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Ur. 264 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Donnerstag, 10. November |92Z

Was will Frankreich im Saargebiel?

Dem unterem jb -Berichterstatter (TU^bnid auch mit Quellenangabe, verboten!)

Saarbrücken, Anfang «ooemder 1927.

Die Jrre'ichrung der öffentlichen Meinung itz HU jeher ein integrierender Bestandteil der ftdn*MU4*n Propaganda gewesen Die deutsche Saarbevölkcrung u.ih von dem fl.ringui Hang bn FronAv'en zur Wahrheit aber ein besondere» Vtrö |u llngen Wan dort sich deshalb un Deich ich, darüber wundern, daß die srankv-saar- ländische HanbelSlammer dreier läge In Saar­brücken einen zweitägigen i r t s ch a s t s - kongreh" abgehalten hat der sich stramm .sranzösifch-saarländisch" nannte. Q» gehörte eine gute Ponton Unverfrorcnhe.t dazu mit dieser Bezeichnung einer Veranstaltung her- vorzutrelen. an der ou»|chliehlich Vertreter der französischen Grudendtreklion, de» sranzösischen Handelt neben Vertretern der Saorregierung reilnahmen einer Veranstaltung also, der die ge­samte öffentliche Meinung bet Saargebietes be­wußt den Ducken gekehrt bat.

Der .ftanzölisch-faarlündifche Dirtschafts- kongretz" war »ine reine Angelegenheit des in- osfiziellen -und offiziellen?) Frankreich, lern Saarländer hat sich um ihn gekümmert Die Franzosen nahmen einsach die Tatsache, daß di« Tagung im Saargediet stattsand. zum Anlaß, der propagandistischen Wirkung wegen in die Dongrehdezeichnung den Vegrils faarlänbisdi" einzuschmuggeln &» bestand dabei zweifellos die Absicht, im Auslande den Eindruck zu erwecken, ole ob bat Saargebin. das durch den Versailler Venrag dem sranzölischen Zollsystem einverleibt worden Ist bereit» ganz in Frankreich, wenig- st en» In wirischastlicher Hinsicht ausgegangen sei. Daraus waren auch die Reben sämtlicher Dese- reuten abgestellt Die Ungeschicklichkeit. die die Herren aus dem Rongref) beliebten, war aber Gort >ei Dank! so grob da» et aufocr- ordentlich leicht ist. ihre leyien Pläne zu ent­hüllen. ihnen die Maske vom Gesicht zu reiben. Doch ist da» Saargedtet keine französische Ko­lonie Doch haben sich die Franzosen zu srüh dem Gefühl hingegeden. sie seien die wahren Herrscher an der Saar. Die Zeit ist noch nicht gekommen, wo inan sich darüber unterhalten kann, wie bat ..Fell des Bären" zu veneilen ist.

Anaesichls der Tatsache bah sich im Saar- gebiet ein großer wtrtlchastlicher Kamps vorberei­tet dab da» französische G.erneut in Industrie und Handel zwar sehr langsam aber ständig i m Rückgang befindlich ist. war et natürlich psv- chologilch vom Standpunkt der Franzosen ebenso falsch, wie e» vom Saardeuischtum begrüßt v urde. dab da» rein geschästsrnäßige Moment der Ka.kulation in den Vordergrund geschyben wurde. Die Beratungen waren von Ansang bis zum Ende der Frage untergeordnet .Was kann Frankreich au» dem Saargebiet wirtschaftlich herautholen?" Man kann sich vorstellen, wie diese Fragestellung aus die Psyche der deutschen Saarbevölkerung wirken rnußie, nachdem die Korten von den Franzosen selbst ausgedeckt wor­den sind.

