schließt, wie wir in Nr. 151 vom 1. 3uli schon berichteten, in Einnahme und Ausgabe mit 646 407 Mark ab. gegen 966 374 Mark im Dorjahre. Die Beratung ging sehr in die Breite, ohne dabei aber auch immer gleicherweise in die entsprechende sachliche Tiefe zu führen: es wurde mit mancherlei Kleinigkeiten erhebliche Zeit verbracht. Aus dem Berlauf der Beratung geben wir nur das bemerkenswerteste wieder: Angenommen wurde ein Antrag Weicker (Dn.), in den Boranschlag 15 Mark zur Anschaffung eines geschichtlichen Lehrbuchs einzustellen, damit es Mitgliedern des Hauses soweit es nötig sei, zur Bertiefung ihrer Ge- schichtskenntnis zur Berfügung stehe. Manchen Herren, z. B. Reichstagsabgeordneten, die selber beschichte machen, sei eine solche Bertiefung ihrer Teschichtskenntnifse sehr vonnöten, damit sie z. B. wenigstens wüßten, wievielmal die Franzosen über den Rhein gekommen seien. Zugeftimmt wurde einem Antrag Lotz (Dn.), dem Verein für hessische Volkskunde statt 100 Mark, einen Jahresbeitrag von 200 Mark zu geben. Bei der Besprechung des Etats der Bezirksfür- s o rg est el le und des Jugendamtes wurde dem Schularzt und den Fürsorgerinnen Dank und Anerkennung für ihre Leistungen zur Förderung der Gesundheitspflege in den Schulen ausgesprochen. Weiter wurde von dem Abg. Lotz (Dn.) eine stärkere Inanspruchnahme der schulärztlichen Untersuchung, auch hinsichtlich seelisch erkrankter Kinder, seitens der Eltern gewünscht, ebenso eine vermehrte Untersuchung auf Schilddrüse, verstärkte Scyulzahnpflege ufw. Diese Forderungen fanden die Zustimmung einiger weiterer Redner. Auf Antrag von Dr. Lenz (Dn.) wurde ein im Voranschlag vorgesehener Beitrag von 25 Mark an den 2lt» beiter-Samariterbund gestrichen, da — wie Dr. Lenz betonte — die Mitgliedschaft In diesem Bunde von der Zugehörigkeit zu den freien Gewerkschaften abhängig sei, es sich bei dem Bund mithin um eine sozialdemokratische Parteigründung handle, für die der Kreis keinen Beitrag geben könne. Die Abg. Beckmann und Denner (Soz.) suchten die Behauptungen von Dr. Lenz zu bestreiten, wobei Abg. Benner (Soz.) meinte, aus dem Antrag Lenz spreche nur Klassenhaß. Auf Verlangen der Rechten wurde hierauf vom Borstandstisch aus den Satzungen des Arbeiter- Samariter-Bundes der Passus über die Aufnahme von Mitgliedern verlesen, wobei sich ergab, daß die. Mitgliedschaft bei den freien Gewerkschaften in der Tat die Voraussetzung für die Aufnahme in den Arbeiter-Samariter-Bund ist. Abg. S ch u d t (D. Bp.) fragte an, warum man nicht auch für die „Zuflucht" in Gießen einen Beitrag eingesetzt habe, die auch aus dem Kreise dauernd stark in Anspruch genommen werde. Redner fragte die Linke, warum man denn über- baupt den Arbeiter-Samariter-Bund gegründet habe und versuche, Arbeiter aus dem Roten Kreuz zu sich herüberzuziehen. Mit dem Wort „Klassen- hah" solle man doch von der Seite her nicht so rasch kommen, die doch nur von Klassenhaß lebe. Dr. Lenz (Dn.) betonte, Klassenkampf und Klas- senhah seien nicht etwa eine Erfindung von rechts, sondern eine solche von links. Das Rote Kreuz sei politisch neutral, aber beim Arbeiter-Samariter- Bund könne, wie man ja auch bei der Verlesung der betr. Stelle der Satzungen gehört habe, nun dann ein Mann Mitglied werden, wenn er der freien Arbeiterbewegung angehvre. Dieser Passus allein habe — bei aller Anerkennung dessen, was der Arbeiter-Samariter-Bund im Dienste der Rächstenhilfe leiste — seine politischen Freunds bewogen, diesen Antrag zu stellen, da für eine Parteisache keine Kreismittel gegeben werden! konnten. Rach dieser Auseinandersetzung wurde die Streichung des vorgesehenen Beitrags mit 14 gegen 13 Stimmen beschlossen. Auf Antrag des Abg. S ch u d t (D. Bp.) wurde für die „Zuflucht" einstimmig ein Beitrag von 100 Mk. bewilligt. Ohne weitere Debatte wurde dann der Haushaltsvoranschlag einstimmig angenommen.
