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lkr. 58 Erster Blatt

177. Jahrgang

vienrtag, 15. Zedruar 1927

<flittet tü,l«ch,a»ß« Sewwtag» unb Jcirrtag*. Beilage!.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Fnedr Wilh Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Gange; für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- jeigenteil LTertr H.Beck. sämtlich m Dietzen.

vomGpiumkriegzum Kattuntrieg

Don Dr. Paul Rohrbach.

Der englische Außenminister hat kürzlich ge­sagt. England wolle die 400 Millionen Chinesen nicht totschießen. sondern ihnen Waren ver­täu s e n. Die Ware, um die eS sich dabei vor allen Dingen handelt, sind billige Baurnwoll- ftoffe. sogenannte- .cotton goods'. Mit diesen beherrscht England den chinesischen Markt schon seit langer Zeit. Die englischen Kattune stehen im Hintergrund der heutigen englischen Ghinapolitik auch wenn eS sich letzten EndeS um mehr handelt als bloß um Kattune.

Die Beziehungen zwilchen England und China begannen vor über 80 Jahren mit dem Opium- krieg. 3n Britifch-3ndien wurde viel Opium erzeugt und nach China ausgeführt. Dieser Han­del warf für die englischen Kaufleute großen Gewinn ab. die Opiumkultur wurde immer mehr ausgedehnt, und immer mehr Schiffsladungen von dem Gift gingen nach China. Die chinesische Re­gierung. die damals ihr Land dem direkten euro­päischen Handel noch verschlossen hielt, verbot die Opiumeinfuhr, die auf indischen und chinesi­schen Schissen, aber für englische Rechnung, in die südlichen Häsen kam. hauptsächlich nach Kan­ton. Richts war gerechtfertigter als dieses Ver­bot. Opium, in der Hand des Arztes eine Wohl­tat. ist. wenn eS zu Genuhzwecken gebraucht wird, zumal in der asiatischen Form des Rauchens, einS der verderblichsten Gifte. Wer dem Laster verfallen ist. gleichviel ob Kuli oder hoher Würdenträger, ist ein gezeichneter und ruinierter Mensch.

Den englischen Kausleuten in Indien und der englischen Regierung in London waren das höchst gleichgültige Dinge. Der Opiumhandel brachte riesige Gewinne, an denen auch einflußreiche Leute beteiligt waren, und darum wurde China mit Gewalt durch den sogenannten Opiumkrieg (1840 bis 1842) gezwungen, die Einfuhr des Giftes weiter zu dulden. Vielleicht ist nie ein Krieg aus Motiven von so nackter Gewissenlosigkeit geführt worden, wie dieser Opiumkrieg Englands oder gibt es einen zweiten Vorgang in der Geschichte der zivili ierten Völker, bei dem ver­brecherische Gewinnsucht die Politll eines großen Landes so unverhüllt beeinflußt hätte? Wir kennen keinen, und wir zweifeln, ob sich einer finden lassen wird.

Der Opiumkricg wurde mit wenig Schwierig­keiten und Verlusten durch die englischen Schiff s- kanonen. entschieden. Mit der Unterschrift der chinesischen Reg erungsdclegierten war die Sache erledigt. Die Op.unllchiffe kamen weiter, wurden ausgcladen. und das Gift ging ins Land. Wer kaufen wollte, kaufte. Etwas wie einen chinesi­schen Volkswillen oder ein chine isches Rational­gefühl gab eS noch nicht. Das Volk war eine in religiöser Verehrung des Himmelssohnes in Peking erzogene Masse. Allerdings, der Fremde war nicht beliebt in China. Man nannte die Europäer .fremde Teufel", und je mehr sich ihr Einfluß ausbreitete, und je gewaltsamere Maß­nahmen sie dazu befolgten, desto mehr stieg der Haß. 3m Boxerausstand, 1900. explodierte er gewaltsam, unter Führung des konservativen Beamtentums, aber gerade die Erfahrung, die China damals machte, war derart, daß die Uekwrlcgeriheit der Fremden nur um so hoff­nungsloser gefestigt erschien.

