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Zreltag, 10. Juni 1927

ITT. Jahrgang

Nr. 133 Erster Matt

Gietzemr Anzeiger

scheinen ein jdner5him«ern msolge hc-herer Gewalt.

General-Anzeiger für Oberhefsen

t>nd m6 Dtrlog: vrihl'fche U*ioerfitäts*Bid)- und Stetnöniderd L tauge in SieZen. Schnftleitung und Seschästrftelle: Zchnlfttaße 7.

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Dr. Fnedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H Thnnol; für den übrigen Tett Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Kurt ßillmann, lämthd) in Giehen.

Erscheint täglich,auier Sonntag» und Feiertags

Beilagen:

Siebener Fami^nblitter Heimat im Bild

Die Scholle.

!H»eai$-öe)»gsBreis: 2 Neichsmarü und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei dichter-

England und der Warschauer Gesandtenmord.

Moskau klagt an.

Moskau, 9. 3unL lTeiegraphenagentur der Cotojeiunion.) Gin hier veröffentlichtes Äom- muniqut der Sowjet regterung erklärt u. a.: 3m Zusammenhang mit dem frevelhaften Mord an Woikow, der auf eine ganze Reihe direkter und indirekter Angriffe der eng­lischen Regierung aus die Sowjet- Institutionen im 2 uslande und aus den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion durch Großbritannien folgte, erachtet v6 die Sowjetregierung für notwendig, nunmehr eine Reihe anderer Tat lachen bekannt» zugeben, die die Arbeit der englischen TUgiening und ihrer untergeordneten Organe auf dem Terri­torium der Sowjetregierung zur Genüge kenn­zeichnen. 3m Sommer 1925 wurde ein gewisser, im Besitz eines SowjetpasseS auf den Tarnen Steinberg befind, icher Kaufmann beim ille­galen UebrrlcbTcitcn der finnischen Grenze nach der Sowjetunion von einer Grenzwache ver­wundet und verhaftet. Gr sagte bei seiner Dernchmung auS. daß er Sidney George Ri­ley Heike, und daß er in Wirklichkeit ein An­ge stellter deS englischen Geheim- di e n st e - und Hauptmann in der englischen Luftflotte und einer der Hauptorganisatoren der Derschworungen LokkariS fei, der durch daS Urteil deS Tribunals vom 3. Dezember 1918 als außerhalb der Gesetze stehend erklärt wurde.

Riley bekundete, dah er in bet Sowjetunion eigen» zum Zweck der Organlfierung terrorii'li- fcher Anschläge sowie von Brandstiftungen und Ausständen eingeirosfen sei. und dah er auf der Durchreise au» Amerika den englischen Schoh- kanzler Lhurchill ausgesucht habe, der ihm per­sönlich Instruktionen zur Organisierung terro­ristischer Attentate und anderer Diversionsakte erteilte.

Seine schriftlichen Aussagen sind im Besitz der Re- gienrng. Da» bei roritcren ikrhaftungen beschlag- nahmte Material bestätigt vollauf die Aussagen Ri­ley». Ende 1926 vereitelten die Organe der G. P. ll. ein Attentat auf Petrowsky, den Borfitzenden de» Zentrale^ekutiokomitees der Sowjetunion und des allukrainischen Zentralcxekutiokomitees sowie auf den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Ukraine T f chu da r. Gleichzeitig wurde aui den Vorsitzenden der Leningrader G. P. U. Messing ein Attentat verübt, al» besten Urheber sich der Lohn de» früheren Obersten der ötreitfräfte Petljuras Iruba erwies, der zur Zeit Petljuras Komman­dant von «Charkow nxir und jetzt in Warschau lebt. Für den 12. Mar; 1927 war ein Attentat auf Bucharin im (Drosten Theater während feines Referates am Jahrestage der Revolutton oorbcrettet morden, roobei es dem reinen Zufall zu verdanken war, daß der Attentäter feine Absicht, Bucharin zu ermorden, nicht erreichen konnte. Dieselbe Person, die sich al» der Sohn des Kaufmanns Gurowitfch erwies, bereitete daraufhin ein Attentat auf Rykow und Stalin vor. Gurowitsch wurde jedoch reAt-veit g verhallet. Am 10. Mai wurde eine Gruppe früherer Noltschak-Offiziere, Zöglinge des adligen Waisen Instituts in Leningrad, nerhaftet. Diese (Bnippe stand den Aussagen ihrer Mitglieder infolge in unmittelbarer Verbindung mit White, dem Leiter der Sonfulateabtcilung der englischen Mission in Moskau

