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Die russischen Forderungen

Weitung ihrer Tlitglieber lenttKirtigcn pvlnisch-rusiischrn

einem

Beginn der Genfer Ratstagung

einer interna

HcrUanMimaen feien jedoch noch zu Abschluß gelangt

\uql;d) zur A u schreiten. Die g

ichtete Qlote utc nach Bekanntlich

Gründen wurde trotzdem die CBertagung b i s zur nächsten ,RatSsession beschlossen. Auf Antrag des polnischen Außenministers Za- l e s k i wurde die Einberufung

Erscheint tüylich,«her Somuog« »nd feiertags Beilegte:

Gießener FamlNendlLtter Heun al tm Vikd Die Scholle m»eau«Beiip^reU.

2 Rnchsmar« en» 20 Reichspfennig ftr 1x4gn lohn, auch bei Rechter- scheinen etiqdnerflummcrn infolge höherer Bemalt. Fernsprechanschlüss«: 51, 54 nnb 112

Snschrrst fix Drohtnach- lichten: Anzeiger Gießen. pebscheSfonl.v

Ärenflr'lae Blain 116M.

annahee von Xnjelaen für die lagesnammet di» zum Nachmittag vorher.

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Chefredabteur Dt. Fnedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Vchnli Dr. Ar. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Rn- jeigentetl Nuri Tillmann.

sämtlich in Gießen.

tionalcn Iuristenkonserenz zur Ko­difizierung verschiedener RechtSrnaterien in Aus­sicht genommen, wozu van Dlocklanb. der neue holländische Außenminister, -um Zweck der Vereinheitlichung dieser 'ÄUetbunb6crb<iicn mit der Internationalen PrivatrechtSkonserenz im Haag eine Einladung nach Holland auS» sprach lieber die Einberufung einer solchen Kon­ferenz soll die nächste Döllerbundsversamiylung enricheiden. Chamberlain bearündete dann noch seinen Antrag aus Herabsetzung der Zahl der ordentlichen Ratstagun­gen von vier auf drei im Jahre, schlug aber, entgegen den Erwartungen, der Oeffent 1:4)leit vor. diese Frage in der nächsten Ratstagung und in Verbindung mit der Dölkerbunbsver- fannnlung zu entscheiden.

MinisterbesprechungLN.

Genf, 13. Juni. (QBX'B.) RcichSminifter Dr. Stresema nn empfing heute nachmittag den Deluch des französischen Auhenminisvers Briand. der etwa eineinhalb Stunden an- dauerte. Die Aussprache trug einen freundschaft­lichen Charakter und bezog sich nicht nur auf die Fragen, die im Vordergrund? deS gemein­samen deutsch-französischen Interesses stehen, son­dern auch aus die allgemeinen welt­politischen Probleme des gegenwärtigen Zeitpunkt cs. Die Ansprache wird der Fort­setzung bedürfen, die in Form ähnlicher Bespre­chungen im Laute der gegenwärtigen Tagung erfolgen wird. Es tarnt keineSwegS getagt

Abwesenheit Zalefkts daS Ministerium des Äeuhem.

Polen- Außenpolitik. Tas Bcrhällniü zu Tcuischland. Nußland und Litauen.

Gens. 13. Juni, (Xil.) Der polnische Außen­minister Zaleski erklärte heute nachmittag vor der internationalen Presse u. a.. In den pol­nisch-deutschen Beziehungen beständen gegenwärtig Schwierigkeiten im wesentlichen a u s Wirtschaftlichem Gebiet, und zwar in be­zug au die Ausfuhr polnischer Landwirtschafts- erzeugnisse nach Deutschland. Die Kontrolle der Oftfcftungen fei eine Angelegenheit, die nicht Polen betreffe, sondern lediglich zwilchen der Dvtschasterkvnserenz und der deutschen Re­gierung zu regeln sei. Er sei fest davon über» zeugt. daß biefe Frage während der gegen­wärtigen Tagung des VöllerbundsrateS in einem freundfchaf tlichen U c b e r e i n t o m m c n zwischen den interessierten Mächten zu einem Ausgleich und Abschluß gelangen werde.

