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gebung von Landsberg ausgeführt. 2lm 20. Mai hätten mehrere höhere Offiziere der Reichswehr unb Vertreter des Kriegsministeriums die Arbeiten besichtigt und von den Posten Besitz ergriffen. Im übrigen, so erklärt der Korrespondent, könnte man nicht eine lange Periode ohne Konflikte mit Deutschland erwarten. Es werde eine Schein ruhe herrschen, in der man immer mehr von der Verbrüderung der Völ­ker sprechen werde. Deutschland werde dabei von Frankreich die Abrüstung fordern und mit der Erhöhung seiner E ffektivbestände und Kriegsmaterialvorräte drohen. In Frank­reich werde es, bemerkt der Korrespondent, sicher­lich nicht an Friedensaposteln fehlen, die dem deutschen Stanbpunkt Recht gäben.

Es ist interessant, zu beobachten, welches Entsetzen die nationalistischen und militaristischen Kreise in Frankreich vor dem Gedanken ersaht, dah Deutschland nun fortgesetzt unter Hinweis auf seine eigene Abrüstung auch die Abrüstung Frankreichs als beste Granatie für den Frie­den propagieren könnte.

Fort mit der Besatzung!

Ein neuer Zwischenfall im besetzten Gebiet.

Oberstein, 11. Juli. (LU.) Heute nach­mittag gegen 4 Uhr überfiel ein Angehöriger des hiesigen Alpenjäger-Bataillons eine Frau, die mit ihrem Söhnchen spazieren ging, und versuchte sie zu vergewaltigen. Die Frau und der kleine Junge wehrten sich verzweifelt. Es gelang ihnen, den Unhold so lange hinzuhalten, vis auf das Geschrei hin ein Spaziergänger zu Hilfe eilte. Der sofort von der deutschen Polizei in Gemeinschaft mit der französischen Gendarmerie eingesetzten Verfolgung gelang es, den Täter nach kurzer Zeit zu verhaften. Er ist un­verzüglich in Untersuchungshaft genommen worden.

Die Liquidationsschäden.

Die Forderungen der Geschädigten.

Eigener Drahtberichl desGießener Anzeigers".

Berlin, 12. Juli. Die Liquidations- und Verdrängungsgeschädigten veranstalteten im Zir­kus Busch eine große Protestkundgebung, in der sie vor allem gegen die augenblickliche Aussetzung der Behandlung des Gesetzes zur Re­gelung der Entschädigung der Drrdrängungs- und Liquiöationsschäden opponierten.

Taktisch dürften dabei die Geschädigten, die gestern zu Worte kamen, Recht haben. Einmal hatte der Reichsfinanzminister sdie Erledigung dieses Gesetzentwurfs bis zur Sommerpause zu- gesagt, und diese Zusage auch stets wieder­holt. Zum anderen ist es auch richtig, dah dio große Rot der Geschädigten eine dringend« Abhilfe erfordert. Auf diesem Starcdpurckt steht jedoch auch die deutsche Reichsregierung. Daß daS Gesetz nicht so schnell durchgeführt werden konnte, wie eS wünschenswert gewesen wäre, liegt in der außerordentlich schwierigen Materie selber begründet. Es galt nicht nur die nötigen Gelder zu geben, es galt vor allen Dingen auch eine Form zu schaffen, auf Grund der die Entschädi- aungen vorgenommen werden konnten. Aus diesem Grunde haben sich die zuständigen Ressorts ein­gehend mit dieser Frage seit Monaten beschäftigt, und sind schließlich nun dahin gekommen, rund 9 0 0 Millionen Mark für die Ent­schädigungen einzusehen. Daß diese Summe nur einen Tropfen auf den heißen Stein ist, dürfte klar sein. Die zuständigen Stellen er­klären jedoch, dah es ihnen in Anbetracht der außerordentlich schwierigen Finanzlage des Rei­ches nicht möglich sei, auch nur eine eimger- mahen günstigere Regelung durchzuführen. Ge­rade an dieser Stelle haben wir deshalb auch immer wieder unterstrichen, daß eine Entschädi­gung der Liquidationsgeschädigten nur im RahmendeswirtfchaftlichMöglichen durchgeführt werden könnte. Geschädigt sind wir alle. Es gibt' Wohl keinen, der nicht sein Ver­mögen im Kriege und «ach dem Kriege verloren hätte. Wir haben den Krieg, verloren, den Verlust müssen wir also alle in gleicher Weise tragen.

