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Eichene? Anzeiger (General-Anzeiger für Mcrhefsen)

Rr. 157 Zweiter B'att

Mündliche Diplomatie.

Don Projr!'or Dr. M. I. Wolfs.

von jufionbiflfr Stelle wurde «4 kürzlich als ein besonder!r Vo.zug ixs Völkerbundes gerühmt, daß

Äu^enminftem und den führenden ÜÄünnem in den verschiedenen europäischen und außereuropäischen 6taaten Gelegenheit biete, fleh per'or.fid) kennen^- lernen und untereinander mündlich am ; iprethrn Durch bieie Lussprachen aber werde ein Vertrau- ensoerhällnis hergestellt. dah es ermögliche. Oie schwierigsten diplomatischen Fragen wie unter guten Freunden zu erledigen ui.d ihnen, selbst wenn eine befriedigende Losung nid aruntrn werde den Stachel zu nehmen.

DieQfntfidtung der Atmosphäre". die vor einl ger 3eit ab Voraussetzung des Friedens so innig ersehnt wurde, scheint danach in (Senf eingetreten zu (ein, aber bedauerlicherweise hat sie ihre segensreiche Wirkung offenbar über die Rhonesiadt nicht cusge- dehnt. Wenn die in endliche Diplomatie, wie sie neuerdings üblich ist. in der lat |o erfolgreich wäre, |o mutzte die Welt in einem Meer von (fintradjt und L'iebe schwimmen. ;it sohl fünfte, Botschasterkonserenzen. Aussprachen von Darlamentarieni und Friedensaposteln mit oder ohne Auftrag, die in den neun Jahren seit Kriegs­ende stattgefunden hoben, ist ungeheuer. Wenn >ede dieser Versammlungen nur einen bescheidenen Bei­trag zur Beruhigung oder Sicherung unseres Erb­teile geliefert Hütte, so mühten heute paradiesische 3uftänbe herrschen, und wir wären dem Tage nahe, wo nach Oefalas die Lämmer bei den Wölfen wei­den sollen.

Leider ist davon wenig zu spuren. 2m Gegenteil, die europäische Verstänbioung. deren Silberstreisen sich ror zwe, ? hnn Io ! i imgsooll am Horizont anfünblgte, ist wieder in weiteste Ferne gerückt. Die Spannung zwischen den einzelnen Nationen nimmt zu, und wenn cs noch nicht zu einer kriegerischen Entladung gekommen ist, so liegt es nicht daran, datz der ausgehäufte Zündstoff nicht genügte, sondern bah die Erinnerung an den Krieg mit seiner vier­jährigen Leidenszeit noch lebendig in dein Gedächt­nis der Völker lebt. Bezeichnend ist auch, datz sich Amerila neuerdings immer mehr von der alten Welt zurückzieht. Es sendet uns zwar neuerdings vortresfliche Flieger über den Ozean, aber wenn es eine von den vielen europäischen Konferenzen be­schickt. so zeichnen sich seine Vertreter durch eine er­staunliche Schweigsamkeit und Zurückhaltung aus. Sie nehmen daran teil wie Leute, die aus Höflich­keit nicht ablagen wollen, aber sich einen Erfolg von den Verhandlungen nicht versprechen.

Man wird der amerikanischen Aussasiung eine Berechtigung leider nicht absprechen können. Der Fortschritt, ber in ber Befriedung Europas erzielt wird, stehl im umgekehrten Verhältnis zu der Biel- geschäftigkeil dieser mündlichen Diplomatie. Die Verhandlungen in Genf reizen eigentlich nie ab. Sind nicht gerade die Minister selbst zu Ratstagun- f,cn oder zu einer Vollsitzung des Völkerbundes ver- ammelt, |o sorgen ständige oder nichtständige Kom­missionen dafür, datz bas Feuer auf bem biploma- tischen Herb nicht ausgeht unb datz die verschiedenen Solitischen ©uppentöpfe hübsch weiterbrodeln. Die erhandlimgen find Selbstzweck, für die sich kaum jemand außerhalb von Genf Interessiert, die Reden werden nur von denjenigen gelesen, die von Amts wegen verpflichtet sind, aber selbst diese glauben nicht, daß sie zu einem Erfolg fuhren könnten.

