Märtyrer der Liebe.
Roman von 3. Schnelde'-Förftl.
22 ßortleBung 'Jtadjbrurf verboten
Es wäre Reichmonn lieber gewesen. Elisabeth hätte nicht in des anderen Armen gelegen. Ob sie ihm wohl Mitteilung machen würde, wenn Jörg ihr einmal von Viebc sprach. — Schrullen; — Hui welch blöde Gedanken kam man, wenn man Io ein junges ‘-Selb holte — —. Ob dos jedem so ging? Eis«r- lüchtigc MLnner waren ihm stet» ein Gegenstand de» Spaltes gewesen. Im Grunde war er gar nichl einmal |o wcit über diese erhoben.
vom Hause her kam ein Lachen. Da» war Elisa- beth. Worüber lachte sie denn" (Befiel ihr so gut, was Hans Iöra sagte?
Reichmann schleuderte verärgert den Rest seiner Zigarre auf den Kiesweg und beobachtete, wie die'e langsam verglomm.
Dann tarn wieder diese» Lachen. Die eine Helle Glocke schwang "sich au» dem geöffneten Fenster dc» Eßzimmer». Das hatten die beiden im Eß- 'immer zu tun. Teufel noch einmal. Die Liesl sollte ihm zu esien bringen, sonst nichts. Was mufj\ sie mit dem anderen im Dämmer stehen und mit ihm schäkern? Zum Kuckuck! Dieses Lochen verdarb ihm die ganze Laune. Tr riß einen Reben zweig zur Seite, um besser sehen zu können. Eine böse Falte gab seinem Gesicht einen harten Ausdruck. Er horchte ioch dem Hause hin E» blieb alles still. Da» trieben sie so lange? Hanno war ausgegangen? Da ftanben die beiden also ganz allein?
Und Elisabeth hatte gelacht.
Er trommelte mit nervösen Fingern auf die Platte de» ovalen Tisches: .fyib' ich nur deine Liebe .“ Dieses ganA Vernunft- und ehrlose Lied hätte ihm nicht zu gröberer Unzeit durch den Kopf gehen können. Dos trommeln wurde zum General- marsch. Die Knöchel von Reichmanns Fingern röteten sich und brannten. Wenn sie nun nicht halb kamen, dann . . .
„Aber Jörg!' rief Elisabeths Stimme, „Sie haben mir |a . . ." Den Schluß nahm das Teller- flirren, da, gleichzeitig aus der Küche drang, in sich auf.
Run ein diirchetnandeZwirbelndes Lachen, Elifa- beth» ur.6 Hilbirtts Stimmen fch.r i-m die Wette.
Dos war stark! Reichmann ballte da» ganze grüne Gehänge vor dem Einaang der Laube zu einem Knoten. Die fleinen luftigprünen Zwrige kamen ganz sömmerttck^ weg babci
Was hotte seine jrou den andern Jörg zu nennen? War Han» Jörg zu wenig kosend'" Fehlte gerade noch das „Du'.
Elisabeth» leichter Schritt erklang aus dem Kies. Sie trug ein Tablett in der Rechten und sah wehmütig auf das mißhandelte Geraute.
„Dos hast du denn da gemacht?' entfuhr es ihr.
-Ich wollte nur ein bißchen mehr Ausblick hoben!' tagte er spottend.
„Ausblick? — Aber wohin denn?'
„Rach der Küche!'
„Rach der Küche?'
„Frag' nicht immer zurück. Ich kann's nicht leiden. Es war wohl sehr unterhaltend? — Was '
„Jo doch!!' Elisabeth tonnte trotz seines sinste- ren Gesichte» nicht ernst bleiben. ,Lörg hotte sich erboten, den Tee onzubrühen und nahm in der Eile und im Halbdunkel von deinem Zigarettentabok, der auf der Etagcrc stand."
„Schade um den schönen Tobak!" bedauerte Hil- bertt, der eben unter den Saubenelngang trat. „Ich bringe Ihnen morgen die schönsten Rosen ou» meinem Garten, Elisabeth."
„Warum meiner Frau?' warf Reichmann bin.
-Ich denke, es war mein Tobak.'
„Dir lann ich aber doch keine Rosen schenken!' meinte Hilbertt
„Möchte wissen, warum nicht! Mir ober meiner ürau ist doch eins!'
„Du hast recht!' besänftigte Hilbertt. Er las in ben Augen seines Freunde». Was glaubte dieser von ihm? Aber er hatte sich nichts vorzuwerfen. Sein Gewißen war rein.
