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Nr. U Zweites Blatt

Metropolis.

Der deutsche Großfilm der Afa.

In Berlin saird die Welturauf­führung des neuen großen Filmwerles Metropolis" statt.

Gelobt sei der Pressechef der Ufa! Vielleicht noch nie ist die Oesfentlichieit in so ausgedehn­ter Weise auf ein Filmwerk vorbereitet, noch niemals ist sicherlich ein Film mit so beispiel­loser Spannung erwartet worden. Mit Recht mit Unrecht?

Zunächst' er überbietet alle Erwartungen, die durch eine kühne und vielversprechende Propa­ganda erregt wurden. Weit hinter sich läßt er alle noch so kostspielige und prvyige amerikanische Filmproduktion, mag sie nunBen Hur' oder Der Wanderer" betitelt sein: er übertrifft auch die letzte Leistung seines Regisseurs Fritz Lang, die ..Ribelungen", er ist etwas ganz Reues und Eigenartiges, ein Schritt auf unbebautes Ge­lände, ein entschlossener und imposanter neuer Anfang. Archaisch die ..Ribelungen", historisch , Ben Hur" und wie die Millionen- und Massen- films sonst hießen:Metropolis" aber ist Zukunftsvision.

Ein großer bedeutender Vorwurf: die ctaot der Zukunst, da die Maschinen alles bedeuten, da Zahl und Hirn alles regieren werden, da Eigenes und Menschliches völlig unter dem Druck einer schematischen Mechanisierung erstorben ist. Es ist immer diese Metropolis-Idee, die in dem Film bezwingt: der Mensch im Kampfe gegen die Maschine, die er erdachte, und d'.e rhn nun unterdrückt hat. Von diesem unendlich fruchtbaren Gedanken lebt eigentlich der ganze Film, er ist die Keimzelle des Werkes. Die Handlung, die Thea von H a r b o u in die Wa- schinenstcä)t bettet, verschwindet daneben und sei nur in großen Zügen erzählt: wie sich in Me-

Die Teuerung in Paris.

(Von unserem Pariser >V.-8.-Berichterstatter.)

Paris, Ianuar 1927.

Die Pariser Bevölkerung erlebt nun schon seit längerer Zeit am eigenen Leibe, daß sich die Preise für den täglichen Bedarf wohl sehr schnell heraufsehen lassen, daß aber die infolge der gegenwärtigen Frankenbcs'crung erwartete Her­ab s e tz u n g der Preise sehraufsichwarten läßt. Die Spanne zwischen Divisenkurs und innerer Kaufkraft ist augenblicklich größer denn je und erweckt die Unzufriedenheit im Lande in hohem Maße. Monatelang schrien die Kauf­leute:Das Pfund steigt, wir müssen die Preise herauf sehen!" Sie sehen sie aber keineswegs wieder herunter, obgleich sich der Franken nun­mehr bessert. Im Gegenteil, viele Grossisten kün­digen an. daß sie die Preise erneut herauf- sehen müssen

Die Fleischpreise sind in Paris jetzt sehr hoch. Die Milch ist im Kleinvertauf abermals um 10 Cts. teurer geworden, llad) dem augenblick­lichen Kursstand kostet der Liter Milch jetzt in Paris 25.6 Pfennig. Butter und Käse werden täglich teurer. Es durste besonders unsere Haus­frauen interessieren, daß auf dem Pariser Markt nach dem jetzigen Stand des Franken ein Ci 23 Pfennig kostet. Kartoffeln sind erheblich teurer als in Deutschland. Wohnungen sind in Paris augenblicklich unerschwinglich, genau so wie im Frieden. Auch sonst wird das Leben hier immer kostspieliger. Ein Paar Damenschuhsohlen und Absätze tosten 3,70. ein Paar Herrcnschuhsohlen und Absätze 4.30 Mark.