Das schien so. aber im 3nnern des Chinesen- tums hatten sich infolge der Berührung mit dem abendländischen Wesen, namentlich auch mit den amerikanischen Erziehungsanstalten, große Aenderungen vollzogen. Zwei Dinge stürz­ten überraschend schnell und gleichzeit.g: das alte vcrzopst-konscrvative Bildungssystem und die cheokratisch-monarchische Verfassung. China wurde ein Tummelplatz radikaler idea­listischer Reuerer und ehrgeiziger Militär- befchlshaber. 3n diesem Stadium war es schon, als der Weltkrieg ausbrach, wenn auch die Zentralregierung in Peking noch eine gewisse Autorität behauptete. Den Krieg erllärte sie nur gezwungen, unter dem Einfluß von Dro­hungen und Versprechungen, deren keine den Chinesen gehalten wurde. Die große Folge des Weltkrieges war für China ein mächtiges Empor- flammen des Rationalgefühls bis in die breiten Massen hinein, und eine Zerstörung des euro­päischen Prestiges in einem Umfang, von dem man sich schwer eine Vorstellung machen kann. Seit die Alliierten Asien und Afrika für den Vernichtungskrieg gegen Deutschland aufgeboten und sie zu Zeugen der von ihnen verübten Kulturfrevel gemacht haben, haben die farbigen Lolker. Chinesen und 3nder voran, aufgehört, mit jenem Gemisch von Ehrerbietung und Furcht, die sie früher kennzeichnete, auf den Weißen ju sehen. Die Folgen davon bekommt England zu spüren.

England hat in China jetzt feine Neme­sis für den Opiumkrieg. Wenn die 400 Millionen Chinesen, die Chamberlain nicht tot- schießen zu wollen erHärt, keinen englischen Kat- tun mehr kaufen wollen, so kann er sie auch mit 100 00-3 Soldaten nicht dazu zwingen. Die Einheit des nationalen Willens in China ist stärker als die englischen Kanonen. IBaS England heute in China imstande ist hin- zunehmen. das hat es jüngst in Hankau gezeigt. Do es seine Flagge niederholen unb seine be­waffnete Macht von den Chinesen auf den Schub bringen lieh, ohne Genugtuung zu verlangen! Um des Opiums willen hat man 1840 geschossen; um des Kattuns willen läßt man sich 1927 Demütigen. Dazwischen liegt eine lange Zeit, <ber gibt es nicht auch ein Sprichwort von den langfam mahlenden Mühlen?

Abbruch der tjantauer Verhandlungen.

London, 14. Jebr. (Reutet.) Zwischen dem kantonesischen Außenminister Ischen und dem britischen Unterhändler 0 TH a 11 e g ist bisher e I n Ucbereinfommen nicht erzielt worden. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der bri­tischen Regierung und Kanton scheinen abge­brochen zu sein.

41 m r s" schreibt in einem Leitartikel zum Abbruch der tjantauer Verhandlungen, es würde verkehrt fein, etwas tragisch zu nehmen, was letzten Endes nur ein Präzedenzfall In der lang­samen und mühseligen Etwickiung eines außer­ordentlich schwierigen Problems ist. Es ist klar, daß China noch für lange Zeit die ernste Aufmerksam­keit Großbritanniens beanspruchen wird.

China nach außen einig.

Tas chinesische Mitglied des Bölkerbundsrats über Schanghai.

Paris, 14. Febr. (WTD.) Die .Chicago Tribüne" veröffentlicht ein Telegramm aus Genf, das Crllärungen des vorübergehend in Genf weilenden chinesischen Ratsmitgliedes Tschao über die chinesische Politll enthält. Danach wlll Tschao erllärt haben, die Chinesen seien in außenpolitischen Fragen einig. Er spreche ebenso für den Rorden wie für den Süden Chinas. Hinter ihm ständen 400 Millionen Chinesen. Tschao bemängelte, daß die Engländer reguläre Truppen nach Schanghai sandten. Die- sei daraus berechnet, den KriegSgeist wieder erstehen zu lassen, eine Erinnerung an die Tage von 1914, die 1927 seltsam sei. Schanghai sei nicht englisches, son­dern chinesisches Gebiet. 400 Millionen Chi­nesen seien entschlossen, ihre staatliche Hoheit zu verteidigen. Sie hätten keine Furcht vor Englands Land- und Seestreitkräften. Wenn un­glücklicherweise die Anwesenheit dieser fremden Streitkräfte zu militärischen Derwick- 1 u n g e n Anlaß geben sollte, so könne dies weitere ernste Folgen haben. Die Dm- antwortung hierfür würde gewiß nicht C*jtna zufallen.

Tschangtsolin.

