Nr. 134 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, U. Juni (927
Szenenwechsel im fernen Osten.
Don Dr. Paul Rohrbach.
Entgegen allen Prophezeiungen europäischer Korrespondenten in China hat sich bw San« der von Tschangkaischek geleiteten Regierung non Nanking nach Norde» in Bewegung gelegt und zunächst bedeutende Erfolge gehabt. Daß eine große nuliiLrische Aktion von Nanking au» im Dange war. tonnte man schon au» den ein dis zwei Lage früher hierher gelangten Nachrichteii schließen wonach zuerst die Japaner und danach die Engländer ganz plötzlich Truppen nach Norbchcna schickten, die Japaner nach Schantung und die Engländer nach Tientsin.
6» wird gut sein, bei dieser Gelegenheit noch einmal den bisherigen Dang der Dinge in Chrna s,ch zu oergegenwär.igen. Der grohe Bor- marsch der Kantonesen 1926 gelangt« in ununterbrochenem Anlauf dis Han kau. das etwa SCO jtilomticr landeinväns am Jangtse liegt, an der Stelle, bis wohin bei mittlerem Wasserstand grohe Ozeandampfer und schwerere Kriegsschifse auswärts gelangen. Hantaa mit feinen AedenttLdten ist der wichtigtte Platz im 3mv."n von China. Hier etabüeric sich nach der Einnahme die Regicrung der Rationalen Fvei- heits-lDoiks--Partei der Kuomintang. Deren militärischer Defehlohaber war der junge Oene- ral Tschangkaischek der feine Ausbildung teils auf der chinesischen Mllttärschule von Wharnpoa teil» in Moskau erhalten hatte. Tschangkaischek ging von Hankau alsbald gegen Schanghai vor, geriet aber schon auf dem Marsch In Differenzen mit der zu Moskau neigenden. von Dorodln beeinflußten Hankauer Regierung, die ihm politische Aufsichtskomnnlsare mttgab und in der htneienkadt von Schanghai eine kommunistische Sowjetsiliale einrichten ließ. Nachdem T'äxinqkoischcrk Schanghai (immer natur- ltch mit Auslassung der internationalen Nieder- lassung) und die von dort fließenden großen Einkünfte 'n seine ®ett>aU bekommen hatte, machte er mit den Kommunisten kurzen und blutigen Prozeß unb etablierte in Nanking, das unter der Ming-Dnuastic bis zum 17. Jahrhundert die Hauptstadt von ganz China gewesen war. eine neue Negierung Diese frat mit dem Anspruch aus. die eigentliche offizielle Dolksreg.e- rung zu sein, unter Ablehnung deS Kommunismus und des Verhältnisse- m i t M o s ka u. Dadurch, daß Tschangkaischek die Eingang»psorte de» Jangtse beherrscht, hat er die radikale Negierung in Hankau von der Der- blnbung nut dem Meer und den Zolle inkünften abgeschnitten unb sie zur Ohnmacht verurteilt.
Außenpolitisch treten Tschangkaischek und seine Negierung, auch wenn sie dem Kommunismus ben Krieg erklärt haben, mit aller Energie a l s Dorkämpfer von Chinas Selbständigkeit gegenüber den fremden Mächten auf. Apch ihre Parole heißt: Fort mit den un- gfcUßen Verträgen und mit den privilegierten Niederlassungen der Fremden! Don ganz anderer Art ist Un ^lorden die Steilung Tschang t soll ns. Cr war ursprünglich nur Militarhcrrscher der Mandschurei, hat aber von dort feine Macht auch über die Provinzen Tschill mit der Reichs- Hauptstadt Peking, Schantung unb einen Teil her wichtigen Dinnenprovinz Honan ausgedehnt. Eine ähnliche, nur schwächere Stellung nahm vorübergehend auch Suntschu anfang in den reichen Küstenprovinzen zu beiden Seiten der Jangtse-Mündung ein. Er wurde beim Vormarsch der Kantonefen auf Schanghai geschlagen, mußte sich nordwärts zurückziehen unb in Abhängigkeit von Tschangtsolin begeben. Zur Zeit spielt er keine erhebliche Nolle mehr, auch hat er nie ein Verhältnis zu der nationalchinesischen Freiheitsbewegung gehabt.
