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Nr. 2K Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Dienstag, 13. September 192?

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Das Elsaß immer an der Spitze

leer. Mit leeren Händen und einsamen Herzen steht der Gemahl, steht der Kavalier, und mir der Kavalier rettet sich eine flattrige, letzte Er­innerung an das Spiel werk aus dem ©taub der armseligen Stube, die von der kleinen Frau Rju verlassen wurde.r

Ausgrabung des Marktes von Athen.

Die Vereinbarung zwischen der griechischen Regierung und den amerikanischen Archäologen über die QluSgrabung des Marktes bei der Akro­polis von Athen ist nach langen Verhandlungen glücklich zustande gekommen, und diese umfassen­den Arbeiten, die der Welt eine neue Offen­barung klassischen Lebens erschliehen sollen, wer­den demnächst begonnen werden. Heber die Aus­sichten dieser großartigen Unternehmung äußert sich nun ein hervorragender Fachmann, der Direk­tor der Grabungen der Akropolis, der griechische Archäologe Alexander Philadelpheus in einem Aufsatz derCornoedia".Ein großer Traum wird jetzt in Athen zur Wirklichkeit," schreibt er,man wird den berühmtenKera- meikos" ans Licht heben, den Mittelpunkt, in dem sich das ganze öffentliche Leben dieser unsterb­lichen Stadt einst versammelte. Der Kerameikos war ein ausgedehnter Bezirk des alten Athen, der seinen Rainen von denKeramikern" hatte, den Töpfern, die hier ihr Gewerbe ausübten. Dis in unsere Tage hat sich diese Uebertieferung erhalten, und noch heute findet man an dem Wege nach Eleusis entlang, an dem altenHeili­gen Wege" zahlreiche Töpfereien. Aber dieser berühmte Bezirk war mitten durchgeschnitten durch- die Stadtmauer, die in aller Eile von Themistok- les erbaut, dann verschiedene Male ausgebessert und schließlich im zweiten Jahrhundert vor un­serer Zeitrechnung zerstört wurde. Seit dieser traurigen Zeit hat der Kerameikos keine glück­lichen Tage mehr gesehen. Er wurde vielmehr be­graben mit all seinen reichen und kostbaren Denk­mälern unter einem Haufen von Schutt und Erde. Wie das römische Forum, das im Mittelalter und sogar bis zum Anfang des vorigen 3aßr° Hunderts eine Weide war, auf der die Kühe sich nährten, so war auch der Kerameikos vdn Athen vollständig verschwunden unter einer Erd­schicht, die bis zu sieben und acht Metern unter

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, September 1927.

Endlich scheint sich der Plan Primo de Riveras, eine Rationalversammlung einzu- rufen, zu verwirklichen. Gerade vor etwa Jahres­frist entstand das Projekt, wurde dann von Mo­nat zu Monat hinausgcschoben unö verbrachte die kalte Jahreszeit in einem Winterschlaf. Im Frühjahr, als die Diktatur ihre Absicht kund gab demnächst ihren Platz einer neuen, ver­fassungsmäßigen Regierung einzuräumen regte es sich wieder. Primo erteilte der Presse die Genehmigung des offenen Meinungsaus­tausches und der Veröffentlichung von Vor- schlägen, der Erfolg war eine wüste Zeitungs­fehde zwischen der Regierungspresse und den Blättern der Linken, die eine Verfassung von des Diktators Gnaden als neuen Verfassungsbruch erklärten und stürmisch nach Wahlen z u d e n alten Cortes schrieen. Was diese Cortes früher alles verbrochen und versäumt hatten, schien inzwischen entweder in Vergessenheit ge­raten zu sein oder die Hintermänner der libe­ralen und republikanischen Presse wünschten ihre Auferstehung einzig und allein nur aus dem Grunde, um ihr in den Jahren^ Der Diktatur und Ordnung naß gewordenes Schäfchen wieder ins Trockene bringen zu können.