Ein lebhafter Meinungskampf entspann sich bei der nun folgenden Festsetzung der Ausschlagssätze für die Kreisumlage. Abg. Müller (Dbd.) beanstandete, daß trotz der Ermäßigung der Boranschlagssumme um mehr als ein Drittel die Ausschlagssähe nicht in gleicher Weise für alle Steuerzahler herabgesetzt worden seien; bei der Stadt Gießen sei der Ausschlagssah sehr erheblich niedriger vorgesehen, beim Lande dagegen nur ganz gering, veim land- und forstwirtschaftlich genutzten Grund-
Erlebnis auf der Straße.
Bon Hans ©äfgen.
Eine sehr belebte Großstadtstraße. Biele Menschen.
Diele Autos.
Diele Straßenbahnen.
Ein Blinder kommt, langsam sich an den Htiusern entlang tastend, des Weges.
Er muh die Straße überqueren.
Die Menschen, die vorüberhasten, kümmern sich nicht um ihn.
Keiner hilft dem Armen.
Da plötzlich: Ein kleines Schulmädchen, zehn 'labre alt vielleicht, drängt sich zu dem Blinden, saßt seine Hand und führt ihn mitten durch Auto- rasen und tosende Straßenbahnen auf die andere Seite der Straße. And dann macht das Kind einen Knix und verschwindet in der Menge.
Es gibt Augenblicke, da werden die Groh- sladtstrahen hell und leuchtend, wie blühende -ommerwiesen.
Es war ein grauer Tag, da das Kind dem lrmen beistand.
Es war ein grauer Tag, und keine Sonne •inen.
Und doch war die Straße leuchtend, als sei in Gotteslächeln über sie gebreitet.
Die betrunkenen Ganse.
Bon Friedrich Michael.
Wenn man in der Zeit der langen Rächte abends berm kräftigen Punsch beisammensaß, dann 'czählte Großmutter die Geschichte von den be° irunkenen Gänsen. Sie klingt so unglaublich wie alle wahren Geschichten, aber der Zweifler wird linden, daß diese Gänse sogar einen Verwandten in der Literatur haben: jenen Ziegenbock nämlich der in Selma Cagerlöfg Roman „Liljecronas Heimat", vom Satan Alkohol, der ihm im Leibe sitzt, auf das Dach des Gutshofes geführt und von den Bewohnern nicht ohne einige Mühe heruntergeholt werden muh.
Die Gänse, um von ihnen zu reden, waren, acht an der Zahl, der Stolz einer kleinen Gutswirtschaft im Anhaltischen, schönes weites Feder
besitz fei sogar eine gewisse Erhöhung vorgesehen, um Vjo Pf- pro 100 Mk. Bon der Rechten wurden aus Grund dieser Erwägungen verschiedene Anträge zu einer gleichmäßigen Verteilung der ermäßigten Ausschlagsötze auf Stadt und Land gestellt, die Anträge tourben von Müller (Bbd.) und Dr. Lenz (Dtntl.) begründet. Heber diese Anträge entspann sich nun ein lebhafter Meinungsaustausch, wobei es sogar zweimal zur Unterbrechung der Sitzung kam. Rach Uebcr- windung mancher Schwierigkeiten und Umschif- fung zahlreicher Klippen kam es schließlich nach langen Bemühungen zu einer Regelung, von der man sich einen gerechten Ausgleich zwischen der Stadt und dem Lairde verspricht. Die Summe der Kreisumlagen wurde im Rahmen der Etatverabschiedung festgelegt, und für die Lastenverteilung zwischen Stadt und Land eine Grundlage geschaffen, auf der eine billige Regelung für alle Steuerzahler möglich sei. 5)em Kreisausschuß wurde die Ermächtigung erteilt, nun von sich auf Grund der geschaffenen Unterlagen die Ausschlagssähe festzusehen. Sobald dieser Beschluß uns vorliegt, werden wir darüber berichten.
