Einzelbild herunterladen

m. 252 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbrrhesien) _____Samstag, 10. September 1927

MU j.rwT»r.i«mrM«»in ....... II1UU1M I 1 IW I l »in H> MtwraTM« W «1« III II !!!» II Illi IIII IWIII I IIS»»

Oberheffen.

Landkreis «ietzcn

£ Wiefeck, 10. Sept. Der Gem ein be­rat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung außer mit Dem GießenerGaslieferu u g s- »ertrag, worüber wir an anderer Stelle dreier Ausgabe berichten, u. a. noch mit folgenden An­gelegenheiten: Die Festsetzung der Gernernde- umlagen für das Rj. 1927 brachte gegenüber dem Vorjahr eine nicht unwesentliche Erhöhung. Einem Umlagebedarf von 39,420 Mi. im vorigen Jahre steht diesmal ein solcher in Hohe von 55 600 Alk. gegenüber. Seine Ursache hat dres darin, daß im vergangenen Jahr ein Rechnungs- rest von 19 000 DU. zur Verfügung stand, dieser beträgt in diesem Jahre nur 2000 Mk. Zum Vergleich sind die Umlagesähe von 1926 in Klam­mern beigefügt. Aach den vergeblichen Versuchen, hier und da zu mildern, wurde der Vorschlag der Verwaltung angenommen. Danach werden er­hoben: für Gebäude und Bauplätze 252/io M- (18 Pf.), an Gebäudesondersteuern 392/io Pf- (30 Pf.), für land- und forstwirtschaftlich genutztes Gelände 61 Pf. (40 Pf.). Hierbei wurde hervor­gehoben, daß die Erhöhung dadurch eine Berech­tigung habe, daß für das land- und forstwirt- schastliche Anlage- und Betriebskapital eine Steuer nicht mehr erhoben wird. Für das gewerb­liche Anlage- und Betriebskapital sollen 833/10 Pfennig (60 Pf.) und für 1 Mark des staatlichen Gewerbe-Ertragssteuersolls 1,40 Mark erhoben werden. Im Voranschlag des Jahres 1927 waren 1000 Mk. für Instandsehungsar- 6 et t en im Pfarrhaus vorgesehen. Tin von anderer Seite veranlaßter Voranschlag wünscht diese Summe auf etwa 1500 Mk. zu erhöhen. Der damalige Beschluß des Gemeinderats basierte auf einer eingehenden Besichtigung durch Die Baukommission, die die dringendsten Mängel feststellte, und auf der Notwendigkeit, alle Ausgaben nach den vorhandenen Mitteln einzustellen. Da in dieser Richtung keine Erleich­terung eingetreten ist, beschloß der Gemeinderat einstimmig, an der Doranschlagssumme von 1000 Mark keine Aenderung »orymeßmen. Sollen sich weitere Arbeiten als notwendig erweisen, sollen sie im nächsten Jahre vorgenommen werden. Bemängelt wurde hierbei, daß, obwohl die Ar­beiten (nach dem erweiterten Voranschlag) noch gar nicht genehmigt waren, das Pfarramt Wieseck die Arbeiten in einem der politischen Gemeinde gehörigen Hause zum Teil bereits ausgeschrieben hatte, ohne sich mit der Gemeinde in Verbindung zu sehen. In Auswirkung des von Der poli­tischen Gemeinde verlorenen Prozesses um die bauliche Unterhaltungspflicht für Die Kirche müssen nunmehr die erforderlichen Konsequenzen gezogen werden. Daraus ergibt sich zunächst, daß zwei Schuldscheine in Höhe von 16 000 Mark, die als Daulast auf der evangeli­schen Kirche stehen, auf den Aamen der politi­schen Gemeinde übertragen werden. Gegen Die Stimmen Der gesamten Linken wurde dement­sprechend beschlossen. Als Zuschuß zur Besoldung des Glöckners gewährte Der GemenDerat für 1927 100 Mk. und behielt sich das Recht vor, hierüber von Fall zu Fall zu entscheiden. Für Die zurückliegenden Jahre 1924, 1925 und 1926, in denen aus prozessualen Gründen die Zahlun­gen unterblieben, wurden für den Glöckner ebenfalls pro Jahr 100 M. bewilligt. Einen Zuschuß zu der Vergütung des Organisten lehnte der Gemeinderat für die kommenden und auch für Die vergangenen Jahre ab. Aach Der Be­willigung einiger Gesuche um Aufnahme in Die Sozialfürsorge wurde zur Sprache gebracht, daß eine auswärtige Firma auf Dem Bürgersteig in der vorderen Gießener Straße eine große Plakattafel aufgestellt hat. Wie sich heraus­stellte, geschah dies ohne die Genehmigung der Bürgermeisterei. Aach dem Willen des Gemeinde­rats soll die störende Tafel von ihrem jetzigen Platz entfernt werden.

