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kens fördert« er besonder- die Pflege und Ver­edelung der Obstbäume unsere- Ortes.

J) Sich, 10. Febr. Aus der Sitzung des S t a d t v o r st a n d e s ist zu berichten: Der Bür­germeister nahm zunächst Stellung zu einer Be­richterstattung deröberhessischen Volks­zeitung" über die Entlohnung der Not- st o n d s o r b e i t e r, die er als eine unwahre Ten­denzmeldung bezeichnete. Er schilderte den Sachver­halt folgendermaßen: Ein Teil der Notstandsorbei­ter wurde mit Steinschlagarbeiten zur Herstellung von St.aßendccksteinen beschäftigt. Nach Anhörung Sachverständiger wurde ein A.kordsatz von 4,80 Mk. je Kubikmeter festgesetzt. Die Leute 3ctaten zum Teil geringe Arbeitslust, so daß noch Ablauf einer Woche das Arbeitsergebnis ein klägliches war. Dar­aufhin bewilligte der Bürgermeister eine Zulage von 20 Pf. je Arbeitsstunde, wodurch ein Stunden­lohn von 40 bis 54 Pf. erreicht wurde, der sich bei größerer Arbeitsfreudigleit leicht hätte erhöhen lassen. Für die zweite Woche stellte er weitere Fest­stellungen in Aussicht und ersuchte den Kreisbauin- spektor der Kreisbauoerwaltung, die nötigen Er­hebungen an der Arbeitsstelle zu machen. Als der De- amte, dessen Kommen den Arbeitern angesagt mar, morgens 9.30 Uhr an der Arbeitsstelle erschien, fand er dort nicht einen einzigen der Arbeiter, mußte also unverrichteter Sache wieder Weggehen. Die 20 Pf. Zulage wurden auch für die zweite Woche bewilligt und die Arbeit in dieser Form dann eingestellt, weil sich damit die Herstelluna von 1 Kubikmeter Kleinschlag, den man bei Basaltwer­ken für 5 Mk. kaufen kann, auf 10 bis 15 Mk. stellte. Nach Ablauf der zweiten Woche werden beim Steinschlagen nur freiwillige Arbeitskräfte verwen­det, die den einfachen Akkordsatz von 4,80 Mk. er­halten und damit zufrieden sind. In der ersten Woche sei die Auszahlung des Stundenlohnes in­folge der geführten Verhandlungen 1 Tag spater als der Akkordlohn erfolgt, aber immerhin 3 Tage vor der ersten Berichterstattung derOberhessis^en Volkszeitung". Deren Gewährsmann hatte sonach wider besse.'s Wissen gehandelt und die Wahrheit in das Gegenteil verkehrt. Es erging nach kur­zer Debatte folgende Entschließung:Der Stadtvorstand weist die Berichterstattung der Oberhessischen Volkszeitung" und die darin vorge brachten Beschwerden als unwahr zurück und bil­ligt die von dem Bürgermeister getroffene Rege­lung." Diese Entschließung wurde gegen die Stim­men der drei sozialdemokratischen Vertreter ange­nommen, deren Sprecher erklärte, daß sie nur für den zweiten Teil der Entschließung stimmen könnten. Der gestrige Tag war für die Stadt Lich und deren Umgebung von besonderer Bedeutung durch die E r- Öffnung einer Auto-Omnibus-Linie, die den benachbarten Ortschaften, die keine Bahnvcr bindung haben, eine gute Verkehrsmöglichkeit von und nach Lich gewahren soll. Es handelt sich um ein Privatunternehmen der Herren Engel und R i n- k e r in Grüningen, das den Verkehr zwischen Lia'; und den Gemcinoen Grüningen, Holzheim, Dorfgüll, Bettenhausen und Birklar einerseits und den Ge­münden Hattenrod, Burkhardsfelden, Oppenrod, Al- bach und Steinbach andererseits vermitteln soll. Bei der heutigen Probefahrt, die die nordwärts ge- leaenen Gemeinden berührte, nahm ein Teil des Stadtoorstandes und der Vorstand des Vereins für Handel und Gewerbe dahier teil. In allen Gemein­den wurde dem Omnibus reaes Interesse entgegen^ gebracht, das sich durch die rafdje Ansammlung einer größeren Zuschauerzahl kundgab. Die Besprechung dieser Autolinie stand als zweiter Punkt auf der Tagesordnung. Der Stadtvorstand will im Inter­esse der Hebung des Verkehrs sich an der Aufbrin­gung eines G a r a n t i e f 0 n d s bis £um Betrage von 1000 Reichsmark beteiligen, behält sich aber die Vereinbarung der näheren Bedingungen hier­über noch vor. Auf Ansinnen des Provinzialbau- bcamlcn der Provinz Oberhessen in Gießen wurde beschlossen, einen Streifen Waldgelände in Distrikt Kleinhänserberg in einer Breite von 4 Meter ab- l holzen zu lassen und diese sodann unentgeltlich in das Eigentum der Provinz Oberhessen zu über: ' tragen. Diese Maßnahme soll schädigende Einflüsse ,t von der Provinzial st raße Lich Grün- 'berg f e r n h a 11 e n. Weiter wurde bekannt, daß der Stadtvorstand beschlossen hat, für das hie­sige Postamt einen Neubau zu errichten. Als Bauplatz wurde der bisherige Festplatz an der Bahnhofstraße zwischen Wetter und Weidgraben in Aussicht genommen.