Die' Deden, die auf dem Kongreb gehalten wurden, beweisen einmal, wie Frankreich das Saargediet in den letzten Jahren ausgepowert hat. und He besagen -um anderen, welche Mittel die franzblische Wirfchast und der französische Handel antnenben wollen, um ihre immer mehr ins Wanken kommende Position wieder zu be­festigen. Tie Saarländer die genau willen, doh ihre Interessen heute wie srüher trotz des Ver­sailler Vertrages beim deutschen Mutterland am besten ausgehoben sind nehmen zur Kenntnis, hab Frankreich im Saarciebiet lediglich .eine gute Milch gebende Kuh sieht. Der Kongreb bat unzählige Beweise dafür geliefert, bah man in den mafiaebenben sranzö'ischen Knilen auf Menschlichkeit und Docht, auf Freiheit und Wohl­sahn der öaarbci'ilferung pfeift und sich nur von reiner Profitgier leiten läßt. 3®« Deden sind es insbesondere, di« zeigen was Frank­reich bisher am Saargebiet verdient hat Der Generaldirektor der ..mines domaniale» dc la Sarrc". Herr Defllne. Hal auf dem Kongreb erklärt, dab der verfügbare Deingewinn aus der Kohlenprobullion au» der Zelt von 1920 bis 1926 2S7 Millionen Franken, d. h. 350 Fran­ken pro Tonn« geförderter Kohle beträgt. Man

Gießener Giaötiheater.

Schiller:Maria Stuart".

Wir haben bieles Trauerspiel in der Schule ?riefen, sorgfältig Akt für All und Szene um zene. w.r haben es gegliedert. ausgNe.lt. unter­sucht und ins gebührende dramaturgische Licht gestellt: w.r baden Aufsätze darüber geschrieben, die meist m l der Frage .Inwiefern oder . Mit welchem Rechte begannen, w.r haben die Grundbegriffe der Gepo'it on. der Katastrophe, des Umschwung» und der Läuterung daran stu­diert: wir haben die Quellen geprüft und eng'.i'che Geschichte getrieben, da» Verhältn.s von histori­scher Wahrheit und dichter.scher Freiheit zu klaren, uns waren auch Gellalten, die auf dem Theater nicht sichtbar werX-n. ganz geläufig, die Damen des it.ti enischen Troubadours Diccio. Darnleys und BothwLls un crcr Knabenphan- tafie wohlvertraut: wir konnten fünffüfrge Jam­ben Monologe sprechen und. wenn wir einmal ins Theater durften (Kid siker für Schüler», fo hätten wir die ersten Ver>e jedes Alles spielend von der Galerie fouHlicren können.

Tas ist nun heule alles nicht mehr fo. Wir fefren dieses Stück, wie wohl d.e meisten ferner 2Lrt, mit anderen Äugen an. Uns kümmern nicht mehr Ervo ition und Katastrophe, nicht die eng­lischen Quellen, nicht der Vergleich und AuS« gleich zwischen Dichtung und Wahrheit. Was bedeutet uns Heutigen ein blutiger Zwischenfall im elifaberhanifchen England, was gih uns tue schottische Maria, die nnin zum Tode veruNeille und im Jahre 1587 hinrichtete? Wenig oder nichts Un» fliehen auch die Vlankverte nicht mehr so geläufig vom Munde wie ehedem, wir bleiben stecken in manchem Monolog und möchten unS nicht getrauen, der Soif Heute hilfreich zu­vorzukommen.

Das ist es allo das dieses Stück noch beule «oder heute wieder für uns liebenswert mach:, was bezaubert uns daran und ergreift uns. was (übt uns mit schwerem Atem den Degebenherien

wird ht diese Zahl einige Zweifel setzen dürfen denn hinter die Methoden der Flnanzgebaruna der franzbslfchen Grubendirektton ist man noch immer nicht gekommen. Sv viel steht )eben<alls fest, dast der Raubbau an den S^argr-. en Frank­reich viel mehr eingebracht haben raub, als die Franzosen wahr haben wollen Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dab die Franzosen unter Vertragsbruch selbst einen Teil der auf saarländischem Boden befindlichen Kohlenflöze von lothringischer Sette her abbauen. Man raub auch daran erinnern daß der franzb- fische Fiskus, dem die ehemals preustischen Gru­ben bt» zum Jahr-

mung ftatlfinden soll, übereignet worden find, es verstanden hat. in der grvfizügigsten Weife die Steuern zu hinterziehen. Daraus f oloert, hab der wirkliche Ertrag aus der faarlän- di'chen Kohlenprvduktion für Frankreich viel höher fein must, als die Ziffern besagen, die Generaldirektor Defltne angegeben hat. Aber auch schon diese Zahl ist hoch genug wenn man daran denkt, dab die Förderung der Saargruben ledig­lich den Produkkionsaussall decken sollte, den Frankreich durch die .Zerstörung der Bergwerke im nvrdsranzösischen Revier erlitten Hal Da die bortigen Gruben schon längst wieder voll arbeiten, und die Ziffer ihrer Dor- kriegsförderuna bereits überfchritten haben, ist die saarländische Produktion für Frankreich heute ein glatte» Barges chäf t zu dessen Auf­rechterhaltung jeder vertragsrechtliche Grund be­reits entfallen ist.

