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Nr. 240 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfenj

Donnerstag, !5. Gttober 192Z

c Prutlcb*

eeren, par-

verNeirnf dervsgelsherger Kleinbauern

(*o v. c Ibcnrorraten d« Rang abfitlen. Da* Q£b- ibt. Ml

lidbreit halber und um den Wahlrummel zu ver­meiden. werden die Abgeordnet« von der rRc- gierung unter den tüchtigsten Leuten be$ König­reiches ausgesucht und zu 2!bge»rdneten er­nannt. Parteipolitiker werden ausgeschaltet, dem Präsidenten der Hotionalverfammlung ist in den Statuten streng vorgeschrieben, feine leeren, par­teilich gefärbte Reden der Abgeordneten zu dul­den. die .Kammer soll sachliche Arbeit lei- sten und in erster Linie nur an daS Wohl de- Vaterlandes denken, sie soll also Überpartei-

auf 70 Mandate henmtm^ank und damit einen starken Teil feine» alten Einflusse« verloren bat. Kommen die bayerischen Mandate hinzu, dann bat da- Zcn'ru n wieder Aussicht. eine Fraktion von ncun'ifl Dtann zusammen- zubring«. wa5 naturgemäß für daS Schwerge­wicht feiner Ernschridung von starker Bedeutung wäre. STbcr es hat sich rasch gezeigt. b r\ da- im Aut nblick nyi> nicht zu err.v ben iri D - Unter­händler sind de-hilb befcbei x-ncr g.ward.n und haben nur noch e.ne Arbeit-gemeinschaft der Srafttoneh anpesteuer'. die bei Aus rocht crlxil- hing der eigenen »Organisation eine enge 3u farimenarbeit 1 m Reichstag ermög­lichen würde. Da- wäre sehr leicht zu erreichen, wenn die Bayern nicht verlangt hätten, daß al- Morgcngabc gewikscrrnaßoi bas Fenlrum den Verzicht auf die Aus cllung eine- eigenen Kandi­daten in der Pfalz mit in die Ehe bnictee. Die Versuche deS Zentrums, in Bayern selbst sich anzufiedeln, sind zieml'.ch gescheiten,

dagegen hat es in der Psalz ein M indat be­kommen. auf das eS nicht gvr.ie verzichten nwchte. Ilm diese- eine Mandat drehl sich der Streit nun schon seit Monaten, ohne das, man einen Schritt vorn 51 cd kommt. S- scheint a'.vr, al- ob diesmal aus politischen Hotwendi.tkcll« herau- die Aachgieb,gleit auf beiden Seiten größer ist and das; vielleicht in absehbarer Zeit den Partei- verständen ein Abkommen vorgelcgt werden kann, das eine fraktionelle Arl-eitSg m nschaft der bei­den Parteien im Reichstag einleitct.

-fr- Am Sonntag sand, wie gestern schon hin im Dorbericht gemeldet, auf dem HohervdSlopf eine Aotkundgebung der Vogelsber­ger Kleinbauern statt, die überaus stark besucht war. AuS etwa 30 Orten waren unge­fähr 300 Landwirte erschienen Die Behörden waren sehr zahlreich vertreten: u. a. waren er­schienen: Ärri5btrettx>r Gchetmrat Dveckrnann für den KreiS Schotten, Kreisdirektor Dr. Mi­chel für den Krei- Lauterbach. Finanzrat Dr. Plvch. Veterinär rat Dr. Schmidt, Staatsrat Dr. Weber. Direktor Dr. Helfen und der Finanzrat deS Finanzamtes Aidda. Außerdem waren noch die LandtaaSabg. Dr. LeuchtgenS. Jost. Wolf und 3 nper meter erschienen.

Der Versammlungsleiter. Fortblldungsschul- teurer Steinmann-Hevchenhain, eröffnete die CDerfannnUmg mit Worten der Begrüßung und deS DankcS gn die Vertreter der Behörden, die Landtagsabgeordneten und die erschienenen Land­wirte. lieber den Zweck der Versammlung führte er etwa auS: Aach den beiden Dauernoersamm- langen in Hrrchenhain und Ulrichstein war es notwendig, für unsere Bestrebungen, die die Besserung der wirtschaftlichen Ver­hältnisse deS Vogelsberger Land­wirt- zum Ziele haben, eine möglichst breite BasiS zu schaffen. Die- ist heute erreicht worden, indem in dieser gemeinsamen Versammlung nicht allein die praktischen Landwirte zu Wort korn-

komi'chr dement erhielt noch in dem närrischen Bedienten PancratiuS seinen Vertreter.