* Münster, 10. Febr. 3n dem zwischen Ober -Dess ingen und Wünst e r gelege­nenSteines", einem von der Gießener Beton- gesellschaft betriebenen Steinbruch, ereigneten sich in letzter Zeit mehrfach Slnglücksfälle, die immer noch glimpflich abgingen. Heute ist wie­der ein Tlngwcksfall geschehen, der diesmal den Tod eines blühenden Menschen­lebens zur Folg« hatte. Der ISfahrige Sohn Otto des Gastwirts Stein von der Horsten­burg wurde durch einen herab stürzenden Bauin st 0 ck (Wurzelstock) derart schwer g e

Der Orden.

Don A. P. Tschechow

Der Lehrer an der Kadettenanstalt. Kollegien- rat Leo Pustjakow, suchte am Deujahrsmorgen seinen Freund, den Oberleutnant Ordenzow, in dessen nebenan gelegener Wohnung aus.

Sieh" einmal, lieber Gregor," sagte er nach dem üblichen Austausch von Glückwünschen,ich hätte dich heute nicht gestört, wenn es sich nicht um eine Sache von äußerster Wichtigkeit handelte. Leihe mir, bitte, für den heutigen Tag deinen Stanislaus. Ich bin heute zu Tisch bei dem Kauf­mann Spitschkin, und dieser Streber ist derartig auf Orden versessen, daß er jemanden, dem nicht etwas am Halse ober im Knopfloch baumelt, kaum Beachtung schenkt. Sind dabei hat er zwei Tochter... Anastasia, weiht du, und Sina. Ich spreche zu dir, als meinem Freunde. Du wirst mich verstehen. Sei so gut, leihe ihn mir/'

Das alles brachte Pustjakow stotternd, er­röten b und schüchtern zur Tür blickend hervor. Der Oberleutnant schimpfte, willigte aber schließ­lich ein.

Alm zwei Alhr nachmittags fuhr Pustjakow zu Spiischlin. Den Pelz hatte er etwas zurückge­schlagen, um aus seine Brust sehen zu können, an welcher in Gold und Emaille der fremde Orden schimmerte.

Wie sich doch gleich das Selbstgefühl stei­gert". sprach der Lehrer vor sich hin. ..Ein lleines Dingelchen für fünf Rubel mehr kostet es nicht, kann solch eine große Wirkung haben!"

Dor dem Hause Spitschkins anqetommcn, schlug er den PelH weit auseinander und bezahlte umständlich den Kutscher, der, wie es ihm schien, beim Anblick des Stanislaus vor Ehrfurcht er­starrte. Pustjakow räusperte sich selbstzufrieden und trat in das Haus ein. Er legte den Pelz im Dorraum ab und blickte in den Saal, in welchem

Sie würden es inerten . . . Alnö ich mühte den Ann über die ganze Brus: legen, genau so, als ob ich zu fingen anfangen wollte, Herr­schaften, wenn doch nur erst das Mittagbrot zu Ende wäre. Ich muh nachher im Restaurant essen!

Rach dem dritten Gange warf er einen ver­stohlenen Blick auf den Franzosen. Trambljan schien aus irgendeinem Grunde stark verwirrt zu fein; er sah gerade herüber und ah ebenfalls nichts. Als sich ihre Blicke begegneten, steigerte sich die Verwirrung beider noch mehr und sie senkten die Augen auf die leeren Teller.

