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G.R.G.

Mittwoch. H- September 192?

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)

Die Erfahrung

bei

fen

das Deutschtum im Südosten mit Rächt eine ungelöste Frage ist. Möge sie einst -Wachen Deutschen und Madjaren in Friede und Freund­schaft gelöst werden.

und ferne Kraftwagen. MS die Raten Speere vor wenigen Wachen einen neuen heiligen Krieg ausriefen, gelobten sie, alle chinesischen Srldcrtrn zu erschlagen und dann die westliche Zivilisation auszurotten. Dieser Feldzug in den mittleren Provinzen erhält sein besonderes Gepräge durch den Fanatismus dieser Menschen, die an ihre ^lnverwundbarkeit glauben und mit ihren primi- tiven Waffen sich kühn den Kugeln der Soldaten entgegenwerfen. In den verschiedensten P cor in- zen, in Honan, Anwei, Rord-Schantung und Schansi hat die Macht der Roten Speere be­ständig zugenommen. Die verschiedenen Heere suchten sich diese Horden als Bundesgenossen zu sichern. Borodin zählte auf ihre Unterstützung bei dem Bormarsch von Hankau nach Peking,

BeginnderSpielzettinDarmftadt

Arn 11. September hat das Hessische Lan­destheater in Darmstad t seine neue Spiel­zeit begonnen. Wie so oft im letzten Jahrzehnt fiel der Spielzeitbeginn mit dem Anfang des Wirkens eines neuen Bühnenleiters zusammen. Diesmal ist es Generalintendant Professor Carl Ebert aus Berlin, der es unternimmt, das Hessische Landestheater aus seinen unleugbar ernsten Schwierigkeiten herauszuführen, die mehr finanzieller als künstlerischer Rattir sind, eher auf dem Gebiete des Schauspiels als der Oper liegen und stärker durch den Spielplan und die Wahl der Stücke als durch die Zusammensehung des Personals bedingt sind. Die erste Auf­führung. eine Oper, sagte über die künftige Lösung der Probleme des Hessischen Landestheaters nicht allzuviel aus: man darf dies auch nicht von einer und gerade der ersten Vorstellung billiger­weise erwarten, aber richtunggebend war sie doch, denn zum erstenmal wurde eine Oper Händels, und zwarJulius Caesar" hier ausgeführt. Die inneren Schwierigkeiten des Landestheaters hatten es bisher verhindert, an der von Göttingen ausgehenden Renaissance der Händel-Opern, die sich an den größeren Theatern durchgeseht hat, mitzuwirken.

Man sah daher mit lebhafter Spannung dem Beginn der Spielzeit entgegen; ein neuer Gene­ralintendant. ein mit vielen neuen Kräften durch­setztes Personal und die Erstaufführung einer Oper das war eine Zusammenfassung von Er­eignissen, die ein volles Haus brachte, in dem auch die Zahl auswärtiger Bühnenleiter, Regis­seure usw. auffiel. Die Aufführung von Händels Julius Caesar" war ein ehrlich errungener Sieg und zwar ein Erfolg in erster Linie des neuen Generalmusikdirektors Dr. Boehm, der nus München kommt und der Darockmusik Hän­dels ein ausgezeichneter Interpret war. Ebenso waren die Leistungen der Darsteller höchst an- erkennenswert. Eine neue Kraft, Rosa Merker nüs Wien, konnte als Cleopatra hervorragende 6timmittel einsehen. Ihr Partner, Hans Kom- tegg, verlieh der Gestalt des Caesar, vermöge seines ' wohlgeschulten Organs, dem ein reicher

konnten."

Was uns burgenländische Studenten zu­sammentrieb, war die Rot unseres Heimatlandes. Der zerschundenen Heimat wollen wir dienen. So gelang es uns jetzt, Studenten aller Partei­richtungen einzubeziehen, da wir nur das eine fordern: der deutschen Sache zu dienen. In Wien wurden wir erst inne, wie reich wir Deutschen sind, und wir bekannten uns stolz zu unserem deutschen Bauerntum." .