Ob es möglich gewesen wäre, den Interessen der Liquidationsgeschädigten noch weiter entgegen­zukommen, läßt sich, zumal der Gesetzentwurf im einzelnen noch nicht bekannt ist, jetzt noch nicht sagen. Man muß deshalb auch erst abwarten, wie sich die Dinge im Herbst entwickeln werden. Das Parlament dürfte ja schließlich auch noch ein Wort mitzureden haben, so daß eine andere Rege­lung noch keineswegs ausgeschlossen scheint. Daß der Gesetzentwurf nicht bis zum Schluß der Reichs­tagstagung erledigt werden konnte, liegt wohl weniger an einem Mangel an gutem Willen, als an technischen Schwierigkeiten. Die zu­ständigen Stellen versichern uns jedoch, daß alles ge­tan wird, um die Frage in der außerordentliä>en Septembertagung zu regeln. Man kann die Er­regung der Liquidationsgeschädigten wohl begreifen. Ihre Frage muß auf alle Fälle geregelt werden. Das ist von jeher unser Standpunkt gewesen. Und wenn die Kundgebung wenigstens soviel erreicht haben dürste, daß es nunmehr keinenAufschub mehr in dieser Frage aibt, so wäre dies ja auf jeden Fall zu begrüßen; die Einzelheiten der Rege­lung firö) ja dann, wie sckon gesagt, immer noch der Septembertagung überlassen.

britische Lage in Frankreich.

Paris, 12. 3ull (wTv. Funkspruch.) Ein Beschluß des Finanzausschusses der Kammer, die Beamtengehälter rückwirkend ab 1. August 1926 zu erhöhen, erfordert eine Mehrausgabe für das Budgetjahr 1926/27 von 425 Millionen Franken. Finanzminister Poincars hat sich ent- schieden geweigert, über den Regierungsvor- schlaa hinauszugehen. Die Lage ist kritisch. Der Ab­geordnete Blum schreibt imPopulair":Menn ein Teil der durch ihre Niederlage in der Wahlrechts­reform verstimmten Opposition sich den Links- Parteien in der Frage der Erhöhung der Ve- amtengehälter anschliehen sollte, so wäre eine Minlsterkrise wahrscheinlich."

Eine Wehrwoche in Rußland.

Moskau, 11. Juli. (Wolff.) Gestern begann auf dem ganzen Gebiete der Sowjetunion die Ver­anstaltung der sog. Wehrwoche. In den Be­trieben wurden Versammlungen abgehalten, in denen die Fragen der Landesverteidigung be­handelt wurden. Es wurden Schützenvereine gebildet und militärwissenschaftliche Zirkel organisiert. Man veranstaltet große Sammlungen für einen Flugbaufonds unter der Svitzmarke:Unsere Antwort auf Chamber­lain". Zn derJstwestija" weist Rykoff darauf hin,

i Nochmals die

Am 18. ds. Mts. tritt der Arbeitsausschuß und am 23. der Beirat der Reichspostgesellschaft zusammen und diese Körperschaften werden sich von neuem mit der Erhöhung eines Teiles der Postgebühren zu beschäftigen haben. Diese An­gelegenheit hat einen recht merkwürdigen Ent­wicklungsgang hinter sich. Als zum ersten Male die .Absicht der Reichspostverwaltung bekannt­gegeben wurde, eine Erhöhung der Gebühren, namentlich des Portos für Briefe und Post­karten, vorzunehmen, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Die Reichspost begründete den Schritt ausschließlich damit, daß sie in ihren Gebühren­sätzen mit der allgemeinen Preis­erhöhung nicht Schritt gehalten habe und infolgedessen jetzt, wo die Unkosten immer mehr stiegen, vor der drohenden Gefahr eines Defizits stehe, das auf andere Weife nicht verhindert werden könne.