Den stärksten Widerhall bei der Mitwelt aber fand das Werk durch die Verspottung des Zeitgeistes. Durch Fcltff Mendelssohns Begleit- musu zu Svpho'lrtAntigone" war da- In­teresse für ba j Griechentum geweckt worden, und die Auswirkung war fo stark, das, eS in ..Pleilw- Athen" zum guten Ton gehörte, vom klassischen Griechentum zu schwärmen. Dies« oftmals un­natürlichen Snthu'iasmuS nahm sich Lortzing -um Zielpunkt seine- Spottes und verkörperte diele- Moment in der parod.stischen Figur der Gräfin Überbach und griff so nr.t diesem Beispiel den späteren Gestaltungen Offenbach- voran-. An­drerseits aber erhielt die Handlung durch die Einführung der gnechl'chen Gedanlcnwelt e.ne Wendung in» Geistige. *

Die Musik zumWildschütz" kann wohl al- die re.ffte ange'ehen werden unter allen Low: .:g- 'chen Opern. An c amtlichen Arien bietet die Parti: ar nur bat Lob de- WitwenstandeSl Ba­ronin,. die überaus charakteristische Arie deS Daculus »Fünftausend Taler" mit ihrer dra­stischen Komik, unb die Arie des Grasen ..Hc ter- feit und Zrohl.chkeif. Fein durchgearbeitet - nd die Gn^embleS. besonder- in der Billa' ene. deren Galanterie durch den Choral-enntu^ fir- mus deS DaeuluS ihre komisch? Wendung er­hält. von überraschender Feitcheit in der Stimm- lührung zeugt da- Quartett de- letzten Akte- ..Unschuldig find wir alle", da;;, hie überall cmaeft reuten lieb förmigen e ir da- ..A-B- E-Lied" unb .Bin ein schlicht?- K nd vom Lande".

Aach Lortzing« eigenem Urte war der Er- folg dieser Oper cn e.nigen Bühnen rei)t »jjeiel- baft: .Warum? Ich muh wiederholt das alte Lied fingen: Unseren deut'chen Sängern mangelt burch'chnittllch die Leichtigkeit teS SpulS. d«S Vortrags, mit einem Worte: die au dieser Operngattung erforderliche Salongewandthe.t.

Gerade im Hinblick auf bie*« Aeuherung erscheint eS berechtigt, daß sich die sonst n e : auf daS Schauspiel eingestellte Gie'e.ier Buhni dieses reizvollen Werkes annahm und mit guem Erfolge durchführte C. Hechinger wühle dm BacuUiS mit allen typischen ».nnbeiten aus­zugestalten. Im Spie! wie auch im Gefänglichen gab er eine einheitliche, geflossene Leistung echten Buffostllrt.

!nt Hi: z. geko tuen find N.nn noch die bayrf- 'ch.ni vartikul0 risttsche Sonder- wünsche, die aber für das Z.-ntru« nicht- Ur t.-^.-hnlic! <S bedeuten, da fd auch das Zen- in; ' 1 :?'! ' der.'.iisti'ch einge'te!'! ist Aber die Riutt t*! '.ch pvli-i'ch verlieft durch daS Auf- irrten des Herrn Wirth vor allem all AeichS- kanzler. her sich tn scharten Angriffen gegen Bayern nicht genug tun konnte und wesentlich dazu bngetragen bat. die Min-Ltnre übcrch.iupt wieder schärfer zu ziehen. Wenn Herr Wirth aber von seinem Em'laß zurückgedrängt wur:«, war es allaemecnps'.it.'ch scar n.el eher möglich, die beiden y artc.cn vnicr eine 1 Hut zu bringen, worauf das Zentrum an sich großen Wen legt.

Da- 3cntrum tpdt im kaiserlichen Dn. sch­lank» Iahrz dnt« hn durch h stärkste Frak­tion. biS ihm unmittelbar vor dem 5tr.c,i? de

letzten Ja'?re der CorteSzell waren wenig r.'chrn- ltch für Span en. unb ai- b:e Offiz ere Pnmo de A.veros .m September 124 bae Parlament nach Hau'e kch.cki« unb feil' t b'.e Zütel brr Re­gierung ergr.Hen. da war man brr A'stbrüucl.< müde feCtoorhen und atmete er e chtert auf. Man wandte das Interesse. da<i man bis7er für Po­litik gehabt hatte, den Stierkampfen und den Sportscsteei zu unb liest den D ktator nach Gut­dünken schallen und to-lttn.

