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Nr. 299 Zweiter Blatt ssiehener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gderhessenj Montag, 12 vezember |92Z

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Gin Dorbericht.

Jtn 2kri4< ben der Treuhänder I ü r d i e verpsän deren Einoah m e n vor kurzem erstatt.» hak. ist in der deui'ch n Oe scnl- lichj.i: auMdlllacrtiRile biißvr nc--> nicht Io be- achtet ipor m wie er es t>-"< *finrr tungür den Gesamtbench- T der (Mloert* eigentlich verdient. dum Tet l mag da»

heran lügen daß biete »uxirulg Seilen Harfe Tenfi4/nh nut chrcm vielen Zahlenmaterial und ihren jatfrangcben im einzelnen auch ein grohcs TTlat, an SpezlalkennMts voraussetzt. dum andern Teil dürtte der Grund darin ,u suchen lein, dal, die deutsche Oessentlichkeit mil ihrem Enduricü ÄUtüdfcallen mrchte bi» der bin» ne.i kurzem zu etu>artcnde 3ahrcsbericht de» Dc:,.r?lugentcn lür hie Ttct-arfllioni8a6lur- gen heraus l|L T)it hallen ihn im ganzen <ljct doch ürorfentllj) genug, daß 114) unere Win- schattskrikiker oni ihm ausein anderseßen sollten.

Ta sei dngann» einmal eine Feststellung ge- Nflttet. bte nicht m allen beuHdxr Ohren an­genehm klingen kvtrd. au* die man aber gerade ange.ichl» der Brfhte. hie thc Entschüdigiin^»- kvminlssare nun sei« wahren über chre Tatigkrtt erstatten, kommen must. Wir halten es nümlid) sür auherordenlltch bedauerlich, hast es erst der Arbeiten dieser Jlcparaiioniageideo bcdursle. um für bu heul '<& OrfsenUlchkrfi ein so eingehen­de» Zahlen- und Tatsachenmaterial über die deuk'che WlNschakts- und Mnanzge- barung und eine so gründliche Analtz'e vergan­gener Sntmtcflungtn zu erfüllten. Wenn man be­denkt. mit welchem verhältnismäßig geringen Per­sonal die Ent'chödiaungskommi'sare ihre Däligken aulübcn. dann muh man srappierf sein ücer di« Gründlichkeit und Lorgsalt ihrer Ar­beiten. die längst auch für deutsche Wirtschasts- kririter ein Quellenmaterial ersten Ranges ge­

worden sind.

Tamil ist natürlich noch kein Urteil über die Richtigkeit der Einstellung der dnt- schüdigungskvmmittare gegenüber Teulschland ge­geben. Gerade der Bericht War Sabhean» ist ein Schulbeispiel dafür. dah mindesten» ein^ehrt Per­sönlichkeiten unter den GntschüdigungSkommissaoen nicht nur ihren Au'gabenbereich überschrei­ten. sondern auch zu Ergebnis'en bei ihren Untersuchungen gvlangen, die den tatsächlichen 6d un» nicht gerecht werden. Ter Kommissar für die verpfändeten Einnahmen würde vollkommen seiner P licht genügen, wenn er den Eingang dieser Einnahmen überwachte und feststeNte. dah der auf den ReickBhaushalt entfallende Reparattcmsantcll durch sie am 1. September b. 3. um ein Bielsache» über­deckt war. Statt dessen hält er e» aber für notwendig, die Entwicklung der Zölle. der Tabak-, Bier- und duckersteuem sowie die Einnahmen au» dem Branntweinmonopol t m einzelnen au anabperen waS volkswirtschaftlich gesehen durchaus rühmenswert ist und daran eine jum Teil sehr scharfe, l-urch keinerlei Höflichkeiten gemilderte Kritik zu knüpfen wa» poltttsch gesehen für un» sehr unerauicklich und rechtlich vollkommen unmöglich ist. Heber die Art und Richtung unterer Finanz- und Wirtschafts­politik kann man vielleicht allenfalls dem General­agenten ein gewisses Mast von Krfttk aeftaften, obwohl es auch hier noch sehr zweifelhaft ist, ob sich dafür eine positive Rechtsgrundlage im Tawes-Denrag findet. 3m übrigen aber muh eine Beurteilung, wie sie Mac ftabtjean nicht nur an die Richtung des deutschen Konsum», sondern auch an die Behandlung der Tabaksteuerfrage durch die Reich»regterung knüpft, al» unzu­lässige Einmischung In Angelegenheiten empfunden werden, die lediglich zwischen der Rcichsreaterung und der Wählerschaft auszu- machen sind.