Tschangtsolin ist ein energischer Mann, gaiiz Militär, aber gleichfalls nicht auf den nationalchinesischen Gedanken eingestellt, sondern auf seine persönlichen Machtziele. Er hat sich öfters, so schon während des Krieges als er den deutschen Vertretern Mittel zur Hilfeleistung für ihre Schutzbefohlenen zur Verfügung stellte, als Deutschenfreund gezeigt. Zwischen ihm und Tschangkaischek war da» Verhältnis längere Zeit unklar: vorübergehend schien es. als ob sie sich, mit einer gemeinsamen Front gegen ben Bolschewismus. Derftanbigen unb ihre Machtbereiche gegenseitig anerkennen wollten. Eine solche Wendung wäre zwar im Sinne der englischen unb auch der japanischen Politik gewesen, sie hülle aber Tschangkaischek seinen moralischen Rückhalt bei den gemäßigten Elementen der Kuomintang gekostet. AuS diesem Grunde mußte Tschangkal-
Boöen, Degetatiott, Siedlungen, Volk und Hälfe in (ßberheffen in zeitlicher Entwicklung.
Don Dr. 5. Ä l u t c. o. Professor der Geographie an der UniDcrfität Gießen*).
Die geographischen Dedingungen sind in historischer Zeit keinem größeren Wechsel unterworfen, so baß sie. von kleineren Derände- runaen abgesehen, als konstant betrachtet werden können. Der Mensch hat dagegen im Lause der Jahrhunderte feine Ansprüche an die llmtoclt erweitert und verändert und deshalb erhalten die verschiedenen geographischen Faktoren in jedem Zeitalter menschlicher Betätigung eine wechselnde Bedeutung. Wieweit sich auch die Kultur entwickelt, sie wird nie unabhängig von den geographischen Bedingungen, so sehr sie dieselben auch zu meistern lernt. In Hessen, unb eS ist hier das Gebiet des ganzen DollsstaaleS Hessen betrachtet, um bessere DergleichSmöglichkeiten zu haben, wechseln Mittelgebirge unb tiefgelegene Teile. Die tief- gclcgcnen Teile sind die Rheinebene. Wetterau unb das Rhein-Main - Dreieck, die gebirgigen der Odenwald und Vogelsberg unb das rheinische Schiesergebirge. Bei einer Betrachtung der 11m- gestallung der Landschaft durch den Menschen ist als erstes festzustellen, daß die Gebirge zur Zeit der Römer fast ausnahmslos dicht bewaldet waren, ausgenommen breitere Talgründe, besonders am Rand deS Gebirges. Dewohnt unb beackert war daS Tiefland, nicht nur zur Römer- zeit, sondern nach den Funden von Gräbern unb Wohnplätzen schon zur jüngeren Steinzeit und zur Bronzezeit. Ausgenommen sind die großen Sandgebiete im Rhemthal unb im Rhein-
*) Nach einem Vortrag, glatten auf dem 22.
Deutschen Geographentag in Karlsruhe
schek sich früher oder später gegen den Norden m Bewegung fetzen. Dori cfxfnert in Peking immer noch die frühere jetzt ganz zum Schatten geworbene Reichsregierung in deren Namen die seit balb zwei Jcchvrn nicht mehr bezahlten offiziellen Dertreter Chinas im Auslände und beim Ddllerbunbe amtieren.
Ttchangkaifchets Vormarsch richtet sich mit der Hauptmacht . itlang brr von Nanking nach Prting führenden, seinerzeit unter deutscher Beteiligung erbauten Bahnlinie. Diese erreicht schon einige hundert Kilometer nördlich von Nanking bte Grenze der Provinz Schantung. Tschangtsolin. der die Verteidigung feine» Macht gebiet es noch vorher versuchte, ist «den vollständig geschlagen worden, und auch feine nächste Stellung bei Tsmanfu. der Hauptstadt von Schon u ng. ist stark gefährdet, da der Uebcrgang über beii Gelben Fluß hier von den vvrdnngenden Südlruppen schon erzwungen ist. Hinter Tfinanfu gibt «s nur noch dicht vor Peking, die von Natur wenig starke P e i h o l i n i e . und wenn auch Peking aufgegeben wird, als letzten Rück- Hall bte äußerst starke Stellung beiSchanhaik- wan. wo die Große Mauer die schmale Passage
zwischen dem Meer und dem Gebirge schon feit Jahrtauseichen sperrt unb das Tor zwi chen bem eigentlichen Sin .a unb der Waud'churei liegt.