Zu den pvlnisch-rus f-if chen Be­ziehungen betonte Zaleski, daß die in der letzten Rote der Sowjet regierung geltend ge­

machten dret Forderungen von der pol­nischen Regierung al» eine Basi « für wei­tere Verhandlungen betrachtet wurden. Polen le; bereit, die drc gefiel!tcn Forderungen xu erfüllen. Der Mörder 2ik>.!owe werde bereits in den nächsten Tagen vor einem außerordentlichen Gericht a b q e ur­teilt werden, da» auch da» Rept habe, die Todesstrafe auszusprechen. .Die Teil­nahme eine» Vertreters Sowieiruß- land» an den Untersuchungen sei nach den polnischen Gesetzen möglich und bereit» ge­währleistet. Die polnische Reg.erung habe bucher noch leine Spur einer terroristischen rul» l.chen Organisation in Polen entdecken lönncn. Sollte jedoch aus Grund der von der -nriel- regverunq in Auosicht gestellten Dolumeiue > e derartige Organisation in Polen feftgeftellt wer­den. so würde die polnische Regierung unver-

Woikow von Rußland an Polen gcr gearbeitet. Die Rote soll be Moskau abgesandt werden, leitet Marschall Pilsudskt für die Dauer der

rent Gefahr be;L it Viel:, cht geht von Genf au» ein kalter Wasserstrahl noch Moskau. Dann allerdings wäre wiederum zu befürchten, daß die Rufsen erst recht nicht mehr ein und aus wissen und in dieser Verlegenheit zu Mitteln greifen, hie da» glimmende Feuer zu Heller Flamme an­fachen tonnten.

Machsende Nervosität in Rußland.

TieG P.U. droht mitwritercnHinrichtungen I

Riga, 13. Juni. (TU.) Wie aus Moskau ge­meldet wird, ist die Presfezemur in Öen letzten Tagen außerordentlich verschärft worden. Prioattelegramme werden überhaupt nicht mehr durchgelassen. In der dritten russischen Rote, die morgen abgesandt werden (oll. werde die Somjctregieruna auf Er­füllung ihrer Forderungen bestehen. Es findet eine Unterredung zwischen dem polnischen Gesandten in Mo-kau und Litwinow statt. Das Pol. Bureau hat die Politik Litwinows gegenüber Polen gutgeheißen und ihn beauftragt, auf die Ausweisung der russischen Emigranten aus Polen zu be- tchen, widrigenfalls die ^owjetregierung mit Re- P r e s s a 11 e n droht.

Die Stimmung in Moskau ist weiterhin über­aus nervös. Bei den Beerdigungsselerlichkciten für Woikow fielen allgemein die außergewöhn­lichen Schutzmaßnahmen für die Mitglieder der Ne-

! iuj am läge der Beerdigung wurden zahlreiche Verhaftungen n Moskau und Leningrad oorgenommen, angeblich auch von Mitgliedern des Handelskommiffarials. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß über Moskau und Leningrad der Belagerungszustand oer- hängt wird. Der Terror in Zentralrußland besteht fort. Die G. P. ll gibt bekannt, daß im Falle neuer Attentate weitere 25 Geiseln erschossen werden sollen. In der Republik Kir­gisien kam cs in den letzten Tagen wiederholt zu Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und roten Truppenteilen, lieber Kirgisien wurde der Belage- rungs$uftanö verhängt.

Neue Bluturteile in Odessa.

Moskau, 13. Dank (Idegraphcnagentur der Sowjetunion.) Line außerordentliche Session des Obersten Gerichtshofes Hal 16 wegen Spionage zu­gunsten Rumäniens Angeklagte verurteilt. Lis wur­den zum Tode verurteilt, drei erhielten je 10 Jahre Gefängnis, zwei wurden freigesprochen. Sie wurden verurteilt wegen Informationen an den rumänischen Rekognofzierungsdienst. Der größte Teil der Angeklagten hak seine Schuld cingeftanoen.

lliostaus Beschuldigungen.