Wegen ihrer politischen Auswirkungen ist die Kritik an der Genubmitteleinsuhr für un» besonder» bedenNlch Diese Einfuhr bildet bekanntlich eines der wesentlichen Kriterien für die Feststellung des Wohlstand»inde§es. von des­sen Höhe auch die kündigen 3ahre»annuitäten in ihrem Ausmaß beträchtlich beeinflußt werden. Wenn nun Herr Bkac Fadxmn im Gegentatz zu den maßgebenden Stellen im Reich meint, die starken Wareneinfuhren des lebten 3ahre» seien

Das Land ohne Heimat.

3n der französischen Kammer hat man sich vorder c-nmal mit der Lage Slsah-Lo- 1 b r t r. g c n » be!L- t.g: ::

oft vor. denn bic ohijiclic Politik bc'aßl sich vor der Oe'icntl.chkeit nicht gerne mil bucn

'.er. weil doch io mancher ' gen ist vor allem aber auch weil doch lo beriet r.-. h'ungen ist 21 rher

Äomnur.Hi c" n -

Stluation in unterem ehe mal gen Reichsland: au'merk am gemacht hat. Herr Poi nca re ist. wie von einer tschlange acstochen. bo4ge­tobten. fast sämtliche 21 .'geordneten Elsa''-Lo­thringen» haben der Reibe nach au'marfch eron

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es in QHaß-üotbrir.gcn oustche. und damit Ist der Fall nach außen hm tPcber einmal erledigt.

Rach innen allerdings nicht: hier frißt das Geschwür ,c m<chr ihm die Defnur.g verwehrt wird, um fo unbc Ivoller weiter Herr Pvmcarö bc: sich stet» mit dtolz dazu bekannt, dast er selbst geborener Elfatler (ei und er hat deshalb cerab: in dem Vanb. da» von ihm .wieder- ervbert" worden war. zeigen wollen, wo» er au leisten imstande ist Da» Ergebnis Ist trost­los genug. Ein Cffoh-Cotfirirger selbst bat un» schon vor 3ahresfrist gesagt, dah die Deutschen in den fünfzig Jahren nach 1870 nicht ent­fernt f o zu germanisieren verstanden hatten, wie b.c Franzosen in den neun Oabrcn nach 1918. Sie sind damal» leider al» Befreier begrüßt worden, mit Butter und Weißbrot glaubten sie die durch den Krieg zermürbte Bevölkerung gewinnen zu können die brutalen Grobe- rung»metboben aber, die sie anwandten, haben sehr bald einen Rücksch.lag herbei-

geführt. Dielleicht mußten sie so Vorgehen weil sie doch in der ganzen Welt das Märchen ver­breitet hatten. daß Clfa'i-tfolbringai französisch [et C.e dur :en also nicht bekannt werden la le i. baß ach zcg Prozent ter Beoölk rung nur deutsch s : cht alb die ge^ a'tlame Jntcr- drückung alle» dessen was deutich war. deshalb ist sogar noch vor wenigen Wochen eine deutsche deihmg verboten auf Orunb eines GeteneS daß die .fremds->rach gen etihmgen' unter 21 u*- nahmerccht fallen

T rotz allein aber wird die Autonomie­bewegung we-ter wachsen, sie wird wachsm. obwohl sie in ihrer 'Vertretung nicht gerade glücklich war Daß ausgerechnet Herr dorn von BUsLch derfe'be Herr der w ißrend I in Baker der höchste teutsche Beamte de» Rc,ch»- lande» war. vor Gericht erklärte, er spiechc deutsch nur mit keinem Hunde, sich zum Wort­führer der Deutschen machen wollte, war ein Mißgrift In d.n wirft'« elsäüisch gc mn:en Krc.icn bat man ihn deshalb auch nie ernst genommen und ist nicht traurig barüber, daß er jevt den Weg nach Eanolka argetreten und. nur um sich vor dem OcMngni» zu drücken, seine Arbeiter wie seine Mitarbeiter prelS- gogeben hat. Aber bte Bewegung geht weiter, dafür haben die grunzen selbst ge­sorgt. Man wird annehmen bür en. daß schon bei den nächsten Wahlen also im kommenden Mai. kjch berauSstestt. wie stark die Erbitterung der Elf ast-lothringer gegen da» französische Regime ist. da» ihnen die Pflege ißrr deutschen Sprache und ihrer deutschen Kultur verwehren möchte.

