Nr. 266 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)
Samstag, 12. November 192Z
Oeuffchland und England.
Oie Versuche zu einer Annäherung.
Tor. ®t Toto", o. ö. Professor ber Geschichte an brr Untoetfttät «'.eben
Thenn Me uablrvttbcfl ANenvrröf' entlichungen brr lefini Jabrt mit voller lkuili*fett ergeben haben bah fertlfe Strömungen in ber «Mente auf dne gctDalf'ame Lösung hinbränzten. so haben fle auf ber anbem 6clfe auch gezeigt, bat) Terfuche gemocht merben linb. pollt.lchc Sragen. die venn n-4? zum Är.ege. so doch zur Dcrtchär- 1ut.q ber ®eger.'äfte führen sonnen tninb gegen- fett.gr« «ntgegent-mtm.-n au» ber Weit zu len. Solche Besuche haben nimmlüb Deutschland und Onglinb auf kolonialem Gebiete unternommen
«inen besonder» wichtigen Dünkt, in dem h4> beul'che und englische 3ntrr.4<en kreuzten bi« beten dir ir^:> ich* - Kolon.ca Por.uqals Sie aalten 3li schlecht verwaltet, well bae 'IHutlcrLii^ keine Tl nrl be'a>>, he zu pfl '.en: ja. ein eng- li'chei Gesandter in Ci"abon erklärte e< sür einen Th von tnahmn 'Patriot smus .wenn ein portugiesischer Staatsmann br\ Mut fänbe. den Trr- lau’ de» ganzen Äolonialbe'itK* oorzufchlagen, um durch ben «r!öz da- Mutterland mit den näheren In'eln imeber aus e.ne grfunbe Basis Sl Pellen." Natürlich faßten Deui'chland und ngüinb. :4e Tachlxirn ber portug eflfchen Kolonien. b.e'e Möglichkeit '.ns Auge, un> beide waren darauf Ik ■. . • tut
gelegenen Teile »u ernseeben. Um keinen Konflikt hierüber entstehen zu lassen, schlossen Le an Tuguft 1898 ein geheimes TWommcn, wonach sie den Portug efe.t. falls diele ihre Kolo mm mit ausländttchen Anleihen belaßen mühten, diese Anleihen gern - nfam gewähr.n wollten, um jeden dritten Bewerber, elwa Frankreich, auszuschile* ben. D< nn Portugal gar feine Kolon en aufgeben müsse, tollten sie d.n beiden Geldgebern zufallen Deut chiind loUtc in Westasr ka ein Stüch Angola, im Osten ur. iefa*)r das Land nördlich des Sambesi und endlich den portu- gici.fchen Teil der Sundatnsel T.mor erlangen. Diese Landschaften wurden sogleich für Deutsche, die übrinen für engli'che Iitteressenfphäre er- lÖrf. l*cibe Staaten verpsilchteten sich, in dem Anteil des andern Konzessionen und andere Ansprüche nicht zu erwerven und private Unternehmungen. die natürlich jeder Tat ton offen- standen, durch Me Teuerung nicht unterstützen zu wellen.