Hodgson leugnet jede illegale Betätigung der britischen Mission.

London. 12. Juni. (Reuter.) Der letzte britische Geschäftsträger in Moskau vor dem Ab­bruch der englisch-russischen Beziehungen. Sir Robert Hodgfon. widerlegte in einem Inter­view in eingehender Weise die Behauptungen Moskaus über angebliche ungesetzliche Handlungen der Mitglieder der bri- tischen Mission. Sr erklärte. mehrere der genannten Personen seien ihm gänzlich un­bekannt. und wies nachdrücklich die unbe- I gründeten Anklagen gegen andere Leute zurück, die angeblich zugunsten der britischen Mission spioniert haben sollen. Hodgson fügte hinzu, die Behauptung, der Vizekonsul White fei an einer Verschwörung beteiligt gewesen, die daS Ziel gehabt hätte, den Kreml und das Drohe Theater in die Luft zu sprengen usw. sei un­sinnig und groteSk. Sr wies weiter dar­auf hin. daß die sog. Geständnisse von verhafteten Personen mit sehr großem Mißtrauen behandelt werden müßten, da die D. P. 1L Geständnisse durch Dr7Hungenherauszupres- f e n pflegen oder Freilassung versprechen, wenn diktierte Erklärungen unterzeichnet werden, während sie die abscheulichsten Zwangs­maßnahmen gebrauche, um die Leute ba»u zu bringen, als Agenten zu handeln. Einem Dienst­mädchen der britischen Mission sei beispielsweise lebenslängliches Gefängnis angc- d ro ht worden, wenn es nicht Angaben über ihn, Hodson, machen würde, und Tod. wenn eS verriete, daß man so etwas von ihm verlangt habe.

Die Stimmung in Polen.

Warschau. 13. Juni. (Wolff.) Die zweite wegen der Ermordung des Gesandten Woikow an Polen gerichtete Sowjelnste ist erft in später Nachtstunde ly.cr bekannt geworberi. Ss begnügen sich deshalb die meisten Zeitungen mit dem tommentarlofcn Abdruck des Rotentertes Das Blatt der PibuE-Anhänger .Glos Prawbtz" schreibt: Der scharfe und of fenf idc Ton b c r Rote, die leeren Beschuldigungen er­schweren eine ruhige Aussprache. Im Be­streben der Aufrechterhaltung gut nachbarlicher Beziehungen hat die polnische Regierung alles getan, damit dieser traurige Vorfall die Be­ziehungen nicht stört. doch keinen 6 ch ritt weiter! Die offiziöse .Spoka" schreibt: Die , polnische öffentliche Meinung wird auf diese Rote antworten muffen teilweise durch - entschiedene- Verwerfen, teilweise

Verhandlungen Härten den Abschluß eine» RichtangriffsvertrageS zum Ziele, ic- doch bestände dabei eine gewiße Schwierigkeit, da die Verpflichtungen, die Polen in dem Ver­trag übernehmen solle, mit den Bestimmungen des DölkerbundSpakte» in Mebereinfltm- mung gebracht werden müßten

Zaleski ging sodann auf die polnisch- litauischen Beziehungen ein, die er al« paradox bezeichnete. Litauen vetrachte sich als t in Kriegszustand mit Polen, während Po­len sich gegenüber Litauen al» im Frieden«- zustand befindlich anfehe. Von den Großmächten seien in der letzten Zeit mehrfach offizielle De­marchen in Warschau und in Kowno unter­nommen worden, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen herbeizuführen. Die eingele.teten

werden, daß für die Lösung der Deutschland besonders interessierenden Fragen in dieser ersten Unterhaltung irgendwelcher Fort schritt erzielt worden sei. In jedem Fall kann der Ein­druck nicht von der Hand gewiesen werden, daß diese Fragen sich noch in einem Zustand der Stagnation befinden, und eS ist durch­aus noch nicht sicher, ob es im Lause der zu er­wartenden Besprechungen gelingt, sie au« diesem Zustand der Stagnation herauSzubringen und einer uns befriedigenden Cofung entgegenzufüh- ren. Daher kann man die gesamte Situation nicht anders als frei von jedem Opti­mismus beurteilen.

