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Nr. 160 Erstes Matt

Dienstag, 12. Zuli <927

177. Jahrgang

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aus unbestimmte Zeit vertagt.

Genf, 11. Süll (Lil.) Die für heute mittag einberufene zweite Vollsitzung der abrüftungskonferenz ist auf unbeftimmte vertagt worden. Das Sekretariat der

hat zahlreiche Todesopfer gefordert, lieber 150 Familien wurden obdachlos. Von der Arbeiter­kolonie in Han-Kram werden allein 9 0 Pe r - onen vermißt. Der Vrand dehnte sich 48 Quadratkilometer aus.

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Berlin. 11. Juli. Der Umfang des furcht­baren Unglücks im Erzgebirge läßt sich erst jetzt einigermaßen übersehen. Alle Eisenbahn­strecken und Fahrstraßen, dreißig Kilo­meter lang von Pirna aus gerechnet, sind so zer­stört, daß zu ihrer Wiederherstellung einige Mo­nate nötig sind, zumal auch alle Drücken voll­ständig zerstört worden sind. Die beiden Städt­chen Gottleuba und Derggießhübel mühten ganz neu projeziert werden. Sieben oder acht Fa­milien in Derggießhübel sind v o l l st ä n di g ausgerottet. Vicht ein Mitglied ist gerettet. Hier klingt das Sieb vom braven Mann, dem es schon gelungen war, sechs Frauen zu retten und der dann bei dem Versuch, die siebente zu retten, von den Fluten weggerissen wurde und ertrunken ist. Vach amtlicher Feststellung be­trägt die Zahl der Toten im Bereich der Aints- hauptmannschaft Pirna 113 und im Bereich der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde 32. Ins­gesamt sind demnach bei dem Unwetter am ver­gangenen Freitag im Gottleuba- und Müglitz- Tal 14 5 Menschen umgekommen. Gegen 50 werden noch vermißt. Am Montagnachmittag wurden die ersten Opfer der Katastrophe in Derggießhübel bestattet. Vach den vorläufigen amtlichen Feststellungen beträgt im Hochwasser­gebiet des Müglih- und Gottleubatals der an­gerichtete Schaden gegen 70 Millionen Mark. Die Reichsbahn allein soll einen Scha­den von etwa zehn Millionen Mark erleiden, abgesehen davon, daß mit der Wiedereröffnung des Eisenbahnverkehrs vor einem halben Jahre nicht zu rechnen ist. Alle Eisenbahnbrücken sind zerstört und augenblicklich ist man mit dein Bau von Votbrücken für den dringlichen Ver­kehr beschäfttgt. Behördliche und private Gelder reichen knapp aus, um die Spuren der Kata­strophe zu beseitigen und die noch immer ver­mißten Opfer zu bergen.

Eine private Hilfsaktion.

Dresden, 11. Juli. (TU.) Die sächsische Regierung erläßt an alle Bewohner Sachsens einen Aufruf, in dem es heißt, daß die Un­wetterkatastrophe, soweit sich bis jetzt erkennen läßt, an die 200 Tote gefordert hat. Hun­derte anderer Volksgenossen stehen verzweifelt vor dem Vichts. Das Unglück ist so gewalttg in seinen noch gar nicht abzusehenden Folgen, daß der Einleitung einer großen privaten Hilfsaktion im ganzen Freistaate nicht ent- raten werden kann. Darum ergeht an die ge­samte Bewohnerschaft des ganzen Landes die dringende Bitte um freiwillige Gaben. Alle sächsischen Banken, Spar- und Girokassen der Gemeinden sowie alle Zeituggsgeschäftsstellen im Lande werden um Einrichtungen von Sammel- stellen gebeten. Im Arbeits- und Wohlfahrts­ministerium ist eine Hilfszentrale errichtet worden. An diese sind alle eingegangenen Be­träge baldigst abzuführen.

Die Spende der Reichsregierung.

Berlin, 11. Juli. (WB.) Das Veichs- ka bi nett beschloß in seiner heutigen unter dem Borsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sit­zung auf Antrag des Reichsfinanzministers, dem Reicbsminister des Innern zunächst einen Be­trag von 2 Millionen Reichsmark für die Linderung der schweren Unwetterschaden, die weite Gebiete Sachsens und einige Gebietsteile Preußens bettoffen haben, zur Verfügung zu stellen.

Oesterreichs Teilnahme.

Wien, 11. Juli. (WB.) Bundespräsi­dent Ha in i sch hat anläßlich der Unwetter­katastrophe im Elbtal folgendes Telegramm an

der Entschließung der . , .