Man erlebt jeht in' Paris so vielfach dieselben Teuerungs- und Inflationserscheinungen wie bei uns vor wenigen Iahren. Die Post verausgabt z. B. fortgesetzt neue Briefmarken: augenblicklich sind bereits 6 Marken mit Ueberdruck (also mit geänderten Werten) im Kurs. Die französischen Kühe leiden an der gleichenKrankheit", wie die deutschen vor einigen Iahren. Sie geben nämlich feine Milch mehr. Rur wenn Leute mit Geld kommen, wird dies sofort behoben. Das überträgt sich dann auch auf das Stadtleben. Die Milch­geschäfte geben ihren Kunden zu den vorgeschrie­benen Höchstpreisen nur noch Milch ab, wenn gleichzeitig auch andere Waren mitgekauft wer­den. Die Wirtschaften dürfen laut behördlicher Verfügung überhaupt keine frische Milch mehr ausschenken. Die Kellner freuen sich darüber. Denn statt descafd au lait" trinkt der Pariser jetzt seinen Kaffeemit einem Gläschen" (Rum u. dgl). Das ist teurer und das Trinkgeld infolge&eften reichlicher. Durchweg erweisen sich solcheRegie- rungsinaßnahmen" zur Bekämpfung der Teuerung praktisch als undurchführbar. Poincare hat z. B. vor einigen Monaten verfugt, daß jeder Gast im Restaurant nur zwei Platten bestellen darf. Kein Mensch bekümmert sich praktisch um diese Bestimmung, die sich im übrigen ganz einfach da­durch umgehen läßt, daß man im gleichen Restau­rant ruhig fitzen bleibt und einfach zweimal hintereinander ißt.

Dort, wo der Hebel wirklich angeseht wer­den müßte, zur tatsächlichen gewaltsanien Her­absetzung der Preise, versagen alle behördlichen Eingriffe. Die Indexziffern steigen, das Geld wird immer knapper. Die Kaufleute freuen sich über jeden Kunden, der ihnen etwas abkauft. Die Unzufriedenheit der Festbesoldeten und der Beamten wächst von Tag zu Tag. Es ist außer­ordentlich bezeichnend, daß uns auf Anfrage eines der größten Pariser Warenhäuser mitteilt, daß es feit zwei Monaten überhaupt keine Einläufe mehr tätigen konnte. Dasselbe Kauf- Haus hatte 350 Angestellten gekündigt. Ein an­deres Kaufhaus, das unmittelbar daneben liegt, hat 200 Angestellte schon am 1. Dezember ent­lassen, also im besten Monat, dem Monat des Weihnachtsgeschäfts. Alles drängt hier immer mehr zu einer Entscheidung, nur weiß niemand recht, wie diese Entscheidung eigentlich ausfallen soll.

Hotel-Portiers und Autodroschken-Chauf- feure sind feit einigen Wochen von geradezu auffallender Höflichkeit. Als die Engländer und Amerikaner Paris zu Hunderttausenden über­fielen, da dachte doch kein Pariser Hotel daran, eine auch noch so höfliche Anfrage nach freien Zimmern und Preisen überhaupt zu beantwor­ten. Heute sind manche Hotels leer. Mit großer Sorge blicken die Besitzer der vielen, ihrer Voll­endung entgegensetzenden Hotelneubauten in allen Teilen der Stadt der Zukunft entgegen. Sie scheinen sich ganz gründlich verspekuliert zu haben!

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Zreitag, 14. Januar 1927

Die Taxi-Chausfeure fordern jeht höflich zur Mitsahrt auf. Roch vor wenigen Wochen wür­digten sie einen Fahrgast, der nachtsnur" zur Taxe fahren wollte, überhaupt keines Blicks. Die große Pariser Fremdenindustrie am Mont­martre sucht sich dadurch über Wasser zu halten, daß sie geradezu Wucherpreise nimmt, besonders die Rachtlokale. Sie verkaufen Weine und Cham­pagner mit 4000 bis 5000 Prozent Aufschlag. In den lumpigsten Lokalen auf dem Mont­martre bekommt man heute keine Flasche Cham­pagner mehr unter 200 bis 300 Franken, die im Kleinverlauf 8 bis 9 Franken kostet. In den besseren Lokalen wird Champagner nicht unter 600 Franken die Flasche verkauft. Hierzu kommt oft noch ein Aufschlag für Ausländer Geboten wird dafür aber gar nichts. Rur die sprichwört­liche Unverfchämth''jt der Oberkellner einiger be­sonders beliebter Rachtlokale in der ruc de Clichy bessert sich. Sie nahmen bis spät in den Sommer hinein nur Tischbestellungen von reichen Ameri­kanerinnen und Engländerinnen entgegen, öle ihnen sofort Hunderte von Franken Trinkgeld im voraus in die Hand drückten, und vermieteten dieselben Tische gleichzeitig mehrere Male, um

