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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 10. September 1927.

Vom heroischen Lebenslauf.

Don Reinhold Braun.

Das Höchste, was der Mensch erreichen kann, ist ein heroischer Lebenslauf. Schopenhauer.

Gin Dichter der Gegenwart sagt:Rur im Schreiten sind wir ein Volk." Ergänzen wir es dahin:Rur im Schreiten wird ein Mensch!"

Auf die Stetigkeit kommt's an, auf das un­ermüdliche Vorwärts und Aufwärts, auf die Be­wegung von innen her, auf das Schreiten aus intocnbiger Fruchtbarkeit, auf das Gehen voll starken Bewußtseins! Aleterall, wohin wir blicken, Maschinenhaftigkeit der Bewegung, mechanische Abtrottelung eines vorgeschriebenen Weges, ja­gende Zweckwütigkeit oder sich hinschleppendes Gequältsein oder pendelnde Leere. Freilich, es ist :<i nicht zum Verwundern. Alles Folgen des Chaos, das uns der Materialismus be­reitete! Rur im Schreiten bewußter Mensch- «chteit, starker Idealität wird ein Volk, wird ein Mensch, nur durch das Schreiten, bei dem jeder Schritt Lebensmeisterung bedeutet! Jeder von uns muß eine schreitende Wirklichkeit sein durch die harte Wirklichkeit des jetzigen Lebens!

Aber ach, wieviele sind denn Wirklichkeiten aus Seele, sind denn innerstes Sein! Rurdie vom wahrhaften Leben" sind die wahrhaft Wir­kenden! Der Mensch, der nur den Zweck kennt, weiß nicht zu schreiten. Das vermag nur der, der einging in den Sinn des Lebens. Man muh etwas erschreiten, was des Erschreitens wert, etwas erkämpfen, das kampfwürdig ist! Auf das Ziel kommt's an, seinen stillen Glanz und seine Heiligkeit, darauf, daß es in irgendeiner Form Göttliches enthält oder gar sichtbar macht, Alnd dieses Ziel mutz unver­rückbar am Ende des Weges stehn.

Ziellosigkeit bedeutet Vergeblichkeit des Le­bens, ein Aufgesplittertwerden in ein Richts. Mindestens stehen aber dann am Ende nur sinn­los gehäufte Richtigkeiten, einem Steinhaufen gleichend, über dem Dunkel trostlos nachtet. Das­selbe gilt auch von allen Scheinzielen, die die Aeuherlichen und Phrasenvollen, die Gierigen und Verblendeten sich aufrichten. Auch aller äußerliche Erfolg kann darüber nicht Hinweg­täuschen. Der wahre Erfolg eines Lebens kommt nur aus dem wirklichen Folgen dem Gottlich und Groh-Menschlichen gegenüber. Alle Weisheit gipfelt immer wieder darin, das Ewige, über alles Zeitliche hinaus, sich zu erfolgen! Zeitlichkeit darf immer nur Dienerin des Ewigen sein. In solcher Erkenntnis erfüllt man dann auch wirklich seine Zeit, und das ganze Leben fügt sich nach und nach zu einer einzigen, großen, schönen Tat zusammen.

Solche Gedanken und Erkenntnisse, solche Ge­fühlsklarheiten aus dem Airgrund unseres Seins sind di« Vorbedingungen für einen heroischen Lebenslauf. Diese innere Höhe muh jeder ge­winnen, den es um einen heroischen Lebenslauf heiliger Ernst ist. Richt die äußere Höhe ist für einen solchen Lebenslauf notwendig oder gar entscheidend, nicht Stand und Verstand, nicht schöne Gestalt und allerlei Habe. Je mehr reine, große Lichtheit ein Lebenslauf durch ein vielleicht recht schattenvolles Dasein hin darstellt, um so heroischer war er. Solch ein Lebenslauf ver­langt immer das Heldentum im Alltag, wenn er als ein Ganzes, Geschlossenes sich einmal offen­baren soll. Richt Rausch und auflodernde Be­geisterung, nicht ein stückweis lose Aneinander­gefügtes ist dieser Heroismus, sondern immer Strom aus der Tiefe, ganze Klarheit der Sinne und eine schöne Rüchternheit allen Djngen und Begebnissen gegenüber, die volle Wachheit des geistigen und seelischen Menschen.

