dre» fit ist nicht allemI Cic werden 3eugc einet Szene. die an Deutlichkeit nicht da» mindeste -u wünschen übrig Labt 1 rümpf dräu' der .Partner" der Diva ist ihr Lehrer, ein Lchau- fpicler, verheiratet. Batet von vier A ndern. Der Bräutigam wankt ganz vernichtet hinauf.
Co. was ist da zu tun? Wie kann diese unmögliche Situation gerettet werden? Der eine der beiden Lefftdichter findet die erlösende Pointe der Anekdote die peinliche Wirklichkeit im Bodenzimmer wird .Spiel bn üchloft Seht sich hm. schreibt einen dinalter. was nicht schwer ist. da ihm gut die Hülste der delikatesten Ltich- worte durch die fatale Wand -uaerulen wurde, den Best macht et nach bewahrten Mustern ba»u. Die beiden .Akteure" find übertafcht. entdeckt. muffen eine etwas füstsaure Miene zum bbfen Spiel im Schlob machen und froh fein, daß sie .so gut" davonkommen.
Andern Tags findet die .Hauptprobe" statt. Der unglücklich liebende junge Komponist sitzt dabei, ganz ahnungslos. bis lchlieblich wie von ohngesühr. all die verfänglichen Worte wieder gesprochen werden, die chn in der Dacht last »um Bevviver hätten greifen lassen. Wort für Wort kommt wieder. Satz für Sah. und ein kleiner appetitlicher Psirsich. rund. zart, samten und rosig, »um Anbeiben. übernimmt ganz unschuldig — ein tote aparter Sins all des Dpe- rettendichtersl — die Bolle, die in der Dacht weder eine Bolle noch ein appetitlicher Pfirsich war.
Der junge Mann, dem es wie Schuppen von den Augen füllt, springt erlöst, befreit, glückselig empor... welch dummes W.ftverstänbnis: es war ja alles gar nicht wahr, es war eine Probe, nichts weiter, die beiden haben hübsch ihre Bollen gelernt. Witten in der Dacht allerdings - aber wenn s halt prePiert. nicht wahr? Unb alles ist eitel Seligkeit. der Musikus fällt der lieben Brant um den Hals, der Schauspieler hat nach der QUiffüftrung schleuinast zu Frau und Kindern zu verschwinden, und der schlaue Operettenmensch bat die ganze Sache mal wieder glänzend gefingert Spiel im Schlob szenisch elegante DerbrLmung einet geistreich erfundenen, vollkommen eindeutigen und In nicht immer geschmackvollen Wendungen sich duftemben Sabel.
Tannen führte die Begie: das Stück spielt sich -war fast von selbst, aber man kann dabei doch ab- und zukun. gedämpft hatte er nichts, auch manches was zu treiben gewesen wäre, nicht beschleunigt. Die Pennten sahen — sehr prompt und sehr maT-r Aus der Schauspiel- szene hätte viel mehr herausgehvll werden können. wenn man toemger deutlich jyk-wkT hätte.
Es toelb ja jeder Bescheid, worum es sich handelt. Sehr hä^ich war die Ausstattung: nur Lag der obere Büh umrahmen etwas zu hoch.
Die beiden Operettcnfrigen waren ® o 11 und Tannen. Doll findig, tüchtig, geschickt, voll JDptuni*nu<*‘, wie der Woltuir das wohl aemetnt hat: er war der ®ott aus der Wa- nhine im Gescllschallsanzug und ..schmist den Laden" (anders kann man nicht gut sagen-. Xanncrt als Degenspiel, trocken, pessimistisch und äbergläubifch: beide gut. Der ahnungslose Musik« jüngltng. der auf den srioolen Zauber herein- zufallen hat und seine liebe unichuldsvolle Braut 5um Schlaft gerührt ans Herz drücken dars. war B a sl s: er fand sich mit Takt und Zurückhaltung ins Unabänderliche. Die Diva Annie: Alit Krahmer: sie hatte einen eleganten Pyjama und ein fabulöks Abendkleid w rtungs- vvli zu präsentieren, brachte ihre ersten Auftritte sehr nett, trug aber in der groben Schluft- s-ene viel zu dick auf. Belfer» spielte den Familienvater und muhte augenrollend und runter- ichluckend seine unsaubere Affäre als Theaterprobe zuen Besten geben. —
Die Heiugfeu wurde vom gutbefuchten Hause mit lebhaftem Beifall fehr freundlich au'genommen. Dr. Tb.