Im Licht der heutigen Kenntnis der tatsäch­lichen Verhältnisse muß man sagen, daß das Vorgehen der Reichspostvrrwaltung und ter ihr nahestehenden politischen Persönlichkeiten alles andere als geschickt gewesen ist. Selbstverständ­lich wurde die Angelegenheit auch im Reichstag zur Sprache gebracht und dort kam es ja auch zu einer Abstimmung, in der die Reichsregierung ersucht wurde, auf den Reichspostminister im Sinne der Zurückziehung des Vorschlages einzuwirken. Daß die Abstimmung für die An­tragsteller und gegen die Koalitionsparteien und die Regierung ausfiel, war mehr oder weniger ein Zufall. Aber bei jener Gelegenheit gab Reichspostminister S ch ä h l zum ersten Male den eigentlichen Grund der Gebührenerhöhung, gewissermaßen in einer Randbemerkung kund. Es sollen so zum nicht geringen Teil die er­forderlichen Mcktel zur Erhöhung der Be- amtenbefoldung gewonnen werten. Man geht Wohl nicht fehl in der Annahme, daß das Ergebnis der Abstimmung ein anderes gewesen wäre, wenn man nicht von Anfang an so ge­heimnisvoll getan und alle Eingeweihten himmel­hoch gebeten hätte, ja nichts von diesem eigent­lichen Zweck verlauten zu lassen. Manche Mit­glieder ter Opposition erklärten nach der Ab­stimmung, daß sie ganz anders gehantelt hätten, wenn ihnen rechtzeitig der eigentliche Zweck bekanntgegeben wäre, denn auch sie verhehlen sich nicht die Schwierigkeiten, vor denen ter Reichsfinanzminister bei Beschaffung der erforderlichen Mittel für die als unum­gänglich notwendig anerkannte Erhöhung der Beamtengehälter steht.

Rach Maßgabe der Rechtslage hätte sich der Reichspostminister um das Ergebnis der Abstim­mung im Reichstag nicht zu kümmern brauchen, da die Reichspostverwoltung ein selbständiges kauf­männisch geführtes Unternehmen ist und die Kon­trolle im Ramen des Reiches vom Beirat und dessen Arbeitsausschuß ausgeübt wird, während der Reichstag nur das Recht hat, mitzuraten, nicht aber mitzutaten. Auf den Rat des Reichs­kanzlers jedoch glaubte sich der Reichspostminister als parlamentarischer Minister verpflichtet, seinen Entwurf, der dem Verwaltungsrat vorlag, zurück­zuziehen. Wenn er nunmehr einen ganz ähnlich gearteten auf Einzelheiten kommt es hierbei nicht an Entwurf von neuem vorlegt, nachdem der Reichstag in die Ferien gegangen ist, so wird mancher geneigt sein, darin eine lleine Komödie zu erblicken, und das ist für einen Minister nicht sehr erfreulich. Man hätte sich das alles ersparen lönnen, wenn man nicht so lange mit der Wahr-

daß die Wehrwoche nur den Anfang für die Ar­beit des Landes zur Sicherung der Landesverteidi­gung darstelle. Man werde diese Arbeit mit größter Beharrlichkeit durchführen.

Nußlands Kampf gegen die Konterrevolutionäre.

Neue Spionageprozesse in Moskau.

Moskau, 11. Juli. (Wolff.) Im Spionage­prozeß Druschilowski erklärte der Angeklagte Druschilowski, daß er gefälschte Do­kumente für Bulgarien nach unmittelba­ren Anweisungen des bulgarischen Gesandten in Berlin, P o p o f f, angefertigt, der jedesmal ganz genaue Instruktionen erteilt habe. Popoff habe Verbindungen mit dem englischen Hauptmann Harry Holse unterhalten, der nach den Angaben Druschilowski an der Organi­sation ter Sprengung der Kathedrale i n S o f i a am 15. April 1925 teilgenommen habe. Bor der Sprengung hatten Holse und Zankow in Sofia in der Wohnung eines engli­schen Agenten eine Zusammenkunft gehabt. Druschilowski erklärte weiter, der berüch­tigte Sinowjew-Bries sei von den Agenten des englischen Geheim dien st es, ten russischen Emigranten Baldardt und Gumanski, hergestellt Worten, die dafür 80 Pfund er­halten hätten. (Anm.: Von ter Berliner Bulgari­schen Gesandtschaft wirdWolffs Telegraphen- Büro" mitgeteilt, daß die Erklärungen Druschi- lowskis jeder tatsächlichen Grundlage entbehren und von A bis Z aus der Luft gegriffen sind.)