sie schließlich den Gästen endgültig zu geben, die nochmals ihrenTribut" entrichteten. Heule sind in denselben Rachtlokalen Kellner und Mu­siker den Gästen gegenüber durchaus in der Ueberxahl, und die Herren gerantä (Geschäfts­führer) sind allmählich recht kleinlaut geworden.

Die Fremden bleiben aus. Der ganz geringe Prozentsatz von Ausländern, der gegen- toärtig sich für längere Zeit in Paris aufhält, wird ausgebeutet. Es werden ihnen Preise ab- verlangt. die geradezu lächerlich sind. Die Schnellzüge nach Paris sind leer Riemand fährt mehr hin. Halt, das ist übertrieben! Es gibt immer noch llebcnlugc. besonders aus Deutschland, die nach Paris fahren, um hierbillig" einzukaufen. Wenn sie wie­der daheim sind, dann erkennen sie, daß man ihnen alte Ladenhüter angedreht hat, und zwar durchaus nicht billig. Mit Reid bilden sie dann auf die anderen, die das, was ihnen nicht gefällt, in reellen einheimischen Geschäften Umtauschen können und erleben so wenig Freude an ihrembilligen Gelegenheits- lauf" aus Paris.

Wilhelm II. und Gras Tisza.

Ein Beitrag zur Vorgeschichte des Krieges.

Zu den Eigenarten Wilhelms II. gehörte es. sich blitzschnell ein Urteil zu bilden. So kam es, daß. oft sehr zum Erstaunen seiner Umgebung, Personen rasch seine begeisterte Anerkennung fan­den, die. näher bei Licht besehen, eine vorsichtigere Beurteilung erheischt haben würden. Als Wil­helm II. im Mai 1914 auf der Reise nach Venedig, wo er mit dem König von Italien zusammentras. kurzen Ausenthalt in Oesterreich als Gast des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand nahm, hatte er eine Begegnung mit dem ungari­schen Ministerpräsidenten Gras Tisza, iln- zweiselhast war Tisza ein bedeutender Politiker mit großer geistiger Befähigung. Mit einem weiten Blick für die politische Zukunft verband er ein großes Ziel, dem er unbeirrt anhing. Dieses Ziel war ein starkes magyarisches Un­garn. das durch seine Einheit und straffe Or­ganisation dem anderen Teil der Monarchie über­legen war und den Schwerpunkt der Monarchie allmählich zu sich herübcrz-ehen sollte. Der eng- begrenzten national-magyarischen Politik Tiszas stand die universellere Auffassung einer Konso­lidierung der Gesamt Monarchie, wie sie dem Thronfolger vorschwebte, diametral entgegen. Dem Habsburger mußte schon durch die geschichtliche Tradition die Erhaltung der Monar­chie seines Hauses in erster Linie am Herzen liegen. Er konnte die Politik Tiszas nicht nur als nicht richtig, er muhte sie sogar als gefährlich bekämpfen, gefährlich in der Taktik, die jedes Hindernis mit Gewalt wegräumen wollte, gefähr­lich aber auch in ihrem Wesen.

Der Eindruck, den jedoch gerade Graf Tisza in der erwähnten Unterredung auf Wilhelm II. machte, blieb nicht ohne Wirkung, wie sich auch dem nachstehenden Schriftstück ergibt, das wir aus dem in Kürze bei der Deutschen Derlags- gesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin erscheinenden 39. Bande der Großen Akten­publikation des Auswärtigen Amtes*) zum Vor­abdruck bringen.

Der Botschafter in ölen, von Tschirjchky, an den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von 3 a g o ro.

Privatbrief. Abschrift.

Geheim. Wien, den 10. Mai 1914.