Die FrageSein ober Nichtsein" soll hier für den Völkerbund nicht wieder ausgeworfen werden. Man mutz ihn als eine Tatsache hinnehmen, als eine Einrichtung, die aus dem politischen Leben Europas nicht mehr Hinwegzudenken ist. Ilm so mehr aber muh man auf die Schäden seiner Organisation Hinweisen. Er ist trotz feines kurzen Bestehens schon

zu einer burea akratischen Behörde er- harrt, die von Zeit zu Zett in regelmäßigen Ab­stände n vor den Augei', dec ganzenL t diploma­tische Beronfialtunge: in|)<r.urt. bie teils- den Cha­rakter eines Welkt he-r- uils den eines Deinn- bunols tragen Da- bedeuxt. datz Die Verhandlungen häufig nicht sachlich sind, sondern zur Erbauung tu Zuschau cr abgeoalten werden und datz >rder Lei! nehmer sich, leibst aus »osten der inneren Wahrheit, bemüh: 1 'uflhd'ft engdretn dazuftehen und die Gc- genparui mir aller Schuld für die Unzulänglichkeit der politischen Zustande XU belasten. Dazu gehört eme befördere flunft der Diplomanc. denn d e weite Oestentlich'ei! m Genf bringt es mit sich datz in den Reden die grofele Zurückhaltung geübt wird, und bah aus die Empfmbunger .Uer direkt ober indirekt Beteiligten die äußerste R-dsicht genommen werden mutz. Man will sich und anderen den Pelz waschen, aber um Gottes willen niemand natz machen'

Diese zarte Rücksicht verleiht den Verhandlungen in Gen« etwas Unklares. Unbestimmtes und Zwitter­haftes. sie ijt auch ichuid daran, datz die bortigen la- gunc.n gewöhnlich einen Ausgang nehmen, ber statt eines Ergebnisses nur ben Schein eines solchen trägt. Es ist gewiß kein Ruhm, wenn eine Deltwirt- schaltskonserenu an ber die besten Kräfte Europas teilnehmen mit einigen vieldeutigen Resolutionen auseinandergeht. wenn die Abrüstungskommissivnen ihren Zweck ungefähr in bas Gegenteil verwandeln oder wenn sich der Völkerbund leibst bei wichtigen Zerwürfnissen zwischen europäischen Rationen auf (ärunb eines Paragraphen seines Statuts für unzu- ftonbig erklärt unb über eine freundschaftliche Mah­nung an die beiden Gegner, doch ja den Frieden zu wahren, nicht binausfommt. Diese Halbheiten sind fid) mit Notwendigkeit au- dieser mündlichen Diplomatie eracben

Sie sind bedauerlich, weil lic bie Einrich­tung des Völkerbundes über Gebühr di-krebi- tieten. sie sind aber auch gefährlich, weil sie eine Verstimmung der Nationen untereinander nach sich ziehen. Die Genfer Burcaufratie mutz sich betätigen, fie wirft beständig bie grötzten Probleme politifcher. wirtfchastl.cher und sozialer Art auf. unb da diese eine sachgemätze Erledi­gung in ben Verhandlungen nicht linden, so wirb ber Anschein erweckt ober soll unter Umftänbcn sogar erweckt werben, als ob sie an bem Wibet- staube unb bem bösen "Dillen eine- ber be­teiligten Staaten scheiterten. Das mutz statt zu einet Einigung zu e.net Cntfrembung bet Völrer sühren. Denn man beispielsweise in Locarno unb Thoiry baS Vilb einer restlosen Annähe­rung zwischen Frankreich unb Deutfchlanb unb ber baldigen Näumung beS Nheinlanbes an bie "IBanb malt, unb wenn diese schönen Pläne bann an ber harten "Realität Ur Drnge>eitcm. so wirb durch ben Gegensatz -wischen Hoffnungen unb Leistungen nur neue Verbitterung hervor» gerufen. Dasselbe ist ber Fall, wenn bas Genfer Arbeitsamt, gewiß in bester Absicht, aber auch ohne Kenntnis ber praktischen Lage in ben ein­zelnen Ländern, soziale Oboen propagiert, bie zwar ben Dünschen bet Arbeiterschaft entsprechen, aber barum doch nicht, ober zur Zeit nicht burch- führbar finb; auch da wirb durch baS Verhalten bet internationalen Stelle bie Spannung zwi­schen Arbeitern unb Arbeitgebern nur verstärkt.