In der Schule aber haben wir auch em fremdes Volk in seinem Denken, Fühlen und Handeln gründlich kennengelernt, wir lernten seine Vorzüge schätzen. So sehen wir die Men­schen überall einem gleichen Ziele zustreben, nur nach ihrer Art auf verschiedenen Wegen. Wir wollen keinen Haß, nur lasse man uns bei unserem Volke. Daraus ergibt sich der Zweck unserer Tagung. Wir wollen unser Wissen um das deutsche Volkstum vertiefen,

Wo vor fünf Jahren die drohenden Bajo­nette" der ungarischen Freischaren rottoeifcgrüne Fahnen aufs Dach zwangen, grüßen- heute rot­weißrote (österreichische) und rotgoldene (burgen­ländische) Farben unsere Gäste."

Und als die Tagung zu Ende war, da brach es aus cand. med. Kirnbauer heraus:

Es gebührt sich, daß ich etwas darüber sage, welchen Eindruck die Tagung in uns hinterläßt. Als ich gestern die Grazer tanzen sah und fingen hörte (eine studentische Volkskunsttruppe aus Graz hatte einen Abend veranstaltet) durchrieselte mich ein Gefühl, das mich immer überkommt, wenn ich tiefe Freude und Schmerz zugleich ver­spüre. Freude hatte ich über das Schone, daS in unverfälschtem Volkstum liegt, Freude dar­über, wie diese Qeute, die doch auch meist Stu­denten sind, im Volkstum stehen und wie weit wir selbst noch davon entfernt sind. In den Vor­trägen ist uns gegeigt worden, wie widerstands­fähig und zähe das Volk ist, sind uns die Werte unseres Volkstum« gezeigt worden, seine heutige Rot und die ernsten Wege zur Arbeit. Erschüttert und ergriffen sehen wir eine neue Welt vor uns. Ich weiß nicht, was Sie, verehrt« Gäste, von uns denken. Beachten Sie, daß tot« noch etwas Werdendes sind. Die unter­drückte Entwicklung tobt in uns und will sich frei gestalten. Unseren innigsten Dank dem deut­schen Schulverein Südmark, sowie allen, die uns hier Führer warenI" Zu Herrn G. Harth, dem Vertreter decSüdmark", der den burgenländi­schen Studenten die Wege geebnet hatte er ist ein ostgalizischer Deutscher gewandt, fuhr er fort:Dem Menschen, dem ich das meiste zu danken habe, habe ich es bisher am wenigsten gesagt, ich schämte mich."In der Weise möchten wir gerne Weiterarbeiten."

Und sie haben in dieser Weise weitergear­beitet. Diesmal lag die Leitung der Tagung ganz in ihren Händen, sie haben die Vorberei­tungen selbst getroffen und auch die beiden Heimatabende selbständig zur Durchführung ge­bracht. Das Grazer Vorbild hat gezündet. Unter dem Druck der Madjarisierung waren die alten Volksbräuche, Sitten und Lieder trotz der Rahe Steiermarks und Kärntens in Vergessenheit ge­

laßen sich ganz auf khre langen Schwerter, _alr?n Aexte und großen Messer, und sie haben damit schon viel Unheil angerichtet und noch mehr Beunruhigung gestiftet.

das Eis. Es war wie ein Aufschrei auS lang ge­quälter Seele, als damals cand. med. Ernst Kirnb auer zur Begrüßung die ergreifenden Worte fand, die einem mehr sagen, als dicke Bücher einem sagen können:

Samstag die Dorkämpfe und am Sonntag die Entscheidungen im Frankfurter Stadion bei einigermaßen gutem Wetter, aber bei kleinem Publikumsbesuch ausge tragen. Im S ch l a g b c. 11 für Sperren wurde zum dritten Male, hart bedrängt von B. f. K. Königsberg, Germania- Gleiwitz Deutscher Meister, während

gesellte sich iwch nutzt zu uns. So muh ich vor allem unseren Dank an den deutschen Schulverein Südmark richten, der in so uneigen­nütziger Weise uns Freund ist, an ihn und die übrigen Männer, die uns in diesen Tagen Führer

