tm 5 a u ft B a 11 für Herren es der S. G. München nach zweijährigen vergeblichen De- mühungen nun dieses Mal gelang, den Meistertitel in dieser Sportart zu erringen. Die Meisterwürde im Faust ball für Damen muhte der Altmeister Hamburger Lehrerturnverein an den V. f. K. Tilsit abtreten.
Schlagball für Herren: Entscheidungsspiel, Germania, Gleiwitz gegen V. f. K. Königsberg 45:35. Deutscher Meister für 1927: Germania, Gleiwih.
Faust ball für Herren: Entscheidungsspiel, S. G. München gegen S. D. Eimsbüttel: 29:25. S. G. München Deutscher Meister 1927.
Faustball für Damen: Entscheidungsspiel, D. f. K. Tilsit gegen Hamburger Lehrer- turnvevein 44:40. Deutscher Meister für 1927: D. f. K. Tilsit.
Aach der Lieberreichung der Meisterabzeichen traten zu einem Handball Werbespiel zwischen Nord und Süd der Pvlizeisport- verein Hannover gegen den Sportverein 1898 Darmstadt an. Der Norden hatte die größere Ausdauer uird eine ausgezeichnete Verteidigung, während der Süden Wohl verschiedene gute Spielmomente zeigte, aber in der zweiten Spielhälfte, zu deren Beginn es 0:3 für denselben stand, gänzlich von seiner Verteidigung und vor allem von dem Torwart in Stich gelassen wurde. Hamwver konnte demzufolge 9:3 gewinnen.
Die Derbandsspiele im ArbeiLer-Turn- und Lporlbund.
Die unteren Mannschaften am vorigen Sonntag.
Ein ruhiges und lebhaftes Spiel zeigten Fronhausen I und Daubringen I in Fronhausen. Es war ein knapper Llnterschied erwartet worden, was sich auch bewahrheitete. Bei ausgeglichenem Spiel erzielte Daubringen in erster Halbzeit das Führungstor. Die zweite Hälfte der Spielzeit war an Torerfolgen reicher. Mit wechselndem Glück kamen beide Parteien zu je 2 Toren, so daß am Schluß Daubringen mit einem 3:2-Resultat glücklicher Sieger wurde.
Oppenrod I und Steinbach I beendeten ihr Spiel mit einem recht knappen Resultat. Rach schönem, flotten Spiel übernahm Oppenrod die Führung und erhöhte die Torzahl bis Halbzeit auf 2. Rach dem Wechsel behinderte ein starker Regen das Spiel, das erst gegen Schluß wieder auf seine alte Höhe kam. Gin flotter Durchbruch sicherte Steinbach mit einem recht schönen Torschuß das Ehrentor.
Alten-Duseck I holte sich gegen Burkhardsfelden I mit leichter Mühe die Punkte. Rach wechselvollem Spiel setzte sich die system- vollere Spielform Alten-Dusecks durch und stellte bis zum Schluß einen 5:l°Sieg sicher.
Leun I hat es recht schwer gefallen, die erste Mannschaft Rvdheims zu besiegen, denn knapper konnte der Sieg nicht ausfallen. Alle Anstrengungen endeten damit, daß am Schluß Leun mit 1:0 Sieg und Punkte mit Heimnehmen konnte.
Wengier glücklich war die zweite Mannschaft Leuns, dre gegen die gleiche Wetzlars nach ungleichem Spiel 7:0 verlor. Katastrophaler ging es bei dem Äugendspiel zu: hier beendete Wetzlar das torwiche Treffen gegen Leun mit 11:1 für sich.
Einen völlig unerwarteten Ausgang nahm das Äugendspiel zwischen Gießen und Kl ein-Linden. Hatte man hier mit einem leichten Sieg Gießens gerechnet, so enttäuschte die Mannschaft vollkommen. Klein-Linden machte gegen früher einen recht vorteilhaften Eindruck und siegte verdient mit 1:0.
Die Äugendmannschaft Wiesecks hatte die körperlich kräftige und sympathische Äugend Butzbachs zu Gast. Än dem flotten Spiel zeigte sich die technische und tattische Lleber- legenheit Wiesecks. Die Mannschaft erzielte in jeder Halbzeit 4 Tore und gewann verdient 8:0.
