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Nr. 2U Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 9. September 1927

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Das unsichtbare Polen.

Von unserem Warschauer Mitarbeiter.

Warschau, Ende August.

Einhundertfünfzig Jahre lang hat sich das pol­nische Staatswesen als Zukunftstraum einiger we­niger unsichtbar erhalten. Das unsichtbare Polen der Emigration, das in dem unsterblichen Gedicht von HeineKrapulinski und Waschlapski...." ein Denk­mal erhalten hat, dieses unsichtbare Polen ist heute zeitgenössische Gegenwart geworden. Zwischen dem Putziger Wik und den Karpathen, der Warthe und den Pripet-Sümpfen dehnt sich mächtig und ge­schwollen das polnische Staatswesen, an dessen Spitze der Staatspräsident M o f c i ck i steht und dessen Kopf der Marschall P i l s u d s k i darstellt.

Aber was rft Polen? Gibt es nicht heute noch ein sichtbares und ein unsichtbares Polen? Wir gehen von der Aleja Jerozolimski an das Weichsel­ufer und finden eine stolze Brücke, die von den Polen nicht gebaut ist. Sie nennt sich Most Po- niatowskiego, die Poniatowski-Brücke. Deutsche haben sie während des Krieges gebaut. Oder wir schlendern durch die Marszalkowska und kommen nach dem Ogrod Saski, einem entzückenden kleinen Park mit Rokokostatuen und einem edlen Palast an seiner Westfront. Ogrod Saski heißt zu deutsch der Sachsen­garten. Er wurde von den sächsischen Königen Po­lens angelegt, und gleich neben dem Palast der säch­sischen Könige liegt das Palais Brühl, des einst all­mächtigen Ministers. Aber gehen wir weiter nach Norden, nach dem Piaftenschlotz, und rechts von dir biegt grau und verfallen, aber ehrwürdig trotz des Ueberzuges polnischer Gegenwart eine Straße, ge­nannt Marjenstadt, ab, Marienstadt, und gehst du noch weiter zum Marktplatz, dann hast du eine deutsche Stadt vor dir mit niederdeutschen Häusern, wie du sie von Holland bis nach Riga eine nach der anderen findest: denn Warschau ist erst Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts von deutschen Bürgern nach deutschem Stadtrecht gegründet worden, 200 Jahre nach Thorn, Kulm, Marienwerder und Ma­rienburg. Das ist das vergessene Polen. Das un­sichtbar sichtbare von heute aber, das.wirkliche Polen spürst du in der in allen Fugen ächzenden Ford- Droschke.

Genau genommen sollte man in Warschau mit schnell laufenden Tanks als Droschken spazieren fah­ren, die geeignet sind, größere Hindernisse wie Grä­ben, Löcher, kurz die Granattrichter der Wegeab­nutzung ohne weiteres zu nehmen. Wer sich jemals über den Zustand einiger Landstraßen in der Um­gegend Berlins und anderer Städte beschwert hat, den führe man nach Warschau und lasse ihn dort spazieren fahren, und er wird eine deutsche Kopf- sleinstraße mit geradezu zärtlichen Gefühlen be­fahren.

Zwischen all diesen Zuständen, diesem Milieu und dem, was man in Deutschland als Politik zu bezeichnen pflegt, besteht in Polen kein sichtbarer Zu­sammenhang, mit Ausnahme vielleicht der Tatsache, daß man das Straßenstück vor dem polnischen Reichstage neu gepflastert und einige Häuser in der Umgegend neu hergerichtet hat. Der Sejm selbst ist schlafen gegangen. Di-- polnischen Sejm-Klubs sind zwar für die Einberufung einer außergewöhn­lichen Session für den 5. und 6. September: aber ob es zu einer neuen Tagung kommen wird, das hängt vom Wohlgefallen der Regierung, das heißt SC5 Marschalls Piisudski, ab. Man kann die pol­nische Innenpolitik auf sich beruhen lassen. Es ist das eine Frage, wie weit Marschall Pilsudski Herr in Hause bleibt oder nicht.

