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Nr. 237 Erste; Blatt

177. Jahrgang

Montag, 10. Gktober (927

(Erdetet lägltd),aefetr Sonntags wnb Feiertags

Beilagen:

(Biebener ^amilienblättei Heimat im Bild Die Scholle

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2 Reichsmork und 20 Reichsps-nnig fflr Träger, lohn, and) bei Richter- scheinen einzeln er Dummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlflsse: 51, 54 und 112.

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Siebener Anzeiger

Generai-Zlnzeiger für Oberhessen

vrrck rmd Verlag. VrLhl'sche UntversttLirvuch- und Steindruckerei L Lange tn -tetzen. Sdfriftkitnng und Geschäftsstelle: 8ch«Istratze 7.

aene^ee von lijciea fflr die Tagesnummer dis zumJiad)mittag vorher.

Preis 1flr I mm höhe fflr Anzeigen von 27 mm Sreile ortlid) 8, auswärts 10 Deichspiennig: fflr Re» klamean eigen von 70 . m Brette 35.Kcidivplennig, Dlatzvorschnft 20' mehr.

Chesredadteur

Dr. Fncdr. Wilh. Lange. Verantwortlich tur Vchtili Dr $r. Wilh Lange, fflr Feuilleton Dr H Idyrrot; für den übrigen leil Ernst Slum<d>ein; fflr den An­zeigenteil Rutl Hillmann, umtlich in Biesten

Spanien verzichtet aus UiaroHo?

Tao ergcbm» der Besprechung in Barcelona.

London. 9. Oft. (IDIB.) Der fiorrefponbcnl dcrSunbag liracs" In Madrid meldet, der |pa- i,Ische ptemierminlfler primo d e Rivera habe ihm in einem Interview angcbeulct, bah Spanien «ich mög'.icherrvcisc aus Marokko ju- ruckziehen werde und baß, wenn (Brußbrilaii- nieu die Vermittelung übernehme, em sehr befriedigendes Abkommen zwischen Spanien und Franrcich in dieser Jrage möglich sein werbe. 3n dem Interview führte Primo de Rivera noch aus: Meine vorher vereinbarte Zusammenkunft mit Chamberlain hat hervorragende Be­deutung für die Beziehungen Spaniens zu den anderen Ländern. (Es gab eine Zelt, wo Spanien viel dafür gegeben hätte, um Gibraltar, den Schlüssel zum Mittelmeer, fein (Eigen zu nennen, aber jeüt ist es klar, dafz cs fl u t Ist, öafj dieser Punkt sich in den Händen Großbrilan- nlens befindet. Chamberlain, als der beglaubigte Vertreter der britischen Regierung, kam nach Salma, um anzuregen, daß er namens der brül­len Regierung, als völlig u n i n I e r e ff l e r (er Partei, versuchen wolle, zahlreiche Schwie­rigkeiten von großer internationaler Bedeutung zwischen Spanien und unseren unmittelbaren Rach­barn zu regeln. Ich habe feine Vorschläge bisher weder abgelehnt noch ange­nommen . denn es wird einiger Bedenkzeit be­dürfen 3ii der Vergangenheit hatte Spanien große Schwierigkeiten in Rordasrika. Frankreich, das die Souveränität über Marokko hat, steht unseren 3n- (ekefsen sehr nahe. Großbritannien hat wenige ober gar keine 3nteressen in Rordasrika und ich komme schnell zu der Ueberzeuguna, biß Spanien dort Vesser keine 3nteresfen haben würde, da sie stets eine Quelle von Schwierigkeiten und gro­ßen Ausgaben für die fpanifche Regierung find.

Aber es ist immer ein gewagter Schritt, an­deren Mächten Bcfißungcn ju überlasten, außer wenn ein sehr befriedigendes Kompromiß ver­einbart wird: das wird vielleicht Chamberlain mög­lich fein Cs ist möglich, daß ein Vertrag mit un­serem Rachbar zustande kommt, dem ein plan ge­meinsamer inbnflrielfer Wohlfahrt und Internatio­nalen Handels olgen könnte. 3n der Vergangen­heit waren die Beziehungen zwischen Spanien und Großbritannien ziemlich mittelmäßig, setzt ist aber vollkommene Freundschaft hergeslellt. Zwischen Chamberlain und mir werden noch zahlreiche Be­sprechungen stattfinden und es ist möglich, daß ich demnächst auch eine Reife nach Großbritannien unternehmen werde, um mich mit dem britischen Kabinett über die von uns erörterten Fragen zu besprechen.