«Ti rujnj n t n
Die Tätigkeitsberichte der Bezirksfürsorge stelle, des Jugendamtes und des Kreisschularztes für 1926/27 wurden zur Kenntnis genommen.
Der Erhebung einer Kreis-Wertzuwachssteuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises wurde einhellig zugestimmt.
Mit der vorgeschlagenen Kreissatzung über die Fürsorgepflicht im Kreise Gießen erklärte man sich nach einigen Abänderungen einverstanden.
Die Vorschläge über die Wahl der Kor- k o m m i s s i o n fanixm Annahme.
Bon der Erhebung einer B i e r st e u e r für den Kreis wurde, dem Vorschlags der Verwaltung folgend, abgesehen, da bei tiefer Steuer doch nichts herauskomme.
Mit einigen Abänderungen dec Kreis- Feuerlöschordnung hinsichtlich der Der- gütungssähe erklärte man sich einverstanden.
Die Tagegelder für die Kreistagsabgeordneten wurden nach den Sätzen des Provinzialtages neu geregelt.
F4. Gauturnfeft
Erster Tag.
—v— Das 54. Gauturnfest am Sonntag in Heuchelheim bei Gießen hat die Grundfrage, ob auch ein Landverein Arbeits- und Festtage von solchem Ausmaße meistem kann, glänzend gelost. Gewiß wirkte forderlich die Rachbarschaft von Gießen als weit ausgreifender Verkehrsknotenpunkt innerhalb der ©augrenzen und als wertvolles Zusahgebiet zur Gruppe der Feft- besucher; die Diebertalbayn erweiterte ihren Alltagsbetrieb zum Vorortverkehr, und die Lahn bereicherte die Arten der turnerischen Wettkämpfe. Umgekehrt Wirchs damit aber auch die Aufgabe, die der örtliche Druterverein im Vertrauen auf seine inneren Kräfte gewagt hatte. An gutem Willen und vorbereitenden Arbeiten hat es der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern — das sind 10 Prozent der Einwohnerschaft — nicht fehlen lassen. Das Gelingen des Festes beweist, daß der bewährte Vorstand des T. V. unter Vorsitz des Herrn LudwigS ch rn i d t, der schon den mit großen Schwierigkeiten verbundenen Bau der stattlichen Turnhalle durchzuführen verstand, auch jetzt wieder der , gestellten Aufgabe sich vollkommen gewachsen zeigte. Aber er fand auch die Unterstützung der ganzen Einwohnerschaft; und so gab der ländliche Festort in einer Zeit, wo eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaftswerten durch unser wiederaufbauendes Volk geht, ein erfreuliches Zeugnis von einer über wirtschaftliche und politische Gegensätze hinausgreifenden Ortsgemeinschaft. Das zeigte der reiche Schmuck der Straßen mit San» nengrün und Fahnen In den Landesfarben und den neuen und alten Reichsfarben; das zeigte die restliche Bereitstellung 'von freundlichen Dür- gerguartieren für alle Gäste, und das zeigte schließlich die allgemeine Beteiligung an dem Ablauf des Festes.
Aber alle Vorbereitungen und alle mühevollen Arbeiten schienen „zu Wasser zu werden". Wohl hatte die Festleitung die Mahnung nicht übersehen, die Georg Heß (Leihgestern) in fei.» nem schlicht-gemütvollen Mundartgedicht „Zum Heuchelheimer Gauturnfest" wirksam an den Schluß gesetzt hatte: „Doach v'rgeaßt die Hauptfach näit: ,©vut Wearrer uff's Programm'." Aus diesem ©runde hatten die Heuchelheimer ihr Turnfest z. B. schon acht Tage später gelegt, um nicht an dem üblichen Regenwetter der Gießener Ruderregatta teilzunehmen.
Doch der Wettergott hatte scheinbar ein Gegenprogramm. und Der Humor, der ja unter mißlichen Verhältnissen bei den Turnern immer gedeiht, suchte dem Geheimnis der unerforsch- lichen Raturgewalt auf mancherlei Weise auf die Spur zu kommen. Mag dem nun fein, wie ihm wolle, jedenfalls blieben die Heuchelheimer und ihre Turngäste nicht im Rätselraten stecken, sondern sie nahmen den Kampf mit dem Wetter - gvtt frisch-fröhlich auf.