Man soll nun nicht glauben, dah die tom-

ihrcm po'.iti'chen S tz luir mcr v jfipedcn w.rd' Ma­drid hat fern Alltagsauesehen behalten. Der Septen.oer unb der Oktober sind die ich. !«' Alonate in Kastilien. De Lage lind formiert - warm und die Aächte lau. Au- dem Hnpobrom klingt tn den Aachtstunden Tanzmusik. Auf bunter alä'cmcr Plattform drehen sich In magischer Be­leuchtung elegante Paare. Auch der D-ktator be'ucht bisweilen den schönen Tanzpalast Be­gleitet von ein paar Adjutant?n und von hüb­schen Frauen sitzt er fröhlich an feinem Tisch und ir.nkt en GlaS gols.men Berez ober eine Flasche gekühlten Sekt Keine Sm enfo t? um- 'chattet seine Stirn, er ist her Mann des Cr- folge-, her D-tiator Grand Sc gneur. her seit er selbst f ich er ist. der in 1 -in er natürlichen Le­bens Würdigkeit niemals fürch.et. sich etwa- -n vergeben und der in sich die nuten und die fchlechfon Eigenschaften seine- J: e verlorpert. Al- Sieger, ohne Zweifel aber auch ohne lieber- heblichkett. tritt er vor die von ihm ge'chafiene Aationalvcrsammlung im alten Torte?palast.

Die feindlichen Brüder.

In dem Qüigeiiblid, wo die beginnende P..r- lamentstagung ihre ÖJ.-attcn ve-r'uiw r t, biben aud) die Verhandlungen -wischen dem Zen­trum und der Bayerischen BolkSpartei wieder eingesetzt. Sie -ichm sich fd'on feit Jahr und Tag hin. ohne red>t vom Fleck zu kom­men. AlS sie das erste Mai ausgenommen wur­den. waren beide Parteien sehr zuversichtlich und hatten sich sogar da- Ziel einer vollkom­menen Fusion gesteckt. Das wäre an sich nichts Merkwürdiges, denn dem Grunde nach gehören sie zusammen. Sie haben sich erst In den nack)revolutionären Zeiten getrennt, als daS Zen­trum immer weiter nach links abrut'chte und die Bayern, die nach dem kommunistischen Aben­teuer von Konzessionen nach links genug hatten, sich einer zu einseitigen Orientierung Widers.tz-

fam durch die Gasse Gai paar alte Frauen mit dem Äo'lmkranz zw.'chen den Fingern hocken an einer Tür und erzählen sich langweilige Ge­schichten. biS sich em Windsto' erh:bt und eine Staubwolke s» von -.brem Plaz vertreibt. Man lebt in den Winkeln ebenso zufrieden wi« in den Prunk': rasten, wir rn her Gran Via. in der Galle Alcala. in der Laste Ilana oder ReeoletoS. Dieselbe Senne scheint über allen, der breite Weg zur Arena steht allen offen, warum soll man sich da mit der Politik daS Leoen vergiften, b.e. wie ben 6Pantern die lange öra^rung lehrt, noch n.cmand Glück ge­bracht hat

Wird aber daS Volk zur politischen Betätigung aufgerufen, so äuhert sie sich ti so gemütlichen Formen, dah man sich im 2uSlande kaum men Begriff davon machen kann und dast sie wohl dem FeuiNetov cn, nvcht aber dem Leitartikler Stoff geben. D c größten Greigntffc der letzten Zeil der Dicktatur Prinw de Aivcras waren da- Plebiszit und die Aevolte deS gelernten Artiller e'erp-. Auf Ber- onlaffung der Union Patr otiea tmrrben tn allen Städten und Dörfern, in Madrid an den ver­kehrsreichen Strasenecken. auf Tischen, an denen würdige Herren lasten. Listen au-gestellt. in denen sich jeder so viel wie er wollte, ein tragen konnte, um der T.hatur 'm Vertrauen auezusprechen. GS gab eifrige Beamte, die den ganzen Tckg damit verbrachten, von einer Liste zur anderen zu eilen und überall ihren Hamen einzufchreiben. ES sott Städte gegeben haben, in denen d e Ae- gteriÄtg mehr Stimmen sammelte als eS Bewohner gab. aber niemand nahm daran Anstost. und so waren alle zufrieden.