Wenn man in Deutschland erwartet hatte. Portugal werbe über kurz ober lang durch einen 6taitebanferott zur Aufgabe ber Kolonien gezwungen fein, so erwies hch das freilich als 3rr- tunt Trotz grob er Schwier gleiten vermochte die Li la honet Tetvcrun.] ihre Verpflichtung^. namentlich m l Hufe ber Zölle u:O «ifenbahnen- nafcmen. nachzukonimen und ihren Kredit im allgemeinen auf recht zuerhalten. Und «nglanb trug dazu bet, b:e beuifchen Hoffnungen zu vereiteln. Denn es schlob im Jahre 1W9 c.nen eignen ®<Mm»ertrafl mit Portugal, dm fogenanntm TdrnMorverlrag. in dem es in Bestätigung und Erweiterung älterer Adkornmeir sich zur Garantie des portugiesischen Besitzstandes verpflichtete. Der Vertrag war rielle.cht tmt dem TDortlaut des deutscheng'.ifchen here.nbar, grwlh nicht mit seinem Geist — beim In bem Vertrag von 1898 gingen beide Kontrahenten von ber Erwartung aus. bah Portugal in absehbarer Zeit feinen Kolonialbesitz liqulb.erm werde ber TD.nbforoer- trag wirrte diel er Vorstellung aber entgegen, «r mu’ltc in Lissabon die Zuversicht enöcifcn, stet» auf Me H Ise «nglanb» ^ur Behauptung der Äolnnlen zählen zu dürfen: die Abneigung, sie zu verpfänden o.'er zu verkaufen, muhte daher wachserr. Sallsbury und Ghamberlanr, die den Vertrag geschlossen hatten, waren auch gewih geg-n fe tschl.nb schuldig gemach« zu habrn. bann sic verhehltrn ihn sorgfältig der deutschen Aegie- runa, die erst bn 3abcv 1012 von feinem Vorhandmscin Kennttris erhielt Aber seine Wirkung tixir oftenlunMg als im 3abre 19M in ber portugiesischen Kammer ein Verlaus der Kolonien angeregt wurde, wies da» die Teqienmg wett von sich. Und in den folgenden Jahren
stieg die Hoffnung auf pol urschen und ftnon* ÄkUen Br > v 's. da Kömg Eduard ge- Ht’fenti h die Freundschaft mit dem König von Portugal pflegte und durch Flotendesuche die traditionelle Freundschaft betont wurde
Auch in anderer Hinsicht gingen Me deuttchen Hoffnungen nicht in Erfüllung Das Auswärtige
:«• erwartet, bc’i tn \r
ressenf phürr grvhe deut chr Uiuemchmungm br- gründet würt-m und hier, da ja englische nach dem Vertrag durch Me englische Teuerung nicht unterstützt werben durften, etwaige englische in dm Schatten stellen und das Land so tn innere Verbindung mit den benachbarten deuifchm Kolonien bringen würden. Aber das ge'chrl) nicht. Das beuttche Kapital ttmrle banui» durch d.e orientalischen Bestrebungen nach anderen Gebieten abgrlenlt und hatte ger'.ngt Teig mg zu TerhanMungcn mit ter p ttug esifchen Te ierung Mo vor kurzem ihre Gläubiger auheror. ntfich geschädigt hatte «ngl.fche Unternehmer liehen sich aber h er durch nicht abfchreckerv erwarben vielmehr allerlei Konzofsi."n.'n. die die Länder bem deutschen «influlle entsremdetm Auch in der deutschen Interessensphäre setztm sie sich fest, und in Deutschland stieg ber Verdacht auf. hast Mc Londoner Tegierung sie in-zehttrzt. etwa durch Vermittlung bes Königs, zu unterstützen verstehe, «s ist kein Wunder, dast man in Deuttchland mit Unbehagen au1 Poriug.esisch-
. bf-.efte und bah man, ah* man brn Ab- schlust von V-Hkimverträgm zw schon «nglanb und Portugal au ahnen begann, in Verbindung mit ber ohnehin steigenden «ntfr-mbung zu England mehr Me vermutete englisch.' 3Ilo«>alität al» dm Mangel an deuttchen Unternehmungm für Ne unerfreuliche Entwicklung verantwortlich machte.
Clne neue Phase setzte ein, als Bethmann Hcllweg durch Begleichung ber kolonialen Schwie- itzke ten die Beziehungen zw schm Cnjlanb und Deutschland zu belfern befehlof) (1912t. Selbstverständlich muf'te ba das Verhältnis zu dm portuaic! schen Kolonien eine Tolle spiel cm. ging doch Itc M bfhmmung in Deutschland gegen England 8um Teil auf die Stellung «nz^mds zu Portugal zurück. Die englische Teuerung, feit bem Sturze der Monarchie in Portugal (1910) mancher Tückfichten eitthoben, ging bereitwillig auf Me Verhandlungen zur Tevisivn des im Jahre 1898 begründeten Dertragsverhältnisfes ein. und binnen kurzem kam man über Me konkreten Fragen zur Einigung (1913). S.e liefen im wesentlichen herauf h naus, bah Deutschland bei einer Austeilung in Angola ein größeres und günstiger dogreaztes Stück als im ersten Vertrage erhalten, dafür in Mosomb que den Engländern ein Stück nördlich tes Sambesi konzeb.eren sollte. Auf! er dem verzichtete Deutschland auf T.mor zu- gunfim Hollands, ba Me Au st rat.er nach bet lleberjeuflung der englischen Regierung Me Festsetzung Deutschlands im Sun>aarchipel ungern •eben würden. Es erhielt dafür die borhxgic- flschen Kakaoinseln San Thomö und Principe vor ber Karneruntüste.