Paris. 14. Febr. (WB.) Rach einer Mel­dung der Agentur 3ndo Pacific soll General Vang-Buting. der Generalstabschef der Mukdcnarmec. vorgestern in Peking ein - getroffen sein. Seine Anwesenheit in Peking wird damit begründet, daß bedeutende Aende- rungen in den Operationen im Honangebiet vor- genommen würden, da die Mulden »Truppen Weisung erhalten hätten, die Wupeifu unge­treuen Truppen zu bekämpfen und daß die­ser selbst nach Peking marschieren solle. 3n der Pekinger Gegend wird seit drei Tagen gekämpft. Die Lage der Rordtruppen in der Gegend von Tschekiang werde als kritisch ange­sehen. General Vuang-Buting erllärte, daß die Streitkräfte für die Aufrechterhaltung des Frie­dens im Süden neu eingeteilt würden und zwar in sechs Armeekorps und daß den Truppen moderne Waffen gegeben würden. Rach seiner Ansicht bestehe nicht die Rotwendigkeit,

Schanghai zu neutralisieren, denn die Verbün­deten hätten genügend Truppen für eine Eventualität. Wegen deS zwischen den Roten Lanzenreitern und den Aufständischen im Honan- gebiet herrschenden Äleinlricgcä habe Tschang­tsolin seinen Truppen Weisung erteilt, unter keinem Vorwand Häuser von Dauern zu be­ziehen, Haussuchungen abzuhallen oder Kontri­butionen einzutreiben.

Englische Truppenlandungen in Schanghai.

Schanghai. 13. Febr. (Reuter.) Zum ersten Male seit dem voxcrausstand sind europäische Trup­pen heute hier gelandet worden. Zwei eng­lische Regimenter zogen mit Musik und Fahnen durch die Hauptstraßen von Schanghai. Der Marsch, der über eine Strecke von Insgesamt fünf Meilen Länge zu den vorgesehenen Quartieren ging, hatte riesige Me schenmassen ungezogen. Die Truppen wurden von den Europäern m i t jubelnden Kundgebungen empfangen. Die chinesischen Kaufleute begrüßen ihr Erscheinen mit sichtlicher Erleichterung. Zwischenfälle sind nicht vorgekommen.

3n Hongkong steht der Abtransport eines weiteren Bataillons britischer Truppen nach Schanghai bevor. Die erste indische Beigabe wird Hongkong nicht anlaufen, sondern direkt nach Schanghai weitergehen.

Antienglische Propaganda in Hongkong.

London. 14. Febr. (Reuter.) 3n Hongkong hat eine neue antibritische Doykoltbewegung cin- ».esetzt. Chinesische Soldaten jenseits der briti- feen Grenze bei Shamchun verteilen Flug­blätter mit den Schlagworten: ..Rieder mit Sem britischen Imperialismus, der Hongkong zu einer öden 3nsel macht!" Außerdem wird ein mit einem Bilde versehenes chinesisches Plakat verteilt, das Lenin als den Vater deS Kom­munismus und den Lebensstern aller derjenigen Rassen bezeichnet, die vom 3mperialismuS er­obert seien.

Deutschland und der ChinaKonfliKt. Eine angebliche Erklärung der deutschen Negierung.

Berlin, 15. Febr. wie der Londoner Vertreter derVoss. Zig." erfährt, soll die deutsche Botschaft beauftragt worden (ein, der englischen Regierung zu erklären, daß alle Gerüchte, als ob Deutschland beabsichtige, die Lhinasrage in der März­tagung des Völkerbundes oorzubrin- g e n, unwahr feien. Deutschland sei in dem Streit zwischen China und den Washingtoner Mächten völlig neutral. Die deutschen Waffen, die nach China gelangten, stammten aus Beständen, öle schon vor Jahren wegen der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages meist zu Schleuderpreisen an nichtdeutsche Aufkäufer verkauft worden feien. (Eine gleiche Erklärung sollen die deut­schen Vertreter bei den anderen an China inter­essierten Regierungen abgegeben haben.

3n englischen Zeitungen kann man lesen, daß England seit dem Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Kolonien keinen solchen mate­riellen und moralkschen Verlust erlitten habe, wie jetzt in China. Was man nicht so offen aus­gesprochen liest, was sich aber im stillen jedem englischen Gemüt um so stärker aufdrängt, ist die Frage: Wie wird die Riederlage in China denn etwas anderes als die schließliche und restlose Kapitulation vor den chinesischen For­derungen bleibt England gar nicht übrig auf die Stimmung in 3nbien wirken? Unb wie wirb Moskau bafür sorgen, daß diese Wirkung sich verbreitert und vertieft? Richt nur die Chinesen, auch die Deutschen könnten zu den Engländern sagen: 3hr selbst habt es gewollt! Es ist nicht nur der Opium­frieden, der sich an den Engländern rächt, son­dern noch ein anderer Frieden, das Diktat von Versailles. Die Zerstörung Europas droht ihnen jetzt ihre Stellung in Asien zu kosten, wo Moskau der natürliche Vundes- genosse der Asiaten ist, unb wo ber Bolschewis­mus auf seine Art daran arbeitet, nicht nur den Opiumfrieben. sondern auch den Versailler Frieden zur Revision zu bringen.