Der Kerl hat etwas gemerkt," dachte Pust- jakow.An seiner Disage sieht man, daß er es gemerkt hat! Alnd ausgerechnet er, dieser Lümmel, dieser Intrigant! Morgen wird er es natürlich dem Direktor hinterbringen."

Es erhob sich ein Herr mit gebuckelter Rase, weiten Nasenlöchern und Schlitzaugen. Er strich sich über den Kopf und toastete:

Ich ... äh ... hm ... ich schlage vor, unser Glas auf das Blühen ber anwesenden Damen zu leeren!"

Die Tadelnden sprangen geräuschvoll auf, griffen zu den Gläsern, und ein kräftigesSlrra" hallte in allen Räumen wider. Dir Damen lächel­ten und hielten sich xum Anstößen bereit. Pust­jakow stand auf und nahm sein Glas in die linke Hand.

Leo Rikolaitich, feien Sie so liebenswürdig, dieS Glas Anastasia Timofejewna hinüberzu- reichen!" wandte sich ein Herr an ihn.Sehen Sie durch, dah sie es auslrinll.! "

Diesmal mußte Pustjakow zu feinem größten Entsetzen auch feine rechte Hand 3um Gebrauch freimachen. Der Stanislaus an zerknüllt:n Bänd­chen crblicftt endlich das Licht und begann zu funkeln. Der Lehrer erbleichte, senkte Den Kopf und warf einen schüchternden Seitenblick zu dem Franzolen hin. Dieser iah mit verwunderten.

troffen, dah der Tod alsbald eintrat. Der Verstorbene war der einzige Sohn feiner be­dauernswerten Eltern, die nun nur noch eine Tochter haben.

Langd, 10. Febr. Gestern fand in den fiskalischen Waldungen der hiesigen Försterei Brennholzverfteigerung statt. Ars te. Wet e.au und te.i umliege..oen Ortschaften waren viele Käufer erschienen D e Preise hielten sich etwa auf der Höhe der früheren (Ber Steigerung. Buchev.scheirholz kostete der Raummeter 12 bis 15 Mk., Buchenstammknüppel 10 bis 13 Mk.. Hainbuchenscheit 12 bis 13 Mk. Hainbuchen­knüppel 8 Lid 11 Mk., Eiche.'.'cheit 9 bis 11 Mk., Ei ealnüppei 7 bis 8 Mk., Bucenriser 2.50 bis 3 Mk., Cichenreiser 1.23 b.s 1,50 Mk.. Buchen- stocke kamen nicht zum Ausgebot.

MrciS Avicdbcrg

Ss. Friedberg, 10. Febr. Der hiesige Zweigverein des D. H. E. h'e.'t jht sei. e Jahreshauptversammlung ab. De Wandertä igfeit war im verflöße, e.r Jahre sehr rege. Cs wurde 1 15 Wanderungen durchgeführt, 56 Mitglieder konnten delor ert werden. Der Mitg.irderstand fee rägt zur Zeit e wa 160. Im Laufe des Vorjahre.' hat sich der Verein ein eige. es Heim getaut, das von den sechs Iugend- grupven eifrig benutz! w.rd. D:e Einnahmen des Dere S de auf?n sich auf etwa 1500 Ml. Eine sehr levhaf e Aussprache en spann sich übet die Zustände in den Elubhäusern des Hohe- r 0 d s i 0 p s s, bei ler von saft allen Mitgliedern eine Ves.i igu-g der vorhandenen Zustande drm- gend gefordert wurde.