Lollar, 9.Sept. Linser Ort erfährt in diesem Jahve einige wesentliche Verbesse­rungen. Insbesondere bemüht sich die Ge- meinDebertoaltung das Straßennetz inOrd- n u n g zu Bringen. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, Dürften nach der Fertigstellung der be­gonnenen Arbeiten Die vielen Klagen, die seither über unsere Dorfstraßen vorgebracht wurden, ver-

Zwischen Ms md sieben

Roman von Liesbet Dill.

Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Dieses Telephongespräch eben ... eine abgekar­tete Sache ihre Unruye vorher ... ihre Ent­täuschung in der Stimme ... Ihre Konzerte wur­den von ihrem eigenen Agenten arrangiert. Sie sagte nur zu oder ab und verhandelte nie selbst mit den Dirigenten. Sie bestimmte nur das Programm ...Er hörte nur:Morgen fahr' ich nach Frank­furt oder Lübeck, am Sonntag hab' ich ein Kon­zert in Essen--" Und sie kam zurück, angeregt,

mit Blumen beladen...

Als die Stimme schwieg, brach drinnen ein Bei­fall los, den er erst abwartete. Dann trat er wieder ein ... Melitta legte die Noten fort ... Der In­tendant küßte ihr die Hand ... er hatte eine ver­trauliche Art dabei ... mit seinen beiden Händen hielt er ihre Hand fest und stand sehr nahe bei ihr und sprach halblaut auf sie ein ... Melitta lächelte ... undurchdringlich ... Sie war immer liebenswür­dig zu dem Machthaber der Theaterwelt ... Er ver­ehrte sie sehr, alle Welt wußte es, und er machte fein Hehl daraus ... Seine junge, hübsche, aber etwas bornierte Frau sah vom Sofa aus zu. Sie spielte keine Rolle in seinem Leben. Es war eine reizend angezogene kleine Puppe mit glasblauen Kinderaugen.

Ihre Frau ist grausam," sagte der Intendant zu Manfred ...Sie will uns schon verlassen ... Nach dem ersten Lied."

Ja, ich möchte gehen, ich kann nicht mehr ..." Melitta sagte es mit einem Ausdruck tiefster Er-

,^ampenfieber?" lächelte der Intendant.Ein Konzert macht Ihnen doch sonst nichts aus.

Ja, fönst ... aber jetzt ... ich bin etwas--"

Sie brach ao.

Ach, reden Sie von Nerven!" rief der Inten­dant.Hat Ihr Mann Sie angesteckt? Der hätte eher Grund ... und er steht da, wie der steinerne Gast Don Juan im Schnee auf dem Kirchhof."

