Nr. 12 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 15. Januar 1921
Außenpolitische Umschau.
Don Professor Dr. Otto Hoetzfch, M. d. R.
Co interessant die Vorgänge in China und in QHltielamcrJa und so bedeutungsvoll sie auch In ihren Zernwirlungen für Europa sind, wir haben nähere Sorgen und Fragen. Das Verhält- niS zu Frankreich und das zu Polen steht im Mittelpunkt der Debatten.
Vriand hat es für richtig gehalten, die Forderung einer Klärung zu erheben, in zwei VeujahrSintervicwS, in denen er die Aeuherun- gen deS Vatikans, des RuntiuS von Paris und deS Pariser Erzbischofs für sich benutzte. Eine Klärung worum und worüber? Natürlich denkt man dabei an die Außenpolitik, an Locarno und daS Verhältnis zu Deutschland, die Fragen, über die, wie allgemein bekannt, Meinungsverschiedenheiten im Kabinett Poincare bestehen. Man kann schwer beurteilen, ob diese Lage und auch mancherlei im eigenen Ministerium für Vriand wirklich genügender Grund waren, auf eine solche Auseinandersetzung um d e Führung in der Politik Frankreichs hinzuarbeiten. Ganz ungefährlich ist d.ese für ihn selbst nicht. Denn er geglaubt hat, die Erneuerung eines Drittels deS Senats am 9. Januar würde im Senat eine unbedingte Linksmehrheit herbei- führen, so hat er sich darin getäuscht. Der Gewinner ist nicht die Linke schlechthin, Denn diese war bei den Mahlen so zersplittert, wie überhaupt im politischen Leben Frankreichs. Gewinner sind die Sozialisten, die im Senat letzt eine eigene Fraktion bilden-, darüber besteht rein Zweifel, wenn dieser Zuwachs natürlich im Sinne VriandS und der Locarnopolitik auch eine Verstärkung ist. Denn der Senat hat mit überwältigender Mehrheit die Locarnoverträge an» Eommen, für die ja Poincare auch selbst ge- imt hat. Der Senat ist eine feste Stühe für
Kabinett Poincare schlechthin. Das aber beißt für ein Kabinett, das die Mährungs- sanierung und Finanzordnung zu Ende führen soll. Gelingt das Poincare, so ist er zweifellos der große Mann, und die De- mühung darum fesselt ganz von selbst und durch ihre Zusammenhänge auch eine Außenpolitik, die Poincarö sicherlich in seinem Herzen heute anders wünschte und gern anders betriebe. Aber er kann, wenn er den Franken sanieren will, die Wege der Außenpolitik einfach nicht verlassen. Er kann aufhalten, er kann Steine in Den Deg werfen, ober er kann ohne Gefährdung der eigenen Position schlechterdings nicht eine scharfe Kurve machen. 3ft das aber so, dann erkennt man eigentlich nicht recht den Zweck einer großen außenpolitischen Auseinandersetzung, die Vriand herbeiführcn wollte, und die man jetzt hinaus- schiebt, zeitlich sowohl, wie von der Kammer in den Senat verlegt, und nicht ohne Geschick wird dafür die deutsche Regierungskrise als Grund benutzt.
Für unS hat diese Auseinandersetzung insofern etwas Erfreuliches, als sie mit aller Schärfe die Frage der Räumung des Rheinlandes stellt. Denn daS ist das nächste, waS konkret und praktisch angefaht werden muß: die logische Fortsetzung der Politik von Locarno ist. daß alsbald der letzte Soldat der Besatzung vom Doden Deutschlands verschwindet. Das ist Wohl auch Vriands Einsicht und Mille, unb die Presse der Linken sekundiert ihm darin auch DaS wird PoincarS aufhalten wollen. Das wollen erst recht aufhalten und verhindern die militärischen Kreise, die die These ausstellen, daß eine Räumung deS Rheinlandes vor dem Vertragstermin unzulässig sei, bevor nicht die französische Armee reorganisiert und das französische FestungSsystem an der Rordostgrenze vollständig Wiederhergestellt sei. 3n diesem Zusammenhang werden natürlich auch die letzten noch übrig bleibenden Enlwalfnungsfragen. über die augenblicklich direkt in Paris verhandelt wird (Ostfestungen und Kriegsgerät), benutzt, um die Fortführung der auf die Räumung des Rheinlandes zielende Politik zu erschweren. Unsere nächste Forderung ist also, neben der Vereinigung der letzten übrig gebliebenen Entwaffnungsfragen die Räumung des Rheinlandes in kürzester Frist. Mit Recht hat auch der Reichspräsident öieie Forderung in einer seiner Reujahrsansprachen
OerFroschmitderMaske
Roman von Edgar Wallace.