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Gefühlsausdruck zu Gebote steht, viel Leben. Der Ptolemaeus von Theo Herrmann war gleich­falls eine sehr beachtliche Leistung. Reben den neuen Mitgliedern bewährten sich auch die bis­herigen, insbesondere Anna Jacobs (Cornelia) und Josef Poerner (Sextus Pompejus). 3n- ßenierung und Bühnenbild, für die zwei neue Künstler, Artur Maria Rabenalt und Wi^ Helm Reinking, verantwortlich zeichnen, sind ftarf problematisch geblieben. Wohl ist mit Recht ein barocker Ausstattungsstil vermieden worden, aber in seiner Zeitlosigkeit und verschwommenen Ortsandeutung konnte das Bühnenbild dem Zu­schauer seelisch kaum etwas bedeuten. Außerdem sind die wesentlichsten Bestandteile der Dekora­tionen nur Lattengestelle in der Art der ^xtv» rowschen Theaterkunst und wirken recht nüchtern. Die Aufführimg als Ganzes fand eine sehr bei­fällige Aufnahme. £

Die erste Rümmer derBlätter des Hessi­schen Landestheaters", herausgegeben von der Generaldirektton und geleitet von Paul Korn­feld, wird eröffnet durch einen Aufsatz des neuen Generalintendanten Professor Carl Ebert, unter der UeberschristMein Programm". Wir entnehmen ihm die nachstehenden Ausführungen: Das Wort Programm hat beim Theater einen Doppelsinn: es kann einmal, wie auch sonst all­gemein den Ausdruck einer Gesinnung, einer geistigen Grundhaltung bedeuten, bann aber heißt es auch soviel wie Spielplan, ja wie Tageszettel. Der Zusammenhang beider Bedeutungen ist wohl der daß man selbst im Alltag des Theaters das Grundsätzliche erkennen, im Werke des einzelnen Abends ein Zeugnis jener Geisteshaltung sehen will. Dann würde jedoch, wer gerne klassifiziert, in meinem Spielplan vergeblich nach solcher Grundgesinnung suchen, denn sie ließe sich schwer mit einem üblichen Schlagwort treffen; während mancher andere, wenn auch vielleicht unaus­gesprochen den beftimmten Borsah hat, etwa ori­ginelles Theater oder Gesinnungstheater ober Kassatheater zu machen, müßte ich, wenn ich auf- richttg sein soll, auf die Gefahr der Banalität hin, sehr allgemein sagen: ich will g utes Th e- ater machen. Das bedeutet aber mehr, als man im ersten Augenblick heraushören mag; mehr als

Ein großer Kreis von Gasten war zur Ta­gung erschienen: 3m Auftrag der Landesregie­rung Landesrat Thullner, ein katholischer Geist­licher; als Haupt der evangelischen Kirche des Landes nahm Superintendent Beyer teil, die Landtagsabgeordneten Gesell und Wollinger waren zugegen, der Dezirkshauptmann Mzner von Oberwarth, Vertreter der höheren und der Volksschullehrerschaft sowie der Behörden Dr. Kirnbauer sprach überDie Pflege des Heimat­lichen im Burgenlande", der Schreiber dieser Zeilen überVolk und Staat im Wandel der Geschichte" sowie in einem zweiten Vortrag über Volk und Oberschicht", Dr. Hans Graf, ein junger Burgenländer, überDie burgenländische Frage, Dr. Semettowskh aus Graz über das ThemaHeimat, Volk und Volksbildung", von 3ng. Sylvester ward ein Vortrag überWirt­schaftliche Aufbauarbeit im Burgenland" gehört, Der Obmannstellvertre er des Schulvereins Süd­mark, Dr. Berka, sprach überDie Beden ung und die Arbeit des Schuhveveins in Oesterreich", stud. phil. Hans Goger über ..Die burgenlän­dische Heimatdichtung und Musik".

Wie anders ist doch eine solche Tagung im burgenländischen Reuland wie etwa im Innern des Reichs. Es ist, als ob Dornröschen nach langem Schlafe die Augen öffnete und mm wissen will, was inzwischen geschehen ist; es hat, frisch und gesund, das starke Gefühl des Eigenwerts und möchte in schnellen Schritten den Weg zurücklegen, den die andern gegangen sind; es will aber, daß die andern ihm Die Hand reichen und seine Röte be­greifen. Dann wird es blühen und gedeihen. Als beim Abgang des Zuges stud. med. Freh- mann aus Friedberg zum Abschied wanne Daniesworte zu unseren Gastgebern sprach und der Hoffnung Ausdruck gab, daß einst ein Wiedersehen im groß deutschen Reiche stattfinde, da waren wir alle deutsche Freunde und Brüder geworden und des Tücherschwenkens war kein Ende.