Der heroische Lebenslauf verlangt Einsicht in die Gesetze des Lebens, verlangt die innere Wirtschaftskunst, das Sich-Zusammenhalten in seinen Fundamenten, die ganze schöne Flüssig­keit unseres Menschenkernes.

Es ist wohl kaum des Erwähnens noch nötig, daß di« Schönheit und der Eindruck eines he- roischen Lebenslaufes nicht von seiner Dauer abhängig ist. Der unerhört machtvolle und un­erschöpflich gnadende Weg des Razareners ist das beste Beispiel dafür! Der wahrhaft he­roische Lebenslauf wird dann zum Glück des Lebens. Das Erkämpft« bleibt immer noch das Höch st«.

Heute mehr denn je fühlen wir, wie eng Heldentum und Glück miteinander verknüpft sind. Datz einer den anderen doch als einen Helden erkenne und ihn als einen solchen ehre!

Reklame am unrechten Ort.

Als vor einigen Jahren die Reichspost unter Aufwand bedeutender Geldmittel anfing, die Wände der Dienstgebäude, die Briefkästen, die Fahrzeug« zur Aufnahme von Reklame herzu­richten, da coandten sich namhafte Sachverstän­dige in schärfster Weise gegen dieses Experiment und sagten ihm einen gänzlichen Mißerfolg vor­aus. Diese Voraussage hat sich als richtig er­wiesen: die Reichspost baut ihr Reklameunter­nehmen ab und di« Beamten, die darin be­schäftigt waren, werden wieder dem Verkehrs­dienste zugeführt.

Wer seinerzeit dem Reichspostministerium diese Idee eingeblasen hat, der war ein Laie in Reklamedingen, sonst hätte er wissen müssen, datz jede Reklame versagt, die das Publikum zur unrechten Zeit oder am unrechten Orte über­fällt. Sie kann sogar das Gegenteil der beab­sichtigten Wirkung erzeugen, und zwar um so sicherer, je mehr sie daS Publikum in seinen Gewohnhecten, seiner Behaglichkeit oder in seinem Genuss« stört.

Eine Reklame im Anzeigenteile der Zeitung stört mein ernten. Man sieht den Anzeigenteil durch in der Erwartung, hier Reklame zu fin­den, und darum wirkt sie gut. Brächte dagegen eine Zeitung im Textteil eine Rotiz mit einem

sehr interessanten Anfang« und mit einer Reklame I am Schlüsse, so würden sich viele Leser über diese Fopperei ärgern, weil sie ter sehr zutref­fenden Ansicht sind, datz der Text einer Zeitung für ander« Zwecke bestimmt ist datz er nicht geschäftlichen Reklamen dienen soll und daß diese eben in den Anzeigenteil gehören.

Wenn an einem guten Kunstwerke eine Re­klame angebracht würde, so würde sie zwar sehr beachtet werden, aber jeden -Menschen von gutem Geschmacke abstotzen. Wirken doch sogar schon die Reklameinschriften auf Gebvauchsgegen- stänten, die man als Zugabe erhält, sehr störend, und zwar um so mehr, je hübscher ter Gegen­stand ist.

3m Kino kann man es dem Publikum deutlich anmerken, tote zuwider ihm die zwischen zwei Vorführungen eingeschobene Vorhangreklame ist, weil die Besucher in die Lichtspieltheater gehen, um Filme zu schauen, nicht aber um zu lesen, was T. oder V- anbietet. 3n den großen Städten ist die Kinoreklame ja an dem ülnwitlen des Publikums vielfach gescheitert. Wohl jeder Eisen­bahnreisende, der überhaupt einen Blick für die Landschaft hat, wird sich schon über deren Ver­unstaltung durch die Hunderte von Reklame­schildern geärgert haben, und zwar am wenigsten über die in der Rähe ter Großstädte, am meisten über die in der freien Ratur.

Wenn jemand auf dem Postamt« oder auf dem- Bahichofe die Schalterinschriften sucht und statt dessen auf eine Reklame für eine 3igaretten- oder Dchokoladenmarke stößt, so ist kaum anzu­nehmen, dah er vor Freute darüber den Ent­schluß faßt, beim nächsten Einkäufe dies« Ziga­rette oder diese Schokolade zu verlangen.