..Westminster Gazette" bezeichnet das vorstehende Interview derSunbaq Times" als e r ft a u n l i d) und sagt:Entweder hat Primo de Rivera übertrieben, oder die Darstellung des britischen Fo- reign Office (daß eo sich um eine private Zu­sammenkunft handelt) war eine beabsichtigte Irre­führung " Der diplomatische Korrespondent des Balin Herold" ist der Ansicht, daß umfassende Verhandlungen zwischen Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien geführt mür­ben, die sich zweifellos auch auf das östliche Mit- tefmeer bezögen.

Der Streit um Wilna.

Bedrohliche Zuspitzung der Lage.

Wilna, 9. Ott. (WTB.) Aus Anlaß des siebenten Jahrestages der Besetzung Wilnas fan­den heute hier große Feierlichkeiten statt, an denen auch Marschall Pilsudfki von der Ailnaer Bevölkerung ftürmi|d) begrüßt, teilnahm. Am frühen Nachmittag begann unter dem Vorsitz Pil- sudskis eine bedeutsame politische Konfe­renz, an der der Minister des Innern, der Unter- richtsminister, der Leiter des Ministeriums des Aeußern in Vertretung Zaleskis, der Direktor der Ostabteilung des Ministeriums des Auswärtigen und der polnische Gesandte in Riga, sowie der Wojwode von Wilna teilnahmen. Die Konferenz, an der später noch der Kommandeur des Grenz- truppenkorps an der polnisch litauischen Grenze teilnahm, befaßte sich in der Hauptsache mit den Repressalien Litauens gegenüber der polnischen Minderheit und mit der Hal­tung der polnischen Regierung in dieser Angelegen­heit. Man erwartet anläßlich des Besuches Pil- fudfkis einenkonkreten politischen Schritt". Die Wilnaer Vereinigung der Polen aus Litauen er­ließ einen Aufruf, worin es heißt, daß der Weg, den die Regierung Marschall Pilsudskis gegenüber Litauen eingeschlagen habe, roeiter-gegangen werden müsse. (Ein zweiter Ausruf an die Bevölke­rung erging von sämtlichen Militärorganisationen des Wilnaer Landes, worin diese fcststellen, daß sie nicht gegen das litauische Volk, sondern gegen eine Sttiquc Kownoer Verräter ihre Stimme erheben.

Kurzer Warßawski meldet von der litauischen Grenze, daß Freitag. 7. d. M, in Litauen die M o - bilisierung der litauischen Freischär- l e r (Schaulis) begonnen hätte. Die sich meldenden Mitglieder erhielten Waffen. Es würden Kompag­nien und Bataillone gebildet, die an bie pol­nische Grenze entsandt würden, wo sie die sttauische Grenzpolizei in ihrem Dienst unterstütz­ten. In Litauen wird an der polnischen Grenze in mehreren tausend (Eremplaren eine von einer Reihe militärischer und patriotischer litauischer Der- bände gezeichnete Flugschrift, die den Namen ,r3 u r lat trägt, verteilt. In dieser Flugschrift werde zum Kampf gegen Polen und zur 6robe-

Die Verhandlungen über den öe;atzun^addau.

Eigener Drahtdericht de» .Gießener Anzeigers.

Berlin, 10. Oft. Nachdem bereite vor der jüngsten Genfer Völkerbund stagung In nichtamt­licher Form die Herabminderung der BesatzungStruppen Im Rheinland um rund 10 000 Mann angekündigt worden war, find in Genf diese Zusagen der deutschen Delegation in Form einer Qiote übermittelt worden, in welcher Driand im Namen der belgischen, britischen, französischen. ttalienischn und japanischen Regierung eine Herabsetzung der Truppenstärken um 10 000 auf 60 000 Mann, und die Durchführung diefer Maßnahme -in kürzester Frist" anfünbiflte. Heber die Einzel­heiten, insbesondere über die Erleichterungen, die diese Maßnahme für die Bevölkerung deS be­setzten Gebietes mit sich br.ngen Werde, ist eine weitere Mitteilung in Aussicht gestellt worden.