Frankfurter Schauspielhaus.
Uraufge üftrt wurde — weshalb, wissen die Dötter! — bei Franzosen Sascha Duitrh Schauspiel »Mozart". Das Publikum blieb trotz des über al'es geliebten Damms kühl bis ans Herz hinan, es gab einen unerbittlichen, stummen Durchfall, schlimmer als eine temperamen 1 hcUe Adehnung Der Berfuch, Mozart biograph.sch- melodramattsch barzuftellen, ein (benieleben in JCuliurbilbern zu verzerren, ist Io gänzlich nr.ft- lunget, daß nur eins zu fragen übrig bleibt: torttclt wurde dieses verlorene Stück den Schau- 'p e ecTi und dem Publikum »egemutet? Bier Liebesabenteuer Mozarts werden fv geschildert, wie die Franzo'en sich vielleicht einen Bofoko- hriden französiscl er Provenienz Dorftellen, aber auch das ist nicht einmal interessant. Das ganze Stück ist e-ne unangenehme Mache, und da es auch in Deutschland genug schlechte Stücke gibt, ist Irin Grund ersichtlich, weshalb man einen örar^ofen herholt, der hier nichts verloren hat. denn diese Spekulation mu einem großen Damen und an em Getuen Kitzel smb etwas so Undeutsches. daß sie bei uns keine Aufführungsrechte besitzen. Und deshalb sei von der Dar- stei'ung auch nur getagt, t-aft gutes Können und das Pflichtgefühl der Künstler an cum verlorene Sache gewendet tovebex L.<,
Gesellschaft für Erd» und Völkerkunde.
Äm iHenelogabenö sprach Professor CB « I • I f r (Holle», über da» Thema ..Fünfmal quer durch den austratlschen Kontinent". Äustralien ist da» Land der Negenfatze, da» Klima wechselt von Landschaft «u Landschaft und weist auch in den verschiedenen Jahren große Unterschiede auf. Wir finden hier die Weiden mit Großvieh. Vßuflrn, weite Regionen der Schafzucht und Zuckerohrplantagen. Der 'Kedner begann rmt den trockensten Ge- bieten in Südwesten. die ihre Vesiedlung dem 'Bor- kommen von Gold verdanken. Hier liegt die frühere (Bolbftobt (looigaodie. die von den (Bolbgrabem schon wieder oertofien ift und nur noch die Beamten beherbergt, ferner die heutige (Bolbftabt Kalgootlie, ebenfalls in der Düfte gelegen. Beide Orte erhalten ihr Wasser durch eine (900 Kilometer lange Leituna von der Küste. 3n ttoolflorbie versucht man durch Wehzucht da» Land nutzbar zu machen. An der 'Jlortrtufie lernen wir In Broome einen Pettsischer. Hafen kennen, tn dem Japaner nach den Perlen tauchen. Malaien al» Arbeiter. Chinesen al» Handwerker tätig sind. Wester im Borden ist Darvln der Endpunkt bet Uebertanbtrtegrapben und gleichzeitig ftofenhabt. Hier im ttopischen Klima ist der weiße Arbeiter ungeeignet Da die (linaxmberung nar nicht geflatiet ist, kommt der Ort zu lerner Btüle. von hier führt uns der Weg nach 3entralaufirahen, da» al» neuer Staat abg «trennt werden joll. mit 250 weißen Einwohnern unb der Hauptstadt Stuart mit 22 weißen Einwohnern. Eine größere Espedi- hon mit Kamelen unb vferden führt un» in da» Macdonaldgebirge. durch da» der Fitstefiuß enge Schluchten rmt romantischen Fetsdiidungen flenfien hat. Wir lernen die scheuen (Eingeborenen kenne» unb leben