Auge gefaßt wurde. Die Regierung wird fortfahren, ihr bestes zu tun und dafür zu sorgen, daß die baldige Erfüllung der Erwartungen, die durch die Entschließung der Botschafterkonfe- renz erweckt worden sind, zustande gebracht

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einen RüstungsWettbewerb mit den Vereinigten Staaten eintreten. Ich be­haupte nicht, daß sie nicht in der Klasse von Schiffen zur Parität berechtigt sind, wenn dies ihren Wünschen entspricht. Wir suchen nur den besonderen Schuh, den wir bei den g evgr aphi- chen Verhältnissen des britischen Reiches brauchen. Wir haben nur Vorräte für drei Wochen, und es würde eine Hungersnot ent- tehen, wenn unsere Weltverbindun­gen unterbrochen würden. Ich hoffe und glaube, daß die Coolidge-Konferenz zu einem wirklichen Fortschritt bei der Begrenzung des Wettrüstens führt. Die ganze britische Außen­politik gründet sich auf die Unterstützung des Völkerbundes und auf die Berufung an den Völkerbund als letzte Instanz. Das Ziel unserer Politik ist die Sicherung des Friedens üt uns und die anderen. (Beifall bet den Kon- ervativen.) In der sich anschließenden Debatte erfolgten Anfragen nach der Räumung des Rhein­landes auf die namens der Regierung Locker Lamp-

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svn folgendes erwiderte:Der Staatssekretär hat mich gebeten, zu sagen, er bedauere, daß er be­züglich dieses besonderen Punktes nicht ausdrück­lich geantwortet habe. Er teilte mir mit, daß die Frage der Räumung des Rheinlandes in Genf bei der letzten Sitzung des Völkerbunds- rates nicht aufgeworfen wurde, die bri­tische Regierung glaubt nicht, daß es einem nütz­lichen Zweck dienen würde, wenn diese Frage jetzt erörtert werden würde. Tatsächlich ist seit Dezember 1926 eine beträchtliche Herab set - jung ber Truppen im Rheinland vorgenommen worden. Die britische Regierung ist der Mei­nung, daß diese Verminderung tatsächlich nicht ' r t worden ist, wie in

Das Attentat von Dublin.

London, 11. Juli. (TU.) Die Vachricht von der Ermordung des irischen Justiz- und Außen­ministers O'Higgins hat ganz Irland in tiefste Erregung verseht. Heber die Tat werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Danach ist der Minister nicht, wie zuerst gemeldet wurde, im Auto erschossen worden, sondern die töd-. lichen Schüsse erreichten ihn, als er sich zu Fuß von seiner Wohnung in die nur wenige hundert Meter entfernte römisch-katholische Kirche begeben wollte. Als er im Begriff war, in eine Seiten- trabe einzubiegen, wurde er von einer Gruppe jüngerer Leute, die ihn bereits erwartet hatten, überfallen. Die Mörder sind in einem Tou- renauto sofort geflüchtet. Der fchwerverwundeta Minister war noch imstande, um die Herbei- rufung eines Priesters zu bitten und später dem früheren Erziehungsminister Mac Reist sein Testament in einer den gesetzlichen Formeln voll­kommen entsprechenden Weise zu diktieren. Prä­sident Cosgrave hat noch gestern abcrüi einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem er die Verdienste des Ermordeten würdigt. Der ermordete Minister war bekanntlich für die Einführung der Todesstrafe für alle Personen, die im Besitz von Feuerwaffen befunden werden. Wenige Tage nach der Einführung des Gesetzes waren 47 Personen hingerichtet worden. O'Hig- gins war Fkemlich allgemein als der starke Mann der Freistaatsregierung betrachtet wor­den.

Stocken der Abrüstungskonferenz.

Die Vollsitzung auf britischen Antrag

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den deutschen Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet: Anläßlich der ent­setzlichen Tlnwetterkaiastrvph-e, von der fruchtbare Gegenden Deutschlands heintgesucht wuvden, und die so vielen Deutschen das Leben kostete, bitte ich Eure Exzellenz, den Ausdruck innig­sten und wärmsten Beileides entgegen» zunehmen. Ganz Oesterreich trauert mit mir über diesen schweren Schlag, von dem das Erz­gebirge betroffen wurde, und fühlt aufrichtig mit allen deutschen Stammesbrüdern, die Schaden an Leben und Gut erlitten. Andere Beileids­kundgebungen sind eingetroffen von der nie­derländischen und dänischen Regierung und vom päpstlicher Vuntius Msgr. P a z e l l i.