Dann aber wanderte die Gießener Schar durch das Land. Wer gepflegte Straßen und mo­derne Hotels aufsuchen will, wer ohne schnelle Ver­bindungen nicht auskommt, der bleibe aus dem Burgenland, wenn auch Sau^rbrunn und Tatz­mannsdorf und der Reusiedler See auch darin schon allerhand bieten. Wer aber eine liebliche Landschaft, einen kernigen, aufgeweckten Mestchen- schlag, wer ein in vielem primitiv gebliebenes, echtes Bauerntum kennenlernen will, das trotz des wie ein Alp auf dem Lande lastenden überwiegend madjarischen Großgrundbesitzes, ttoh der Kreditnot, trotz des Zwanges zur Aus­wanderung gar vieler seiner Kinder in ungemein sauberen Dörfern sein deutsches Leben dahinlebt und sich nun mit Oesterreich auf den Eintritt ins Reich vorbereitet, von dem es alles hofft, der gehe ins Burgenland; Der besuche seine ehr- toürDigen Schlösser und Herrensitze, seine B.rge und Täler und Den großen stillen See im Borden und freue sich, daß wir Reichsdeutsche, Denen man die Welt verschließen wollte, so nahe alten deut­schen Kulturboden haben, Der uns ReulanD ist, mit Menschen, Die zu uns wollen; Der gehe auch hinüber über Die Grenze in Die einst deutschen Städte, nach Güns, in dem das Deutschtum zu erliegen scheint, und nach OeDenburg, in dem es kräftig lebt, und begreife, daß OeDenburg insbesondere für

Turnen, Sport und Spiel. Handball-Olymp:«- Ausw?h!spisL der D. T.

Westdeutschland gegen Südbeutschland 8:6.

Am Sonntagöormittag trafen sich auf dem Sportplatz des Mannheimer T.B. 46 zur Aus­tragung des AuswahlsSpiels für die kommende Olympiade Die süddeutsche und die tocftDcut'Oje Mannschaft. Das Spiel endete bei scharfem Tor- kampf, besonders im zweiten Tot, mit 8:6 zu­gunsten der westdeutschen Mannschaft.

DeurscheMeister? asteuimForLst- rrnd LchlagÄaU der D. §. V.

Von Den diesjährigen Meisterschaften der D. S. B. in Den Sommerspielen wurden am

aber die Kommunisten fanden sich bald eirttäuscht. Die Roten Speere griffen die Rordtruppen an der Eisenbahnstrecke an, aber wechselten Dann mit einer Schnelligkeit, die selbst die erfahrensten chinesischen Generale überraschte, die Partei und wendeten sich gegen Die, die sie für ihrs Bundes­genossen hielten. Dann versuchten die Mukden- Truppen sie zu sich herüberzuziehen, aber auch sie wurden mit derselben Anparteilichkeit ange­griffen. Das Chaos des Bürgerkrieges ist dadurch sehr vermehrt worden, und Der feindliche Rvrdsn und Süden sehen sich gezwungen, gegen Die Roten Speere und andere Geheimbünde zu kämp­fen. Es ist ihnen aber nicht beizukommen. Wenn ein halb Dutzend wilder Gestalten, die nur mit einem einzigen kurzen Hemd bekleidet sind und ihre langen blutroten Speere schwingen, gegen einen vorübersausenden Truppenzug ihr Wut­gebrüll erheben, so mag das zunächst komisch wirken. Aber diese Fanatiker lauern systematisch den Zügen auf, und schon mancher ihrer Sperre, der durch die Fenster flog, hat Soldaten getötet. Sie glauben sogar, daß ihre Speere, gegen Die