Sie fuhren heim. Schweigend faßen sie neben­einander und schauten hinaus in den orauenden

stummen. Die Hauptstraße (Ortsdurchfahrt Gie­ßenMarburg) wurde geteert. Damit wurde Der Staubentwicklung im wesentlichen für einige Zeit entgegengewirkt. Der vordere Teil Der Lumda- straße wurde neu eingeDecft und gewalzt, nachdem Der hintere Teil jenseits Der Lumda (im Volks- munD Sachsenhausen genannt) im Lause Des Vor­jahres hergestellt bzw. befestigt worden ist. Ferner wurde der bebaute Teil der Alten Bahnhofstraße (bis zur Anfahrt zum Güterbahnhof) neu chauf­fiert und gewalzt, Die Anfahrt zur Rampe neu gepflastert. Gegenwärtig ist man mit Dem Aus­bau Der Steinstraße beschäftigt, Die während zwei Jahrzehnte ein Schmerzenskind unserer Gemeinde war und einen wenig erfreulichen Anblick bot. Leider ließ sich für Diese Straße Der gleichzeitige Einbau Der Kanalisation nicht ermöglichen. Die unmittelbare Einführung der Abflußwässer in Die Lumda kam nach Den in Der Lumdastraße ge­wonnenen Erfahrungen, wo bei steigendem Was­serspiegel Flußwasser Durch Die Kanalisations­rohre in Die Häuser Drang, nicht in Betracht. Es ist vielmehr für Die Lumdastraße als auch für Die übrige obere Dorfhälfte, die noch vhna eine solche Entwässerungsanlage ist, eine Aeu- gefialtung notwendig, wozu für dieses Jahr im Gemeindehaushalt keine Mittel vorhanden waren. In Betracht kommt Die Einführung unterhalb des Wehres, wozu jedoch eine längere Abführungs­leitung erforderlich ist. Es bleibt zu hoffen, daß Die geschlossene Durchführung Der Kanalisation bereits in Den nächsten Jcchren vorgenommen wird, was wohl auch, nachdem Die dringendsten Arbeiten mit Ablauf dieses Jahres erledigt sind, ohne besondere Aeubelastung des Gemeindevor- anschlages möglich sein wird. Reben den Straßen­arbeiten sind noch einige Verbesserungs- bzw. Erneuerungsarbeiten an öffentlichen Ge­bäuden und Anlag en im Gange. So wurde in Den letzten Wochen das Dachgesims des Ge- meinderathauses (Bürgermeisterei) erneuert. Zur Zeit wird das stark durchlässige Schieferdach unse­rer Kirche im Orte von Grund auf durch ein neues erseht, wobei auch der mit Der Länge Der Zeit mürbe gewordene Holzturm durch Einbau von Eisenkonstruktion wieder befestigt wird. Auf Dem Friedhof wurden die Wege neu angelegt und mit Kies bestreut. Außerdem wurde zur Genug­tuung aller Friedhossbesucher der Mangel, der seither in nur einer Wasserzapfstelle bestand, dadurch behoben, Daß ein stets gefüllter, größerer Wasserbehälter (Detonbasfin) errichtet wurde.

V. Londorf, 9. Sept. Am 11. September feiert der Zugführer i. R. August Eifert seinen 7 0. Geburtstag. Der alte Herr ist seit Eröff­nung Der Rebenbahn GrünbergLondorf bis zu seiner vor einigen Jahren erfolgten Ruhestands- Versetzung als Zugführer tätig gewesen. Durch sein freundliches und hilsbeveites Wesen hat er sich die Wertschätzung des Publikums in hohem Maße erworben. Lange Jahve war er verdienst­voller Präsident des hiesigen Kriegervereins.