Je mehr 'ich T'changtsolln gegen den Äem- sitz seiner Macht die Mandschurei, zurückiüchi, desto stärker wird er. während sein südlicher Gegner sich von seiner ursprünglichen Baus. Nanking, entfernt. Es kommen aber neben den im engeren Sinne militärischen Faktoren auch noch andere in Betracht, vor allem die Volks- stimmung. die auch im Norden stark der Kuomintang luncigi. unb dazu noch die schwankende Gestalt des sogenannten christllchen Generals Feng, der mit einer Armee von unbekannter. aber schwerlich bedeutender Stärke seit anderthalb Jahre;', in der gebirgigen Region nordwestlich von Peking gegen die Mongolei zu. stand und nun, nach T'-angtsoiins Niederlage, auf Chengchow zu marschiert. Alles dies zusammen macht es wohl begreiflich, daß man in London unb Tokio in Aufregung geraten ist unb im voraus ^zum Schutz der eigenen Staatsangehörigen^ rnilltärische Kräfte auf den vermutlichen Kriegsschauplatz geschickt hat.
Chomberlins Flugbericht.
Die Nachtausgabe laßt sich aus Neuvork tndben. Nachdem der ungeheure Sturm der Vegrüstungc seierllchkeiten für die DyanfUcgcr Chambertin unb Lewine in Rottbus und Berlin etwas abgeebbt ist. haben die Flieger Zeit gesunden, einen ersten Bericht über den Verlaus ihres kühnen Dyan nach Amerika gelangen zu lassen. Sie schildern ihre einzigartigen Erlebnisse wie folgt:
„Nach einen Blick auf die jubelnde Men« von (£ u r t i ß f i e 1 b, bavi^eißt es: Keine Zeit mehr verlieren, in die Maschine klettern, der wir unser, ganze Ausmerksarnkeit schenken. Kurz nach sechs Uhr früh starteten wir, unb es war eine Sache weniger Minuten, da lagen schon die Heineren Orte oon V o n g- Islanb . . . Kurz darauf, cs war acht Uhr. da lag Westport unter uns. Ueber N e w - 2 e b s o r b (Massachusetts) flogen wir in norböstticher Richtung, unsere Maschine ping ganz niebrig über Ne Stadt, deren begeistert Abschied winkende Menschen wir deutlich sehen konnten. Dann gingen wir wieder hoch bis auf 1000 Meter. Das Wetter war bis jetzt kalt, aber wir waren zuversichtlich: Wir fühlten un:- zunächst erleichtert und atmeten auf, den „'.Rümmer mit all den aufpeitschenden Begleiterscheinungen hinter uns zu haben. Trotz des tollen PropeUergebnauscs fühlten wir. daß eine gewisse wohltuende Ruhe über uns kam, hier im stillen Führersitz, von aller Welt abgetrennt unb abgeschnitten.
Prooineetown unb bann überflogen wir Neusundlanb. Kurz nach Mittag sichteten wir Barmouth. das wir langsam überzogen und auch hier uns über den Jubel der BeoiHferung sreuten. Hallfax war der nächste Punkt.
3eßf bekamen wir Wolken, es regnete und bann Rebel — Nebel — Nebel. Bafb — schon kreuzten wir Ober bem offenen Meere — hatten wir Malheur mit unserem Kompaß. Er funktionierte aus einmal nicht mehr. Wae tun?
Die Situation war für uns fürchterlich. Sollten wir ohne Kompaß bas Weltmeer durchkreuzen? Das ist unmöglich. Das ist ein lächerliches Unterfangen! Sollen wir umkehren? Geradezu beutlich erfaßte uns die Unruhe unb ließ uns keine Rul)e. Aber bann dachten wir an die Kritik der Presse wie überhaupt der ganzen Oefsenstichkeit der Welt und tagten uns: ’Rein! Nie imd nimmer, lieber imicrgchm! Lieber im Meere krepieren, als jetzt einen Rückzug antreten. Uebrigens was heißt das? Wir sind ja doch nicht verloren. Lachend erinnern wir uns des kleinen Slompoffcs an unserer Taschenuhr unb hängen biese feierlich über ben nicht mehr funPionierenben Flug- zeuakompaß. Ferner gab es ja ba bHinten Eisberge in Hülle, und Eisberge sind immer auch ganz gute Wegweiser auf bem Ozean, fobati) man eben fliegt unb nicht Dampfer fährt.