Dos Tbfc-nnnen brachte ohne Zweifel manche Vorteile für Deutschland, aber die Ausführung stand in weitem Felde. Zunächst waren beide Parteien verschiedener Tleinung. ob der Vertrag der portugiesischen Tegierung miigetcitt und veröffentlicht tDeri-en sollte. D.e englische Tegicrung war dafür, tm neuen Vertrag und das Windsorabkommen möglichst bald zu oecoi- fmtlichen, weil sie. wie Grey faate, Gehe.mver- träge nicht mehr schließen wolle. Die deutfche Te- gitrung hatte zwei Bedenken gegen Me Veröffentlichung. Sie war überzeugt. Me deutsche öffentliche Meinung werbe bem VKrchsorvertrag Me Absicht unterlegen, Mc Austeilung bes portugiesischen Kolonialreiches zu verhütrn. und daher der deutschen Tegierang vorwerfen, von England binters Licht geführt worden zu fein; der Absicht, die deutsch-englischen Beziehungen zu bessern, werbe allo Me Deröflentl'ichung gerade entgegenarbeiten. 11 nb Weiler sprach gegen
die ’ofomge Mitteilung, bah deutsche Gesellschaften damals mit ber portugiesischen Tegtmmg um Me Erlangung von Konzell tonen m Angola oehanbclten. t as Auswärtige Amt be’ocgte. Portugal werde feine Genehm gung versagen, fo- oalb es Kenntnis von .'cm Vertrag ethieite Mindestens bis nach Erledigung dieser Aechtsge- schäfte mülle N:ber Mc Veröllmtlichung verschoben werden. Dm Glauben an einen baldigen Zerfall des pvNugie'.schcn Kolonialreiches hatte man jetzt aufgrgctxn. um fo wichtiger erfchtm es tat<ächiich deutsche 3ntereilen in dem Deutschland verheißenen Grd et zu fcha sm. Das Argu- ment Greds neue Geheim >envlge nicht abschlie- 6en zu wollen, nahm man zwar nicht sonderlich ernst, ba man tmihtc bah er mit Frankreich eine gebe mv Martnekonvcr.t.on ?chge<ch ollen hat e und mit Ausland e.n entsprechender Abio- in.-n vordereitetc aber anberrde ts gab in Metern Falle Grcv einen Bcw- s seines gutm Willens, dadurch, bah er englische Kaufleute, d.e in ber Deutschen Interefsen'phärc Unternehmungm begründen wollten, in ihren VerhanMungcn nut Lissabon nicht umerstützle, sondern aus-^cklich
nach Berlin verwies. Schließlich kam man zu einem Kompeom.ll (Aull 1614k «s wurde vereinbart. ci-.stwe.lcn d.c 'äm-'Nentlichung zu verschieben. bis Me M-utich.^Wrpcdir.vn ihr Ziel erreicht habe und dis Mc gleichtznt.gcn Verhandlungen. über Mc Vagdadbahn abgeschlossen fein mürben. Da Nde für Deutschland bcfn.-buienb verliefen, fo me nte man tn Berlin. d.c öffeml.che Meinung werde daraus sich von ber Loyalität Englands in Mden Fragen überzeugen und itch auch mit dem TJmMortvrtrag ab inben. zumal wenn bis dahrn deut che Unternehmungen in der deutschen 3nterellenfphäre ber poriugi I 'chen ÄMonten mit mittelbarer engll cher Unt.r lupung festen Sufj geiaht hätten Tki» SchlBal des atn- kaniichen Vertrags b.ng also von den orten* tali'chen DcrhanMungen ab Zhe Ausgang sollte nach ter jUHiibt der deutschen Teg.crung zu- glcich zeigen, hab in England wie in Deutschland redlicher Mille zur Glättung von internationalen Schwier gleiten vorhanden war und mit dem Vertrauen in den guten V> llen des anderen die Grundlagen de» europäifchen Friedens verstärken.
politische Tagesfragen im Spiegel der tandlagswahlen.
Die Abgeordneten Klingspor und Niepoth in der Wahlversammlung der Deutschen Dollspartei.
