Märtyrer der Liebe.
Roman von 3. Schneide'-Forstl
24 Fortsetzung Nachdruck oerbosen
„3ft es nötig, meine Frau zu verständigen? Sie ist heute vormittag nach Prag gefahren, wo sie zu einer Abendunterhaltung eingeladen ist."
„3a!" sagte Reichmann, „schon deshalb, damit sie hernach nicht den Dorwurf erheben kann, man hätte sie, die Mutter, nicht verständigt, dah das Leben ihres Kindes in Gefahr sei."
„3n Gefahr", stammelte Renket nach. Alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Während der Doktor die Wunde säuberte und einen Verband anlegte, saß er neben seinem Kinde und hielt sein rechtes Händchen umklammert. Seine Augen waren rot unterlaufen. Aber er beherrschte sich mit aller Kraft, der Kleinen nichts von seiner Angst merken (’,u lassen. „Es tut mir gar nichts weh, Dati", plauderte sie tapfer.
„Morgen tonn ich dir schon wieder Blumen pflücken. Erlaubst du's, Onkel Doktor?"
„3a!" sagte Rcichmann hart.
Renkell sah ihn verzweifelt an. Aber der Doktor wich seinem Blicke aus.
Als er den Plan entwickelte, Nella selbst zu holen, richtete sich Annemarie erschrocken auf. Sie wurde nicht allein bleiben. Um keinen Preis. Man brauchte die Mama nicht. Der Papa sei ja da und sonst wolle sie niemand. „Wenn du fortgehst von mir, laufe ich dir nach", entschied sie weinend.
„Bleib' bei mir, Daterle", bettelte sie und hielt ihn verzweifelt am Rockärmel fest. „Bis du wieder- komnist, bin ich tot. Dann kannst du mich nicht mehr liebhaben."
Renkell wischte sich über die Stirne. Ratlos sah er zu Reichmann auf.
„Bleiben Sie!" gebot dieser. „Wenn Sie gestatten, hole ich Ihre Frau selbst. 3ch denke, daß mir gegen drei Uhr zurück sein können!"
Renkell atmete auf und streckte ihm die freie Linke entgegen. Er klingelte und befahl. Decken und Luftkissen und belegt« Brote, sowie eine Flasche Wein in den Kraftwagen zu verstauen. „Sie nehmen mir eine Riesensorge ab, lieber Doktor. Zudem hätte ich wohl nickt so ohne weiteres über die Grenze gedurft. Fürchten Sie nicht Unannehmlichkeiten zu
haben, die Tschechoslowakei ist sehr streng in ihren Bedingungen?
,Zch bin gefeit," sagte Reichmann, sich die Hände säubernd. „Mein Paß ist in Ordnung. 3d) bin eine auch innerhalb des Grenzgebietes gut bekannte Persönlichkeit, zudem Mitglied des Touringklubs. Auch habe ich eine sehr namhafte Kaution hinterlegt, um nicht immerdie gleichen Scherereien zu haben, wenn ich in die Slowakei will. 3ch denke also glatt durchzukommen.
Die Begleitung Renkells zum Wagen lehnte er ab. Annemarie hob die gesunde Rechte und zog sein Gesicht herab. „Ich hab' dich lieb, Onkel Doktor!"
Er erwiderte nichts und nickte ihr, ehe er das Zimmer verließ, lächelnd zu.
Als er den Fuß ins Freie setzte, fegte ein Windstoß durch die Bäume des Parkes. Der Himmel hatte sich mit schwarzem Grau überzogen, und über dem Folkenstein wetterleuchtete es. Ein breites, zartrotes Band flammte auf, verschwand und 3inerte von neuem empor.
Roch lagen die Hochwaldlannen in lautlosem Schweigen. Der Chauffeur sah in die Runde, prüfte das Gewölk und konstatierte mit dem sicheren Blick des geborenen Waldlers: „3n einer halben Stunde ist es da!"
„Wird's bös?" frug Reichmann und fuhr mit der unbehandschuhten Linken über das Glas des einen Scheinwerfers, an dem ein Falter taumelte.
„Was über den Falkenstein herüberkommt, hat seine Mucken, Herr Doktor. Rach Haus kommen wir noch dreimal, da hat's nichts dawider!"