Als wir sichtlich erfreut über ben glückhaften Ausweg aus dieser „Dcnnncdsituation“ waren, lachte Lswine und sagte: Lieber im „Dav jones locker“ <damit meinen die Amerikaner bas Meer) begraben fein, als yirücffliegen. „By jove“ — bas war auch meine Ansicht — lieber von Hanen „a u f • geluncht" werben, als noch einmal amerifam- schen Boden zu betreten, ohne den Ozean bezwungen zu haben. Nebel, Nebel und Stegen. Nebel aller Art: dicker unb grauer Rebel, rauchschwarzer Rebel unb wieber gelber Nebel. Wir flogen durch bas 'Rebel- meer. ohne zunächst zu wissen, wohin. lX>gleich der
Hane Taschenuhrkompaß auf dem Posten war und es auch nicht an Eisbergen fehlte. Aber dann kamen immer w.eder unerhörte Nebelschwaben, die uns zeitweise keine Eisberge erblicken ließen.
Wir flogen dahin nicht wie über einem Wellen rnrrr. sondern über einem Meer oon schmutzig- grauer Watte.
Es ging rauf und runter, zeitweise stiegen wir in eine Höhe bis zu 23 000 Fuß hinaus — wir flogen Stunden hindurch — der Abend kam — e S wurde Nacht - wir flogen immer noch — bald leuchteten uns die Oeftimc auf dem Weg durchs Ungewisse, bald verschwanden sie hinter nachtschwarzen Wollen — es graute der Morgen, mit neuen Nebeln brach der Tag an. Wir flogen flogen — flogen und wußten eigentlich noch immer nicht: wohin.... wußten immer noch nicht, wo wir waren. Wohl witterten wir Land, wohl mußte unserer Berechnung nach Land kommen. Aber welches Land. Wird eS Irland fein oder England, Spanien ober Frankreich. Auch kein Schiff dort unten aitf dem dunklen Meere. Nirgends ein Lebenszeichen. Wir waren allein mit unserer Maschine, wir waren allein, wir drei: Chambertin, Lewlne und die treue Columbia, wir waren nur auf uns angewiesen. wir auf die Maschine und diese auf und. und alle drei auf unser Glück. Jetzt kam das Glück in Gestatt deS großen CunarddampserS .M aurctania“! Wir wollten unseren Augen kaum trauen, als wir das prachtvolle Schiff, voll beladen mit fröhlichen Menschen, die uns zujubelten. vor unS tote einen »Fying Dutchman" aus dem Meeresnebel au stauchen sahen. Mehrmals umkreisten wir das Schiss, aber eine Verständigung mit den uns feiernden Passagieren toar leider unmöglich. Zufällig hatten wir eine Neuhorker Rettung bei und, und da kamen toir in unsererNot und unterem Ztoeifcl auf die Idee, unter den .Shipping Newd" nachzuforschen, wo die .Mauretania" um diese Stunde gewesen sein könnte. Da aber toar unsere Freude groß, als tolr feststellen konnten, daß wir schon wider Erwarten weit vorgedrungen waren und
(Europa vor uns
lag. Wieder tourde_.es Nacht, und die Nacht brachte abermals undurchdringlichen Nebel. Jehl touß**n toir. daß toir schon über Europa toaren. daß toir Englands Südspitze überflogen hatten. Wegen des dichten Nebels gingen toir höher bis zu ungefähr 20 000 Fuß. In dieser Höhe trafen toir über Deutschland ein unb hielten uns eine ganze Zeitlang so hoch. Denn toir fürchteten in Deutschland die Berge, die Kirchtürme unb bie Fabrikschom- fteine. Wir kannten bie beulschen Städte nicht, unb auch unsere AtlaSkarte toar ein würdiges Gegenstück zu unserem Taschenuhrkompaß. Einmal toaren toir über einer Stadt, deren zahllose Fabriktürme zu uns ßmauffaßen. Wir dach'.on bestimmt, eS sei Bremen. Wir gingen ganz tief herunter und fragten em halbes Dutzend ßeute, too toir wären, unb bte erwiderten uns laut und deutlich: Dortmund. Wir fliegen wieder sehr hoch, als plötzlich sich Denzinrnangel empfindlich bemerkbar machte. Wir gingen wieder
Main - Dreieck, bie schon damals wie heute mit Kiefernwäldern bestanden waren.
