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graphien zum Zeichen der Huldigung au ver­neigen. Hierauf sprach der Redner vierzehn Leit­sätze vor. die von der Versammlung wiederholt wurden. Diese Leitsätze enthielten u. a. eine Lob­preisung der verstorbenen, eine Derurtellung der Imperialisten, die Forderung nach Aufrecht­erhaltung der Vorrechte der Arbeiter und da- Verlangen nach Zusammenarbeit mit Sowjet- ruhland.

Zurückziehung derrusfischenGut- haben aus den britischen Banken.

London, 10. Jebr. (WTB. Funkspruch.) Dem diplomatischen Berichterstatter derWestminster Ga­zette" zufolge wurde gestern in ^inanzkreisen in London von einer Zurückziehung der Sowjet-Gut- haben aus britischen Banken in höhe von angeblich 5 Millionen Pfund und ihrer Ueberweisung nach anderen Landern, besonders Deutsch­land und den Bereinigten Staaten, ge­sprochen. Diese Maßnahme geht auf die Besorgnis der Sowjetregierung zurück, daß die konservative Partei in ihrem Feldzug für Aushebung des englisch-russischen Handelsabkom­mens und für Abbruch der diplomati­schen Beziehungen Erfolg hoben werde.

DisG oh-Hamburg-Frage Bürgermeister Petersen über die Preußische Politik.

Hamburg. 9. Febr. (WTB.) Bei der Be­ratung des Etats in der Hamburger Bürger­schaft sprach Bürgermeister Dr. P e t e r s e n zur Grost-Hamburg-Frage. Gr vertrat die Auffas­sung, daß Preußen durch unerfüllbare Forde­rungen den Abbruch der Berhandlungen her­beigeführt habe. Die preußische Groß-Hambury- Polilik beruhe aus dem Gedanken, daß die staatliche Selbständigkeit Hamburgs den fiskalischen Interessen Preußens zu­widerlaufe. weil angeblich Hamburg die preutzi- fchen Aachbargcmeinden belaste, und daß diese Selbständigkeit auch den staatspolitischen Zielen Preußen- enlgegenstehe. die auf die Auf­saugung der norddeutschen Klein­staaten in ein Groh-Prcußm hinausliefen. Der Bürgermeister wandte sich zunächst unter Vorlegung umfangreichen Zahlenmaterials gegen die Behauptung, daß Hamburg Preußen belaste. Er wies darauf hin, Satz Hamburg allein die Lasten für den größten deutschen Seehafen zu tragen habe, und führte über die Notwendigkeit zukünftiger großer Aufwen­dungen Zahlen an. Der Bürgermeister kündigte eine baldige große Hafenvorlage an, bei deren gegenwärtiger Vorbereitung auch die Hntcrtunnclung des Köhlbrands erörtert werde. Dann betonte der Bürgermeister, das; er persön- lich Unitarier sei, daß die Entwicklung zum Einheitsreich aber niemals über einGroß- ?> r e u 6 e n führe: dieses führe zur Main- i n i e. Der Wille zum Einheitsstaat müsse auS dem ganzen Volk heraus entwickelt werden und dürfe nicht Angelegenheit der Politik eines ein­zelnen Landes sein. Auch heute noch sei Hamburg bereit, über einen Finanzausgleich zu ver­handeln, wenn Preußen das Gebiet abtrete, für daS Hamburg gleiche territoriale Gegen- leistungen zu machen nicht in der Lage wäre. Auch über eine Hafengemeinschaft sei Hamburg bereit zu verhandeln, wenn Preußen präzisieren würde, was eS unter dieser An­regung verstehe, und unter der selbstverständ­lichen Voraussetzung, baß es die Enlschlußsrei- heil Hamburgs in seinem eigenen Hafengebiet nicht irgendwie behindere.

Deutscher Reichstag.

Die Krage des Abbaus der privaten Vorschulen.