Aehnlich verhält es sich mit dem sranzöfifchen Handel mit dem Saargediet. der Frankreich jährlich 18CO Millionen Franken einbringt, wie der Generalsekretär der sranzösifch-saarländtschen Handelskammer Drvuard auf dem Kongreb aus- gefühn hat. Da» Saargebiet steht heute unter den Kunden Frankreichs an sechster Stelle, wohl­gemerkt vor den Bereinigten Staaten von Dord- amerifa!

Wenn sich trotzdem aus dein Kongreb starke Stimmen de» Unmutes über die bisherigen Er­folge zeigten, und wenn gefordert wurde, dab die sranzöfische Regierung die Vertreter her »r^nzo'llchen Dirt'cha't im Saargebiet mehr als l'.sher unterstützen müsse, so zeigt da» zur Ge­nüge. dab Frankreich immer noch mehr aus dem Saargebiet herausholen will. Man versteht es auch wenn der Wunsch von allen Diskussionsrednern hervorge''oben tour'e. dab das Saargebiet noch lange mit Frankreich verbunden lein möge Man versucht auf diele Welle einen Druck auf die französische Regierung auszuüben, bah sie sich in den für Dovember angelegten endgültigen Saarzollverhandlungen gegen jede weitere Erleichterung der deut­schen Einsuhr toenbet. Durch eine aus bem Kongreb angenommene Entschließung, die be­tagt. hab durch keinerlei neue Abkommen die Frankreich au» der Zolleinverleibung de» Saar­gebiet» erwachtenen Vorteile abgeänbert werben dürften, wird her letzte Sinn und Zweck bes ganzen svanzöslsch-saarlänbischen Wirtlchast»- kongresses Rar ersichtlich.

Dennoch stimmt bie Rechnung nicht, die die Franzosen aus ihrem famosen Kongreb aufge­macht haben, wenn auch das .Echo be Paris" bie Behauptung ausgestellt hat. hab .eine inte­grale Rückkehr bes Saargebiet» zu Deutschland eine Katastrophe würde" Die deutsche Saar» beoölferung kennt die Schwächen der französischen Position sehr genau. Sie hat eine Bevormun­dung durch Frankreich stet» energisch abgelehnt und erfollweich abgewehrt E» zieht nicht mehr, den Saarländern einzureden ihre Interessen leien bei Frankreich Heller gewahrt al» bei Deutsch­land ober gar Katastrophen zu prophezeien Frankreich wird an her Saar auch in her Zu­kunft nicht zu feinem Ziele gelangen, weil es einen psychologischen Kardinalfehler begangen bat. der nie wieder gut gemacht werden kann und weil eS eine soziale Verständnislosig­keit an den Tag gelegt hat. die in der Tat ihresgleichen sucht Im benachbarten Lothringen hat man diese Fehler seit langer Zeit erkannt, ohne bah die Einsicht innerhalb der französisedm Interessent en krci <e Platz gegriffen hätte. Ein lothringisches Blatt hat dieser Tage noch einmal sehr treffend die französische Haltung gegenüber den. Saargebiet dahin interpretiert: .Ihr Saar­länder seid un» lieb und wert, weil wir an euch gut verdienen. Und eben weil wir gut verdienen, sollt ihr un» noch recht lange lieb und wert fein."

Die Franzosen find wirklich schlechte Kenner I der saar.anNschen Vollsr-pche, hast fie in einem Augenbi .ck wo trotz der Zollschranken her deutsch Handel tm Vordringen ist. wo der Ruf iuxt> der Rückkehr zum deutschen Markt wahre Be­geisterung auslöst und bis ins letzte saarländisch Tori an der lothringischen Grenze Re'vnantz sindet. dem deutschen Saargediet und seiner Be­völkerung attestieren, hast man eigentlich sehr gut an ihnen verdient habe. Ulan gibt sich in Pari» doch hoffentlich keiner Täuschung dar­über hin, welche Folgen es haben muh. wenn Generaldirektor Defline in einem QLigenblld, wo man den Bergarbeitern mit Lohnabbau Belegschaft »Verminderung und Feierschichten ge­waltsam enigegeruntt. die gemtnnbrtngenbe Aus­beutung der Saargruben demonstrienl

Die Zeiten der sranzöfifchen Hegemonie find endgültig vorbei Die Panfer Regierung und ihre Beauftragten .in Saargediet haben rechtzeitig genug ihre wahre Gesinnung zu er­kennen gegeben

Heue deutsche Kolouialtälialeit.