Aun ruft General Primo de A Dera auch eine Aativnalvcr'ammlung em. die noch tn der ersten Hälfte deS Olwber feierlich vom Par- lamentLpalast an der Carrero de San Ieronymo Besitz ergreifen wird. Al>er auch die Aational- oerfammlung ist eine ureigene Srfindung der spanischen D.ktatur. die man sich kaum in einem anderen Lande Vörstetten könnte. Der Bequem-

Die spanische Nationalversammlung.

Don G. v. Ungern-Sternberg.

(Hochdruck, auch mH Quellenangabe, verboien!) Madrid. Oktober 1927.

W« so oft in der Welt, fo haben auch die Propheten in Spanien. dH den Untergang lei DikiatvrS. General Drirn 0 de Aivera. m biedern Jahre voraussagten. Unrecht behalten, und wenn nicht unvorhergesehene Ere gnifse ein­treten. wenn nicht doch endlich eines der vielen Äemplottc di« gegen den König und den Dik­tator geschmiedet werden. Erfolg haben sollte, so ist ferner Negierung noch eine lange Leoens- baucr deschieden^ General Pri.no ce Aivera ist. cbg. eben von seinem Können, unter einem glück! ichen Stern geboten, er w.rd der Schwierigkeiten, die sich vor chm aus türmen, mit erstaunUcher Leichtigkeit Herr und straft alle Pessimisten Lügen Freundlich und lächelnd, wie daS seine Gewohnheit ist. reitet er. unbekümmert um alle Anarchisten, die ihn mit Bomben und Dolch bedrohen, in Begleitung eine« Adjutanten auf der Castellano 'vozieren, täfet sich die warme Sonne in- Gesicht scheinen und ist mit sich Mbft und mit der Welt zufrieden. Sr kennt nicht die Cäsarenpose seine- Diktatorkollegcn in Hom. Mus­solini. er sicht ganz so au- wie ein Grand Seig­neur. der selbst gern gut lebt, aber auch den an­deren bte Freuden dieser Welt gönnt. In der Tat. er istzwar allmächtiger Diktator aber er Ift kein Despot, und wenn man von der leidigen Politik abstcht. so lebt man in keinem Lande freier al- in Spanien. Man soll die spanischen Verhältnisse nicht durch die aus­ländische Dritte beurteilen! Der Span.er hat immer den Gewinn, dah sein Leben nieyt von Menschen vergiftet wird, denen die Sonne schlt. Der Spanier ist Individualist, er trägt sein Vaterland in sich selbst und fastt es subjektiv auf. Gr liebt die Welt fo an. wie er sie haben will, unb nicht wie fit ist. Die spanifchc Gedanken­welt liegt abseits sozialer ynb politischer Stürme deSbalb ist cs unangebracht, wie es oft im AuS- Icmbe zu ge chehen pflegt, schwere politische Or- schütterongen zu erwarten. Der Spanier hat immer die politische Gewalt a!S von seinem in­neren We'en lo-gelöft empfunden.

Dem Spanier erschc.nt fein Land wie eine weltabgeschloffene Insel. Die'e seine Insel ist in 49 Provin.en eingetcilt. die Provirizcn wieder in foundjo v.el Deineinden. von denen jede stolz unb selbständig dahinlebt. Iek< glaubt sich Mittel­punkt der Srdc. und daS Fest des Dorfheiligcii wird w.e ein Fest deS Univcr'ums qde.crt. Die Di.'iaiur ist wie eine Wolle, in der sich alle spo­rn cheii Ligen hei len verdichtet haben. Der Diktator erscheint bem Volke etwa wie em Oberlazlle, dem e- gelungen ist. alle Dorftasiken unter- zukriegen. Sin wenig wie ein andalusischer Dors- bespot. der so hübsch zu reden versteht, den man in se.ner Heimat gern hat. der rnrncr groß­zügig ist, und der alle leben läßt, solange man ihm den Dorrang nicht streitig macht unb »hm erlaubt, seine Zigarette im Mundwinkel zu hallen und den Hut auf bte Seite gedrückt zu tragen.

