlicht eine Unterredung Stalins mit der amerikanischen Arbeiter-Delegation. Auf eine Frage der Delegation betr. das Außen- Handels-Monopol erwiderte Stalin: Das Außenhandels-Monopol ist eine der unverrückbaren Grundlagen der Politik der Sowjet-Regierung. Zu der Frage der Delegation, in wel chem Maße eine Zusammenarbeit der Sowjet-Union mit der kapitalisti- schen Industrie anderer Länder möglich sei, erklärte Stalin: Das Bestehen kapitalistischer und sozialistischer Systeme schließt nicht die Möglichkeit von Verständigungen auf dem Gebiete ber Industrie und des Handels und vielleicht aud) im Bereiche diplomatischer Beziehungen aud. Ausfuhr und Einfuhr wie auch Kredite sind der geeignetste Boden für derartige Verständigungen. Wir führen eine Friedenspolitik, und sind bereit, mit bürgerlichen Staaten Richtangrisfspakte und bis zur völligen Abschaffung stehender Heere gehende Abrüstungsabkommen abzuschließen. Knechtende Bedingungen können wir jedoch nicht annehmen."
Deutschlands Abrüstungsossensive.
Graf Vernstorff fordert die Erfüllung des Der?ailler Vertrages. — Gin SchiedsgerichLseniwurf Fridtjof Nansens.
Genf, 14. Sept. (TU.) 9n der heutigen Nach, mittagssitzung des Abrüstungsausschusses des Völ- kerbundes legte der erste Delegierte Norwegens, Frithjof Nansen, einen Entwurf für eine internationale Konvention für die obli- notorische schiedsgerichtliche Regelung von Streitigkeiten vor. der folgende Bestimmungen vorsieht:
1. Oie Signatarff aafen verpflichten sich, alle zwischen ihnen bestehenden Streitfragen für den Fall, daß eine Einigung auf dem Wege der üblichen diplomatischen Wittel oder auf dem Wege gerichtlicher Entscheidung innerhalb eines normalen Zeitraumes nicht erzielt werden kann, sich folgender fchieds- gerichtlichen Regelung zu unterwerfen.
2. Bei allen juristifchen Streitfragen einschließlich derjenigen, die sich auf die gegenseitige Rechtslage der beiden streitenden Staaten beziehen, sowie insbesondere den in Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des Haager Internationalen Schiedsgerichts- hoses angeführten Fragen erkennen die Signatar- siaaten die Zuständigkeit des Haager Schiedsgerichtshofes als obligatorisch an, und zwar ipso facto und ohne besondere Uebercin- funft. In denjenigen Fragen, wo es zweifelhaft ist, ob es sich um Differenzen über die gegenseitige Rechtslage handelt, oder bei der Kategorie derjenigen fragen, die in Artikel 36 21bf. 2 des Statutes des Haager Schiedsgerichtshofes erwähnt sind, soll dieser Schiedsgerichtshof selbst entscheiden.
3. In allen denjenigen Streitfragen, die nicht unter die obengenannte Regelung fallen, und in denjenigen, wo eine Uebereinfunft durch eine Intervention des Völkerbundsrates auf Grund von Artikel 15 des Statutes nicht erreicht werden kann, kommen die Signatarmächte überein, sich folgendem Verfahren zu unlerroerfen.
a) Oie Streitfrage wird einem Komitee von Schiedsrichtern unterworfen, das auf Grund gegenseitiger Uebereinfunft zwischen den beiden Parteien gebildet wird.
b) Falls die beiden streitenden Parteien nicht zu einer Uebereinfunft über die Zahl, die Perfonen- und Wachtbefugnifse der Schiedsrichter oder über das schiedsgerichtliche Verfahren kommen, kann der Völkerbund selbst auf Grund eines Wehrheits- befchlufses das Schiedsrichterkomitee bilden und die Fragen feftlegen, über die das Komitee entscheiden soll.
c) Die streitenden Parteien verpflichten sich innerhalb eines beftimmfäi Zeitraumes, die Entscheidung des schiedsgerichtlichen Komitees anzunehmen und im Laufe einer Zeit von sechs Wonaten loyal durchzuführen.
4. Oiefe Konvention berührt in keiner Weife die Rechte und verpllichtungen der Signatarffaafen, sowie andere schiedsgerichtliche Konventionen, die bereits bestehen oder in Zukunft eingegangen werden.
In der Begründung zu diesem Entwurf wies Raufen darauf hin. daß eine internationale Konvention über die schiedsgerichtliche Regelung von Streitfragen die Durchführung der Abrüstung erheblich erleichtern würde. Die Abrüstung sei jedoch auf Grund des Bölker-
bundspaftes durchführbar. Der Stand der gegenwärtigen Rüstungen in Europa sei noch außerordentlich hoch. Die Militärbudgets in Europa betrügen gegenwärtig insgesamt 19 Milliarden Goldsrankcn und entsprächen beinahe dem Riveau der Rüstungsausgaben von ■ 1914. Die von ihm vorgeschlagene schiedsrichterliche Regelung könnte auf dem Wege der Abrüstung einen Schritt vorwärts bedeuten.
Bei Begründung seines Antrages schlug Friedjof Raufen noch vor, daß der Kondentions- entwurf zunächst von der ersten juristischen Kommission der Dölkerbundsversammluug geprüft werden solle. Hierauf solle die Vollversammlung sämtliche Mitgliedsstaaten aufforden, zu dem Entwurf innerhalb des nächsten Jahres Stellung zu nehmen. Ein Experten-Komitee oder die juristische Sektion des Völkerbundssekretariats solle dann auf Grund der Stellungnahme^ der einzelnen Regierungen im Laufe des nächsten Jahres einen einh eitlichen Kvnven- tivnsentwurf ausarbeiten, der sodann der Vollversammlung des Völkerbundes im Jahre 1928 zur Entscheidung vorgelegt werden könnte.