Anschließend an die Aussprache mit dem französischen Außenminister begab sich Dr. <3 tref emann zu Sir Austen Chamber» la in . um eine ergänzende Besprechung der an» gedeuteten Fragen mit ihm zu haben. Die Be­sprechung dauerte über andenhalb Stunden. Heber den Inhalt wird von keiner Delegation etwa- Räheres bekanntgegeben, doch verlautet, daß die Unterhaltung der gesamten europäischen Lage, insbesondere den Auswirkungen deS Ab­bruche« der englisch-russischen Be­ziehungen gegolten habe. Von gutunterrich­teter Seite verlautet, daß englischerseitS in den gegenwärtigen Verhandlungen angestrebt wird, sowohl winschaftsiche und finanzielle als auch diplomatische Verbesserungen der Be­ziehungen zur Sowjetregierung her- beizuführen. Gs dürfte sich zunächst hierbei nur um allgemeine Fühlungnahme handeln, ohne daß diese Bestrebungen bereit« eine konkrete Gestalt angenommen hätten.

Wo bleibt die Besatzungsverminderung? Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anietgers"

Berlin. 13. Juni Rachdem es nunmehr beinahe Brauch geworden ist. die Zerstörung der Ostfestungen mit der Rheinland­frage zu verknüpfen, dürste es immerhin ange­bracht sein, im Zusammenhang mit der heutigen Rachricht. daß die Berliner Missionen der in der Botschafterkonserenz vertretenen Mächte (Eng­land. Frankreich Italien. Belgien- durch da« Auswärtige Amt von der Vereinbarung«gemäßen Durchführung der Zerstörungsar­beiten schriftlich in Kenntnis gesetzt norden sind, daraus hinzuweisen, daß nunmehr bte Frage der Herabsetzung der Besat- zungSarmee einer svsor11gen Lösung bedarf und nicht erft wieder Argumente gesucht n-erben müssen, mit denen man Deutschlands Geduld nur allzu leicht gefährden könnte. Wenn eS also mir noch dessen bedarf, eine Form finden, in der die ZerftörungSarbeiten zur Zu» friedenheit verifiziert werden Tonnen, so scheint es uns doch in jeder Dezi^ung angebracht, ?un endlich einmal von der Gegenseite tat- ächliche Anordnungen verlautbaren zu lassen, damit diese Frage, deren Lösung in red*» lieber Beziehung schon reichlich überfällig ist, endlich auS der Welt geschafft wird. Es kommt herauf an, eine Herabsetzung der Truppen bis zu der vertraglich festgelegten sogenannten FiiedenS- stärke, vorzunehmen. Die Große der Frieden-» stärke durfte im anderen Lager doch genügertb bekannt sein.