"A rem and im AtrSlande weist, toi? selbst­zufrieden unb sich selbst genügend, wie welt- abseitS daS Volk day.nicbt. seine Bemer- lungen über Külte unb Hegen macht unb sich Guten Appetit" wünscht. Man lebt in mancher Beziehung in Spanien wie zu ©tobmuttert Zei­ten. Der Zeiger der Wcltciruhr ist hier stehen geblieben. Krieg und Hevolution haben daS Königreich verschont. Alle die Grundsätze, die vor dem Weltkrieg als Dogma galten, sind hter nkfjt umgcwer!et worden, die Aervosllät Euro­pas ist nicht übet die Pvrcnäen gedrungen. Sv Slbt eS denn in Madrid noch Hunderte von traben und Häusern, die vom modernen Grost- stadttreiben nicht berührt wurden. ES gibt etwas unsaubere Plätze und halbverwilberle Gärten, wo alles ganz stitt ist. Hinter den hcrabgelassc- nen Jalousien raufen Blumen unb trocknen in bet Sonne bunt'eibcnc Lappen. Irgendein MSb- chongesicht schaut swischen den Blüten hervor und sucht nach dem Glück. Sin Sseltveiber zieht lang-

Gießener Stadttheater.

W. ». Lortzillg:Der Wildschütz

Die 125jährige Wiederkehr von Lortzings GebunSrag im vorigen Jahre hat da» Interesse für dielen Meister bco deutschen Bicdermeiertums besonders w.ichwcrben lassen, wennschon seine Werke auch noch heute zum festen Bestand im Hepertoirc unserer Opernbühnen gehören. Die meisten seiner Zeitgenossen, die mit ihm um di« Palme deS GrfolgcS gerungen haben, sind ver­gessen Sein Werk hat dagegen in den langen Jahrzehnt« 1 nicht« von seiner ursprünglichen Frische und Lebenskraft «ingebübt.

Wenn auch Lorting nicht zu den über­ragenden genialen Haturcn gerechnet werden kann (er selbst hat nie darauf Anspruch erhoben,, fo jeidmen fleh doch alle feine Werke durch eine perfönltebc Frische auS. die in Lortzings bcucrcm We'en ihren letz.en Grund findet. Sänge? G^au* lvieler. Kapellmetstcr in einer Person, vowy.e er mit bühnenmästigem Instinkt zu geft allen und feine Intentionen zur Auswirkung zu bnnflen. und wurde durch feine edel veranlagt« Persönlich­keit zum .Künder deutschen FrohsimiS und deut­scher ©emütflticfc.

Hat man seinen Werken hier und da den sentimentalen Einschlag zum Dorwurf machen wollen, so übersah man habet, dah gerade hierin ein« besondere (Sigenart deutschen Vollstum«. deutschen Gemütes sich ausprägte. Denn alle bte Gestalten, die er auf die Bichne stellte, sind nicht blohe Puppen und MaSken. sondern Mev'ckren. wie sie das Leben in ihrer Kleinlichkeit und Un­vollkommenheit und ihrer Beschaulichkeit ihm zeigte. Und so können 'eine Werke alS Doku­mente des Deutschtums in der Biedermeierzeit gelten.

Hien.als wird man bei Lortzing einem Hingen um Welrossenbarungsprobleme begegnen, seine Gestalten geben sich in natürlicher Frische, ohne jeden Falsch unb Hinterhalt, cben'o wie sie Lortzing in seiner kindlichen Gemütsart unb Natürlichkei: gesehen hat. Unb in dieser Naivi­tät hat auch sein Humor keinen Grund, der weder auf scharfe 'Pointe noch beißende Ironie noch Zynismus sich gründete sondern die Unzuläng­lichkeit zur Quelle des Lachen- werden läßt und

springen der Bayern ha: zur 3.4ge g zuerst die Unabhängigen. hV.L-r bjnn b i.ationalcn das Zentrum weit überflügelten, tw«

l ich eingestellt sein. Siimmenenthaltung ist ver­boten. Auch erhalten bie Diäten von 25 Pese­tas pro Komrniss.onSsitzung. und von 50 Peseias pno öfüntliche Tagung nur b.e Anwesenden. D e Abgeordneten, bie unentschuldigt fernbleiben, werden mit Diätenent)ici)img bestraft. Die Regeln find streng und originell, aber die Spanier scheinen mit ihnen einverstanden zu sein, da sich alle Kreise bei der Negierung um ein Mandat bewerben und auch die Ar- beHcn>ere.nigungcn in Primo de RireraS Ha- 1 iona lversammlimg vertreten sein möchten.

