graphien zum Zeichen der Huldigung au verneigen. Hierauf sprach der Redner vierzehn Leitsätze vor. die von der Versammlung wiederholt wurden. Diese Leitsätze enthielten u. a. eine Lobpreisung der verstorbenen, eine Derurtellung der Imperialisten, die Forderung nach Aufrechterhaltung der Vorrechte der Arbeiter und da- Verlangen nach Zusammenarbeit mit Sowjet- ruhland.
Zurückziehung derrusfischenGut- haben aus den britischen Banken.
London, 10. Jebr. (WTB. Funkspruch.) Dem diplomatischen Berichterstatter der „Westminster Gazette" zufolge wurde gestern in ^inanzkreisen in London von einer Zurückziehung der Sowjet-Gut- haben aus britischen Banken in höhe von angeblich 5 Millionen Pfund und ihrer Ueberweisung nach anderen Landern, besonders Deutschland und den Bereinigten Staaten, gesprochen. Diese Maßnahme geht auf die Besorgnis der Sowjetregierung zurück, daß die konservative Partei in ihrem Feldzug für Aushebung des englisch-russischen Handelsabkommens und für Abbruch der diplomatischen Beziehungen Erfolg hoben werde.
DisG oh-Hamburg-Frage Bürgermeister Petersen über die Preußische Politik.
Hamburg. 9. Febr. (WTB.) Bei der Beratung des Etats in der Hamburger Bürgerschaft sprach Bürgermeister Dr. P e t e r s e n zur Grost-Hamburg-Frage. Gr vertrat die Auffassung, daß Preußen durch unerfüllbare Forderungen den Abbruch der Berhandlungen herbeigeführt habe. Die preußische Groß-Hambury- Polilik beruhe aus dem Gedanken, daß die staatliche Selbständigkeit Hamburgs den fiskalischen Interessen Preußens zuwiderlaufe. weil angeblich Hamburg die preutzi- fchen Aachbargcmeinden belaste, und daß diese Selbständigkeit auch den staatspolitischen Zielen Preußen- enlgegenstehe. die auf die Aufsaugung der norddeutschen Kleinstaaten in ein Groh-Prcußm hinausliefen. Der Bürgermeister wandte sich zunächst unter Vorlegung umfangreichen Zahlenmaterials gegen die Behauptung, daß Hamburg Preußen belaste. Er wies darauf hin, Satz Hamburg allein die Lasten für den größten deutschen Seehafen zu tragen habe, und führte über die Notwendigkeit zukünftiger großer Aufwendungen Zahlen an. Der Bürgermeister kündigte eine baldige große Hafenvorlage an, bei deren gegenwärtiger Vorbereitung auch die Hntcrtunnclung des Köhlbrands erörtert werde. Dann betonte der Bürgermeister, das; er persön- lich Unitarier sei, daß die Entwicklung zum Einheitsreich aber niemals über einGroß- ?> r e u 6 e n führe: dieses führe zur Main- i n i e. Der Wille zum Einheitsstaat müsse auS dem ganzen Volk heraus entwickelt werden und dürfe nicht Angelegenheit der Politik eines einzelnen Landes sein. Auch heute noch sei Hamburg bereit, über einen Finanzausgleich zu verhandeln, wenn Preußen das Gebiet abtrete, für daS Hamburg gleiche territoriale Gegen- leistungen zu machen nicht in der Lage wäre. Auch über eine Hafengemeinschaft sei Hamburg bereit zu verhandeln, wenn Preußen präzisieren würde, was eS unter dieser Anregung verstehe, und unter der selbstverständlichen Voraussetzung, baß es die Enlschlußsrei- heil Hamburgs in seinem eigenen Hafengebiet nicht irgendwie behindere.
Deutscher Reichstag.
Die Krage des Abbaus der privaten Vorschulen.