Ganz vertraulich möchte ich Ihnen einige Mitteilungen machen, die sich zu amtlicher Be­richterstattung nicht eignen.

Wie Ihnen bekannt, hatte Seine Majestät, unser allergnädigster Herr anläßlich seines jüng­sten Besuches in Schönbrunn den ungarischen Ministerpräsidenten in längerer Audienz ernp-

')Die Große Politik der europäischen Kabi­nette 18711914." Sammlung der diplomatischen Alken des Auswärtigen Amtts. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Iohan- nes Lepsius (t), Albrecht Mendelssohn- Bartholdy. Friedrich T h l m m c. 5. Reihe. Dritte Abteilung: Band 34 bis 40.Europa vor der Katastrophe." 3m Verlage d .r Deutschen Ver­lagsgesellschaft für Politik und Geschichte In Berlin W 8.

sangen. Gras Tisza hatte durch fein offenes, be­stimmtes Wesen auf Seine Majestät einen sehr günstigen Eindruck gemacht, und der Kaiser stand ganz unter dem Eindruck der starten Persönlich­keit des Grafen. In Miramare hat nun Seine Majestät dem Thronfolger gegenüber den Grafen Tisza als den einzigen Staatsmann der Mo­narchie warm empfohlen und ihm geraten, ihn näher an sich heranzuziehen. Der Thronfolger hat seiner Majestät gegenüber, wie es seine Art ist, seiner innersten Meinung über den Grafen Tisza und dessen Politik keinen Ausdruck gegeben, sondern nur erwidert, er werde sich die Sache überlegen. Was ich nach meiner Kenntnis des Erzherzogs leider voraussah, ist nun tatsächlich eingetreten. Die Worte des Kaisers haben auf den Thronfolger einen nachhaltigen Ein­druck hinterlassen, aber nicht in der von Seiner Majestät gewünschten Richtung. Wie mir von zwei verschiedenen, absolut zuverlässigen Seiten mitgeteilt wird, hat sich der Erzherzog dem Chef seiner Kanzlei gegenüber dahin ausgesprochen, daß ihm die Worte Seiner Majestät leider gezeigt hätte, daß man in Berlin nicht das richtige Verständnis habe für die Rich­tung. in der die notwendige Revision und Kon­solidierung der zur Zeit völlig verfahrenen inne­ren Verhältnisse der Monarchie vorgenommen werden müsse. Der Erzherzog hat dabei der Be­sorgnis Ausdruck gegeben, daß man ihm vielleicht von Berlin aus in den Arm fallen werde, wenn er, zur Regierung berufen, das schwere Werk der Sanierung der inneren Verhältnisse der Monarchie werde in die Hand nehmen müssen. Daß an eine Aussöhnung des Thronfolgers mit dem Grafen Tisza nicht zu denken ist, erhellt aus einer weiteren Aeußerung des ersteren, daß er den Grasen nicht 24 Stunden an der Spitze des Ministeriums lassen werde, weil er riskiere, daß dieser sonst in 48 Stunden eine Revolution gegen ihn organisieren würde. Die Kluft zwischen diesen beiden Männern und ihren politischen An­schauungen und Zielen ist unüberbrückbar. Es wäre nun das Natürlichste, daß der Erzherzog Seiner Majestät gegenüber seiner Meinung über den Grafen Tisza offen Ausdruck verliehen und dem Kaiser seine politischen Pläne für die Zu­kunft und deren Begründung auseinandergefetzt hätte. Dazu wird sich Der Erzherzog aber in mündlichem Gespräche, wie auch sein Kanzleichef äußert, kaum entschließen. Er ist dem Kaiser gegenüber besangen und durch dessen über­ragende Persönlichkeit eingeschüchtert.