Man trennte Jid) spät. Hochsommernacht brütete über der kleinen Stabt. Im Schlafzimmer des jungen Paares, bas nach dem (Barten lab, waren die breiten jenfter weit geöffnet. Elisabeth trat an das eine derselben und sah in den Frieden ringsum. Ihr -Herz war voll Freude und Glück und 3ufriebenl)cit. Der böse Traum von damals halte keine Schrecken mehr für sie. Ihre Angst vor der Ehe war grundlos
aemelm. Ihr Monn liebte sie. Sie allein. Sie brauchte nicht zu darben und ztt knausern. Er gab gern und ohne Murren. Immer batte er ein Lochen, wenn ihre ftanbe leer nxirtn. Und sie verstand doch zu Sparen. Aber das Leben wor sündhaft teuer. Meist legte er vor feinem Weggehen das Scheckbuch in die Küche oder auf das Tischchen neben ihrem Dc'.t. ,J)?bc ab, soviel du brauchst ' Er sand c» überflüssig und verbat sich ihren Dank, wenn sie ihn dafür küßte. „Wie haft du dir denn die Sache eigentlich gedacht?' frug er. .Daß ich das Geld habe und du bit.en mußt um jeden Pfennig* Lächerlich. Du bist doch meine Frau '
Ach. io geborgen kam sie sich vor. Und alle« kam uon ihm. Und da« fast unglaubhaft reiche, friedliche Leben. Sie liebte ihn aber auch! O. er wußte es |a gar nicht, wie sie ihn liebte'
Reichmann war eingetreten, ohne daß sie es gemerkt batte.
„Woran denkst du*' frug er mit einem Unterton bet Spottes.
Sie roanbte sich ganz erschrocken nach ihm um. „Weshalb erschrickst du?' nörgelte er.
„Ich habe dich nicht im Zimmer vermutet'' sagte sic freundlich.
„Wen denn sonst, wenn nicht mich?"
Sie gab feine Antwort. Mit dem sicheren In stinkt des Weibes erfaßte sie den Grund seiner Gereiztheit. Er war eifersüchtig. Wie überflüffig, sich so zu quälen. Er tat ihr leid. Aber mit 'Worten entwaffnete man einen Eifersüchtigen nicht. Sie trat fo;ort rom Fenster weg, schlug die Betten zurück und legte fürsorglich sein Nachthemd auf das Kissen. Er streifte die Stiefel ab und warf sie ärgerlich bei|eite.
„Meine Socken haben ein Loch! — Jeder!' konstatierte er. ..Ich werde nächstens barfuß laufen!"
Wortlos entnahm sie dem Wäscheschrank ein frisches Paar. Während er sich entkleidete, verließ sie das Zimmer, um ihm das gewohnte Glas frischen Wassers zu bringen. Als sie zurückkam. lag er bereite in den Kissen.
„Das Wasser soll mir in Zukunft die Hanna bringen!"
„Georg, ich tu's sa gerne!'
„Hilbertt hat heute beanstandet, daß du Magd- dienst« leisten mußt."
Sie hätte ihm so gerne den Mund mit einem ■MBKJ u» niranr. uaUMmsa:xx
Kuß verschlossen, aber sie getraute sich nicht. Man muß den Mannern immer recht taffen, hatte ihr die Jjanra an» Herz gelegt. Es war gar nicht eimaeH io schwer. Aber einschtasen, ohne zu wissen, dah er toi,. .r gut fei, konnte sie nicht. Sie beugte sich über ihn und legte ihre weiche Wange gegen seine Stirn.
„Gute Nacht!"
Ohne bk Jlugrn zu öffnen, roanbte er sich gegen bi« andere Seite. „G'.iie Nacht''
„Host du kein liebe» Wort für mich?' frug sie bettelnd
„Sprich so nichl wieder!' rief er erregt. „Genau io h.it sie sich auegebnuft. Jett will nicht erinnert werden an sie! An nichts, and) an kein Wort von ihr! 3'türft du?"
Elisabeths Arme fielen herab. Es war das erste- mal. daß er sie angeschrien hatte. Nun kroch di« Furcht wieder in ihr hoch. Sie war fein Charakter, der sich durchfegte, mochte es nun durch dick ober dünn geben. Sic war ei ar Blüte, bis Sonne braucht«, Licht und Pfleg«. !öei Sturm und Ungeroütcr knickte sie zusammen, c.e war oon der Gattung der Fra: en, die sich aufopjern bis zum äußersten und ’iir ein liebes Wort Täler auszufullen und Berge ebjutragen suchen.
Ein leichte» Abendkleid üderwersend. verließ sie ba: Zimmer. Reichmann hatte, bas Gesicht wen- benb. bemerkt, daß sie über bie Augen fuhr. Nun nxir fit natürlich mörberifch gefränlt. Teufel noch einmal, u>cnn man einmal citoa-. bertx Schuld an der ganzen Sache war niemand als Jörg. Der hätte feine Weisheit bei sich behalten können. Tas würde er ihm bei nächster Gelegenheit fügen. Aber der war aus dem gleichen feinen Holz geschaht wie die Liesl. Die hätten jo ein Ehepaar abgegeben. Bar lauter Zartsein hatte kein» andere anzlirühren getraut.
Tronbem empsand er ein bißchen Reue, bie Liesl ahnte vielleicht gar nicht, was auf einmal in ihn gefahren war. Wenn sic hereinkam, sollte sie bas liebe Wort haben, um bas sie vorher gebeten hatte. Herrgott, so ein Weib möbelte und drechselte so klein- weife, bis es einen so weit hatte, als es einen eben haben wollte. Zu bamm war bas! Man sah'« kommen unb konnte nichts dagegen tun. Wenn sie mit ihm raufen wollte, wär'» allerdings schliminer. Nur keinen Widerspruch. Genau fo eine Frau hatte er gebraucht. (Fortsetzung folgt.)
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