Eher ist anzunehmen, datz er sich sagt: Run erst recht nicht!

Alle diese Reklamearten sind von vornherein zur Alnwirksamkeit verurteilt dadurch, datz sie den Versuch machen, das Publikum in einem ganz ungeeigneten Moment zu fassen, nämlich in dem Augenblick, wo der einzelne feine Reklame erwartet, nicht auf sie gestimmt und daher für sie nicht aufnahmefähig ist, also sie in den meisten Fällen innerlich ablehnt, weil er durch sie gestört, irritiert, abgeleickt wird. Das gleiche gilt ja auch in den meisten Fällen von ter Laut­sprecherreklame, die gewöhnlich an Orten und zu Zeiten ertönt, wo ter normale Mensch inner­lich auf ganz ander« Dinge eingestellt und daher nicht geneigt ist, sich in die Ohren trompeten zu lassen, dah .....sohlen die besten auf der

Welt sind. Aus all diesen Tatsachen ergibt sich, dah diese Art von Reklame unter allen Alm- ständen viel zu teuer ist, weil ihre geringe oder gar nicht vorhanden« Wirksamkeit zu den Kosten in einem argen Mißverhältnis steht.

Ehrenabend für Sofrat Steingoetter in Bad-Nauheim.

Aus Bad-Nauheim wird uns berichtet: Der Rücktritt des Hofrats, Intendanten Hermann Steingoetter von seinem Amt im nächsten Frühjahr, hat auch für das Kunstleben unserer Badestadt seine besondere Bedeutung. Denn Gießen und Bad-Nauheim sind auf künstlerischem und finanziellem Gebiete seit Jahrzehnten eng verbun­den. 24 Jahre hat Hofrat Steingoetter unser Kurtheater geleitet, er hat es aus bescheidenen Anfängen zu einem beachtenswerten Faktor im Unterhaltungsleben des Bades ausgestallet und sich während seiner langen hiesigen Wirkungszeit nicht nur einen großen Freundeskreis unter den Kur­gästen, sondern auch einen Stamm treuer Anhän­ger unter der heimischen Bevölkerung in 33 a b Nauheim, Ftiedberg und Butzbach zu schaffen gewußt.

Mit Ablauf dieser Sommerspielzeit verliert nun das Kurtheater seinen bewährten Leiter, den man nur ungern gehen sieht. Als Anerken­nung für feine langjährige erfolgreiche Tätig­keit gab di« Kurverwaltung dem Scheitenden am Donnerstag einen Ehrenabend in Ge­stalt einer Abschiedsvorstellung im Großen Büchersaal. Das Haus war, trotzdem wir uns bereits dem Ente ter Sommersaison nähern, gut beseht. Erfreulich ist die Tatsache, dah auch alle Schichten der hiesigen Bevölkerung, die die stets hilfsbereite und entgegenkommende Liebens­würdigkeit Steingoetters überaus schätzt, zahl­reich vertreten war und damit dem Scheidenden ihre Sympathie ausdrückte.

Zur Aufführung hatte Hermann Stein- goetter GoethesEgmont" mit ter Musik von Beethoven auserkoren und damit eine be­sonders glückliche Wahl getroffen. Das Trauer­spiel war in 11 Bildern für die Bühne einge­richtet und in Szene gesetzt worden von Her­mann Steingoetter, dessen künstlerische Begabung dabei Gelegenheit hatte, sich voll zu entfalten. Die Aufführung hinterlieh einen starken Ein­druck, und die lebhaften Beifallskundgebungen galten nicht nur ten Darstellern, sondern vor allem auch Hermann Steingoetter, der auf der Bühne erscheinen muhte und mit zahlreichen Dlumenfpenten, darunter einem mit den hessi­schen Lantesfarben gezierten Kranz der Kurver­waltung, ausgezeichnet wurde. Bewegt sprach Intendant Steingoetter Worte des Dankes und Worte des Abschiedes an seine zahlreichen hie­sigen Freunde. Er schloß mit dem Wunsche, dah das einzig schöne Dad-Rauheim, dem 24 Jahre lang seine Arbeit und seine Sympathien ge­golten, weiter wachsen, blühen und gedeihen möge.