Da die mündliche Aussprache zwischen den beiden hohen Herren ausgeschlossen erscheint, es andererseits im Interesse der Ausrechterhaltung eines offenen Freundschaftsverhältnisses zwischen ihnen geboten ist, daß sich Der Erzherzog un­serem alkrgnäöigften Herrn gegenüber Lust macht, so habe ich Durch meine Dertrauensperson, Dem Kanzleichef Den GeDanken suggerieren las­sen, Der Erzherzog möge ein Promemoria auf» sehen lassen über seine politischen Pläne unD Dieses höchstpersönlich Seiner Majestät ein» schicken. Ob dieser Gedanke zur Ausführung kommt, ist zetzt noch nicht zu übersehen. Sollte

tropolis Die Gegensätze zwischen Millionären unD Arbeitern zur ^Verträglichkeit zuspihen, wie Die schwarzen Arbeitermassen, zur Bedienung Der gigantischen Motore gepreßt, Dumpf und beengt in Der lichtlosen Unterftaöi Hausen: wie sie sich gegen ihre UntcrDrüdcr empören, wie sich am Ende zwischen Herren und Knechten eine Brücke schlägt: es sind Die Söhne, Die Kinder, das Heranwachsende Geschlecht, das die klaffen­den Gegensätze zwischen Der Oberwett Der Rei­chen unD Der Untertoelt Der Besitzlosen über­wölben wirb. Das wäre also Die Moral dieses Filmbuchs, wie sie am Beginn und am Schluß Des Titels aufleuchtet:Es muß ein Mittler fein zwischen Hirn und Hand, es ist das Herz". Schön und herrlich. Aber jedermann weiß, daß sich Der Sozial! s nicht durch eine Formel unD in einem Filmschluß beseitigen läßt. Daß Die Fabel vom _ ^gen unD Den Gliedern, die auseinander abgestimmt unD angewiesen sind, uralt ist unD doch nichts geändert hat an dem Lauf Dieser Welt. Ieder aber weiß auch, daß ein Film nicht geschaffen wurDe, um Sozial­politik zu treiben, Die Welträtsel zu lösen oder garethische Bereicherung" zu hinterlassen. Film ist Geschäft, er zielt auf alle Klassen eines Volkes, er zielt nach Dem AuslanD, er möchte ins wohlhabenDe Amerika unD man kann Dem Regisseur Fritz Lang danken, daß bei diesem rücksichtsvollen Geschäft eine, trotz allem, so voll­endete künstlerische Leistung herausfpringt wie Metropolis".

Es ist nicht alles Kupfer und Messing, was hier gleißt, funkelt, wirbelt: nicht alle Maschinen Der Maschinenstadt wuchsen auf Dem Aufnahme- gelänDe zu so gigantischer Höhe empor wie im Bild. Man hals sich mit billigeren Spiegel- verfahren, Modellbauten, Ersatzmitteln. (Das Programmbuch Der Ufa verrät manches, viel­leicht zuviel davon.) Dennoch: wie der Film jeht vorliegt, in zweijähriger nervenaufreibender >

Arbeit geschaffen, ist er eine herrliche Leistung, ein Gipfelwerk, wie es in deutschen Werkstätten bisher noch nicht gelang. Das UnDenlbarfte ist Erfüllung, Die phantastischsten Zukunsts­visionen sind Wahrheit getooröen. der Film hat wieder einmal eine ihm gemäße, Die einzig ge­mäße Aufgabe und Möglichkeit gefunden. Gibt es Pedanten, Die sich vor Diesem Werke noch fragen, was Die Galerien Der Schattbretter sollen, Die rotierenDen Metalltrommeln, Die leuchten­den Säulen. Die menschenverzehrenden Maschinen- beftien? Genug. Daß sie Da find, stampfen und laufen, daß diese technische Wunderstadt Metro­polis einen Hintergrund technischer Phantastik bietet, in dem sic Wirklichkeit werden. Zu­gegeben, daß einige Episoden (wie Die des Turmbaus zu Babel) nicht mit Der HanDlung verschmolzen sinD, Daß das Gewirr der ein­zelnen Ereignisse sich bisweilen störend in Die Maschinenwett von Metropolis eindrängt, auch Diese unorganischen Bestandtelle wirken noch hin- reihenD, weil auch sie noch von Dem Regisseur zu prachtvollen filmischen Leistungen genutzt werden.