Friedberg, 10. Febr. In einer von Lehrern und fon igen Heimatfreunden scan besuchten T ersa nmlung im Polytenikum hielt gestern Dr. Hylh 0 rn (Marburg), einen hochinteressanten L i ch t b I l-d e r v 0 r t r a g über die allgemeine Territorialgeschichte der W e 11 e t a u. Die Ausführungen ergaben, äu> eine kurze Formel gebracht, etwa das folgende Entwicklungsbild: Die Wetterau ist ihrem Eha- rasier nach ein Durchgangs-, ein Pahland, dessen S^rahrniuch schon in vorgeschichtlicher Zeit fcstgelegt war. Die Straßen bestimmen das Schick­sal des Landes. Die alte Einheit sowie karolin­gische Gauversassung wurde zerschlagen. Das ist die erste einschneidende Epoche in seiner Ge­schichte. Dann versuchen nacheinander mehrere Geschlechter Territorien zu gründen, zuerst die Münzenberger in Anlehnung an den Kaiser, bann die Falkenstemer im Gegensatz zu Hanau, zuletzt Solms, das im Kamps mit Hessen- Darmstadt zugrunde geht. Deutlich sieht man immer wieder die Tendenz, an die Straßen her- anzulornrnen, denn wer diese hat, hat das Land. Keinem ist es gelungen, Hessen-Darmstadt hat den Sieg davongetragen. Das ist die zweite einschneidende Epoche in der Geschichte unseres Gebietes. Die Geschichte der Wetterau zeigt beim ersten Betrachten ein verwirrend buntes Bild. Doch darunter liegen große Linien, die durch die geographische Lage und die Bodenbeschaffen­heit des Landes bedingt sind. Mag sich das Bild immer wieder ändern, die Ges^e. nach denen es sich ändert, bleiben immer dieselben, weil sie von denselben Gründen abhängig sind. Der Red­ner, der Mitarbeiter am g^chichtlichen Atlas für Heften ist, gab an dem Beispiel einer größe­ren Landschaft einen Einblick in die äußerst gründlichen neuen Forschungsmethoden, die den historischen Atlas für die kurhessischen und darm­städtischen Teile Hessens schassen werden. Das Werk, das ganj Oberhessen in dem Sinne be­handeln wird, wie es der Redner an dem von ihm erläuterten Beispiel anschaulich zeigen konnte, wird der neuen heimatkundlichen Bewegung her­vorragende Dienste leisten. D" Allas w rd nach dem Be spiele der Aheinprovin-, aller Voraus­sicht nach auch in einer Schulausgabe heraus­kommen. Der Redner bat die Lehrerschaft um fleißige Mitarbeit durch Sammeln aller Karten und Flurnamen, sowie durch Nachprüfung der in dem aus dem Jahre 1854 stammenden Werke von Gg. W. I. Wagner über dieRüstungen in Hessen" angegebenen Lageverhältnisse der Orte, die zumeist schon vor dem 30jährigen Kriege ausgegangen sind.

Areis Büdinftru.

le Dleichenbach. 10. Febr. Am Montag und Dienstag sanden die Brenn h olzver- fteigerungen im hiesigen Geme'mdewald statt. Sie waren auch von auswärts gut besucht. Da die Steigerer bei ihren Geboten nicht immer soziale und wirtschaftliche Rücksichten beachteten, waren die Preise durchgängig bedeutend höher als im vorigen Jahre. So kamen, abgesehen von einzelnen ganz aus dem Rahmen springenden Fällen. Buchenscheitholz auf 15 vis 17 Mt., Buchen prügel auf 19 bis 20 Mk., Reiser durch­schnittlich aus 3,50 Ml.. Stöcke auf 4 Mk. für

den Raummeter. Auch Eichen- und Tannenprügel waren sehr begehrt und hatten entsprechende Preise.

Krcis Schotten.

=.= Schotten, 10. Febr. Die Bezirks- fürsorgcstelle des Kreises Schotten gewährt auch in diesem Jahre den bedürftigen Kriegerwais.n und Kindern von Schwerlricgsbe- schädigten Beihilfen zur Desireitung der Kosten der K 0 n f i rm a t i vns a u s st a t !ung. was für die betreffenden Familien sine fühlbare Entlastung bedeutet.

. = Oberseemen, 10. Febr. Bei der Verpachtung der Gemeindejagd im nahen Volkartshain blieb August B e r i n q e r aus Franksurt a. M. Höchstbietender mit 425 Mk., was gegenüber der vorigen Verpachtung nahezu eine Verdoppelung des Pachtpreises bedeutet.

Kreis -llsfcls.

L Renzendorf, 10. Febr. Durch die Er­öffnung der Autopostlinie AlsfeldMeicl es muß die Fahrpost Storndorf Renzendorf eingehen. Damit verfchwindei wieder ein Stück Romantik aus unserer Heimat. Gestern verkehrte der Pferdcpostwagen zum letztenmal, und aus diesem Anlaß waren Pferde und Wagen aufs schönste geschmückt worden. Es ist verständlich, daß dem beteiligten Postpersonal das Dbfchiednehmen von der alten, liebgewordeneri Einrichtung schwer fiel.