Berlin, S. Febr. (V.D.Z.) Auf der Tages­ordnung steht die dritte Beratung der Anttäge des Zentrums und der Deutschnationalen, die sich mit dem Abbau der privaten Vor­schulen befassen. 3n der Aussprache wendet sich der Abg. Dr. Löwenstein (Soz.) gegen die Anträge in der Ausschuhfasfung. Roch mehr zu bekämpfen sei ein neuer Antrag der jetzigen Regierungsparteien, der die Aushebung der Vor­schulen auch dann verhindern will, wenn die Entschädigungsfrage landesgesetzlich gergc.t ist. Bei feiner Annahme würde nicht einmal in Ham­burg t>ie Aushebung der Privatoorschulcn mög­lich sein, obwohl dort durch LanbeSgefey die Cntschäbigungssrage vorbildlich getege.t sei. Der Au.schuf:antrag sei -weifellcS rersassungLändernd una bedürfe deshalb einer qualifizierten Mehr­heit zur Annahme.

Der Antrao der Reaierungsparteien auf reichsgesetzliche Regelung der Ent chädi- gnngsfrage wird gegen Sozialdemokraten, Demo­kraten und Kommunisten angenommen. Au An­trag Schreck (Soz.) wird die Schlußabstimmung aiicgesetzt, bis die Vorlage mit der soeben be­schlossenen Aenderung gedruckt oorliegt.

Es folgt die zweite Beratung der Anträge, die sich

gegen die Erhöhung der Viersteuer, und gegen die Ausrechterhaltung der Tabaksteuer

richtet. Der Ausschuß beantragt, die Biersteuerer- höhung erst am 1. 4. 1927 in Kraft treten zu iahen. Dieser Ausschußantrag vom 16. Dezember 1926 kommt erst jetzt an das Plenum.

Abg. Henning (Völk.) bedauert, daß gegen den klaren Willen der Ausschuhmcbrheit die er­höhte Biersteuer am 1. Januar dieses Jahres in Straft getreten ist.

Abg. Dr. Horlacher (Bayer. Vp.) weist dar auf hin, daß nunmehr die Anträge überholt und gegenstandslos geworden feien. Der Redner protestiert dagegen, daß die Brauereien den Dierprcis weit über das Maß der Steuererhöhung hinaus erhöhen.

Abg. B u ch m a u n (Komm.) beantragt die voll­ständige Aufhebung der Bier« und Tabaksteuer.

Staatssekretär Dr. P o p i tz vom Reichsfmanz- minifterium erklärt, da die Biersteuererhöhung b e- reite in Kraft getreten sei, könne sie natür­lich nicht wieder aufgehoben werden. Die Anträge auf Biersteuersenkung müssen angesichts der Fi­nanzlage überhaupt ein frommer Wunsch blei­ben. denn sonst würden Ausfälle von über 100 Millionen eintreten.

Der Ausschußantrag wird gegen die Kommn nisten und die Wirtschaftliche Bereinigung a b ge­lehnt.

Es folgt die zweite Beratung der Anträge bet Dentfchncttionalen, der Deutschen Volkspartet und der Wirtschaftlichen Bereinigung auf weit ren

Abbau bet Wohnungszwangswirkschaft.

Der Ausschuß hat die Ablehnung aller Anträge beantragt. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat einen weiteren Antrag eingebracht, In dem u. a. verlangt wird, daß alle größeren Wohnungen von einer bestimmten Zimmerzahl oder über einen bestimmten Mietpreis bei Freiwerden vollständig aus der Zwangswirtschaft herauSgenom- men werden.

Abg. Tremmel (Zentr.) hält eine De­sehesänderung nicht für notwendig. Dringend notwendig sei aber eine richtigere Auslegung des Mieterschutzgesetzes durch die Gerichte. Es kämen oft Urteile zustande, die den Absichten des Gesetzgebers widersprechen. Der Redner er­sucht um Ablehnung des Antrag- der Wirtschaft­lichen Vereinigung.

Abg. Bey tyin (D. Dp.) spricht sich gegen eine Verewigung der WohnungszwangSwirtschaft aus. Die demnächst gesetzlich einzuführende Wohnungszählung werde die Unterlagen für einen rascheren planmäßigen Abbau der Wohnungszwangswirtschast bieten.