England unb Rußland.

London, 14. Febr. (WTB.) 3m Unter­haus wurden an die Regierung eine ganze Reihe von Anfragen über die englisch-russischen Beziehungen gestellt, aus denen die bei den Kon­servativen herrichende Stimmung deutlich her- vorging. Gelegenheit für eine Debatte über dieses Thema zu geben, könne aber im Augenblick noch keinen Zeitpunkt nennen. Der Unterstaatssekre­tär des Aeußeren Locker Lampson sagte, in dem Verhältnis zwischen England und Rußland sei seit den letzten Erörterungen im Unterhaus keine Aenderung ringetreten. Die Regie­rung schenke ihr nach wie vor ihre Aufmerifam- keit. Aus die Anregung, das Weißbuch mit Ma­terial über Vorstöße der Sowjetbehörden gegen

das englisch-russische Handelsabkommen zu ver­öffentlichen. erwiderte Locker Lampson: Die ver­öffentlichten Reden von Sowjctsührern und Ar­tikel in der offiziellen Sowjetpresse bringen ge­nügend Deweismaterial für die feindselige Propaganda gegen England. ES ist nicht notwendig, weiteres Material zu veröffent­lichen. 3n den Besprechungen mit dem Londoner Sowjetbotschafter hatten wir oft genug Gelegen­heit zu Klagen.

Der Reichswehrr^inister an die Heeres- und Marinefriedens- kommissionen.

Berlin, 12. Febr. (TU.) Anläßlich ber Ein­stellung der Tätigkeit der Heeres- unb Marine- friedenskomrnifsionen hat ber Reichswehrminister Dr. Geßler folgenden Erlaß bekanntgegeben: Am 31. Januar 1927 hat die Interalliierte Militärkontrollkommisfion den deut­schen Boden verlassen. Mit dem gleichen Tage stellen auch die Heeres- und Marinesriedens- kommifsionen ihre Tätigkeit ein. Ich benutze den Anlaß, um sowohl den Leitern, wie allen Offizieren, Beamten und Angestellten dieser Kommissionen f ü r Ihr treues, fe 1 bstloses und verdien st- volles Wirken meinen herzlichsten Dank und wärmste Anerkennung zu sagen. Rie wohl wurde bisher in schwerer Zeit entsagungsvollere Arbeit von deutschen Männern gefordert unb ge­leistet. Den Dank hierfür schuldet ihnen die Ge­samtheit des deutschen Volkes."

Das neue albanische Kabinett.

Tirana, 14. Febr. (WTB.) Das neue alba­nische Kabinett hat sich konstituiert. Minister- präsident unb entsprechen!) der Verfassung Staats­oberhaupt ist Ahmed Beg Zvgu. Die übri­gen Mitglieder der Regierung sind: Briom (Aeußeres), Alisoti (Finanzen,. Dibra Abdur» roman (Inneres». Ljuka «Oeslentliche Arbeiten). Der .Politika" zufolge sind die Mitglleder der neuen Regierung ohne Ausnahme Italien» freundlich.

Schweres Erdbeben in Jugoslawien.

Agram, 14. $ebr. (WTB.) heute früh hat sich in der herzogewina und Im südlichen Serbien ein schwere» Erdbeben ereignet. 3n Mostar sind die meisten Gebäude eingestürzt. Die Dörfer des A m s e i s e l d e s sind Ruinen. Bel S e- rajewo ereignete sich ein riesiger Erdrutsch. Durch die abstüzenden Lrdmasfen wurden 10 Häuser vcr schüttet, wobei zwölf Personen ums Leben gekommen sind. In Metkowic (Dal­matien) wurde das Stationsgebäude und das Post­amt vernichtet. 3n der Gegend de» Amseiseides bil­dete sich ein großer Spalt, In dem Häuser verschwan­den. Eine große Anzahl Menschen ist um» Leben kommen. 3n Lubinje und Opospotse find mehrere Häuser eingestürzt. Menschenleben sind zu beklagen. Die Abgeordneten der Skuptschlna erhiel­ten Depeschen au» ihren Wahlbezirken, die den Um­fang de» Erdbebens al» katastrophal erscheinen lassen. In das Lrdbebengeblet wurde Militär entsandt. Die seismographlfchen Apparate von Agram, Serasewo und Mostar verzeichneten in 27 Minuten 19 Erdstöße. Sie wurden infolge der starken Anschläge außer Betrieb gesetzt.