Am leichtesten hatten es, die Schwimmer. Ihnen konnte es einerlei fein, wie sie naß wurden. Ruhig begannen um 2 Uhr die Kampfrichter ihre Sitzung, während die immer dicker werdenden Regentropfen lustig auf das Dach ihres Bretter- Hauses trommelten, und als Gauschwimmwart Franz Sauer (Gießen) zum Wettkampf rief,
in Heuchslheim.
stellte sich ihm eine feucht-fröhliche Schar zum Start. Die großen und bunten Sonnenschirme des Müller'fchen Lahnkaffees beten diesmal ihren Schutz den Kampfrichtern mit ihren Wertungstabellen, und so kam es, daß die fremden Turner unwillkürlich ihre Blicke nach dem färben- und fahnenreichen Bild wandten, wenn sie mit dem „Bieberlieschen" die Lahnbrücke passierten; ein Gut-Heil den tapferen Schwimmern und Schwimmerinnen!
Richt so leicht war es für die Turner. Wohl wurden sie herzlich empfangen und mit Musik geleitet, aber — es regnete... Trotz alle» dem, um 7 llijr war die feierliche Festeröffnung am alten Rathaus am Haag, und - der große Platz war von Ortseinwohnern und Festgästen gefüllt; aber es regnete... Pünktlich begann die Musik. Ein Massenchor von über 200 Sängern der Gesangvereine Germania, Liederkranz,Teutonia und Arbeitergesangverein fang unter Leitung des Chormeisters vom Liederkranz, Otto Gor lach (Gießen), in erhebender Weise das bekannte Lied „Vaterland" von Rudolf G e cf. Der erste Sprecher des Turn- nereind Heuchelheim, Ludwig Schmidt, begrüßte in herzlichen Worten alle seine Festgäste und übergab die Leitung des Festes an den ersten Gauvertreter Arthur Pfeiffer (Wetzlar). Der Regen ließ langsam nach, die grauen Wolken! teilten sich. In kurzer temperamentvoller Ansprache dankte der ®a übertret er dem Festort für seine einmütige Beteiligung und hob die grundlegenden und immer werbenden Gedanken und Ziele der Deutschen Tumerfchaft hervor. Der Regen hatte auf gehört, und der anschließende Abmarsch der Festgemeinde nach dem Festplatz ließ aller Herzen in Hoffnung auf weitere Besserung des Wetters höher schlagen, ihtb so tarn es auch. Die Meisterschaftskämpfe tonnten, wie vorgesehen, auf dem hohen Podium des wunderbar die Landschaft ringsum beherrschenden Festplatzes audgetragen werden. Eine überaus große Zuschauermenge beobachtete den spannenden Wettbewerb der 11 besten Turner des Gaues, die um die Meisterschaft qn ''"eck, Barren und Pferd zähe rangen. Zu Beginn dieses Kampfes hatte Bürgermeister Georg Kreiling die Festgäste im Ramen der Gemeinde herzlich begrüßt und dem Fest einen erfolgreichen Ablauf gewünscht. Die Schaulustigen fanden noch weitere Unterhaltung bei dcm verschiedenen' Sondervorführungen, bis sich allmählich die Zelte trab die geräumige Turnhalle zu geselliger Freude füllten und — auch nicht sobald geleert haben sollen.
Die Ergebnisse:
M e i st e r s ch n f t s t u r n e n. Am Pferd wurde Gaumeister Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 106 Punkte; es folgten Hans Rehn, Tv. Nidda, 98 P. und Gottfried Kühn, T. u Spv. Marburg, 87 P. — Am Barren wurde Gaumeister Hans Rehn, To. Nidda und Willi Loch, Tgde. Marburg, 109 P., es folgten Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 108 Punkte und Friedrich Wolf, Tgde. Friedberg, 89 Punkte. — Am Reck wurde Gaumeister Friedrich Wolf, Tgde. Friedberg, 102 P.; es folgten Karl K eßler Tv. Großen-Linden, 89 Punkte und Willi
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Vieh — bis das Malheur geschah. Wie es möglich gewesen, daß die Gänse eines Tages vom Anger in den Wirtschaftshof gekommen waren, niemand wußte es zu sagen. Knechte, Mägde, Hütejungen, alle wollten, als inan sie später ins Gebet nahm, .das Gattertor geschloffen oder gar nicht erst angerührt haben. Und daß niemand die weißen Eindringlinge rechtzeitig im Hofe gesehen hatte, war Zufall, ebenso wie die an sich erfreuliche, nun aber verhängnisvolle Tatsache, daß just an diesem Tage Schnaps gebrannt wurde.