Die nach Vertreibung der Römer einziehen- den Alemannen und Franken nahmen die gleichen Gebiete ein und begannen erst um 700 mit der Urbarmachung neuer Gebiete durch Rodung. Dabei trafen sic eine starke Auslese nach der Bodenart. Der kristalline Teil deS Odenwalds und Spesiarts wurden bald in Eingriff Snmen, auch die Randgebiete des Vogels- s. In der ztoetten Rodungsperiode, die im ahrhundert einsetzt und um 1300 ab- schli eßt, wurden d ie höheren Teile deS Vogelsbergs mit seinen Basattböben in Angriff genommen, während im Buntsandsteinodenwald und Spessart nur ganz vereinzelt neue Ortschaften angelegt wurden und zwar in Mulden, m denen sich ein lehmiger Sandboden befindet. Sonst blieben diese Gebiete tote auch das Sandgcb et Star- fenburgj von Rodung verschont, da bie Böden 3um Ackerbau ungeeignet sind. In einzelnen Fällen toar man mit der Rodung zu wett gegangen und hatte Ortschaften auf schlechtem Boden gegründet. In vielen Fällen sind Ortschaften wieder verschwunden unb man spricht in diesen Fällen von Wüstungen. Dieser Ausdruck ist aber irreführend, denn, wenn auch die Häuter abgebrochen wurden, so ist doch in den meisten Fällen die Ackcrflur erhalten geblieben und einer Nachbargemeindc zugesallen oder einer fi^ erweiternden Stabt. Rheinhessen zeigt 15, Starkenburg 123, Oberhessen 269 solche Wustungen: 10 Ortschaften würben wegen ihrer Lage im Ucbcr- schwemmungsgcbiet des Rheins aufgegeben. 3n Starkenburg ist bei 23, in Ober Hessen bei 33 Wüstungen die Ackerflur ganz oder teilweise wieder dem Walde zugcfallen. Bei den anderen handelt eS sich nur um bie Verlegung beS Wohn- pla-eS, unb zwar in ben überwiegenden Fällen um Angliederung an eine vorhandene Ortschaft.
Was nun bte Bevölkerung angvfrt. so hüben wir cnrS der Geschichte frine zuvertäEigen
Anhaltspunkte, toaS an germanischen oder Dorger- manischen Bevöllerungsresten in diesem Gebiet vorhanden war. Im Gebiet des Zehntlandes hatte sich nach TacituS gallische Bevölkerung ange» siebett, nördlich davon faßen bie Chatten. Wenn toir bie Ortsnamen betrachten, hören bie Orte auf heim, bie man ben Franken zuschreibt, nördlich der Wetterau aus. Gleichgültig, von wem sie gegründet ober umbenannt tourben, so scheinen sie doch von einer einheitlichen Besitzergreifung in unterem Gebiet Zeugnis zu geben, da sie alle in allbesledettem Gebiet liegen und gegenüber anderen Ortsnamen als geschloßener Komplex auftrelea. Trotz der germanischen Be- sitzcrgreifung müssen große« Teile Der vorger- manischen Bevölkerung zurückgeblieben sein. Durch eine Rundfrage bei sämtlichen hessischen Schulen, ausgenommen den Schulen der größeren Städte, wurde Haar- unb Augensarbe der Schulender bestimmt. Diese Rundfrage wurde durch das Entgegenkommen des Hessischen Landesamtes für das BildungSwefen befürwortet, durch die Not- gemcinschaft der Deutschen Wissenschaft unterstütz: und in dankenswerter Weise von der hessischen Lehrerschaft durchgesührt. Zur Dodäuftgen Beurteilung wurden die blonden Schulkinder mit blauen, grauen unb melierten Augen zusammen- gefaßt unb ben braunen, bunkclhaarigen Kindern gegcnübergesteltt. Trotzdem einzelne Dörfer einen größeren Prozentsatz Heller Typen, andere einen solchen dunller Typen auftveisea, kommen doch In alle« Dörfern beide Typen nebeneinander vor. In keinem der 18 Landkreise geht die Zahl der Hellen unter 33 Prozent und nirgends über 46Prvz. Man kann daraus schließen, daß die eingewanderte germanische Helle Devölleruiig von Anfang an neben der bunte In ücrgermani» schen Bevölkerung saß. Andererseits ist ttoh der anderthalb Jahrtausend des Nebeneinanderlebens der Helle und dunllc Typus nach ben Menbel- schen Regeln erhalten geblieben, nicht allein nach Haar- und 2tegenforf*. auch nach Kopfform,
herab und temucn unS bei Helfta bei Eis- leben gcra?c l och einer, geeigneten LandungS- plan lud-. . Dorsl^wohrer . i. chten uns genügend Benzin. Uach vier Stunden fiarteten wir wieder und wollten nun direkt nach Berlin, hatten aber indes b%i# Mißgeschick, uns zu versliegen.