Die Ueberlchrllt diese» Artikel» Hingt zwar fast wie ein Wider'pruch in sich. Denn ohne Kolonien ist eine Kolonlaltätlgkeit kaum denkbar Aber trotzdem gibt e» Io etwas wie eine deutsche Kolonialtätigkeit und ein Blick auf die 'neben veröffentlichte Bilanz der Kamerun-Eifen- bahn-Gelelllchaft zeigt das wieder einmal zur Evidenz.

Datürllch können deutfche Unternehmungen eine koloniale Arbeit heute nur in fremden Hoheitsgebieten auSüben. Da st da» in Kamerun leibst leit zwei und mehr Jahren be­reit» wieder in größtem Umfang geschieht, ist bekannt, die Mehrzahl der srüher deutschen Plantagen ist seinerzeit bei her Versteigerung in London sürRechnung deutscher Gesell- schasten zurückgekauft worden und wird mehr ober wenlaer von den alten Besitzern mit ziemlich erfreulichem Erfolg weiter betrieben Die Kamerun-Eisenbahn-Gefellfchalt. die von jeher nicht nur den Betrieb der Bahn, der ihr in« zwllchen durch bie S?lquibation»beftimmunqen be» Vertiiller Vertrages genommen würbe, sondern auch in größerem Umfang Farm- und Han­de l Sa e s ch ä s t e betrieb, hat sich aber mehr auf außerhalb ihres Tätigkeitsbereich» gelegenes Ge­biet geworfen Sie ist Hauptbeteillgte an einer portugie'ischen Psl inz mgSges 'li'chaf r, die aus ca 36 000 Hektar eigenem und Pack) g biet auf portugiesischem Kolonialloben die Gewinnung von Palmkeri-en und Palmöl, sowie an c ei kolonialen Erzeugnisse betreibt. Erträgnisse find auf der Kan-erun-Eilenbahn-Ge'ellschaft bie in erheb- liebem Ausmaß durch R.i HSmittc» unterstützt wurde »war bisher noch nicht erzielt, aber da» Bild ihres Jahresberichts zeigt doch eine neue und verstärkte Aktivität auf einem Boden, der un» wirtschaftlich vielleicht noch wichtiger ist als politisch.

Dieses einzelne Beispiel au» vielen deutet auf bie Entwicklung, die vorläufig die Koloniel- frage noch für geraume Zeit annehmen kann. Dämlich eine Entwicklung unter rein wirt­schaftlichen Gesichtspunkten, zur Sicherung des heimischen Rohstoffbebarf» durch Arbeit deut­scher Siedler oder Unternehmer, zur Vermeidung fremden 1-iwischenhandelS und zur Anpassung her Kolonialtätigkeit an die spezifischen Bedürfnisse der deutschen Heimat. Die Frage, ob da» in absehbarer Zeit irgendwo unter eigener Flagge ober wenigstens auf eigenem Mandatsgebiet ober schließlich drittens auf fremdem HoheitS^b et. aber durch eine chartered Eompany ge'chehen kann, wird noch eine Weile in der Schwebe blei­ben kn. Immer i i t der Cintii:t d e j i e .1- Ichen BlitgltedeS in die Genfer Mandats­kommission. wo der von Deutschland vor- geschlagene Geheimrat K a st l sehr freundschaft­lich begrüßt worden ist. Anlast gewesen, an manchen Stellen in Deutschland einen verfrühten Optimismus aufkommen zu lassen in bezug auf die Bereitschaft anderer Mächte uns von ihrem Kolonialgebiet in irgcnbciner Rechtsform Teile abzutreten. Davon ist vorläufig noch keine Rede und auch die kürzlichen ausländischen Zeitungs­nachrichten von einem groben Gesamtplan zur Neuregelung und zur Austeilung von Ko­lonialbesitz zw f chen den verschiedenen Grob- machten gehört ins Reich der Wunfchiräume. Aber das darf uns und wird uns nicht abhalten, un'ere Ansprüche unter dem ausschliehlich

folgen bis ganz zuletzt, wenn der Vorhang sich über dem blutigen Schaffst endgültig ge­schloffen hat?