raten, das Burgenland war stumm geworden. Run scheint sich ihm die Zunge zu lösen: Hienzen und Hienzerinnen tanzten auf den Brettern in Der allen Tracht, und altes und neues Lied erscholl. Besonders wertvoll aber war dies­mal, daß die Tagung zugleich ein Treffen reich«- deutscher und burgenländischer Jugend war. So verschieden unsere Gießener Studenten und diese burgenländischen in ihrem Wesen auch sein mögen, sie fanden sich rasch zusammen und schlossen rechte Freundschaft. Wir haben den Eindruck mitgenommen, daß sie sich ausgezeichnet ergänzen: bei den reichsdeutschen straffere for­male Zucht und energischeres Zugreifen, bei den burgenländischen aber eine Fülle seelischen Ge­haltes, der sich in lyrischem Sturm und Drang Ausdruck zu schaffen sucht; Darin sind sie ganz österreichische Jugend. Sie können von unserer | Jugend, unsere Jugend kann von ihnen lernen.

Das schüfe den neuen Typus des deutschen Menschen, den Deutschen Der Zukunft.

Sie glauben sogar, Daß ihrs Speere, gegen die Räder geschleudert, Den Zug zum Entgleifen bringen. Es gibt mindestens 20 verschiedene Ge­heim bünDe, von denen manche auch an die Wirk­samkeit von Gewehren glauben, trenn sie sie bekommen können. Die Roten Speere aber ver­

güte Darstellung, gute Regie: alles, was von geistiger Wirksamkeit, was aktuell in einem höhe­ren Sinn ist; man verwechsle aber nicht Die Aktualität Der Probleme mit Der Aktualität der Ereignisse von gestern und heute, Die billigen Stoff liefern für eine scheinbare Modernttät. Aktuell, wie ich es meine, kann ebenso wie Die Bemühung eines Zeitgenossen ein Werk des Aischylos oder das Shakespeare sein; Denn was ist das Ewige an ihnen, als daß sie wirksam sind zu jeder Zeit?... Wenn von Aktualität die Rede war, muß unvenneidlich auch von Politik gesprochen werden. Es wäre unwahr, wollte ich mich unpolittsch nennen. Denn nichts und niemand kann ganz unpolittsch sein; alles, was wir denken und fühlen, ist mit eine ülrsache für unsere Ein­stellung zur Umwelt, also auch zur sozialen. Doch das Kunstwerk und nur um das handelt es sich jetzt gehört ja einer vorpolitischen Sphäre an. wo es zwar Bekenntnis, doch noch keine Forderung gibt, wo zwar ein Erlebnis Der Welt ausgesagt, doch noch nicht Gestaltung Der Rea­lität oder gar Umgestaltung verlangt wird."

DieRoten Speere"

die Nachfolger derBoxer".

Die chinesischen Geheimbünde spielen in den Bürgerkriegen Rord-Chinas eine immer größere Rolle und fuhren einen erbitterten Kampf gegen Das EinDringen Der westlichen Kultur. Es ist ein Aufleben jenes uralt eingewurzelten Frem­denhasses, Der in Dem Boxer-Aufstand einen so elementaren Ausdruck fand, und Die unmittel­baren Rachfolger Der Boxer sind Die Speere", wie sich Der größte unD mächtigste Dieser Geheimbünde nennt, lieber Die zunehmende Macht und Die beunruhigenden Taten dieser Hordsn berichtet der Engländer Sir Percival Philipps aus Peking:Die Roten Speere sind kleine Bauern unD ihre ebenso fanatischen Knechte, die in den Provinzen nördlich vom Jangtse-Fluß leben. Sie haben unter Dem Bürgerkriege schwer gelitten und dadurch einen wilden Haß gegen Die neue Art Der Kriegsführung bekommen, Die sie dem europäischen Einfluß zuichr eiben. Ohne Die fremden Teufel" würde es keine Maschinenge­wehre geben und keine Flinten, keine Eisenbahnen

sein wollen."

Unserem Bolle cntfremDet, wuchsen wir auf: nicht mit Gewalt, nicht mit Zwang, langsam vergiftet schwand alles heimatliche Fühlen. Was konnten wir, Die wir uns unserer Muttersprache zu schämen begonnen hatten, Dem herrlichen JDealbild Der maDjarischen Ration entgegen­stellen? Wir wußten nichts von Der Schönheit unseres eigenen Volkstums. Wenn wir in Der Schule nach unserer Muttersprache gefragt wur­den. ließen wir die Kopse hängen. Da bohrte ein Schmerz in uns. Madjaren waren wir nicht. Wir fühlten, daß wir deutscheHienzen" seien und von unserem Volke nicht loskommen

Verständigung mit granf reich?