Eine nicht ganz klare Stellung nahm in diesem Kampfe die k l e r i l a l e P r e s s e ein, die zuerst als unbedingter Anhänger der Rationalversamm­lung auftrat, später aber eine leise Schwenkung machte und gelegentlich gewisse Sympathien für eine Wiederkehr der arten Verfassung zeigte. Unbedingte Anhänger des letzteren Stand­punktes waren und sind außer den früheren Parteiführern, Teile der Armee und die recht einflußreichen Hofkreise mit der Königinmutter, ihre Gegner die Anhänger des jetzt herr­schenden Regimes und deren Organisation im Lande, die Union Patriotica. Zwischen beiden steht der König, nicht als schwankendes Rohr im Winde, aber stets bereit, zwischen beiden Richtungen zu lavieren und die bestehenden Gegensätze nach bester Möglichkeit a u s zu- gleichen, um sein Land vor den tragischen Folgen eines neuen Umstirrzes zu bewahren.

So währte der Kampf um die Rationalver­sammlung in den letzten Monaten. Riemand konnte sich von der wirklichen Situation ein klares Bild machen, bald hieß es, die Rationalversamm­lung kommt tatsächlich zustande und wird sicher­lich am Jahrestage des Staatsstreichs, dem 13. September embentfen, bald hieß es, sie kommt aber erst, wenn Primo absolut nicht mehr weiter kann und endlich gab es auch viele gut infor­mierte Stimmen, die ihr Zustandekommen einsae) als absurd erklärten und meinten, der König würde nie und nimmer seine Zustimmung zu einem derartigen Scheinparlament geben.

In den verflossenen Wochen hat inzwischen die Regierung ihre Anstrengungen verdoppelt, een Gesetzentwurf in seiner endgültigen Fassung zu vollenden und auch im Lande die Vorbereitungen für die Einberufung einer Rationalversammlung zu rüsten. Ihre Hauptstütze, die erwähnte Union Patriotica, wurde von Grund auf reorganisiert, nicht ganz zuverlässige Leute von

und technisch geschickten Spielführers C z i n n e r zu folgen.

Auch beim Aufbau dieser Ehegeschichte, welche als Spielfilm immerhin erfreulich über dem Durch­schnitt steht, und die mit Geschmack und Finger­spitzengefühl im Stil etwa eines halblauten Kammer- spiels in Mollakkorden komponiert und in Szene gesetzt ist, mag manches im psychologischen Gefüge nicht völlig durchdacht und gelöst sein; doch bleibt das Ganze, dank seiner darstellerischen unid regie­mäßigen Qualitäten ein starker Erfolg.

Vom Inhalt, von den Begeoenheiten ist, wenn man nicht gröblich und kleinlich berichten will, wenig zu fügen. Zur Geschichte einerun­verstandenen Frau", wie man das Spiel in­zwischen umgetauft hat, gehört außer dem Gatten, von dem gesprochen wurde, uird dessen Aeußeres ein Abbild seines inneren Wesens sein soll der Dritte, der Freund.....er". Er ist, in

toirlfmnem, sehr finnfällig dar gefleckten Gegen­satz zum Hausherrn (mit dem Börsenblatt, in Pantoffeln, voll ungenierter Gepflogenheiten des gemütlichen und ahnungslvsen Ehemannes)... er ist elegant, fein, korrekt, geistig, überlegen.

Er erscheint, mit einem Wort, in der Gestalt von Conrad Deidt, und wenn man die kleine Frau Rju zwischen ihm und dem schwerfälligen Iannings stehen sieht, der hier immer so etwas von einem halb gutmütigen, halb gefährlichen Menschenaffen zur Schau trägt... dann weiß man schon, welche Wagschale sich senken, wer zu leicht befunden werden und wem das Herz der kleinen mimosenhaften Rju sich zuneigen wird. Sie neigt sichihm" zu verläßt das Haus, den Mann, der sie nicht hergeben teilt, obwohl er sie längst verloren hat (schon ehe der andere kam) und geht zu ihm. Und er, der Ele­gante, Feine. Ueberlcgene, der große Kavalier, heran den Dingen vorübergeht", wie an einem Leierkastenmann... er nimmt sie auf, wie man ein Spielzeug in die Hand nimmt, ein zier­liches, hübsches, blankes und unwichtiges Tändel- werk.'.. und läßt sie fallen und wirft sie beiseite, wie ein Kind, das müde geworden ist, die Puppe vergißt. Als er sich besinnt und wieder danach greifen will, ist das Spielzeug fort. Die kleine Puppe Rju ist davongelaufen... in die Rächt, ins Schneegestöber, in den falten Fluß.