-j- Lang-Göns, 9.Sept. Unsere Gemeinde­verwaltung kaufte vor einger Zeit von der Reichs- bahngefellschaft einen unbrauchbar gewordenen Personenwagen und ließ ihn in unserem neuen DorfteilFauerbach" zu Wohnzwecken aufstellen. Der Wagen hat eine Unterkellerung, so­wie eine wohnliche Inneneinrichtung erfahren und wartet nun auf seinen neuen Inhaber. Wie ver­lautet, soll der Familie, die seither auf dem Rat- Haus Notwohnung bezogen hatte, genannte Woh­nung überwiesen werden. Gegenwärtig läßt ine Reichsbahn wiederum an dem großen Damm der Main-Weser- Bahnstrecke unterhalb der Unterführung nach Großen-Linden zu Befesti­gungsarbeiten verrichten. Große Mengen Steine, hauptsächlich Sandsteine, sind angefahren worden. Tiefe und breit angelegte Rigole mit massiver Ausmauerung sollen endlich dem Damm einen so starken Halt geben, daß ein- für allemal ein Rutschen und Wandern der Erdmassen unter­bunden wird.

0 (Brünberg, 9.Sep. Heute fanden hier bei der Turnhalle die Reichsjugendwettkämpfe für den Bezirk Grünberg statt. Es beteilig­ten sich Daran Die Volksschulen zu Grimberg, Lauter, Göbelnrod, Reinhardshain, Beltershain, Stangenrod und Stockbausen. Die Knaben waren Dem Alter nach in drei Abteilungen eingeteilt: A Dorklasse (4., 5. unD 6. Schuljahr). Dreikampf: 75-Meter-Lauf, Weit­sprung unD Ballwurf. 42 Teilnehmer, 24 Sieger.

Nebel.Ein furchtbarer Tag", sagte sie.Man möchte eine Luftfahrt machen, um Die Sonne zu sehen."

Er hatte Brom genommen ... aber Der Schlaf kam nicht ... Er zählte unD rechnete, er ertappte sich Darauf, zu komponieren ... aber es warb immer die­selbe schwermütige Weise, die ihm im Kopf herurn- ging ... und für Die er keine Auflösung fanD ... Ich hab' ein glühenD Messer" ... Morgen ist Das Konzert, rechnete er. Auf Samstagmorgen habe ich Gaul bestellt ... Am Sonntag sinD Die Läden ge­schlossen ... Sonntagmittag hatten sie Gäste zu Tisch--. Für Montag hatte er Den Wagen be­

stellt. Sie mürbe Einwendungen machen ... der Konzertmeister aus Bingen ... aber mit dem mochte ie sich abfinden. Festlegen darauf würde sie sich chon nicht ... Fühlte sie schon Die Schlinge, die auf ie wartete?

Sie hätte schlecht geschlafen, sagte Melitta am andern Morgen.

Er erinnerte sie, ehe er fortging, noch einmal an den Schlangenreif ...

Ja, ja, ich gehe schon", sagte sie ...Ich muß am Montag sowieso zur Stadt ..."

Am Montag habe ich den Wagen bestellt."

Den Wagen? Zu was ...?"

Zu Deiner MaDonna ..."

Aber Doch nicht Diesen Montag", sagte sie fast heftig ...Nein, nein, Diesen Montag kann ich nicht. Der Himmel ist grau, man wirD keine Aussicht haben ... es wirD regnen, sicher wirD es dann regnen ..."

Bei Deinem Wetterglück?"

Und Der Herr aus Binnen, Der nachmittags kommt wegen Des Weihnachtskonzerts

Nun, Der kommt auch an einem anDeren Tag ..."

Aber man kann ihn nicht mieDer abbestellen. Ich kann nicht immer hin und her schieben ... ich habe auch meine Pläne ..." Es Elana fast atemlos.

Wie unruhig sie war. Ihre Hände ordneten ner­vös die Blumen in der Schale, die zwischen ihnen stand ... Er erhob sich ...Dann wird aus diesem Ausflug eben nichts mehr ..."

Weshalb?"

Ich kann mich nur an diesem Montag frei­machen, alle anderen Tage sind auf Wochen hin­aus besetzt. Und im Januar geh' ich nach Spanien.