Es entspricht dem weitverbreiteten Glauben an Die innere Gleichheit der Menschheit, zum mindesten Der europäischen Menschheit, wenn man Das ganze Problem einer Verständigung zwi­schen Deutschland und Frankreich bisher rein als politisch-wirtschaftliche Angelegeichrit behan­delt hat, ohne sich um Die völkerpsychologischen Voraussetzungen zu kümmern, um Die inneren Möglichkeiten tiefer gegründeter Beziehungen, die eben nicht durch Handelsverträge oder politische Vereinbarungen hervorzuzaubern sind. Wer je­doch Den Möglichkeiten einer Verständigung zwi­schen zwei Bollern nachgehen will, muß zunächst Den breiteten Voraussetzungen ihres Lebens nach­gehen. Daraus ergibt sich das Politisch-Wirt­schaftliche irgendwie von selbst. Von dieser Er­kenntnis ausgehend, gibt das soeben erschienene Septemberheft der Süddeutschen Mo­natshefteVerständigung mit Frankreich?" Die erste umfassende Erörterung der inneren Mög­lichkeiten einer VerstänDigung zwischen Den bei­den Böllern. Die Ergebnisse sind je nach Der geistigen Herkunft Der Verfasser verschieden und durchlaufen von Optimismus bis zu Pestimismus zahlreiche Zwischenstufen. An der Spitze steht Der Beitrag eines <jran}ofen, Edouard Dujaröin, überDie geistige Lage Des heutigen Frank­reichs". Das wahre Gesicht Frantteichs, das Locarno-Gesicht, scheint Dem Verfasser von einer Maske des Rationalismus und des Deutschen­hasses überdeckt. Erst wenn diese Maske end­gültig abgelegt sei, könne man auf eine wahre VerstänDigung rechnen. Heber Die Aeußerungen unD Auswirkungen Des von Dufardin nunmehr einer kleinen herrschenDen Minderheit zug.ichrie- Denen Rationalismus unterrichten eine Reihe von weiteren Aufsätzen. Der AussatzEsprit und Geist" von Josef Hofmiller geht Den grund­legenden älnterschieden zwischen deutschem und französischem Wesen nach, die Der Verfasser trotz aller Gemeinsamkeiten der Geschieh e für unüber­windlich hält. Zahlreiche kennzeichnende Einzel­heiten über den sittlich-kulturellen Rie'e.gang, der sich als Rachkriegserfcheinung in Fr umreich noch stärker als in anderen Ländern vollzogen hat, gibt ein Aufsatz von Hubert Graf zu Stol­berg-StolbergAus Dem Lande der Pyrrhus- sieger". Zur Frage Der politischen Verständigung zurückleitend, behandelt August GallingerDas Problem Der Sicherheit" von seinen metaphvfi- schen Voraussetzungen im französischen Volle- charakter aus. Den Abschluß bildet eine auf Gedanken einer Sommerreise gegründete Be­ttachtung Wilhelm von Schramms. Auch sie muß wie Der einleitende Aufsatz von Dujardin Den Gedanken Der Verständigung einer Zukunft über­lassen, Die sich auf neue höhere Ideen als Die des letzten Krieges aufbaut.

Nr. 2(5 Zweiter Blatt

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Unsere Fahrt ins Burgenland.

Von Dr. Fr. König*).

