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Montag, U. Juli 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Rr. 159 Zweites Blatt

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ölte Familie und verleugnet die Erziehung Missionare nicht. Sucht man Russisches an scheidenden Stellen Chinas, so findet man es in der äußeren Form der Organisation der

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Mobilmachung des Volksgeistes für Suns drei Prinzipien ereicht ist: Volksfreiheit nach außen, Volkssouoeränität nach innen, Volkswohlfahrt aller Schichten. Auch das genügt schon, um den russisch­asiatischen Gegensatz zu beleuchten.

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durch die Zahl der Mitglieder der Mandatskommis­sion um eins oermehrt wurde. Deutschland hat zunächst diplomatische Schritte deswegen er­griffen, hat damit aber nicht oiel erreicht. Dagegen ist Herr Dr. Stresemann aus Genf zurückgekehrt mit der Versicherung, daß die übrigen Mitglieder des Völkerbundsrats dem deutschen Sitz in der Kornmis-

doch eine sehr kurzsichtige Betrachtungsweise, auch die Sozialdemokraten sollten dafür Ver­ständnis haben, daß Deutschland in der Man­datskommission vertreten sein will, nicht nur,

Berlin, 11.3uli. Die größte positive Lei­stung, die der Reichstag in seiner kurzen Som­mertagung zustande gebracht hat, ist zweifellos das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung, das den Schlußstein unseres großen sozialen Ver­sicherungswertes bedeutet. Wir sind jetzt endlich ickommen, daß an die Stelle der

Außenpolitisch ist das riesige Russenreich der natürliche Feind Japans, das bei einem Flächen­raum von weniger als dem Kaliforniens seine un­heimlich wachsende 60-Millionen-Bevölkerung nur noch mühsam mit industrieller Anspannung er­nährt, hierfür aber fast sein gesamtes Rohmaterial vom asiatisch-russischen Kontinent bezieht, dem es andererseits nahezu ein Drittel seines Exports zu­führen darf und bereits soviel Blut und Geld ge­opfert hat. Als die japanische Hafenstadt Dairen, deren schmuckes Aeußeres 1924 auch mich über­raschte, noch russisch war wie ihr Nachbar Port Arthur, hatte sie 18 OOO Einwohner; heute zählt dieser zweitgrößte ostasiatische Hafen in der süd­lichen Mandschurei Tientsin kommt nach Schang­hai erst an dritter Stelle weit über 200 000, davon 78 000 Japaner und nur wenige hundert Weiße einschließlich der Russen. Von hier läuft nun die Bahn, deren Spurweite der amerikanischen an­gepaßt ist, also rollenden Stock von drüben auf­nehmen kann, in mancherlei Ausstrahlung den russi­schen Grenzen zu, sicher nicht, um kommunistische Ideen zurückzubringen. Bedarf doch Korea nicht minder antibolschewistischer Schutzwälle, denn wenn die Koreaner auch den Russen hassen, so lieben sie deshalb noch nicht den japanischen Zwingherrn, so wenig wie die Iren etwa die Engländer. Und das nördliche, russische Sachalin bleibt den Japa­nern eine fast so schmerzliche Erinnerung an diplo­matische Niederlagen, wie etwa das chinesische Schantung, das sie zur Zeit schon wieder kräftiger anfassen. Geht es also nicht mehr mit dem man­dschurischen Diktator Tschangtsolin, so muß es ohne ihn gehn, immer aber, wenngleich nicht immer amtlich, gegen das kommunistische Rußland, dessen fernöstliche Propaganda von Japan noch als größerer Gegensatz zu den eigenen Interessen emp­funden wird als einst die Machtgelüste des Zaren­reichs.