kam nun wieder Bkangrt an Denzim Wir mußten wieder parterre gehen, unb bet der Notlandung gab» noch den Prop, tb rdruch war
Klinge bei Äottbu S. bte letzte cklappe der großen Reife Nun find mir endlich in Berttn. Wer weiß, ob toir .ohne Klirre hierhergekvm- men wären!
Auf schiefer Ebene.
Lvn Reichsminister a D Dr.-Jng Got dein.
Selbst bie Börse fangt an. bie ungünstige Haudelsdilan z Deutschland^ mit Sorge zu betrachten. Die Hosfiiung. mii der sie sich lange Zeit über sie binweggviäufcht hatte, die Harfe Einfuhr <tN>n Rohsi Men daneben der von Ledensmittefn die Schulb an her Passivität trug, wurde sich in ben fpätvven Monaten in einer wachienden Ausfuhr von Fertig- wareii auswirken, schwinbet immer mehr Letztere stagniert weiter, bu ber e/jftcrcn will sich nicht senken Hatte bie monatlich / Passivität Im letzten Quartal 1926 schon 163 DlUI. Bkk betragen, so ist sie im Januar-Apri! atd durchschnittlich 294 Mill. Mk. gcfticvNn 3n 4 Monaten eine Untcr- bilc^ von fast 1200 Bk^Uonen Mark! Das ist für einen Schuldnerstaat. ber zubem ungeheure Reparationste.nunpen ait das Ausland abzuführen gezwungen ist. eine sehr debrol liche Sache.
liniere Vcrt:gtoarcr.cin^:hr. die un Monatsdurchschnitt d.s Dorjahi'eü 110 Dill. Mk Ix-irug, ist aus 169 Mlll Mk. tm Durchschnitt Januar- April unb auf 193 Mill. fJHL im April gestiegen: sie war in letzterem 100 iDlilL Bkk. höher als im Apnl 1926. Untere rrtigtoarenauefubr toar bagegen im MmiatSdulrchschnitt Januar-April mit 575 Mill. QltL noch über 5 Mill, niebrihierin ber gleichen Zett ba- abqelaufenen JahreS. Wir leben über unsere *Bcrbalhrifk. konsumieren mehr, als toir haben: toi.r leben auf Pump. DaS geht, fo lange unS daS ffilueianb boril; aber bei 'olcher Wirtschaft geht i.in Stück unseres Bolks- vermögens nach dem anl-em in ausländische Hand über oezto. wird dieses verpfändet. Ich ixritebc daher durchaus bie Sargen unseres Reichsbank- bräfibenten, ber Austeuibsleihen nur für solche Aiüagen zulasfen will, mtl denen unsere Ausfuhr gehoben ober divcch Steigerung ber In- lanbsprobuktton die Einfuhr gemindert wird.
Fällt die ®mte gtet aus. fo wird sich gewiß untere Cinsiihr von ii.ebenS- und Futtermitteln verringern- aber 250--270 Mill. Mk. im Durchschnitt jedes Monats werden wir selbst bann dafür einschließlich mußmitteln an daS Ausland zahleii müsien, jofem toir unseren Bedarf an letzteren: Kaffee. Tabak. Tee. Dem etc. nicht wesentlich einschttänkeu.