Schwerer Wolkenbruch über Berlin.

Störungen im Fernverkehr.

iltMg geeignetes Gelände zur bi jenügenö zur Hand. Auch in dberges, besonders nach der ü Sillen in herrlichster Lage erri unsasienden Rundblick, der sich iHar durch die Senk des L Burgen bis zur Totalansicht en nur sehr wenig Kinheim sollte man nicht außer acht Autostraße Hamburg-Franste: deren Verwirklichung nicht so weisen ist, Gießen im Norde: wick coü bis Mostwße qm

)ern meiden, so wird se teil bringen, wem m fcti ho die AiMbmlichteiten ') Mag einer Stadt fühbai ,5er' bis je- keine Rede sein- 6:Dihlierein nicht einmal m jein lassen? mis

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fer end veröffentlicht eine kurze Mitteilung, nach der die Ermordung des irländischen Ministers als Ursache für die Vertagung der Sitzung anzusehen sei. Tatsächlich geht die Ver­tagung auf den Wunsch der englischen Delegation zurück. Bridgeman hat am gestrigen Spätabend bei dem Präsidenten der Konferenz die Vertagung der Sitzung bean­tragt, war jedoch hierbei auf Widerstand der amerikanischen Delegatton gestoßen, die die Ver­antwortung für eine Vertagung der Sitzung auf unbestimmte Zeit nicht übernehmen wollte. Erst nach Zustimmung der japanischen Delegation wurde beschlossen, die Sitzung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Im Laufe des Sonntags haben fortlaufend verttauliche Aussprachen zwi­schen den Delegattonsführern stattgefunden, um ein Kompromiß zu finden, das eine Weiter­führung der Verhandlungen ermöglichen soll. Wie verlautet, ist jedoch in den Verhandlungen am Sonntag zunächst kein wesentlicher Fort­schritt erzielt worden.

Eineneuehetzegegenveutschland

Neue Vorwände zur Aufrechterhaltung der Kontrolle.

Paris, 11. Juli. (Täl.) In nationalisti­schen Kreisen benrüht man sich, Erklärungen des belgischen Kriegsministers De Broqueville die er vor kurzem in der Brüsseler Karniner in der Begründung der belgischen Heeresresorm über angeblich systematisch vorzeitige Entlas­sungen aus der Reichswehr gemacht hat, zum Ausgangspunkt für eine neüeKampagne gegen Deutschland zu benutzen. Deutsch­land, so erklärt man, hätte wohl die von der Bät­sch afterkonserenz geforderten Maßnahmen zum größten Teil erfüllt, verlege sich nun aber auf die Verletzung der Militärklauseln des Ver­sailler Vertrages, nachdem die Interalliierte Kon­trollkommission nicht mehr bestehe und die Kon­trolle vom Völkerbund auszuüben fei, die Deutsch­land keineswegs ernst nehme. Die belgische Re­gierung mühte daher, so schreibt Pertinax im Echo de Paris", die Angelegenheit weiter ver­folgen und dem Völkerbund eine formelle Klage überreichen, für die die von Broque­ville erwähnten Geheimdokumente als Un­terlagen dienen könnten. Der Berliner Korrespon­dent des gleichen Blattes, der sich lediglich be­müht, die Atmosphäre einer Verständigung zwi­schen Deutschland utib Frankreich zu vergiften, berichtete heute seinem Blatt, daß an der ost- preuhischen Grenze verdächtige Be- obachtungspvste n errichtet würden, um die zerstörten Unterstände zu ersetzen. Diese Deobach- tungsposten, von etwa 20 bis 30 Meter Hohe wohl von Waldhütern bedient, seien aber telephonisch birelt mit bet Reichswehr verbu n den. Zwischen dein 16. und 20. Mai habe das dritte Bataillon des Pio- nierregivrents, das gegenwärtig in Küstvin liege, zwei derartige Beobachttrngsposten ick der U m-

von herabstürzenden Erdmassen verschüttet. Der Feuerwehr gelang es, die beiden Arbeiter zu befreien. Auf der Strecke Potsdamer Bahnhof Süd ende verursachte der Wolkenbruch eine Der- kehrsstörung, die den regelmäßigen Fernver­kehr auf ungefähr zwei Stunden völlig lahmlegte. Der Fernverkehr BettinHalle, der über dasselbe Gleis führt, wurde über Tempel­hofer Rangierbahnhof und Anhalter Güterbahnho umgeleitet.