Man braucht kein Freunb bet alten Gcheim» Diplomatie zu fein, um einzusehen, daß sie ben Völkern weniger Enttäuschungen bereitet hat, als bas heutige mündliche Verfahren. Gs liegt in feinem Wesen, dah es verfrühte Hoffnungen erregt, unb es ergibt sich au8 ihm mit Not­wendigkeit. bah e- große Veranstaltungen trifft, bei Denen nach ben schönsten Neben nur be- scheibenste Ergebnisse übrig bleiben. Die münd­liche Diplomatte bat gewiß schätzenswerte Vor­züge. aber man hat mit bem Snstcm Raub-

..Mnfil IM Leben der Völker.""

Die Anlcrnaiionale Audsicllung in Frankfurt a. M.

Don Artur Holde.

Deutschlands Großstädte befinden sich in die­sem Sommer auf dem Gebiet des Ausstellungs» wesen- in einem Wettkampf. Aber keine- Der vielen Unternehmungen darf so stark auf die Anteilnahme aller BevöllerungSschichtcn rechnen, wie Di« soeben eröffnete Internationale MufikauSstellung in Frankfurt. Dem Be­suchet früherer MusikauSstellungen ist Die pein­volle Erinnerung an zahllose Kojen und Stände acblieben, die in tausend Dariattonen vor allem Die Erzeugnisse Der ÖnDuftrie beherbergten. DaS mustkhtstorische Niveau wurde Dann durch eilig zusammengehvUe Partituren und Drucke dar» getan. Der Eindruck, den ber Beschauer dies­mal gewinnt, ist Der. daß die Ausstellung in ihrem Ideenreichtum, in der Systematik ihres Ausbaues und vor allem in Der Lebendigkeit eine bewunderungswürdige kulturelle Leistung Darftcllt. Die künstlerisches Gefühl mit Wirk­lichkeitssinn m sich vereinigenden Schöpfet biefer gewaltigen Schau. Otto Ernst Sutter unb Ludwig Koch, haben mit ideeller und groß­zügig materieller Unterstützung ber Stadtver­waltung Frankfurts den organisierten Jahr­markt früherer Unternehmungen dieser Art voll­kommen vermieden. Sie haben, von ausgezeich­neten Fachleuten beraten, das ungeheure Ma­terial in eine Ordnung gebracht. Die den an­spruchsvollen Mufiktoillenschaftcr ebenso befrie­digt, wie fie ben mufiffreubigen Laien leicht» verständliche Auffchlüsf« über alle Gebiete der Tonkunst vermittelt.

Die Mufikhistorische Abteilung ist von Den staatlichen und städtischen Bibliotheken unb von den wichtigen Privatsammlungen mit den Prunkstücken aller Notendruckversahren reich beschickt worben. Dvm primitiven Hc^zta selb ruck an sehen wir alle Druckarten deS Mittelalters. Die meisterlichen Arbeiten Petruccis mit beweg­lichen Metalltypen werden oorgewiefen unb mit Bewunderung sieht man die Mehrfarbendrucke ber Cautentabulatuten. Alle Stadien der Noten- werben in Neumen, Mensuralnotationen, in frühen Stichen unb modernen Drucken kenntlich gemacht Für alle wichtigen Formen der In- sttumental- und Vokaimulck. für Suite. Sonate, Symphonie, Oratorium, Weste, für den pro­testantischen Kult, für Oper. Lied unb Männer« chorgefang. bringt die historische Schau ohne jede unnötige Anhäufung reizvollste Deleae.