Abg. Lucke (Wirtsch. Derg.) empfiehlt die Annahme des Antrags der Wirtschaftlichen Ver­einigung. Der Antrag solle nur den Ländern die Verordnung des Arbeitsministeriums ins Gedächtnis rufen, die den Abbau der Wohnungs- zwangswirtschast verlangt.

Der Antrag der Wirtschaftlichen Vereini­gung wird abgelehnt und dem Vorschlag des Ausschusses gemäß auch die Ablehnung aller übrigen Anträge beschlossen.

Runmehr wird die zurückgestellte Schluß- abstimmung über die Anträge zum Gr und- schulgeseh (Aushebung privater Vorschulen) Dorgenommen. Da von den Sozialdemokraten der Ausschußantrag als verfassungsän­dernd bezeichnet worden ist, laßt der Präsident durch Auszählung seststellen, ob die qualifizierte Mehrheit erreicht wird. Der Ausschußantrag wird mit 207 gegen 130 Stimmen der Sozial­demokraten. Demokraten und Kommunisten an­genommen. Die für Verfassungsänderungen erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht und das Gesetz wäre nicht angenommen, wenn durch richterliche Entscheidung fein Der» fasfungsändcrnder Charakter festgestellt würde.

Das Haus vertagt sich auf Donnerstag.

Dr. WirthsNein".

Berlin, 10. Febr. (WTB.) In dem am Freitag erscheinenden Heft der Zeitschrift Deutsche Republik" schreibt Dr. Wirth über seine Haltung bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum: DasOlein war wohl er­wogen und wohl bedacht. Ich stehe zu diesem Aein. So wie meinRein" als Wort lautete, fo stehe ich auch innerlich zu dieser De- gierung. Ich stehe ihr nicht nur ablehnend und fremd gegenüber, sondern ich begegne ihr mit Mißtrauen, weil es für miA als Republikaner unmöglich ist, dieser Regierung mein Vertrauen zu geben. Man präsentiert uns Männer, die für die Republik eine Provokation sind. MirWenn" undAber", mitVor­behalten", mit Wiederholung alter Formeln griff man zur Macht. Man wehrte sich sogar dagegen, die Richtlinien, die im Zentrum audgear» beitet worden sind, auch nur der Oeffentlichkeit zu übergeben. Man schob das Manisest zur Seite, an dem ich mitgearbeitet habe.

Förderung der Leibesübungen.

Berlin, 9. Febr. Der ReichstagSaus- s ch u ß zur Forderung der Leibesübungen nahm Berichte des Geschäftsführers Albrecht von der Arbeiterjugend und des Geschäftsführer M ü n - k e r Dom Iugendherbertzsverband über das Iu- gendwandern und den Stand des Iugendher- oergswesens entgegen. In der Aussprache wurde betont, baß wirksame Heimatkunde nur durch das Wander n zu betreiben fei. Vor allen Din­gen müsse tdr Sparausschuß des Reichs­tages davon überzeugt werden, daß die für das Wandern aufgebrachten Mittel gerade für die Gesundheit und die Hebung der Moral not­wendig fei. In einer spateren Sitzung will der Ausschuß die sportärztlichen Fragen be­handeln.

Die neueste portugiesische Revomtion.