Die Löwen vor dem Dort es Palast, die von den Staubwolken, bie vom Prado hinaufwchen, recht grau gefärbt sind, scheinen mißmutig zu­zuschauen, wie bie alte InschriftSongrefo de DiputadvS" übervinselt und die neue Bezeich­nung »Asa mblea Hac Iona T mit großen Vettern über dem Portale angebracht wird. Die steinernen Löwen haben andere Zeit« gesehen. Zwischen ihn« hindurch sind die groben spa­nischen Parlamentarier EanovaS del Castillo, Stlvcla und manche andere mehr die Freitreppe zum SitzungSsaale hinaufgeschritten. Dort hielten die Prä'identen der kurzlebigen spanischen Ne- publik Eastclar und Margall ihre zünd«dm Reden. Dort wurde Alfonso dem XIII., ihm, der alS König wenige Monate nach dem Tod« sein«S Datert geboren war. als Säugling auf dem Schoße der Mutter. Maria Christina von HabS- l'urg. gehuldigt. Die Hamen von Romero Hob- lebo. G-analcja«. Maura. die ihr Daterland so s<chr geliebt haben. Hingen als Scho in den Cortessälen ... und nun ist daS alle« Ver­gangenheit geworben? Es ist wahr, die

in dieser lebensbejahenden Einstellung keine bc- s re lende Wirkung ausübt.

So konnte Lortzing gerade zum Schöpser der urtümlich deutschen, komischen Oper werden.

Die sogenannte ernste Kritik hat ihn zeit­weilig ganz überleben, indem sie mit salschen Maßstäben an ihn fcerantrat .Einige meiner Opern bereiten vielen ehrlichen Seelen ange­nehme Stunden, damit bin ich befriedigt". ein Zeugnis seiner anspruchslosen Art.

In der Bearbeitung seiner Opernstosse zeigt er ein seltenes Geschick im szenischen Au bau sowohl wie in der geistreichen Fortsührung des Dialoge-. Das Hezitativ erfetit er gern durch bat gesprochene Wort, um den Fluh der Handlung aufrecht zu erhalten. .Der Deutsche singt He- zitative in der komischen Oper immer. alS wenn er einen Harnisch ober ein Priefrerhemd anhätte." Andrerseits aber hält sich Lortzing tn feiner Melodik von ItalieniSmen frei, und fo fcheini eS bezeichnend, dah er sich in feiner Wiener Wirttamkeit nicht gegen die dort herrschende romani'che Oper burchzuketzen t?ermochte. In seiner muf.l'.likchen Gbaralterifierung steht er durchaus auf den Schultern Mozarts, besonder« tn der Durchgestaltung der Eniembleszen«.

Ein Zug sei aber ganz besonder« vermerkt: fein Eintreten für daS Deutschtum mit feinen in volkStümttcher Frische gezeichneten Gestalten. Mit feinem .Hans Sachs" wurde er zum An­reger für Richard Wagner« .Meistersinger". Und seinen perkönttch« Standpunkt keTM^ichnel ein Brief aus sorgenvoller Zeit. .Ich yungre roch nicht mit den Meinen, und solange der deutsche Komponist daS noch von sich tagen kann, ist er immer noch zu preisen, und muh fein Vaterland hvchschätzen."

Der .Wildschütz" fällt in die glücklichste Zeit Lortzings. als er in Leipzig am Alten Stabt» thealer alS Kapellmeister wirkte. Die Anregung dazu gab ihm Kotzebue« Intrigucnkomödie .Der Hchbrd ober .Die schuldlosen Swuldbewußtm". Mii bekannter Sekchicklichkeit verstand er es. die textliche Vortage zu rein; ?en und den einzeln« Personen sy.npa:hifchere Züge zu verleihen. An Stelle des In der Vorlage au'tretenben 'Pächters Grau'chimmcl" sühn er die Vufsv-Gestalt de« schlau-dummen, selbstüberheblichen Schulm.istert Daeulus ein. Ebenso ist die Gestaltung der Drl- lardszene seine eigentlichste Schöpfung. Do­