Im Zusammenhang mit ter Aufdeckung einer ausgedehnten Spionageorganisativn, die von dem Agenten des englischen Geheim­dienstes B o h c e, einem Angestellten der eng­lischen Gesandtschaft in Helsingfors und später in Reval geleitet wurde, wurden 25 Personen in Leningrad verhaftet. Der eng­lische Geheimdienst betrieb unter Mithilfe von Monarchisten und Personen des finnischen Spio­nagedienstes seine Spionage im Gebiete des Leningrader Militärbezirkes. Er in­teressierte sich besonders für die rote Armee und die rote Flotte und für die chemische Kriegs­industrie. Unter den Verhafteten befinden sich ehemalige Marineoffiziere und Angestellte der Militär- und Staatsverwaltung. Die Verhafteten werten demnächst vor Gericht gestellt werden.

Die Untersuchung hat ergeben, daß das Drä­sinenunglück vom 7. Juni, bei dem Opanski, stellvertretender Vorsitzender ter weißrussischen politischen Staatsverwaltung und sein Chauffeur getötet wurden, durch einen Verbrecher is chen Anschlag herbeigeführt Worten ist. Die Dräsine ist in voller Fahrt gegen einen auf die Schienen gewälzten Stein ge­fahren. Weiter wurde durch die Untersuchung fest- gestellt, daß in ter Rähe ter Unglücksstelle zwei Unbekannte sich aufhielten, die in dem Augenblick des Unglücks schnell in ter Richtung nach ter Grenze verschwanden. Die Verbrecher sind bis­her nicht ermittelt Worten.

Postgebühren.

beit hinter dem Berge gehalten hätte.

Wenn man sich nun aus dem oben angeführ­ten Grunde einigermaßen mit dem Grundgedanken einer Erhöhung der Portogebühren abzufinden versuchen muß, so bleiben doch noch sehr ge­wichtige Einwände bestehen. Unsere ge­samte Wirtschaft, namentlich das Reklamewescn, ist auf Benutzung der Post zu ganz niedrigen Portosähen angewiesen. Eine Erhöhung um rund fünfzig Prozent würde für ganze Industrie- und Handelszweige eine schwere Einbuße bedeuten, jedenfalls eine völlige Umstellung, sogar Um­wälzung auf dem Gebiete der Preisbildung zur Folge haben. Das sind also tief einjschneitenda Maßnahmen, die in ihrer vollen Auswirkung sehr reiflich überlegt werden müssen. Beirat und Ar­beitsausschuß, in denen Mitglieder des Reichs­tages sitzen, werden die wirtschaftlichen Folgen sehr sorgfältig prüfen und entscheiden müssen, ob nicht doch auf anderem Wege eine bessere Gestaltung des Verhältnisses zwischen Einnahmen und Ausgaben der Postverwaltung herbeigeführt werden kann und ob nicht sonst ein sehr viel größerer Schaden angerichtet wird, als die Er­zielung höherer Einnahmen vorteilhaft wäre. Er­freulich ist das ganze Kapitel der Portoerhöhung auf keinen Fall.

Die neue Vorlage.

Berlin, 11. Juli. (Wolff.) Das Reichspost- ministerium hat, dem Beschluß des Verwaltungs­rates ter Deutschen Reichspost entsprechenb, nun­mehr nach Llbschluß der Verhandlungen im Haus­haltsausschuß des Reichstages eine neue Ge­bührenvorlage fertiggestellt und dem Ver­waltungsrat zugehen lassen, in der die Wünsche des Reichstages und te8 Arbeitsausschusses des Verwaltungsrates nach Möglichkeit berücksichtigt worden sind.