41. Sortierung Nachdruck verboten
„(Er nannte sich auch Eollet-Vanson", sagte Dick.
„3a, den kenne ich sehr gut! Der pflegte Maitland oft im Bureau zu besuchen und gewöhnlich lehr spat abends. Maitland arbeitet dreimal in der Woche im Bureau die Nacht durch, wenn alle Beamten gegangen sind, wie ich leider an meinem eigenen Leibe ersahrcn habe", sagte Johnson. „3a, ja — es war ein großer hübscher Mensch, von so ungefähr vierzig Jahren."
„Stimmt", sagte Dick. „Er hat ein Haus in der Nähe von Windsor."
„3a, obwohl ich selbst nie dort war, weiß ich das, weil ich Briefe an ihn aufgegeben habe."
„Was für Geschäfte hatte CoUct-Banson mit ÜRaitlanb? Ä
„Das konnte ich nie herausbekommen. 3ch hielt ihn immer für einen Agenten, der Grundbesitz zum Bertaut anbot, denn das waren die einzigen Leute, die zu Maitland zugelasien wurden. 3d) erinnere mich auch, daß das Kind eine Woche lang bei ihm
das Kinsaus Maitlands Haus?" fragte Inspektor Elk.
Herr Johnson nickte zustimmend.
«Sie wissen nicht, was für eine Beziehung zwischen dem Kinde und den beiden Männern besteht?
„Nein, ausgenommen, daß ick) ganz sicher bin, daß der kleine Junge wirklich bei Herrn Collet- Banson war, weil ich auf Maitlands Anordnung Spielzeug hinüberschicken mußte. Es »ar an dem Tage, an dem Herr Maitland fein xeftament machte, ungefähr vor anderthalb Jahren. Ich erinnere mich aus einem besonderen Grunde so genau an diesen Tag. Ich hatte nämlich erwartet daß Herr Maitland mich auffordern wurde, das Lcsta- ment mit zu unterzeichnen und suhlte mich als alter, treuer Angestellter recht gekränkt, als er zwei Beamte aus dem Bureau zur Unterzeichnung her- beiholen ließ. Solche kleine Kränkungen haben auf mich den stärksten Eindruck au-geübt", fugte er hinzu.
„War das Testament zugunsten des Küides oer- jaßt worden?"
gewissermaßen amtlich ausgenommen und ausgesprochen.
Gleichzeitig hat eS der polnische Außenminister für richtig gehalten, in zwei Reden, vor seinem Auswärtigen Ausschuß und bei einem Vankett, mit überraschender Schärfe gegen Deutschland zu sprechen. Mo macht denn Deutschland eine, wie er sagte, unerhört starke Propaganda gegen den Artikel 10 der Völkerbundssatzung, der von der Respektierung der Grenzen der Völkerbundesstaaten spricht? Hat er dabei den evenso wichtigen Artikel 19 vergessen, ter doch deutlich sagt, daß unanwendbar gewordene Verträge geprüft und revidiert werden mü sen? Wir verstehen in gewißem Sinne, w i e er zu solchen Angrifsen kam. Er hat innen- und außenpolitische Gründe dazu. Das System Pilsudskis erweist sich als unfähig, den Staat vorwärts und weiter zu bringen. Der Gegensatz zwischen den Parteien greift weiter als je, und der Außenminister, der im Kielwasser Pilsudskis schwimmt, hält es für wirksam, auf der Plattform der Leidenschaft gegen Deutschland eine Drücke zwischen dem Marschall und seinem Anhang einerseits und der Rechten und Dmowski zu schlagen. Die außenpolitischen Gründe liegen dd$ allem in dem Dewusitftin der zunehmenden Isolierung. In die kleine Entente ist Polen nicht hereingekommen. Mit Rußland kommt kein Verhältnis zustande. Die litauische Frage schwelt weiter. Mit der Hegemonie Polens innerhalb der Randstaaten und an der Ostsee ist es nichts. Mit Deutschland lebt man im Zollkrieg und in einer außerordentlich großen Spannung. Unb zuletzt Frankreich? Es srißt und wurmt in Polen, in seinem Außenminister, daß Frankreich zwar im Locarnopakt feine Grenze gegen Deutschland gesichert hat, daß aber die gleiche Garantie für die polnische Westgrenze gegen Deutschland in diesem Vertrag nicht zu erhalten war. Und Zaleski weiß, ebenso gut wie Graf Skrzyn- ski, daß infolge des Locarnovakts und des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund das fran- zösisch-polni che Verhältnis sich abgeschwächt hat. Er weiß, daß Polen jetzt allein seine Forderungen im Völlerbundsrat vertreten muß, und er hielt es deshalb für richtig, indem er das an Frankreich ausiprach, dies durch scharfe Angriffe auf Deutschland zu überdecken.