Und am Ende steht die Wage wieder still, die Schalen ruhen in gleicher Höhe und sind beide

den Führersterten entfernt und durch einwand­freie Anhänger der Diktatur ersetzt, wobei wohl zu unterscheiden ist, daß Anhänger der Diktatur nicht unbedingt Freunde be8 Diktators Primo de Rivera zu sein brauchen, was siir den Leiter der spanischen Politik vielleicht ein gewisses Ge­fahrmoment bedeutet. Die Regierung ver­folgte dabei den Plan, sich einerseits von vorn­herein in der Rationalversammlung eine zuver­lässige Mehrheit zu schaffen und andererseits dieser Mehrheit durch deren Gefolgschaft in den Provinzialverbänden der Union den Rücken zu stärken.

Am 30. August ist Primo de Rivera mit dem fertigen Entwurf in der Tasche nach San Se­bastian abgereift, wo er mit dem König zusam­mentrifft. Am 5. September hat er das Doku­ment seinem Herrscher überreicht und will ihm eine Woche Muße zum Studium und Ueberlegung gewähren. Bis dahin soll der König seine Unter­schrift leisten, worauf sofort mit den definitiven Dekreten für eine Zusammenberufung der Ratio­nalversammlung begonnen wird. Aus dem Ge­setzentwurf sind in diesen Tagen ziemlich alle Einzelheiten bekannt geworden. Danach soll die Rationalversannnlung bereits im ersten drit­tel des Okt obers zusammentretsn. Sie wird weder ein Parlament, noch überhaupt eine ge­setzgeberische Körperschaft vorstellen, sondern r e - präsentativ politischen Charakter tragen und zur Regierung nur in einem bera­tenden Verhältnis stehen. Die Dktatur ver­wahrt sich ausdrücklich gegen jede Einmischung bei Entschlüssen und Entscheidungen. Die Ratio­nalversammlung wird die ihr borgelegten Ge- sehvvrschlage prüfen und ihre Meinung b-.rüber abgeben, sie darf sogar Abänderungs- und Gegen­vorschläge machen. In einer kurzen Vorrede zu dem Entwurf wird hervorgehvben, daß die Ra­tionalversammlung ein Vorprojekt für eine neue Verfassung bearbeiten soll, außerdem wird ihr schon das Studium des Kostenvoranschlages für den Staatshaus­halt des Jahres 1929 zugeteilt. Das Budget für 1928 ist bereits soweit bearbeitet, daß es anscheinend keiner Ueberprüfung mehr bedarf.

Die Rationalversammlung wird in keiner Weise parlamentarischen Charakter besitzen, sie fort kein Forum zum Redenharten barfberten, sondern ein Arbeitsamt. Sie wird aus 2 0 Sektionen bestehen, entsprechend den verschie­denen Fachgebieten, aber nicht eingekeilt mit Rücksicht auf die einzelnen Ministerien. Sv wird z. D. die erste Sektion das Versassimgsprojekt bearbeiten, die zweite politische und soziale Ge­setze, wie Arbeiterfürsorge, Streikrecht, Versamm­lungsrecht u. a. m., die dritte wird sich mit finanziellen Problemen befassen und so fort. Jede Sektion oder Kommission wird dreimal wöchentlich, das Plenum fünfmal monatlich zu- fammentreten. Die Mitglieder erhalten weder Gehalt noch feste Diäten, fonbem AnWesen­heitsgelder, und zwar 25 Pesetas für jede Kommissionssitzung und 50 Pesetas für jede Ple­narsitzung, an der sie teilnehmen.