Der museale Charatt« ist in Der ..kultur­historischen" Ucbetficht insofern ganz auf- gegeben. als die Räume jeweils im Stile der Epoche hergerichtet worden find, so daß sich Der

Beschauet noch stärket als beim Betrachten Der in Vitrinen gelagerten Notenbände Dem Geist der vergangenen Zeiten verbunden fühlt. Die Romantik bat ihren optischen Abglanz in einem Robert Schuman-Zimmer, das bem Schuman« Museum in Zwickau entstammt. In ähnlicher Weise hat bas Friedrich Silcher-HauS in Schncttth feine Einrichtin^sgegenstande Ijergegeben, um ben großen Förderer deS Deutschen Volksliedes zu ehren.

Die Ethnographische Abteilung gibt ohne jeden theoretisierenden Beigeschmack eine Ueberficht über die Instrumente aller Völker ber Erde, wie sie in biefer Fülle unb in biesem Seltenheit sw ert noch niemals geboten worben ist. Von ben ältesten, dem religiösen Kickt bienen» ben Instrumenten, d.e jetzt noch ihre Existenz in ben Lärminsttumenten ber Äinbet haben, biS auf die Tonwerkzeuge Der Gegenwart, find alle bemerkenswerten Arten vertreten. China. Japan, die Türkei, ber Kaukasus und die auf primi­tiver Kulturstufe stehenden Völkerschaften haben ihre chataltetistischslen Instrumente zur Schau ge­stellt. Sm javanisches Orchester, in dem 30 bis 50 Spielet improvisierend musizieren, führt die Idem Hamburger Völtet-Museum gehörigen) Ori« ginalinftrumcnte vor. Das Frankfurter China- Institut präsentiert in vielfältigen Variationen die Mufik deS Landes, unb zwar in Ver­knüpfung mit einet Schau bet zum Theater­wesen gehörigen Gegenstände.

Diejenigen Länder Europas, die sich einer alten musikalischen Kultur rühmen können, sind nahezu alle bet Einladung bet Ausstellungs­leitung gefolgt Sie haben, von ihren Regie­rungen weitgehend unterstützt, ihren Ehrgeiz daran gesetzt, bie kostbarsten Stucke ihre- Besitzes zur Verfügung zu stellen. Frankreichs großer Raum gehört unzweifelhaft zu den eindrucks­vollsten Tlltteilungen ber gesamten Ausstellung. Originalpartituren von Derlioz, von Mozart l,.Don Juan"). Bizet Garmen), Rossini «..Wilhelm Teil), De Busiy, Masten et, Saint- Saent, Tesar Franck, von alten Meistern tote Rameau. Lully. zieren die GlaStische deS Rau­mes Briefdokumente von Wagner und Liszt ziehen das Auge auf sich, am meisten der enthu­siastische warmherzige EmpsehlungLbnef. den Liszt dem jungen Wagner nach Dans an Pau­line Viardot-Garvia mitgab. ÄLeinobien dieser Abteilung sind die Bildnisse von Ddacroix: Chovin. Tournier: Derlioz und Renoir: Wagner. Belgiens Abteilung erhält chren Glanz durch ein Manuskript Dugays. des auS bem Hennegau stammenden ersten großen Meisters dernieber- ländifchen Schule" und durch Erstdrucke von IoSquine de PreS. Dillart, PH. de Monte, der Rore, be Kerle.