Heber ten Inhalt ter neuen Vorlage weih dasBerliner Tageblatt" folgendes zu berichten:

Die Grundlage ter Gebührenerhöhung ist die Erhöhung der Porti für Briefe und Postkarten. Das Porto für Ortsbriefe wird von 5 auf 8 Psg., für Fernbriefe von 10 auf 15 Pfg., für Ortskarten von 3 auf 5 Pfg., für Fern- karten von 5 auf 8 Pfg. erhöht. Künftig gilt nur das Einheitsdrucks achen-Porto von 5 Pfennig, jedoch mit der Ausnahme, daß Druck­sachen in Form einfacher Postkarten nur mit 3 Pfg. gebührenpflichtig sind. Die in ter früheren Vorlage geplante Heberweisungsgebühr im P o st- scheckverkehr fällt fort, aber das Porto für Briefe der Postscheck-Kunden an die Postscheck­ämter wird auf 5 Pfg. festgesetzt. Für den Pa­ketverkehr werden statt der bisher bestehen­den drei Zonen fünf Zonen geschaffen, wodurch sich für manche neugeschaffene Zwischenzone ter Versand noch billiger stellt als bisher. So soll die Gebühr für ein Funf-Kilogramm-Paket in der neuzuschaffenten zweiten Zone von 80 auf 70 Pfennig ermäßigt werden. Das Porto für das Emkilogramm-Päckchen soll von 30 auf 40 Pfg. erhöht werten. Eine Erhöhung der Rundsunk- gebühren ist nicht vorgesehen. Das Reichs­postministerium hofft, die neuen Gebühren be­reits am 1. QIu gu ft in Kraft setzen zu können mit Ausnahme der Gebühren für Pakete und Zeitungen. Diese, sollen erst am 1. Oktober in Krclft treten. Der finanzielle Ruhef fekt ter neuen Gebührenordnung wird auf 208 Mil­lionen Mark im Jahre, und für den Rest des lau­fenden Jahres auf 139 Millionen Mark geschäht.

Das ReichsschMgesetz.

Die Vorbereitung für die Herbsttagung des Reichstags.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 12. Juli. Der Reichstag hat sich am Samstagnachmittag vertagt und wird nun voraus­sichtlich Ende September wieder zusammentreten, um in einer kurzen Herbsttagung vor allem zwei wichtige Vorlagen zu erledigen, deren Verabschiedung von den Parteien als dringlich bescheinigt worden ist: Den Entwurf des Reichsschulgesetzes und den des Liquidationsschädenge- s e tz e s. Ob es zu dieser Herbstsession kommt, hängt damit natürlich davon ab, ob es den angestrengten Bemühungen der Koalition gelingt, diese beiden Vorlagen während der Ferien spruchreif zu machen.

Im Reichstag nimmt man an, daß diese Be­mühungen zu einem Erfolg führen werden. Aus der anderen Seite ist für den Augenblick nicht zu verhehlen, daß alle bisherigen Verhandlungen in der außerordentlich schwierigen Materie des Reichs­schulgesetzes n o ch n i ch t zu einer restlosen Einigung geführt haben. Infolgedessen steht der endgültige Entwurf noch keineswegs fest. Alles hängt noch 'von den Verhandlungen ab, die zur Grundlage einen Entwurf an, der auch vom Standpunkt des feder­führenden Innenministeriums aus nicht als un­abänderlich angesehen wird. Ob die optimistischen Schätzungen recht behalten, daß der Entwurf im Laufe der nächsten Woche soweit gebracht werden wird, daß er für die Weiterleitung an den Reichsrat reif ist, muß zunächst abgewartet werden. Rach dem, was bisher durchgesickert ist, liegen die Hauptstreit- punkte vor allem in der Schulaufsicht und der Frage der S i m u l t a n s ch u l e. Um diese beiden Dinge geht es von entgegengesetzten Standpunkten aus namenllich dem Zentrum imb der Deutschen Volkspartei. Am Samstag ist man nun soweit ge­kommen, daß die Besprechungen mit den Fachleuten der Fraktionen als vorläufig beendet gelten können. Der Reichs-Innenminister hat mit den Herren noch einmal verhandelt, und zwar in Einzelbesprechun­gen, und im Laufe des Spätnachmittags hat dann die übliche Ministerbesprechung stattgefunden. Die wei­teren Arbeiten liegen nun beim Kabinett, und wenn das Kabinett den Entwurf verabschiedet hat, wird der R e i ch s r a t zu sprechen haben, damit die Herbstsession des Reichstages auch dieses Werk ab­schließen kann.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg bat Montag vormittag dem Zoologischen Garten einen längeren Besuch abgestattet, der in erster Qinie der Besichtigung der Tiere galt, die ihm der Regent von Abessinien zum Geschenk gemacht hat.