UeberschrvemmuugskaLastrophe in Rußland.

Moskau, 12. Juli. (WTB.) In der Stadt Lukojanow im Gouvernement Nifchninowgorod, die von einem schweren Wirbelsturm heimge­sucht wurde, wurden während einer Ueberschwem- muna der Stadt durch den Teschafluß Dutzende von Menschen, Hunderte von Wohngebäuden, einige Brücken und eine große Anzahl Vieh durch das Hochwasser weg geschwemmt.

Gröhe Waidbränbe in Bosnien.

Belgrad, 11. Juli. (WTB.) In'Jugo­slawien herrscht seit einigen Tagen große Hitze. Es wurden im Schatten 46 Grad fest- gestellt. In Serajewo brach infolge großer Trockeiiheit an mehreren Stellen Feuer aus. In Bosnien sind infolge der Hitze große Waldbrände ausgeb rochen. Der Waldbrand

Englands Politik in Gens.

Sir Austen Chamberlains Rechenschaftsbericht vor dem britischen Unterhaus

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Metzener Anzeiger

Generaf-Anzeiger für Gberhefsen

Druck und Verlag: Vrühl'fche llniversitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. §chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Berlin, 11. Huli. (WTB.) Die ftunbcnlang anhaltenden Gewitter, die teilweise mit außer­ordentlicher Heftigkeit heute nachmittag über Berlin niederging, haben hauptsächlich in den südlichen, süd­westlichen und westlichen Vororten erhebliche Wasserschäden angerichtet, wo die herabströ­menden Wassermengen in den tiefer gelegenen Stadtteilen und am Fuße von abschüssigen Straßen­zügen, an Eisenbahnunterführungen usw. große Ueberschwemmungen verursachten. Ueberall mußten die Dampf- und Motorpumpen der Feuer­wehr in Tätigkeit treten, um das in Wohnungen und Lagerräume eingedrungene Wasser hcrauszu- pumpen. Besonders arge Berwüstungen hat der Regen in Tempelhof und Martendorf an- aerichtet. An den Böschungen des Teltowkanals sieht man stellenweise mehrere breite Löcher, die sich das abfließende Wasser gegraben hat. Alle Bretter­zäune und Drahtgiiter sind niedergerissen. Die Schienen der Treidelbahn am Teltowkanal sind unterspült, so daß die Bahn ihren Verkehr einstellen mußte. Die Gleiskörper am Bahnhof Tempelhof wie­sen an vielen Stellen Beschädigungen auf, die eine Sperrung der Strecke notwendig machten. Im Schacht der neuen U n t e r g i die an das Tempelhofer Fi. .

Master etwa einen Meter hoch. Die Siedlun­gen in der Nähe von Tempelhof ftchen fast ganz unter Wasser. Hier sind auch viele Bäume niedergerissen worden. Am Teltowkanal in Tempel- Hos lockerte der ununterbrochene Regen an meh­reren Stellen die Erdmassen der Dämme des Ka­nals, die lawinenartig ins Wasser stürzten. Zwei Arbeiter, die am Ufer beschäftigt waren, wurden

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wich. Lange. Derantwottlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

London, 11. Juli. (£U3 Im Unterhaus kam es heute zu einer großen außenpolitischen Debatte. Sie wurde eingeleitet vom Arbeiterparteiler Pon- s o n b y, der die in Locarno eihgeleiteten deutsch- französischen Beziehungen kritisierte. Ponsonby fragte den Außenminister, ob sich Eng­land nicht "tun einen gleichen Vertrag mit den Ver­einigten Staaten bemühen könnte wie Frankreich. Der Redner verwies dann noch auf die alles andere als fnedliche Lage im Süd ost en Europas und unterzog den Abbruch der englisch-russi­schen Beziehungen einer scharfen Kritik. Die Franzosen hätten sich klüger als die Engländer ge­zeigt, indem sie der Rußlandpolitik Ehamberlains bis heute nickt gefolgt feien. An scharfen Worten für den ohnmächtigen Völkerbund ließ es Ponsonby nicht fehlen.