Die Äugendmannschaften Fronhausen und Lollar zeigten in einem spannenden Spiel die Lollarer als die glücklicheren. Rach wechsel- vollem Kampf siegten die Lollarer 2:1.
Wohl das schönste Spiel des ganzen Sonntags zeigten die Schülermannschaften Lollars und Wiesecks. Än einem prachtvollen Kampf zeigten die Kleinsten recht gute Leistungen. Lollar schoß in erster Halbzeit ein Tor, Wieseck iij der zweiten. Resultat 1:1.
Wischen Wund sieben
Roman von Liesbet Dill.
Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. * 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Eng die Stadt und alt die Häser, finster die Gassen. Lichtlose Höfe, grau und dumpf, taten sich * hinter den Häusern auf ... Die Leslie sprach über 1 das Wunder des Domes ... Seit zwei Jahren hatten sich plötzlich in seinen Säulen und Pfeilern faust- : dicke Risse gezeigt. Man untersuchte sie und stieß ! auf eine furchtbare Entdeckung. Der Dom war auf Pfahlrosten erbaut, zwischen denen ein Rheinarm durchführte. Dieses Holz war vom Wasser im Laufe der Jahrhunderte zernagt und verfault und so hatte der riesenhafte, massive Dom, seines stützenden Fundamentes beraubt — ein atemraubender Gedanke —, seit Jahren eigentlich in der Luft geschwebt ...
Die alte Stadthalle war „Foyer du soldat" geworden, eine Trikolore schwebte über ihrem Eingang ... Schatten kamen heran, aus allen Ecken krochen sie und glitten dicht neben ihr her ... Statt weißer Möoen waren es plötzlich schwarze, flatternde Raben ... Mein Later, dachte sie ... Er hat die Zeit nicht ertragen ...
„Ein Wunder ist das mit dem Dom/ sagte Manfred, „es läßt sich durch kein Gesetz erklären ..."
"Zu unseren Zeiten geschehen keine Wunder", warf Ethel ein.
Melittas Augen suchten nach bekannten Gesich- tern und Namen ... Alle diese Häuser mit den zierlichen Rokokobalkons, das Hotel „Zur goldenen Schippe", die ehrwürdig stillen Barockhäuser um den alten Markt, der uralte Brunnen, errichtet „Zum Dank vor Errettung von der Pest", darüber ragend, noch imposant in seinem hölzernen Käfig, der alte Dom ... wie bekannt ... und wie schmerzlich, das alles wiederzusehen nach so langer Zeit — — so verändert ... Der Dom war verschlossen. Aber eine kleine Seitentür stand offen ... in seinem Inneren I waren Steinmetzen bei Licht an der Arbeit, der harte Stein knirschte unter ihren scharfen Meißeln, die Gewölbe waren aufgewühlt, neuen aufgebrochenen Gräbern standen “ schwere steinerne Särge
Kampf im Reich und in Hessen.
Än einer sehr gut besuchten Versammlung der Deutschnationalen Dolkspariei am Montagabend im „Postkelleri' sprach der Reichstagsund Landtagsabg. Prof. Dr. Werner-Butzbach in fesselnder Weise über das in der Lieberschrift bezeichnete Thema. Der erste Teil der etwa P/sftünbigen Rede war Fragen der Reichspolitik gewidmet, während im zweiten Teil die hessische Landespolitik besprochen wurde.