Die Reichsjugendwettkämpfe in (Sieben.

3m Anschluß an unseren gestrigen Bericht über die diesjährig« Reichsjugend Wett­kämpfe in Gießen fei heute abschließend noch folgendes nachgetragen:

Alm auch dem Schwimmen die Bedeutung, die ihm seiner Wichtigkeit nach zukommt, ge­recht zu werden, wurde diese Art der Leibes- Übung mit in die Kämpfe einbezogen. Es wur­den folgende Leistungen erzielt.

Mädchen.

Oberstufe Studienanstalt: Ruth Heid 47,05 Sek.

Mittelstufe Lyzeum: Trude Schwarz 45,05 ©et; Christel Holstein 48,02 Sek. und Lieselotte Roll 48.05 Sek.

Unterstufe Goetheschule: Elisabeth Sick 52,00 Sek.; Gretel Meurer 54,05 Sek.; Anni Leh­mann 55 Sek.; Erika Röhmig 55,05 Sek.; Anne­lies« Benter 58,04 Sek.

Schillerschule: Anneliese Gissel 50,04 Sek.; Gretel Schreier 52 Sek.

Knaben.

Oberstufe Gymnas ium: Fritz Wolf 40,07 Sek.; Herbert Hofmann 44,05 Sek.

Mittelstufe Gymnasium: Rudolf Hech­ler 41,06 Sek.; Helmut Eger 42,01 Sek.

Realgymnas ium: Hatto Metschke 39,05 Sek.; Otto 3üngft 40,02 Sek.; Walter Hentzel 41 Sek.

Unterstufe Gymnasium: August Hab- rich 42,01 Sek.; Siegfried von Bülhingslöven 45,04 Sek.; Ernst August Dlumschein 49,05 Sek. und Heik Schmidt 49,05 Sek.

Realgymnasium: Hans Vogt 42,09Sek.; Heinz Lich 44,03 Sek.

Goetheschule: Willi Lesch 42 Sek.; Lud­wig Herbert 45,05 Sek.; Karl Otter 49,09 Sek.

Die Schluhveranstaltung

führte am gestrigen Freitagvormittag alle be­teiligten Schulen auf dem Turn- und Spielplatz der Universität zusammen. 4xl00-Met«r-Staffeln der einzelnen Altersstufen und ein Handball­spiel gaben ter Preisverteilung den tut» nierischcm Rahmen.

Staffelläufe Unterstufe: 1. Sieger der beiden Gruppen: Gymnasium und Oberrealschule. Mittelstufe: 1. Pädagogium; 2. Oberreal­schule. O ber stufe: 1. Oterrealschule; 2. Real­gymnasium

Das Handballspiel sah die 1. Mann­schaft ter Oberrealschule mit 2:1 gegen eine aus Schülern des Realgymnasiums, Gymnasiums und des Pädagogiums siegreich. Di« FlüssiBeit des Spieles litt sehr unter ter Glätte des Bodens.

Lehrer Kling wies in einer kurzen An­sprache auf die Bedeutung der Reichsjugendwett­kämpfe hin und brachte ein von ter Jugend be­geistert aufgenvinmenes Hoch auf das Vater­land aus. Rach dem Deutschlandlied erfolgte die P reisvertei hing.

Gietzerrer Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 130, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 12 bis 25, gelte Rüben 10 bis 15, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römisch­kohl 10, Bohnen, grüne 15 bis 20, gelbe 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 6 bis 15, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 100, Kürbis 12 bis 15, Pilze 30 bis 40, Kar­toffeln 5 bis 6, Frühäpfel 10 bis 20, Falläpsel 5 bis 8, Birnen 8 bis 20,' Zwetschen 12 bis 25, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Eier 15 bis 16, Blumen­kohl 10 bis 130, Salat 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 70, Einmachgurken 3 bis 6, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 10 Pf.

Bornotizen.