3m Saale de» Easö Leib fand gestern abend eine gut befuchie öfeniliche Mählcrversammlung der Deutschen Vvllspartei unter dem Vorsitz von Prof. Dr Ärau# müllet statt. Tad) Ma Begrüstungsworten des Vorsitzenden sprach als erster Tebaer der
Aeichstagsabg. Klingspor-Siegen
Lier tos Thema Teich und Länder". Der Tebr.er ist von jeher ber Au sassung gewesen, taj die Teoolulion von 1913. wenn sie Überhaupt linn.e.i ät) aU ein organischer SnlwicL.ungSvor- gang tm aZ.).ch:lichen TDerbega g u Volles angekten werben sollte auch an dem al ea SchicksalLprodlem deutscher Geschichte, an der Lösung der Frage des deutschen Dualismus nicht dorü .»ergeben durfte. Die T-erfaflung der deuischen Tepub.il bedeute nicht die letz.e. ganz sicher nicht «ine glückliche Lösung de» beutfcien Zwiespaltproblem» deS Dualismus Ls sei ihm (Teöner) etwas unbehaglich, au sehen, wie a ImäMich Me Frage ..Einheitsstaat oder Föderativ st aal“ zum Parteischlagwort geworden sei. Er habe die Sorge, bah daS Gute, bas bisher dieser Sache inne- wohnte auf diese Weise immer mehr in sein Gegenteil umgekehrt werde. Darüber sei er sich klar, dast keine Partei sehr wlllig und sehr gern an Me De-andlung diese» Problems Herangehen werde, weil eben jeder Partei ein gewisses ftar.ei Tef.amingtoemu gcn umewohi e. Die «r- ör erung des «inheitsstaatsproblems bringe starke Unsicherheit in sämtliche politische "Parteien hinein. Wenn sich die Parteidemagogie irgend eines Problems bemächtig«, so werde e» meist auf eine einsachc Formel gebracht, damit ziehe bann der Agitator hinaus aufs Land und gebrauche sie naaj dem allein seligmachenden Par eiprog anm. 3edoch sei lei t P o lern Io schuer und von so auherordentlicher Wichttgkett wie gerade die Fragen Was haben wir hln'ichtiich der UmgeRalnmg. oct Tcfor.i . rung ber Der assung von Weimar noch zu tun to^.m w.r die Sehnsucht des deutschen Volke- erfüllen vollen? Man könne an der Tatsache nicht vorn.-ergehen, dast die heutigen deutschen Länder nicht ine staatliche Zusam- menfaisung deutscher Dvlks^ämme seien. Bet der Gestaltung dieser Länder hatten die früheren rein dynafn'chen Gesichtspunttc. die ^auSmachlpoll.tik eine grvhe Tolle ge'pielt. Deshalo habe auch die Tcvolurion von 1918 dieses Problem n cht an- gefastt. das zu lösen Ne in erster Linie berufen getoikn wäre, wenn sie Ansprauh darauf machen wollte, geschichttich Teue« zu schaffen. Die Machthaber der Tevolutton, die früher in der Opposition sahen und sich dabei so gern gegen den monarchi'chen. aber geschichtlich gewordenen alten Staat wandten, hätten such mit Wohlbehagen auf Me gewaltsam geräumten Throne der Dynastien und die Mintster- und Geheimratssessel
gesetzt, ohne aber an irgendeine organische Umänderung des Verwal.'ungsapparat» zu denken. Daber hatten die Mächte der Tcoolui on schon vorher grundsätzlich die Forderung des Einheitsstaates vertreten. Seines Erachtens fei die «nt- wt.klung au einem vernünftig, nicht nach Iran- »ö:!chem Muster rein zenrrallstifch eingeiU)ieten a.nhcitsstaat eine zwangsläufige Entwialui g. der man sich auf die Dauer n.cht entztehen könne. Wer. toxc der Tedner als 'Adgevrdne: r. gesehen habe, wie in den verschiedenen Teich»Moaroen gcgcimnanber. nebenetnanber ober aneinander vorbei gearbeitet werde, un) sich dabei die gleiche Ausw.rlung auf die Länder vor Augen holte, der mü (e lagen, dah es gerade von, Standpunkt der Wirtschaftlichkeit aus einen erheblichen Gewinn für das Volkeganzc bedeute, wenn durch die Schäftung des E'.ntzeitsftaates bc'cm Zustande em Ende bereitet werde, älnmöglich fet es aber, etwa einzelne Länder nun einfach tn Teichs- prot'.nzen umzugiehen. Das bedeute, den Blick von der Wirll.chlelt abwenden. Der Weg müfic ein anherzr sein, und er werde noch sehr lange Zeit beanipruchen 3r könne sich eine Umformung des Deuttch^.t Teiches zu einer organischen «inhctt nicht anders M-n;en, als dah man an einen Umbau von Grund aus gehe. Dabei werde es natürlich auherordentliche Schwio- rigteiten geben, auch von ör lichen Puvtilular.sten her. Bei der Schaffung der neuen Arb itvamts- behörden habe man eint gute Gel -g-nheit, das Teich beisp.eigebend organllch neu zu gh dem im Sinne einer Dereinhettllchung. versäumt, denn auch hier fei to.eber der Parttkular.smus herrschend gewesen. Man habe hier nicht den Mut Aut Unpopularität gehabt gegenüber den Parti- lularifien. 