Die Minister haben das Recht, bei arten Sitzungen, die ihr Ressort betreffen oder sie überhaupt interessieren, anwesend zu sein ober

sich durch einen ihrer Beamten vertreten zu lassen. Fragen der Mitglieder an die Regierung sind auf schriftlichem Wege weiter zu leiten über das Präsidium der Rationalversammlung. das aus einem von der Regierung ernannten Präsi­denten, zwei Vizepräsidenten und vier _ Sekre­tären bestehn* wird. Für mündliche Erklärungen werden bestimmte Tage festgesetzt.

Die Zusammensetzung der Rationalver­sammlung wird in folgender Form erfolgen. Fünfzig Mitglieder werden von der Regierung aus den Behörden, den Leitern öffentlicher Ver­bände. den Wirtschaftskammern etc. berufen. Weitere fünfzig werden aus den städtischen Be­hörden delegiert, diese werden die einzigen fein, deren Berufung ohne direkten Einfluß der Re­gierung stattftndet, fünfzig werden den Provin- zialverwaltimgen entnommen, ebensoviele aus der Leitung der Union Patriotica und schließlich will die Regierung hundert Mitglieder aus den so­genannten freien Berufen, Gewerkschaften, unab­hängigen Wirtschastsverbanden auswählen und zwar in der Weise, daß jeder Minister vier bis fünf Spezialisten auf seinem Fachgebiet vor- schlägt. Insgesamt soll die Rationalversammlung rund 360 Mitglieder umfassen.

Die Mitglieder der Rationalversammlung wer­den nicht vereidigt wie sonst Abgeordnete irgendeines parlamentarischen Systems, denn sie gelten ja nicht als Gesetzgeber, sondern nur als Glieder einer beratenden Körperschaft.

Dieses sind die hauptsächlichsten Einzelheiten der zukünftigen spanischen Rationalversammlung, die ja Die Aufgabe hat, zwischen Diktator und breiter Masse des Bolles zu vermitteln, und den Uebergang zu schaffen von der Diktatur zu einer neuen Derfassrngs- und rechtsmäß gen Regierung. Man muß abwarten, ob und inwieweit diese, zweifellos aus revolutionärem Recht hervorge- gangcnc, aber doch vom König zu sanktionierende Institution der neuen Staatsrechtsgrundlage Ach­tung und Anerkennung verschafft.

wählen" ihren Grundcharakter ba ngdegt. Don biefer Partei hatte niemand umstürzenbe Forderungen er­wartet, und wenn ihr Festhalten an Zweisprachig­keit, regionaler Verwaltungsautonomie, Verstänbi- gungspolitik ja gewiß auf dem Papier sehrheimat- treu" ausschaut und von den meisten Delegierten auch ehrlich gemeint sein wird, so wird doch keiner so recht daran glauben, baß bie Partei bes Stehauf- Männchens Michel Walter im entscheibenden Zeitpunkt wirklich und wahrhaftigrücksichtslosesten Widerstand" gegen Pariser Forderungen zustande- bringen werde. Man wird ihr heftiges Unterstreichen derenergischen Verteidigung der elsässischen Dolks- unb heimatrechte" dahin deuten dürfen, daß auch die nationalistischen Aufpasser in der Partei so etwas für unbebmgt nötig halten.

Zu Herrn Pomcars will bie Partei unverzüglich zwei Senatoren unb vier Abgeordnete senden, daß er endlich einmal einen Teil der Versprechungen ver­wirkliche, die er (und andere Wortführer Frank­reichs) dem Lande feierlich gemacht haben. Die Maßregelungen der Heimattreuen Beamtcnführer sollen restlos verschwinden und noch vor dem neuen Schuljahr eine Aenderung des Schulsystems in Rich­tung auf die Zweisprachiakeit verfügt werden. Man möchte doch nicht mit völlig leeren Händen vor bie Wähler treten. Herr Poincars, der seine getreuen französischen Untertanen wieder so schön auf den nationalistischen Dreh gebracht hat, wird sich nicht erweichen lassen. Er wird den Bittstellern zu den hundert alten ein neues feierliches Versprechen mit« | geben.

Don unserem elsässischen Mitarbeiter. Straßburg, Sep. 1927.