Wir behalten ruhiges Blut Wir wissen (und deshalb sinsd die Reden des Herrn Zaleski nichts Rcues), daß einer der Gefahren- und Unruheherde eben Marschau ist: die Unberechen- barleit dcs Marschalls, die Zerfahrenheit der polnischen Parteiverhältnisse. die Unfähigkeit, der inneren Probleme Herr zu werden, und daher vielleicht die Reigung, das Ventil dafür in der Außenpolitik in einem kriegerischen Abenteuer zu suchen. Daß Polen dabei selbst viel riskieren würde, weiß cs selbst am besten. Und was die polnische Westgrenze anbetrifst, so weiß Polen so gut wie Europa, daß Deutschland an eine gewaltsame Aenderung dieser Verhältnisse nicht denkt, aber daß es ebenso bestimmt und eindeutig a b l e h n t, die deutsch-polnische Grenze zu garantieren, die, wie die oberschlesischen Wahlen zuletzt aufs deutlichste gezeigt haben, an vielen Stellen eine pure Unmöglichkeit ist. Der Friede von Europa ist und bleibt gefährdet, wenn diese unmöglichen Grenzverhältnisse so bleiben, in Oberschlesien, im Korridor, die Danziger Verhältnisse und was sonst noch dazu gehört.
Der polnische Außenminister erklärt, wie fein Vorgänger und wie wahrscheinlich jeder polnische Politiker von heute, daß Polen eine Revision seiner Westgrenze nicht zulafsen werde: .Um keinen Preis werden wir auch nur einen Fußbreit pommerellischen oder oberschlesischen Dvdens abtreten, jener seit Jahrhunderten polnischen Ländern, die uns übermächtige Gewalt genommen hatte und die unS der Sieg des Rechtes und der Gerechtigkeit wieder zurückgegeben hat." Auch dieser Außenminister betont die Einmütigkeit der ganzen polnischen Ration darin. Das ist freilich leichter und wirkungsvoller, als wenn sich ein solcher Außenminister nüchtern und mit Selbstüberwindung die Frage vorlegte, ob gute nachbarliche Beziehungen zu Deutschland, auf die Polen angewiesen ist, auf die Dauer denkbar sind, wenn diese Grcnzverhältnisfe so bleiben und wenn die ganze polnische Praxis den Minderheitsstaaten gegenüber aufrecht er-
Johnson schüttelte den Kops. Und immer zu Elk gewendet, denn Dick schwieg während dieser Unterredung, sagte er: „Er hat die Sache nie mit mir besprochen. Er wollte nicht einmal einen Advokaten zu Rate ziehen. Er sagte mir, daß er die äußere tyorm des Testamentes einem Buche entnommen habe."
Dick erhob sich. „Ich danke Ihnen herzlich für Ihre interessanten Ausschlüsse, Herr Johnson", sagte er, den Philosophen zur Tür begleitend.
Am nächsten Morgen Halle Dick eine Unter- rebung mit dem Gefangenen von Pentonoille und sand ihn in recht widerspenstiger Stimmung.