Dieser hat sich vor rund 14 Tagen als eine Art von neuem Winkelried in die Sperre seiner Geg­ner geworfen. Er ist in Kalisch bei der Legionärs- tagung mit seinen Widersachern Schlitten gefahren und hat dabei kein Blatt vor den Mund genom- anen. Seither rauscht es im polnischen Blätterwalde unheildrohend: aber dank der Pressezensur und der Möglichkeit, für ein unvorsichtiges Wort gleich in ein Gefängnis zu wandern, ist die wirkliche Em­pörung nicht zum vollen Ausbruch gekommen. Man muß schon zwischen den Zeilen lesen, um die Stim­mung Pilsudski gegenüber ermessen zu können. Denn Pilsudski hat seine Landsleute mit Skorpionen ge­züchtigt. Nichtsdestoweniger ist vorläufig noch nichts Jnnerpolitisches fällig. Pilsudskis Gegner sind zwar zahlenmäßig stark; aber ihnen fehlt die einheitliche Führung. Daß es auch in der Armee gärt, wird neuerdings behauptet, und man spricht auch davon, daß die Armeeverschwörung schon ein Oberhaupt gefunden habe; doch ist noch nichts geschehen. Zu einem offenen Waffengange fehlt es allenthalben an Entschlossenheit und Mut. Auch pflegt man Gewalt­samkeiten, Konflikte und ähnliche Ereignisse, die dem Rufe des polnischen Staates gefährlich werden könn-

Eine Autotour in Spanien.

Von unserem ständigen Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Madrid, im September.

Wer in Madrid über em Auto verfügt, unternimmt am Sonntag einen Ausflug in die Guadarrama, die sogenannte Sierra. Im Sommer, um der Backofenhihe der Groß­stadt für einige Stunden zu entrinnen, im Win­ter, um sich an der herrlichen, verschneiten Win- terlandschaft zu erfreuen. Die Straßen sind gut, selbst nach deutschen Begriffen, fast vollkommen staubfrei, und auch im Winter ohne Schwierig­keiten befahrbar, da für den ausgedehnten Heber* landautobusverkehr eine schneefreie Fahrrinne offengehalten wird. Die Gegend ist reich an landschaftlichen Schönheiten. Der Ausblick auf die teils kahlen, felsigen, teils bewaldeten Gipfel, die gestreckten Hochplateaus, die sich an der Straße hingehenden Ortschaften mit vielen histo­rischen Kulturdenkmälern Kastiliens bieten dem Auge immer neue und wechselvolle Bilder.

Kaum hat man Madrid auf der steil bergab führenden Cuesta de la Bega verlassen, so er­reicht man nach kurzer Fahrt durch den Parque des Oeste (Westpark) mit dem Jagdschloß des Königs die Puerto de Hierro (Eisernes Tor) und die Cuesta de los Perdices (Abhang der Rebhühner), einen beliebten Ausflugsort der Madrilener. Auf guter, langsam ansteigender Straße geht es dann in ungefähr einstündiger Fahrt nach Villalba, und bald nach Verlassen dieser Stadt beginnt der Aufstieg in die Guadar­rama. Ein kurzer Aufenthalt, um den steinernen Löwen am Straßenrand zu besichtigen und seiner lateinischen Inschrift zu entnehmen, daß König Ferdinand der Sechste hier das Gebirge über­schritten hat. Wir passieren die Grenze der Provinzen Madrid und Segovia, ein prachtvoller Blick auf das herrliche Panorama hinter uns, eine weite Hochebene mit dem auf Hügeln ge-

ten, vor Dölkerbundstagungen zu vermei­den. Wenn man auch in Warschau auf die öffent­liche Meinung der Welt pfeift, so betrachtet man doch sehnsüchtig das Portemonnaie des Aus­landes, und die berühmte Anleihe ist ja noch nicht unter Dach und Fach.