Es ist geradezu rührend, zu sehen, wer allesim Namen des Elsaß" dem franzostichen Propaganda­dienst hilsestellung leistet. Da ist etwa Herr Friedrich Wllhelm Förster, der den elsaß-lothrmgischen Autonomisten plötzlich das Recht abspricht, sich m der Seele ihrer Landsleute auszukennen.Ich be­streite der Gruppe um die ,Lukunft herum den Anspruch ... den tiefsten Sinn der esa suchen Un­zufriedenheit psychologisch und politisch richtig zu deuten". Diebodenständigen Elsässer (die Herrn Förster informieren) wüßten ganz genau, baßletz­te Endes doch nur Frankreich den Elfassern Die Selbstbestimmung verbürgen kann . Ironisch meinte gegenüber dieser dummdreisten Schönrederei die deutschsprachige Metzerhumanitö" (konnnu- nistisch), dann brauche Frankreich das elsaß-iothrm- fli ehe Volk ja nur durch eine freie Volksabstimmung über sein Schicksal selbst bestimmen zu lassen.

Nicht berufener zu Äußerungen über die elsässi­sche Gesinnung sind zwei andere Nichtelsässer, die vor ein paar Tagen eine Straßburger Ausstellung (Foire-Exposition") eingeweiht haben.Das Elsaß ist immer an der Spitze", hat dabei der General­kommissar des Unternehmens, Professor S a r t o r y, erklärt,wenn es gilt, mit der natioafcn Fahne vor­anzugehen". Und der aus Nordsrankreich zu uns gekommene Präfekt des Unterlaß, der Deutschen­hasser Sarromü, meint, daßdas wahre Elsaß nicht in den gehässigen Ausdrücken einer kleinen Anzahl Verirrter" (lies: Autononnsten!) zu finden sei, sondern hier bei diesem herrlichen französischen Bild.

Grenzlandhyänen nennt ein Straßburger heimat- treues Matt solche Leutchen, bie in Ausnutzung ber Konjunktur auf dem Rücken des tlsaß-lothrmgischen Volkes in btau-weiß-rotem Patriotismus machen. Zu ihnen gehört der ganze Troß, der mittelbar und unmittelbar von den reichen Geldern des französi­schen Propagandasonds zehrt, unter ihnen kaum ein einziger Elsässer, dafür aber Welschschweizer, Fran­zosen unb Deutsche.

Ein überwältigend komisches Exemplar biefer Grenzlandhyänen" hat sich am vergangenen Sonn­tag (4. September) erneut hier produziert. Es ist ber aus bem Badischen ein gewanderte Herr Fritz Kief­fer, der zu deutscher Zeit Arrangeur von Statt« halterfesten war und heute eine morsche Säule für denfranzösischen Gedanken" abgibt. Ihm waren tags zuvor in der autonomistischen Presse Auszüge aus seinen kaiser- unb reichstreuen Beten erungen während der Kriegszeit vorgesetzt worden. Die fran­zösischen Generäle, Präfekten usw. haben aber kein Gefühl für das Lächerliche, daß sie hinter diesem badischen Urfranzosen hertrippeln. Es hat sich um die Ucbergabe ber weißen Fahne gehandelt, die am 27. September 1870 auf dem Straßburger Münster hochgezogen worden war, um die Kapitulation zu verkünden. Die Fahne ist vor einiger Zeit in einem kleinen normannischen Städtchen aufgetaud)t und nunmehr bem Vertreter ber Stadt Straßburg in einer theatralischen Kundgebung auf bem Kleberplatz überreicht worden. Künftighin wird sie im hiesigen historischen Museum gezeigt werden. Der Straß­burger Bürgermeister, der gut patriotische Sozialist Peirotes, sprach die üblichen Worte von der bekanntenunerschütterlichen" Treue der Elsässer zum französischen Mutterland, von dem sie niemand abtrünnig machen werde.