„Ich weiß nichts von Babies und von Spielzeug und wenn Johnson sagt, daß er es geschickt hat, dann lügt er in feinen Hals", sagte Balder trotzig.
,Lch verweigere jede Aussage über Maitland und meine Verbindung mit ihm. Ich bin das Opfer einer polizeilichen Verfolgung geworden und wünsche meine Enthaftung. Ich fordere Sie auf, einen Beweis zu erbringen, daß ich auch nur eine einzige strafbare Handlung in meinen Leben begangen habe, ausgenommen, daß es vielleicht in Ihren Augen ein Verbrechen ist, ein Leben wie rin Gentleman zu führen."
„Haben Sie aber nicht doch vielleicht eine Nachricht für Ihre liebe Frau und Ihre sieben Kinder zu bestellen?" fragte Dick sarkastisch.
Die drohenden Züge des Gefangenen glätteten sich für einen Augenblick.
„Nein, für die wird Elk schon sorgen", sagte er.
Eine Stunde vor der Zell, zu der der Gerichtshof sonst öufanTmenjutreten psleate, wurde in Born- ftreet die Anklage gegen Balder erhoben. Der Arrestbefehl wurde erteilt und Balder im Auto unter Bewachung von Pentonoille weiterbefördert.
In der drillen Nacht nach Balders Einlieferung in das Gefängnis von Pentonoille, kam Romantik in das Leben des zweiten Hauptaufsehers. Er war verhältnismäßig jung, alleinstehend, von recht angenehmen Aeußern und wohnte bei seiner verwitweten Muller in Shepherds Bush. Es war seine Gewohnheit, nach der Arbeit des Tages einen Autobus zu benützen, um sein Heim zu erreichen und er war gerade im Begriffe, bei seiner Straße auszusteigen, als eine Dame vor ihm ausstieg, strauchelte und zu Boden fiel. Er war fofort bei ihr, um sie emporzuheben. Sie war jung, elegant
halten bleiben. So Hot un< die Rede deS polnischen Außenministers nichts RcueS gebracht, sondern nur wieder daran erinnert, daß wir in daS neue Jahr hier mit einer Spannung etn- iTcien, die unerfreulich ist. aber ohne unsere Schuld. Es ist nicht Deutschlands Schuld, wenn die Grenzen so unmöglich laufen, und nicht Deutschlairds Schuld, wenn man in Warschau einen Weg zur Verständigung nicht findet und, wie die Rede ZalestiS zeigt, auch nicht finden will!
Lüftungsanlagen in öffentlichen Lokalen.
Die Frage, wie in öffentlichen Sälen, Krnos, Theatern, Versammlungszimmern, kurzum in allen Räumen für öffentliche Zwecke eine gute Durchlüftung erzielt werden kann, ist eine bedeutsame Angelegenheit unserer Zeit, in der von allen Seiten als Gegengewicht gegen den nervenaufreibenden Daseinskampf immer neue Möglichkeiten gesucht werden, um die Gesundheit des Volkes auf der Höhe zu halten. In den großen Sälen, in denen sich viele Menschen zu- fammenfinben, um Vorträge zu hören. Fckme zu sehen, oder aber auch sich aktiv durch Tanzen zu betätigen und zu bewegen, findet man trotz fortgeschrittenster Technik und modernster Bauart oft eine derart schlechte Lust, daß sich immer dringender die RotwenLigkell ergibt, zu untersuchen, was getan werden kann, um endgültige Vesserungen zu schaffen. In öffentlichen Gebäuden wurden schon seit einigen Jahrzehnten besondere Lüftungsanlagen eingebaut, mit denen jedoch meist nicht allzugute Resultate erzielt wurden, weil sie in technischer Hinsicht das Problem nicht restlos erfaßt haben.