Die Wagd, die hierbei geholfen und die Eimer mit Schlempe vor die Brauhaustür gesetzt hatte, sah die Gänse auf dem Pflaster des Hofes liegen, als sie heraustrat, um die gekühlten Eimer zurückzuholen. Sie stutzte, denn sie hatte niemals lebende Gänse so liegen gesehen: hingestreckt mit steifen Beinen und verrenkten Hälsen, als seien sie tot umgefallen. Die Magd grlckte in, die Eimer: die waren leer. Und da begriff sie, was geschehen war, ritz die Tür zum Brauhaus auf und schrie hinein: ..Memsell, Memsell, de Jänse sinn doood!"
Aus dem roten Ziegelsteinhaus Iain mit viel süßlichem Brodern eine herbe, derbe Antwort, gleich darauf die Mamsell selbst. Aber sie weckte die Gänse nicht auf. Es war kein Zweifel: sie hatten die Eimer ausgeschlabbert , und die Schlempe, dieses Residuum der Gärung und De- stillativn, schweren Mastochsen und wohlkonstitu- ierten Ferkeln in kleinen Portionen sehr zuträglich, hatte, in Unmaß genossen, die armen Vogel umgeworfen. Und wie man sie auch drehte und wandte: man sah sie nicht als fröhliche La- zarusse auferstehen.
Was blieb zu tun? Man riß ihnen wenigstens die großen brauchbaren Federn aus; dann bemächtigten sich zwei Hütejungen der Selbstmörder wider Willen und machten sich einen festtäglichen Spaß daraus, die Bogel auf den Gutsteich zu sehen, wo sie als eine jammervolle Armada im Schilf schwammen.
Dies geschah gegen 2 Uhr mittags. Um 4 Uhr kam der Gutsherr aus der Stadt zurück, man setzte sich zu Tisch, und die Hausfrau hütete stch vorerst, ein Wort von dem Gänse-Malheur verlauten zu lassen. Aber plötzlich, als man
eben beim Kaffee war, erscholl vom Hofe ein wckdes Gänsegeschnatter. Die Frau richtete sich aus, mt gleichen Augenblick kam auch schon die Mamsell, heremgestürzt und zog ihre Herrin ohne jede respeltvolle Beachtung des verdutzten Hausherrn ans Fenster. Als er hinter die gestiku- ™r£PAen, ^^erfonen trat, bot sich ihm ein Anblicr. so traurig und so grotesk zugleich, daß er nicht wußte, ob er lachen oder schelten sollte. Denn da kamen vom Gutsteich und Anger herauf acht Gestalten, watschelnd und völlig haltlos torkelnd, Gänse, das war unverkennbar, aber Gänse, wie sie nie vorher ein Auge auf diesem Hofe erblickt hatte.
Es dauerte geraume Zeit, bis der Hausherr den Zusammenhang der Dinge erfuhr. Die Erklärung war einfach genug: die Gänse waren nur schwer betrunken gewesen und hatten sich nun erholt, vielleicht nicht zum kleinsten Teil infolge des kühlen nassen Elements, Öem die Hütejungen sie überantwortet hatten.
Versteht sich, daß es einige Dutzend Donnerwetter gab, versteht sich auch, daß man die armen gerupften Wesen nicht lange zu Schimpf und Spott der Rachbarschaft herumlausen ließ. Ob aber das Fleisch dieser gefieberten Trunkenbolde einen besonderen leckeren Braten abgab, wie ich im Interesse aller um Gänsebraten-Variationen bemühten Kochkünstler wünschen möchte — darauf bleibt Großmutters Geschichte die Antwort schuldig.
HochfchulnachrichLen.
Der Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität Berlin an Stelle von M. Planck ordentlichen Professor an der Universität Z Ü r i ch, Dr. Erwin Schrödinger, angeboten worden. Prof. Schrödinger, ein geborener Wiener, war früher an der Technischen Hochschule in Stuttgart, wurde bann nn die Universität Breslau als Rachfolger von Clemens Schaefer berufen, von wo er einem Rufe nach Zürich folgte. Wie bereits gemeldet, erhielt der Gelehrte kürzlich auch einen ehrenvollen Ruf an die amerikanische Universität Baltimore. — 3um Rachfolger des nach Berlin berufenen Prof. Erich Seeberg auf dem Lehrstuhl der Kirchen-
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Altersstufe. 50-Mete^-Brustschwimmen: 1. Sieg Louis Bogt, Tv. 1846 Gießen, 435/v> Sekunden; 2. Adolf Mangold, Tv. 1846 Gießen, 442/io Sekunden.