Berlin, S. Febr. (V.D.Z.) Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Anttäge des Zentrums und der Deutschnationalen, die sich mit dem Abbau der privaten Vorschulen befassen. 3n der Aussprache wendet sich der Abg. Dr. Löwenstein (Soz.) gegen die Anträge in der Ausschuhfasfung. Roch mehr zu bekämpfen sei ein neuer Antrag der jetzigen Regierungsparteien, der die Aushebung der Vorschulen auch dann verhindern will, wenn die Entschädigungsfrage landesgesetzlich gergc.t ist. Bei feiner Annahme würde nicht einmal in Hamburg t>ie Aushebung der Privatoorschulcn möglich sein, obwohl dort durch LanbeSgefey die Cntschäbigungssrage vorbildlich getege.t sei. Der Au.schuf:antrag sei -weifellcS rersassungLändernd una bedürfe deshalb einer qualifizierten Mehrheit zur Annahme.
Der Antrao der Reaierungsparteien auf reichsgesetzliche Regelung der Ent chädi- gnngsfrage wird gegen Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten angenommen. Au Antrag Schreck (Soz.) wird die Schlußabstimmung aiicgesetzt, bis die Vorlage mit der soeben beschlossenen Aenderung gedruckt oorliegt.
Es folgt die zweite Beratung der Anträge, die sich
gegen die Erhöhung der Viersteuer, und gegen die Ausrechterhaltung der Tabaksteuer
richtet. Der Ausschuß beantragt, die Biersteuerer- höhung erst am 1. 4. 1927 in Kraft treten zu iahen. Dieser Ausschußantrag vom 16. Dezember 1926 kommt erst jetzt an das Plenum.
Abg. Henning (Völk.) bedauert, daß gegen den klaren Willen der Ausschuhmcbrheit die erhöhte Biersteuer am 1. Januar dieses Jahres in Straft getreten ist.
Abg. Dr. Horlacher (Bayer. Vp.) weist dar auf hin, daß nunmehr die Anträge überholt und gegenstandslos geworden feien. Der Redner protestiert dagegen, daß die Brauereien den Dierprcis weit über das Maß der Steuererhöhung hinaus erhöhen.
Abg. B u ch m a u n (Komm.) beantragt die vollständige Aufhebung der Bier« und Tabaksteuer.
Staatssekretär Dr. P o p i tz vom Reichsfmanz- minifterium erklärt, da die Biersteuererhöhung b e- reite in Kraft getreten sei, könne sie natürlich nicht wieder aufgehoben werden. Die Anträge auf Biersteuersenkung müssen angesichts der Finanzlage überhaupt ein frommer Wunsch bleiben. denn sonst würden Ausfälle von über 100 Millionen eintreten.
Der Ausschußantrag wird gegen die Kommn nisten und die Wirtschaftliche Bereinigung a b gelehnt.
Es folgt die zweite Beratung der Anträge bet Dentfchncttionalen, der Deutschen Volkspartet und der Wirtschaftlichen Bereinigung auf weit ren
Abbau bet Wohnungszwangswirkschaft.
Der Ausschuß hat die Ablehnung aller Anträge beantragt. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat einen weiteren Antrag eingebracht, In dem u. a. verlangt wird, daß alle größeren Wohnungen von einer bestimmten Zimmerzahl oder über einen bestimmten Mietpreis bei Freiwerden vollständig aus der Zwangswirtschaft herauSgenom- men werden.
Abg. Tremmel (Zentr.) hält eine Desehesänderung nicht für notwendig. Dringend notwendig sei aber eine richtigere Auslegung des Mieterschutzgesetzes durch die Gerichte. Es kämen oft Urteile zustande, die den Absichten des Gesetzgebers widersprechen. Der Redner ersucht um Ablehnung des Antrag- der Wirtschaftlichen Vereinigung.
Abg. Bey tyin (D. Dp.) spricht sich gegen eine Verewigung der WohnungszwangSwirtschaft aus. Die demnächst gesetzlich einzuführende Wohnungszählung werde die Unterlagen für einen rascheren planmäßigen Abbau der Wohnungszwangswirtschast bieten.