Die Annahme, daß berat» etm tlebw öni* ipannuTifl m der diplomatischen AuSeinanderset- .ung zwischen Rußland und Polen wegen der titftr.rrbur.n de» russischen Gesandten Wolkow in Warschau tm Anzuge begriffen fei. weint sich licht zu bestätigen. Jedenfalls ist die zweite Rote der rufftfchen Regierung. Die neben tn Warschau Vergeben worden ist, nur allzu sehr geeignet, die Besorgnisse, bte man Über den Ausgang des Streites hegen muhte, ich' »u zerstreuen, 'andern noch au oermebrert Moskau schein- nicht imstande zu sein, von dem , hohe« Pferd herum er zut-mmen. auf batrtvm erften Augenblick der Erregung geflettert ist. Man muß anerkennen, baß die polnische Regierung, wohl auf den Rat Englands und .-srankreicho. viel Mäßigung und Entgegenkom­men gezeigt unb sonnt bas ihrige getan hat. um bie russischer, Wünsche einigermaßen -u er­füllen. Rebenbei bemerkt, wir möchten bnngenb wünschen, daß Polen tn der Behandlung beut- , chcr Beschwerden unb Sortierungen n u r ha l b- wegS so maßvoll unb entgegenkommend sich ver­holte. wie gegenüber brr russischen Regierung. Iebensalls buche man hoffen, daß Ruhlanb bie gebotene Gelegenheit zum Sinlcmken benutzen tmirbe. nachdem Polen sogar zugestanben hatte, daß ein Vertreter Rußland« bei ber Unlerfudjimg gegen ben Mörber Woikows al« Zioilpartei zugelassen werben solle. Gerabe hierin liegt zweisellos ein weites Entgegenkommen, benn die Teilnahme des Vertreter« einer sremdcn Re- gerichttlchen Verfahrens anzusehen ist. bildet stets einen sehr heillen Punkt tm Dvlkerverkehr' auch hier wieder drängt sich förmlich der Ver­gleich mit Oe st erreich und Serbien vom Sommer 1914 aus.

In ber neuen Russischen Rote werden trotz­dem die bisherigen und im wesentlichen ge­billigten Forderungen wiederholl und dabei der ganze Streit auf ein andere- Geleise geschoben. Rußland stellt veremtorisch das Verlangen, daß Polen sämtliche, angeblich in- nerhalo seiner Grenzen vorhandenen Gehetm- o r g a n i s a t i o n e n . die gegen daS Sowjet- Regiment In Rußland agitieren, auflösen und die russischen Emigranten unschädlich machen solle. DaS ift jedenfalls leichter gesagt, a!» getan. Gerade in Rußland sollte man eine rnehrtzun- dertjährige Ersahrung in solchen Sachen besitzen, und vor allen Dingen die Sowjetregierung selbst sollte am besten wissen, wie schwer es ist. der­artigen Behauptungen naJiÄugeben und positive Taten folgen zu affen. Man fühlt sich ver­sucht. in ben Ausführungen der russischen Regie­rung da- unfreiwillige Eingeständnis eines schlechten Gewiß ens zu erblicken. Denn gerade sie unterhält überall aus öffentlichen Mitteln Rußlands untcrftür.te Geßeirnorganisationen. die in den anderen Ländern gegen die bestehende Staateform Hetzen und wühlen.

Vielleicht ist eS bis zu einem gewissen Grabe richttg. daß Polen ben russischen Em.granten nicht die ersorderlich-? Aufmertlamleit gewibmet hat. Die polnische Regierung, gleichgültig wer an ihrer Spitze stand, war viel zu sehr mit ber Unter­drückung der deutschen Bevölkerung in ihrem Lande und namentlich in Ostobcrschlesien beschäl- tigt, um sich viel um andere Dinge kümmern zu lömtcn. Vielleicht wird jetzt ihre Ausmerkfamkcit hiervon ctuxi» nach ber richtigen Seite abgelenkt. Aber auf der anberen Seite Darf man nicht ver­kennen. baß gerade in Polen al» dem nächsten größeren Tlachdarlanb Rußland» ganz natur­gemäß zuerst die Leute Zuflucht suchten und sanden, die vor dem Schreckensregänent Moskauö slüchten mußten. Daß sich unter diesen sehr viel unruhige unb überall unerwüns<ttte Elemente befinben, ist klar, auch wir konnten iVben Jahren feit ber Revolution inanch böses Lieb bavon singen. Aber die Sowjetr^rierung muh einsehen, daß eine Schrecke,sbcrrschast. wie sie sie suhri, mit Raturno.ux-ndig?cit bie entsprxhettde Reak- tion Im Gcsolge hat.

