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Nr. 188 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Militärattaches.

Don 2. Drees.

Die Zulassung deutscher Militärattaches im Ausland ist bekanntlich eine Frage, die augen­blicklich zur Erörterung steht und bereits Ver­anlassung bot, der in- und ausländischen Presse rnch fach Cel.'g'.nhrit z r Stell ngnahme z geb n. Charalteristisch iji, toic immer, auch hiei wieder die Erscheinung, dah, sobald es sich um Belange unserer Wehrmacht handelt, Frankreich derjenige Auslandsstaat ist, der sofort nnt allen Mitteln versucht, unserem Lande Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Diese Erscheinung ist allerdings nichts Reues und somit verdient auch die jüngste Aeuherung desTemps" über diese Frage, die zu dem Schluß kommt, daß gegenwärtig noch nicht daran gedacht werden könne, deutsche Mili­tärattaches in den Ländern der Alliierten zu­zulassen eigentlich an sich keine weitere Beach­tung. Indessen werden die Auslassungen des­halb interessanter, weil sich in ihnen auch nach­stehendes findet:Die Einwände der deutschen demokratischen Presse gegen die Schaffung von Militärattaches, die die Politik der Regierung durchkreuzen könnten, seien allerdings nicht stich­haltig. Man könnte sich nicht denken, welchen persönlichen Einfluß irgend ein Militärattache ausüben könnte, falls nicht der betreffende Bot­schafter ihm die Hand reiche."

Diese Auslassungen sind recht interessant und beleuchten einmal wieder die Tatsache, daß unsere eigene Linksrichtung bei'der Beurteilung dieser Frage päpstlicher als der Papst gewesen ist und der bösen Reichswehr sofort wieder Gefähr­lichkeiten angedichtet wurden, die nicht einmal von unserem doch offensichtlich größtem Wider­sacher Frankreich als stichhaltig angesehen wer­den.

Leider ist es im heutigen Deutschland schon Gewohnheit geworden, jede von militärischer Seite kommende Anregung von links als reaktionär, militaristisch, antirepublikanisch und als Gott weiß sonst noch was anzusprechen Trotzdem aber wer­den sich die verantwortlichen Stellen nicht bc» irren lassen, sondern nach wie vor in überpartei­licher Weise jederzeit für solche Dinge eintreten, die nach langjähriger Erfahrung ihre Berechti­gung und Rotwendigkeit erwiesen haben Zu solchen Dingen aber gehört ohne jeden Zweifel auch die Institution der Militärattaches, und niemand anders als Bismarck war es, der jeder­zeit den größten Wert auf militärische Mit­arbeit im Auslandsdienst legte. Dies war bei einem so überragendem Staatsmann auch sehr natürlich, denn er war sich wohl keinen Augen­blick darüber im Unklaren, wie eng die beider­seitigen Arbeitsgebiete miteinander verwachsen sind. Jeder geschulte Diplomat weih, daß er die reale Macht eines Staates in erster Linie in den Bereich seiner Erwägungen zu ziehen hat und daß er hierzu des sachverständigen Rates bedarf; nur Phantasten werden, befangen von der Idee des Pazifismus, anders handeln; dürfen dann allerdings auch nicht erstaunt sein, wenn ihnen schließlich di« Erkenntnis ihrer Trugschlüsse kommt.

Heute gilt genau so wie bisher die Rotwendig­keit für jeden Staat, mit größter Aufmerksam­keit die militärischen Vorgänge bei den Anderen zu beobachten. Der Ausgang der letzten Flotten­abrüstungs-Konferenz in Genf hat ja wieder einmal zur Genüge dargetan, wie es in Wahr­heit um den Abrüstungswillen der Mächtigen bestellt ist. Im übrigen Iaffen die großartigen Rüstungsmahnahmen Frankreichs und nicht min­der auch die militärifchen Vorkehrungen Italiens wohl kaum einen Zweifel darüber, dah die Welt an alles andere, denn an den ewigen Frieden glaubt. Gewiß, unser deutsches Vaterland ist entwaffnet, wir nennen nur noch eine kleine und verstümmelte Wehrmacht unser eigen, und doch muß auch diese kleine Macht mehr denn jq, ja doppelt auf dem Posten sein, um mit vffenen Augen zu sehen, was die Anderem Machen und daraus wenigstens Schlüsse zu ziehen.