Abg. Lucke (Wirtsch. Derg.) empfiehlt die Annahme des Antrags der Wirtschaftlichen Vereinigung. Der Antrag solle nur den Ländern die Verordnung des Arbeitsministeriums ins Gedächtnis rufen, die den Abbau der Wohnungs- zwangswirtschast verlangt.
Der Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung wird abgelehnt und dem Vorschlag des Ausschusses gemäß auch die Ablehnung aller übrigen Anträge beschlossen.
Runmehr wird die zurückgestellte Schluß- abstimmung über die Anträge zum Gr und- schulgeseh (Aushebung privater Vorschulen) Dorgenommen. Da von den Sozialdemokraten der Ausschußantrag als verfassungsändernd bezeichnet worden ist, laßt der Präsident durch Auszählung seststellen, ob die qualifizierte Mehrheit erreicht wird. Der Ausschußantrag wird mit 207 gegen 130 Stimmen der Sozialdemokraten. Demokraten und Kommunisten angenommen. Die für Verfassungsänderungen erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht und das Gesetz wäre nicht angenommen, wenn durch richterliche Entscheidung fein Der» fasfungsändcrnder Charakter festgestellt würde.
Das Haus vertagt sich auf Donnerstag.
Dr. Wirths „Nein".
Berlin, 10. Febr. (WTB.) In dem am Freitag erscheinenden Heft der Zeitschrift „Deutsche Republik" schreibt Dr. Wirth über seine Haltung bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum: Das „Olein“ war wohl erwogen und wohl bedacht. Ich stehe zu diesem „Aein“. So wie mein „Rein" als Wort lautete, fo stehe ich auch innerlich zu dieser De- gierung. Ich stehe ihr nicht nur ablehnend und fremd gegenüber, sondern ich begegne ihr mit Mißtrauen, weil es für miA als Republikaner unmöglich ist, dieser Regierung mein Vertrauen zu geben. Man präsentiert uns Männer, die für die Republik eine Provokation sind. Mir „Wenn" und „Aber", mit „Vorbehalten", mit Wiederholung alter Formeln griff man zur Macht. Man wehrte sich sogar dagegen, die Richtlinien, die im Zentrum audgear» beitet worden sind, auch nur der Oeffentlichkeit zu übergeben. Man schob das Manisest zur Seite, an dem ich mitgearbeitet habe.
Förderung der Leibesübungen.
Berlin, 9. Febr. Der ReichstagSaus- s ch u ß zur Forderung der Leibesübungen nahm Berichte des Geschäftsführers Albrecht von der Arbeiterjugend und des Geschäftsführer M ü n - k e r Dom Iugendherbertzsverband über das Iu- gendwandern und den Stand des Iugendher- oergswesens entgegen. In der Aussprache wurde betont, baß wirksame Heimatkunde nur durch das Wander n zu betreiben fei. Vor allen Dingen müsse tdr Sparausschuß des Reichstages davon überzeugt werden, daß die für das Wandern aufgebrachten Mittel gerade für die Gesundheit und die Hebung der Moral notwendig fei. In einer spateren Sitzung will der Ausschuß die sportärztlichen Fragen behandeln.
Die neueste portugiesische Revomtion.