Vie Gruppe bereitete im Auftrag der englischen Mission eine Sprengung Im Kreml und eine Sprengung de» Grohen Theater» vor während irgendeiner grohen Versammlung. Jn der Rächt ;um 3. Juni vereitelte die G D A. die Spren­gung eine» Hauses in der Röhe de» Amtssitzes der G. JJ. U. hier wurde eine vier Kilogramm schwere INelinilbombe ermittelt Das Melinit

war In einer französischen Bombenhülfe und englischen Ursprung». Danach unterliegt e» keinem Zweifel, dah die Bestandteile der Bombe au» dem Auslande einge- geführt worden find. Davon zeugen auch die von den Attenlälern zurückgelassenen

Gegenstände.

In dem Kommunique wird weiter erklärt, daft englische Blätter unmittelbar nach der Ermordung Woikows ein Interview mit dem früheren zaristischen Diplomaten Sablin ver­öffentlichen. der den Mörder direkt rechtfertigt. Die englische Hand, die das Attentat deS polnischen Staatsangehörigen Icnfbe. sei hier deutlich zu ersehen. Demnach ist es vöUig klar, dah die englstche Regierung, die die Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion mit allen Mitteln und . auf allen Wegen in raschem Tempo betreibt, bestrebt ist. die friedliche Arbeit der Sowjets zu stören. Die Sowielregierung hält es für ihre Pflicht, die sowjetfeindliche Politik des britischen Kabinetts und feiner Agenten aufzudecken. Sie richtet an die werktätige Bevölkerung den Ausruf, die Fabriken. Stationen urto. zu schützen und macht es der G. P. 11. zur Pflicht, ent­schiedene Maßnahmen zum Echun des Landes vor ausländische! Brandstiftern. Spionen und Mördern zu ergreifen. Die Regie­rung erklärt, dah sie, gestützt auf die werktätigen

Massen, das Land von Feindens ä übern und es verstehen werde, das sozialistische Ausbau- werk vor jeglichen Anschlägen zu schützen.

Londonnimmt keine Notiz".

London, 9. Juni. (WB.) Die Blätter ver- öffentlichen das amtliche Moskauer (tommuniqu* zur Ermordung des Gesandten Woikow mit den gegen Großbritannien erhobenen Beschuldigungen, das in gut unterrichteten Kreisen al»kindisch" und als eine Charakterisierung für die Schwäche de» Beweisrnalerials der Sowjetregierung bezeich­net wird.Coening News" bezeichnet das Cornrnu- niqu6 als ..Moskaus neuen Hahgesang". Coening Standard" schreibt. In maßgebenden Krei­sen in London werde von dem von der Sowjet­regierung ausgegebenen Communiqut keine beson­dere Notiz genommen. Cs werde nur als Fort- setzung der Sowjetpropaganda angesehen.

Polen

lehnt die Verantwortung ab.

Tic Polnische Antwort aus die Note der Sowjetunion.