GS ist für Die Menschen eines Grenzland^ immer eine schwere Sache, wenn Der Lauf Der Geschichte sie zwingt, von einem Staate zum andern zu wechseln. Auch Der Staat erzeugt Bin­dungen. Die sich einwurzeln und den Wechsel oft selbst Dann zu einem schweren pol'tischen Pro­blem machen, wenn es sich um Die Menschen ein unD Derselben Volkheit handelt. Der Wechsel aber vorn eigenen Dollsstaat in Den Staat einer fremden Bolkheit hinein schafft ungleich schwie­rigere Problematik. Hier kommt zu den Scywie- rigfeiten des Einlebens in Die neuen staatlichen Verhältnisse Der Gegensatz Der Volkheiten hinzu, Der Kampf des Herrschaftsvolks gegen das Eigen­leben Der Minderheit, Der Deharrungsdrang der Minderheit gegenüber dem Herrschaftsvolk. Min­derheit, bäuerliche Minderheit insbesondere, ist immer unD überall von außerordentlicher Kraft der Beharrung im Alten. weniger ist das bei Den beweglicheren Schichten Der Fall, Dem Bürgertum, den Intellektuellen. Sie kom­men gar leicht Dazu, weniger Wert auf Die DerbunDenheit mit Dem eigenen Volkstum als auf Die Zugehörigkeit zur herrschenden Gesell- schäft zu legen, sie wollen an Der Herrschaft teil- haben, wollen sozial aufsteigen und schmiegen sich daher leichter Dem herrschenden Volke an, als es beim Bauer der Fall ist. Es tut sich dann gar leicht ein Zwiespalt zwischen denen auf, die sich assimilieren lassen, und denen, die im Alten beharren. Jene werden die Wortführer des fremden gegenüber Dem eigenen Dolle; durch sie herrscht das fremde Volk; sie sinD als Ver­bündete des Herrschaftsvolks Die Ruhnießer des Systems, Die Masse aber sinkt zu politischem und geistigem Helotentum herab. Erwacht in Der Masse aber Der Drang, in ihrer eigenen Art Subjekt zu sein, so geht Der Kampf nicht nur gegen Die fremden Herren, er geht auch gegen Die eigene vom Volkstum abgefallene Oberschicht. Das ist Der Sinn Der Dvllstumsbewegung in Flandern und in Clsaß-Lothringen, ist auch das Kernproblem im Burgenlande. Will das Volkstum sich erhalten, so muß es eine neue Oberschicht aus sich heraus treiben, Die sich ent­weder an Die Stelle Der alten setzt, oder sie wieder in sich hineinzwingt. Das kann aber nur geschehen, wenn diese neuen Menschen das Volks­tum in sich als lebendige Kraft erlebt haben, fo daß sie nicht zu irgendeiner Gesellschaft streben, sondern ihr Genüge im Dienst am Volk finden.

Dies war die Erkenntnis, die wir Reichs­deutsche, die in diesem August ins Burgenland gefahren sind, als tiefsten Eindruck mit nach Hause nahmen, daß eine neue Jugend in Dem kleinen LanDe heranwächst, Die mit begeisterter Hingabe sich Dem Dienst an ihrem bäuerlichen deutschen Dolle zu weihen entschlossen ist. Der madjarischen Zivilisationssphäre entronnen, er­lebten sie in Den letzten Jahren zum erstenmal, wie schon es ist, sein zu können, was man ist; Der Quell des Dolksturns. Der halb verschüttet war, er kann nun wieder frei unD ungebrochen fließen. Das erfüllt diese jungen Menschen mit einem neuen Hochgefühl; sie wollen volklich sein und volklich bleiben:Wir Hochschüler," so sagte ihr Sprecher Tobias Portschy auf dem von ihnen veranstalteten Heimatfest zu Oberschühen am 7. August d. I.,bekennen uns mit Stolz zu unfern Bauern, wir wollen auch wieder lernen, gemeinsam mit unserem Dolke Feste zu feiern. Mir freuen uns, daß so viele Gäste erschienen sind, besonders aber freut uns, daß so viele Bauern und Arbeiter anwe'end sind. Dieses Dertrauen wollen wir uns im treuen Dienst an unserem Volke auch weiter erhalten."_ Das sei doch so bei uns im Reich nicht möglich, sagte mir bedauernd einer Der Gießener Stu­denten.

Es ist das Verdienst des deutschen Schulvereins Südmark, Der burgen­ländischen Jugend diesen Weg gewiesen zu haben. Dor zwei Jahren war diese Jugend noch un- gemein zurü^altend, als der erste Versuch ge­macht wurde. Die Tagung vom Jahre 1926 brach

) Dgl. Den Artikel in Rr. 203 des Gießener Anzeigers vom 31. August._________ _______

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