„Wir fahren nach Prag!"
„Heute noch?"
„Natürlich. — Wann können wir dort sein?"
..Nicht vor zwei Uhr", tarierte der junge Mann.
„Teufel noch einmal! Geht's nicht früher?"
„Nein! 3d) fahre 75 Kilometer, die Strecke ist nachts ziemlich frei. Mehr erträgt der Wagen nicht!"
„Also dann los!" Reichmann sprang auf den Platz neben dem Führersitz. Bei Nacht, und wenn das Tempo rasch war, saß er nicht gerne im Fond. Er wollte freien Ausblick haben. Bier Augen sahen auch mehr als zwei.
Der Wagen wandte beängstigend icharf im Halb, kreis. Dann hetzten die beiden Lichter über die Brücke, jagten die Straße hinauf und bogen in die breite Chaussee der Staatsstraße ein, die nach I
Böhmen führt. Reichmann schlug den Mantelkragen hoch und drückte die Mütze tiefer ins Gesicht. Wie die Nachtluft schnitt! Es fror ihn beinahe.
Die weißgrünen Lichter der Laternen huschten durch den Hochwald. Die Weißtannen erschauerten leise. Ein Reh überquerte mit breitem Satze die Straße, eine Eule kreischte auf. Mit schwerem Körper prallte ein Nachtvogel gegen das Glas des einen Scheinwerfers, fiel und blieb mit zerschnittenem, von den Rädern zerquetschten Flügelpaar am Wege liegen.
Das Rattern des Wagens wurde nun von dem Geheul des Sturmes, der b*c Hochwaldriefen peitschte, übertönt. Knarrend bog sich das Geäst, die Wipfel neigten sich gegeneinander und ächzten wimmernd. Das grünblaue Licht der Blitze mischte sich mit dem der Scheinwerfer. Ein Rollen. Dumpf murrend mit breitem Widerhall. — Noch fiel kein Regen.
Der Chauffeur verwandte kein Auge aus seine Umgebung. Sein Blick umfaßte nichts als die Chaussee vor ihm, soweit die Lichter sie erkennen ließen.
Plötzlich verringerte er die Geschwindigkeit.
„Was ist los?" frug Reichmann und klappte den Mantelkragen zurück.
„Die Grenze'"
Lichter tauchten auf. Ein Ruck. Zwei Soldaten in tschechischen Uniformen standen neben dem kleinen Zollhaus am Wege, der von einem Grenzbaum gesperrt war.
„Den Paß, bitte!"
Reichmann sprang heraus und entnahm ihn seiner Brieftasche. 3m Licht der beiden Scheinwerfer wurde er einer aufmerksamen Durchsicht unterzogen.
„Die Plomben in Ordnung?" frug eine schnarrende Stimme. — „Nichts Mautbares?"
Der Wagenschlag wurde geöffnet. Der Fond war leer. Etwas mißtrauisch musterte der Zöllner die Polster. Ein älterer Herr trat aus dem kleinen Zollhaus. Reichmann legte grüßend die Hand an die Mütze und reichte ihm dann auch noch die Hand.
„Sie kennen mich ja, Herr Kommissar."
„Gewiß, Herr Doktor! Zedenfalls zu einer Operation? 'Verdammt, bei dem Wetter. Das macht noch naß!" lachte er.
„Hat der Herr mehr als 2 000000 Mart bei sich?" wandte die schnarrende Stimme von vorher ein.
„Nicht 500 000", erwiderte Reichmann.
„Nehmen Sie den Rückweg . .
„Polsteren!" unterbrach der Kommisiar. ..Gute Tour, Herr Reichmann."
Der atmete auf. „Verfluchte Schikanen Jedesmal die gleiche Prozedur. Renkell wäre glatt aufgesesien. Die Tschechoslowakei wurde bewacht wie der Eingang zum Paradies der ersten Menschen.
Der Schlagbaum ging hoch. Ein kurze- Grüßen. Der Doktor hielt dem Kommissar noch einmal die Rechte entgegen. Ein Freund an der Grenze war etwas Kostbares, das man behutsam in Watte hüllen mußte.