Portugal macht zur Abwechslung wieder einmal eine Revolution durch. Chronisten be­haupten. daß es innerhalb der letzten sechs Mo­nate etwa die siebente oder achte fei. Das mag stimmen. Denn wenn im vergangenen Halbjahr aus Portugal Rachrichten zu uns kamen, dann wußten sie nur von gelungenen oder fehlgeschla- genen Umsturzversuchen zu berichten. Daber scheint es aber noch immer verhältnismäßig friedlich zugegangen zu sein. Es wird wohl fleißig geschossen, hin und wieder macht auch die Artillerie von ihren Geschützen Gebrauch, schließ­lich hat man aber wieder eine neue Regierung, die sich immer auf jenen General stützt, der im Augenblick die meisten Regimenter hinter sich hat, und, was dabei auch daS wichtigste ist, sich entweder in der Hauptstadt oder mindestens in deren unmittelbarer Rühe befindet. Das war besonders im vorigen Iahre der Fall. 2Ik>wech° selnd zogen die unzufriedenen Generale nach Lissabon, stets brachten sie ein neues Kabinett mit. Die Dinge werden jetzt einen ähnlichen Ver­laus nehmen. Rord und Süd befinden sich im Ausstand, die Regierungstruppen haben alle Hände voll zu tun, bis sie dann plötzlich ein­sehen w.'rden, daß es besser ist, sich den Re­volutionären anzuschließen und bei der nächsten Gelegenheit nun wieder gegen die neue Re­gierung zu marschieren. Erfreulich sind diese Zustände für Portugal nicht, besonders deswegen nicht, weil die ewigen Reibereien zwischen den polittsiercnden Generalen das Land nicht zur Ruhe kommen lassen, dessen Bevölkerung aber, wie es scheint, nur geringe Rotiz von den Aus­einandersetzungen der uniformierten Revolutio­näre und Gegenrevolutionäre nimmt. Seit der Abdankung König Manuels hat eine Revolution die andere abgelöft, woraus sich wohl der Schluß ziehen, läßt, daß auch diese Umsturzbewegung noch nicht die letzte sein wird.

Die portugiesifche Gesandychpft in Paris oer- ojfentlidjt durch die chaoasagcntur eine amtlidje Deprfche. die cs heute vormittag aus Lissabon er­halten bat. Danach seien die Rcgierungstruppen vorgestern mit dem.Kriegsminister an der Spitze inöporiü eingezogen und hatten die reao hitionarc Bewegung nkederg« schlage tt. Das

ganze Reoolutionskomitee fei fest genommen worden. In Lissabon hätten sich einige Solbaten und drei Kompagnien der Republikanischen Garde sowie einige Zivilisten im Marinearsenal ver­schanzt. Sie würden von den Regierungstruppen angegriffen. Im übrigen herrsche vollkommene Ruhe im Lande.

Krisenstimmung in Prag.

Prag. 9. Febr. (2H.) Gestern waren fast sämtliche Parlamentarier der deutschen Re­gierungsparteien in Prag versammelt, um den Vortrag über die M i l i t ä r v o r 1 a g e der Regierung durch den Verteidigungsminister U d r e z a 1 entgegenzunehmen. Zur allgemeinen äleberraschung erschien an Stelle bes Ministers ein Oberstleutnant, der die deutsche Sprache so mangelhaft beherrschte, daß seine Ausführungen eines Dolmetschers bedurften. Verteidigungsmini­ster Udrezal weilte gleichzeitig bei den Beratun­gen des Dudgetausschusses ohne daß dort Ange­legenheiten seines Ressorts besprochen worden wären. Dieser Vorgang hat in den Reihen der deutschen Regierungsparteien außerordentlich verstimmt, da sie sich brüskiert fühlen. Don führenden Parlamentariern wirb es zugleich als unzuträgllch bezeichnet, daß bei der Aufteilung von Großgrundbesitz in Südmahren immer wieder tschechische Kolonisten angcfiedelt werden. Man erwartet daher allgemein, daß die deutschen Parteien aus diesem Verhalten der Tschechen die Konsequenzen ziehen und ihre Vertreter auS der Regierung zurückziehen tterden.

2lus aller Welt.

Menschenfreunde.

In Pfaffendorf 6ei Koblenz ging ein allein­stehendes Mädchen, das keine Arbeit finden konnte und vollständig mittellos war, in den Rhein. Ein Spaziergänger errettete es vom Tode des Ertrinkens und sorgte für ihre Aufnahme im Krankenhaus. Diese Meldung Ia3 ein älteres kin­derloses Ehepaar aus Andernach und machte sich i auf, um das Mädchen im Krankenhaus aufzu- ; suchen. Das Mädchen wurde an Kindes statt i von den beiden angenommen und hat nun eine ' Heimat gefunden.

Ehrung eines Leuchlfeuerwärlers.