Man hat hier den Abschluß des deutsch-franzö­sischen Handelsvertrages mit einigem Mißbehagen begrüßt und faselt von einer restlosen Beseitigung des deutsch-französischen Gegensatzes; aber gleichzeitig ist man sich klar darüber, daß auch ein deutsch-pol­nischer Handelsvertrag damit aktueller wird, und man bereitet diese Eventualität auf das seltsamste vor, nämlich durch Maximalzölle, die 100 Prozent über den autonomen Zolltarif für normale Zeiten liegen, und zwar sollen sie anwendbar sein auf solche Länder, die mit Polen keinen Handelsver­trag abgeschlossen haben. Die Verordnung soll vier Monate nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft treten. Angeblich hofft man, in der Zwischen­zeit mit Deutschland zu einem Abkommen gelangt zu fein; praktisch ist aber eine solche Politik nichts anderes als Erpressung. Man hofft, damit Eindruck auf die deutschen Befürworter eines deutsch­polnischen Handelsvertrages zu machen und auch jene, die den Wert eines solchen Vertrages skepti­scher beurteilen, zu verängstigen. Mit einem Worte: Polen ist weiter denn je von dem Wunsch nach einer gütlichen Verständigung mit Deutschland entfernt.

Man sollte bei der Beurteilung dieser polnischen Absichten in Deutschland nicht vergessen, daß die polnische Ernte die auf sie gesetzten Erwar­tungen bisher nicht erfüllt hat. Auf keinen Fall ver­fügt Polen über einen größeren Ueberschuß an Ge­treide. Der gute Stand der Felder hat nicht die er­hofften Erträge gebracht. Der Regen hat ein übri­ges zu der Enttäuschung beigetragen. Wenn Polen aber keinen Ausfuhrüberschuß an Getreide zur Ver­fügung hat, dann kommt es ihm zunächst nicht auf einen Handelsvertrag mit Deutschland, das den Haupt­abnehmer polnischer Agrarprodukte darstellt, an. Wer nichts au verkaufen hat, bedarf keiner Kund­schaft. Die schlechte Ernte senkt zudem die Kaufkraft der polnischen Bevölkerung noch weiter. Man soll sich also nicht irreführen lassen. Der tatsächliche Grund für die weitere Drosselung der Einfuhr ist die Besorgnis und die Entwicklung der Handels­bilanz. Auch im Juli ist sie weiter passiv geblieben,

Zur Zeit kann man also sagen, daß die Aus­sichten auf eine deutsch-polnische Verständigung in wirtschaftlicher und politischer Beziehung trotz eini­ger viel versprechender Anfänge skeptisch zu beurtei­len sind. Hingegen sind die polnisch-russischen Ver­handlungen zu einem vorläufigen Ergebnis gelangt. Am 1. Oktober wird Polen in Moskau eine stän­dige Handelsvertretung einrichten. Der polnische Ge­sandte in Moskau, Patek, ist inzwischen wieder aus seinen Posten zurückgekehrt. Ebenfalls ist einem Vertreter der polnischen Telegraphen-Agentur eine Aufenthaltsgenehmigung in Moskau erteilt worden. In Wirtschaftskreisen sieht man indessen diese Ent­wicklung noch etwas mißtrauisch an. Man fürchtet unvorhergesehene Hindernisse von feiten Marschall Pilsudskis, der allen ökonomischem Fragen mit einem durch kein Sachverständnis getrübtes Urteil gegenübersteht. Run erhofft man sich einiges von der Völkerbundstagung in Genf. Diese Hoffnun­gen sind noch nicht sehr konkret. Aber man erwartet doch einerseits, wieder auf Deutschland im Sinne eines Handelsvertragsabschlusses drücken zu können, und andererseits die Gelegenheit, sich international wieder einmal in ein gutes Licht setzen zu können. Es ist allerdings peinlich, daß dem Völkerbund ge­rade diesmal eine Beschwerdeschrift der Deutschen zugehen wird, die gegen die fortgesetzten Enteignungen deutschen Grundbesitzes unter dem Vorwand der Agrarreform Protest erhebt.