Eingangs f einer Darlegungen betonte der Redner, daß zwei Dinge in der Gegenwart immer stärker sich ausprägten: der faszistischnationale. völkische Gedanke und das unverkennbare Anwachsen der 3nternationale. Der Redner erörterte dann die immer stärkere Verflechtung weiter und wichttger Wirtschaftskreise, wie sie in den verschiedensten Kartellierungen usw., auch über unsere Grenzen hinaus, zum Ausdruck komme. Der sogenannte Wirtschaftsliberalismus sei auf dem Marsche. Äm Hinblick auf diese internationalen Wirtschaftsverflechtungen forderte der Redner kräftigen Schutz unserer Lcurdwirtschast, des Weinbaues usw., denn in der Landbevölkerung feien die Grundlagen unseres Daseins, die Quellen der deutschen Kraft zu erblicken. Mit einer anders orientierten Politik könnten sich die Deutschnationalen niemals einverstanden erklären. Än diesem Zusammenhang nahm der Redner scharf Stellung gegen die Auswüchse des Kapitalismus: namentlich der Mißbrauch des Kapitals zur Ausbeutung der Menschenkraft müsse bekämpft werden. Der Vortragende wies dann auf die furchtbaren und bezeichnenderweise zeitlich nicht begrenzten Dawes-Lasten hin und kam weiter auf Locarno zu sprechen: den „Schwindelgeist von Locarno," wie der Redner sagte, sehe man sich jetzt enthüllen, immer mehr trete der Katzenjammer auch bei den Locarno-Verfechtern ein, die jetzt erwachten. Aber dazu lache der Völkerbund. Rach wie vor mühten wir vom stärksten politischen Pessimismus beseelt sein. Rach einer kurzen Beleuchtung der durch den Wiener Putsch zutage getretenen politischen Verhältnisse wandte sich der Redner mit Entschiedenheit gegen die auch im Deutschen Reiche betriebene Hetze gegen die deutsche Äustiz und die deutsche Rechtsprechung: aus einer solchen Hetze entstünden dann Taten, wie die in Wien. Am Schlüsse seiner außenpolitischen Betrachtung begrüßte es der Redner, daß ein Ost-Locarno nicht zustande gekommen ist: die Grenzen im Osten seien auf die Dauer unhaltbar. Än allen Fragen der Außenpolitik hätten unsere Pazifisten ebne Enttäuschung nach der andern erlebt, wie aus den gescheiterten Abrüstungskonferenzen, und zuletzt auch aus den Ereignissen auf dem Kongreß auf der Interparlamentarischen Frie- dens-Llnivn hervorgehe. Zu den beherrschenden Fragen der Ännenpolitik übergehend, begrüßte der Redner die bevorstehende Neuordnung der Beamtenbcsoldung, die als dringend notwendig anzusehen sei. Sehr bedauerlich sei es, daß jetzt sofort wieder Preissteigerungen angekündigt würden. Das dürfte nicht fein, denn bann würde den Beamten die Einkommensverbesserung gleich wieder fortgenommen. Hierbei müsse darauf hingewiesen werden, daß man in den breitestes Dolkskreisen von den bisherigen Steuersenkungen, z. B. bei der Umsatzsteuer, nichts gemerkt habe. Für die nächsten Äahve werde man sich immer noch auch mit dem Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern ünd Gemeinden beschäftigen müssen. Das Liebel sei die Grzbergersche Finanzveform die — um mit Brentano zu sprechen — „den Ginzelstaaten das finanzpolitische Rückgrat gebrochen habe". Zur Frage Konkordat und Reichsschulgesetz betonte der Redner, nach seiner Ansicht sei ein Reichskonkordat unnötig. Wenn das Verhältnis zwischen Staat und Kirche geregelt werden müsse, so könne das geschehen durch QJereinbarungen zwischen den Kirchen und den Ginzelstaaten, wie das Beispiel von Württemberg und Sachsen zeige. Bei der Beratung des Reichsschulgesetzes werde die Deutschnationale Partei mit aller Entschiedenheit an der christlichen Simultanschule festhalten. Die Länder, in denen die Simultcm- schule schon bestehe, dürften nicht gezwungen werden, gegen ihren Willen die Konfessionsschule einzufühven. Die Simultanschule habe sich aufs beste bewährt. Das verständnisvolle Zusammenarbeiten der beiden christlichen Konfessionen auch schon in der Schule sei für den Wieder
aufbau unseres Vaterlandes dringend notwendig. Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen müsse man dem neuen Reichsschulgesetz sehr kritisch gegenüberstehen: denn wer solle denn die vielen neuen Schulgründungen bezahlen? Än Hessen werde man mit besonderer Hingabe für die Beibehaltung der Simusi. anschule eintreten, mit der man nur die besten Erfahrungen gemacht habe.