In China erheben noch immer bezahlte Pöbel­massen, Frauen, Kinder und besondere Gefolgsleute des Rubels, ihr kommunistisches Geschrei, obwohl die Abschiebung des russischen Beraters Borodin und Tschiangs Frontwechsel keinen Zweifel mehr daran lassen, daß Chinas Befreiungskampf nicht etwa der Teil einer Weltrevolution, sondern ein

hundertprozentig nationalchinesisches Ganzes ist. Man kann es den farbigen Völkern nicht verdenken, daß sie schon von der allererstenInternationale", dem fremden Kapital, genug haben und sich nach keiner zweiten oder brittcn sehnen. Der verstorbene Chinese Dr. Sunyatsen, der alle Aussicht hat, ein Volksheiliger zu werden, hat vor fünf Jahren mit dem Russen Joffe eine gemeinsame Feststellung ver­öffentlicht, in der beiderseits ein kommunistisches System nach russischem Muster für China als un­möglich und lediglich russische Hilfe für Chinas Einigung und Befreiung als wünschenswert be­zeichnet wird. Darüber sind die Kuomingtang Kuo" heißt Reich,ming" Volk,lang" Partei ober Gesellschaft auch nie ausgegangen; und China wird nach seiner Befreiung den russisch­asiatischen Gegensatz viel stärker betonen als h.mte den englisch-russischen, aber erst dann, wenn Eng­land nicht mehr Chinas und Rußlands gemeinsamer Gegner ist. Als ausgesprochener Individualist kann der Chinese wohl zur Not europäisch, aber nie kom­munistisch denken, denn schon Konfuzius sagt:Ein gut regierter Staat hängt ab von guter Familicn- orbnung unb eine gute Familie von entsprechend guter Entwicklung des Individuums". Eine ge­rade Linie also von dir über die Familie bis zur Staatsautvrität, für die es nur diese eine Welt gibt,

(Kungfutse Konfuzius), der ebensowenig wie seine Kollegen Rußland kennt. Zum Kultusminister ist der deutsch orientierte, auch fließend deutsch sprechende Koumongyü, mein früherer Dekan an der Universität Peking, ernannt den trennt eine Welt vom Kommunismus, wie ich aus seinen iro­nischen Scherzen weiß. Der Finanzminister Sung, Schwager Sunyatsens, ist besonders stolz auf seine

immt hätten, und daß lediglich aus Gründen die Mandatskommi's-

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---tätigfeit die Versicherung, an Stelle der Gnade der Rechtsanspruch tritt. Zu dem Zweck ist eine straff ausgebaute Reichs- anstatt gegründet, der gleichzeitig die Ar­beitsvermittlung und die Arbeits -

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Eine neue soziale Großtat. I Zur Annahme der Arbeitslosenversicherung im Reichstag.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

DerAtz in der Mandatskommission

Das Jntriguenspiel um den Sitz Deutschlands in der Mandatskommission des Völkerbundes nimmt nachgerade groteske Formen an. Es ist auf dem besten Wege, sich zu einem europäischen Skandal auszu- wachsen. Wie sind doch die Dinge gelaufen? Auf Vor­schlag des Völkerbundssekretariats ist in den Etat des Völkerbundes ein Posten ausgenommen worden, wo-

bisher ein Ausnahmezustand gegen uns vorlag, sondern auch, weil mit dem Eintritt Deutschlands in die Mandatskommission der erste und wirkliche Erfolg in dem Kamps gegen die Kriegsschuldlüge zu verzeichnen ist. Die Siegerstaaten haben uns unsere Kolonien gc nommen, da wir uns angeblich der Koloni­sierung als unwürdig erwiesen haben. Die Man­datskommission hat offiziell die Kolonialpolitik der Mandatarstaaten zu beaufsichtigen; wenn wir also das Recht der Aussicht über die Ko­lonialpolitik Englands und Frankreichs in un­seren ehemaligen Kolonien bekommen, dann wird damit wenigstens indirekt eine der moralischen Riederlagen, die wir im Versailler Vertrage einstecken mußten, wieder ausgeglichen. Ganz abgesehen davon, daß es natürlich für Deutschland von ausschlaggebender Bedeutung ist, wieder irgendwie Anschluß an die Kolonial- Politik zu gewinnen; was nicht unbedingt in Form einiger Kolonien geschehen mutz, sondern auch auf andere Weise erreicht werden kann. Unzweifelhaft aber ist jetzt der Sih der Man­datskommission für Deutschland aus einer Zweck- mähigkeitsfrage zu einer Prestigefrage geworden die im September bei der Vollversammlung ausgepaukt werden muh. Wenn wir diesen Sitz jetzt nicht erhalten, ist das eine Brüskierung, die uns beweist, wie wenig ehrlich es die Sie­gerstaaten mit den in Locarno gegebenen Zu­sicherungen meinen.