Das war am 5. v. M S. 3n der Zwischenzeit sind zwischen den deutschen Rheinlandbehördcn und dem sranzösischen Oberkommando, sowie zwischen den diplomatischen Behörden beider Länder Verhandlungen ausgenommen wor­den. um bestimmten Wünschen der Bevölkerung bei der Truppenverminderung Rechnung zu tra­gen. insbesondere die Kurorte freizubekommen und übermäßig belastete Gemeinden und Bezirke zu erleichtern. Die praktische Durchfüh­rung der Truppenverminderung ist äußerlich noch kaum oder gar nicht in Grs chei- nung getreten; es soll vielmehr erst im Verlaufe dieses Monats damit begonnen wer­den. Daran wird nicht ohneBerechtigung in der deutschen Presse stellenweise eine recht scharfe Kritik geknüpft, und eS wird darauf hin- gewiesen. baß es den Eindruck einer plan­mäßigen Verzögerung mache, wenn man den Begriff derkürzesten F r i ft fo will­kürlich aus dehne. Immerhin wird man Ver­ständnis dafür aufbringen müssen, daß es Briand geflisfentlich vermieden hat. sich für die Durch­führung der Truppenreduktion auf einen be­stimmten Termin festzulegen. Denn die Wider- ftände der Militär- gegen ihren eigenen Abbau find bei früheren Gelegenheiten schon so deutlich in Erscheinung getreten, daß die poli­tische Behörde von vornherein mit allerhand technischen Einwendungen dagegen rechnen mußte, iah dieser oder jener Truppenteil zurückgezogen, dieser oder jener Bezirk freigemacht und diese oder jene Srabsorganisation geschwächt werden muß. um die zugesagte Maßnahme durchzuführen.

Wir haben unsererseits auf solche in­ternen Schwierigkeiten der französischen Behörden keine Rücksicht zu nehmen, und die Forderung nach Einhaltung einer Frist, die zwar nicht mit einem Datum, aber durch den Wortlaut mit dem Superlativ vonkurz" festgelegt ist, ist durchaus berechtigt. Immerhin scheint es unS ebenso un­berechtigt. wenn man aus der Tatsache einer solchen Verzögerung Schlüsse auf die politi­schen Absichten der französischen Regierung oder der andern an der Besatzung beteiligten Re­gierungen zieht. Wir glauben zu wissen, daß die Bemühungen der Reich-regierung auf feste Zusagen in oben angedeutetem Stnne keines­wegs erfolglos verlaufen find und daß bteflß cst­ieg u n g eineS genauen Räumungs - Programms bevorsteht, das den berechtigten Erwartungen der besetzten Gebiete im Rahmen der diesmal erlangten Truppenreduktion e niger- maßen Rechnung trägt. Daß eS. dabei nicht fein Bewenden haben kann, und daß auch nach voll­zogener Zurückziehung der 10 000 Mann die deut- schen Ansprüche aus die Herbeiführung der Rormalzifsern weiter verfolgt wer­den müssen, ist eine Selbstverständlichke.t. Aber man braucht vielleicht die Schwierigkeiten der verständigung-willigen Elemente auf der Gegenseite nicht dadurch zu erschweren, daß

man auch ihnen mangelnde Loyalität In der Er­füllung ihrer Zusagen unterstellt. .

Mil Bezug auf eine in der preße erschienene Meldung ist von zuständiger Seite den Blättern erklärt worden, daß die seinerzeit von Brlond zu- gefagte amtliche Mitteilung über die Durch­führung der Verminderung der Bcfaßungstruppcn in Berlin noch nicht o o 111 eg e. Dennoch bringt eine Iclcgraphriiagcr.tur die Rachricht, daß tatsächlich die in Aussicht gestellte (Entscheidung des französischen Kriegsministeriums über die Einzel­heiten der Iruppcnoerminbcrunq nunmehr in Ber­lin z u r Kenntnis gegeben worden fei und daß dieses Schriftstück die Hoffnungen kei­neswegs erfülle, die man auf deutscher Seite auf die loyale Ausführung der Befatzungsoermlnde- rung die Truppen zahl um eine bestimmte Ziffer herabzusetzen, gehegt hat. Man mußte eine groß­zügige Auslegung in einer Form erwarten, die dem besetzten Gebiet tatsächlich fühlbare (Erleichterungen aefchafsen hätte. Wenn aber z. B. in verschiedenen Ortschaften Stäbe oder Maschinengewehrablellungen nur auf die Hälfte reduziert werden, fo würde auf diese weise zwar eine Herabsetzung der Be- fatzungszisfer dem Buchstaben nach erreicht werden, von der Bevölkerung des besetzten Gebietes aber würde eine derartige Reduzierung keines­wegs als fühlbar empfunden werden können.