Eine Zukunftsstadt. Sie hat ihre eigenen Gesetze. Die nur in dieser Welt gelten, sie hat ihr eigenes Tempo - und diesem Tempo nicht zuletzt dankt Lang die übertoältigenbe Wir­kung seiner Bilder. Auch wenn das Unerhörte geschieht, wenn der Maschinenmensch geschaffen wird, sich aus einer Metallpuppe zu einem blut- vollen Wesen entwickelt, wenn die Lichtringe be­schwörend und formend um den werdenden Ho- munculus kreisen: auch dieses kühne Experiment wirkt hinreißend durch die Art. wie es vorge­tragen wird, durch den erregenden Rhythmus, wie er durch die elektrischen Strahlen und Kreise zuckt. Eine neue Wett Der neuen Sachlichkeit, der großen Linien, der großen Ereignisse. Rirgends ist diese Linie der Wucht und Monumentalität durchbrochen. Lang sammelt einzelne Zustände in

dies der Fall sein, und ©eine Majestät bann mit Euerer Exzellenz Darüber sowie über Die hierauf zu erteilende Antwort sprechen, so würde ich unmaßgeblich anheimstellen. Die Ausführun­gen mit Dank für das gezeigte Vertrauen zur Kenntnis zu nehmen und vor allem Dem Erz­herzog öu versicheren. Daß Seine Majestät jeder­zeit mit Interesse und gleichem Vertrauen Die zum Heile Oesterreichs gewiß notwendigen Maß­nahmen des Erzherzogs verfolgen werde. ES kommt zunächst vor allem Darauf an. Daß DaS Mißtrauen des Erzherzogs, alS beabsichtige un­ser allergnädigster Herr, ihm die TiSzasche Politik aufzuoktroyieren, beseitigt wird. In Der Sache selbst ist es ja gewiß nicht sicher, ob Die vom Erzherzog beabsichtigten Maß­nahmen Das alte Gebäude des habsburgischen Staates wirllich wieder befestigen werden. Sicher ist jedoch, daß es bei der jetzigen Inneren Po­litik mehr und mehr und in rascherem Tempo verfällt. Sicher ist ferner, daß Der Erzherzog seine Pläne jeDenfalls ausführen wird, mit oder ohne etwaige Bedenken unsererseits. Es ist also Das Klügste, ihm Vertrauen zu zeigen. Dann erfahren wir wenigstens vielleicht noch zur rech­ten Zeit, was hier geplant toirD, und können eventuell, wenn wir in irgendeiner geplanten Maßnahme eine wirkliche Gefahr erblicken soll­ten, unsere Stimme Dagegen erheben.

Am 12. Iuni werben die beiden hohen Herren sich wieder in Konopischt sprechen. Es wäre sehr nützlich, wenn Seine Majestät vorher ge­beten werden könnte, Dem Erzherzog nicht wieder von Tisza zu sprechen, ihm im Gegenteil zu versichern, daß es ihm jederzeit fernliege. Ein­fluß auf seine innere Politik zu nehmen.

Graf Fürstenberg hat unter Dem 4. d. Mts. Rr. 32, einen Bericht über Den Gegensatz zwi­schen Dem Thronfolger und Dem Grafen Tisza geschrieben, Dem ich vollständig beipslichte.

(gez.) von Tschirschky

Bemerkung von Bethmann Hollwegs am Kopf des Schriftstücks:

Seiner Majestät heute vorgelesen.

v. B. H. 20. V.

Rach einem späteren Bericht des Botschaf­ters von Tschirschky war der Erzherzog auf den Plan, ein Promemoria mit Begleitbrief an Kaiser Wilhelm abgehen zu lassen, eingegangen.

Bei Der Frage nach Den Gründen sür die Aktion deö Kaisers Darf kaum angenommen wer« Den, Daß Die innerpolitische Tendenz Tiszas Die Sympathien Des Kaisers gewann. Deshalb Dürf­ten Die gegenseitigen Berührungspunkte wohl nur auf außenpolitischem Gebiet zu suchen sein, Denn hier war Gras Tisza ein Mann von konziliantem Geiste unD Durchaus kein Kriegshetzer Er war es bekanntlich, Der im Wiener Ministerrat am 7.3uü 1914 ein zu scharfes österreichisches Vor­gehen gegen Serbien bekämpfte. Er vertrat die Meinung, daß auch ein diplomatischer Erfolg nut nachdrücklicher Demütigung Serbiens ein hin­reichendes Ergebnis sei. und er erreichte cS, Daß Der Ministerrat sich zugunsten von harten, aber nicht unannehmbaren Forderungen entschloß, De­nen ein Ultimatum erst nach Ablehnung folgen sollte. Er widersprach auch jeder territorialen Erweiterung der Monarchie auf Kosten Ser­biens.