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Ttacheldraht empfiehl.- ,-^a Edgar ßorrmann Solle; und stücheu- _8£totcjßi^cu.

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Einrichtung des Transozeanflugverkehrs geredet und geschrieben worden ist, einmal notwendig, diese Zusammenhänge klar barzustellen, um die immer wieder austauchenden Stimmen, die von einer neuen Aera des Transozeanverkehrs wissen wollen, zurechtzuweisen. Man hat die Maschinen dieser Leute als schwimmende Tanks bezeichnet. Unö das mit Recht. Sie haben ihre leichten Land­maschinen mit Benzin und Del gefährlich über­lastet, sie haben deshalb sogar auf die Mitnahme der im heutigen Flugverkehr unumgänglich not­wendigen Radioapparatur verzichtet. Tlnd sie haben diese mit Brennstoff überlasteten Ma­schinen auch nicht mit einem Kilo Ruhlast mehr beschweren dürfen.

Etwas Gutes haben diese Flüge allerdings gezeigt, nämlich daß derartige Maschinen, wie sie sie geflogen haben, und es toaren Typen mit Ausmaßen, wie sie heute im Flugverkehr durch­weg üblich find für einen Transozeanverkehr nicht in Frage kommen. Das erste und oberste Gesetz für den Flugverkehr ist die Schaffung der Möglichkeit zur Mitnahme zahlender Ruhlast, wie der Fachausdruck lautet, sei es als Passagier, als Fracht oder als Post. In diesem Punkte sind wir bei den Rekordflügen der letzten Zeit nicht einen Schritt vorangekommen.

Man wird den Gedanken eines Transozean­flugverkehrs erst dann verwirklichen können, wenn wir wirklich Apparate haben, die einmal bei dem vielstündigen Fluge über das Meer genau denselben Sicherheitsfaktor ausweisen, der im Landflugverkehr besteht, und die ferner so ge­baut sind, daß sie genügend Ruhlast tragen können, um den Verkehr wirtschaftlich gestal­ten zu können'). So wie die Dinge heute liegen, bietet nur das Zeppelin-Luftschiff die Möglichkeit eines Transozeanverkehrs, so tote er den Be­dürfnissen unserer Zeit entspricht. Eigentlich muh man sich darüber wundern, daß die Leistungen unserer Zeppeline während des Krieges so rasch vergessen worden sind. Hier sei nur noch einmal erinnert an jenen Luftkreuzer, der von Rumä­nien aus nach Deutfchostafrika flog und von dort als er keine Landungsmöglichkeit antraf, ohne die Erde berührt zu haben, nach Hause

) Aehnliche Gedankengänge hat Eckener seinerzeit bei feinem Vortrage in Gießen ent­wickelt. D- 2ked.

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weil alle ständigen Ratsstaaten Sih Stimme in dieser Kommission haben, hier also

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schiedenenRäte", die dazu bestimmt sind, zu schwinden, wenn der propagandistische Zweck der

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Kreistag des Kreises Gießen.

* Gießen, 9. Juli 1927.

Unter dem Vorsitz des Oberregierungsrats Dr. Heß hielt heute der Kreistag des Kreises Gießen im Regierungsgebäude seine diesjährige ordentliche Sitzung ab. Sämtliche Kreistags- mitglieder 30 an der Zahl und die Mit­glieder des Kreisausschusses waren zugegen.

Rach kurzen Begrüßungsworten des Vor­sitzenden und oer Feststellung der Präsenz kamen die Rechnung der Kreiskasse und der Verwaltungsber i ch t des Kreisaus­schusses für Rj. 1925 zur Vorlage. Die Kreiskasse-Rechnung für 1925 schließt ab: in der ersten Abteilungfür den Be­trieb": Einnahme 1 432178.91 Mk., Ausgabe X 383 045.74 Mk., Überschuß 49 133.17 Mk., der aus 39 738.11 Mk. Barvorrat und 9395.06 Mk. liquidierten Ausständen besteht; die zweite Ab­teilungfür das Vermögen" gleicht sich mit 18 984.01 Mk. aus. Der Kreistag war im Berichtsjahre zweimal zusammengetreten. Der Kreisausschuß erledigte im Kalenderjahre 1925 in 18 Sitzungen im ganzen 442 Gegenstände (darunter 26 mit mündlich kontradiktorischem und 416 ohne mündliches Verfahren). Beide Berichte wurden genehmigt.