Bei bet Besprechung der hessischen Polittk hob der Redner hervor, daß die Deutschnattonale Volkspartei ihren Einfluß habe ausdebnen können. Sie habe sich stets bemüht, allen berechtigten Wünschen nach Möglichkeit zu entsprechen. Der Redner nahm dann kritisch Stellung zur Regierungspolitik unb bezeichnete das bisherige Walten der Regierung der Weimarer Koalition als eine Regierung des Zwanges. Et erinnerte an die bekannten terroristischen Vorgänge vor einigen Jahren in Darmstadt, bei denen die Regierung der ßaae nicht gewachsen gewesen fei und für deren Auswirkung sie die volle Verantwortung mittrage, erwähnte den Zwang und die vielfache terroristische Einwirkung auf die politisch andersdenkende Beamtenschaft durch eine unglaubliche Hetze in der sozialdemokratischen Presse, die vielfach zu einer Vergiftung der Stimmung selbst in den engen Kollegenkreisen führte. Weiter wies der Redner auf die bekannten Vorgänge bei Ernennungen von Lehrkräften an der Universität Gießen und an der Technischen Hochschule hin, besprach kurz den Fall Hüter in Gießen, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Hetze gegen die Justiz und die bei dieser Gelegenheit zutage getretene Rechtlosigkeit des Richterstandes usw. Das Ergebnis aller dieser Vorgänge sei die Feststellung, daß eine größere Gewalttätigkeit, ein größeres Malträtieren der geistigen Freiheit noch nicht dagewefen sei. Und dazu komme noch die üble Futterkrippenpolitik. Nunmehr kämen Neuwahlen, die zu einem geschlossenen unb energischen Kampf gegen die Weimarer Koalition benutzt werden müßten. Einigkeit und feste Geschlossenheit seien nötig, jede Zersplitterung fei zu vermeiden, etwaigen Splitterparteien dürfe im Interesse des großen Ganzen keine Gefolgschaft geleistet werden. Es gelte alle Kräfte zu- saminenzufassen, um Schluß zu machen mit bet Weimarer Koalition, damit endlich auch Hessen zu anderen unb besseren politischen Zuständen komme. (Langanhaltender, lebhafter Beifall.)
An den Vortrag schloß sich eine Aussprache, in der namentlich ötubienrat Dr. Lenz die von dem Hauptredner bargelegten Gedanken in wirkungsvoller Weise unterstrich. Äm Verlaufe der Erörterung wurde die nachstehende Entschlie- ßung zumReichsfchulgesetz angenommen:
„Die heute im „Postkeller" zu Gießen tagende, stark besuchte Versammlung der Deutsch- nationalen Vvlkspartei richtet nach einem Vortrage des Reichstags- und Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Werner, Butzbach, an die Deutschnationale Reichstagsfraktion die Ditte, darauf hinzuwirken, daß in dem kommenden Reichsschulgesetz ausdrücklich festgelegt wird, daß die christliche Simultanschule im Vvlksstaate Hessen, die sich wahrend ihres mehr als 50jährigen Bestehens durchaus bewährt hat, auch dauernd erhalten bleibt."
Oberhessen.
Landkreis Gietzen.
OO Klein -Linden, 13. Sept. Aus der Gemeinderatssitzung vom Montagabend ist zu berichten: Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für Darlehen, die die hessische Landesbank in Darmstadt an verschiedene Privatleute unb an die Baugenossenschaft Klein-Linden als Baudarlehen vorgestreckt hat, unb zwar bis zur bezugsfertigen Herstellung der Neubauten und bis zur Eintragung der Hypothek im Grundbuch. Es handelt sich bei bet Baugenossenschaft Klein- Li nben um ein Darlehen von 12 000 Mark unb bei drei Privatleuten um Baudarlehen im Gesamtbetrag von 10 7000 Mark. Das Gesuch des evangelischen Kirchenoorstanbes wegen Ablösung bes Abnutzens vom alten Friedhof zur Bestreitung des Organistengehaltes wurde mit Stirn» menmehrhrit abgelehnt.
X Klein-Linden, 13. Sept. Seit einigen Tagen macht sich auf der Westseite des hvhenl Dammes der Llmgehungsbahn wieder eine Bewegung der Sand- und Lettern a s s e n bemerkbar. Am Fuße des Dammes werden jetzt die überschüssigen Erdmassen abge-
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umher. Laternen brannten, die Arbeiter waren eben dabei, den Fußboden auszuheben, die Portale und Säulen wurden tiefer gelegt.