nicht allein mit der Ergänzung der DorrLte au erflären vielmehr davc lerer ver­

brauch an ©emißmlftcln (Äafee, Kakao. Tn Rohtabak usw.) die C iirfuhr auf ihre ieyige Höhe gebracht, so ist bcui.i-j) cr'vn.r tr wohir

igmtgOkvmmissar ziel lich darum zu tim. den Wohlstandinber für Deutschland so in die Höhe zu schrauben, daß verstärkte Reparationszahlungen für uns die Folge fein müßten.

Wir sind nun der Meinung baß die Reich^- rcgicrung beizeiten Borlvrge treffen sollte, damit dies Urteil sich nicht erft bei den Persönlichkeiten und Regierungen im 2luslanb festsetzt, die für das künftige Schicksal unserer 2iepar itirmibtlaihmg von stark mitbeftimmenber Bedeutung find Sie wird dabei nachtveilen können, daß der Verbrauch der Inllationsjahre c(>enfo wie der Konsum der ersten Dtabililierungszeit durchaus anormal war. und day eine gewisse Angleichung an die Lebenshaltung anderer Ratio­nen notwendig war. um das deutsche Volk auch nur psychologisch In die Lage zu verfehen. feine Reparationsoelastung auch tragen zu können. 2tur wenn nicht bte graue Rot vor den Türen bar erwerbsfähigen Menschen in Deutschland stockt, nur wenn ein gewisse» Mindestmaß an Äulturbebürfniflem befriedigt werden kann, wird die deutlche Ration seelisch In der Loge sein, Ro- paration»leistungen überfxrupt aufjul rl.igen. Me­thoden aber, wie sie Herr Mac Fabhcan scheinbar anzuwenden ent'chlos'en Ist, müssen In ihrem End­resultat genau bat Gegenteil von der btab» sichtigten Wirkung erzielen.

(koolidge verzichtet.

Da» lange Rätselraten über bic Bedeutung der Erklärung die Präsident Eoolibge vor mehreren Monaten im Sommer abgegeben hatte und wonach er nicht mehr alsPräslbent- s ch a s t » k a n b i b a t auszutreten bc tigte, kann nunmehr al» endgültig beendet be­trachtet werden. Der Präsident hat dem Rattonal- ausschuß feiner Parlei nun In aller Form noch­mal» mitgeteilt, baß sein Verzicht auf die Prä­sidentschaft definitiv ist Der Rattonalous- schuß einer großen Partei in Amerika hat beson­

der» die Vorbereitungen für bic Parteitagung, in Amerika Konpent genannt, zu treffen, auf b<r sowohl die beiden Kand.baten, bet Prifident unb VrzeprL'ibent, oufgcftel t tote do» Part'ipro- gramm feflgckgt werben Dieser Qlatioralau»- schuß tritt nur alle zwei Jahre zusa.rmen. ein- na­tionale Parteitagung findet nur alle vier Jahre vor einer Prüftbentfchaitowah! statt ES sind allo solche Tagungen verhältnismäßig s:lten und von um so größerer Bedeutung für da» Leben eine» Bolles, in dem es übcibuiipt nur zwei große Parteien gibt dnfolgcbc fen linb di. bekannten beiben grofjen Parteitage Ereignisse von natio­naler Bedeutung unb bebür en sehr lorgiälttgcr Vorbereitung Da» ist die Hau."tau'gabe beS Ra- tionalausschusieS b.» zum Parleilaze. ber bann einen Erekutivau» schuß e-wählt unb mit ber Führung be< Wahlfelbzuges bcau*- tragt Infolgedessen steht der Präsident als der jeweilige Führer seiner eigenen Parte« auch in enger Fühlung mit dem Rationalau» chuß, unb wenn er nun al» erste Vorbereitung für bte große etwa Anfang 3uli ftatifinbenbc Tagung der Re­publikanischen Partei sich m.t dem Rationalau»- schuß über das Wertere berät, unb wenn er vor diesem eine solche Erklärung abgibt, wie es Evo- libge soeben getan hat. kann kein dtoetfel mehr an dem Emst seiner Absichten bestehen