Hierauf wurde der Voranschlag der Kreiskaffe für 1927 beraten. Der Vor­sitzende, Oberregierungsrat Dr. Heß, betonte von vornherein, daß der Voranschlag außer­ordentlich angespannt sei, denn die Verwaltung habe sich bemüht, die Aufwendungen so gering wie nur irgend möglich zu halten. Falls die Ver­waltung mit den angeforderten Mitteln nicht auskomme, müsse sie heute schon vorsorgend einen Rachtragsetat in Aussicht stellen. Der Voranschlag

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zurückkehrte. Das war ein ununterbrochener Flug soll auch in dem Apparat von Dr. Rumpler von über 10 000 Kilometern. Keine Ruhmes- das Vorderteil der Tragflügel die Aufenthalts-

Maschine sind allerdings bis jetzt noch keine Einzelheiten in die Öffentlichkeit gedrungen. Im Gegensatz dazu will Dr. Rumpler, der ja schon vor dem Kriege auf dem Gebiete des Flugzeugbaues eine führende Rolle spielte, eine Wassermaschine konstruieren, die nach dem Prin­zip gebaut ist, datz jeder Lastteil auf_ ein be­sonderes ihm zugeordnetes Tragflügelstück wirkt. Man kann also sagen, daß diese Maschine eigent­lich eine Zusammensetzung mehrerer Maschinen darstellt. Als Antrieb sollen zehn Motoren zu je 1000 PS. dienen, die dem Apparat eine Ge­schwindigkeit von 275 Stunden-Kilometem geben. Aehnlich wie bei dem Projekt von Dr. Junckers

von über 10 000 Kilometern. Keine Ruhmes- sucht, feine Jagd nach Geldern, war der Grund dieses Fluges, sondern einfache Pflichterfüllung. Und der Flug Dr. Eckeners mit der Z. R. 3 steht noch in unser aller Erinnerung. Bedarf es noch eines anderen Beweises, um die Über­legenheit des Luftschiffes gegenüber dem Flug­zeug in bezug auf den Transozeanverkehr bei dem heutigen Stande der Technik- beider Luft­verkehrsmittel? Es scheint, als ob uns erst Eng­land in der Fortentwicklung des Luftschiffbaues Iben Rang ablaufen müsse, bis wir einsehen, daß wir wieder die Gelegenheit verpaßt haben. Inzwischen werden natürlich die Arbeiten unserer Flugzeugkonstrukteure fortgesetzt werden in der Richtung, in absehbarer Zeit eine Flugmaschine zu schaffen, die den Anforderungen des Trans­ozeanverkehrs in bezug auf Tragfähigkeit und Sicherheit entspricht. Darüber, daß die im Luftverkehr heute üblichen Apparate für den Flug EuropaAmerika nicht in Frage kommen, darüber sind sich alle maßgebenden Stellen einig. Ueber die Projekte, an denen heute von verschiedenen Konstrukteuren gearbeitet wird, konnte man in letzter Zeit einige Einzel­heiten erfahren. So will z. D. Dr. ing. h. c. Hugo Junckers ein Ozeanflugzeug, ein Land- flugzeug, bauen, das man als einRurtrag­flügelflugzeug" bezei.-nen kann. Das Flugzeug soll eine Spannweite von 70 Metern haben, dabei sollen die Flügel fp dick konstruiert werden, daH ihr Inneres trotz aller Träger und Ver­steifungen Kabinen mit etwa 100 Plätzen bietet. Wie bei allen I uncker s - App ara ten, soll bei diesem Ozeanflugzeug auch Duraluminium zum Bau verwendet werden. Heber den Antrieb dieser

Russisch-asiatische Gegensätze

Von Professor Dr. Waldemar O e h l k e.