3m Hinbluk auf dieses Be spiel furchte er (Tedner), dah der Weg zum «inhe-itsstaat noch sehr weil fei. Das dürfe aber nicht hindern, den Gedanken sestzuhalten, ba[) umc aus to.rt- schaftllchen GrünMn ein ganz auberorden lich starkes, übergeordnetes 3ntervlse daran bibcn, unsere getarnte Derwaltuna so einfach^ so billig und so schnell arbeitend wie möglich zu machen. Das könne aber heute mit den vielen Lander- regierunaen und -parlamen'.en nicht erreicht werden. Teben L>en inaerpotittschen. Lien es aber auch fiarle aus»enpvlätsche Gesichtspunkte. M? zu einer Umorganisierung des Staa es zwing.n. Der Tedner streifte hier kurz die Frag.- bes Anschlusses Oesterreichs an das Teich und sprach sich für Me Förderung des Anschluh- gedat.ken» aus. Tur möge dieses Prodi m au» dem Schlagwort kam pf der Par.e.en herausbleiben und Immer der Gegenstand lebhafter Anteilnahme bei allen ernst b.nlenben und ernst meinenden Dcutfchen sein Hoff en! lich würden wir tn nicht allzu ferner Zeit auS e.nem schlecht organisierten in einen besser organ.fierten Staat hi neinf inben.
Kameraden.
Toman von Felix M o e s ch l i n.
Copyright by larl Dnncker, Berlin W 62.
12. Fortsetzung. Nachdruck oerdoken.
..Und der ist nun dlost noch ein Tarne,“ sagte sie (ehe und fuhr liebkosend über Me dunsten Sdjrift* *üge
„3a. bat ist nun bk ost ein Tarne und doch nicht. Dan kann auch sagen, er lebt nrnner noch 3a. Er tut».'
Sie Ichaute ihn zweifelnd an. Weeder durchfuhr et He. 3st er immer noch krank?
Jtr ist m mir', sagte er. „kann man dann nicht sogen, dast er immer noch lebe?“
Sie nickte beschämt. Sie verstand ihn.
-Solche Männer baden unterschriebtn. Man brmichte keinen zu nötigen. Da» kam wie von selber. e» war ein Glück dast nur Papier hatten. Blut hatten wir ja zur Genüge. Da» war weniger selten al» Papcrr. 3m Leben vorher war et umgekehrt gewesen.' Er lächelte. ..Der Krieg, der tft nicht fast- ar. Aber der -chützengroden. der ist fastbar. Er steht am Anfang einer neuen Wett. Do» ist nicht zu bezweifeln. Man fängt wieder von vorn an. 81» Kmd stellt man die groste Frage: Darum, woher, wohin, movi? Dann geu>od"t man sich da» {trogen ab. 3m Schütz»ngraben fon^t man wieder dann: an, unter den ctcrn.-nb.mmeln zwischen Erdwänden, fängt man wieder an. Man bohrt die Ta c m einen Grasbüichel und findet da» tief und schon. Man beschaut mitten tn einem Trommelfeuer eine Schnecke ober eine Fitere und findet da» grost und wundersam. D. man ist roobrhciti^ ein Kind. Denn man schon ein Mann in Sofien ist. Man wird das {tragen nicht los. Die Selbstverständlichkeit der Zustande und Dinge ist erschüttett. Man «pricht von Gon. Hm Hnfang hat man getagt 'Bott tmt uns/ Über ba» hält nicht 'tand. Man iudX nach etnern tte-eren ®o:l Man greift in den fummel und finbet nicht». 5Ran greift tn sich hmein und da findet mar. bas Einzige, was man von ©ort weist. Und so sagt man: ber Mensch ist die Offenbarung Gotte». Man tat es nicht so deutlich, nicht so bestimmt und zu
oerltchUich. aber man sagt e». Andere haben e» sichettich auch schon gesagt. E» tft vielleicht eine alte LZahrheU. Uber es kommt immer darauf an. dast man eine Lahchett crtcbL ü» genügt nicht dast eine Wahrheit blost da ist. 3ch habe ste erlebt. Dast ich sie erlebt habe und nicht ich allein, ist nicht das schon eine Techtterttgung de» Äneges? 3ft es nicht etwa» Groste», zu denken, dast es nur von uns ab- hängt. Me Groste Gotte» zu zeigen? Gott wurde um io stärker in uns, je stärker unsere Kamerad- schcrit mar. Er lebte am größten und stärksten, als wir dieses Papier UTsterschrieben. So grost und stark war Gott noch gar mc gewesen.'