Damit erhält nun bie große Erörterung über bte Frage, wen ble Re vu hlikaner al» Präsidentschaftskandidaten auf ft, II.-n werden, einen neuen Anstoß Da noch ungefähr ein halbe» Jahr bl» zur endgültigen Snllcheidung hierüber verfließen muß werden noch zahlreiche Kombinationen unb Konstellationen auf tauchen. Es ist also nicht angebracht, jetzt schon ganz be­stimmte Persönlichkeiten al» Äanbibaten bezeich­nen zu wollen, immetchin schälen sich bereit» drei Männer betau», ble zunächst In FraM kommen unb halb ein Wettrennen eröffnen metbm. Da» sinb bet jetzige Vizepräsident unb al» solcher Vorsitzender de» Senat», ber bekannte General Dawe » . ber Minister Hoover unb ber frü­here S'.aats.ckretLr Hughe» Reben bl.fen ist noch vielfach genannt worden der Präsident ber Eolumbia-Llniverfität in Reuyotk, Murray But - I e r. Gerade letzterer genießt in gebildeten unb Wissenschaf lichen Ärci en brsondere Wertschätzung, allerdings steht ihm für bte Ausstellung al» re

pub > a i chcr Prälidert chi t land d t ber Um- stand im Wege daß er em anSge p-ot>mer G.g- ner und Bekämpfet der Prohibition ist Au» die en Gru .de wird man Murray But- ler. Io geeignet et sonst wäre wohl von vom- herein aus dem Re-n.-n aus ch d n ei n

Vo.i den drei genannten anderen Kan > aten ist Taus# eigei.t. ch nur bekannt durch da» Lon- Irrer Abkommen bas |e nen Rornrn tr>gt 3m übtigen hat er für d e Oel entl chk i: in A --r.ka irc la g leistet Au« der anb.ren S ite spricht für bi. da i er sich au» den po itische i Krntrover en lerngeballen hat und in g ir I r 5Yn ich« etn un­beschrieben, s B att ist wa» uilcr solchen Um­ständen als ein Vorteil bezeichn-t torr^ n kann Hoover und Hughe» sind bribf lehr ou5- ge'prockene Per önlichke In Ho e' g wann zum cr*icn Male eine g.wi se B. r ihm eit aU er Versorg ui grkowm s ar der nm r an ch n R gie- rung to.ibr.nb de» Krieges in Belgien war. da- beißt, bic Verte lu.-.g von Ragrnngs nltte n au» Amet.ka in Belgien uvernahm öt arbeitete damals mit der beut.chcn TkrtMltung Hand In Aanb. Al» Handel «Minister Hai er manche gute Re'orm dutchgesetzt unb vor al.cn D ngen hat er in ber letzten 3cit sich neuerbing» hervorg.tan durch die enetgi'che Hils»titiik it lei den g.osten Ucberjchwenimungen de» Mi! ifsippi in b n Eüd- fiaatni bet Union. Hughe» wat al# StiatS- lelrctär und Letter der ai.swätttg. n Pol tik Ame­rika» bet erste amerilani'dbc M.nistet, brr nach bem Kriege Berlin besuchte trat bann aber von ber Vcitung de» Amte» zurück weil et mit man­chen Sn Wicklungen der auswürt'.gen Politik n cht einverstanden war

Wenn man heute schon eine vorsichtige Pto- phe-e.uag wagen darf, dann wäre e» Die. daß zw.schen Hoc per und Hug.e» aal dem Parteikon- venl ein ziemlich Hatter Kamps um bic Kombi­nation entstehen w rd Un er solchen Uinftänben bcwahrheitei sich aber vielleicht auch bic alle Er- fabrung au» der amer kanitchen Geschichte, baß aut» einem solchen Kampf der Dritte, ba» fogcnannic dunkle Pferd, al» Sieget h-rvorg ht. DaS ist bann ttgenbem Gouv.meur ober L nator, xum Deilplel Jobnfon von Kalifornien Ratür- lich hängt feht viel bavon ab. welche Strömung auf der Gegenseite, also in ber Demokra­tischen Partei, sich burch etzen w.td

Artur Mahraun.