Die Agenturmeldung wird von den Berliner Rechlsblättern und auch von der .lägt Rundsch." in fenfationeller Ausmachung roic&erqcqebcn mit der Bemerkung, daß von zuständiger Stelle eine Br- Nötigung nicht zu erhalten gewesen fei. Angesichts dieser Tatsachen drängt sich einem der verdacht aus, daß das oben angeführte Dementi doch wohl nicht ganz ernst genommen werden darf, und man ist wohl zu der Frage berechtigt: war­um verheimlicht man den 3nhalt der fran- zöfifchen Mitteilung, wenn eine solche tatsächlich in Berlin eingetroffen ist?

Reichskanzler Marx im besetzten Gebiet.

Eine HnformationSrcifc nach Koblenz, Mainz und Lpeyer. Berlin, 9. Ott (WTB.) Reichskanz­ler Dr. Marr ist Sonntag abend gegen 20'/, Uhr abgereist, um in seiner Eigenschaft als Minister für die besetzten Gebiete das Rheinland und die Hauptorte der besetzten Gebiete von Hessen und der Pfalz zu besuchen. In der Beglettung des Reichskanzler- befinden sich vom Ministerrum für die besetzten Gebiete Staatssekretär Schmid. Ministerialdirektor Miller. Ministerialrat Dr. Mayer und Re- gierungsrat Dr. Steiger. Die Herren werden Montag früh kurz nach 8 Uhr in Koblenz ein­treffen, wo Dr. Marr zunächst dem Reichs­kommissar für die besetzten Gebiete einen Besuch abstatten wird. Um 11.33 Uhr findet im RathauS eine Festsitzung der Stadtverordneten- verfammlnng statt, in der Oberbürgermeister Dr. Russell den Reichskanzler bearüßen wird. Dann begibt der Reichskanzler sich zum Ober­präsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs. Rach­mittags 4 Uhr findet beim Reichskommiffar ein Empfang der Presse des gesamten besetz­ten Gebietes statt. Die Reise wird weiter nach Mainz und Speyer führen, wo Besprechun­gen mit den Ministerien der beteiligten Länder stattfinden. In Mainz wird auch Staatsprä­sident Ulrich antoeßmb sein und tn Speyer wird der Reichskanzler mit dem bayerischen Mi­nisterpräsidenten Dr. Held und dem bayeri­schen Innenminister Dr. Stütze! zusammen- tr offen.

rung der Jahrhunderte alten litauischen Hauptstadt Wilna aufyefordert.

Kein Erlöschen des Aufstands in Mexiko.

Neue Niederlagen der Regierungstruppcn.

London. 6. Okt. (TU.) 3m Gegerllatz zu den Erklärungen der merikanischen Reg.erung. in denen die Riederwcriung der Revolution als unmittelbar bevorstehend bezeichnet wird, sprechen alle privaten Berichte auS Mepiko von einer weiteren Ausdehnung der Bewe­gung. Diese umfaße bereits dreizehn Staaten, darunter auch den Staat Ghihuahua, der in revolutionären Bewegungen stets eine füh­rende Rolle fpielt. Einige der revoltierenden Gernera!e sollen bereits eine erhebliche Gefolg­schaft hinter sich haben. Bei Veracruz sei es nod> zu keinem direkten 3u tarn men treff en der Reg.erungstruppen mit den Rebellen gekommen. Wie weiter berichtet wird, sollen zwei Generale und ein Oberst wegen Teilnahme an dem Huerta- aufstand im Jahre 1923 hingerichtet wov- den 'ein Rach einer Meldung aus Los Angeles erklärte die Gattin des Generals Gomez, am 7. Oh ober, daß ihr Gatte lebe, er fei weder gefangen genommen noch von den Dundestruppen getötet worden. Sr soll vielmehr bei Pervtte im Staate Veracruz den regulären Truppen eine Riederlage beigebracht und 300 Mann gefangengenommen haben. Angesichts dieses Sie­ges fürchtet man eine gefährliche Wendung der