Lageskalender für Samstag. Russische Ballett-Revue: 81/* UhrBolkshalle". Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Derband: 8 Uhr Katholisches Dereinshaus: Lichtbilder- Dortrag. Palast-Lichtspiele:Der Roman eines armen Artisten". Astvria-Lichtspiele:Der Schrecken von Texas".

Tageskalender für Sonntag. Ehemalige Leibdragoner: 2.30 Uhr nachm. Hotel »Hopfeld" Versammlung. Gewerkschast deutscher Lokomotivführer: 2 Uhr nachmKarlsruhe" Sommersest. Allers-Vereinigung 1872 1922: 4 Uhr nachm. Familienzusammenkunft. Gabels- berger Stenographen: 3 Uhr nachm.Gleiberg" Zusammenkunft. Achtspieltheater wie Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dah am Dienstag, 13. September, di« letzte Vorstellung im diesjährigen Sommer stattfintet. Es ist also auch bie letzte Gelegenheit, etwa noch vorhandene Abonnementslarten zu benutzen. Gegeben wird ter neue Schwank von Arnold und Dach ..Hurra ein 3ungel, ter bei seiner Erstaufführung einen starken Heiter­keitserfolg erzielte und außerordentlich gefallen hat. Die Hauptrolle spielt Herr Goll.

D a s Reichs schulgesetz und die S i - multanschnl e". lieber dieses Thema wird in einer öffentlichen Versammlung der Deutschen Volks­partei am Mittwochabend im Cafs Leib der Land­tagsabgeordnete Oberstudiendirektor Dr. Keller (Büdingen) sprechen. Man wird an diesem Abend Gelegenheit haben, einen erfahrenen Fachmann zu hören. (Siehe heutige Anzeige.)

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Ein neues Wohnviertelunserer Stadt bildet sich immer mehr an der Straßen­gabelung GießenReiskirchen und GießenRöd­gen, am sog. Professoreneck, heraus. Während im vorigen 3ahre der Univ.-Garteninspektor a. D. Rehnelt mit seinem hübsch gelegenen Hause dort oben noch allein war, sind ihm gegen Aus­gang des Vorjahres und mehr noch in diesem 3ahre eine ganz« Anzahl Rachzügler gefolgt, und gegenwärtig wird sowohl an der Straß« nach Rödgen, tote an der Landstraße nach Reis- kirchen wieder gebaut. Wie es scheint, wird die vollständige Bebauung dieses Geländes wohl nur noch eine Frage von ganz kurzer Dauer fein.

** Straßensperre. Der Feldweg in der Verlängerung der StraßeAn der Margaretenhutte" von der Wirtschaft S ä n g e r an bis zu 500 Meter südwestlich nach Klein-Linden wird wegen Errichtung einer Stützmauer auf die Dauer von etwa 14 lagen gesperrt. Der Verkehr wird durch den hinter Der Margareienhütte herziehenden Feldweg umgeleitet.

"AufgehobeneProvinzialstraßen- sperre. Wie die Provinzialdirektion im neuesten

Amtsverkündigungsblatt bekanntgibt, fft die Pronin- zialstraßenfoerre Gießen Heuchelheim-> W i n d h o f wieder aufgehoben worden.

** D i e Genfer Rede Stresemanns, über die wir auf der ersten Seite unseres heutigen Blattes berichten, war gestern auch im Deutschen Rundfunk zu hören. Leider erfolgte die Umschal» tung nach Genf erst, als Dr. Sttesemann schon eine Zeit lang sprach. Man konnte die Worte des Red­ners im allgemeinen gut verstehen.

** Zusammen stoß mit einem Stra­ßenbahnwagen. Gestern mittag gegen 12.30 Alhr stieß an ter Ecke RoonftraheKaiserallee der 17 3ahre alte Hilfsarbeiter Fr. Gotz, Kcttha- rinengasfe 9 wohnhaft, .als er mtt seinem Fahrrad von ter Licher Straß« her kommend ein vor ihm fahrendes Lastauto links überholen tootlte, gegen den aus der entgegengesetzten Richtung heran­nahenden Straßenbahnwagen. Der junge Mann wurde von der Elektrischen zur Seite geschleudert und blieb am Platze liegen. Die Freiwillige Sanitätskolonn« vom Roten Kreuz verbrachte den Verunglückten mtt dem Städtischen Sanitätsauto! nach der Chirurgischen Klinik. Der junge Qltanm hat bei ter Karambolage «in« leichte Gehirne erschütterung davongetragen.