1. Karl Weber, Grünberg, 68 Punkte; 2. Alft. Henkel, Grünberg, 67; 3. Hrch. Hofacker, Beltershain, 63;

4. Gg. Wiesner, Lauter und Karl Klöß, Beltershain, je 58; 5. Hrch. Rock, Lauter, 57; 6. Wilh. Müller, Gründerg, 55; 7. Kurt Mebus, Grünberg, 53; 8. Ru­dolf Schmidt, Lauter, 52; 9. Wilh. Hofmann, Stan­genrod, 49; 10. Wilh. Sittner, Beltershain, 48; 11. Otto Schmidt, Göbelnrod, 47; 12. Karl Müller, Stangenrod, 46; 13. Gg. Müller, Stangenrod, 45; 14. Fritz Deichmeyer, Willi Groß und Herrn. Wolf, Grün berg, je 44; 15. Wilh. Fuchs, Göbelnrod, 43; 16. Willi Betz, Grünberg und Wilh. Oueckbörncr, Stangenrod, je 42; 17. Karl Schulz, Göbelnrod und Hrch. Schäfer, Lauter, je 41; 18. Ludwig Rinker, Sauter, 40 Punkte. B. Gruppe I (7. und 8. Schul­jahr). Fünfkampf, bestehens aus 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Ballwurf und Weilhoch- sprung. 41 Teilnehmer, 18 Sieger. 1. Willi Büttel, Grünberg, Karl Theiß, Lauter und Bemh. Weber, Lauter, je 90 Punkte; 2. Hrch. Reitz, Lauter, 89;

3. Karl Rieb, Lauter, 84; 4. Aug. Gehringer, Grün­berg, 83; 5. Ernst Schmidt, Göbelnrod und Gustav Wagner, Stangenrod, je 81; 6. August Metzler, Gö­belnrod und Rudolf Krauß, Stockyausen, je 79;

7. Wilhelm Wagner, Reinhardshain, 77; 8. Hrch. Queckbörner, Grünberg, Ludw. Schneider, Grünberg und Reinhard Schmidt, Lauter, je 76; 9. Otto Ger­hard, Göbelnrod, 71; 10. Karl Weber, Stangenrod, 69; 11. Heinz Hilken, Grünberg und Karl Büttner, Reinhardshain, je 68. C. Gruppe II (Fortbildungs­schule). Fünfkampf wie bei (Bruppe I. 6 Teilnehmer aus Grünberg, 3 Sieger. 1. Heinrich Seibel, 101; 2. Karl Schmitt 91; 3. Ludwig Kappes 72 Punkte. D. Mädchen (4., 5. und 6. Schuljahr). Dreikampf: 75-Meter-Lauf, Weitsprung und Ballwurf. 12 Teil­nehmerinnen (Grimberg), 6 Siegerinnen. 1. Martha Lang mit 55 Punkten, 2. Köche Frank, 48; 3. Lise­lotte Euler und Gretel Nebhut, je 43; 4. Emmy Wolf, 42; 5. Tilly Diehl, 41. E. Mädchen (7. und 8. Schuljahr). Dierkampf: 75-Meter-Lauf, Weit- sprung, Ballwurf und Barrenübung. 8 Teilnehme­rinnen (Grünberg), 4 Siegerinen. 1. Bertha Feld­mann, 73 Punkte, 2. Johanna Michel, 65; 3. Anne­liese Wollrab und Lina Rieb, je 57 Punkte. Lehrer Wenzel zeigte mit Knaben des 4., 5. und 6. Schul­jahres drei Gruppen Freiübungen, ebenso turnten unter seiner Leitung die zur Schülerriege des Turn­vereins zählenden Mädchen der vier obersten Schul­jahre die diesjährigen Gau- bzw. Kreisfreiübungen nach Musikbegleitung.

f Obbornhofen. 9. Sept. In diesen Tagen feierte der älteste Einwohner un­seres Dorfes unD auch Der ganzen Umgegend, Der Auszügler Valentin Klös, feinen 9 7. Ge­burtstag. Das hochbetagte Geburtstagslind ist 'm Verhältnis zu seinem Alter geistig noch rüstig, nur hat das Augenlicht sehr nachgelassen. Bei günstigem Wetter unternimmt er täglich noch kleinere Spaziergänge im Hofe. Der zweit­älteste Ortsbürger hat auch das biblische Alter überschritten. Es ist Der Auszieher Heinrich Kammer, Maurer unD Weißbinder seines Zei­chens, Dec 90 Lenze hat kommen und geßen sehen. Gr ist noch rüstig wie ein Siebzigjähriger unD in Der Lage, kleine Handreichungen zu ver­richten.