Aufstandsbewegung, um fo mehr, als auch der Stamm der Baqui-Indianer. der wieder bas Kriegsbeil ausgegraben hat. die Bundes­truppen anzugreisen droht. Man glaubt, daß der frühere Präsident Huerta, der sich augen­blicklich in Los Angeles im (Sri befindet, e nen starken Anteil an der Leitung der Auf - standSbewegung hat.

Ein Flieger-Wiedersehenslatz.

Der zweite deutsche Flieger-Wiedersehens- tag unter dem Ehrenprotettorat deS Reichs­präsidenten von Hindenburg hat zahl­reiche ehemalige Angehörige der Fliegertruppe und aktive Zr.edenö'sicgor nach Braunschweig geführt. Die Veranstaltung wurde eingeleitet mit einem Begrüßungsabend am Samstag im städtischen Konzerthaus. Der Vorsitzende der Braunschweiger Flieger-Vereinigung. Hauptmann a. D. Dr. Hahn, hieß die Erschienenen will­kommen und wies auf die innere Berechtigung der Veranstaltung hin. Die überlegene Kon­struktion deutscher Ingenieure habe jetzt wieder die Mehrzahl der für den wirtschaftlichen Luft­verkehr maßgebenden Weltrekorde in der Hand. Der Besitz von überlegenen Flugzeugen und das Befliegen maßgebend r Welt kirnen werde t.? wirtschaftliche Stellung des deutschen Volles immer mehr festigen und uns die Ucberfegenßeit im Wettluftverkehr erreichen lallen. Sonntag vormittag wurde ein Ehrengottesdienst im Dom abgehalten, nach des'en Abschluß vor dem um­florten Bild Dölckes ein Lorbeertranz weder- gelegt wurde.

Per Ke.chsrat zum Schulgesetz.

-lbändcrungcn zu Gunsten der Lintullanichulc.

Berlin. 8. Oft. Zu den adgcfchlosicncn Bera­tungen in den Relchsratcausfchüsfrn 3 und 7 über die Fassung des Relchsfchulgrfetzes will dasB. X.- folgntbc» erfahren hoben:

Die Jafiung des Entwurfes, wie er au;, dsifcn Beratungen hcrDorgcgangen ist, schließt sich in allen wesentlichen Dunklen den prcuf.istien An­trägen an. so insbesondere In der Definition der Volksschule, die der preußischen Fassung vollkom­men entspricht. (Es heißt u. a. in N 3:Die (Beimin* schaslsschute steht grundsätzlich allen Kindern ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Iveltansäzau- ung ojjen"; In § 12a:Don Amlswegen e I n jurichlcnbe neue Schulen find Ge­meinschaftsschulen'': in § 20:3n bm Län­den Baden. Thüringen, Hessen. Hamburg. An­halt, Bremen. Lippe, Lübeck. Mecklenburg-Slrelitz und Schaumburg-Lippe, sowie in dem ehemaligen Großherzoglum Rassau und in den Slabtgemclnbtn Frankfurt a. M. und Hanau verbleibt es bei dem bestehenden Rechtszustand, soweit nicht durch Landevgesetz dieses Gesetz in Krasl gesetzt wird." Damit sind die logen. Simultan,eullänhet in Ihrem bisherigen Rechlszusland erhallen 3m 6 1 ist die Bestimmung der Ver­fassung, baß die Jugend Im Geiste der D 61 kerversöhnung zu erziehen Ist, wlederherge- stellt worden. Die Mehrheil In den Reichsramus- schüssen bestand aus den Ländern Preußen. Sach­sen. Thüringen. Hessen. Baden. Hamburg, Bre­men, Lübeck und Mecklenburg-Schwerin.

Das Anleihekompromiß.