Mehrkämpfe. Turner - Jugend. (50 - Meter - Brustschwimmen, Hauptspringen, Streckentauschen): 1. Sieg Hermann Scheer, Tv. Wetzlar, 65 P.; 2. Ernst Schneider, Tv. Wetzlar, 56Vr Puntte.
Turnerinnen - Jugend (wie oben): 1. Sieg Elli Zipp und Anni Pfund. Tv. 1846 Gießen, 591/» Punkte.
Turner-Unterstufe (50-Meter-Brust- schwimmen, 50-Meter-Rückenschwimmen, Hauptspringen, Kopfweitsprung). 1. Sieg Fritz Werner, Tv. 1846 Gießen, 90 P. 2. Christ. Weeg, Tv. 1846 Gießen, 89‘/g P. 3. Ludwig Malkomes ins, Mtv. Gießen, 82 P. 4. Kurt Gerth, Tv. Bad-Rauheim, 8P/2 P.
Turnerin nen-ünter stufe (wie oben). 1. Sieg Elfriede M ü nn ich, Tv. 1846 Gießen, 87V2 P. 2. Elisabeth Trechsler, Tv. 1846 Gießen, 82V2 P.
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geschichte der Universität Halle ist Professor D. Emanuel Hirsch in Göttingen aus ersehen. Pros. Hirsch ist Herausgeber der Theologischen Literaturzeitung. Geboren zu Dent- Ivisch (Brandenburg), erhielt er seine Ausbildung an der Berliner Universität besonders als Schüler von Holl, war bann Inspektor bei Theologischen Stiftes in Göttingen, kam bann in gleicher- Eigenschaft nach Bonn, woselbst er die venia legendi erhielt. 1921 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius in Göttingen. — Zur Wiederbesehung des durch den Rücktritt des ©eh. Rats Prof. Dr. H. Thoms erledigten Lehrstuhls der pharmazeutischen Chemie an der Berliner Universität ist ein Ruf an den ordentlichen Professor für pharmazeutische Chemie Dr. Carl Mannich in Frankfurt a. M. ergangen. Mannich war zunächst im Apothekerberuf tätig, bestand 1900 die pharmazeutische Staatsprüfung und war dann Assistent bei Prof. Thoms in Berlin. 1907 erhielt Mannich die venia legendi an der Friedrich-W ilhelms-Univer- fitäf, später die Ernennung zum Oberassistenten und 1910 bas Prädikat Professor. Bald darauf ' kam Mannich als Extraordinarius nach Göttingen und 1919 nach Frankfurt, wo er ein Jahr später zum Ordinarius befördert wurde. — Prof. Dr. Carl August R0jahn in Freiburg i. Dr. hat den an ihn ergangenen Ruf zur Ueber- nahme des Lehrstuhls der pharmazeutischen Chemie an der Universität Halle als Rachfolger von Pros. H. Schulze angenommen.
Der Privatdozent für Physiologie an der Universität Frankfurt a. M., Dr. Wilhelm Steinhaufen ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden.— Der bisherige Privatdozent und Assistent an bet medizinischen Klinik der Universität Halle Dr. mcd. Adolf Hartwich ist von der medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. als Privatdozent bet inneren Medizin zugelassen worden. — Amtlich wird die Ernennung des nichtbeamteten außerordentlichen Professors Lic. Hermann Bauke In Halle zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte in der theologischen Fakultät der Universität Kiel bestätigt. Prof. Bauke tritt in Kiel an Stelle von E. Kohlmeyer.
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Oberstufe. 100* Meter-Brustschwimmen: 1. Sieg El. Scheer- Tv. Wetzlar, 1 Min. 56 Sek. Hauptspringen: 1. Sieg Hanneli Weeg, Tv. 1846 Gießen, 40*72 P-: 2. Marie Gauff, Tgde. Friedberg, 37'/» Punkte.