lieber diesen gut aufgezogenen Kundgebungen, denen bie Eröffnung einer Handwerksausstellung in Mülhaufen und einiges andere anzureihen wäre, verstummen bei den Volksvertretern und Parteifüh­rern die Sorgen nicht, wie das Volk, der Wälster, im kommenden Mai sprechen wird. Noch immer sind es rund dreiviertel Jahre bis dorthin, aber schon buhlen die bestehenden Parteien um das Wohlwollen der zuletzt eben doch entscheidenden Stimmen ber Tausende unb Zehntausende, deren geheimste Ge­danken keiner erraten kann, erst recht nicht in einem Grenzland, das unter Gefimnmgsdruck gehalten wird. Soeben hat nun auch die katholische Partei des Elsaß, dieElsässische Volkspartei", in Straß­burg ihren Delegiertentag abaehalten und in einem Manifestam Vorabend (!) ber nächsten Kammer-

Die spanische Nationalversammlung

Von unserem M.W.-Derichterstatier.

das Riveau ber gegenwärtigen Stadt herabreicht. Man begreift, mit welchen Schwierigkeiten und Kosten die Aufdeckung eines so gctoaliige.t Rau­mes verknüpft ist. Dir archäologische Gesellschaft von Athen hatte feit 1862 einen großen Teil dieses Bezirkes ausgegraben, aber nur denäuße­ren Kerameikos", der außerhalb der Mauern lag. Dieser Teil war von den Athenern feit uralten Zeiten als Friedhof benutzt worden, denn man begrub feine Toten außerhalb der Stadtmauer. Aber den Kerameikosinnerhalb der Mauern", der das eigentliche Zentrum der alten Stadt und den Markt von Athen bildete, hat man niemals systematisch durchforscht. Er war seit der byzanti­nischen Zeit ein dicht bewohntes Viertel.

Philadelpheus erörtert dann die Schwierig­keiten, die sich der Freilegung dieses Bezirks entgegenstellten und die nun überwunden wer­den sollen. Es handelt sich um besonders bevöl­kerte Häuserviertel, die sich an den Abhang der Akropolis anschmiegen und deren Bewohnerzahl in den letzten Jahren durch den Zustrom der griechischen Flüchilinge aus Kleinasien noch be­trächtlich gesteigert worden ist. Damit wuchs zugleich der Preis der Häuser und der Wert des Bodens, Die heute etwa zwanzigmal so hoch sind wie vor dem Kriege. Die Amerikaner müssen also tief in die Taschen greifen, um die Besitzer zu entschädigen, und sie haben es zu­gleich übernommen, für neue Wohnungen der Enteigneten zu forgen. Der Plan zur Aus­grabung dieses Bezirks bestand schon lange bei den griechischen Kennern, und Philadelpheus hat 1921 einen genauen Plan ausgearbeitet, der bet den Grabungen benutzt werden wird. Aber die griechische Regierung sah sich außer Stande, die Mittel aufzubringen, und so mußte sie das ame­rikanische Anerbieten annehmen.Die Ausgra­bungen," sagt der Verfasser,werden den äl­testen Markt der Athener umfaffen, auf dem sich das Prytaneion, die Tholos, das Bulenwrion und andere großartige öffentliche Gebäude befanden, die Plutarch eingehend beschrieben hat. Außer diesen Gebäuden wird man einen ganzen Wald von Statuen, Weihgeschenken, Altären und an­deren kostbaren Gegenständen finden. D e Ernte wird sehr beträchtlich sein trotz der vielfachen Verwüstungen. Katastrophen und ^Räubereien, die Athen und besonders dieses Viertel zu erdulden hatten."

Eine MVsrstMdene MN".

Palast-Lichtspiele Gießen.

Einer ber ersten Filme, in denen Elisabeth Bergner erschien, hießNju": er hat damals Aufsehen erregt und stellte die berühmteste Schau­spielerin Bersins auch der übrigen beutjdjen Welt vor soweit ein Film überhaupt eine Vorstellung von ihr zu geben vermag. Was es damit auf sich hat, haben wir früher bereits, bei einer anderen Gelegenheit, an dieser Stelle auseinanderzusetzen versucht: das müßte jetzt, Wort für Wort, wieder­holt werden.