Kreis Friedberg.

sf. Fried berg, 9. Sept. Anter Vorsitz von Bürgermeister Dr. S e y D fand gestern eine StaDtverorDnetensihung statt, Die Die Aufwertung von städtischen Altbe- fitzanleihen in Höhe von 12,5 Prozent für Beträge von über 500. Mk. beschloß. Der wichtigste Punkt Der Tagesordnung, über Den sich eine sehr lange und teilweise außerordentlich erregte Debatte entwickelte, war das Gesuch der Evangelischen Kirchengemeinde um zinslose Ueberlassung von 50 000 Mk. auf zu­nächst 25 Jahre. Dieser Betrag soll als Zuschuß zum Dau eines großen Saales benutzt werben. Die Stadt hat Dann ihrerseits das Recht, Den Saal zu allen städtischen Feiern kostenlos zu benutzen, ebenso steht er gegen Miete allen Vereinen, Parteien usw. zur Verfügung. Ledig­lich anarchisttsche und karnevalistische Veranstal­tungen sollen ausgenommen sein. Zwischen einem Vertteter Der StaDt und Der Gemeinde war ein entsprechender Vertrag ausgearbeitet worden. Der u. a. Die Erhöhung Des in Frage kommenden Bettages von 50 auf 60 000. Mk. vorsieht, Da Die Stadt Den Einbau eines Wirtschaftsbetriebes verlangt. Beigeordneter Dr. Leuchtgens be-

Sie schien au überlegen ...Seltsam ... Immer kommt etwas dazwischen, als sollte es nicht sein, daß ich noch einmal hinkomme ... Ethel hatte sich so Darauf gefreut ... sie will Aufnahmen machen von allem."

Wie Du willst. Ich roerDe also Den Wagen ab- beftellcn oDer soll ich Den Musikdirektor anrufen in Bingen?" Er griff nach Dem Hörer.

Sie sprang auf, mit einem Satz stanD sie neben ihm unD ihre HanD leate sich auf Den Apparat. Nein, laß Das, ich spreche schon selbst mit ihm. Ich roerDe ihm sagen ... wenn nur Das Wetter schön wird ..." Sie schaute in Den Garten ...Sann wollen wir in Gottesnamen am Montag fahren ... sonst kommen wir nie dazu ... Aber mit Dem Mu­sikDirektor verhanDele ich selbst ..."

Wie Du willst, Melitta ..."

Vergiß Den Safeschlüssel nicht", erinnerte er sie im Fortgehen.

Als ManfreD um halb neun Uhr fein Bureau betrat, erhob sich ein Mann von seinem Sofa in Der Ecke.

Ah, Sie schon?" ManfreD warf den Hut auf den Tisch.Nun, wie war's?"

Diesmal muß ich Sie leider enttäuschen, Herr Doktor." Der Mann stand vor ihm in Dem hängen­den, abgeschabten Kaifevmantel, den grünlichen Iagdhut in der Hand.Das war nämlich so: Am Freitag nachmittag war ich schon um vier Uhr an Ort unD Stelle und spazierte in der Straße herum und behielt den Eingang im Auge. Bis fünf Uhr kam niemand und das Zimmer blieb dunkel ... 3d) hielt mich immer in Der Nähe Des Gartentors. End- lich, um fünf, kam eine große, schlanke Dame rasch Die Straße herunter, sie trug einen dichten, weißen Schleier und war fest in einen Pelz eingewickelt, daß ich chr Gesicht nicht sehen konnte. Sie machte Die Haustür mit einem Schlüssel auf, gleich Darauf wurde das Zimmer links vom Eingang hell."