Die überaus starke, in mancher Hinsicht un­bedingt gewinnende Persönlichkeit und das kluge außenpolitische Urteil Graf Tiszas waren es des­halb zweifellos, die den Mißgriff einer Ein­mischung Wilhelms II. in Die inneren Angele- genbeiten Oesterreich-Ungarns erklären.

Die neue Regierung in Zachfen.

Der Scherbenhaufen in Sachsen ist notDürftig zusammengekittet toorDcn. Ueber zwei Monate nach Den LanDlagswahlen ist es nach schwierigen DerhanDlungen gelungen, ein Ministerium He 1Dt zu bilDen, Das in seiner Zusammen­setzung Dem früheren Kabinett entspricht, nur mit Dem einen UnterschieD, Daß Das neue Kabinett, das sich aus Vertretern Der Altsozialisten, Der Deutschen Volkspartei, Der Wirtschaftspartei unD den Demokraten zusammenseht. nicht mehr über eine tragfähige Mehrheit ver­fügt. sondern aus die wohlwollende Unterstützung Der Den tscbnationalen angewiesen ist, Die mit ihren 14 Stimmen Die gestrige Wahl Des Mi­nisterpräsidenten Heidt ermöglichte. Daß nur eine Regierung ohne feste Mehrheit gebildet werden konnte, ist auf die verkehrte Taktik der Alt­sozialiften zuruckzusühren, Die. obwohl ihre Fraktion nur über vier Mitglieder verfügte, außer Dem MinisterpräsiDium noch zwei weitere Mi-

große BilDer: wenn etwa Die Wolkenkratzer, Lichtreklamen, ewigen Gärten unD StaDien Der Millionäre gezeigt werden, weiß man von diesen genug; die schwarzen dumpfen Arbeiterheere, Die scheu unD verhalten zur Arbeit wanken, wenn Die mächtige Sirene zum Schichtwechsel heult, oDer eine Arbeiterkappe mit einer Rümmer Dar­auf sagen von Den Verhältnissen in Der Prole­tarierstadt mehr aus als alle Detaillierende und zersplitternde Kleinmalerei. Fritz Lang ist, so weit man auch blickt, Der einzige Filmregisseur, der ein so spannendes, zum Schluß in furiosem Tempo sich überstürzendes und mit ausgepeitschten brandenden Menschenmassen durchsetztes Werk zu schaffen vermochte.

Das größte Lob gebührt neben ihm den Photographen Karl Freund und Günther R i 11 a u, die unvergleichliche Btlder gefilmt haben, Der jungen blonDcn Brigitte Helm sie spielt Die Doppelrolle Der Maria und ihres mechanischen Doppelgängers einer Entdeckung Langs, die viel für Die Zukunft verspricht unD den andern Darstellern, die nicht immer prägnanteAuf- 9oben fanden: Alfred Abel, Gustav Froehlich, K 1 ei n - R o g g e, Loos, Heinrich George; Fritz R a s p, der einen schwarzen Detektiv mit unheimlich böser Intensität darstellt, seien beson­ders erwähnt.

Sei nod) einmal der Pressechef gepriesen, der die Welt so lange und so geschickt auf diesen Film vorbereitet hat! Das große Ereignis hat sich vollzogen. Berlin kann ruhig schlafen, es war wieder einmal eine Sensation für alle Teil­nehmer, die älsa-Theater am Zoo und Aollendorf- Platz dicht beseht, Gesellschaftstoiletten, riesiger Aufwand von uniformierten Pagen ein ganz großer Abend. And feine Enttäuschung! Metro­polis kann seinen Zug durch die Welt beginnen; der deutsche Film hat sich seiner wahrlich nicht zu schämen. G. B