Portugal macht zur Abwechslung wieder einmal eine Revolution durch. Chronisten behaupten. daß es innerhalb der letzten sechs Monate etwa die siebente oder achte fei. Das mag stimmen. Denn wenn im vergangenen Halbjahr aus Portugal Rachrichten zu uns kamen, dann wußten sie nur von gelungenen oder fehlgeschla- genen Umsturzversuchen zu berichten. Daber scheint es aber noch immer verhältnismäßig friedlich zugegangen zu sein. Es wird wohl fleißig geschossen, hin und wieder macht auch die Artillerie von ihren Geschützen Gebrauch, schließlich hat man aber wieder eine neue Regierung, die sich immer auf jenen General stützt, der im Augenblick die meisten Regimenter hinter sich hat, und, was dabei auch daS wichtigste ist, sich entweder in der Hauptstadt oder mindestens in deren unmittelbarer Rühe befindet. Das war besonders im vorigen Iahre der Fall. 2Ik>wech° selnd zogen die unzufriedenen Generale nach Lissabon, stets brachten sie ein neues Kabinett mit. Die Dinge werden jetzt einen ähnlichen Verlaus nehmen. Rord und Süd befinden sich im Ausstand, die Regierungstruppen haben alle Hände voll zu tun, bis sie dann plötzlich einsehen w.'rden, daß es besser ist, sich den Revolutionären anzuschließen und bei der nächsten Gelegenheit nun wieder gegen die neue Regierung zu marschieren. Erfreulich sind diese Zustände für Portugal nicht, besonders deswegen nicht, weil die ewigen Reibereien zwischen den polittsiercnden Generalen das Land nicht zur Ruhe kommen lassen, dessen Bevölkerung aber, wie es scheint, nur geringe Rotiz von den Auseinandersetzungen der uniformierten Revolutionäre und Gegenrevolutionäre nimmt. Seit der Abdankung König Manuels hat eine Revolution die andere abgelöft, woraus sich wohl der Schluß ziehen, läßt, daß auch diese Umsturzbewegung noch nicht die letzte sein wird.
Die portugiesifche Gesandychpft in Paris oer- । ojfentlidjt durch die chaoasagcntur eine amtlidje Deprfche. die cs heute vormittag aus Lissabon erhalten bat. Danach seien die Rcgierungstruppen vorgestern mit dem.Kriegsminister an der Spitze inöporiü eingezogen und hatten die reao hitionarc Bewegung nkederg« schlage tt. Das
ganze Reoolutionskomitee fei fest genommen worden. In Lissabon hätten sich einige Solbaten und drei Kompagnien der Republikanischen Garde sowie einige Zivilisten im Marinearsenal verschanzt. Sie würden von den Regierungstruppen angegriffen. Im übrigen herrsche vollkommene Ruhe im Lande.
Krisenstimmung in Prag.
Prag. 9. Febr. (2H.) Gestern waren fast sämtliche Parlamentarier der deutschen Regierungsparteien in Prag versammelt, um den Vortrag über die M i l i t ä r v o r 1 a g e der Regierung durch den Verteidigungsminister U d r e z a 1 entgegenzunehmen. Zur allgemeinen äleberraschung erschien an Stelle bes Ministers ein Oberstleutnant, der die deutsche Sprache so mangelhaft beherrschte, daß seine Ausführungen eines Dolmetschers bedurften. Verteidigungsminister Udrezal weilte gleichzeitig bei den Beratungen des Dudgetausschusses ohne daß dort Angelegenheiten seines Ressorts besprochen worden wären. Dieser Vorgang hat in den Reihen der deutschen Regierungsparteien außerordentlich verstimmt, da sie sich brüskiert fühlen. Don führenden Parlamentariern wirb es zugleich als unzuträgllch bezeichnet, daß bei der Aufteilung von Großgrundbesitz in Südmahren immer wieder tschechische Kolonisten angcfiedelt werden. Man erwartet daher allgemein, daß die deutschen Parteien aus diesem Verhalten der Tschechen die Konsequenzen ziehen und ihre Vertreter auS der Regierung zurückziehen tterden.
2lus aller Welt.
Menschenfreunde.
In Pfaffendorf 6ei Koblenz ging ein alleinstehendes Mädchen, das keine Arbeit finden konnte und vollständig mittellos war, in den Rhein. Ein Spaziergänger errettete es vom Tode des Ertrinkens und sorgte für ihre Aufnahme im Krankenhaus. Diese Meldung Ia3 ein älteres kinderloses Ehepaar aus Andernach und machte sich i auf, um das Mädchen im Krankenhaus aufzu- ; suchen. Das Mädchen wurde an Kindes statt i von den beiden angenommen und hat nun eine ' Heimat gefunden.
Ehrung eines Leuchlfeuerwärlers.