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räume für Passagiere enthalten. Die geplanten und teilweise schon begonnenen Konstruktionen anderer Flugzeugbauer bewegen sich etwa auf derselben Linie. Wie weit das zu erreichende Ziel, der Transozeanflugzeugverkehr im Flug­zeug, noch in der Ferne liegt, das geht wohl am besten daraus hervor, daß alle diese Pro­jekte zur Zeit noch in den Kinderschuhen stecken, und daß theoretisch wohl das eine oder das andere die Bedingungen erfüllt, die man an eine für diesen Verkehr geeignete Maschine stellen muß. Praktisch ist aber noch keine ausprobiert. Cs wird noch viel Zeit vergehen, bis wir so weit sind, Flugzeuge bauen zu können, denen man ungefährdet sein Leben für einen Flug über den Ozean anvertrauen farm. Sollte es da nicht vernünftiger fein, den als brauchbar und absolut sicher ausprobierten Verkehr mit Zeppelinkreu­zern auszubauen?

Mary Pickford unter Polizeibewachung.

Mit der versuchten Entführung berühmter Filmschauspielerinnen ist in Hollywod schon lange Reklame gemacht worden. Auch jetzt tauchen wie­der Gerüchte auf, daß sich in dem amerikanischen Filmmittelpunkt eine Bande zusammengetan hat, die durch den Raub einiger der kostbarsten Film­damen eine Million Dollar an Lösegeld erpressen teilt Das erste Opfer sollte Mary Pickford sein, die seit 5 Jahren zum erstenmal anstatt in ihrem Attelier Aufnahmen im Freien gemacht hat. Ein Mann namens Brady tarn aufgeregt zu der Diva, bevor sie ihren Palast in Beverley Hills bei Hollywood verließ und berichtete, er habe hinter einem Kraftwagen gestanden, in dem sich eine Anzahl unheimlich aussehender Männer be­fand, und habe gehört, wie einer sagte:Jetzt kommt sie bald. Sie ist für uns 100 000 Dollar teert! Die benachrichtigte Polizei fand aller­dings den geheimnisvollen Kraftwagen nicht mehr vor, aber das Heim Marys wurde daraufhin von einem starken Polizeiaufgebot bewacht, und als sie zur Aufnahme fuhr, war sie von Poli­zisten umringt, während ihr Gatte Douglas Faic- banks neben ihr im Kraftwagen sah, mit einem Polizeimaschinengewehr schußbereit in der Hmw. Das Aufsehen, das dieser seltsame Auszug machte, war natürlich groß, und so hatte derEnt­führungs-Versuch" immerhin fe:n Gut"^

Der englifch-rufsifche Gegensatz ist nicht etwa ein Zeichen dafür, daß sich die Sowjetrepublik nur mit Europa nicht verständigen kann. Die Stimmen, die von Amerika herübertönen, sind ja deutlich genug. So gern die Vereinigten Staaten sonst nehmen, was England verliert, so wenig hat doch ihrem kapitalistischen Internationalismus der sozialistische Moskaus eingeleuchtet. Sie haben sich auch nicht dafür begeistern können, daß nun an der russischen Universität des Ostens" amerikanische Neger neben Ostasiaten studieren, und bemängelten schon an der MoskauerAusstellung für soziale Fortschritte in Rußland" ironisch das Fehlen von Mustern für die besten Hinrichtungsmethoden. Das hat ja nun die Machtgruppe Stakin-Bucharin praktisch mit furcht­barer Anschaulichkeit nachgeholt. Für solche inter­nationale Propaganda danken natürlich nicht nur die Völker der westlichen Erdteile. Es gibt aber noch ganz andere russisch-asiatische Gegensätze, die eine dauernde Verständigung der russischen Kommunisten mit Ostasiaten unmöglich machen auch dann, wenn in China der radikale 0 -en auf der ganzen Linie siegt, und in Japan dU gemäßigten Parteien die regierenden Seyukai von einer Politik der starken Faust zurückhalten.