Artur Mahraun. ber Begrün ber und Hochmeister bc» 3ungbeut fchen Dr« b t n». ist am 30. Dezember 1890 zu Kassel geboren. Gr entstammt einer sehr alten oft- preußischen Familie, deren meisten Mitglieder bem Staate al» Beamte. Ofsiziere oder Ge­lehrte gebient haben, so daß der Dienst am Volke in dieser Familie alles Herkommen ist. Diesem Herkommen entsprechend trat Mahraun im 3ahve 1906 als Fahnenlunker in das 3ns - Regt. Rr. 83 zu Kassel ein urtb wurde 1910 8um Leutnant besördeN. Während seiner Leut­nantszeit brfchästiate er sich eifrig mtt Studi -n. die militärische Erziehung des Volkes philo­sophisch zu erfassen. Durch seine Versetzung in das In der waldeckichen Hauptstadt stehend« 3. Bataillon des Reyimenls 83 lernte er das Leben an einem Reinen deutschen Fürftenhof» kennen. Der Ausbruch des Krieges führte das Regiment 83 zum Sturme aus Lüttich Dann nahm der junge DfIUlet im Westen und Olten an den schwersten Kämpfen teil, fo daß ihm von den Schrecknissen des Krieges nichts erspart a,-blieben ist. Beim Ausbruche der Revolution befand er sich gerade auf Urlaub. Ruch dem vergeblichen Versuche, da» Generalkommando zu Kassel zur Ausstellung neuer Truppenteile zu bewegen, versuchte er In Jena In der Studenten- schast In ähnlichem Sinne zu wirfen. Auch das war erfolglos. Rach kurzer Dienstleistung beim 3ns-Regt. 83 nahm Mahraun feinen Abschied. Sein diel, neue Kralle für den Dienst am Vater- lande zu gewinnen, behielt er fest im Auge. 3n den Wirren der detten der Arbeiter- und Colbaientäte bildete er Freiwilligen verbände, deren sich das Reich bei den damaligen Ruf­st and» be wegungen gerne bediente. Als fie ihre Arbeit getan hatten, löste man sie aul Au» den Angehörigen seiner Freiwilligen verbände ent-

Mnku (lettert ins Himmelreich.

Von Wilhelm Schüssen.

Manku hatte soeben einen riesig hvh-n Palm- baum erklommen. Aber mm bemühte er sich ver­geblich. eine Frucht davon abzupflücken. Er hing wie mitten im Weltraum, über ihm flog t>* Mondf ichei wie ein Schiff lein mtt §>en Spitzen nach oben, man war ja auch endlich im Mvhven- land. die Sterne zwinkerten aufgeregt, fie zitter­ten förmlich vor Spannung. Rein, es g na mcht... Manku versuchte die Frucht den däynen los­zubekommen. Es gelang tatsächlich.

Don der Erde herauf tobte Beifall.

Der dirkusdirrktor würde diesmal sehr zu­frieden mit Ihm sein. Rach allen Enden würde der Draht den Rekord tragen, in den illustrier­ten deiungen würde Manku» Bild prangen, fein Lebenslauf, feine Ahnentafel. . v web. da fing es schon zu hapern an. die Ahnentafel hörte I4r>n bei der Mutter auf. schon vom Vater war nicht die leiseste Spur vorhanden. Auch Mutter war früh gestorben. Er war dann Gott weiß wie lit diesen 3*rfu< gekommen.

Aber nun wandte sich das Blatt. Der Di­rektor würde ihm den Rekord auSb^ahlen. dann konnte man »ns Mohrenland zurückkehren und sich eine kohlschwarze Braut suchen, konnte an einem Tierfang In Abrfs.nlen tecknehmm und für den dirkus Hränen, Affen und Gi'tfchlangen ernfan- gen. Diese Palme da. an der er hing, war min­desten» so hoch tme jener denkwürdige alle, runde Turm in dem verfovenen Städtchen, worin der Zirkus auf feiner Durchreife nach der Schweiz ein paar Vorstellungen gegeßen hatte. Ach fo... wo war man denn eigentlich, he? he? wie hieH doch gleich diefes Rest mit dem Rekordturm, den man da als F ifsadenkletlerer zu bezwingen hatte? Bei Gott, da» nur wahrdaf.ig keine Klein gfeit gewesen, sich an himmelhoher Turmwand mit der blanken Luft im Rücken cmporzukratzen. alle Rinnen und Ritzen zu erfpähen und von einem Fensterloch zum andern empvrzullimmeTi. Zwar Halle er am Gürtel ein Dutzend eigen» für feinen Rekord präparierte Hand'chuhe hängen, die mil einem neuen Klebemittel einer Leim- fabrif bestrichen waren und an einigen Stellen wirklich Vorteil boten, aber troßbem: die Sache