Warschau. 9. Juni. lWB.) In der heute vom polnischen Gesandten in Moskau. P a t e t. dem Volkskommissar für auswärtige Angelegen­heiten der 11.6.6.21. überreichten Rote heißt es:

Tief betroffen und empört über-den grauen- haften Mord wünscht die polnische Regierung, das aufrichtige Bedauern und die Empörung, die dieser Word bei ihr aus­gelöst hat, noch einmal zum Ausdruck zu brin­gen. Die polnische Regierung bedauert die Tat eine- Wahnsinngien, der nicht der polni­schen Ration angehört, um so mehr, als sie sich der ständigen Besserung der politischen Beziehungen zwischen der polnischen Regierung und der Regierung der 1I.S.S.R. vollkommen bewußt ist. Demzufolge kann die polnische Re­gierung einen Zusammenhang zwischen den in der Rote deS Herrn Volkskommissars ange­führten Fällen und der Tatsache diese- Mordes nicht anerkennen. Den internationalen Bräuchen entsprechend erteilt die polnische Rcg erung Emi­granten verschiedener Rationen das Asyl-

recht. indem sie gleichzeitig dagegen auftritt, dah in dem polnischen Territorium planmäßige geheime Tätigkeiten gegen fremde Staaten aus­genommen werden. D.e polnische Regierung kann daher keine Verantwortung für die Tat eines Wahnsinnigen auf sich neh­men. die. wie die ersten Untersuchungen zu be­weisen scheinen, die Tat eines einzel­nen ist.

Die Rote weist darauf hin. daß Woikow seinerzeit selbst den ihm angetragenen per­sönlichen Schuh abgelehnt habe. Die Ausführung des Mordes sei dadurch bedeutend erleichtert worden, daß die Sicherhettsbehorden von der Durchreise des Herrn Rolengvlz und der Absicht WoikowS. ihn am Hauptbahnhvf zu begrüßen, nicht unterrichtet worden seien. Unter nochmaliger Ablehnung der Verantwor­tung für den Mord erklärt sich die polnische Regierung am Schlüsse der Rote bereit, eventuelle Wünsche der U.S.S.R. über eine Entschädi­gung für die Familie des Gesandten Woikow im weitesten Sinne woh lwollend zu prüfe n.

Das Verfahren gegen den Attentäter.

Warschau. 9. 3uni. (TU.) Wie verlautet, hat die polnische Regierung beschlossen, den Mör­der Woikows durch die ordentlichen Gerichte und nicht ein Standgericht aburteilen zu lassen. Bei einer Verhandlung vor dem ordentlichen Gericht kann sich die Witwe deS Er­mordeten al- Zivilklägerin bei veil Voruntersuchung durch einen Bevollmächtigten vertreten lassen, während vor dem Standgericht Zivilinteressen nicht vertreten werden dürfen. Die bisher durchgeführte Voruntersuchung über die Gründe des auf den Gesandten Woikow verübten Anschlages hat noch nicht viel Material gefor­dert. Aus Wilna wird gemeldet, daß die dortige Polizei angeblich eine festgefügte terrori­stische monarchistische russische Or­ganisation ausgedeckt habe, an deren Spitze ein gewisser Iakowleff stehe, der auch gestern verhaftet worden ist. Angeblich hat auch Ko- Werda dieser terroristischen Organisation an» gehört.

Neue Ehrungen für die Tranratlantilflieger.