rn«. sondern tn der sich auch d.e 21erfreier bet Behörden und vor allem die Fachleute zu den angeschnittenen Frag« eingehend äußern sollen. Zweck der Versammlung ist vor allem der, Wege zu zeigen und zu finden, um den Vogels­berg für immer an« seiner Rotlaga herauSzubringen. Mahnahrn^n gut Lindes rung der augenblicklich« Hot sind schon durch die vorerwähnt« Versammlung« beschLoksen worden. Vor allem soll eine Kommission unter Führung des Versammlungsleiter« In Verhand­lung« mit der Regierung irrten, um tue bte totalgeschädigten 0a n bto l r l e S teuererla h , kostenlos« D«schasfung von Saatgut und Beihllfen zur Weiiersuy- rung ihrer Betriebe zu erlangen. Aber fremd« Hilfe kann nlchl allein Helf«, hier muß die Selbsthilfe eingreifen. Der Vogelsberger Landwirt muh fein« Betrieb fo rasch und so weit alS möglich auf Viehzucht umstel­len. Die Umstellung ist aber so schwerig. vor allem auch durch bie durch andauernde Miß­ernten hervorgerufene Verarmung der Land­wirte, fo dah alle Äräfte Mitarbeit« mütfen. um zum Ziele zu komm«.

Der KretSdirektor de- Dogel-bergkreise-, Ge­heimrat Vocckmann-Schott«, empfahl, vor allem auf Bereitstellung de« für die augenblickliche Wetterführung der Betrieb« not- wendigen Saatgut« durch die Regcrung

feine 'Partnerin Käthe 31 ter aU Gretchen den leichten, für diese Rolle er- forderlichen Ton. Ihre stimmlich« Fchi^eiien prädestinier« sie für Soubrettenrvll«. Hanny Schantz war al« Baronin Freimann im Vp'cl sehr treff ent», tn der Höhe entfaltete fich ihr Organ sehr wohlklingend, während die Mittel- lage nicht immer voll zur Geltung fant H. Steinbrecher konnte In der Rolle de« Baron Kronthal feine stimmlich« sowie schauspielerischen Fähigkeiten voll «tsatt«. in den Ensembiesätzen :rtit einer, nicht immer bei Tenüren anzuftndew» D«, vornehmer Anpassung. Für die Partie de- Gras« von Eberbach hatte man Theo Häuser 00m Landes!Heater Darmstadt als Gast gewonnen, ein« Bonvivant im Spiel und mit qurflenbec Frikche des etwas dunkl« Organ«: mit seiner Heiteickeit«"-Ar e erntete er lx'onder« Grfolg. Betty Mergler al- Daft vom Opcrnhau« in Frankfurt wahrt« al- Gräfin von Eberb.ach würdevolle Hoheit in Sp «'l und Gelang und vermied alle Uc'.-crtrelbung« 'm geschickter Weif«, die sonst dieser Holl« leicht zum Schad« g -r?ick-«n. DaS Soloquartett im letzten Akt besonder-« wie auch bie Enkemblesäye de« zweiten Akte« erklan- gen in dezettter Au«geglichenheit und Remhctt. Auch ber HauSho'mZk er PancratiuS WGriey- mannS sei nicht vergeßen.

Die Chöre war« srisch und gut diszipliniert. Die szenllch« Bilder hatte man sehr malerisch und wirkungsvoll arrangiert, besonder« die Sze­nerie des letzten Aftrt war der festlichen Stimmung treffend angepaht. Kapellme»ster Eug« Hef f htelt Orchester unb Darsteller in sicherer Hand. 3m allgemein« wäre eS von Vorteil, tomn da« Orchester noch mehr Zurück­haltung den Sänge« gegenüber wahr« würde. Der Schuß auf der Bühne während her Ouver­türe hätte ein wenig realistischer au«fa'I« konn«. Die Aufführung bewegte sich während de« Abend« in auf neigender Linie, von Szene zu Szene wurde das Gefüge fester, fo dah der reiche Beifall zum Schluß sehr berechtigt war. Im Vergleich zu der Aufsührung .DaS Glöck- chen des Er:mit«" im Vorjahr war doch ein wef«ti-.cher. kehr erheblicher Fort'chritt xu ver­spür« und man kann weiter« Ausführungen auf dem Gebiete der Sv.eloper mit gespannten Erwartung« «tgegenfehen.uv