SS toar im Jahr< 1916, alS ich im Reichstag auSsührte: »Auch wenn - tote wir wünschru unb Iwlsen dieser 5krieg siegreich für unS auS- gehen sollt«, sv wirs» er doch eine so furchtbare Verarmung zurücktttsfen. daß wir wie da- Preußen nach den Fweihertskriegeii unS wieder großhuug?Ni und groß arbeiten müssen." Einig e Parteien meinten fs eilich: so schlimm würde es nicht werden, da wtft doch auf eine große KrtegS- entschädigung rechn«m könnten. Die Sozialdemokraten aber stimm«it mir lebhaft zu und Ebert drückte mir hintetchq r bewegt die Hand und sagte: .Sie haben Recht: «as werden auch nach dem Krieg sehr scz.wer« Zeiten werben."
Den Krieg ballen wir trotz aller Alesenan- ftrengungen unseres Volkes gegen die ilcbcr- macht ber ganzen Welt verloren. Stall ber erhofften Krie ',sen tschäbignng hat man uns unsere Kolonien, ur.lcrc Flotte, unseren Au-laud«- besitz, wertvollste sAebllte unseres Landes genommen. hat imferm verarmten, auÄgeraubten unb oerfleiiterten Lcmki unsagbare Lasten aufgelegt. Aber bie Konsequenz, un - wieder groß zu hungern und groß zu arbeiten, will man bei uitS nicht ziehen. Im Gegcntell: man will besser /eben unb will weniger arbeiten alS vor bem Del ’lorencn Krieg. Die Napoleonischen Kriege en/deten noch mit unserem Siege; trohbem zwang uns bie Rot zu ungeheuerster Sparsamkeit. Di>k schon vorher nicht gerabe hohen Gehälter würben aus- stärkste reduziert, bie Pensionen unb Witwengelder auf ein Minimum gesetzt, für KrisMnvaliben fast gar nicht gesorgt. DaS toaren V^asinahmen. bie in dieser Härte nicht voll zu billigen waren. Aber unter dieser
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Wuchs und anderen körperlichen Merkmalen. ES leben somit nah zwei Rassen nebeneinander, die tl oh der gleichen LebenStoeise. Sitte, staatlicher Zugehörigkeit ufto. noch die körperlichen und auch gei'/üg-Icclischen Eigenschasten ihrer Dorfahren in sich fragen.
Mark Tu;>ain und die Trauben.
Mark Twqsn, der im Grunde kein Freund allzu großen Aufwi ndes war, konnte sich dcn Einladungen der ToIIorrförngc nicht immer entziehen, und so war er auch einmal bei einem bekannten Multimillionär zu Tisch geladen, der seinen Gästen die auserlesensteis Gerichte oorjetzte, aber es nicht unterlassen konnte, stets auch die Riesensummen zu nennen, die er f ja für ausgegeben hotte. Mark Twain hörte sich ben Preistarif des Speisezettels zunächst ruhig an. Al» zum Schluß Obst angeboten wurde, machte der ll^oslgeber auf besonders köstliche Weintrauben aufn icrtjam, deren Beeren fast Pflaumen- große errc.chlen. Er erzählte, was er dafür Hobe bezahlen müfftn und berechnete, daß jede Beere ihm einen halben. Dollar koste. Mark Twain aß schweigend leine 2‘raube, aber als er damit zu Ende war, und ber Blirt ihn iriumphierenb fragte, was er dazu sage, rief er plötzlich aus: „Großartig, diese Trauben, großartig! Geben Sie mir davon noch mal für sechs $?«oUor." Man berichtete, baß der Dichter von bem Multimillionär nicht mehr zur Tafel gebeten wurde.
Eii?e Widmung Bülows.
Friede ike Goß mann, die berühmte Schauspielerin, ijotte sich bei ihrem Auftreten in Gmund« der bejor bereu Wertschätzung der hannooerjchev Königsfaiailie zu erfreuen. Als sie halb danach Hcms von Bü low bat, ihr eine Sßibmung in ihr Albion einyiftßn eben, erfreute sie ber stets witzige Bülow mii benß Apercu: „Mst ben Wetfen neiß man ßeuteaJ