auf der Mission Hermannsburg die versuche, sie $u zivilisieren Die Reise geht weiter -um Eyreiee, einem großen Salzörcken Wir besuchen Lrockenhill, da» Gebiet der Silberminen unb Sand- stürme, lernen die australische Steppe kennen, Me cnele Millionen Schafe ernährt, aber durch schreckliche Dürren den Schafbestand geleg-ntiidj bi» zu einem Drittel vernichten. An der Ostküste gelangen wir ms Urwaldgebiet, da» heute Iuckerrohrplan- tagen trügt und kommen noch Sidney, der schon gelegenen alten Hafenstadt, unb besuchen die neu angelegte Hauptstadt (Tamberra, mitten ui den ouftrati- kften Bergen, von hier führt un» der SRetmrr nach 5übauftrolien mit feinem Obst- unb Weinbau, wo rm Dorigen Jahrhundert deutsche Kolonisten da» 3anb kutf viert haben, unb zum Schluß nach Adelaide in SÜbauftralien. Zhe schönen Silber unb irüeressa» ten Hufl^übrjnat-r. de» Bebners gaben einen gjtew Begriff von den Strapazen in diesem heißen, wasserarmen Kontinent, unb reicher Beifall gUt seinen ÄMefüftamgen urtb ferne» (Xrtetxej^eL
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Samstag, IO vezemder 1927
Nr. 289 Zweites Blatt
Kopenhagen durch die englische Flotte im Jahre
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Deutsches Leid in Südtirol
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See ftdtte sich nichts geändert, ungeheuerlicher Fehler tn den
®. P Gvoch. der un allgemeinen Me Dina richttg beurteilt, hat einmal ge'aat. der deutsch Kaiser habe den Krieg zwar nicht gewollt, -h aber auch nicht gefürchtet. Der ent Teil dieses Satzes ist r.chriz. der zweite ift un
feindliche lieber
wußtfern in eine furchtbare Bot läge aeta zu sein und nicht anders handeln zu können.
Flotte Bück'icht ui nehmen Weiter aber reichte die Macht der deutschen Armee und der deutschen Flotte nicht unb weiter wollte man auch nichts Hätte man es gewollt — wie wäre es sa erklären, daß T ut'chlanb die unvergleichliche (Belegenheit, als Bußland durch die man- b'chunsche Diederlage un' Me Devolution in Ohnmacht versetzt war. ungenutzt vvrübergehen ließ?
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aeschichec die als können Es ist n»4x nfrhg. sich darüber zu verbreitern. Es wird immer dabei bleiben. Saft Me
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Daß die deutsche Mob Irnachung zwei Lage später stattfand als Me ruMifbv lieht heute urkundlich fest. Auch Me französische Mobilmachung wurde etwas früher ungeordnet als die deutsche.
Bettung vorhanden war. aber von den leitenden Männern Deutschlands nicht erkannt worden ift. (tznt'cheidend ist allein, wie der deutsche Oenetal- ftab sich Me Situation oorfteUie. Diese Dorste!- lung aber war. daß Deutschland auf der Stelle verloren lei wenn es abtoanete. Ms es durch den Doppelangrisl von 0h und West . n die Zange genommen wurde. Der einzige Dorteil. den Deutschland gegenüber
iut ?.ue!:.1fnmg ihrer > zu zw.ngen. 8» gibt iorgängc m der IMi- rie d< ränge zogen werden
Sirr' , sol. in. ii. flftA.