Und Chamberlin regiert die Stunde.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 10. Juni. Seit dem ersten Pfingst- feiertag gibt es für den Berliner nur noch eine Sensation, noch einen Geiprächsstoss, nur noch eins, was alle Gemüter beherrscht vom Stiefelputzer und der Blumenfrau am Potsdamer Platz bis in die Stuben der Geschäfte, der 2lemter und Ministe­rien : Chambertin-Lewine und ihre große Tat, der Ozeanflug. Cs schemt so, als wäre mit einem schlage alles andere vergeßen und es gäbe überhaupt nichts weiter auf der ganzen Well, was auch nur des Interesses wert wäre. Diese Tatsache festzustellen ist schon und wird sicherlich dem großen Volk auf der anderen Seite des Atlantik viel Freude machen, wenn es hört, mit welcher Herzlichkeit und uneingeschränkten Anteilnahme seine Landsleute bei uns empfangen worden sind. Nichts gibt es, das nicht mit den k»ihnen Ozeanbezwingern irgenbroie jn Zusammenhang gebracht würde. Jeder Berliner Schusterjunge kennt beute nur noch einen Schlager, den ganz Berlin singt, summt und pfeift nach der Melodie Gänschen klein:Cham- berlin, Chambertin, laß dich sehen in Berlin". Daß es auch nicht ohne Chambertin-Scherze mit gutem geschäftlichen Sinn abgeht, beweist die Speisekarte, die feit gestern in einem Berliner Restaurant aus­liegt und die als erste SpezialitätR o a ft b e e f ä la Chamberlin mit Cottbuser Kar­toffeln" empfiehlt, ein Gericht, was natürlich nur von einem unverbesserlichen Spießer ausgefchlagen werden kann. Wer einmal Roastbeef ä la Chamber- lin gegejfen hat, wird sicherlich unweigerlich in den Bann gezogen werden, der alle beherrscht, selbst wenn er sich mit Händen und Füßen dagegen sträu- ben würde. Die Ozeanflieger regieren eben die Stunde. Selbst in der W i 1 he t m ft ra h e vergißt man vorübergehend die hohe Politik und veranstaltet einen festlichen (Empfang nach dem andern, auf denen es nun einmal nicht ohne würzige Tischreden, nodjs und lukullische Leckereien abgeht. ,rur die Reklameleute sind die Flieger natürlich ein gefundenes Fressen. Während die einen der Ansicht find, daß (thamberlin einzig und allein seines Schmieröls wegen, das ef von der und der Firma bezogen habe, den Ozeanflug vollbracht habe, glaubt eine Schallplattenfirma, daß von jetzt ab nur noch dieKolumbia.Schallplatte' den höchsten Genuß ge­währleiste. Kolumbia, Äolumbia, wie schön ist's in Amerika", undChamberlin. Chambertin, laß dich sehen in Berlin", so wird's wohl noch manchen Tag in Berlin klingen, bis die jüngste Sensation durch eine neue abgclöft worden ist.

Beim Auge. Minister.

Berlin. 9. Juni. (WB.) Bei der zu Ehren der amerikanischen Flieger im Hause des Reichs» außenministers veranstalteten Festttchkctt brachte der Reichsauhenniinister Dr. ßtrefemann einen Trink» pruch aus. in dem eS heißt:

Ich freue mich, in Ihnen die Ehrenbürger einer deutschen Stadt begrüßen zu können. Mein Gruß gilt darüber hinaus den Ehrengästen des deutschen Volkes. Den Persönlichkeiten und ihremWagemut gilt unser erster Gruß. Weiter möchte ich in Ihrem Besuch in Deutschland ein Symbol der Beziehungen unserer Volker und Länder sehen. Sie haben einen Beweis davon ge­geben. was menschliche Energie in der lieber- Windung von Sturm und Ungeteilter zu leisten vermag. Sturm und Ungeteilter lasten auch auf Deutschland. Auch wir müssen der Welt den Beweis geben, was menschliche Lei­stungsfähigkeit und Energie dagegen zu tun ver­mag. So grüßen wir in Ihnen die LebenSenergie der Person, die für uns ein Ansporn zuy Lebensenergie eines Volkes sein soll. Wenn unsere beiden Völker ihre höchste Energie anspannen, um dem zu dienen, was Ausgabe eines Volkes ist: Friede nach außen. Freiheit nach innen. Anteilnahme an der kulturellen Entwick­lung der Menschheit, dann wird dieses Zusammen­wirken der Menschheit zum Besten gedechen.