Starkenburg.

WSR. Kelsterbach, 10. F<ckr. Gestern vormirtag verübte hier ein junger Mann da­durch Selbstmord, dah er den Mast der 220000 Volt-Hochspannungsleitung vestieg und die LritungSdräht-e berührte, so laß er tödlich vom Strom getroffen abStürzte. Der Grund zu der verhängnisvollen Tat soll in 1 Fu.rcht vor drohender Entlassung, die infolge eines Zerwürfnisses des jungen Arbeiters mit einem Vorgesetzten eintreten sollte, liegen.

Nheinhesien.

DSD. Bingen, 10. Febr. Das 61 f e n - b 0 hn tr aj e k t! 6) i s 1 Bingen - Rüdes h e i m stieß geifern abend mit einem im Anhang eines Schleppdampfers befindlichen L a st k ah n zusammen. Der Schleppdampfer war im Bei­drehen begriffen, und dem Trajeltschiff blieb nur die Möglichkeit, den Zusammenstoß mit den Last­schiff einem Anfahren der im R^ein befindlichen Felsen vorzubeugcn. Unter den Pasiag-.eren ent­stand eine kleine Panik, die sich jedoch bald wieder legte. Trotz des heftigen Anpralls hatten auf» fallenberwcise weder das Trajeltschiff noch der Lastkahn Schaden genommen. Beide konnten ohne Aufenthalt ihre Fayrt fort« sehen.

Preußen.

Mtcie Wetzlar.

00 Münchholzhausen, 11. Febr. Der gestern bei dem Motorrad-Znisammenstoß in Wetzlar verunglückte Zimmermeister S (bc p p von hier ist noch gestern abend im Städtischen Kran­kenhaus in Wetzlar seinen Verletzungen er­legen.

C AuS dem Kleebachtal. 10. Febr. Der Saaten st and des Wintergetreides ist in unseren Gemarkungen durchweg als gut zu be­zeichnen. Im Gegensatz zum Vorwinter konnte die Aussaat diesmal infolge der milden Wlltt- rung restlos zur Keimung kommen, auch hat sich das junge Korn reichlich bestockt. Auswinte­rungsschäden, die im Vorjahre namentlich bei tiefgelegenen Aeckern in größerem Umfange auf­traten, find bis jetzt nicht festzustellen, indeffen wurde stellenweise durch starken Schneckensrah Schaden angerichtet' Mäuse',raß konnte nur ver­einzelt, öfters beim Stoppelllee beobachtet werden.

Dillkreis.

bl. Herborn, 10. Febr. Die Holzpreise haben sich im Kreis st a r k e c h ö h t. Es wurden bezahlt für Buchenstammholz 40 bis 42 Mk., für Tannenholz 30 bis 35 Mt.

bl. Dicken, 10. Febr. Lehrer a. D. Kopp aus Herborn ist z. Z. hier mit dem Bau e>nes Landjugendheims beschäftigt, das den Da­menDennoch" erhallen soll. Aus einem großen, zwischen bewaldeten Höhen gelegenen Gelände werden 3 große Baracken mit allen neuzeitlichen Einrichtungen erstehen. Gediegene Anlagen wer­den das ganze Bauwerk umgeben.

Kreis Limburg.

DSD. Limburg, 10. Febr. Auf der sog. Meil", kurz vor Limburg, ereignete sich gestern abend ein schwerer 21 u t 0 u n f a l L fein in Reparatur befindlicher Lastkraftwagen, mit

an einer langen Speisetafel ungefähr fünfzehn Personen saßen. Man hotte Stimmengewirr und Telletklappern.

Wer hat soeben geläutet?" lief) sich die Stimme des Hausherrn vernehmen.Ah, Leo Dikolaitsch! Seien Sie willlommen. Sie haben sich etwas verspätet, aber das tut nichts, wir haben uns gerade zu Tisch gesetzt."