Dem 60jährigen früheren Leuchtfeuerwäcter i Klaus Ringhoff in Stickenbüttel bei Cux- ( Haven ging ein herzliches Glückwunschschreiben des Rcichsverlehrsministers zu, das die besonderen Verdienste des Iubilars hervorhebt. Klaus \ Ringhosf hat in 37jäfjriger Dienstzeit auf dem Feuerschiff „Elbe" 2120 Menschen aus Sturm | und Seenot gerettet.
Der Mann Lily Brauns gestorben.
Dr. Heinrich Braun, langjähriger Herausgeber sozialpolitischer Zeitschriften. zuletzt der Annalen für sozicle Politik und Gesetzgebung, kurze Zeit sozialdemokratischer Rcichstaqsabgeord- neter, ist am 8. Februar im 73 Lebensjahr einer Lungenentzündung erlegen. In zweiter Ehe war Braun mit der Schriftstellerin fltttl) Braun geb. von Kretschmann, vermählt.
Ein Meteor bei Mohilew niedergegangen.
In der Aähc der Stadt Mohilew in Po- dolien ist ein großer Meteor niedergesaust, wodurch in der Bevölkerung ungeheuere Pa - n i k hervorgerufen wurde. Das Volk floh in allen Richtungen und glaubte, daß das Ende der Welt sich nähere. In den Straßen des Städtchens knieten die Leute nieder und begann zu beten. Der Meteor fiel am äußersten Ende ^es Städtchens auf einen Platz, ohne Irgend c neu Suaden anzurib'en.
Schwere Schnecslürme in Südslawien.
Schwere Schnee stürme haben im Süden und Südwestcn des Landes großen Scha en verursacht. An der Eifenbahnstrecke -von Spalato liegt stellenweise der Schnee bis zu 6 Meter Höhe. Im kroatischen Küstengebiet sind einzelne Gegenden von jeder Verbindung abgeschnitten. Bei Spalato sind mehrere Reine Schisse verunglückt. In Bosnien und der Herzegowina sind zahlreiche Wölfe in die Dörfer cingebrochen.
Kälte und Schneeslurm in Toskana.
Die Kälte in Toskana dauert weiter an. Gestern war die Temperatur in Florenz auf 4,4 unter Aull gesunken. Aus d:n Bergen weht ein hesttger Schncesturm, der den Verkehr auf der Strecke Florinz—Faenza stellenweise unterbrochen hat.
172 Mark für eine Flasche Steinberger.
In Wiesbaden war bei einer rBcrlie.gorung von Weinen der preußischen Domänen die Sensation ein 1921er Steinoerger feinste Trocken- beer-Auslese, von der im ganzen 150 Flaschen auf den Markt kamen mit einem Preis von 172 Mk. pro Flasche. Der Wein dürfte nicht unter 350 Mk. pro Flasche auf den Lisch kommen.
Mit dem Auto gegen den Personenzug.
Auf der Staatsstraße von Lungwitz nach Mittclbach fuhr der Kraftwagen des Oberbürgermeisters Thieme aus Reichenbach im Dogtlande an einem ungesicherten Bahnübergang i n d ie Lokomotive eines Persone nzuges. Der Kraftwagen wurde zunächst ein S.ück von der Maschine des Zuges mitgeschleift und dann den Bahndamm h i n a & g c f d? l e u ö e r t. Oberbürgermeister Thieme erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Verletzungen, während der Chauffeur nur leicht verletzt wurde.
Schwere Strafen wegen Steuerhinterziehung.
Das Dresdener Schöffengericht verurteilte zwei Direktoren und eine Buchhalterin einer Dresdener Zigarettenfabrik zu je 180 000 Mark Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis wegen Hinterziehung von Tabaksteuer. Außerdem müssen alle drei zusammen 10 000 Mark als Wertersatz- strafe zahlen.
Wettervoraussage.
Aach Aufklären wieder schwache Bewölkung nacht- noch leichter Frost, tagsüber etwas milder als am Vortage, trocken.
Gestrige Tagestcmperaturcn: Maximum 2,9 Grad Celsius. Minimum minus 3,3 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur' minuS 3,7 Grad Celsius.
Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskops . oom 10. Februar norm. 8 Uhr: Windrichtung I Rord-Ost. Windstärke: mäßig Luftemperatur: I Minus 2 Grad Celsius. Höchsttemperatur der 1 letzten 24 Stunden. Minus 10 Grad Celsius. ! Gesamtfchnevhöhe. 60 Zentimeter. Sportm östlich- | feit: Gut.
2lu$ der Provinziafhauptstadt.
Gießen, den 10. Februar 1927.
August Messer.
Zu seinem 60. Geburtstag.
Am 11. Februar vollendet August Messer — von 1896 an dem Gießener Schulleben, seit 1899 der hiesigen Universität verbunden seit 1910 an ihr aL8 Ordinarius für Philosophie und Pädagogik wirksam — sein 60. Lebensjahr Zahlreiche Schüler, viele von ihnen heute selbst als Lehrer tätig, die ihm. dem sie selbst Lebensbedürfnis und Lebensführerin geworden war den Weg zur Philosophie verdanken, werden heute herzlich seiner gedenken und dankbar sich daran erinnern, mit welch unermüdlicher Hingabe und Geduld Messer jede Frage zu beantworten Pflegte, die. war sie noch so naiv und unklar, echten Wissensdrang, wirkliches inneres Ringen mit dem Lebens- und Wcltproblem zu verraten schien, wie er jederzeit bereit zu Hifte und Rat war, wo junge Menschen nach innerer Klarheit und sicheren Werten suchten. Wer von diesem vorbildlichen Bemühen Me'serS sich ein Bild machen will, der werfe einen Blick in 6en Sprechsaal seiner Zeitschrift „Philosophie und Leben", die jetzt in den dritten Ikchrgang eintritt. Aber auch dem Philosophen und wissen- schaftlichen Mitarbeiter ist der Festtag ein willkommener Anlaß, der Stellung zu gedenken, die sich Messer längst unverlierbar in Psychologie und Philosophie unserer Zeit errungen hat.
Messer war von Haus au8 Pädagoge, und war es aus innerem Trieb und Bedürfnis. In feiner autobiographischen Skizze („Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen" 1922) erzählt er. wie der Eindruck eine- wirklich bognabeten Pädagogen, des Direktor- Schiller vom Gießener Gvmnasium. ihn tief berührte. Wie er das Gefühl gehabt habe, zwischen seiner eignen Schulzeit und der Pädagogik, wie sie Schiller übte, liege ein Iahrhundert: man gewinnt den Eindruck, daß eben das Unbesriebi- genbe jener eigenen Schulzeit, das Bedürfnis zu bessern und die durch Männer wie Schiller gestärkte Ueberzeugung, daß hier geholfen und gebessert werden könne, ihn zur Pädagogik trieb, ganz ähnlich, wie später das Unbefriebigenbe seiner eigenen philosophischen Univerlltätsstudien. der Zwang, sich mühsam als Autodidakt in die Philosophie einxuarbeiten, mit dazu beitrug, ihn schon in der Gymnasiallehrertätigkeit, dann in Univerfttötsvorlesungen und Hebungen, wie in Bolkshochschullursen zum unermüdlichen Lehrer philosophischen Denkens und Studiums zu machen. die Lehrtätigkeit stets ebenso wichtig und ernst zu nehmen, wie die Arbeit als wissenschaftlicher Forscher. Mit wärmster Anteilnahme hak er stets die Bewegungen in der Iugend selbst begleit.t und psychologisch zu verstehen gesucht; ich erinnere hier nur an seine Schilderung der ..Freideutschen Iugendbewegung" (5. Auslage 1924). Schriften, wie die historisch-systematische Behandlung des Problems der staatsbürgerlichen Erziehung (1912). wie daS Buch „Die Apperzeption" (2. Ausl. 1921) und das weitere „Weltanschauung und Erziehung" (1921), endlich die ..Grundlehren der Pädagogik" (1924) »eigen Messer als Theoretiker der Pädagogik und zugleich in der Behandlung aktueller pädagogischer Fragen.