Zum ersten ist es wohl dies, hab toir das Bühnenstück .Maria Stuart" gar nicht mehr als eine histvr.'che Tragödie empfinden: die ist unS feien wir o* en gleichgültig geworden, und uns liegen jetzt ganz andere Dinge näher am Herzen. Sondern, wir sehen «und staunen, indem wir es sehen), ein w.e ungeheuer zeitloser Dich­ter dieses Drama «schrieben Hal. e.n wie mo­dernes Werk das Ganze ist. wenn wir schärfer Hinblicken und bei Überzeitlichen Gehalt, bie seelische Essenz ber füns Alte aus klassischer Gin- Heibung unh bistvr.scher Bindung herauszulösen den Mut Haden. Man denke sich nur (für einen Augenblick) einmal alles in Prosa, alles in den nüchternen Do.len unserer Gegen­wart gesprochen, die wicht.gsten Personen ohne Perücke. Kragen. Schleppe und Degen in ein schlichtes Gewand gehüllt, das nicht die Stil- merfmale des 16. Jahrhunderts an sich trägt... kurz, man sehe die Vorgänge beispielhaft, nicht an Jahreszahlen und Kostüme gebunben. nicht im Rahmen einer Historie, sondern als fünf ein­fache Kapitel von ber Wandlung eine» meillch- lichen Herzens. alS die Seeiengrfchicht. einer mag Maria heihen. oVr anders», die in Italien, in Deutschland, in aller Well fo gut wie in England fich ereignet haben und jeden Tag auch heute sich wiederum ereignen kann, iSelbst dann noch. Denn es gar keine Königinnen und keine Lords aus der weiten Erde mehr geben sollte.' Dies ist. so glauben wir. ber eine un- verfiegliche Urgrund der Bezauberung, d e auch in unseren Tagen unb immer wieder von ber .Mana Stuart" ausgeht und die Menschen rot bem Vorhang überkommt.

Zum andern aber scheint un» die Ergriffen­heit beS modernen Zuhörer» von der beglücken- ben Empfindung auSzugehen. hab hier ein Drama, e.n Kunstwerk ber Bühne, nach musika­lischen Geletzen empfangen und gebaut wurde. Diele» Trauerspiel ist wie eine Symphonie in

fünf streng lomponiei ten, mabvoll unb zücht voll gegeneinander ausgewogenen väy n. oder wie die klallilch gegl ebcrtc Fallabe einrr frhr ebcln Architektur, deren schwebende Masse auf fünf mächtigen au» bem Grundrib m.t unerbittlicher Dot.veTidigkeit aufwachsenden S rebep e lern har­monisch ausgetragen wird: bezw ngenbe szenische Arithmetik, b;e bie fünf Alle nach bem go benen Schn.U einer inneren Dynamit auf!eilt, der­gestalt. hab die beiden Auszüge der Gl fabeth (II und IV) von den drei andern, die der Stuart gehören (I. III und V). unllch o"en und eingefastl werben ber ©eelenautrib des Trau erspiel c« m der äuberen Form beS Allbauwerkes versinn­bildlicht! D.c klassisch einfache, zum Greisen klare Dramenarch Uftur, dazu die blühende Sprach­melodie chrer füns Ctufen... da- ist etwas, wat unS vielleicht ne mi volle Licht des Be­wußtseins kommt, worin w r aber den rätsel­vollen Zauber dieses Bühnenspieles immer aufs neue empfinden ober hoch ahnen müssen.