Nun ... unD?" drängte ManfreD, Dem Der Hals trocken wurde ...

Das ist eigenllich alles ..."

Und die 2)ame?/'

Blieb in dem Zimmer allein ... Ich stieg auf die Treppe unD versuchte hineinzusehen, aber ich habe zu kurze Beine unD die Gardinen waren fest -»gezogen. Ich sah nur die Dame vor Dem Kachel­

richtete über den Vertrag, Dr. Schröder über den Befund des Rechtsausschusses. In der De­batte erklärte die Mieterpartei, daß sie bei zins­loser Ueberlassung des Geldes Dem Vertrag« nicht zustimmen kawi. Die Sozialdemokratte be­rechnete das Geschenk an die Kirch rngemeinde mit Zinsen und Zinseszinsen auf 150 000. Mariü. Dieser Betrag könne besser für andere notwen­digere Zwecke benutzt werden. Kommerzienrat Langsdorf will nur zusttnnnen, wenn der Kirche eine Iprozentige Amorttsation pro Jahr auferlegt würbe. Beigeordneter Dr. Leucht- g e n s stellte einen entsprechenden Antrag. Rach weiterer langer Debatte stellte Bürgermeister Dr. S e y d nochmals fest, wie dringend notwendig für die weitere Entwicklung Friedbergs ein großer Saal ist, und bittet, den vorliegenden Anttag zu genehmigen. Die Abstimmung ergibt seine An­nahme mit 13:11 Stimmen.

Kreis Vüdingcn.

# Ridda. 9. Sept. Die Reichsbahnver- waltung läßt gegenwärtig von einer etwa 30 Mann starken Arbeitskolonne Umbau- und Erneuerungsarbeiten am Gleis der Strecke RiddaFriedberg vornehmen. Gleichzeitig sind umfangreiche Ausbesserungs­arbeiten an dem Mauerwerk der Bahnüberfüh­rung über die Salzhäuser Straße vorgeiwmmen worden. Die private Bautätigkeit geht hier ihrem Ende zu. Es sind mehrere Wohn­häuser errichtet und An- und Umbauten vor­genommen worden. Daneben wurden einige neue Läden eingerichtet und Erkervergrößerungen durchgeführt. Gegenwärttg wird mit Hochdruck an der Erbauung des neuen Rea l schu l - gebäudes gearbeitet. Die Arbeiten sollen, wenn es die Witterung erlaubt, so beschleunigt werden, daß das Gebäude zu Beginn des neuen; Schuljahres seiner Bestimmung übergeben werden kann. Sämtliche Arbeiten sind den ansässigen Geschäftsleuten übertragen worden.

Kreis Schotten.

Laub ach, 9. Sept. Die Getreide­ernte ist jetzt bis auf einen ganz geringen Teil glücklich geborgen. Das neuerdings ein­getretene Regenwetter hinderte, den Ictz'en Rest heimzubringcn, wie auch die ®rummeternie wieder unterbrochen wird. Die Befürchtungen toegen des schlechten Ausfalls der Getreideernte waren für unsere Gemarkung unbegründet. Die Ernte wird Wohl nicht unter dem Durchschnitt bleiben. Der Zirkus Heppenheimer gab dieser Sage in unserer Stadt ein Gastspiel, das bei allen Besuchern volle Anerkennung fand. Die arttstischen Darbietungen und die Dressur­leistungen dieses Unternehmens stehen auf guter Höhe. Besonders bemerkenswert waren die Lei­stungen, die in der Dressur eines spanischen Stieres gezeigt wurden. Dieses Tier ist dem Besitzer so wertvoll, daß er sogar einen Um­tausch des Stieres gegen eine erhebliche Anzahl edler Pferde, die von russischer Seite als Gegen­leistung angeboten wurden, ablehnte. Als Ge­samtwertung kann man diesem Unternehmen der Zirkuskunst eine gute Empfehlung ausstellen.