war keine Kleinigkeit gewrfen. S-e sollte vor allem eine Reklame für das neu? Ät*emitt.'{ werden. Ebendeshalb halte ja auch die Leimfabrfk den Anstoß zu diesem daltzbrecherifchen Unternehmen gegeben unb einen hohen Pr^i» gestiftet. . Schon mng man an ber Wand untrem letzten Fenster- loch man war wirklich nicht umsonst erster Zirkuskletterer unb Trapezkünstler... schon klomm man darüber hinaus, schon wölbte sich der dhmentmdti dicht über bem Haupte, schon war man daran, indem man drei Mauerföcher fllücklich ausnühte. sich über den Wulst hrnaufzu- chirden, schon erscholl der 3ubel von der Erde herauf, schon lächelten die strahlenden Gelichter des d-.rfu»d,rrf'ne» und des Leimsabrikanten, d-e den Turm von innen erstiegen hatten, von der dnrne herab... Roch een paar Sekunden, dann konnte man fein He,ratsgut in Emp ang nehmen ...

Oho?... was war berni das?. . Manku prestte bte Zähne auseinander, damit ihm d.r Kokosnuß nicht entfalle, er fpürle den Schmer; davon bis in den Hals unb bi» ins Herz hinab. Er stöhnte laut auf.

O weh. o weh!... er hatte ja überhaupt fernen Ruhstie! zwischen den Zahnen, er hakle wobl Überhaupt feine Zähne mehr, feinen Mund mehr und keinen Schlund mehr. . v weh. v weh! Die Palme unb bas Mondschisflcin waren nur ein gaukelnder Traum getvrf.-n, vom nahenden Tob herangrfpiekl, auch ba» Klebemittel der Ocimfabrff war nur ein bloßes Fiedcrbild. Aber der Turm, der verrückte alle Turm dieser ent­legenen Kleinstadt war leider Gottes Wirklich­keit. ebenio w.e der Zinaenwulst über dem Haupt. Dort am Zinnenwulst hatte man mit gutem Griff einen freien Zacken eines großen Steines erfaßt, aber gerade dieser einzige docken dieses einzigen Steines war durch irgendwie ge­lockert ... unb da stürzte man alfo vor den Augen sämtlicher Zirkusleute und Filmoperateure, vor den Augen einer halben Provinz, vor den Zei­tungen unb Telegraphen nut dem unseligen tob* bringenden S einzacken m ber Hand vom Himmel oben auf bic Erde hinab, wo man trotz Retz und Sägmchttchicht ohne Mund und Leben Degen blieb. Was doch diese neue Weil für absonder­liche Schauspiele ausheckle! Was hakle fu denn davon, wenn ein rodverwegen er ZirfuSafs e. Heß um» liebe Geld die Fassade eine» alten Turmes crCettcrtc? Er selber hätte werngstens nut dem

Rekordgeld in» Mohrenland abdampfen unb dort für den Zirfu» Alfen unb Giftschlangen unb lang­beinige Giraffen und fette Rashörn-r unb Zebra» unb Antilopen und S rauhe unb alles, was diese wunderNchen Leute brauchten, fangm helfen kön­nen. Aber alle diese Leute, die ihm zusahen, was hatten fie bloß davon?

Der Pfarrer dieses Säbtleins, der gestern bei ihm gewesen war. war derselben Meinung gewesen, aber auch er hatte nicht daran g dacht, wie bedrückend ri war. wenn man den Himmel licht und hell, den Teufel aber in der Zerstreuung immer nur als einen Schwarzen malte.

Da hörte Manku plötzlich draußen im Freien eme erboste Mutier lärmen und schelten: .Du Reger, du abscheulicher unb greulicher!"