Sommerritt.

Von Sofie von Uhde.

Wenn der Sommerwind durch die Wellen des Kornes weht, und das Glück der Hellen Abende und der warmen Nächte uns überfällt, bann regt sich in meinem Blute unwiderstehlich der Wandertrieb, von irgendwelchen unseßhaften Vorfahren auf mich ver­erbt. Und bann hilft es garnichts, wenn ich weiß Gott wie weit fliege ober fahre ober mich sonstwie neuzeitlich auf ben Weg mache; nein, bann bringt nur eines Erfüllung: auf einem guten Pferd die alte Romantik der Landstraßen wiederfinden, immer die blaue Ferne vor Augen und Winden und Wol­ken und der dunklen Stille der Wälder innig ver­bunden. Also reiten wir.

Mein Araber Hamil ist schon allerhand Extra­vaganzen gewöhnt und als ich nach Packtaschen und Woilach greife, scharrt er ungeduldig und freudig; denn diese Ausrüstung bedeutet ein paar Wochen ungebundenen Landstreicherlebens, er kennt es wohl und er liebt es wie ich, mein vierbeiniger Freund und Kamerad. Und voll bester Laune traben wir zum Tor hinaus in den klaren Abend.

Denn wir beginnen unseren Ritt nicht mit der Morgensonne, wie die braven Leute und die ver­nünftigen Pferde es tun, wir wollen die holde, warme Sommernacht genießen, wir wollen die dunkle Erde im Schlafe atmen hören, und in der unbestrittenen Einsamkeit uns als Könige und Her­ren fühlen; heute nacht gehört uns die Welt.

Im schnittigen Trab des jungen Pferdes fliegt das Isartal vorüber morgen früh, wenn es Tag wird, werden die Berge um uns sein. In einem Farbenspiel von unsäglicher Zartheit sinkt der Abend über die sommerlichen Wälder, letzter stiller Vogelruf verklingt, schon atmen Laub und Erde stärker in der Kühle. Beim ruhigen Wechsel von Trab und ausruhendem Schritt verrinnen die Stun­den, Wälder schatten dunkel und öffnen sich wieder. Wiesen glänzen betaut im sanften Dammer der Hellen Nacht, durch schlafende Dörfer traben wir mit hallenden Hufen schon liegt der Starnberger- see zwischen den Lichtern seiner Ufer neben uns.

In einem kleinen, grünverwilderten Wirtsgarten sitzen späte Zecher beim Glas in der milden Nacht Hamil schaut in nicht mißzuverstehender Weise nach mir um, und auch ich bin gar nicht abgeneigt, her mit dem Krug! Und den Gaul am Zügel trete ich in den Garten. Maßloses Erstaunen empfängt wich, bas sich nach tiefem Stillschweigen in ben

Die Entsendung von Militärattaches liegt aber nicht nur im Interesse der Reichswehr allein, sondern hier sind es Überhaupt staatlich? All- gemeininterefsen, die in Frage kommen. Abge­sehen von anderen Gründen spielt auch das Prestige eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Vorenthaltung zur Berechtigung der Entsendung derartiger Attaches ist eine Beleidigung unseres Staates, da wir unsererseits die Anwesenheit dieser fremdländischen Offiziere dulden müssen, und wahr­lich, unser deutsches Vaterland hat sich seit Kriegsschluß zur Genüge Demütigungen über Demütigungen gefallen lassen müssen; wir haben somit alle Ursache, mit Zähigkeit, Schritt für Schritt an der Beseitigung aller derartigen krän­kenden Desttrnmungen zu arbeiten. Es wäre ge­radezu unverantwortlich, wenn unsere berufenen Vertteter nicht mit allen Kräften in diesem Sinne tätig wären. Ein erheblicher Schritt vor­wärts zur Gewinnung der Gleichberechtigung würde mit der Zulassung unserer militärischen

hielten. Unter der straffen Regierung eines Bis­marck wurden derartige Mißstände recht schnell und nachhaltig beseitigt.