Er lächelte.
..Und nun wuhten wir auch auf einmal, warum wir im Schützengraben. Um Anfang war ber Steg ber Sinn Ms Krieges gewesen, jetzt wußten wir. dah nutzt der Sieg Mr letzte Sinn des Krieges war, sondern etwa» ganz anMres. Wir hatten es zu ahnen begonnen, als der Diepholz geftorben war. wir faden es noch deutlicher, als der schwärz'zu un» zurück- kehrte — Daheim sprechen sie nur von Teuerung,* iagie er. .hier spricht man von Gott. Denn 6ch Mr liebe Gott «elber sucht, wird er sich nur bn Schützengraben ‘inben.* — ffiir horten ihm zu und spürten: za so Ht e». Dir warteten nur noch darauf, diese neue Dell ju bauen. D:r formten nicht baronlaufen, um e» zu tun. Tein, wir muhten austzarren. Aber einmal muhte der Gedanke und Mr Dille auf beiden Seiten so grost und so mächtig fein, dah w.r zur ßichen Zeit aus den Schützengraben hr rau »stiegen, nn war die Stunde ba. Denn anr aut beiden weiten mühe waren, in Untätigkeit zu warten, statt Me neue Dell zu bauen, die Dell, ane lie ÄameraMn bauen, dann waren wir erföit. Dir leb-^n >a nur noch für dieses Tachher. Und wir wuhten jetzt auch ganz genau, warum die Dell bi» jetzt nicht recht aul- gebaut worden war. Da» Geld war baren schuf- gewesen. Me Feigheit, alle die Äbban^igffiten Ms bür- ^erlichen Lebens. Me ängitlidx Tui^ichttwhme auf ^rau und Kind.... Dah wir nn cdxjpergraben als Kameraden mit einander lebten, da» dünkte un» nicht lellsam. Ader wir wuhten. dast cs nachher, wenn keine Granaten, keine Mmen und txrgi'leten Gase mehr drohten, dah es nachher, in diesem sogenannten Frieden jelfiamer Weise schwerer sein werde, Äxune- roden zu sein. Und dennoch unterschrieben wir bas Gelöbms. Dir fühlten uns so stark, dah wir vor
nicht» zurückschreckten ... D, auch Mr Frieden sollte uns nicht unterkriegen!'
Er bitte ihr bas Papier aus der Hand genommen unb hielt cs mit beiden Händen, als fürchte er, man könnte cs ihm entreißen. So hält ein Pfarrer ba» (£oa ngriium.
Eie schaute zu ihm auf unb litt Me Schmerzen dessen, Mr mehr weih, als Mr andere. Die sollte er bas ertragen können, was brausten war? Muhte sie chm sagen, was sich ereignet hatte? Lorn Frieden bis zum Verluste seines vermögen»? Sam Kample aller gegen alle? Som Ichamlo'cn Eigennütze und von Mr unerbittlichen Kücksichtstosigkett tm täglichen Leben? Son der Lüge, von Mr Gier, vom Betrug? Sie fürchtete, dast er zerbreche, wenn er Mesen Dingen gegen über gestellt werM. ohne e» zu wissen. Er war birnMr als ihr Blinder.
Er starrte immer noch auf die Botschaft bes Schützengrabens.