richtig Der Kaiser liebte es zwar, die Dell durch kriegerische Ohu^rungen zu reizen und bat dadurch großen Schaden angrrutkt. 3n Wahrhe,t aber scheute er den Krieg nicht nur. trat et buri.au« keine Irieger.'dx Datur war. sondern auch well er kehr gut wußte. mit welcher ungeheuren Uebermacht Deutschland, wenn es zum Kriege käme, zu tun haben würde Deutschland und Oesterreich zusammen ruckten mit 129 Infanterie-Divisionen ins Fell». Frankreich unb Buhland zusammen mit 19ö 3nfanteric- Dwi'ionen Dazu kamen noch die Serben, die Belgier. Me Engländer, schließl ch auch die Italiener Buftlands Kavallerie alhrn war stärker als die Kavallerie Deutschland«. Oeftmr chs und Italiens zusammengenommen. Hi an hat daraus bingetoiefen. daß Deutschland gehof t habe. England werde neutral bleiben. In der Tat hat wohl der Kai'er zeitweilig ferne Furcht nrrt dieser Holzung zu betäuben gesucht, aber feine Berater, sowohl im Auswärtigen Amt wie im Deneralstab. täu'chten sich keineswegs darüber, daß England früher oder später a u I 6 l e 6 e 11 e der Gegner treten werd«, un* jedenfalls war lowohl die Haltung Snglands wie die Haltung Italiens Io unsicher, daß man, wenn man einen Eroberungskrieg plante, mit der Möglichkeit dieser Gegnerschaft rechnete, allo sich auf
Der schlagendste Beweis, daß Deutschland nicht. Wie ein großer led der Dell noch heute glaubt, den großen Änea mit Absicht herbei- aefübrt Hut liegt in der Tafsche daß Deutsch-
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natürliche Empfindung sich dagegen empört wenn ein Heines fr.ed'en.ges Boll von einem gewaltigen Bachbar plötzlich überfallen w.rd Ader dieser S^etühlsregung gegenuXr hat auch die besonnene tleberlegung ihr Recht. Me der deut- 'chen Heereslettung und dem deutschen Kaller zugestcben muß. daß sie handelten in dem Be-
Büstungsmaftnahmen au erklären? 9r erllärt sich lehr einfach durch die deutsche PvlitiL. Diese Politik beabsichtiate nichts anderes, als d l e angesehene Stellung Deutschlands in der Delt zu behaupten und auf die natürliche Fortmtwicklung der deutschen Dolks- kräfte. feiner Technik, feiner Industrie, seiner Organi'ation zu vertrauen. Die Zeit arbeitete für Deutschland. Die Armee und Me Flotte schützten die Stellung und Me Interellen des Beiches in der Dell. Alle Staaten waren, wo sie immer etwas erstredken. genötigt, auf Me mächtige deutsch« Armee und di« mächtige deutsch«
war. daß es schneller mobil machen und ausmarschieren konnte als Me Bullen. Diesen Dorteil nicht auszunutzen, wäre ein unoer- «echlicher strateai'cher Fehler gewesen. ®r konnte aber, wie der Deneralstab sich es norftcUte, nur ausgenutzt werden wenn man, sobald man die ru'si'che Mobilmachung kannte. Mr französische Grenzbefestigung r»<rnwge eines Durchmarsches durch Belgien umging D e'e Uclxr'.cgimg hatte jedenfalls mehr Berechttgung. als seinerzeit die fürchterliche Beschießung der neutralen Stadt
Heute ebei» SlUr: -•D IF.i^ols
KHIHllll im tkitm^an- trr ftiriuk
®xn englisches Blatt, der hochangriehen^ I .Manchester CMiarblan". hat dieser Tage das Verbot deutscher chrabinfchriften in Südtirol mit den Worten gegciftrit. daß ein solcher Berfuch ®ott selbst als italienischen Schutzherrn in Anspruch zu nehmen, «in perverser Patriotismus fei. Seine Op*cr bis zum Grabe und darüber hinaus zu verfolgen und sie zwingen zu wollen, in den HMeiligen Desilden auf e;nc Sprache zu verzichten. Me sie ihr ganzes Leben lang gesprochen hätten, sei eine Tat. gegen Me sich die ganze öessentsich- krit wenden müftt«. (Die italienische Regierung Hal nun berichtigend feftgeftell. das) alte deut'che Grabschristen nicht entfernt werben müßten. 211 Io bars „mir" In 3ufunf1 toten Deutschen kein deutsches .Aus Wiedersehen in einer anderen Welt!" nachgerusen werden — 2Lu4> das ist perverser Patriotismus!)
öin anderes Mal erinnerte der .Manchester Guardian" daran, daß es Lord B.nces größter Schmerz gewesen fei. seine Entrüstung erregt I und fein geschichtliches Gefühl beleiMgt habe, als er den Zriedensvert.Lgen entnehmen mußte, daß die Tiroler, für Me Andreas Hofer Im Iahrc 1809 gekämpft habe unb gestorben fei, einer Fremdherrschaft ausgell es ort würden.