Er richtete sich mit letzter Ärafl In seinem Spika!bett aus unb starrte burch» Fenster. Er übersah ein kurzes Stück einer brnLn 8:raße, wo gerade ein Tonnenwagen mit rauchendem Kamin aus zwei hohen Rödern dahinfuhr. Dem Wagen r fohlschivirner Brei, wahrschein­

lich Teer, und Männer mit langen S-.angen- brfen strichen die dunkle Fkufslgk.-nt auseinander Eine Schar kleiner Kinder aber stand voll Reu- gier dabei. Die Kinder bekuptkm m l den Händen den schwarzen Drei, putzten fich die Finger an den Kleidern ab, gerieten Ins Gesicht txim.l. johlten voe Beranügen und fingen auf» neue zu tupfen an. Diesen Kleinstadttindem war diele Sache offenbar völlig neu, unb wenn De noch eine Weile fo fort machten, war man bald nicht mehr ber einzige Reger in birfer Gegend...

.Du Schm atz link, du Reger, du aMcheulicherk" ging es jetzt auch In einer anderen Richtung lo».

Manku mußte beinahe lächeln. Run strichen dicke wunder'.'chcn Weihen, die sich den Teufel als einen Mohren vorstellten, allmählich fegar ihre Landstraßen schwarz an. ihre Kinder ober machten fich förmlich etn Vergnügen daraus, kleine Reger zu werden... Da» war wirfl.ch erheilernd Auch der Schmerz im Hals Leß jetzt etwas nach. Unb schon kletterte man auch wieder an der Palme hinaus, dem Nlbernen Mondschifslein entgegen, in bem e.n hulbrrcher Dreis mit weißem Barte faß. Das mußte wohl Gottvater fein...

Don ber Erbe herau* erscholl Beifall, e» war. al» ob sich diesmal die halbe Menschheit

versammelt Mite. Er hatte also wohl tatsächlich den Weltrekord errungen. E» war wirklich ein großer Tag Er bereute sein Kunststück tatsächlich nicht.

Hessisches Landestheaiel.

Da» Hessische Landestheater in Darmstadt ist mit einer Vorstellung de» ganzen 'Bibelungenring» von Richard Wagner den Wünschen des Pub i um» entgegrngekommen. wie dies der außerordentlich starke Deluch der einzelnen Aufführungen b.w ist. Der .Cicgirirb" war wohl die einbrudirollfte Vorftellu- Ile war hauptsächlich b ft mm: durch b e Leistun im eine» Gastes, de» Äammctl jng-tl - emrich Knote, defsen S fa rieb wohl bie 3ugendlichk tt der Erscheinung fcoltc. ber aber stimmlich ein ganz bedeutendes Können enksaltrfe. Knote ist, trotz seiner reifen 3ahre. immer noch ein Ge­sangsgenie. Die .Gölterdämmeruna" bi de c einen guten Ab chluß der Aussührung n D e Lr das Or­chester (Letter Gen ralmu kd.rektor Dr. D ö h m) und die mttwirkenden Künstler schöne Erfolge waren, nur die Regie ließ viele Wünsche uner­füllt Anna Bahr-Mildenburg, die geleierte Wagner-Sängerin, entwickelte in einer Morgenfeier im Kleinen Hause- brt Landes- tHeater» chre 3deen über Mulik und Gebärde. Sie lat dies in einem leichten Plauderton und führte dabei Svenen au» einer Re he von Odern vor. Auch in dieser Form der Darstellung erwies sie sich al» eine hervorragende Künstlerin und entsesselle bei der Zuhörer'choft lebhasle Bei- fan»hmbgebungen. An derselben Stätte war einige Zeit vorher Generalintendant Eberl al» Rezitator vor die Oessent'ich.'eit getreten mit einem ausgewählten Programm, in bem das Gi'gamelch-Epo», Dante» Vöttttche Komödie, Hölderlin» und Goethe» Gedichte in Auswahl vertreten waren Alle Darbietungen, namentlich die Gedichte Voethcs. wurden fehr dankbar ausge­nommen. Weit ab von diesen Weg^n einet Höhenkunst führte der Schwank .Mein Vetter Eduard' Den Zriedmann-Frederich; er ist nach ältesten Schwankrezepten gearbeitet, und seine Aufnahme in den Spielplan ist nur im Hinblick auf die notleidende Theaterkasse entschuldbar. E. &