Wirksame.Kontrolle bei bei Aufnahme von Atiolandlrebil

(Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin. 10. Oll. In der Äabinctie* fitzung am Freitag, bei der ReichSbankprüsi- dent Dr. Schacht und der Deneraldirettor der Reichsbahngesellschaft DorpmüNer zugezogen warm, kam nach der übereinstimmenden Auf­fassung der Presse eine Einigung zustande, die i.' gewissem Sinne den bisher xnnftntlenen Bedenken Dr Schacht- gegen da- Verfahren bei der Aufnahme von AuSlandkrediten Rech­nung trägt. Da- vereinbarte ÄommuniquC-, da- wir am Sams lag deröffenll ichlen. drückt sich darüber sehr zurückhaltend auS, insofern eS einerseits di« Aufnahme I a n g f r i st i g e c AuSlandanleiyen auch für die nächste Zu­kunft als unentbehrlich und berechligl be­zeichnet, dann in Ueberleitung zu dem spnngvii- t>cn Puntt .nicht dringliche oder un wirtschaftliche Au-gaben" als .unbe­dingt au vermeiden" kritisiert, um schließlich eine ..AuSgesta11ung der Beratungs­stelle für AuSlandanleiyen" anzukündigen.

Denn das ist der springende Punkt. Rach dem bisherigen Verfahren wurden von der Be­ratungsstelle auch gegen den Einspruch der Recch-bank und anderer berufener Kri­tiker Anleihen durch Mehrheitsbeschluß aut ge­heißen, weil sie .wirtschaftlich" seien. Vegrn diese etwas einsettige und schemattsche Auffas­sung kämpft die Reichsbank an. Auch bei un­bestreitbarer Wirffchaftlichkeil des Verwendungs­zwecks könne ihrer Ansicht nach eine Anleihe zurzeit entbehrlich sein, wenn die Aufgabe, der die auszunehmenden Gelder dienen, ohne schwere Rachteile eine Verschiebung ber- trafle. Dabei gehen Grundanschauungen aus­einander. die vielleicht am besten als wäh­rungspolitische und w.rtschast-politifche gekenn­zeichnet werden, obwohl eine Frage der Wahrung im eigentlichen Sinne hierbei keinesfalls eristiert. Die währungspolitische Auffassung sieht es alS unerwünscht an, daß der tatsächlich noch be­stehende Krisenzustand, der Mangel einer normalen Beschäftigung und der Zwang zur Steigerung der Ausfuhr durch große öffentliche Arbeiten verschleiert wird inti) wünscht deren Verschiebung mindestens biS über den Be­ginn des ersten RormaljahreS der Dawrsver- pssichtungen hinaus. D.e wirtschaftspolitische Anschauung, deren Vertretung dem ReichSwirt- 'chaftsminister obliegt, ist an einer möglichst weitgehenden Kapitalzuführung zur Befruchtung der Wirtschaft und an einer momentanen Milderung der flr.fcn* ertcheinungen interefsiert. im Vertrauen darauf, daß sich daraus der Rormalzustand der G e s u n- dung entwickelt.

Bei den neuerlichen Verhandlungen ist eS nun also in diesem Konflikt zweifellos zu einem Kompromiß gekommen, aber doch zu einem Kompromiß, das den Forderungen Schachts weit ergeh ?nb Rechnung trägt, insofern eine Re- wifi on s m ö g lich kei 1 für die MehrheitSbe- kchlüsic der Anleiheberatungsstelle geschaffen wer- ben soll und insofern ferner als der Reichsbank Gelegenheit gegeben wird, auf eine solche Aus­gestaltung der Beratungsstelle Einwirkung zu nehmen. Der ursprüngliche Wunsch Dr. Scho^.ts nach Einführung der Einstimmig- keitsklausel für Beschlüsse der Beratungsstelle ist offenbar nicht gebilligl worden. Aber bn Interesse der Schäftung einer größtmöglichen Sicherheit gegen Rückschläge und vor allem gegen berechtigte oder unberechtigte Einwendungen sei­tens der Dawesinstanzen gegen die deutsche An­leihe Politik wird man die Verständigung, bie in großen Zügen bereits erreicht zu fein scheint, aufrichtig begrüßen dürfen. Selbst wenn dadurch einmal die eine oder andere an sich produktive Anleihe einer Gemeinde oder eines Landes ber­eit ober erschwert werden sollte.