Es spielen außer der Bergner in diesem Film noch zwei sehr bekannte Schauspieler mit, Iannings und Veidt, und beide haben eben­falls auf der Sprechbühne ein großes und nicht all­tägliches Können bewiesen: aber während man bei ihnen, die einem im Film viel selbstverständlicher uoriommen, nichts vermißt, erlebt man die Berg­ner, wenn man sie zuvor leibhaft gesehen, und gehört hat, hier wiederum, wie inLiebe" imGeiger von Florenz" wird es nicht anders fein nur halb. Wir sagten es früher schon: wer sie nie auf der Bühne, im lebendigen Theater, erlebt hat, wird bie stärksten Eindrücke von ihr unb dem Fjimwerk mit heim nehmen. Für die anderen, die wohl in der Minderzahl sind, bleibt eine Leere, ein empfindlicher Mangel, bleibt die Erinnerung an eine unvergeßliche Sprachmelodie, die durch keine Musik ersetzt werden kann, bleibt ein Schattenriß, eine sehr rührende schlanke Silhouette voller Fein­heit und Anmut der Linie aber eben ein Schat­tenbild, das der beglückenden Ganzheit, Körperlich­keit und lebendigen Menschlichkeit entbehrt.

Es gibt Ehen mit diesen Worten ungefähr beginnt eine kleine Novelle von Thomas Mann, deren Zustandekommen sich die belletristisch geübteste Phantasie nicht vorstellen kann: so ein Zusammen­leben ohne innere Gemeinschaft ist die Ehe der kleinen Frau Nju; man kann sich nicht denken, wie sie sich verwirklicht haben sollte: bie Gegensätze sind schon äußerlich so betont wenn man dieses fast übermenschlich zarte, leichte, schmetterlingshast schwebende Geschöpschen Nju (Bergner) neben der ungeschlackften Wucht ihres Gemahls (Ianmngs) auftauchen sieht, daß es schwer fällt, den Voraus­setzungen des im übrigen sehr taktsicheren, szenisch

Dierhundertjahrseier des Wormser Eymna'iums.

Lpd. Worms. 12. Sept. Ein Fest seltener Art beging am (5amittag mrd Sonntag die Stadt Worms, da es galt, das v ierhunder t j äh- r i g e Bestehen des humanistischen Gymnasiums zu feiern. Den Auftakt zu den Veranstaltungen bildete der Begrützungsabend, her am Samstag viele Hinderte ehemaliger Schüler und Freunde des Gymnasiums mit der derzeitigen Schulleitung vereinigte. Oberstudren- direkkor Krauß hielt die Begrüßungsansprache. Der eigentliche Festakt fand am Sonntagvor- mittag im städtischen Spiel- und Festhause statt, das die große Zahl der Gäste kaum zu fassen vermochte. Die Festrede hielt der Direktor des Gymnasiums, Prof. Dr. Krauß, der eingangs seiner Ansprache Ministerialdirektor Urstadt als Vertreter der Landesregierung, Prälat D. Dr. Diehl als Haupt der hessischen Landrs- kirche, sowie die sonstigen Vertreter der Be­hörden und die ehemaligen Schüler und Freunde der Anstalt willkommen hieß. Der Redner gab u. a. einen Ueberblick über den Werdegang des Wormser Gymnasiums, das im Jahre 1527 vom Rat der Stadt Worms als lutherische Latein­schule errichtet wurde. Die Geschichte dieser Schule sei zugleich ein Abbild der wechselvollen Ge­schichte der Stadt Worms. Das Gymnasium müsse erhalten bleiben, als eine Stätte des huma­nistischen Bildungsideals und der Erziehung zur objektiven Weltbetrachtung, zum Seaen der Ge­samtheit des deutschen Volkes. Ministeriald'rek- tor U rstadt entschuldigte das Fernbleiben des Staatspräsidenten Ulrich und brachte dessen Glück­wünsche 5um Ausdruck. Die Gerüchte über die Absicht der Regierung auf Beseitigung des Gym­nasiums seien nicht zutreffend. Oberbürgermeister Rahm, selbst ein ehemaliger Schüler des Gym­nasiums, überbrachte die Glückwünsche der Stadt­verwaltung. Er richtete an die Bürgerschaft die Dille, dafür zu sorgen, daß das Wormser Gym­nasium in steigendem Maße besucht werde. Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversi­tät Pros. Dr. Zwick überbrachte di 7 Grüße . der Landesuniversität Gießen, die sich eng mit