Im übrigen sei darauf hingewiesen, daß die offene und von allen SteUen anerkannte inter­nationale Instttution der Militärattaches dazu dienen soll, dem dunklen Spionagewesen, das sonst wohl allzu üppig ins Kraut schießen würde, gewissen Einhalt zu tun, indem auf legalem Wege im Gegenseitigkeitsverhältnis Gelegenheit zur Beobachtung der militärischen Machtverhält­nisse geboten wird. Cs wäre daher nicht recht begreiflich, wenn wir der von freundschaftlichem Willen zeugenden Anregung ehemals feindlicher Mächte ablehnend gegenüberstehen würden, das aber um so weniger, da doch gerade von den Linksparteien ständig auf möglichstes Entgegen­kommen unseren früheren Feinden gegenüber der größte Wert gelegt und bei diesen Bestrebungen auch häufig die Grenze nationaler Würde durch­aus nicht immer genügend gewahrt wird.

Mahnung zur Hindenburgspende

Geh. Rac D. Dr. Dulsberg; Präsident des Reichsverbandes der deutschen Industrie:

Deutsche! Erfüllt Eure Pflicht! Liebt Euer Vaterland wie unser treuer Hindenburg.

Franz von Mendelsohn, Präsident des deutschen Industrie- und Handelstages:

Wichtiger als trauernde Erinnerung an vergangene Zeiten oder gläubiges hoffen auf künftige Schickfalwendung ist in der Wot bas opferwillige Bekenntnis zur Gegenwart des Staates. Das lehrt uns Hindenburgs Beispiel.

Dr, h. c. Adam Stegerrvald, preußischer Ministerpräsident a. D.: Hindenburg: Unverzüglich nie verzagen, rastlos tätig, klaren Sinnes, stets voll Goktvertrauen, so ist er Vorbild seines Volkes, ehren wir uns in ihm!

Gaben für die Hindenburgspende werden angenommen in der Ge- schäftsstelle desGießener Anzeigers, Gießen, Schulstraße Vit. 7.

Attaches bei unserer diplomatischen Auslands­vertretung getan.

Sache des Auswärtigen Amtes tn Verbin­dung mit dem Reichswehrministerium ist es. die Arbeitsbefugnisse dieser militärischen Vertretun­gen zu umgrenzen, und wir dürfen Wohl über­zeugt davon sein, dah dies in richtiger und an­gemessener Form geschehen wird. Aus gewiß nicht sortzuleugnenden Fehlern der Q3ergangen* gangenheit auf diesem Gebiet, die manchmal ein unersprießliches Gegeneinanderarbeiten im Ge­folge hatten, haben wir reichlich Gelegenheit ge­habt, unsere Erfahrungen zu sammeln; auch sollte nie vergessen werden, daß die Schuld durchaus nicht lediglich auf Seiten der militärischen Stel­len gelegen hat, sondern vielfach darauf zurück­zuführen gewesen ist, daß die leitenden Äaats- männer das Heft nicht genügend in der Hand

Worten Luft macht:Sie fan g'rviß Amerika­nerin?" Ich muß es verneinen unb nach gebautem schwerer Pause kommt bie zweite Frage:Sie {an g'wiß dem Herrn Gemahl burch'brennt?" Auch bas kann ich mit gutem Gewissen ablehnen. Aber nun wissen bie Sprachlosen keine weitere Definition mehr für meine nächtliche Rettererscheinung unb ich kann ungestört unter ben alten Kastanien sitzen, währenb Hamil vor einer gehäuften Fuhrmanns­krippe neben mir sich's wohl fein läßt. Leise schla­gen bie kleinen Wellen ans Schilf, unter bem ge­stirnten Nachtzeit geht bie Luft in lauer Süße unb ber herbe weiße Wein buftet im Glas hold leben- biges Glück ber Stunbe!

Aber bie Zeit verrinnt, auch ber letzte Stanb- hafte reißt sich vom Kruge los, längst ist Mitternacht vorbei unb wir müssen reiten. Allzu fern ist es nicht mehr, unser Ziel: in Lauterbach an ben Öftersten will ich ben ersten Tagesschein auf bie Benebikten- roanb fallen sehen, also vorwärts, mein Schwarz­brauner! Hamil, ber diese Wege kennt, unb sehr liebt, geht so voll Uebermut, baß es wahrhaftig gilt, gut im Sattel zu sitzen, unb so lasse ich denn mit viel Haltung statt mit dichterisch geniefjenber Non­chalance Wälder, See unb betaute Nacht an mir vorübereilen.