Die Lichter huschten vorbei an kleinen Garten, Hausern, Zäunen. Hundegekläff kam aus der schwarzen Nacht und erhallte. Nun trommelte der Regen auf das Wagendach, spritzte gegen die Wandung und rann in dicken Tropfen auf den Glasschutz vor dem Führersitz. Blitz auf Blitz. Ein schmetterndes Krachen hinterdrein. Reichmann kuschelte sich in die Ecke, zoq die Schultern hoch und schüttelte sich, wenn ein Guß ihm mitten ins Gesicht sprühte. Seine Gedanken ten vorwärts die endlose Strecke bis Prag, sprangen zurück zu Annemaries gefährdetem Leben und Ren» kells pochender Angst. Elisabeth! Zu ärgerlich, daß er vergessen hatte, ihr Nachricht zu geben, daß sie nicht auf sein Heimkommen warten-sM . Eine Doktorsfrau mußte mit Zwischenfällen rechnen. Schließlich rief sie selbst in Regendach an, und Renkell verständigte sie, was los war. Vielleicht war sie dann eifersüchtig. So wie er heute abend. Zu blöde. Das hieß sich gegenseitig das Leben verbittern. Er wollte sich's abgewöhnen.
3n weiten Sätzen sprang der Wagen vorwäns. Der Hochwald trat zurück. Parallel zur Straße lief die Bahnlinie. 3hre Lichter wirkten wie Sterne. Ganz weit zurück am äußersten Horizont hetzten zwei Lichter die Schienen entlang. Ein Nachtzug, der von Prag kommend der Grenze entgegen rollte
Die Straße kreuzte in fast ctfmförmiger Kurve den Bahnkörper. Mit weitoffenen Augen sog sich der Chauffeur an dem Gelände fest. Die Wegschranken standen offen. Wie kam das? Die Lichter von Wagen und Lokomotive flössen beinahe ineinander. Mit einem Satz jagte das Auto über die beiden Gleise. Eine Biertelminute später donnerte der Expreßzug vorüber.
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Mittwoch, de« 16. d. M., versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28, nachmittags ab 2 Uhr:
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Von der Reise zurück
Frau Franz Dikomeit
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ä 1 3LK sind in allen durch Plakate fenntl. Geschähen zu haben. Ziehung 31. Mörz. GeneralvertriebVvelisekar, Neaan-Bflna 11 daselbst, so lange noch Borrar, 11 Lote für 10 JLH, 28 Lose für 2d 3UI. ,..,0
Bekanntmachung.
Die städtischen Tennisplätze auf der Liebigohöhe und hinter dem Lchützcnhaus sollen für die diesjährige Spielzeit vermietet werden. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Tage und Zeiten im Stadthaus Bergstraße, Zimmer 29, einzureichen.
Die vorjährigen Mieter erhalten tunlichst ihre alten Plätze wieder zugeteilt, falls sie bis zum 25. März 1927 entsprechende Nachricht dorthin gelangen lassen.
Gießen, den 12. März 1927.
Der Oberbürgermeister.
__I. V.: Or. Seid. 24878
Bekanntmachung.
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Im Nachtrag zur Bekanntmachung vom 3. März 1926 ist der Installateur Willi Sier, Gießen, Roonstr. 34, außer im Stadtgebiet auch im Ueberlandgebiet zur Vornahme von Installationen an elektrischen Leitungen zugelassen.
Gießen, den 14. März 1927.
Elektrizitätswerke und Ueberlandanlage der Stadt Gießen.
Stolte. 2506C
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Eichenstämme
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40
4
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4,26 11,41
8,43 11,67
4,17 1,79
6,15 9,42
12,42 17,10 46,63 25,89 24,74
4,66
15
25
13
48
41
79
111. Kl.
IV. „ V. „ VI- ,, 111. „ IV. „
III. „
IV. „ V. „
III.
IV. ,, Va- „
Vb- „ V. ,,
Freitag, den 18. Mär; 1927, vormittags 8\'z Uhr anfangend, werden in den Waldungen der Gemeinde Aliendorf a. d. Lumda, Distrikt Fichtenwiese, Hahnekamm, Ncuerwald, Kohlkaut, Hormelseck und verschiedene (Forstwartei 1) versteigert:
10 Lärchenftämme Zusammenkunft beim Distrikt Fichtenwiese. 2494D
Allendorf a.b.Lumva, den 13.März 1927. Hess.Bürgermeisterei Allendorf a. d.Lumda.