Damit wären wir denn wieder am W e ft r a n b e der polnischen Politik angelangt. Es ist heute ungefähr ein Jahr her, daß Polen einen halbstün­digen Ratssitz erhielt. Solche Erinnerungen sind, rein materiell gesehen, belanglos; aber sie geben dennoch ein recht brauchbares Barometer politischer Entwick­lung ab. Vor einem Jahre stand der Vertreter Po­lens hell im Rampenlichte von Gens. Heute wird er in Gestalt des Außenministers Zaleski eine ver­gleichsweise recht bescheidene Rolle spielen. Aus die Konjunktur der Hoffnungen des vergangenen Jah­res ist eine Konjunktur der Sorgen gefolgt. Das vom Auslande her sichtbare Polen scheint ein un­erschütterliches Staatswesen zu sein. Aber das u n - sichtbare Polen, das im Elend lebt und darbt, daß die Straßen nicht flicken, die Häuser nicht putzen, die Stromläufe nicht regulieren und keine Waren im Auslande kaufen kann, das wird immer mehr maßgebend für die Beurteilung der polnischen Zu­kunft. Diese Zukunft ist nicht rosig.

ReichrjugeidNetttämpse in Gietzen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Reichs- ausschusses für Leibesübungen ist die Durch­führung der Reichsjugendwettkämpfe. Die gesamte deutsche Jugend soll sich alljährlich einmal im Wetttampfe zusammenfinOen, um zu zeigen, was sie in körperlicher Ertüchtigung er­worben hat. Knaben und Mädchen aller Schul­arten sollen zu den friedlichen Kampffpielen her­angezogen werden. Der Wege, die "zum Ziele führen, sind viele. In Gießen ist man seit der Einführung der örtlichen Reichsjugendwettkämpfe bestrebt, die gesamte Gießener Jugend zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammenzuführen.

So haben sich auch in diesem Jahre fast alle Schulen der Stadt an den Reichsjugendwelt­kämpfen beteiligt. Es stellten Schüler bzw. Schülerinnen zum Wettkampfe: Schiller-, Goethe- und Pestalozzi-Schule, Lyzeum und Studienan­stalt, Oberrealschule, Realgymnasium, Gymnasium, Pädagogium unb Vogt'sche Handelsschule. Nahe­zu 400 Meldungen waren zu dem Wett­kampfe abgegeben worden, wovon über 100 für Mädchen galten. In je drei Mtersstufen waren Geräte- und volksttimliche Hebungen zu erfüllen; zum Siege berechtigten in jeder Stufe zweidrittel der erreichbaren Punktzahlen.

Die Kampfrichter für die Geräte- und Frei­übungen stellte, wie seither, die Gießener Turner­schaft (Männer-Turnverein und Turnverein 1846); die volkstümlichen Hebungen beurteilten die Turnlehrer und -Lehrerinnen. Die Gießener Jugend war mit Eifer und Hingabe bei der Sache. Die Leistungen waren zum großen Teile sehr gut; ganz besonders in der Oberstufe. Auch der Durchschnitt der Leistungen ist im Vergleich gegen früher ein besserer geworden. Nachstehend die Ergebnisse:.

Mädchen-Oberstufe.

Vierkampf: Darrenübung; Reck- oder Frei­übung zur Wahl; 75-Meter-Lauf und Kugel­stoßen. 1. Sieg Erika Herzog. Skudienanstalt, mit 61 Punkten. 2. Sieg Ruth Heid, Studienanstalt, mit 58 Punkten.

Mädchen-Mittelstufe.