Als wir, nun im Schritt, an ber jchlafenben Mühle von Lauterbach vorbeireiten, ist noch tiefe Nacht. Dunkel steigen bie Schatten ber Berge unter bie Sterne, irgenbroo schlägt ein Hunb an, unb ber Mühlbach rauscht alte Wanberburschenpoesie mitten in unserm hastigen Maschinenjahrhunbert, welche Quelle lebenbigen Glückes bist bu für ben mobernen Menschen, besten Freiheitstrieb bie Groß­stadt eingefangen und übertäubt hat!

Oben überm Wiesenhang am Waldsaum weiß ich eine offene Laubhütte, dort wollen wir rasten, bis das Licht kommt. Schnell ist Hamil von Zaum unb Sattel frei unb in den Woilach geschnallt, eine Weile bleibt er noch grasend zwischen den lichten Stämmen, dann legt er Lch behaglich schnaubend neben mich ins Laub. Ader mich faßt kein Schlaf. In einer Bezauberung ohnegleichen fühle ich die freie Einsamkeit bet Wälber, all bie nächtlichen Stimmen unb Düfte bes Sommers unb bie starke, geschwellte Kraft bes Bodens, dies seltsam betörende, seltsam atavistische Glück, der Erbennähe. Ich bin eins mit Wind und Laub, mit den stummen Augen meines Pferdes, die voll Nacht unb Stille finb, unb mit ber bunflen Ackerkrume, auf bie ich meine Hanb lege unb beren gärenbe Fruchtbarkeit mich burchbraust wie ein Lieb. Es ist basfelbe primitive unb blut-

Außenpolitische Umschau.

Von Puof. Dr. Otto Hoehsch, M. d. R.

Die amerikanische Außenpolitik hatte nach dem Kriegsende wenige feste Gesichtspunkte tn bezug auf Europa. Nachdem sie in der Repa- rätionsfrage zum Dawes-Plan geführt hatte, ist sie ganz passiv geworden. Auch in der Frage der internationalen Schulden hat sie keinen ener­gischen Anttieb ausgeübt. Desgleichen ist bie Beteiligung Rordamerikas am direkten Wieder­aufbau der Weltwirtschaft, sagen wir 'also gleich dem Versuch der Weltwirtschaftskonferenz in Genf, nicht greifbar und fördersam gewesen. Rur in einem Punkte war Europa gegenüber die amerikanische Außenpolitik fest und sicher. Sie wollte und will auch, daß die Ab­rüstungsbewegung weiter gehe, unb oft

warme Glück, benfe ich, bas unsre Urväter empfan= ben, wenn sie sich ausruhend auf ben Boben ihrer Wälber streckten.

Aber allmählich hämmern bie ersten Schatten auf, unb erfreut ahnt man bas Licht. Auf ber Bene- bittenroanb erwacht ber zarte Schein der Frühe und über den unendlich stillen Wipfeln hebt sich leis der erste Vogelruf vor Tau und Tag. Fernehin, aus Dunst und Duft und gehauchten Konturen der Berge hebt sie sich, die verlockende Ferne, nach der wir ausgezogen sind. Siehst du sie, Hamil? Nun, wir werden sie nie erretten, immer wird sie vor uns zurückweichen, immer sie bleiben, was sie ist: die Ferne! Und so ist es uns recht, denn solange wir auf ihren holden Spuren ziehen, sind wir frei wie bie Gotter.

Aber ist es nicht oerbammt frisch geworben? Wir werben unsben 'göttlichsten Schnupfen unb einen unsterblichen Husten" holen.... Her mit Sattel unb Zaum unb auf in bie Weite. Gegrüßt, Morgenlicht!

Um Shakespeares Grabstätte.