Pustjakow streckte die Brust heraus, rieb die Hände und betrat erhobenen Hauptes den Saal. Aber da erblickte et etwas Fürchterliches. An dem Tische, neben Sina, saß sein Amtsgefähtte, der Lehrer der französischen Sprache Trambljan. Dem Franzosen den OrDzn zeigen, hieße eine Menge unangenehmer Fragen heraufbeschwö­ren. hieße, für immer blamiert, entehrt fein. Der erste Gedanke Pustjakows war, den Orden abzureißen oder kehrt zu machen: aber bet Orden war fest angenäht und ein Rückzug bereit- ganz unmöglich. Er verdeckte also schnell den Orden mit der rechten Hand, machte, ohne jemanden die Hand zu reichen, eine allgemeine Verbeugung und ließ sich schwerfällig auf den einzigen freien Stuhl nieder, gerade feinem französischen Kolle­gen gegenüber.

Er wird wohl betrunken sein," dachteSpitsch- fin, dem sein verstörtes Gesicht auffiel.

Man setzte Pustjakow einen Teller Suppe vor. Er nahm den Löffel in die sinke Hand, be­dachte dann aber, daß es unschicklich fei, in guter Gesellschaft mit der sinken Hand zu essen, und erklärte, bereits zu Mittag gespeist zu haben und nichts genießen zu können.

Seine Seele erfüllte verzehrende Gier und trostloser Aetger: die Suppe strömte einen köst­lichen Geruch aus und von dem dampfenden Stör fliegen außerordentlich apvttitsiche Wölkchen em­por. Der Lehrer versuchte feine rechte Hand frei-mmachrn. und den Orden mit der Linken zu verbergen, aber das et wie- sich als ungefchickt.

dem gerade eine Probefahrt gemacht wurde, ge riet infolge Platzen- eines Reifen- inS Schleu­dern. rannte gegen einen Baum und über­schlug sich. Der Ehausseur erlitt einen Arm- bruch und eine Gehirnerschütterung und mußte bewußtlos im Krankenhaus eingel.efcrt werden, während ein Lehrling einen schweren Rippen- bruch davontrug. Das Auto wurde völlig zer- t nimm ert.

äapitalabftnbung.

Von dem Dersorgung-amt Gießen wird uns geschrieben:

Die tzach dem Reichsvcrsorgungsgesetz vom 12. Mai 1920 wegen der Folgen einer Dienst­beschädigung versorgten srüheren A^g hörigen der deutschen Wehrmacht und ihre Witwen, dicnst- beschädigte frühere Kapitulanten, frühere Of i- gicre und Offizierswitven, die Tlnspruch auf Kricgsvcrforgung haben, ferner solche früheren Wehrmachtsangehörigen, die aus der Zeil vor 1914 Anspruch aus Kricgsvcr'orgung haben, kön­nen nach näherer Vorschrift der einschlägigen Go- sehe an Stelle eines Teils ihrer Versorgung-- gebührnisfe Kapitalabfindung zur Siedlung oder Scßhaftmachung auf eigener Scholle erhalten. Auskunft erteilen die örtlichen VersorgungSärnsit und Bezirkslür'org:vctbände (WohNeß»tzäniter'>. Heber die Bewilligung der Kapitalabfindung ent­scheiden die Hauptversorgungsämter.

Im Bereich des Hauptverlorgungsam's Kassel, das als RerchSprovinzialbehörde d S Der- sorgungswesen für die Provinz Hes'en-Dassau, die Länder Thüttngcn, Hessen und Waldeck leitet, nimmt 6er stark überwiegende ländliche Klein­besitz, in Thüringen auch der vielfach ein kleine- Eigenheim erstrebende ober besitz mbe Heim­arbeiter die Kapitalabsindung besonders weit­gehend in Anspruch. So konnten seit Beginn des Jahres 1926 an runb 3300 Personen ins­gesamt 7 Millionen 700 000 Mk. als Kapital- absinbung bewilligt werben. Die Kapitalabfin­dung fordert somit nicht unerheblich den drin­gend nötigen Wohnungsbau und die Erhaltung des Eigcnbeiites der Kttegsbeschädigtm, denen sie fast ausschließlich zugute kommt: sie findet ihre Grenze an den wohlverstandenen Belangen ber Versvrgungsöerechtigten, die von ihr einen den Wegfall des Rententeil- überft ei gruben Dützen haben sollen.

Gerichtsfaal.

Bcffrafte Hehlerei.