Diese Ungerechtigkeit währt nun schon
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der Generalsekretär der fasztfrischen Partei, den SonderkommissLr in einem öffenisich kundgernach- ten Schreiben aus gefordert, seine Tätigkeit zu erhöhen, da nach fünf Iahven safzifrifcher Regierung in Bozen noch zu wenig geschehen sei
Der riefst« Sinn Meter Bedrückung eines Dolles, bas während bet neun Iahte der Der- gctoaltiguruj nicht einmal den leisesten Berfuch der Auflehnung gegen die fvemden Bedrücker unternommen hat. ist nicht leicht eu erkennen. Man kann bas Dorgehen der vchwarzhemden gegen di« Südtiroler nicht mit ihrem Tierhalten gegen di« Sozialisten vergleichen, beim Me von den Faszisten nieder gerungenen Sozialdemokraten haben gelegentlich schwache, auf individuelle Akte beschrankt«, aber doch deutlich« Versuche der Auflehnung gewagt. Die SüMiroler bageqen wurden nicht erst von den Schwarzhemden bezwungen. Ls Wilson, Lloyd George und Ck-
menceau den Trieben von Samt-Oermain verbrachen. gab es noch keine fafzistischc Herrschaft. Die Südtiroler mochten den Westmächten und dem Apostel von Hebertet, mochten den Italic- nllchen Oetnalten am Ausgang.- des Krieges Kuchen - von den herauf kommenden Aafziften haben fie eher eine Oriofung von unerträglichem Drucke als neues Leid erwartet. Sie standen allo dem Fafzismus ursprünglich nicht feindselig gegenüber, unb der Zufzismu» vielleicht auch ihnen nicht. (Dereinzeite faszist.'che Ausfchrettungen in der Zeit vor dem 1. öhober 1922 würben nicht das Degen teil beweisen i
Wiederholt schien es auch, als ob Me steg- reichen Faszisten Me Deutschen Südtirols mit ihrem Schicksal versöhnen wollten, ^loch in den ersten Monaten Me'es Jahres formte man den Eindruck gewinnen, baß eine Verständigung zwilchen Bozen und Bom auf dem Marsche sei. Diesen Tindruck Hatten auch Me deutschen Abgeordneten Südtirols: sie erklärten daher in einem Schreiben an den Präfekten Bicci ihre Barett- Willigkeit jur Mitarbeit bei allen Bemühungen um die Entspannung der Lag«. Di« Loslösung der Provinz Bozen von Trient hatte nicht wenig dazu beuctragen. Hoffnungen auf ruhigere 3citcn toud>\uru*en, die - sich nicht erfüllen feilten. Mussolini erklärte plötzlich daß Me Trennung Bozens von Trient mißverstanken worden sei. sie sollte der schnellsten Italienisierung des deutschen Landes dienen. Unb die gutgläubigen Dertrrter der Deutsch-Südtiroler erlebten Me bittere önl- täuschung. daß sie von ihren Dollsgenossen als Derräter denunziert wurden. Seither lehrt jeder Tag. baß sich Mullolini unb fein Anhang spätestens in Metern Sommer eines anderen besonnen haben, wenn sie. was ja nicht ganz sicher Ift, je an eine Versöhnung und Ök-n?Innung der deutschen Bevölkerung gedacht haben sollten.
Diese mögliche Wenduna m der •tnftdluna des Haszismus zu den deutschen Bürgern Italiens. jedenfalls aber die Luft erste Derlchärfung des Begimes in Südtirol fällt merkwürdigerweise mit dem Beginn einer gesteigert offensiven Auslandpolitik des saszifrifchen Italien einigermaßen zusammen. Man Mr- Her vielleicht nicht unrecht, wenn man In der Unterdrückung der Deutschen Südtirols «in Ölt» ment der internationalen Politik Mussolinis vermutet.
Die äußere Politik des Aaszismus zielt auf ein« neu« Weltherrschaft Boms ab. Man mag diele Bomantik belächeln sie ist doch eine Tatsache, mit der gerechnet werden rauft. Musso-
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Frenrdherrschasi ist SüMirol durch mehrere Perioden der Bedrückung unb Befolgung ge- schrillen. Kein« war schmerzlicher als diejenige. Me seit einigen Monaten mit dem Bamcn des faszisrischen Sonberfommifsärs öiarratana verknüpft ist. Aber eine noch härtere mag
Hai Äeuischland für den Krieg gerüstet?