Der Reichskanzler hat dem ehemaligen Reichskanzler Prinzen Max von Baden zur Vollendung des 60. Lebensjahres telegra­

phisch die aufrichtigsten Glückwünsche ter Reichs­regierung ausgesprochen.

Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Aufwertungsgeschädigte und Mieter- organisativnen hat nach dem endgültigen Scheitern ihres Versuches, ihrenGesetzentwurf zur Wieder­herstellung des Dolksvermögens" zum Volksent­scheid zu stellen, beschlossen, die von ihr bereits im Januar v. I. ins Leben gerufeneReichs­partei für Volksrecht und Aufwer­tung nunmehr mit allen verfügbaren Kräften! und Mitteln auszubauen, um auf dem Wege einer politischen M a ch t e n t f a l t u n g für die Erreichung ihres Zieles weiterzuarbeiten.

Aus aller Welt.

Der falsche Hoheuzoller.

Köln, 11. Juli. (WTB.) Am Montag be- gaim in demselben Raum, in dem sich der Gift­mordprozeß gegen ten praktischen Atzt Dr. Broi­ch er und die Witwe Oberreuter abgespielt hat, die Verhandlung gegen den falschen Hohenzollem- prinzen Dome la. Die lange Untersuchungs­haft scheint dem Angeklagten körperlich nichts angetan zu haben. Er zeigt in der Verteidigung eine ungeheure Geschicklichkeit, ist sicher im Auf­treten und zeigt eine gewisse Eleganz ter Be­wegung. Rach der Anklage soll Dvmela als Baron von Herxleben in Frankfurt a m M a i n Geld erbeutet haben etwa 50 QNk. , zweitens bei der Richte eines Schriftstellers, bei der er in Stellung gewesen ist, unter Vor­spiegelung falscher Tatsachen 250 Mark er­schwindelt haben, drittens in einem Hotel in Dresden eine Rechnung von 35 Mark unbezahlt gelassen haben, viertens in einem Hotel tn Berlin wertlose Sachen gegen ein Darlehen versetzt haben, fünftens in Heidelberg erhielt erals Prinz Lieven von einem Baron 50 Mk., sechstens: in Gotha bat er kurz vor seiner Qlbreise als Prinz Wilhelm von Preußen 120 Mark ge­liehen, siebentens: in Köln soll er unter fal­schen Vorspiegelungen 20 Mark erhalten haben. Aus ter Vernehmung des Angeklagten ergibt srch, dah er ein Opfer des Krieges und ter Rachkriegszeit geworden ist, dah er hin- und hergeworfen wurde, durch die verschiedensten Be­rufe hindurchging, aber infolge seines Aben- teurersinns nirgends lange aushielt. Er war nacheinander Landarbeiter, Ziegeleiarbeiter, Mit­glied verschiedener Freikorps, arbeitete in einer Bücherei, war Diener. Aus seiner schiefen Ebene benutzte er schließlich feine Kenntnisse von Per­sonen imb Vorgängen in gewissen Kreisen und seine entfernte Qlehnlichkeik mit dem Prinzen! Wilhelm von Preußen und beutete sie dank ter Leichtgläubigkeit ter Betroffenen aus, bis ihn schließlich das Schicksal auf die Anklagebank führte. Zu der Annahme von falschen, hoch- flingenten Ramen und Titeln will er durch seine Erfahrungen gekommen sein, daß für einen baltischen Baron ober sonst hochgeborene Herren überall Hilfe und Unterstützung vorhanden war, wahrend ber Bürgerliche auf Ablehnung stieß. Der Staatsanwalt beantragte wegen rückfälligen Betruges in fünf Fällen unter Zubilligung mil­dernder Umstände eineGesamtgefängnis- ftrafe von neun Monaten unter Anrech­nung von sechs Monaten auf die Untersuchungs­haft. In zwei Fällen beantragte der Staatsan­walt Freisprechung. Das Urteil lautete wegen- Betruges in vier Fällen im Rückfall auf f t e b e n Monate Gefängnis unter Anrechnung ber älnterfuchungsh ast.