„Luft und Licht", so erklärte der bekannte Architekt Prof. Heinrich S t r a u m c r einem Mitarbeiter der Verkehrszeitschrift „Verkehr und Vä- der", „möchte ich das Prinzip nennen, unter dem heute der Häuserbauer seine Aufgaben ausführt. Die moderne Architektur hat sich von allen Spezialisierungen und Koniplizierungen des Stils freigemacht, um in Weitestern Maße die Zweckmäßigkeit und Gesundheit des Vaues zu gewährleisten. Hierzu gehört ohne Frage auch die Lösung des Entlüftungs- Problems, zumal für große Räume. Wenn ich den Grundsatz heutiger Baukunst wie oben in zwei Morten zu charakteri'ieren suche, so zeigt sich hierin gleichzeitig auch die Erfassung dieser Frage, die durch ixn Einbau genügend großer, leicht zu öffnender Fenster wenigstens in Mohnräumen mittleren und kleinen Ausmaßes sich auswirkt. Schwieriger hingegen ist, es. bei großen Sälen eine einwandfreie Entlüftungsanlage zu konstruieren. Hier empfiehlt es sich für den Architekten, mit dem (Sntlüftungö- spe^ iaIisten zusammenzuarbeiten, gilt eS doch besonders für den Minter, die Räume gut zu entlüften, während die Kälte das Oefsnen vo i Fenstern auSschließt. Vei großen Sälen reichen auch die Fenster gar nicht aus. um den genügend starken Wechsel von frischer und verbrauchter Luft zu gewährleisten. Eine künstliche Entlüftikng mit maschinell er Vorrichtung wird unvermeidlich. Eine solche besteht darin, daß frische, in besonderen Kammern vorgewärmte Luft hineingepreht und die schlechte Luft durch Saugapparate — sogenannte Exhau- storen — herausgezogen wird.
Bei Neubauten sind die K o st e n für derartige Entlüftungsanlagen relativ niedrig. In Hohlräumen über der Saaldecke ober an, den Seitenwänden führt man Kanäle, die dann über das Dach hinaussteigen. Die Frischluftkanäle werden in gleicher Weise im Untergeschoß- oder an Sellenwänden stugefuhrt. Die Maschinen zum Ein- vressen der frischen Luft ordnet man zweckmäßig im Keller an, man soll aber die frische Luft möglichst ein Geschoß höher aufsaugen. Es muß vermieden werden, Kellerluft ober feuchte Erbluft einzuführen. Bei Ansammlung vieler Menschen muß ein solches Verfahren immer angewandt werben. Ohne Kraft betriebene Anlagen reichen für ben Luftwechsel in großen Räumen nicht aus, um so weniger, wenn z. B. bei Festlichkeiten die Anbringung be- fonberer Dekorationen notroenbig wird. Vorhänge, Portieren ober Dekorationen wirken besonders
stark als Staubfänger. Auch hier soll die Gestaltung der Innenraume schon unter Rücksichtnahme aus die Lust erfolgen. Asio unter Vermeidung über,luftigen Zierates. Jede Frischlustzusuhrungsaniage ist so her- AufteUen, daß sie mit einer Saugoornchtuna zum Entfernen der verbrauchten Lust verbunden ist.
„Ev ist meist wesentlich einfacher als man annimmt, bestehenden Sälen neuzeitliche Frischlustanlagen einzuglicdem, denn fast überall wird es unbenützte Boden- ober Dachräume geben, ble zur Unterbringung der Kanäle geeignet, sind. Da gerade bei Sälen ältester Bauart in großem Maße Verzierungen, wie Kehlen, Konsoloor- ragungen usw. vorhanden sind, so wird man diese benutzen, um die Kanäle dahinter anzulegen. Auch hierfür stellen sich die Kosten nicht sehr hoch, gleich- zeitig gewinnt aber her Saal durch eine solche Maßnahme In der Meinung des Publikums nicht unbeträchtlich. Wo dieser Umbau technisch unmöglich ist, wird mau gut tun, neue Decken einzuziehen, wenn zugleich ble Säle eine Erneuerung erfahren."
„Sehr Intcrcfiant," so äußerte sich Pros. S t r a u- m c r weiterhin, „lagen für mich in einem Cpezial- faU ble Verhältnisse, damals nämlich, als ich in sehr kurzer Zeit da» Haus der Funk-In- b u ft r i e in Berlin zu bauen hatte. Hier handelte es sich auch darum, eine Entlüfttinas- und Heizungsanlage einzubauen, aber es durfte wegen der besonderen Bedingungen für den Rundfunkempfang kein Eifen für die Kanäle bzw. Rohrleitungen verwendet werden. Unter ben Galerien befinden sich Gitter, durch die die Frischluft einftrömt, die in be- sonderen Kammern vorgewärmt wird. Für die Leitungen wurde ein neues Material verwandt, dessen Zusammensetzung aus Kalk und Gips und Lumpen wir praktisch erst approbieren mußten.