Inneres Herzstück unb äu&erer Schin telpunkk des Dramas fallen zusammen im hr.t en Akt mit ber großen Begegnung und Auseinanber- setzung bet Königinnen im Park zu Zsihering- hay: hier liegt zugleich ber Prüfstein für jebe Aufführung. In ber gestrigen Inszenierung Telekys geriet leider gerade dieser Mittelakt am schwächsten. Schon da» äußere Bild, der Schauplatz eng und mit ste-.len Bäumen bestan­den, gab nicht den erwünschten und erwarteten Szenenrahmen, den die übrigen Dllder schlicht und stllecht verwirllichten Die Begegnung selbst war mit einer Theatralik und Temposteigerung ins Derk gesetzt, d.e lall lieb und der Bedeutung der Szene nicht gerecht wurde. Vollends die wichtigen Der^c ;w schen Maria imb Mortimer, die dem Austrittolgen, wurden überstürzt und ungegliedert abgeha pell. Die besten Eindrücke gingen von den gut gruppierten beiden ersten Auszügen und einzelnen Szenen des letzten Alle- aus: der vierte war uneinheitlich und in groben

w rllchalllichen Bedarf-Gefichtspund ausrechi zu erhalten und zu geeigneter Zeit die Geneigtheit ev fr Reihe von ehemaligen Kriegsgegner-.i zu bahingehenden .Kenze'slonen für bie Gewinnung neuen Atem raum es auf kolonialem Boden nutzbar zu machen.

Krieqertamcraöschast Hassia.

Am Sonntag hielt hce Verband der KriegsbefchäbigtenundKriegerhin- tcrbliebenen der Kriegerkamerad- fchast H a s f i a seine Landestagung in Darm­stadt ab Versorgungs- und Fursoigebehörden. sowie andere Behörden und Oroamlat.onen hatten hierzu Vertreter entsandt. Der l'orfitzende, Lehrer Ihrig begrübte bie Versammlung unb gedachte in ehrenden Dort en der Ges allen en unb ber im letzten Jahre verstorbenen Verb.indsmilgi red«.

Generalmajor vonPreuschen entbot Grütze bei Prälibium» der Halsta die den Bestrebungen der Kriegsbeschäkigten und Rneqerbt ntnbUebenen stet» reges Interesse enlgeaenbringe. Von den zahlreichen sozialen Aufgaben, die die Hafsia ver­folge. habe He die Sorge für be Rriegsdefchä- btgten und RncaerbjUerbltcbenen immer als Ne wichtigste angesehen. Bei her Fürforgestelle der Hafsia würben Ne Ratfuchenben nicht allein mit bem Verstände und nach dem Buchstaben, sondern auch mit bem Herzen beraten. Der Redner schlotz mit ber Mahnung, neue Mitglieder für Ne Haftza zu werben, damit Ne Oraaniation gestärkt würbe und He leichter ihre Aufgaben erfüllen köm«.

Qberregierungsrat Linkenhekb übermitleltc den Dank des Mtn.steriums für Arbeit und Wirt­schaft sowie verfchiebener Regierungsstellen für bie Einladung zur Tagung. Der Redner wies auf die Nonelle zum Re chsverforaungsgefetz hin, na­mentlich aus verschiedene Wünsche. Ne dadurch erfüllt werben sollen unb aus einige. Ne noch zu erfüllen lind.

E- folgten dann weitere Begrüßungsanspra­chen. darunter auch eine des Re.chstagsabgcorb- neten Knoll, der ebensalls Fragen vehande^.te. die durch bic Novelle zum ReichsverforgungSgesetz aktuell geworben sind.

Oberleutnant Krömmelbein erstattete ben Geschäftsbericht für baS Jahr 1925. G» war barauS zu erfehen, datz die Im Jahre 1924 gegründete SonNrorganisation der Hafsia für die KiiegSbefchäd.gten unb Krieacrhinl erblichenen fich außerordentlich entwickelt hat unb baß Ihr Aufgabenkreis burch Einbeziehiing der Altvcle- ranen, Jnvalibenrentner, fowie beren Witwen unb Wallen in Ne Fürforge stark erweitert würbe. Zahlreiche Ortsgruppen wurden Ins Leben gerufen. Es würben Vertrauensärzte imb Fach­ärzte gewonnen, mit beren llnterftützung man­chem Hillefuchenben zu feinem Recht verhol!en werben konnte. Der Redner gab bann einen Überblick über bie Arbeit ber Gefchäftsstelle