Zur Pädagogik aber trat nun die Psychologie, insbesondere feit seiner Bekanntschaft mit Oswald Külpe. Külpe hatte damals in Würzburg (feit 1904) jene experimentell-psychologischen Untersuchungen der Deukvorgänge in Angriff genommen bzw. angeregt, die für die Entwicklung der Experimentalpshchologie überhaupt, für die Erweiterung ihrer methodischen Anwendung auf die höheren geistigen Vorgänge, damit für die Loslösung der Psychologie von bloßer SinncSpsvcho- legte, für ihre engere Beziehung zur Geistes- Wissenschaft von grundlegender Bedeutung geworden sind. Messers Arbeiten im Würzburger Institut nehmen unter jenen Unter,uchungcn eine wichtige Stelle ein. Theoretisch suchte er die gewonnenen He&erjeugungen von der Selbständigkeit und Eigenart des Denkens gegenüber dem Empfinden in seinem Buch „Empsindung und Denken" (1908) umfassender zu begründen: besonders verdienstvoll aber war dann das auf gründlichen Studien aufgcbaute Lehrbuch der „Psychologie" (feit 1914 in mehreren Auflagen), Wohl daS beste zusammenfassende Lehrbuch der Psychologie der Gegenwart, daS die wefte Verbreitung, die es gefunden hat, vollauf verdient. Aber auch zur Erkenntnistheorie und damit »ur Philosophie int engeren Sinn schlugen jene Untersuchungen eine Brücke. Die Unabhängigkeit des De ckens von der sinnlichen Wahrnehmung b.g.ündet bei weiteren Gedanken, daß wir im Denken eine eigene Erkenntnisquelle befi'en — es gibt Gegenstände, dir. wenn wir sie auch nicht wahrzunehmen, dennoch zu denken vermögen — wenn auch alleS Denken von der Erfahrung als gegebene.n Material auszugehen hat: wir erschließen mit Recht Dasein und Beschafsenheit einer realen Welt außerhalb des Bewußtseins (die danach nicht eine Welt ewig unbekannter Dinge an sich ist) auS der von unserem Willen und Wahrnch nen unabhänaiae« Gesetzmätzigleit unserer Wahrnehmungsinyalte. Diesen, dem psychologischen PosiliviSmuS, für den die Welt mit dem Inbegriff der Dahmehmunaen zufammenfällt, wie dem AeukantianiSmuS. für den sie eine reine „Setzung des Verstandes" ist. gleichmäßig entgegengefetzten „kritischen Realismus" hatte Külpe in seinem groß angelegten Werk „Die Realisierung" zu begründen unternommen (1. Band 1912), nach seinem allzu frühen Tode hat Messer aus den Manuskripten des FrcundcS den 2. und 3. Band in ebenso Pietät- wie verständnisvoller Weife hcrausge.^eben (lti23 und 1923). Kürzer hat er selbst denselben erkenntnis- theoretischen Standpunkt, dem heute eine Reihe von Philosophen nahe steht, in seiner mehrfach aufgelegten „Einführung in die Erkenntnistheorie'' vertreten.
Wie eine solche Welt beS Sein-, bet bing- lichen Realität, so ersassen wir nun tn unserem Denken noch eine zweite, von unserm Bewußtsein unabhängige Sphäre: bie Welt bet zwar nicht in Raum und Zeit „seienben", aber ibealitet ^geltenden" Werte. Gelten und Sein, Wert und Wirklichkeit. Werten unb Urteilen sind bl? be dcv Reiche ber Objektivität und die beiden Arten, in denen das Ich. das Bewußtsein um sie weih, sie stellen die beiden Richtungen dar. In denen wir über die Subjektivität unseres Ichkreises freilich nicht wahrnehmend und empfindend, aber denkend hinausgreifen zu festen Richtpunkten, bie unferm Erkennen wie unferm Handeln Ziele. Rückhalt und Feftiqkcit, Aotwendigkcit und Allgemeingiftigkeit geben. Damit ist für Messer- Philosophie kic Grundlage der Ethik geschossen („Ethik"
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