Dem 60jährigen früheren Leuchtfeuerwäcter i Klaus Ringhoff in Stickenbüttel bei Cux- ( Haven ging ein herzliches Glückwunschschreiben des Rcichsverlehrsministers zu, das die beson­deren Verdienste des Iubilars hervorhebt. Klaus \ Ringhosf hat in 37jäfjriger Dienstzeit auf dem FeuerschiffElbe" 2120 Menschen aus Sturm | und Seenot gerettet.

Der Mann Lily Brauns gestorben.

Dr. Heinrich Braun, langjähriger Heraus­geber sozialpolitischer Zeitschriften. zuletzt der Annalen für sozicle Politik und Gesetzgebung, kurze Zeit sozialdemokratischer Rcichstaqsabgeord- neter, ist am 8. Februar im 73 Lebensjahr einer Lungenentzündung erlegen. In zweiter Ehe war Braun mit der Schriftstellerin fltttl) Braun geb. von Kretschmann, vermählt.

Ein Meteor bei Mohilew niedergegangen.

In der Aähc der Stadt Mohilew in Po- dolien ist ein großer Meteor niedergesaust, wo­durch in der Bevölkerung ungeheuere Pa - n i k hervorgerufen wurde. Das Volk floh in allen Richtungen und glaubte, daß das Ende der Welt sich nähere. In den Straßen des Städtchens knieten die Leute nieder und be­gann zu beten. Der Meteor fiel am äußer­sten Ende ^es Städtchens auf einen Platz, ohne Irgend c neu Suaden anzurib'en.

Schwere Schnecslürme in Südslawien.

Schwere Schnee stürme haben im Süden und Südwestcn des Landes großen Scha en verur­sacht. An der Eifenbahnstrecke -von Spalato liegt stellenweise der Schnee bis zu 6 Meter Höhe. Im kroatischen Küstengebiet sind einzelne Gegen­den von jeder Verbindung abgeschnitten. Bei Spalato sind mehrere Reine Schisse verunglückt. In Bosnien und der Herzegowina sind zahl­reiche Wölfe in die Dörfer cingebrochen.

Kälte und Schneeslurm in Toskana.

Die Kälte in Toskana dauert weiter an. Gestern war die Temperatur in Florenz auf 4,4 unter Aull gesunken. Aus d:n Bergen weht ein hesttger Schncesturm, der den Verkehr auf der Strecke FlorinzFaenza stellenweise unter­brochen hat.

172 Mark für eine Flasche Steinberger.

In Wiesbaden war bei einer rBcrlie.gorung von Weinen der preußischen Domänen die Sen­sation ein 1921er Steinoerger feinste Trocken- beer-Auslese, von der im ganzen 150 Flaschen auf den Markt kamen mit einem Preis von 172 Mk. pro Flasche. Der Wein dürfte nicht unter 350 Mk. pro Flasche auf den Lisch kommen.

Mit dem Auto gegen den Personenzug.

Auf der Staatsstraße von Lungwitz nach Mittclbach fuhr der Kraftwagen des Oberbürger­meisters Thieme aus Reichenbach im Dogtlande an einem ungesicherten Bahnübergang i n d ie Lokomotive eines Persone nzuges. Der Kraftwagen wurde zunächst ein S.ück von der Maschine des Zuges mitgeschleift und dann den Bahndamm h i n a & g c f d? l e u ö e r t. Ober­bürgermeister Thieme erlitt bei dem Zusammen­stoß schwere Verletzungen, während der Chauffeur nur leicht verletzt wurde.

Schwere Strafen wegen Steuerhinterziehung.

Das Dresdener Schöffengericht verurteilte zwei Direktoren und eine Buchhalterin einer Dresdener Zigarettenfabrik zu je 180 000 Mark Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis wegen Hinterziehung von Tabaksteuer. Außerdem müssen alle drei zusammen 10 000 Mark als Wertersatz- strafe zahlen.

Wettervoraussage.

Aach Aufklären wieder schwache Bewölkung nacht- noch leichter Frost, tagsüber etwas mil­der als am Vortage, trocken.

Gestrige Tagestcmperaturcn: Maximum 2,9 Grad Celsius. Minimum minus 3,3 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur' minuS 3,7 Grad Celsius.

Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskops . oom 10. Februar norm. 8 Uhr: Windrichtung I Rord-Ost. Windstärke: mäßig Luftemperatur: I Minus 2 Grad Celsius. Höchsttemperatur der 1 letzten 24 Stunden. Minus 10 Grad Celsius. ! Gesamtfchnevhöhe. 60 Zentimeter. Sportm östlich- | feit: Gut.

2lu$ der Provinziafhauptstadt.

Gießen, den 10. Februar 1927.

August Messer.

Zu seinem 60. Geburtstag.

Am 11. Februar vollendet August Mes­ser von 1896 an dem Gießener Schulleben, seit 1899 der hiesigen Universität verbunden seit 1910 an ihr aL8 Ordinarius für Philosophie und Pädagogik wirksam sein 60. Lebensjahr Zahlreiche Schüler, viele von ihnen heute selbst als Lehrer tätig, die ihm. dem sie selbst Lebens­bedürfnis und Lebensführerin geworden war den Weg zur Philosophie verdanken, werden heute herzlich seiner gedenken und dankbar sich daran erinnern, mit welch unermüdlicher Hin­gabe und Geduld Messer jede Frage zu beant­worten Pflegte, die. war sie noch so naiv und unklar, echten Wissensdrang, wirkliches inneres Ringen mit dem Lebens- und Wcltproblem zu verraten schien, wie er jederzeit bereit zu Hifte und Rat war, wo junge Menschen nach innerer Klarheit und sicheren Werten suchten. Wer von diesem vorbildlichen Bemühen Me'serS sich ein Bild machen will, der werfe einen Blick in 6en Sprechsaal seiner ZeitschriftPhilosophie und Leben", die jetzt in den dritten Ikchrgang ein­tritt. Aber auch dem Philosophen und wissen- schaftlichen Mitarbeiter ist der Festtag ein will­kommener Anlaß, der Stellung zu gedenken, die sich Messer längst unverlierbar in Psychologie und Philosophie unserer Zeit errungen hat.

Messer war von Haus au8 Pädagoge, und war es aus innerem Trieb und Bedürfnis. In feiner autobiographischen Skizze (Die Philo­sophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen" 1922) erzählt er. wie der Eindruck eine- wirklich bognabeten Pädagogen, des Direktor- Schiller vom Gießener Gvmnasium. ihn tief berührte. Wie er das Gefühl gehabt habe, zwischen seiner eignen Schulzeit und der Pädagogik, wie sie Schiller übte, liege ein Iahrhundert: man ge­winnt den Eindruck, daß eben das Unbesriebi- genbe jener eigenen Schulzeit, das Bedürfnis zu bessern und die durch Männer wie Schiller ge­stärkte Ueberzeugung, daß hier geholfen und gebessert werden könne, ihn zur Pädagogik trieb, ganz ähnlich, wie später das Unbefriebigenbe seiner eigenen philosophischen Univerlltätsstudien. der Zwang, sich mühsam als Autodidakt in die Philosophie einxuarbeiten, mit dazu beitrug, ihn schon in der Gymnasiallehrertätigkeit, dann in Univerfttötsvorlesungen und Hebungen, wie in Bolkshochschullursen zum unermüdlichen Lehrer philosophischen Denkens und Studiums zu ma­chen. die Lehrtätigkeit stets ebenso wichtig und ernst zu nehmen, wie die Arbeit als wissen­schaftlicher Forscher. Mit wärmster Anteilnahme hak er stets die Bewegungen in der Iugend selbst begleit.t und psychologisch zu verstehen gesucht; ich erinnere hier nur an seine Schilderung der ..Freideutschen Iugendbewegung" (5. Auslage 1924). Schriften, wie die historisch-systematische Behandlung des Problems der staatsbürgerlichen Erziehung (1912). wie daS BuchDie Apperzep­tion" (2. Ausl. 1921) und das weitereWelt­anschauung und Erziehung" (1921), endlich die ..Grundlehren der Pädagogik" (1924) »eigen Messer als Theoretiker der Pädagogik und zu­gleich in der Behandlung aktueller pädagogischer Fragen.