Nein.
öinem lieben Qaste bietet man Jas Beste, was Küche und Keller fassen. 6s plaudert sich so angenehm bei einer Tasse köstlich duftenden
Kaffees, den die Hausfrau, dem ferste ru Öhren besonders sorgfältig bereitet hat.
Öin halber Würfel „Wefcers Carlsbader genügt, dem £etränh die herbwürzige Kraft der Kaffeebohne zu vermitteln und ihm den einladend goldenen Schimmer des Carlsbader Kaffees zu geben.
Brennholzverfteigerungenj
Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden:
A. Freitag, den 18. Mär; 1927, vorn,. 9'/2 Uhr beginnend, Abt. 57a, 58a, 59a und 60b, Bezirk des Forsters Geisel, Gießen:
31,8 rm Kiefcrnscheiter,
2 „ Eichenknüvpcl,
126,1 „ Kiefernknüppel,
25 Wellen Eickenreisig,
535 „ Kiefernreisig,
68,7 rm Kiefernstöcke,
3,9 „ Fichtenstöcke.
Zusammcnüunst: Annerödcr Weg -
6. Schneise.
B. Dienstag, den 22. März 1927, vormittags 9’2 Uhr beginnend, Abt. 65, 101b und 116, Bezirk des Försters Geisel, Gießen:
24,4 rm .Kiefernscheiter,
1,2 „ Erlenscheiter,
—,6 „ Buchenknüppel,
64,3 „ Kiefernknüppel,
—,5 „ Erlenknüppel,
350 Wellen Kiesernreisig,
940 „ Ficbtenreisig,
36 rm Kicfernstöcke,
46,1 „ Fichtenstöcke.
Ferner anschließend auS Abt. 20a und 33 des Fernewaldes:
1,5 rm Birkenscheiter,
9,2 „ Kiefernknüvpel,
780 Wellen Fichtenreisig,
4 rm Kiefernstöcke,
43,2 „ Fichtenstöcke.
Dar Holz auS Abt. 20a und 33 (Fernewald) wird nicht vorgezeigt.
Zusammenkunft: Alter Steinbacher Weg — 6. Schneise. 2502B
Gießen, den 14. März 1927.
Ter Oberbürgermeister.
I. B: Dr. Rosenberg.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen:
Am 2. März 1927 die Firma Stengel 11. Schöck, Gießen. Gesellschafter sind die Kaufleute Willi Stengel und Heinrich Schöck, beide zu Gießen. Tie offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1927 begonnen.
Am 4. Marz 1927 a) bei der Firma Fritz Egly, Gießen: Firma und Geschäft sind unter Uebernahme der seither im Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten auf Wilhelm Egly in Gießen als AUeininhaber übcr- gegangen. Tie offene Handelsgesellschaft ist erloschen. Ter Wilhelm Egln Ehefrau, Cordy, geb. Kasper, m Gießen ist Prokura erteilt, b) Bei der Firma Götz & Soldan, Lollar: Die Firma ist erloschen, c) Bei der Firma Jacob Häuser in Gießen: Tie Firma ist erloschen, d) Bei der Firma Reist & Merten, Gießen: Tie Firma ist erloschen, e) Bei der Firma Hessische Neuheiten-Jndustrie Heinrich Schwalm, Lollar: Die Firma ist erloschen.
Am 7. März 1927 bei der Firma Max Baer Nachfolger Sigmund Bensinger, Gießen: Firma und Geschäft sind unter Ausichluß der Uebernahme der seither im Geschäftsbetrieb begründeten Forderungen uild Verbindlichkeiten auf die Sigmunb Bensinger Ehefrau, Gretel, geb. Mayer, in Gießen mit Wirkung vom 1. Febr. 1927 übergegangen. Tem Kaufmann Sigmund Bensinger in Gießen ist Prokura erteilt.
Am 8. März 1927 bei der Firma Katharine Wehrum, Watzenborn: Die Firma ist erloschen.
Am 10. März 1927 bei der Firma Maria Götz vormals Wilhelm Schäfer, Taubringen: Tie Firma ist erloschen.
Gießen, den 11. März 1927. 2496C
Hessisches Amtsgericht.
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