Die enge Augustiergasse mit den Zweifenster- fronten der Häuser, engbrüstig unb schmal. Ueberall (Erinnerungen an bie Pest, an Belagerungen unb Krieg. Portale unb eisenbeschlagene Holztüren mit schweren Klopfern, buntbemalte Häuser mit erfrorenen Reben über ben Fenstern. Melitta mußte führen, sie kannte hier jeben Weg. In ber kalten, finsteren Ecke einer engen, schmutzigen Gasse fnnben sie die Backofengruppe, bas Werk bes größten Holz- schnitzers vom Rhein. Eine gotische Madonna, die • Sünder am Kreuz. Ethel machte Aufnahmen überall. ! Melitta fand die Gruppe „grausam" ... Wie man in diesen Festungen aufeinanbersaß. In einem 5)aufe waren oft zehnerlei Gewerbe untergebracht, unten ein Bäcker, ein Schuster, oben ein Schneu ber, im Hof ein Sattler, im Schuppen ein Schlosser, in den Mansarden Schneiderinnen, Wäscherinnen, eine Plätterei ... Dicht daneben Barockportale, Jesuitenkirchen, und überall das Wappen mit Schlüssel unb Rad und dem Krummstab ber Erzbischöfe, bie einst hier glanzvoll unb kriegerisch residiert.
Die „Himmelsgasse", die „goldene Luft". Die alten Namen sahen sie an wie Menschengesichler. Das Gasthaus „Zu ben drei Kronen", in dem Goethe währenb ber Belagerung Frankfurts gewohnt hatte.
Ein holpriger Hof, ein düsteres Haus, mit reichgeschnitzter, gewundener Treppe. Ueberall ber Rebstock, die Füllhörner, die Trauben des Rheins, holzgeschnitzt unb bemalt. Die „arme Klarakirche", klein, nüchtern, gotisch, streng ... Viel 16.Jahrhundert in engen Gäßchen, Doppelwappen unb die Bürgerkrone über ber Tür.
Das Traubenmotio verfolgte sie am ganzen Rhein, aus den Nischen lächelten die Heiligen herab mit blauen, lebenslustigen Augen unb einem frischen, offenen rheinischen Lachen, unb das Jesus- firib thronte wie ein kleiner Grande auf dem Arm ber Mutter unb lachte wie ein kleiner Spitzbube ...
Eine alte 3efuitentird)e im Dämmerlicht. „D, Aesulein, erhöre uns", stand auf einer gestickten Altarbecke .... Allongeperücken steinerner Fürsten aus Grabmälern, Madonnen in lose flatternden Gewändern, ein Priesterseminar daneben mit un
heimlichem Hof und stillen Kreuzgängen, leer, öde unb sehr falt ...
Am „Judeneck" folgten sich kleine gotische Profanbauten, die Höfe dunkel, finster, luftlos, erdrückend eng Flur unb Treppen, feuergefährlich.
Sie gingen durch das kurfürstliche Palais. Steinsärge und Lanzen waren da aufgestellt, geordnet und katalogisiert. Ausgrabungen auf diesem Boden ober in nächster Umgebung gemacht. Schmuck unb Kämme römischer Damen, bie man in Gräbern gefunden hatte, Ringe unb Gebisse lagen in den Glassärgen, Zöpfe von Frauen als Beigaben, Glasschalen, auf denen eine Eberjagd eingeschnitzt war, aus römischen Zeiten. Die Römer hatten einst gern hier gelebt, in dem „Garten Deutschlands". Melitta wollte vorbei, aber Manfred hielt sie zurück. Er wies ihr einen goldenen. Schlangenreif, der neben einem Skelett lag, an dessen Kopf noch bie Haare klebten. Es war „ihr" Schlangenreif, aus Gold, gesä)meibig und weich, nur diese Augen waren aus bunter Emaille ... „Die deinen sind schöner", sagte Manfred weitergehend ...
Zwei Engländer schlenderten durch bie Säle, sie schauten in die Särge, befühlten die Lanzen ber riesigen, stahlgeschienten, deutschen Ritter und gingen weiter. Von den meisten Mumien war noch das Haar unb ber Halsschmuck, golbcne, feingearbeitete Ketten, erhalten. In der Halle sah man Hunnen- gräber und Modelle der ersten germanischen Wohnhäuser mit Strohdächern, niedrige, primitive Häuser aus ber ersten Bronzezeit, Skelette, die Lanzen im Arm, lagen in Glassärgen, Reliquienkästen aus spätkarolingischer Zeit, Elfenbeinschnitzereien, Männergräber aus dem fünften unb sechsten Jahrhundert, Spangenhelme aus der Völkerwanderung, Theatermasken, böse, lachende unb schreiende, die entsetzlich wirkten. Bilder aus Haaren geflochten ... Sprüche auf Tellern. Die Leslie buchstabierte: „Laß Dich in kcyn Versuchung ein, es wird deym Herz beschwerlich sein" ... las sie halblaut vor sich hin ...