Starkenburg.

Darmstadt, 9. Sept. In Frankfurt wurde ein vierundzwanzigjähriger arbeits­loser Schmied aus Darmstadt fe ft .genom­men, der im dortigen Pfandhause neun ge­stohlene Fahrräder auf den Namen eines gewissen Jakob Krämer, dessen Personalauswc 3 er besaß, versetzt hatte. Er hat auch in Darmstadt, tote festgestellt werden konnte, ge­stohlene Fahrräder versetzt. Wahrscheinlich sind ihm noch mehr als die jetzt bekannten Fahrrad­diebstähle nachzuweisen.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

WSR. Biedenkopf, 9. Sept. Die neue Eisenbahnbrücke zwischen Buchenau und Brungershausen an Der Eisenbahnstrecke KreuzthalKölbe ist jetzt so weit fertiggeftellt, Daß sie gestern in Betrieb genommen werden konnte.

XX Frankenbach, 9. Sept. Durch Den in Der Rächt zum Himmelfahrtstag hier ausge- brvchenen großen Brand wurden bekanntlich

ofen sitzen, sie hatte ein Buch auf Den Knien und schien zu lesen."

UnD Der Herr?"

Ist nicht gekommen. Es scheint, baß in Dem Zim­mer jetzt eine Dame wohnt ... Don einem Herrn hab' ich nichts gesehen ..."

Sie haben also deutlich gesehen, daß das Zim­mer leer blieb, solange Die Dame Drin war?"

Mein Ehrenwort, Herr Doktor, es war nur eine Dame in Dem Zimmer. Ich wartete noch bis nach sieben Uhr unD habe niemand hinein- ober heraus­geh en sehen, nur Graf Röbern kam in feinem Roll­stuhl mit seinem Diener an mir vorbei unD später Die zwei alten Englänberinnen, Die in DerLa Ro- fiere" wohnen."

UnD Dann ... unD Dann?"

Dann war nichts mehr ... Als es sieben schlug, kam die Dame wieder heraus unD ging rasch an mir vorbei, ohne mich zu sehen und ohne Daß ich sie er- kennen konnte. Sie nahm ein Auto an Den Kolo- naben und fuhr nach Der StaDt."

In welcher Richtung?"

Ja, Herr Doktor, ich nahm mir auch sofort einen Wagen unD fuhr hinterher, aber Der Nebel ... man konnte ja keine Drei Schritte weit sehen ... Gegen AdenD war er so Dicht geworDen, Daß ich ihre Spur nicht verfolgen konnte. Ick sah nur, Daß jie in Der Richtung nach Dem Kuryause fuhr. Ich suchte sie Dort überall, in Den Garberoben fragte ich nach ber großen Dame im schwarzen Pelz ein Sealmantel war's im Restaurant fragte ich bie Kellner Die Portiers im Lesezimmer nirgenDs war sie zu finDen ... niemanb hatte eine solche Dame ge­sehen."

Sie ist Ihnen also entwischt?"

Leiber, Herr Doktor..."

Manfreb sah ben Mann an ...Dann wüßte sie also--"

Gaul zuckte bie breiten Schultern, er sah aus wie ein Gnom, bas Licht spiegelte auf seinem Glatz­kopf.Die Frauen sinb in biefen Dingen sehr klug ... sie fühlen, wenn Gefahr in ber Luft» liegt ... sie wittern sie, ehe wir bran glauben

Sülanfreb staub vor bem Feuer ...Er hotte bas Brausen bes Winbes im Schornstein, es war, als riefe ihm eine Stimme zu: ... Greif zu ... es ist Zeit!

(Fortsetzung folgt.)