Die Abrustungsdebalte.

Geringe Aussichten

beb amerikanischen Vorschlags.

London, 14. Febr. (WB.) Die Ad- rüstungsvorschlägc Coolidges wurden in eng­lischen QHarincfreifen nicht günstig aus­genommen. ES ist unwahrscheinlich, daß Groß­britannien sich an einer Konferenz der fünf großen Seemächte oder einer Konferenz zu dreien, mit Japan und den Vereinigten Staaten bc- teifigen wird. Die Zahl der britischen Kreuzer ist sowieso ungenügend.

Die französische Antwortnote auf das amerikanische Memorandum wurde heute von Driand zusammen mit Derihelot fertige gestellt und wird morgen dem Ministerrat zur Beschlußfassung vorliegen. Rach HavaS werde die Antwort dahii» gehen, den Vorschlag dem Völkerbund zu überweisen, da dieser qualifiziert sei, die Abrüstungsfrage au behan­deln. Frankreich als Völkerbundsmitglied maße sich nicht daS Recht an, durch Annahme des amerikanischen Vorschläge- den Völkerbund zu umgehen und zur Vernichtung seiner Autori­tät beizutragen.

i In Tokio hat sich ein außerordentlicher Ra- unettsrat mit dem Vorschläge des Präsidenten Coolidge beschäftigt. Die japamfchen Behörden sind ^er Ansicht, daß Japan an einer solchen Konferenz | silnehmen könne, sind aber dagegen, daß die ktze- ; famtformel für die Abrüstung auf die Kreuzer An- !uenbuna fänden. Gewisse Publizisten erklärten. Ja- ! parr müsse vor Zusammentritt der Konferenz die Entwaffnung der Flottenstützpunkte »on hawai und Singapore verlangen. Die

I Zeitungen heben hervor, daß der Erfolg der Kon- ierenz von der Haltung Frankreichs und Italiens bhänge. Im Oberhaus erklärte Premierminister Wakatsuki, Japan habe seine gegenwärtigen l Land- und Seestreitkräfte nötig, um feine Stell lug und seine Rechte zu schützen. Wenn nicht ein entschiedener Wandel in ber allgemeinen Welt- läge eintrete, müsse Japan seine Lanb- unb See­streitkräfte in der gegenwärtigen Stärke beibe- halten.

Deutsch-tschechische Handels- vertragsverhandlungen.

Prag, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Die Handels- Vertragsverhandlungen mit Deutschland nehmen einen befriedigenden Verlauf. 3n den letzten Tagen verhandelte man über den ersten Artikel des textlichen Teiles deS Vertrages. Es wurde in wichtigen Fragen ein gegenseitiges Cm- vernehmen sowie eine bedeutende Annäherung in einigen zolltariflichen Punkten erzielt. Dte deutsche Abordnung reift Ende dieser Woche von Prag ab. Die Fortsetzung der Verhandlungen in Berlin ist für den Beginn des lommenben Mo­nats vorgesehen.

Die polnische Krisis.

Pilsudskis Konflikt mit bcm Lcjm.

Warschau, 14. Febr. (TU.) Bei ber De­batte über bie jüngste große Rede des Dize- ministerpräsibenten Bartel erklärte der Vertreter der deutschen Fraktion, Abg. K a r a u . daß die Deutschen in Polen der in der Bartelschen Rede dargelegten Politik nicht zustimmen könnten. Vor allem würden sie das für ganz Polen ein­heitliche Derwaltungslhstem nach Möglichkeit be­kämpfen. Auch fei die deutsche Fraktion gegen die Militarisierung deS Landes unb besonders der 3ugend. Abg. Karau sagte, daß feine Frak­tion gegen daS Budget stimmen werde.

Als man darauf zur Abstimmung über das Budget in dritter Lesung schritt, erschien plötzlich Pilsudski, der sonst nie an einer Plenar­sitzung des Seims teilgenommen hatte. Von sei­nem Platze beobachtete er die Abgeordneten, ob fie für oder gegen baS Budget gestimmt hoben. Sogleich nach der Abstimmung verlieh er das Seimgebäude wieder. 3n Kreisen cet Abgeordneten erblickt man in dem Verhalten Pilfudskis eine Drrchung gegen die. bie gegen das Budget gestimmt haben. Trotzdem war das