Alsdann überreichte der ReichSauhenminister im Damen des Reichskanzlers und in feinem eigenen den beiden Fliegern als Erinne­rungsgabe zwei goldene Zigaretten­etuis. woraus der amerikanische Botschafter dem deutschen Volke für die feinen beiden Lands­leuten erwiesenen Ehrungen und den über alle Maßen herzlichen Empfang feinen Dank aus­sprach dem sich ßetetne mit einigen herzlichen Worten anschloh. An der Festlichkeit nahmen außer den Herren der amerikanischen Botschaft die Reichsminister Dr. Koch und Dr. C u r t i u s. die Staatssekretäre Weismann, v. Schu­bert und Gutbrod sowie Polizeipräsident Zörgiebel. Direftor v. Stauß, Präsident v. Köhler, Major v. Tschudi, Ministerial­rat Brandenburg und Mitglieder des Aus­wärtigen Amtes teil.

(Empfang beim Reichsverkehrsminister.

Berlin. 9. Juni. (WD.) Der Reichs­verkehrsminister veranstaltete heute abend ein Diner für die Ozeanslieger Ehamberlin und Le- toine. Unter den Gästen befanden sich u. a. der amerikanische Botschafter, E h u r m a n. Reichs Minister Dr. Schiele, der General­direktor der Reichsbahn, Dorpmüller. Reichstaaspräsident Löoe, Landtagspräsident Bartels, der österreichische Gesandte. Dr. Frank, Cberbürgermciftcr Boeß. zahlreiche frühere Reichsminister, u. a. Reichskanzler a. D. Cuno, mehrere Staatssekretäre und Länder- Vertreter. weiter die^renben Persönlichketten der deutschen Luftfahrt, Professor Schütte. Profesior Her gesell, v. Tschadi, v. Par­se v a l. Im Verlauf der Veranstaltung ergriff der Reichsverkehrsminifter da^ Wort zu c.ner Begrüßungsrede, in der er u. a. ausfüyrte:

Es ist für uns Deutsche, die wir auf dem Gebiete der Luftfahrt das Verkehrsmomen t bewußt in den Vordergrund gestellt haben, eine

in einem Flugzeuge über den Ozean nach un­terem Lande ausgeführt wurde Denken Sic. daran, daß in dieser märkischen Landscha t. welche Sie am Ende Ihrer Reise überflogen, vor dreißig Jahren Otto L i 1 i e n t b a l. der Baier der Zliegerkunst. sein Ikarus-Schicksal gefunden bat. Von diesen Hügeln der Gleitflüge hibrt der Weg auf das Flugfeld der amerikanischen Flieger Wright, die das Motorflugzeug geschahen

- toine, haben luftgeschichllichen Boden diesseits und jenseits deS Ozeans miteinander verbunden. Ader nicht nur zwischen historischen ötätten. sondern zwischen lebendigem Leben haben Sie ein neues Band geknüpft. Wir wollen danach streben, einen planmäßigen Luftverkehr -wischet und Deutschland zu entwickeln, und mein dies gelungen sein wird, werden wir Sie als die Pioniere eines solchen Kufturwerkes ehren und Ihnen für alle Zeiten ein dankbares Andenken bewahren.

Botschafter S h u r m a n fügte dann in be­geisterten Worten seinen und seiner Landsleuta Dank für die freundliche Aufnahme. Die Gast­geber und die Gäste dieses Festessens f.nd in des Wortes eigenster Bedeutung Vertreter Deutsch­lands und der Vereinigten Staaten von Aine- rika. Wir dürfen lagen, daß es im weiteren Sinne das deutsche und amerikanische Volk sind, die sich heute abend hier zusammenfinden, um ihren Gefühlen gegenseitiger Hochachtung. Be­wunderung und Freundschaft, ihrem gemein amen Streben nach den hohen Zielen der Zivilisation und Kultur Ausdruck zu verleihen. Hand In Hand, in brüderlicher Eintracht müssen die beiden Rationen in diesem ruhmvollen Wettbewerb vor- wärtsschr eiten.