..vielleicht sind sie doch nicht alle tot', sagte er, „ich will Me Lebenden suchen.'
halblaut las er die Tomen, schneller Mn einen, langsamer den andern, während Me Menschen vor ihm aufttanMn, reicher oder ärmer in ihrem Deien, mächtiger oMr bescheidener, Zwiesprache mit ihm hallend, oder Most stumm winkend unb wieder Der- schwindend.
Bi» sie einen Tarnen hotte und erschrak.
„®as sagtest du?' rief sie unwillkürlich unb prehie auch schon bereuend die Hand gegen den Mund. Darum hatte sie nicht schweigen können? Er schaute sie an, wie erwachend, und fragte verwundert: ..Das ich sagte? Peter Grundt. sagte ich ... Weiht bu etwas von Peter Grundt?'
Sie war nasch auigestanden unb ans Fenster getreten. „Tein, ich kenne Peter Grundt nicht.'
12.
„Du muht ihn doch kennen.' sagte Georg.
„Tun ja, ich wuh:e von ihm. aber bas bedeutet doch nicht, dah ich jetzt etwas von «hm weist.'
. Marianne', sagte er. „heißt nicht unser versprechen Wahrhaftigkeit^'
„Tun denn', tagte sie und drehte fich um, „ja er lebt, ausgerechnet Peter Grundt lebt. Er war nicht tm Schützengraben, als die Mine in d e Luft flog." Sie erzählte ihm Beter Grundt» Schicksal und ftchr bann rasch fort: „Aber ich werde tun, was ich kann.
y-in’il öu ihn nicht triffst. Du dattlt chn Nicht trehen." Sie eilte auf chn zu und sastte ihn an beiden Händen.
„Denn er lebt, muh ich chn treffen, er hat unter- schrieben.'
Sie lachte auf. „Dann hat er es vergessen.' Sie änderte den Ton. „Denn dir dein Leben lieb ist, dann geh nicht zu ihm.'
„Dann wäre es also gefährlich.' Er lächelte. „Damit schreckst bu mich nicht. Mein Leben ist mir lieb, o, ich weist ba» Leben vielleicht richtiger ttnzuschägen al» irgend ein anderer. HMr die» ba', er beutele auf bas Papier, „ist mir noch lieber.' Er faltete es jufammen. versorgte es an feinen allen Platz und barg den Beutel wieder an seiner Brust.
„Georg', sagte sie, hätte gewünscht, es wove ein anderer, Mr dir alles erklären nwstte. Du wirst letzt in bas Leben hmausgehen, wie man so sagt. 3d) gebe zu, dast es nicht bas rechte Don ifL Denn auch bu bist im Leben gewesen und btft tm Leben, bu brauchst nicht erst hi nein zu gehen. Doch du kannst nicht ewcg in dieser Stube Meiden w>e in einem 81 öfter, unb du wirst es auch nicht wollen, bu mit deiner Blutschrift, von Mr bu alle» Heil erwartest. Mögest bu das Heil gewinnens Bocher aber muh ich Mr noch einiges sagen. Weil e» besser ist, dah >ch es dir sage, als wenn e» ein anderer dir sagt, fei es mm Peter Grundt oder irgcndwer. Setz dich und höre zu. E» Ist keine kurze Geschichte, wenn man sich auch noch so kurz saht. Du wirft nccht alles oersteben, denn ich verstehe auch nicht alles, und es gibt üoer- Haupt niemand, der alles versteht, die Zeitungen unb die Professoren hegen sich heute noch in Mn Haaren, unb ste werden sich wahrscheinlich noch lange in den Haaren liegen. Das geht uns ja nichts an. denn wir brauchen ja nicht zu wissen, warum es geschah unb geschieht, e» penüat, wenn wir wissen, bah es geschieht unb dast wir aufrecht bleiMn, dessen ungeachtet. Zum ersten muh ;6) Mr sagen, dah der Krieg nicht zu EnM gegangen ist. wie bu es Mr gedacht h:ft unb wie es viele gedacht haben und wie es vielleicht am besten gewesen wäre für alle mitein- ander in Europa. 3«h kann das nicht genau beurteilen, du muht die rechten Männer frfcaen, die bas wissen. Jedenfalls sind mir besiegt worden, und es ist zu Ende mit unterer Macht unb Pracht.'
„Ls braucht nicht Macht und Pracht.' (Fortsetzung folgt)