Sehr reichhaltig unb bedeutenb ist natür­lich Oesterreichs Material. Alle Mönch« codiceS und Aeumcnhandfchtiften, zum Dell in

bau getrieben. Es hat dadurch nicht nur 'eine Dirkfamkeit verloren sondern die er? : n Kon­ferenzen, Auv proche.-. und Zutamm nkün ie ta Jen schon Gefahr, ber Lächerlichkeit za ; er* allen. Das sollten auch die europäischen tiadü;;: .»er beNnlnt, die sich so gern in der logischen Be­leuchtung ber intcrndtuHtalen Odleu^ichke r zei­gen Auch ihr p-döiiiieyer Nunbus verblaßt, wenn sie ihn zu häuhg und rhne Erfolg t-cn Augen und der Kritck ber zufchauenden DcU ausletzen.

Wehr Zurückhaltung tu! nr: Em erfahren er Diplomat - ich glaube, es war Metternich hat einmal geäußert, daß man bem Frieden der Welt nich« bester dienen Imme alS durch Adkchastung aller Botschaften und sonstigen diplomanlchen Missionen. In dem Schein liegt eine emhc Dayrhn: E.n Zuviel von Diplomatie ist Ichädsicher akS ein Zuwenig, und wenn man wie Gens die Menschheit zu gleicher Zeit in pol rischer sozialer unb wirt­schaftlicher Beziehung beglücken will, so läuft man Gefahr, bah man überhaupt nid):» erreicht, baß man die schwersten Geschütze ausfährt, um allenfalls ein paar Spatzen zu erlegen, bie man viel billiger hätte haben können. Cs ift gewiß erfreulich, bah Die Minister unb Staatsmänner an den Ufern der Rhone alS gute Freunde unb Kollegen miteinanber verkehren, aber wenn btde Intimität keine Annäherung, sonbem eher eine Entfrembung Der Völker zur Folge hat. so war daS ehemalige Rotenschreiben zweckmäßiger. aus jeben Fall barmlofer alS diese mündliche Diplo­matte.

Ein Hilfeschrei aus Dem Elsaß.

für daS elsaß-lothringische Volk, ist in einein De- leiDigungsprvzeß. ben bie französischen Roya- listcnführct Da übet und Mauri aS gegen das Blatt angestrengt hatten, zu acht Dkonaten Gefängnis unb 31 000 Franken Schadenersatz unb in einem späteren Prozeß zu einem Monat GcsängniS unb 10 000 Franken Schadenersatz unb außerdem mit 13 000 Franken »ititrc de Pro­vision" verurteilt. Das Blatt fragt in feiner Kommentierung deS Urteils: »Wie lange noch, ihr französischen Richter, wollt ihr die Geduld ber Elsaß-Lothringer mißbrauchen? Ist es euch noch nicht genug ber Emvorung, der Auf­reizung. der Unterminierung des französischen Gedankens, die ihr durch eure Jugcments fran- cais geschallen habt? Wollt iyr aus bem be­schrittenen Wege weitergehen, bis auch ber letzte Rest von Achtung vor ber Justiz in S cherben liegt? Wollt ihr eS so weit trei­ben. bis auch! ber letzte Slsäsfer unb ber letzte Lothringer verzweiselt fragt, ob in ben Justiz« Palästen Elsaß-Lothringens bie Gerechtig­keit vorn politischen Haß, vorn Wahn­sinn entthront worben ist?..."