Vierkampf: Darrenübung, Reckübung, 75- Meter-Lauf und Schlagballweitwurf. 1 .Sieg Erna Althaus, Lyzeum, mit 83 Punkten. 2. Sieg Else Bickelhaupt, Erna Conrad. Mariechen Schmidt, sämtl. Lyz. mit je 75 P. 3. Sieg Anne­liese Döring und Martha Seiferth, beide Lyz., mit je 70 P. 4. Sieg Christel Holstein, Lyz., h9 P. 5. Sieg Wilma Schleenbecker, Vogtsche H.-Sch, 65 P. 6. Sieg Anneliese Jullmann, Lyz., 64 P. 7. Sieg Ruth Brückemann, Vogtsche H.-Sch, 63 P. 8. Sieg Elis. Leidig, Vogtsche H.-Sch, und Gertr. von Löw, Lyz., mit je 60 P. 9. Anni Schwengber, Lyz., 59 P. 10. Sieg Sessi Oppen­heimer, Friedrike Vömel, Erika Weber, alle Lyz., 58 P. 11. Sieg Trude Schwarz. Lyz., 57 P. 12. Sieg Ria Vogt, Lyz., 55 P. 13. Sieg Liese­lotte Noll, Lyz., 54 Punkte.

Mädchen-Unterstufe.

Dreikampf: Weitsprung, 75-Meler-Lcruf, Schlagballweitwurf. 1. Sieg Gretel Meurer, G.- Sch., 72 Punkte. 2. Sieg Else Krug, Sch-Sch, 68 P. 3. Sieg Erika Fischer, G.-Sch, 66 P. 4. Sieg Gertrud Schmidt, Sch-Sch., 65 P. 5. Sieg Liesel Wenzel, Sch.-Sch, 63 P. 6. Sieg Henny Kliffmüller, Sch.-Sch., 62 P. 7. Sieg Minna Derzbach, Lyz., und Anneliese Gissel, Sch.-Sch., je 61 P. 8. Sieg Herta Driesch, Lyz., und Tom Schmieder, Sch.-Sch., je 60 P. 9. Sieg Gertrud Balzer, Sch.-Sch., Liselotte Lcinert. Lyz., Gertrud Spies, G.-Sch., je 59 P. 10. Sieg Hilde Sühkind, Lyz., 57 P. 11. Sieg Herta Graulich, G.-Sch., 56 P. 12. Sieg Anneliese Leh, Lyz., und Hilde Heck, Sch^Sch, je 55 P. 13. Sieg Toni Kimpel, Lyz., und Martha Schättler, Lyz.. je 54 P. 14. Sieg Meta Amend, Lyz., und Elisabeth Ja­nisch, Sch.-Sch., je 53 P. 15. Sieg Ruth Margot Katz, Päd., Elisabeth Sick, G.-Sch., und Hannh Euler, G.-Sch., je 52 P. 16. Sieg Erika Deuler, Lyz., Lotte Kopp, Lyz., und Irmgard Roller, Lyz., je 51 P. 17. Sieg Gerda Schmittgall, Lyz., 50 P. 18. Sieg Margarethe Haas, G.-Sch., und

bauten Madrid, dessen Königsschloß hoch empor- ragt, und wir nähern uns der am Berghang inmitten schöner Waldungen gelegenen Sommer­frische San Rafael. Noch vor etwa zehn Jahren ein kümmerliches, armes Gebirgsdorf, zeigt es jetzt eine Anzahl schloßartiger Villen der Madrider Reichen, mehr oder weniger ge­schmackvoll angelegt und eine Reihe Hotels, die vielleicht in weiteren zehn Jahren so geführt werden, daß sie auch den Ansprüchen von Aus­ländern, nicht nur in bezug auf die Preise, genügen.