Major a. D G ö d i ck e (Berlin), bet gefchäfts- lührenbe Vorfihenbe ber Sp.yenoraanisatson. hielt hieraul einen Vortrag über das Reichs- versorgungsgefetz, insbefondere über da» Verfahrensgesetz. Schw. rlxfchädigten,)Zey. Ne Fürlorgepflichtvervrbnung im Rahmen ber neuesten Bestimmungen und Ne wichtigsten For­derungen der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen. Das Reichsversorgungsgefetz. fo erklärte bet Redner, steht für uns tm 'Sorber­gt vnbe be* Interesses. Als es tm Jahve 1920 zufanbekam. löste cS Ne anberen Gesetze ab; es war unleugbar ein sozialer Fortschritt, aber es li«b noch viele berechNgre Wünsche unerfüllt. Jetzt liegt schon Ne fünfte Novelle zu Ne fern Ge­setz vor. ein Beweis, bah es unzulänglich ist. Der Nebner charakterisierte bann Ne einzelnen No­vellen. bie nicht Immer Derbesseruiigen brach­ten. lonbcm auch Verschlechterungen für Ne RriegsbeschäNgten. Namentlich Ne Leichtbefchä- digten waren stark benachteiligt. Die vierte No­velle brachte insbesondere erhebliche Verschlechte­rungen. Nach ber fünften Novelle will das Reich höhere Beträge für bie Versorgungsan- 'prüche bereitstellen, höher als felbst b:e Opvv- 'itivns Part eien verlangt haben. Der Redner fchtl- berte bann bie Beratungen ber Verbände für Kriegsbefchädigte über Ne fünfte Novelle: es tarn zu einer gerne nfamen Gntfchlietzuna an ben Reichstag, worin bie Wünsche nie her gelegt f.nb. Die Hauptsorherung. Ne Renteneryöhung, ist in anerkennenswertem Matze erfüllt worben. Die Hinterbliebenen erhallen aber nicht in demselben Blaße wie Ne Kriegsbeschädigten ihre Wünsche erfüllt. Die Re ck-sregierung begründet bas damit, datz manche Hinterbliebenen heute schon mehr

Teilen durch allzu lautes unb anhaltend vor­dringliche» Vollsgemurmel beeinträchtigt.

In diesen Bemerkungen zur Regie ist auch der Haupteinwand gegen die Gestaltung der Stuart durch Susanne Heym enthalten: jene im Park zu Fotheringhay eingeleitete Wandlung und Ülmkchr der Maria, beim st llen Lesen un­verrückbar und unvergeßlich, war so wenig her- ausgearbe-itel, daß Ne ersten Szenen des inner­lich anschließenden Schlußall-s merltoürNg un­verbunden blieben. Der Gewinn ihrer Dar­stellung ist durch Ne noble und geistig über­legene Haltung un ersten Akt. die st lle, schwer erkämpste Dclassenhell ben Abschiebs zuletzt und durch Ne sprachliche Beherrschung der ganzen Partie bezeichnet.

Die Elisabeth war Maryöla Baumann: starr, kalt und mit mühsam bewahrter Zurück­haltung; äußerlich sehr angemessen; in manchen Teilen, besonders im M Uelakt. etwas gepreßt und verkrampft, ein paarmal auch au schnell; im ganzen wurde, wie es ja meist geschieht. Ne Behauptung der dynastischen Majestät nachdrück­licher txlont als bie heftig bebrvhte Würbe b?s Veschechtes und die unverföhnllch verletzte weib­liche Eitelkeit, die doch am Ende den über Tod und Leben entscheidenden Federzug tut.

Die.hinterhaliig schwankende, schllernde Ge­stalt des Oeuefter wurde in Vessers lebendig, der milde, weichherz ge Shrewsbury in Schu­bert: Teleky» Burleigh war ein wenig sarb- los. äußerlich ber Doppelgänger feine- Oran en; eine arge Enttäuschung: ber Moriimer, heften Verse von Hennig in ben enllHe benden Sze­nen derartig heruntrrgrra'feU wurden, bah nur einzelne Broken nothudt-.g verständlich blieben; von erfreulicher 'prachl'cher Zucht dagegen Dolck» ehrenfester Ritter Arnias Pautet; T a n n e r t gab ben Aubespine reichlich salopp und unbeteiligt.

Die vorwiegend juaenNiche Hörerscha't war banlbar und beifallsfreudig; ber ber^c geile Schluß brachte störende Unruhe ins Parkett.

Dr. Th.