WSD. Frankfurt a. M, 10. Febr. Der feit ficben Jahren als Schmelzer tätige Han- (Köber verschaffte sich einen Debenverdienst ba- burch. daß er nach und nach 300 Kilo Lötzinn mitnahm und kiloweife zu 1,70 Mk. dem schon zweimal wegen Hehlerei bestraften Händler Leo­pold Eis in der Doimenyasse verkaufte. Wäh­rend das Große Schöffengericht Röder zu bre i Monaten Gefängnis verurteilte und be­dingt begnadigte, erhielt Eis wogen gewerbs­mäßiger Hehlerei im Rückfall ein Jahr vier Monat« Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.

Schulelnbrecher.

WSD. Frankfurt a. M., 10. Febr. Im November wurden hier kurz hintereinander eine Anzahl Schuleinbrüche begangen, wobei den Tätern Reine Geldbeträge, in einem Falle auch die Armbanduhr einer Schwester, In die Hände fielen. Günthersburg-, Merian-, Glauburg-, Dahlmann- und Bethmannschule würben von den Tätern heimgesucht, bte zu allererst ber Klinger- Oberrealfchule einen Desuck abstatteken, wo sie nachts gegen 11 Hhr, nachdem sie sich betrunken hatten, eindrangen. Der Ivfef Meu tet hauste dort wie ein Danbale. Einen Grammophonapparat befudette er mit roter Tinte, zerriß Akten und wertvolle Wandbilder und beschmutzte obendrein alles. An der Seite Meurers wellten ber Christ 0 f Schuch unb ber Karl Schäfer, von benen letzterer später im Wohlfahrtsamt Bornheim erschien unb ben Kassenschrank auf- brechen wollte. Das Große Schöffengericht ver- utteilte Schuch zu zwei, Schäfer zu zwei­einhalb, Meurer zu 1 V< Jahren Ge­fängnis unb je drei Jahren Ehrverlust.

IHorbprojtfe ft tarnet.

WSD. Limd urg, 10. Febr. Dor dem hie- flgen Schwurgeri^cht hat heute vormittag der Prozeß gegen den 30 Jahre alten (Bergmann Robert Krämer aus Höhn (Westerwald) begonnen. Krämer hatte, wie noch erinnerlich, im Spätsommer de6 Vorjahres seine Braut Anna Benner, die ein Kind von ihm erwartete unb sich beswegen in der Marburger Entbindungs­anstalt befand, au- dieser herausgelockt unb in einem abgelegenen Walde bei Fehl-Rihhausen

fragenden Augen auf ihn. Gc lächelte verschmitzt, und sein Gesicht verlor zusehends ben Ausdruck des Verwirrtseins.

Julius Augustowitsch," wandte sich der Gast« geber an den Franzosen,reichen Sie mir doch, bitte, da- Essenzstäschchen!^

Trambljan streckte zögernd den Arm zum Essenzsläschchkn hin, unb ... 0 Gluck! Pustja- kvw entbeatc auf feiner Brust einen Orben unb zwar war es nicht der Stanislaus, fonbeni die Anna! Also der Franzose betrog auch! Jetzt hatte et es nicht mehr nötig, ben Stanislaus zu verbergen, denn beide machten sich de- gleichen Vergehens schuldig, unb keiner konnte ben andern schmähen oder verklatschen.

Ah, ah . . . hm ... abl" rief Spitfchkin, der den Orden auf bet Brust beS Lehrers be­merkt hatte, laut burch ben Saal.

Ist es nicht wirllich erstaunlich, Julius Augustvwitsch," sagte Pustjakow zu seinem Kol­legen,wenn man bebenkt, wie wenig wir noch vor ben Feiertagen vorstellten? Wieviel Men­schen gibt eS hier, unb nut Sie unb ich haben einen erhalten. Wahrhaftig, ganz erstaunlich!"

Trambljan nickte fröhlich und schob die sinke Rockklappe vor, an der bte Anna dritter Klasse prangte.

Dach dem Essen ging Pustjakow durch alle Räume unb zeigte seinen Orden den Damen. Sein Herz war leicht unb froh, obwohl im Magen der Hunger nagte.

Hätte ich baS geahnt," dachte er. neidisch zu Trambljan hinschielend. ber sich mit dem Haus­herrn über Orden unterhielt,bann hätte Id) mir bestimmt ben Wladimir angeheftet. Scheußlich, daß ich an so etwas überhaupt nicht gedacht habe!"

Dur dieser eine Gedanke quälte ihn. 3m übri­gen war er bet glücklichste Mensch auf bet Erde.

(Siebertetiung von Johanne- v. H a n st e i N.i