Bo« Geh. Bst Dr. Hans Delbrück, v. b. Professor der Geschichte an der Umverittüt Berlin.
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legenhe11 gefas t machen mußte. Ist es denkbar. daß ein Kaiser, der 29 Jahre alt den Thron bestiegen unb über ein Dierteljohrhun- dert den Frieden bewahrt Hot. wenn er 'ich den Sechzigern nähert, plötzlich aus freien Stücken gegen eine vorauSzufehende Uebermacht einen Krieg entf«sielt?
Dicht weniger als die Gntfesieluna des Weltkrieges machen bie Döller auch Deutschland den Dorwurf des schweren DöUerrechtsbruchs durch den Einmarsch in Belgien. Die beiden Anllagen hängen aus» engste zusammen. In der Tat wäre der (Unfall in das neutrale Delaien eine so schwere Derietzung des natürlichen Bechts- gefühls. wie sie kaum je in der Weltgeschichte vvrgekommen ist. wenn es sich um Me Einleitung eines aus freien Stücken unternommenen Eroberungskrieges handelte. Die Derletzung der belgi'chen Deuttalttüt bekommt aber ein garu anderes Gesicht, wenn man sich überzeugt, haft Deutschland, angegriffen von einer ungeheuren Uebermacht. bedroht war unb In der Der- leyung der belgi'chen Neutralität den ihm «tnzia osi en stehenden Weg der Bettung erblickte Auch in Me*em Falle bleibt, wie der Beichskanzler von Bethmann-Hollweg von Anfang an zu- gestanden hat. der Bruch der belgi'chen Neutralität ein Unrecht aber ein Unrecht da» durch den Dotstand gerechtfertigt wird. Es ist ein allgemein anerkannter Grundsatz nicht nur des Dölkerrccht». sondern auch des bürgerlichen Bechts. daß eine sonst nicht erlaubte Tat durch einen Dotstand gerechtfertigt werden kann.
Diefe Entschuldigung würde sogar bann gelten. wenn tatsächlich noch ein anderer Weg der
ep,"?bünntir •
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Unib für den Krieg nicht gerüstet war. Keine Mach« entf«fielt einen Eroberungskrieg, wenn sie nicht über eine sichere Ueberlegenheit ui verfügen glaub«. Di« großen Eriolge Me bi« deurfchen Armeen in den ersten Kn eg», ähren hatten. legen den Gedanken nah«, daß wirklich eine solche Ueberlegenhett vorhanden war. unb n dem Derfailler Ultimatum wird direkt behauptet. haft Deutschland von allen Mächten allein vollkommen gehütet aetorien sei. Das Gegenteil ift dte Wahrheit. Bach der Berechnung des französischen Generals Buat hatte Deutschland Im Sommer 1914 870 000 Mann unter Wallen 'nach deutscher Berechnung sogar nur 701 000). Frankreich 910 000. Militärisch aus- gebildete Mannschaften hatten nach Buat Deutschland unb Franlrrch gleich viel. 5 110 000. Beide hatten euch gleich viet Infanterie-Divisivnen: 79. Deutschland aber hatte 87 Millionen Einwohner. Frankreuch wenia mehr als 39 Millionen. Frankreich hatt allo seine Dolkskrast in ganz anderem Maß« angespannt als Deutschland Frankreich hob jeden einigermaßen krieg«! 'lC#m Mann für den Kriegsdienst au»; Deutschland stellte nur etwa zwei Drittel feiner krieg-fähigen jungen Mannschaft ein in die Armee 5>'üte Deut'chlanb oder der deutsch« Kaiser irgendwelche kriegerisch« Eroberung»- absichten verfolgt, so hätte man auch für möglichste Dollständigkeit der Büstung gesorgt. Finanziell hätte Deutschland eine solche Der- ftätfung der Büstung mit Leichtigkeit tragen können Vein Wohlstand hatte sich unter Wilhelm II. glänzend entwickelt. E» strotzt« geradezu von Beichtum. Es war der einzig« Kontinental- float, dem die Verhältnisse erlaubt hätten, lein« Büßungen zu steigern, wenn es den Willen dazu batte. Frankreich konnte nicht mehr Menschen betoal nen, als es tatsächlich bewasinet hat. Bußland hätte zwar noch mehr Menschen aehabi, hatte aber nicht die Finanzkrasi. Deutschland hätte sowohl die Menfchcn gehabt wie auch das Geld. Dielleicht hätte der Belchstag Schw erig- leiten gemacht, die Armeevermehrung zu bewilligen. aber es gab ein ganz einfaches Mittel, die Gelder zu bc'chaslerr.