In seiner ausführlichen Erwiderung betonte

Chamberlain,

daß die englische Außenpolitik vor dem Unterhause keine Geheimnisse habe. England sei an dem Frieden der Welt interessiert und habe daher in Locarno an der Regelung der deutsch-französi­schen Beziehungen erfolgreich mitgearbeitet. Frank­reichs Vorschlag gegenüber Amerika, einen Krieg !,wischen beiden Staaten als ungesetzlich zu erklären, tehe er sehr sympathisch gegenüber. Für England ei ein solcher Vertrag mit Amerika wohl deshalb nicht mehr notwendig, weil kein Engländer jemals an einen Krieg mit den Vereinigten Staaten denken würde. Im weiteren Verlaufe seiner Rede warnte Chamberlain vor Mißtrauen über seine und Chur­chills Besprechungen mit Mussolini und betonte nochmals, daß die Regierung keine bin­denden Versprechungen ohne Kennt­nis und Zu st i mm un g des Unterhauses eingeht . . . Wenn die Staatsmänner verschiedener Länder eine Uebereinstimmung ihrer Ansichten über die Erhaltung des Friedens finden, so soll man bei ihnen keine niedrigen Intriguen suchen. Eine solche Einstellung ist der schädlichste der internationalen Irrtümer. Nichts hat mehr zur Katastrophe des Krieges beigetragen, als die damaligen Zwangsvor­stellungen Oer Deutschen, daß es notwendig sei, dafür zu sorgen, daß andere Regierungen Streitigkeiten miteinander hatten, und daß jede Beilegung von Zwistigkeiten zwischen jenen einen Schlag für Deutschland bedeute. Es ist tragisch zu sehen, daß diese Zwangsvorstellung, von der Deutschland heute befreit ist, in einem großen benachbarten Lande sich ,est- setzen will. Hierauf führte Chamberlain aus, er sei in Genf von Briand und Dr. Stresemann gebeten worden, die zur B o t s ch a f te r k o n f e- renz gehörenden Mächte sowie den Vertreter Deutschlands auf sein Zimmer einzuladen. Es sei selbstverstäMich, daß er dieser Bitte ftattgegeben habe. Er sei bei dieser Zusammenkunft erfucht wor­den, eine Erklärung über die Gründe abzugeben, die z u m

englisch-russischen Bruch geführt hätten und sich (wenn er wolle) darüber zu äußern, ob England beabsichtige, den Strett weiter zu treiben. Er Chamberlain, habe Den Anwesenden die Gründe mitgetcilt, die im §auö

1 wohlvekannt seien, nämlich, daß die Beziehungen abgebrochen wurden, weil sie derart nur braucht worden seien, daß sie eine ® e f a g r statt eine Garantie für den Frieden bildeten, daß England aber beabsichttge, dre Fort­setzung des Handels zu ermöglichen, unD daß England nicht denke, die Differenzen weiter auf die Spitze zu treiben. Rur eine einzige wei­tere Frage ist bei diesen Desprechunge-n noch er­örtert worden, nämlich die Ernennung emes deutschen Bürgers in die Mandatskom­mission. Dr. Stresemann wünschte die Lage zu kennen, bevor er sich darüber entschied, ob er einen formellen Antrag an den DolkerbunDs- rat fitflcn sollte ober nicht. Chamberlain gab eine Üebersicht über das, was bisher vom Volker- bundsrat bei Schwierigkeiten zwischen einzelnen Rattonen geleistet wurde. Es sei verkehrt, zu glauben, daß es bie Aufgabe bes Völkerbunos- rates sei, sich sofort einzumischen, f ob alb nur- irgendwo eine Meinungsverschiedenheit sich zeige. Zunächst sei eine solche die Angelegenheit der beteiligten Regierungen. Der Völkerbund sei eine letzte Instanz, bie bester als Krieg sei, so wie ein Gerichtshof besser sei als Per­sönliche Gewaltanwenbung. Chamberlain kam bann auf

die Dreimächtekonferen;

zu sprechen. Ich möchte, sagte der Minister, nicht optimistischer sein, als es bie ilmftänbe erlauben, aber ich habe keineswegs bie Hoffnung aufge* geben, tbafj bie Besprechungen auf bet Drei­mächtekonferenz zu einer wesentlichen Vermin­derung ber Rüstungslasten führen werden. Unsere Delegation ist mit einem wohldurchbachten Plan dorthin gegangen. Seine Annahme würbe in den kommenden Jahren für England allein eine Ersparnis von 50 Millionen Pfund Sterling ennöglichen. Rach Ansicht der Regierung ist die Frage der Gesamttonnage an sich selbst unwesentlich. Wenn nicht einige weitere Einschränkungen auf die Zahl der Schiffe gelegt werben, die den aggrissivsten Cha­rakter haben, würde die Begrenzung der Gesamt- tonnage nicht zur Verminderung, sondern zur Erhöhung der Marineausgaben führen. Chamberlain schloß: Es ist undenkbar, daß wir in

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