DaS Blatt wendet sich bann unter ber Ueber- fchriftGin Notschrei an daS Ausland" an die fern ber Heimat lebenden Landsleute um Hilfe. Und dieser Hilferus über Mc Grenzen hinüber ist um deswillen von besonderer bohrt» scher Bedeutung, weil die Kreise der .VolkS- fttmme" bislang ihren Kampf um ihr Heimatrecht allein auf f ich gestellt durchsechtm wollten unb eS stets vermieden haben, eine Bcwe>7una im Ausland -u entfachen, die wie eine Einmischung tn rnnersranzöfische Angelegenheiten aussehen könnte. Jetzt aber wirbt bas Blatt für feint ,Andreas-Hofer-Kasie", um die Lasten des Col­marer Urteils tragen zu können unb .bas einzige TageSorgan in Elsaß-Lothringen. Das Den Mut hat. Die Wahrheit, bie volle Wahrheit zu sagen, nicht burch richterliche Urteile zugrunde richten" zu lallen, auch im Ausland unb schreibt:

seltenen prächtig erhaltenen Exemplaren, Ma- nullripte bcS letzten Minnesängers Oswalb von Wolkenstein hallen ben Beschauer sest. Daß bie Wiener Klassiker mit vielen Originalpartituren vertreten sind bebarf kaum ber Hervorhebung. Man sieht Mozart'S Ave verum, baS Requiem. Die Sinfonie O»Moll, Beethovens Violinkon-erte in D-Dur unD Das Fragment In C-Dur, Die FrühlingSsonate. seine Skizzenbücher unD viele Briefe. Ihnen schließen sich Autographien von Schubert, Brahms, Bruckner, von Dem vier Sin­fonien auSliegen, unD von RicharD Strauß in großer Zahl an. Auch DasWiener Volks- theater" ist mit amüsanten Szenenbildern von Possen- unD Singspielen vertreten.

Schöne GinDrüdc vermittelt auch Ungarns Bezirk. Ein Klavier Beethovens ist Nach­bar mehrerer Instrumente, die Franz Liszt in Gebrauch hatte. Die Partituren Der für da- BuDapester Nationaltheater komponierten Mu­siken Beethonens zu Den , Ruinen von Athen" unDKönig Stephan" bilden Den kostbarsten Bestandteil Des musikkulturellen Naticna gute- Ungarn-. Die Tschechoslowakei, DaSKon­servatorium Europas, wie man einmal Böhmen genannt fcat, gibt fesselnbe Einblicke in Die Muhkvllcge DeS Landes.Mozart in Prag" heißt Das Motto einer Gruppe. BilDer, Theater­zettel, Szenerien sowie Partituren von Sme­tana unD Dvorak hallen Den Blick fest. Polen, seit lanacm tn Der Kunstmusik Europas ver­woben, bietet Dokumente Der bis auf Das frühe Mittelatter zurückrcichenDen Anfänge mufikalifcher "Betätigung Des VoUcS. Außer Den europäi­schen Staaten haben auch aus große musikalische TraDition -urückblickenDe EtäDle wie Leipzig, München, Frankfurt unD Deutsche Einzelstaaten eigene unD zwar sehr bemerkenswerte Räume aufzuweifen.

In DerWusikpflege Der Gegen­wart" geben Der Deutsche SängerbunD unD Die ArbeiterfängerbünDe aufschlußreiche Ueber- sichten über ihre Entwicklung innerhalb Des letz­ten IahrhunDertS. Sin mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehenerSchullingkaal" bildet Den muftergilrtgen Rahmen für Die Vorführung moDemcr musikalischer ErziehungSprinxi. ien. Auch sinnvoll hergerichtete .Vereinsmusiksale" sollen Der praktischen Musikpflege unserer Zell An­regungen bringen.

Die Oper Der Gegenwart ist mit Vorbe- Dacht in einen engen Rahmen gespannt wor- Den: Man wollte möglichst wenig in Die Ge­biete Der MagDeburger Theaterausstellung ein» areisen. Immerhin tragen Szenen bilder, Mo- Delle, Figurinen undRsgiedüchrr führen D?r Cwrn- bühnen Dazu bei, DaS GesamtbllD Der Ausstel­lung abzurunDen.