Vor einigen Jahren hätte man ein vertragliches Verhältnis zwischen Japan und dem heutigen Rußland nicht für glaubhaft erklärt. Es war auch nur eine Forderung der Not, denn England hatte das Bündnis nicht erneuert und Amerika japa­nischer Einwanderung die Tür verschlossen. Japan machte gute Miene zum bösen Spiel und will jetzt zeigen, wie sehr es sich von den Angelsachsen an Weitherzigkeit unterscheidet. Es begrüßte daher auf der Genfer Weltwirtschaftskonferenz die Rede des russischen Delegierten Sokolnikow, daß das Sowjet­system durchaus neben dem kapitalistischen in ge­meinsamer Arbeit bestehen könne, und bedauert nun Englands Bruch mit Rußland, da sich die internationale Propaganda Moskaus viel wirk­samer bei friedlicher Berührung, als bei feindlicher Trennung bekämpfen 'lasse. Bekämpfen aber in jedem Fall, darum tommt auch die Monarchie der Sonnenherrscher selbst offiziell nicht herum, und das allein bleibt am Ende innerpolitisch doch der Kern der Sache. _____ ________

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Wie steht's um den Gzeanflugvettchr?

Von Heinrich Baron.

Lindbergh, Chamberlin, Byrd. Wochenlang ist die Welt durch diese drei Rainen in Aufregung gehalten worden. Eine Sensation jagte die andere. Die Spalten der Zeitungen toaren gefüllt mit den lleinsten Einzelheiten über die drei wagehalsigen Unternehmen dieser drei mutigen Männer. Jetzt, too die Wogen der Begeisterung sich ettvas gelegt haben, ist es an der Zeit, einmal zu untersuchen, welche prattischen Ergebnisse dieseno stop"-Flüge gebracht haben. Als Chamberlin nach Berlin kam, wurde sein Flug von prominentester Stelle als der Beginn einer Flugverkehrsverbindung zwischen Amerika und Europa gefeiert. Aehnliches war in Paris, in London, in Reuyork, kurz überall, too die neuen Lufthelden auftauchten, zu hören. Bei kritischer Betrachtung ihrer tatsächlichen Leistun­gen wird man aber derartige Lobeshymnen, die aus der Begeisterung über die geleisteten Taten leicht erklärlich sind, in das Reich der Fabel ver­weisen müffen. Man kann die Leistungen der Ozeanflieger günsttgsten Falles als große Sport­taten bezeichnen. Man kann aber auch noch schär­fer sein und sagen, daß diese nicht einmal vorlie­gen. Wenn Lindbergh selbst bei seinem Abflug sagte, daß er, wenn er in seine Maschine einsteige, das Gefühl eines zum Tode Verurteilten habe und wenn er tatsächlich in Europa ankomme, so fühle er sich wie einer, der in letzter Minute be­gnadigt sei, so liegt doch in diesen Worten schon etwas, das mit Sport nichts mehr zu tun hat, nichts mehr zu tun haben darf. Man muh also bei kritischer Beleuchtung sagen: es toaren tollkühne Unternehmungen, die zufällig, glücklicherweise, günsttg verlaufen sind. Sie wurden nicht ihrer selbst wegen unternommen, sondern weil im Falle des Gelingens Geld und Ehre winkten! Gerade das darf man nicht vergessen. Lindbergh, Cham- oerlin und Byrd sind durch ihre Leistungen reiche Leute geworden. Lind weil sie wußteir, daß ihnen Geld und Ehren im Falle eines Gelingens wink- tert, deshalb haben sie alles auf die eine Karte gesetzt und gewagt. Etwas Derartiges kann man wirklich nicht mehr mit Sport bezeichnen.

Es erscheint nach allem, was in letzter Zeit im Zusammenhang mit diesen Ramen über die

sion noch um eine gutachtliche Aeußerung ersucht worden sei. Die Kommission hat jetzt einen seltsamen Beschluß gefaßt, der eigentlich zwei Beschlüsse ent­hüll; die Mehrheit hat gegen den Eintritt Deutschlands in die Kommission nichts einzuwenden, die Minderheit aber, die sich bezeichnenderweise aus Frankreich, Belgien und England zusammensetzt, sagt nicht gerade nein, verklausuliert ihre Stellung­nahme jedoch derartig, daß sie rote einRein klingen muß. Hier liegt unverkennbar ein schrof­fer Widerspruch zwischen der offiziellen Politik der Siegerstaaten und der Abstimmung ihrer Ver­treter in der Mandatskommission vor, der mir etwas gewaltsam dadurch geklärt werden kann, daß die Mitglieder der Mandatskommission nicht Vertreter ihrer Regierung, sondern Beamte des Völker­bundes sind. Es ist aber selbstverständlich, daß die Herren nicht abgestimmt haben, bevor sie sich nicht eine entsprechende Rückendeckung in ihrer Heimat sicherten; woraus hervorgeht, daß, wie sogar der Vorwärts" feststellt, hier eindoppeltesSpiel gegen Deutscyland getrieben wird.