Zur Pädagogik aber trat nun die Psychologie, insbesondere feit seiner Bekanntschaft mit Oswald Külpe. Külpe hatte damals in Würzburg (feit 1904) jene experimentell-psychologischen Unter­suchungen der Deukvorgänge in Angriff genommen bzw. angeregt, die für die Entwicklung der Experimentalpshchologie überhaupt, für die Er­weiterung ihrer methodischen Anwendung auf die höheren geistigen Vorgänge, damit für die Los­lösung der Psychologie von bloßer SinncSpsvcho- legte, für ihre engere Beziehung zur Geistes- Wissenschaft von grundlegender Bedeutung gewor­den sind. Messers Arbeiten im Würzburger In­stitut nehmen unter jenen Unter,uchungcn eine wichtige Stelle ein. Theoretisch suchte er die gewonnenen He&erjeugungen von der Selbständig­keit und Eigenart des Denkens gegenüber dem Empfinden in seinem BuchEmpsindung und Denken" (1908) umfassender zu begründen: beson­ders verdienstvoll aber war dann das auf gründ­lichen Studien aufgcbaute Lehrbuch derPsycho­logie" (feit 1914 in mehreren Auflagen), Wohl daS beste zusammenfassende Lehrbuch der Psychologie der Gegenwart, daS die wefte Verbreitung, die es gefunden hat, vollauf verdient. Aber auch zur Erkenntnistheorie und damit »ur Philosophie int engeren Sinn schlugen jene Untersuchungen eine Brücke. Die Unabhängigkeit des De ckens von der sinnlichen Wahrnehmung b.g.ündet bei weiteren Gedanken, daß wir im Denken eine eigene Er­kenntnisquelle befi'en es gibt Gegenstände, dir. wenn wir sie auch nicht wahrzunehmen, dennoch zu denken vermögen wenn auch alleS Denken von der Erfahrung als gegebene.n Material aus­zugehen hat: wir erschließen mit Recht Dasein und Beschafsenheit einer realen Welt außerhalb des Bewußtseins (die danach nicht eine Welt ewig unbekannter Dinge an sich ist) auS der von unserem Willen und Wahrnch nen unabhänaiae« Gesetzmätzigleit unserer Wahrnehmungsinyalte. Diesen, dem psychologischen PosiliviSmuS, für den die Welt mit dem Inbegriff der Dahmehmunaen zufammenfällt, wie dem AeukantianiSmuS. für den sie eine reineSetzung des Verstandes" ist. gleich­mäßig entgegengefetztenkritischen Realismus" hatte Külpe in seinem groß angelegten Werk Die Realisierung" zu begründen unternommen (1. Band 1912), nach seinem allzu frühen Tode hat Messer aus den Manuskripten des FrcundcS den 2. und 3. Band in ebenso Pietät- wie ver­ständnisvoller Weife hcrausge.^eben (lti23 und 1923). Kürzer hat er selbst denselben erkenntnis- theoretischen Standpunkt, dem heute eine Reihe von Philosophen nahe steht, in seiner mehrfach aufgelegtenEinführung in die Erkenntnistheorie'' vertreten.

Wie eine solche Welt beS Sein-, bet bing- lichen Realität, so ersassen wir nun tn unserem Denken noch eine zweite, von unserm Bewußtsein unabhängige Sphäre: bie Welt bet zwar nicht in Raum und Zeitseienben", aber ibealitet ^geltenden" Werte. Gelten und Sein, Wert und Wirklichkeit. Werten unb Urteilen sind bl? be dcv Reiche ber Objektivität und die beiden Arten, in denen das Ich. das Bewußtsein um sie weih, sie stellen die beiden Richtungen dar. In denen wir über die Subjektivität unseres Ichkreises freilich nicht wahrnehmend und empfindend, aber denkend hinausgreifen zu festen Richtpunkten, bie unferm Erkennen wie unferm Handeln Ziele. Rückhalt und Feftiqkcit, Aotwendigkcit und Allgemein­giftigkeit geben. Damit ist für Messer- Philo­sophie kic Grundlage der Ethik geschossen (Ethik"

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