Aus London wird folgendes berichtet: Shake­speares Grab es ist eine der wenigen Grab­stätten großer Männer, die bisher unberührt bsieb. Ja, es scheint wirklich, als habe der Fluch, den der große Will gegen die Störer seiner Ruhe tn seiner Grabschrift schleuderte, bisher auch die Vorwitzigsten von einer Hebung des einfachen Grabsteins in der Kirche von Sttatford abgehalten. Was Shakespeare mit den selbstverfaßten Versen dieser Grabschrift eigent­lich bezweckt hat, darüber hört man am besten einen Genossen seines Jahrhunderts, den wacke­ren William Hall aus Oxford, der im Jahre 1694 die Grabstätte des Dichters besuchte un& von seinem Besuch in einem Briefe folgendes berichtet:Die Verse, die er bei seinen Leb­zeiten verfaßt hat und auf seinen Grabstein setzen ließ, lauten: Um Jesus Willen, guter Freund, hüte dich, den Staub dieses Grabes zu stören! Gesegnet sei, wer diesen Stein ehrt, verflucht aber, wer mein Gebein berührt!" Das englische Original weift vier sich untereinander reimende Zeilen auf, die weder besonders schön noch irgendwie erheblich ttef sind; es ist eine ganz durchschnittliche Grabinschrift, wie sie jene Zett zu Hunderten kennt. Daher kann man es jenem William Hall nicht verübeln, wenn er in seinem Briefe fortfährt:Die geringe Bildung,

Samstag, (3. llMft (927

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genug war der, der die Abrüstungsbecvegung der Gegenwart im höchsten Grade skeptisch beurteilt, genötigt, darauf hinzuweifen, daß, wie auch die Dinge liegen mochten, der Wille der mächtigsten Wacht der Welt hinter der Abrüstungsbewegung stehe.

Rach der ganzen Situation war klar, daß dabei die Abrüstung zu Lande Und auch in der Luft nicht so sehr im Vordergrund der Be­mühungen der Dereinigteii Staaten itand. Das Maß der Landrüstungen ist für bicicn Staat gleichgültig und konnte deshalb ten Bemühungen der europäischen Staaten überlassen werden. Die Zeit aber, wo die Lufloerbindung über den Ozean hin sich auch militärisch, in der Rü­stung der betrefseiiden Staaten. auSwirkt, liegt ja Wohl noch in weiter Ferne. Sa hat sich die Abrüstungspolitik der Vereinigten Staaten prak­tisch auf das Gebiet der Seeabrüstung beschränll.

Don vernherein lag darin schon eineSchwäche. Die Mächte, die, wie Frankreich unb Italien, aus bestimmten Gründen eine Abrüstung über­haupt nicht wollen, konnten mit Recht sich hinter den Satz zurückziehen, daß eine wahrhafte Ab­rüstungsbewegung nur im großen Zusammen­hang der 'Abrüstung zu Lande, Wasser und zu Luft erfolgreich sich vollziehen kann. Es ist nicht zu bestreiten, daß darin etwas richtiges liegt, und mit jener Trennung, die Rordamertta vornahm, in die Gesamtwirkung einer folg;en Bewegung von vornherein ein schädlicher Riß und Bruch kommen mußte.

Indes könnte man auch sagen: Schritt für Schritt vorwärts und voran! So hat Rordame- rika in der Seeabrüstungskonferenz von Wa­shington 1921/1922 ja gearbeitet, und mit ©rfolg. Es gelangte nicht nur mit England, sondern auch mit Japan, Frankreich und Ita­lien zu Beschlüssen über die Kontingentierung der Linienschiffe. Dabei hat schon damals England um des höheren Gesichtspunktes fester Verbindung mit den Vereinigten Staaten nicht nur das Opfer gebracht, das alte bewährte Bündnis mit Japan verschwinden zu lassen, sondern zugleich auch Amerika als eine in der Seerüstung gleichberechtigte und gleichstarte See­macht anzuerkenneir Dieser Schritt, der für Eng­land ein erhebliches Opfer war, hatte aber für England doch den Vorteil, daß damit Washing- iton die Möglichkeit .aufgab die es pekuniär sich ohne weiteres Hätte leisten können -- eine auch der englischen überlegene Flotte zu schäum.

So war die Situation deutlich: England und Amerika in enger Zusammenarbeit, mit Isolie­rung Japans, konnten auch Frankreich und Ita­lien in diese feste Regelung des Verhältnisses des Tonneninhaltes für die Linienschiffe ein­fügen. Dies war ein Erfolg für Amerika, das war einer auch für England. Es ist die Grund­lage der englischen Politik sechs Jahre lang gewesen. Ohne diese Sicherheit hätte die englische Politik nicht so arbeiten können, wäre sie noch unsicherer und uneinheitlicher gewesen, als sie trotzdem schon war.