** Zur Abwehr der Maul- und Klauenseuche weist das Kreisamt Gießen im neuesten Amtsverkündigungsblatt darauf hin, dah das Zucht- und Ruhvieh, das vom Gießener Viehmarkt ftanunt, sofort dem zuständigen Amts­tierarzt und ter Lwtspolizeitehörd« an^um eitert und getrennt von dem übrigen Viehbestand auf­zustellen ist. Dieser Bestimmung haben Händler und Landwirte in gleicher Weis« nachzuLmmen.

** Eine Hindenburg-Postkarte. Die Hindenburgspende hat nach dem teEamrten Bild- Plakat eine eigene Bildpostkarte berstellen lassen, die das Porträt des Reichspräsitenten und dar­unter seinen bekannten Sinnspruch zur Hinten- burgspente zeigt. Diese in Kupferdruck herge­stellte Karte erscheint nicht im Hantel. Sie wird lediglich von den Geschäftsstellen der Hin- denburgspente zu Empfangsbestätigungen ver­wendet. Alm ihren Wert für Sammler zu er­höhen, hat die Hindenburgspende 60 000 dieser Postkarten mit eingedruckter 3- und 8-PfenniM- Marke versehen lassen. Die Entwertung bet Karten erfolgt in Berlin durch einen besonderes Poststempel. Bis auf weiteres werden etwa vom 10. September ab die bei den Postscheckkonten ter Hintenbergspende Berlin 73 800, Dresden 37 000, München 9000, Stuttgart 23 000 eingehen­den Beträge über 10 Mark mit dieser Post­karte bestätigt. Da die Postkarte nur in be­schränkter Auflage erscheint, dürft« sie voraus­sichtlich bald gröberen Samrnelwert gewinnen.

Die Technische Hochschule in Darmstadt hat jetzt ihren Lehrplan für das Studienjahr 1927/28 herausgegeben. 3m Winter­halbjahr dauern die Einschreibungen von Mitt­woch, 19. Oktober, bis einschließlich Dienstag, 8. Rovember. Die Vorlesungen und Alebmtgert beginnen am Montag, 24. Oktober. Die Weih­nachtsferien dauern von Donnerstag, 22. De­zember, bis einschließlich Montag, 2. 3crnuar. Das Semester endigt Samstag, 3. März.

Kunst und Wissenschaft,

vom hessischen Landeslhealer.

Die diesjährigen Sinfoniekonzerte des Lan- desiheaters bringen eine große Zahl interessanter Reuhetten. Vorgesehen sind folgende Erstauffüh­rungen: Döpper: Giaconna gotica; Re- spighi: Fontana di Roma; Wladiaeroff: Konzertstück für Violine und Orchester; Pro ko­ste ff: Suite ausDie Liebe zu den drei Oran­gen"; S ch u l t h « tz: Variationen für Violon­cello und Orchester; Ravel: Le Tombeau de Couperin; 3 an acet: Militärsinfonietta; Pfitz- ner: Violin-Konzert; Marx: Romantisches Klavierkonzert. Generalintendant Ebert wurde vom Magistrat ter Stadt Frankfurt a. d. O.. der Geburtsstadt Heinrich von Kleists, eingeladen, im Rahmen der Frankfurter Festspiele, die aus Anlaß des 150. Geburtstages des Dichters ver­anstaltet werten, mtt seiner Darmstädter 3nszenie- rung derPenthesilea" zu gastieren.

Berliner Börse.

Berlin, 10. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Vormittagsverkehr ist eine ausgesprochene Tendenz noch nicht zu erkennen. Die freundliche Stimmung scheint anzuhalten. Geschäfte sind bis jetzt noch nicht getätigt worden. Die Kurse liegen auf dem Niveau der Frankfurter Abendbörse. Farben 286 bis 287,5, AEG. 179,5 bis 180, Harpener 198 bis 198,5. Am Devisenmarkt hört man London gegen Paris mit 124,02, Mailand 89,25, Madrid 28,83, Kabel 4,8622.

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