In ber oberen Bildergalerie waren sie allein. Das trübe Winterlicht lag grau über den kalten Sälen. Während hie Leslie mit Manfred vor ben Bildern verweilten, biefen Guido Renis, Pösnes, Poufsins und Morillos, den Kermefsen Ostades, den Stilleben Polters, blieb Melitta zurück. Draußen braute ber Nebel über dem Rhein.
tragen und die gefährdeten Stellen durch sehr starkes Mauerwerk gestützt. Rach den bisher gesammelten Erfahrungen kann nur auf diese Weise und durch Einbauen von meterbreiten Rigolen dem Llebelstand abgehvlfen werden.
K Großen-Linden, 13. Sept. Die im Konkurse des Mühlenbesihers Karl A m e n d von dem Mathildenstift Butzbach erworbene Llniversitätsmühle dahier ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Wilhelm Tank aus Weißenthurm bei Koblenz über.
8 Großen-Linden, 13. Sept. Die (Ber- bindungsstraße von hier nach Horns- heim befindet sich, fotoett sie durch die hiesige Gemarkung führt, in einem Zustande, der ihre alsbaldige Instandsetzung zu einem -dringenden Bedürfnis macht. Die Straße wird dadurch, daß die hiesige Gemeinde die nächste Eisenbahnstation der benachbarten Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim ist und diese Gemeinden durch ihre ausgedehnte „ und noch immer an Umfang zunehmende Käseindustrie einen regen Fuhrverlehr nach der hiesigen Eisenbahnstation unterhalten, in starkem Umfange von Fahrzeugen jeglicher Art benutzt. Der heutige Zustand der Straße, auf der sich fast Loch an Loch reiht, trägt den Erfordernissen dieses verstärkten Verkehrs in keiner Weise Rechnung. Für den Kraftfahrzeug- verkehr bildet er fast eine Gefährdung der öffentlichen Verkehrssicherheit. Die Straßenbauver- waltung sollte es sich daher zur Aufgabe machen, die Straße, fotoeit sie durch hessisches Gebiet führt, alsbald in einen Zustand zu versetzen, der den Verkehrsverhättnisfen wenigstens einigermaßen Rechnung trägt, um so mehr, als die Kreisstratzenbauverwaltung zu Wetzlar den in der Gemarkung Hörnsheim belegenen Teil der Straße neu instand gesetzt und mit einer Teer- decke überzogen hat.
* Leihgestern, 13. Sept. Am SamStag veranstaltete die hiesige Volksschule ihre diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe. Unter „ regster Beteiligung der beiden oberen Jahrgänge (30 Knaben) nahmen die Kämpfe bei recht guten Leistungen einen interessanten Verlauf. Aus dem vorgeschriebenen Fünfkampf (Reck, Barren, Weitsprung, Dallwettwurf und 100- Meter-Lauf) konnten achtzehn Schüler als Sieger hervorgehen. Die Urkunde des Reichspräsidenten errangen vier Schüler: 1. Willi Sch äfer 117 P., 2. Walter Arnold 107 P, 3. Wilhelm Faber 96 P., 4. Albert Äahn 96 P. Die Urkunde des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen errangen: Walter Möbus 93 P., Erich Arnold 90 P., Enril Luh 86 P., Wilhelm Winter 86 P., Artur Frey 85 P., Otto Müller 85 P, Karl Textor 84 P., Karl Schäfer 81 P., Philipp junger 71 P., Hans Althaus 71 P., Helmut Ott 68 P., Walter Brück 68 P., Erwin Dudenhofev 68 P.» Karl Grimmel 67 P.