Die Rede des amerikanischen Botschasters wurde mehrsach von starkem Beifall unterbrochen. Besondere Heiterkeit erregte der glückliche Ein­fall, daS E t S bei Schluß des D.ner» i rt Form des Flugzeuge-Columbia auf den Tisch zu bringen.

Polizei und Presse.

Ter Ausschluß der Ocffentlichkcit bei der Ankunft Chambcrlino

Berlin, S.Iuni. (TU.) Der Landtag'abge- ordnete Buchhorn (D. L.) hat im Preußischen Landtag eine kleine Anfrage cingebracht, in dir es heißt, die deutsche Presse fühlt sich, und zwar ohne Unterschied der Parteien, durch die Art, wie sie beim Empfang der beiden amerikanischen Ozeanslieger Chamberlin und Lewine am 6. und 7. Jun« auf dem Tempelhoser Felde behandelt wor­den ist, auf das schwer sie gekränkt. Wäh­rend Leute, die keineswegs beruflich ge­zwungen waren, dem (Empfange beizuwohnen, f i ch bevorzugt und frei bewegen konn­ten, war die Presse in einen durch Schutzpolizei a b- gesperrten Raum gedrängt, der ihr jede Ge­legenheit nehmen mußte, ihrer Amtspflicht, wie das erforderlich gewesen wäre, gerecht xu werden. Bei der Stelluna, die die 'l-r. Ik aerabe im heutigen Staate als Mittlerin zwischen Regierung und Volk ein nimmt, frage ich: 1. Ist do 5 ©ta ll ml' I gewillt, die in diesem Vorkommnis Schuldigen zur Rcchenschaftzu ziehen und zu verwarnen, und 2. ist das Staatsministerium bereit, für die Zukunft Vorsorge zu treffen und unter allen Urn­en der bevorzugten Stellung fr < r deutschen Presse nicht nur bei berart en An­lässen, sondern überhaupt Rechnung zu tragen.

Englischer Induftriellen-Befuch.

(Eigener Drahtbericht des .Gteßener Anzeigers".

Berlin, 10. 3uni. Der englische Ve.kehrs- minister Sir William Ashley und der Abg. H a n n o n befinden sich seit zwei Tagen in Ber­lin als Gäste des Direktors QBaffermann von der Deutschen Bank, der zu ihren Ehren einen Empsang veranstaltete. Die Teilnehmer die­ser Veranstaltung. Mitglieder der Reichsregie­rung, der Reichsbank, der Dawes-Kommission, und Führer der deutschen Wirtschaft deuten auf das Gewicht hin, das man diesem Besuch bei» mißt, denn er ist nur der Austakt zu einer er­heblich erweiterten Veranstaltung.

Die beiden englischen Politiker, die zugleich führende Wirtschastler sind, begeben sich von hier aus nach Leverkusen als Gäste von Geheim­rat D u i s b e r g und treffen dort mit einer Reihe weiterer englischer Industrieführer aus der Kohlen-, Eisen-, Tertil-, chemischen und anderen Industrien, so Th. Hirst. W i l e h und anderen zusammen. Von deutscher Seile nehmen außer dem Präsidenten des Reichsverbandes drr Deut­schen Industrie. Dr. Duisderg, dessen ge» schäftssührendcs Mitglied Geheimrat K a st l, Staatssekretär a. D. v. Simson, Reichskanzler a. D. Dr. E u n o , der Direktor der Deutschen Bank Wassermann und andere Industrielle und Finanziers, so Ephraim - KottbuS, Gene­raldirektor E l st e r u. a. teil.

Bei dielen Besprechungen handelt es sich um eine Fortsetzung derjenigen, die vor einigen Mo­naten in Romsey statt gefunden haben, und eS werden dabei die einzelnen Interessen der be­teiligten Hauplindustrien in einen geteilten Ein­klang zu bringen gesucht Die Besprechungen wer-