Merkwürbigerweise hat sich der polnische Außenminister Zaleski in Gens ziemlich be» sriebigt über bie russische Rote auSge- 'prvchen mit ber Begründung, daß b.c Erfüllung der darin enthaltenen Forderungen leicht fei. da fie ganz nn Rahmen der polnifche-a Ge­setze gehalten feien. Dem stehl bie Xatfadye gegen­über. baß in Polen selbst unb anderSwo die Ausnahme ber Rote denkbar ungünstig ist. Am unangenehmsten berührt darin jebenfalls der neuerliche Versuch. England alS haupt- schulbig und hauptverantwortlich für alle an­geblichen Machenswajten gegen bie Sowjetherr- '±aft hinzustellon. Da» ift ein ungewödii'.iches Verhalten einer Regierung einer anderen gegen­über. selbst nach dem Abaeach der diplomatischen Leziehungen. Man kann getrost sagen, daß Ruh- lanb nachträglich durch sein Verhallen dem eng­lischen Kabinett bte glÜTvenbftc Möglichkeit zu einer Rechtfertigung nrr feine Politik gib:, bie bi» dahin krtneswegs auf uneingeschränkte An­erkennung gcRofren ist. öS ift in ber Tat die höchste Ze.t, daß Tschitscherin nach Mos­kau zurückkehrt unb die Zügel in die Hand nimmt. Wenn er nicht imstande ift. einzulenken und eine vernünftigere Politik in die Wege zu leiten, dann wächst Die Gefahr emr3 kriegeri­schen Zufammcnstoßes im Osten ins riesengroße. Mckn wird ja bald erfahren, täte die jetzt in Gens versammelten Staatsmänner über die neu geschaffene Lage unb bie damit bevnrkbeschwv-

General-Anzeiger für Gderhefsen

tfmd irtüerlag: vrühl'fche UnrotrMiU-B»*1 Stetebruderel R. lange in Stehen. Lchnftlenung und Sejchäfirftelle: Zchtllftrahe 7.

Nr M Erster Blatt UT. Jahrgang Dienstag, 14. Juni 192Z

Gießener Anzeiger

Die erste Ratssitzung.

Genf, 13. Juni. (Wolff.) Der DvlkerbunbS- rat ist heute vormittag 11 Hhr unter bem Vorsitz Chamberlains zu ferner 45. or­dentlichen Tagung zusammengetreten. Rach einer kurzen Geheimsitzung, in der die Tages­ordnung unterEinschluh derMemel- beschwerde genehmigt und einige admini­strative Fragen geregelt wurden, während der litauische Vertagungsantrag selbst aber nicht auf Sprache kam, trat der Rat in össentlicher Sitzung zunächst m die Beratung von drei Danziger Fragen ein. GS handelt sich da­bei um daS Gesuch deS Danziger Senats aus Besreiung deS Lustfahrzeugbaues in Danzig von den bi»bet geltenden Beschrän­kungen. ferner um die Ernennung eines Dor- sitzenden für das in einem kürzlich abgefcblofferiert danzig-polnifchen Vertrag vorgesehene Tabak- Monopolschiedsgericht und um die Be­stellung des Dölkerbundskommifsars in 5>anyg zum Vertreter des Rates für die jeweilige Ge­nehmigung zum DurchtranSport von nichtpolnischem KriegSgerät durch daS besetzte Gebiet der Freien Stabt Danzig.

Die Frage der Aufhebung der einschränken­den Bestimmungen für den Danziger Flugzeug­bau löste eine kurze Diskussion aus. da SenatS- präsidcnt Lahm, unterstützt vom Dölkerbundslom- missar van Hamel um Beschleunigung ber Entscheidung bat. an ber Danzig ein erhebliches wirtschastliweS Interesse habe Aus formalen

burch oolllommenc Richtbeachtung bes Inhalts .WatszawianL<i' schreibt Da ein weiterer Rotenwechlel unvermeiblich zur Ver- fchärtxmg der Beziehungen beitragen müßte, wird e» am besten sein, einen Streu ohne sachliche Grundlage nicht weiter au führen. Wie bie .Warszawianka erfährt, hat man schon gestern in der polnischen Regierung an der Ant­wort aus die zweite in ber Angelegenheit