e. Watzenborn-Steinberg, 13. Sept. Gelegentlich einer Uebung der Steigermannschaft der Pflichtfeuerwehr am 20. August wurde der erste Schritt zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr getan. Nachdem Kreisfeuer- wehr-Änspektor Dickor 6 und Verbandsvorsitzender Wenzel, Gießen, einige Erläuterungen gegeben und die Vorteile einer Freiwilvi- gen Feuerwehr dargetan hatten, zeichneten sich ungefähr 20 Mitglieder in die aufliegende Liste ein. Am Sonntag wurde nun zur Gründung geschritten. Auch an diesem Tage waren die beiden Herren von Gießen erschauen, um bei der Aufstellung der Statuten beratend zur Seite zu stehen. Die anschließende Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Kommandant und dessen Stellvertreter wurden die beiden bisherigen Kommandanten der P flichtfeuerwehr Karl S ch m a n d t und Otto R e i t s ch m i d t. Das Schristführeramt blieb in den bewährten Händen unseres Bürgermeisters S ch ä f e r. Als Gründungstag gilt der 20. A u g u st. Bis jetzt zähtt die Freiwillige Feuerwehr 53 Mitglieder.
is. Steinbach, 13. Sept. Als Ratur- selternheit kann man hier seit einigen Tagen eine schneeweiße Schwalbe seh« i, ; i: friedlich mit ihresgleichen herumfliegt.
(p Grüningen, 13. Sept. Die Ober- klasse unserer Schule unternahm unter Leitung des Lehrers Ei ff einen zweitägigen Ausflug in den Vogelsberg. Am ersten Tage fuhr man mit der Bahn von Garbenteich über Stockheim—Gedern nach Hartmannshain, von wo aus die Wanderung zum Hoherodskopf erfolgte. Dort wurde in der Jugendherberge des V. H. C. übernachtet und am folgenden Sage die
Eine Müdigkeit zeichnete sich auf ihrem bleichen, stillen Gesicht ab, bas so schmal geworben war, bie Augen schauten groß unb dunkel unter dem schwarzen Sammethütchen, wie zwei Schatten ... ,Äch kann nicht mehr", sagte sie auf einmal und lehnte gegen bie Wand ...
„Was ist dir?" fragte die Freundin erschrocken.
„Die Bilder machen mich krank, laßt uns gehen."
In. einem dunkelgetäfelten Restaurant, wo sie sich Kaffee geben ließen, ruhten sie aus. Es war noch ftüh, aber der getäfelte, hohe, mittelalterliche Saal lag bereits dunkel. Zwei Gasflammen summten. Nur ein Kellner, der, bie Zeitung lesend, am Ofen saß, war da. Sonst kein Mensch. Zwei magere, holzgeschnitzte, gotische Löwen schauten ihnen vom Treppenabsatz aus zu ... Sie sahen kampfbereit aus wie die Wächter kriegerischer Völker. ... Als sie herauskamen, dunkelte es auch draußen. Der Nebel war vom Rhein in die Gasten gezogen und verhüllte alles mit einem Schleier.
Sie suchten das Grab des Dichters Frauenlob, aber das hohe Tor des Kreuzganges war bereits verschlossen. Sie wollten schon gehen, da kam durch den langen hohen Kreuzgang ein Licht gewandert. Ein junger Pater mit Sandalen und schwarzer Kutte, der eine alte Laterne in der Hand trug. Er öffnete ihnen und sie gingen hinter ihm her durch die weiten, kalten, vom Rheinnebel gespenstig erfüllten hohen Gänge. Ihre Schritte hallten auf den Grabfließen. Ueberall auf dem Boden, wo sie gingen, tauchten fteineme Gesichter mit geschloßenen Augen toter Bischöfe auf, die hier unter dem Sandboden des Rheins ruhten. Eine Straße von Gräbern war es, auf der sie schritten, der Pater voran. Der Schein der Laterne warf ein unruhig zuckendes Lickst über die grauen Wände und die lose angelehnten alten Grabsteine mit den verwischten, abgetretenen, einst so bedeutenden Namen. Man ging auf Grabsteinen, der ganze Boden war geplättet mit den Gräbern berühmter, hier verstorbener Männer ... 37 Grüfte hatte man in den Gewölben des Domes entdeckt. Das Licht ber Laterne irrlichterte über die alten Namen und plattgetretenen Gesichter der Bischöfe, die, ihre langen Krummstäbe in Händen, hier unter den Steinplatten ruhten ... oder was von ihnen noch übrig war ...
(Fortsetzung folgt.)