Der in dem Konventionsentwurf Friedjof Ransens erwähnte Artikel 36 Abs. 2 des Statutes des Haager Schiedsgerichtshvses umfaßt folgende Streitfragen, ftir die nach dem Konventionsentwurf in Zukunft der Haager Schieds- gerichtshvf zur endgültigen Regelung zuständig sein soll.
1. Streitigkeiten über die Interpretation von internationalen Verträgen.
2. Streitigkeiten über die von einem Staate übernommenen Entschädigungsverpflichtungen.
3. Festsetzung der Höhe dieser Entschädi- gungsverpflichtungen.
4. Streitigkeiten über di« Auslegung von Bestimmungen des internationalen Rechts.
Der ungarische Delegierte General Tancos
erklärte hierauf, dah Ungarn jeglicher Regelung, sei es im Genfer Protokoll oder einem obligatorischen Schiedsgerichtsverfahren seine Zustimmung geben würde unter der Bedingung, daß nicht nur die besiegten Staaten, sondern sämtliche Mächte zur Durchführung der Abrüstung gezwungen würden. Gegenwärtig gebe es Staaten, die abgerüstet und Staaten, die noch voll gerüstet feien und nicht daran dächten, zu einer Einschränkung ihrer Rüstungen zu schreiten. Die Mächte, die 7wch nicht abgerüstet hätten, erklärten, daß der Artikel 10 des Dölkerbundspattes den abgerüfteten Staaten eine genügende Sicherheit gewähre. Es sei nicht zu begreifen, warum dieser Artikel nicht auch eine genügende Sicherheit für diejenigen Staaten bieten könne, die heute noch nicht abgerüstet seien. Ungarn warte jetzt auf den Augenblick, da auch die heute noch schwer gerüsteten Staaten die von ihnen übernommenen Mrüstungsverpflichtun- gen voll durchführen würden.
Der deul?6)e Delegierte Neichstagsabg. Graf Bernstorfs, hob zunächst hervor, daß Deutschland jede Regelung der Abrüstungsfrage aunehmen a-eröe, wenn nur überhaupt die Abrüstung zur Durchführung gelange. Er beabsichtige nicht als Vertreter eineß bereits abgerüsteten Landes im Rahmen der Generaldebatte, die nur prinzipielle Fragen behandele, für die Abrüstung der anberen Länder Einzelvorschläge zu machen. Es erscheine ihm jedoch erforderlich im Hinblick aus die Debatte der letzten Tage auf die historische Entwicklung, des Begriffes „Sicherheit" im Lause der letzten zehn Jahre hinzuweisen. Die Rote, die (Stemence au im Ramen der Alliierten und Assoziierten am 16. Juli 1919 Deutschland übergeben habe, enthalte ehre autheictischr Interpretation dieses Begriffes. In der Rote heiße es, daß die En t w a f f nun gD eu ts ch l a n d s den ersten Schritt zu der allgemeinen Herabsetzung und Veschränkung- der Rüstungen darstelle, die die alliierten und assoziierten Mächte als eins der wesentlichsten Mittel zur Verhütung des Krieges durchzu führen suchten Die Herabsetzung und Beschränkung der Ruilungen sei eine der Hauptpflichten des Völkerbundes. Graf Bernstorfs wies sodann auf die gestrigen Ausführungen Paul-Doncours hin, in denen der Gedanke der Sicherheit durch Abrüstung ztwl Ausdruck gekommen sei. demgegenüber stellt Graf Bernstorfs ine Formulierung Sicherheit durch Schiedsgericht und Abrüstung". DieVoblversamm« hing von 1926 habe die Sicherheit für hinreichend garantiert angesehen, um bereits im Jahre 1927 eine Abrüstungskonferenz einberufen zu können. Der holländische Delegierte Laudon, der Vorsitzende der vorbereitenden Abrüstungskommission, habe erllärt, die Sicherheit sei inzwischen noch-gewachsen. Es sei nicht verständlich, warum nunmehr die Sicherheit wieder als ungenügend angesehen werden solle. Die Sicherheit schrecke fort, doch ihr fei bisher nicht die Abrüstung gefolgt.
Der llare Wortlaut des Absatz 6 des Art. 8 des Völkerbundpaktes verlange ferner die volle Publizität des materiellen Abrüst u n g s st a n d e s der Länder. Dieser Absatz sei bisher niemals durchgeführt. In der öffentlichen Meinung aller Völker werde die Fonnulierung der Sicherheit lediglich als eine Terminologie aufgefaht, um hinter ihr einen Aufschub der Abrüstung verbergen zu können. Man müsse jetzt der Welt zeigen, dah man wirklich ehrlich ab rüsten wolle. Es sei nicht verständlich, aus welchem Grunde der Zusammentritt der vorbereitenden Abrüstungskonferenz verschoben werden solle. Der Gedanke der Sicherheit mühte selbstverständlich auch von ’er vorbereitenden Abrüstungskommission erörtert t-?o den. Richt durch Verschiebung, sondern cL'ei.i durch Bes chleunigung der Abrüstung.- arbeiten könne man vorwärts kommen. C~af Bernstorfs schloß mit den Worten: In den De-