Einige Kilometer weiter, in Dillacastin, ver­lassen wir die Hauptstraße, die von Madrid nach Coruna führt und folgen den sich bergauf win­denden langen Serpentinen. Noch 29 Kilometer und wir fahren durch das Tor von San Dieentei gegenüber der gleichnamigen Kirche in die alte Bischofsstadt Avila hinein. Interessant ist die Kathedrale- der Stadt. Aeußerlich ;/n Sammel­surium der verschiedensten Sttlarten. die absolut nicht miteinander harmonieren wollen und auch im einzelnen wenig von Geschmack und Kunst verraten. Das Charakteristische der Kathedrale ist ihre kriegerische Fassade, sie wirkt wie ein altes Kastell mit religiösem Einschlag, passend zu der früheren Feste Avila, von deren Ring­mauer noch große Teile mit unzähligen Türmen und Bastionen vorhanden sind. Nach dem (Ein­tritt in das hochgewölbte -Längsschifs sieht man zuerst gar nichts, denn die Kathedrale von Avila ist eine der dunkelsten der finsteren Kir­chen Spaniens, aber bald hat sich das Auge an den Kontrast mit dem blenderck>en Sonnen­licht des spanischen HimmÄs gewöhnt, man er­kennt die guten Skulpturen aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, in der Mitte des Chors die Anbetung der Könige, an den Setten die Opferung der Hnschuldigeri! und die Vorstellung im Tempel, dazu ver­schiedene Medaillons und Reliefs.

Von besonderer Schönheit ist der rückwärtige Teil des Hauptschiffs mit dem Grabmal des

fruchtbaren Schriftstellers Alfonso Fernando de Madrvgal, Bischofs von Avila um das Jahr 1450. Nach dem Verlassen der Kirche durch ein Seitentor sehen wir uns auf dem Schlotzplah, auf dem gerade Markt abgehalten wird: ein Grund zu schleuniger Flucht, denn ein Gemisch der furchtbarsten Düfte von verfaulten Fischen bis zu Knoblauch strömt und entgegen. Eine Besich­tigung der übrigen zahlreichen Kirchen und Klöster schenken wir uns, und nach einem kurzen Frühstück geht es weiter. In weniger als einer halben Stunde ist die Pahhöhe des Do- quer on erreicht, zwischen den Hängen der Sierra von Malagon und Albercho mit ihren höchsten Erhebungen, dem Valdihuelo links und dem Cierro de los Vientos rechts, beide etwa 1600 Meter hoch. Jrn Hintergründe taucht, von ewigem Schnee bedeckt, die Bergkette der Sierra de Credos auf. Ein prachtvolles Panorama, das in seiner alpinen Majestät einen bleibenden Ein­druck gewährt. Leider ist das Land der Touristik noch fast verschlossen. Bahnverbindungen fehlen, Hnterkunftsrnöglichkeiten sind höchst mangelhaft, und die Annahme dürfte richtig sein, daß noch keine 5 Prozent der Einwvhirer von Madrid die Schönheiten und Reize ihres Laiides, die fast vor ihren Toren ausgebreitet sind, kennen. Auf­fallend ist, daß wir trotz des Sonntags feit San Vafael noch keinem Auto begegnet sind, die Aus­flügler begnügen sich eben meist mit einer Fahrt nach den Tälern der Guadarrama oder dem Escorial, den wir erst auf der Rückfahrt be­rühren.

Noch etwa 20 Kilometer fehlen bis zu unferm nächsten Ziel, Cebreros. In kurvenreichen, nicht ungefährlichen Serpenttnen fenft sich die Straße von bet Pahhöhe ins Dal. Wieder tauchen vor uns die Vorberge der Sierra de Credos auf, im Osten das alte Kloster des heiligen Hieronimus, in dessen Nähe sich einige prähisto­rische granitene Bildwerke, die sogenannten Stteve von Guisando befinden, rechts der'' Gipfel des Caslllas mit 1760 Meter und dahinbo. der Escufo