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Turner - Oberstufe. 100-Meter-Brust* schwimmen: 1. Sieg Emil Hüb n e r, Tv. Wetzlar, 1 Min. 32 Sek. 2. Fritz T 0 l s ch . Tv. Wetzlar, 1 Min. 36V1O Sek. — 100-Meter-Rücken- schwimmen: 1. Sieg Wilh. Schäfer, Tgde. Friedberg, 1 Min. 328Ao Sek. — 400 Metep beliebig: 1. Sieg Rudolf Kramer, Tgde. Friedberg, 8 Min. 14 Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Hans Geismar, Tv. 1846 Gießen, 48Vg P.. 2. Wilhelm Schäfer, Tgde. Friedberg, 44 P.
Turnerinnen
Loch, Tgde. Marburg, 87 Punkte. — Außerdem turnten mit Willi Beaupain , T. u. Spo. Marburg, Richard Seth, Tv. Großen-Linden, Franz Reuschling, Tv. Heuchelheim, Peter Volz, Tgde. Friedberg und Heinrich Keller, To. Burg- solms.
Turner, Jugend: 50-Meter-Drustschwim- men: 1. Sieg Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 375/io Sek.; 2. Sieg Hugo Baumann, Mtv. Gießen, 392/I0 Sek,; 3. Sieg Walter Borst und Ernst Keßler, Tv. 1846 Gießen, 394/s Sek.; 4. Sieg Ernst Schneider, Tv. Wetzlar und Karl Bretthauer, Tgde. Friedberg, 42‘/io Sek.; 5. Sieg Willi Reinhard, Tgde. Friedberg, 42°/io Sek.; — 50°Meter°Rückenschwimmen: 1.Sieg Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 372/i0 Sek.; 2. Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 40’710 Sek. — 50 Meter beliebig in Kleidung7 1. Sieg Otto Jüngst, Tv. 1846 Gießen, 45*/io Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Hermann Scheer, Tv. Wetzlar, 30 Punkte; 2. Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar und Karl Bretthauer, Tgde. Friedberg, 29 Punkte; 3. Karl Schwinn, Tv. 1346 Gießen, 28 Punkte; 4. Willi Reinhard, Tgde. Friedberg, 2V/S Punkte; 5. Willi Skann rz, Tgde. Friedberg, 27 Punkte.
Turnerinnen, Jugend: 50-Meter- Bruftschwimmen: 1. Sieg Hedwig Schmitt, Tv. Wetzlar, 45G/10 Sek.; 2. Elli Zipp, Tv. 1846 ©ießen, 46 Sek.; 3. Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 462/10 Sek.; 4. Aenne Kopp ke, Tv. Wetzlar, 46ö/io Sek.; 5. Lucie Scheel. Tv. 1346 Gießen, 478/1„ Set. — 50-Meter-Rückenschwimmen: 1. Sieg Elli Zipp, Tv. 1846 Gießen. — Hauptspringen: 1. Sieg Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 27Vg Punkte; 2. Elli Zipp, Tv. 1846 Gießen, 25Vz Punkte; 3. Elli Lüdtke, Tgde. Friedberg, 24Vz Punkte.
Turner, Unter ft ufe: 100-Meter-Drust- schwimmen: 1. Sieg Rudolf Heuser, Tgde. Friedberg, 1 Min. 39s/io Sek.; B. Christian! Weeg, Tv. 1846 Gießen, 1 Min. 4O5/lo Sek.; 3. Kurt Gerth, Tv. Bad-Rauheim, 1 Min. 418/10 Sek.; 4. Karl Fritz, Tv. Wetzlar, 1 Min. 43R/]n Sek. — 100-Meter-Rückenschwimmen: 1. Sieg Walter Heppert, Tv. Wetzlar, 1 Min. 40s/lo Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Fritz Werner. Tv. 1846 Gießen, 54 Punkte; 2. Willi Born- mann, Tgde. Friedberg, 521/» Punkte; 3. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 45 Punkte; 4. Christ. Weeg, Tv. 1846 Gießen, 41V2 P.
Turnerinnen — Unterstufe. 100- Meter-Drustschwimmen: 1. Sieg Lina Ulm, Tv. Wetzlar, 2 Min. 10«/10 Sekunden. — 100- Meter-Rückenfchwimmen: 1. Sieg L. Schee r, Tv. Wetzlar, 1 Min. 554/io Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Elisabeth Trechsler, Tv. 1846 Gießen, 2. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen. \
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