Das muß man sich vor Augen halten, um die große Bedeutung des Ausganges der Genfer Seeabrustungskvnferenz zu erfassen. Rordamertta wollte jene Arbeit von Washington weiterführen und auch die Hllfsschiffe, Kreuzer, U-Boote, Flugzeugmutterschiffe in ein solches Verhältnis bringen. Es stieß dabei auf die Ab­lehnung Frankreichs und Italiens, die von ihrem Standpunft mit Recht die Beteiligung ablehnten, weil sie .im Linienschiffbau, sowieso durch ihre Mittel den ganz großen Mächten unterlegen, mit der Annahme einer solchen Regelung sich ganz in die Hände der großen Seemächte Amerika, Eng­land und Japan gegeben hätten.

Das war für Coolidge nicht angenehm, aber nicht weiter bedenllich, wenn die Einigung unter den ganz großen Mächten gelang. Heute, da man sieht, daß sie nicht gelingt und man nur mühsam den offenen Bruch vermieden hat, da auch eine Persönliche Begegnung des englischen Miittster- präsidenten und amerikanischen Staatssekretärs nicht die Brücke Herstellen wird, fragt man sich, ob denn Coolidge die Situation so verbreitet hat, wie sie verbreitet sein müßte. Rordamertta be­stand auf der Gleichberechtigung absolut

welche diese Zellen verraten, würde ein stacker Beweis dafür fein, daß es dem Verfasser auch an Wissen mangelte, enthielten sie nicht et­was, was notwendig erklärt werden muß. 2n der Kirche befindet sich ein Raum, den man Gebein­haus nennt, die Lagerstätte für alle Knochen, welche aüs der Erde herausgenommen werden. So viele sind ihrer, daß man eine große Anzahl Wagen damit beladen könnte. In der Absicht, seine Gebeine unangetastet zu erhalten, legt der Dichter nun einen Fluch auf jeden, der sie an- rührt; und da es sich Ijierbei um eine meist sehr ungebildete Menschenllasse handelt, verseht er sich auf den Tiefstand ihrer Fassungsgabe und verzichtet auf die Kunst, die keiner seiner Zeitgenossen im reicheren Grade besessen hat. Die Absicht hat ihren Zweck erreich:. Denn aus Furcht, dieser Fluch möge nicht nur ihr eigenes Haupt treffen, sondern auch auf ihre Nachkommen­schaft fallen, haben sie ihn siebzehn Fuß tief in die Erde gebettet, tief genug, um seine Ruhe zu sichern". Das ist es, was Hall über Shake­speares Grab zu erzählen weiß.

Augenblicklich ist in England wieder eine 'Be­wegung im Gange, welche die Oeffnung der Sttatforder Grabstätte erzwingen möchte, natür­lich nicht aus Reugier, sondern zu dem idealen Zwecke, endlich einmal alle Legenden um Shake­speares Persönlichkeit zu zerstreuen. DerAn- tiquarian, eine Zeitschrift, hinter der nam­hafte Wissenschaftler stehen, leitet diese Be­wegung mit dem Gedanken ein, daß eine Oeff­nung des Grabes am Ende kein so ungeheuer­liches Verbrechen wäre, da man schon die Ruhe­stätten so vieler großer Männer aufaebrocyen habe. Unb natürlich, daß diese Rachgrabung edelsten und höchsten Zwecken dienen wird, ja, daß sie eigentlich sogar die höchste Ehrung des Dichters bedeute, dessen Andenken nun erst von allen Gerüchten gereinigt werden wird.

Diese Argumente erscheinen auch dem Laien höchst fadenscheinig. Daß Shakespeare .wirklich" gelebt hat, sollte doch nun endgültig erwiesen sein; daß eine Oeffnung seines Grabes ihn etwa von der Bacon-Legende befreien wird, ist nicht anzunehmen, und wenn man auch die Grab­stätten anderer großer Männer geöffnet hat: um so schlimmer. So sollte man wenigstens den letzten nachdrücklichsten Willen des Genius ehren, der alle gemeint hat, die jemals an feine letzte Stätte zu tasten wagen werden.