Marie Hahn, G.-Sch., je 49 P. 19. Sieg Anna Breiter, Lyz., Grete Schreier, G.°Sch, Else Schwalb, G.-Sch., und Ellen Wegeli, Lyz., je 48 P. 20. Sieg Gertrud Benk, G.-Sch unb Auguste Röder, G.°Dch., je 47 P. 21. Sieg Theo­dora Heinz, Lyz., Anni Hofmann, G.-Sch,, Liesel Hofsann, Sch.-Sch., Paula Menges, Sch.-Sch., Gretel Müller, Sch.-Sch., je 46 P. 22. Sieg Lotte Hornberger, Lyz., Emilie Rüspeler. Sch.-Sch, Liesel Wagner, G.-Sch., je 45 P. 23. Sieg Elisa­beth Seiler, G.-Sch., 44 P. 24. Sieg Hilde Klin- gelhöfer, Lyz., Thea Mohr, G.-Sch., Irmgard Sommeriad. G.-Sch, je 43 P. 25. Sieg Liselotte Glagow, Sch.-Sch., Pauline Reuter, Sch.-Sch., Helene Schomber, Sch.-Sch., Marie Wagner, G.- Schule.

Die Abkürzungen bedeuten: Lyz. = Lyzeum und Studienanstalt, G.-Sch. = Goelheschule; Sch­ach- Schillerschule; Päd. Pädagogium; V. H.-Sch. = Vogtsche Handelsschule.

llnaben-Oberstufe.

Fünfkampf: Barrenübung, Reckübung, Kugel­stoßen, Hochsprung und 100-Meter-Lauf.

1. Sieg Kurt Katz, O.-R., 113 Punkte. 2. Sieg Karl Marx, O.°R., 112 P. 3. Sieg Fritz Wolf, Gymn. 109 P. 4. Sieg Hermann Böller, 101 P. 5. Sieg Karl Drose, O.°R., 97 P. 6. Sieg Wer­ner Glitsch, O.-R., und Wilhelm Schneider, O.* R., je 94 P. 7. Sieg Ernst Stern, O.°R., 91 P. 8. Sieg Willl Dörr. O.-R.. und Karl Schick, O.- R., je 87 P. 9. Sieg Wilh. Brunning, Gymn., 85 P. 10. Sieg Theodor Daubel, Gymn., 83 P. 11. Sieg Karl Drechsler, O.-R., 82 P.. 12. Sieg Wilh. Gontrum, O.°R., 74 P. 13. Sieg Karl Eger, O.°R., 66 P. In dieser Stufe turn­ten folgende Schüler außer Wettbewerb und er­zielten folgende Punkte: Fritz Morneweg, O.-R., 115 P. Walter Loh, R.-G., 109 P. Heinrich Sans, V. H.-Sch., 96 P., und August Müller, O.-R., 73 P.

finaben-2nittelftufe.

Fünfkampf: Barrenübung, Reckübung, Kugel­stoßen, Weitsprung und 100-Meter-Lauf.