„Allgemein kann man sagen, daß die Deffcnt- kichkeit der Frage der Enttustung nicht d i e Beachtung schenkt, die sie verdient. Gerade die Entwicklung des Häuserbaues zum Turmhaus, wie wir sie jetzt sehen, macht das Vorhandensein gut funktionierender Luftwechfler notwendig. So sind in den Warenhäusern oft sehr mangelhafte Anlagen vor- Händen, wenn auch bei Neubauten auf diesem Gebiet große Fortschritte erzielt wurden. Hinzu kommt, daß behördliche Vorschriften für dieses Gebiet wenig vorsehen und daß erst in allerneuester Zeit die Absicht besteht, der Schnellentmicksiing der Zeit Rechnung zu tragen. Die Baupolizei bemüht sich, ihre früheren Verordnungen zu ergänzen.
Architekt und Entlüftungstechniker werden daran denken, daß die neuzeitliche Entwick- lung z. B. des Sportes neue große Ausgaben mit sich bringt und neue Probleme stellt, die erst noch gemeistert werden müssen. Auch für den Bau von Ausstellungshallen müssen gerabc in bezug auf die (Entlüftung die bisherigen Methoden einer Revision unterzogen werden. Nichts ist unanae- nehmer, als eine Messe ober Ausstellung zu besuchen, wenn es sich in ben Hallen vor heißer und verbrauchter Luft kaum aushalten läßt. lieber- raschend gut ist übrigen» die (Entlüftungsfrage tu ben Lichtspieltheatern mancher Städte ae- löst, wo durch ble Folge mehrerer Vorstellungen bc- sondere Anforderungen aestellt werben. Oft ist bei Grohkinos die Anlage so, daß die größte Anzahl der Türen direkt ins Freie führt, so daß bei dem Wechsel der Besucher zwischen jeder Bor- stellung ein genügender Durchzug em tritt
Die Anforderungen des neuzeitlichen Lebens führen zwangsläufig auch auf* diesem Gebiet der (Entlüftung zu ganz neuen Wegen. Der Ausdruck der Architektur im Inneren wie im Meuteren hat sich bereit» gewandelt, und der Stil, der schon heute als Zweckstil bezeichnet wird, begünstigt auch die Anlaae solcher Entsüftungsvorrich- tungen, wie sie dem Aufenthalt der Menfck)en nützlich sind.__
Oberhessen.
Landkreis Gicstcu.
00 Klein-Linden, 14. Ian. Au» der Bevölkerungsstatistik des verflosienen Jahres ist zu berichten: Die Zahl der Eheschließungen betrug 12 gegen 20 im Jahre 1925, geboren wurden 27 Kinder (1925: 33). An Sterbesällen sind 14 zu verzeichnen (1925: 18). Das Jahr 1927 scheint ein sehr fruchtbares zu werden. Sind doch in ben ersten 14 Tagen bereit» 7 Kinder als geboren an- gemeldet worden.
und erstaunlich hübsch. Er führte sie behutsam auf ben Gehsteig.
„Es ist nichts geschehen", sagte sie lächelnd, aber mit schmerzlich verzogenem Gesicht. „Es war sehr dumm von mir, mit dem Bus zu fahren. Ich habe mein altes Dienstmädchen besucht, das erkrankt ist. Wollen Sie mir bitte, ein Auto rufen?"
(Ein vorbeifahrendes Auto ward herangewinkt und das blaffe Fräulein sah sich hilflos um.
„Wenn ich nur jemandem begegnen würde, den ich kenne. Ich mochte so ungern allein noch Hause fahren! Ich habe Angst davor, ohnmächtig zu werden."
„Wenn Sie gegen meine Begleitung nichts ein- zuwenden hätten," sagte der Hauptauifehr, mit all dem warmfühlenden Ernst, ben der Anblick einer hilflosen Frau im Busen des empfindsamen Mannes weckt, „Jo will ich Sie gerne nach Hause begleiten. Ein langer Blick voller Rührung und Dankbarkeit traf ihn aus ihren Augen, sie nahm seine Begleitung an und murmelte nur ihr Bedauern über die ihm verursachte Mühe.