Dos Eisenbahnunglück im harz.

Die Untersuchung, die seitens der Aufsichts­behörde der Reichsbahn und des Reichsverkehrs­ministeriums über den Unglücksfall eingeleitet wor­den ist, hat ergeben, daß die Direktion der in Frage kommenden Privatbahn das Möglichste getan hat. Mit der Naturkatastrophe hat niemand rechnen können. Die übrigen Bahnen im Harz sind frei- gegeben worden. Sollten sich noch Anhaltspunkte ergeben, welche die Schuld eines Einzelnen wahr­scheinlich machen, so wird die Untersuchung ein­geleitet werten.

Schwerer Unglücksfall bei einem Schulausflug.

Zwei Landschulen hatten einen Ausflüg nach Kolberg unternommen. Rachmittags badeten die Mädchen, wobei ein 13jähriges und ein 10- jähriges Mädchen ausglitschten, von ber Strö­mung mitgerissen tourten und ertranken. Zwei andere Mädchen rettete ber aussichts- führente Lehrer.

Die Brandstiftung am Neustrelitzer Stadttheater.

In Felbberg in Mecklenburg hatten sich in ber letzten Zeit fünf Dränte von Stallun­gen ereignet, die unzweifelhaft auf Brand sttf- tung zurückzusühren waren. Als in ber Rächt zum Sonntag bie Scheune des Hotels Pfitzn« in Flammen aufging, wurde ber 17jährige Bäckerlehrling Heisler aus ReufireÜtz beobachtet, Iber brennendes Papier durch ein Loch in bie Scheune gesteckt hatte. Der jugendliche Verbrecher tourte halb darauf ver­haftet und gestand nach anfänglichem Leug­nen, nicht nur bie Bräute in Felbberg gelegt, sondern auch am 15. Januar 1924 bas Landes- theater in Reustrelitz angezüntet zu haben, in bem sein Vater als Theaterbiener tätig war. DaS Theater tourte damals mit seinem gesamten Fundus vernichtet.

Bei nächtlichen Filmaufnahmen verunglückt.

Die Filmschauspielerin Helen v. Münch- Hofen verunglückte bei einer Nachtaufnahme bei München. Sie hatte in einer Filmszene einige Pferde zu halten, bie bei dem plötzlichen Auf- flammen ber Scheinwerfer scheuten und durch - gingen. Die Künstlerin tourte rnitgeschleift unb erhielt mehrere Hufschläge. Sie hat schwere Verletzungen davongetragen.

Elefantenjagd in einer amerikanischen Stadl.

Ein Eisenbahnzug fuhr in eine Herbe Ele­fanten des Hagenbeck-Wallace-Zirkus hinein, als diese in Aurora (Illinois) ver­laden werden sollte. Gin Wärter und ein Ele­fant wurden getötet und mehrere Elefanten verletzt. Der Rest der wild gewordenen Herbe raste zwei Stunden lang durch die Straßen von Aurora. Erst bann gelang es, bie Elefanten wieder einzufangen.

Wettervoraussage.

Wolkig, auch aufklareNd, warm und vorwiegend trocken.

Sonnenscheindauer: 6i Stunden.

Heutige Morgentemperatur? 16,3 Grad Celsius.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Zeitweise wolkig, Temperatur wenig verändert, in der Haupt­sache trocken.