Allerdings biegt das fozialdemokraiische Blatt die ganze Spitze aufs innerpolitische Ge­biet ab mit der Bemerkung, daß Dr. Stresemann um der Deutsch nationalen willen das ganze Thema angeschnitten habe und damit jetzt einem neuen Mißerfolg entgegengehe. Das ist

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losenvers icherung übertragen ist. ilnö zwar wird künftighin nicht mehr rein schematisch ein bestimmter Unterstützungssatz gezahlt, son­dern die Leistungen der Anstalt werden gestaf­felt nach dem, was der Untersttitzungsberechtigte auf Grund seines Arbeitsverdienstes einge­zahlt hat. Die Unterstühungs dauer aus der Versicherung beträgt 26 Wochen, sie kann auf 39 verlängert werden. Die Beträge werden von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern je zur Hälfte gezahlt, sie dürfen aber zusammen 3 Prozent des Lohnes nicht übersteigen. Stellt sich heraus, daß die Reichsanstalt mit diesen Zahlungen nicht auslornrnt, dann wird das Reich in Form von Darlehen Zuschüsse zur Verfügung stellen, die aber später wieder zurückgezahlt werden sollen. Daraus kann das Arbeitsminrste- tium in Zeiten der Krise eine besondere Krisen­fürsorge einrichten, wo dann nach der jetzt üblichen Form vier Fünftel der Kosten vom Reich und ein Fünftel von den Gemeinden auf­gebracht werden.

Leider ist es nicht gelungen, besondere Ersatz- taffen für die Angestellten zu bilden. Das haben die Sozialdemokraten mit Unterstützung des Zentrums zu verhindern gewußt. Immerhin hüt der Reichstag eine Entschließung angenommen, worin die Regierung aufgefordert wird, nach zwei Jahren eine Denkschrift deyr Reichstag vorzulegen zu dem Zweck, nachzuprüfen, ob für einzelne Gruppen nicht doch ohne Schaden für die Gesamtversicherung die Errichtung von Ersatzkassen möglich ist. Ob die Ent­wicklung dann nicht doch noch in der Richtung drängt, muß man abwarten.

Als Ganzes genommen bleibt aber trotzdem das reue Gesetz eine Errungenschaft, auf die nicht nur die Negierungskoalition, sondern das ganze deutsche Volk stolz sein darf. Wir haben wieder einmal be­wiesen, daß wir in allen sozialen Einrich­tungen an der Spitze stehen, und das, obwohl wir durch die Belastungen aus der Kriegsentschädi­gung unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten müssen, als unsere Konkurrenzen. Am 1. Oktober wird die Neuordnung in Kraft treten. Sie tebeutet für das Reich und für die Gemeinden eine ftarte Entlastung, weil die Gelder, die bisher für die Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung gestellt werden mußten, wegfallen. Wir glauben auch, daß dadurch die Zahl der Arbeitslosen, wie sie nach der Statistik bisher in die Erscheinung tritt, wesentlich heruntergedrückt wird, weil durch den Aufbau der Anstalt eine reinliche Scheidung zwi­schen der Arbeitslosigkeit und der Ar­beitsunfähigkeit herbeigefüührt wird; Be­griffe, die bei dem bisherigen System stark durch­einander gingen und die Zahl der Arbeitslosen stark in die Höhe treiben. Nicht, als ob man mit einem solchen Gesetz der Arbeitslosigkeit an sich entgegen­wirken könnte, aber die Ausnutzung der Unter­stützung durch Unberechtigte wird künftighin weg­fallen, was im Interesse einer Rückkehr zur sozialen Ehrlichkeit nur zu begrüßen ist.

MM

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Wer erteilt einem Schuler öer unteren Klaffen

Nachhilfestunden in Latein?

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