Sie bewohnte eine wundervolle Wohnung. Der Hauptausseher dachte, er hätte nie vorher eine so anmutige und schöne Dame in so passender Umgebung kennen gelernt und damit hatte er allerdings recht. Er hätte gerne nach der Verletzung an ihrem Knöchel gesehen, aber sie fühlte Jich viel, viel wohler und gerade kam auch ihre Zofe herein.
Und ob er nicht ein bißchen Whisky mit Soda haben wollte? Und ob er nicht, bitte, rauchen wolle? Sie wies ihm den Platz, wo er Zigaretten finden konnte und bann sprach der Hauptaufseher eine Stunde lang von sich selbst und hatte so einen äußerst unterhaltsamen Abend.
„Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, Herr Bron" sagte sie beim Abschied, „weil Sie soviel Zett an mich vergeudet haben."
„Wenn das die Zeit vergeuden heißt, so hat es keinen Sinn für nach, mit ihr zu sparen."
„Das ist ein wunderschönes Apercu!" sagte sie lächelnd. „Also, dann will ich Ihnen auch erlauben, morgen zu mir zu kommen, um sich nach meinem armen Fuß zu erkundigen."
Er notierte sich sorgfältig die Adresie des alleinstehenden Häuschens in Bloomsburg Square, und als er am nächsten Abend klingelte, war er nicht mehr in Uniform.
Um zehn Uhr ging er m Ekstase fort, ein Mann, der den Kovs hochhielt, mit sich selber sprach.
Denn, „oer Duft ihrer Reize/ wie er ihr schrieb, „hatte sein Innerstes durchdrungen".
Zehn Minuten, nachdem er gegangen war, kam die Dame heraus, schloß da» Haustor sorgfältig hinter sich ab und trat auf die Straße.
Der Müßiggänger, der auf dem gegenüberliegenden Gehsteig auf und ab schlenderte, warf seine Zigarre weg.
„Guten Abend, Fräulein Basiano", grüßte er.
Sie nahm eine abwesende Haltung an. „34 fürchte, daß Sie sich irren , sagte sie steif.
„Nicht tm geringsten! Sie sind Fräulein Baffano und meine einzige Entschuldigung dafür, daß ich mir erlaube. Sie anzusprechen, ist, daß ich ihr Noch- bar bin."
„Nun erst sah sie ihn näher an. „Ach, Herr Broad!" sagte sie In etwas freundlicherem Tone. „Ich habe eben eine Freundin besucht, die sehr schwer erkrankt ist."
„3a, das hat man mir berichtet. Ihr Freundin hat eine recht hübsche Wohnung," sagte er und begann neben ihr herzugchen. ,Hch selbst wollte sie vor ein paar Tagen mieten. Die möblierten Wohnungen sind recht schwer zu finden. Stimmt, vor einer Woche war ich hier. An dem läge, an dem Sie Ihren beklagenswerten Unfall in Shepherds Bush hatten."
,Lch verstehe Sie nicht!" sagte Lola.
„Die Wahrheit ist," sagte Herr Broad im Tone der Entschuldigung, „daß auch ich versucht habe, mit Herrn Bron bekannt zu werden. Während der letzten zwei Monate habe ich mich mit dem sorgfältigen Studium des Gefängnispersonals in Pen- tonville beschäftigt und besitze eine Liste der leicht zugänglichen Jungen ,die zusammenzustellen mich einen Haufen Geldes gekostet hat. Ich vermute, daß Sie noch nicht das Stadium erreicht haben, wo Sie ihn hätten überreden mögen, über s-ine interessanten Gefangenen zu sprechen. Dazu spricht Herr Bron allzugern von feinen seelischen Vorgängen. Ich habe es letzthin mit ihm versucht," fuhr Broad fort, „er besuchte einen Tanzklub in Hammer Smith, und ich wurde mit ihm durch ein Mädchen, de er hofiert, bekannt. Sie sind, nebenbei bemerkt, nicht die einzige Liebe feines jungen Lebens."
(Fortsetzung folgt.)