Einen Begriss von Der G£p6öüfliflkit Der ganzen Anlage dieses UnieraehmenS bekommt

ziliii'mod), 15. Juni 192Z

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.Wir wenden uns auch heute cn das Aus- lanb L. HZ vir .ert. diesen Schritt zu tun .'Y-iflc r.. "en ir.r ihn tun. F ..izösi'ch« X.u :cz ' \.t u ii dazu gezwungen. Wh schreien eS lau: ujer die Grenzen hinauf, daß eS für Die heimattrcucn Ellaß-Lolhiinger in ihrem eige- neu üanbe fein Recht. ie Gerechtigke.t. leinen rich erlichen Schutz mehr gibt Dal Ausland muß eS erfahren daß in dem befreiten E,afik kr:bnngen Die l c r i d> t e Der sranzÖf- «chen Republik in den Dienst Dee nah onalcn Hahp 0 l 11ik s > ch gestellt haben, daß sie durch maßlole Urteile die Blatter zu entwurzeln suchen, die d.e aroj e Lüae vom urfran»öniaKn Sl'asi nicht mitn.^chrn. die Die Befreiung 00m Jahre 1913 mit ihrem wah - ren G c I i d)t e zeigen unD für die Eibaltung DeS elfäfliIcheu VollStumS unentwegt unb ruck- «idUSios sich einigen. An die Sünü-Lothringer tm Reiche, in Amerika, in ber Schweiz, au d e nationalen Minderheiten der ueug.'schallcne 1 Staaten wenden wir uns Be.ie!".d sicd.n wir sie ou um ihre Hilfe gegen Den Terror ber französischen Gerichte

Lan bSIeut« im Reich, btc ihr durch bi« Schmachurteile ber iSommiffionä be triago mit barbarilcyer Robßeit aus euren Famllien. aa- eutxm Verwanden- und Bekanntenkreis berauS- gen<fen unb vom heimatlichen Hoben vert ??en worden seid, an eure StammeSIiebe. an euren eilällifÄcn Heimats um appellieren wir in crluv Lin.e. ihr seid Blut von unlenn Blut. Aoch nie dabeii wir bettelnd bie Hanb euch dingest reckt. Heute müssen wir e d tun. da bie scan- iohldK Justiz auf Ne Seite unserer polittscheit Gegner sich geschlagen bat unb durch Urteile, vor denen wir machtlos stehen, unseren Protest gegen Ne Vernichtung unterer unb eurer Mutter­sprache. unseres unb eures Volkstum- zu ersticken lucht Ihr habt auf dem Deutlchen 5obcn galt- liche Aufnahme gefunben. Ihr habt Dort neue Freunde. Wendet « u ch a n sie. damit auch lic uns unterstützen in bem harten Kampf, ben ber französische ImpeisaliSmuS uns ausgezwungen bat An ber elsässischen Treue, am elsässischen Vollsbewußtsein muß bet Welschen Tucke zer­schellen.

Fu!da-Lahn-Kanalverekn.

WSN. Di"«-. 14. Juni. Heute fand hier unter außerordentlich starker Beteiligung bie biesjährige Jahreshauptversamm­lung be» FulbaLahn-Kanal ver­ein- statt. ProvinzialNrettor Graes. Gie­ßen. eröffnete um 11.30 llhr bie au» allen Teilen He'len-Nallau- besuchte Versammlung unb begrüßte insbesonbere bie Vertreter ber Reiche-, ber hessischen unb Der preußischen Regierung. LanbeShaupttnann Luk sch. Die LanDräte. Lanb- unb Reid-stagsabgeordnete. Provinzial- unb Lanbesausfchußmitglieder, sowie bie Vertreter deS Handels unb ber Inbustrie. Der Vorsitzende bctoille, baß tn letzter Zeit in der Presse bie verfchiebensten Abhandlungen gestanden hätten, bie für und wider die Lahnkanalkfation Stellung nahmen. Diametral feien in diesen Artikeln bie Meinungen zum Ausdruck gekommen. »Hossen wir." so schloß Provinzialbirellor Grad, .daß wir heute eine Einheitssront erreichen in bem Gedanken, bah bie Lahnkanalisation auch oberhalb LimburgS bis Gießen eine Rotwenbigkeik ist."