Deutschland hatte nicht nur eine Armee, sondern auch eine Flott«. Für einen (Eroberung »fri g war die Flott« zwecklos: sie hat ja auch während des Weltkrieges saft immer in den Häsen gelegen und hat Deutschland nur einen indirekten Dützen gebracht ®eaenüber der un- aeheuren Ueberlegenhelt der Engländer konnte sie nichts ausrichten Deutschland trat In den Weltkriea ein, z u schwach, sowohl zu Lanv« wie zu Wasser. Hätte Deutschland tm August 1914 30 Großkampsschtsie weniger und dasür drei
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Gießener Stadttheater.
Aranz Molnar: „Spirl im Lchloß -
Otrw Anekdote in brei Altem ®tnc aufterge- wöhnlich geschickt eingrfäbXte unb eine unglaublich frivole Anekdote. Welcher tnn Meten veiden Oigenschaften der durchschlagende Erfolg des Stuckes zunUchrmben ist — es wird allenthalben tn Deutschland aufgeführt oder vorbereitet —, das soll hier nicht en!schieden tocrbeit
Der gewiss«, man möchte fagrn: angeborene rchgrisi beim Stückelchretben. der. so alt wie er noch nie feine Wirkung v?rf -Hit hat: Theater auf dem Theater zu spielens llnerr.icht in solch schwebende-. Künsten bleibt bis auf torit.res der Italiener Ptrundello, der schon ein wenig aus der Mode kam Ihm gelang jener subtilste Bollen- wechsri, jene verwirrend«, kaum wtederzugebende Stimmung. Me sich aus der Dertauschang ober gar innigen DerschensIzung von Thent r unb Wirklichkeit entwickelt, aus der 'Derw-.ichung der durch den Dvrhang allezeit feftgelegten Grenz« zwischen Bühn« und Parkett Zwar Mo In» r kann nicht, bei weitem nicht, was dem Jtahener gelang. Aber doch manches, was ganz unerwartet unb eben deshalb so bestechend csiektvoll ift. Zum Beispiel, wenn drei Herren im Srnok.ng sich noch dem Hoch gehen des Dorhangs darüber zu unterhalten anfangen, wie man am besten etn Drama beainnen lüftt. unb schsieftlich einer nach dem andern kur»ert>ind an Me Rampe tritt unb sich vorstellt: ich bin der, ich bin der. ich he.ßc lol Und bann gemein’am: wir sind hier auf diesem Schloß versammelt, weil . and so weiter Die ganz« Dvrgeschichte. Uralt! Unb un widersteh sich.
Oder, wenn Me drei später wieder, einer nach dem anbtm. den besten Aktschluß probieren. Borhang halbrunter... Dorhang wieder hoch... wieder runter... bis Me beste Point« endlich angebracht ist. Dicht ganz so alt Aber rwch unwiderstehlicher. Ober gar. wenn im dritten Akt eine Prob« auf der Bühne stattfinde:, wenn in der Bolle ein« Boll« zu spielen ist. unb einer als Souffleur dabeitcht: was auch nicht neu ist unb noch nie eine schlechte Spekulation war.
Die Dorgäng«. in Kürze bret von der Opc- ttttr sitzen nacht» im Schloft. di« beiben Te,t- ßichter und der Komponist. Warten auf Me Bückkehr der Diva, di« «inen Ausflug gemacht hat. Die beiden Autoren sind nur geschäftlich an der Dame interessiert: sie wird b* Hauptrolle fingen unb einen wundervollen Walzer freieren. Der jüngste aber, der bi« Musik gemach: Hal. ber liebt bie Diva, der ist sogar mit chr verlobt unb will sie heiraten. Ti«s in der Dacht kommt sie beim. Ins Debenzirnmer. nur durch eine dünne Tür getrennt Was hören die