An Stelle bcs verstorbene« Landes ha upt- mannS Wo eil würbe einftimmig Landeshaupt­mann Lutsch -um Dorsidenben gewählt. Rach lebhaster Aussprache über btc Schwierig­keiten unb bie Rentabilität bes wetteren Aus­baues ber Lahnkanalisation von Sterben bei

man schon burch Die Tatsache, Daß nicht we­niger als vier Konzertfäle mit vier Orgeln vorhanDen fino. Das von Walker gc- gebaute, 52 Register umsallenDe, Instrument be» großen Sebastian Bach-Saalcs ist mit Den letzten Feinheiten. Die Der Orgelbau kennt, auSgcftattet. Von Walker flammt auch Die in Der historischen Orgelabteilung besinDliche, acht Töne zählenDe RachbilDung einer Der vorchristlichen Zeit ent» ftammenDen Wasserorgel, Die ihre Luftzufuhr Durch WasserDruck regelt. Drei Originalorgcln aus Klöstern, Deren Bau man etwa auf 1600 unD 1750 verlegen Darf, vermitteln ebenso wie ein rekonstruiertesPortativ" Einblicke in Die Entwicklung Der Orgelkonftruktion

Mit besonDerer Aufmerkfamkeit verweilt man In Der Reupertschen Instrumentensamm­lung. Vom Hackebrett führt Der Weg Den Betrachter zu Dem auf Dem Tisch ruhenden Clavichord, wie eS um 1600 gebräuchlich war, über DaS Virginal zum fünfedlgen Spinett. Reichverzierte Kielflügcl leiten zum Hammer­klavier über. SelbstverftänDlich nehmen Die in Der Gegenwart benutzten Instrumente einen breiten Raum ein. Aber glücklicherweise ist alles, was an Mellenbetrieb gemahnen könnte, vollkom­men auSgeschaltet. Alle beim Militär, bei Der Poft unD auf Der IagD benutzten Instrumente ergänzen Diese ausgezeichnet Disponierte liebet- ficht. An Gruppen mechanischer Instrumente arte- Dem sich Abteilungen an, Die Die Entwicklung Der Sprechmaschine veranschaulichen.

Seiner kulturellen Bedcutuna entsprechenD wirD DaS Runbsunkwesen behanbclt. Be­sprechungsräume aller Art, Senbeanlagen. zum Teil zusammengesaßt in ber Sonbergruppe bet AeichSsunkgesettschast, werden ben Fachmann wie Den Laien sesseln.

Obgleich in nahezu allen Abteilungen Der Auss-ellung, soweit sie nicht ausschließlich hißo- tisch-wissenfchastttchen Eharaller tragen, Der le­bendige Klang Das Dem Auge Gebotene unter­stützt, wäre Diese gewaltige Schau unvollstänDtg. wenn ihr nicht Aufführungen Den star­ken Pulsfchlag geben würben. Sin Programm von gerabezu gigantischem AuSmaß ist währenb ber ganzen AusstellungSzeit vorgesehen. Sehr breiten Raum nehmen hierbei Die Konzertver- anftaltungen auf religiöser Grundlage ein. Eine volle Woche wird DieKatholische Musik" in Anspruch nehmen, in Deren Mittelpunkt Ver­anstaltungen Des Kölner unD Münchner Dom- chorcS. ferner bet Sixtinischen Kapelle stehen. Die gleiche Ausdehnung hat DieEvangelische Kirchenmusik". Konzerte Der Wiener Philhar­moniker unD anderer Orchester Werben abgelöst von Ausführungen nationalen EharakterS, atr denen Polen, bie Schweiz. Frankreich, Spanten, Ungarn unb China beteiligt sind. Den Beginn machte am Eröllnungstage bai ausgezeichnet« Pariser Orchestre Du Eonservatoir».