1. Sieg Heinrich Müller, R.°G., 135 Punkte.

2. Sieg Willl Rau, O.-R., 121 P. 3. Sieg Karl Geller, O.-R., Werner Loh, Gymn., Ferdi Stremmel, O.-R., je 120 P. 4. Sieg Harto Metschke, A.-G., und Heinz Rothermel, O.-R., je 114 P. 5. Sieg Erich Rahlf, O.-R., und Hans Schütz, O.-R., je 112 P. 6. Sieg Otto Feiling, R.-G., 109 P. 7. Sieg Albert Glaum, O.-R., 108 P. 8. Sieg Erich Hartmann, R.-G., 107 P. 9. Sieg Ludwig Vogt, R.-G., 106 P. 10. Sieg Walter Heupel, A.°G., und Willi Klehm, V. H.°Sch., je 105 P. 11. Sieg Karl Schwinn, O.-R., 104 P. 12. Sieg Emil Wörter, 103 P. 13. Sieg Otto Lindenstruth, R.-G., und Karl Sauer, O.-R., je 102 P. 14. Sieg Waller Krömmelbein, R.-G., 101 P. 15. Sieg Fritz Arnold, R.-G., Fritz Spuck, O.-R., und Ernst Stengel, O.-R., je 99 P. 16. Sieg Otto Jüngst. R.-G., 98 P. 17. Sieg Heinrich Goerz, Gymn^ 97 P. 18. Sieg Fritz Schlarb, Ghnm., Hani Heller, O.-R., Willi Sommerlad, O.-R., je 96 P. 19. Sieg Ludwig Stein, O.-R., 93 P. 20. Sieg Erich Volk, O.-R., 92 P. 21. tzieg Helmut Mark, O.-R., Erich Plvch, O.-R.» je 91 P. 22. Sieg Helmut Eger, Gymn., 90 P. 23. Sieg Kurt Matezky und Wilhelm Schütz, R.°G., je 89 P. 24. Sieg Erwin Körber, O.-R., 88 P. 25. Sieg Franz Kröner, O.-R., und Hans Loeb, O.°R., je 87 P. 26. Sieg Dieter Poppert, Gymn., und Wilh. Reeh, O.-R., je 86 P. 27. Sieg Erich Sattler, O.-R., 85 P. 28. Sieg Wilhelm Fuhr. R.-G., und Ludwig Lenz, R.-G., je 83 P. 29. S'.eq Ernst Wetterhahn, 82 P. 30. Sieg Heinrich Schmandt, R.-G., und Kurt Zeiger, O.-R., ;e 81 P. 31. Sieg Eberhard Borgmann, R.-G., Kurt Eichhorn, O.-R., Hans Rübsamen, R.-G., ie 77 P. 32. Sieg Erich Reeg,O.-R., 75 P. 33. Sieg Rudolf Hechler, Gymn., 73 P. 34. Sieg Waller Lehmann, R.-G., Heinz Fischer, Gymn., Rudolf Rückert, O.-R., je 66 P.

finaben-Unterftufe.

Fünfkampf: Darrenübung, Reckübung, 100* Meter-Laus, Weitsprung, Schlagballweitcvur,.

1. Sieg: Heinrich Blum O.°R. 108 Punkte;

2. Sieg Wilhelm Gräf Gymn., Otto Kern O.-R.. Heinrich Schäfer O.-R. je 106 P.: 3. Sieg Wilhelm Wolf O.-R. 99 P.; 4. Sieg Waldemar Kirch Heimer O.-R. 98 P.; 5. Sieg Karl Kley G.-Sch. 97 P.; 6. Sieg Fritz Groh O.-R., Arthur Schmelz O.-R. 94 P.; 7. Sieg Waller Deck O.-R., Hans Dürck O.-R., Rudolf Lauber P- Sch, Hugo Schmalz O.-R. je 93 P.; 8. Sieg, Paul Langer O.-R., Waller Lenth Gymn., Hans Steuermaid O.°R. je 92 P.; 9. Sieg Ernst Lip­

in 2000 Meter Höhe. Jetzt nähern wir uns Cerebros, berühmt durch seine alten interessanten Bauwerke, im Hintergründe zeigt sich das Flüßchen Alberche und eins der verstteuten Dörfer, San Marttn de Daldeiglesias. Ein kurzer Spaziergang führt au der Kapelle der heiligen Jungfrau von Dalsordo und zu einer uralten, von den Römern gebauten Steinbrücks über den Alberche, vorbei an steinernen Zeugen einer früheren Gerichtsbarkeit, einem gut er­haltenen Pranger und einem der wenigen noch in Spanien existierenden Galgen, dessen Be­nutzung jedoch durch die Königin Isabella II. im Jahre 1837 verboten wurde. An der Sette der Brücke liegen einige behauene Steinblöcke mit einer allerdings für unsere Laienaugen unles­baren lateinischen Inschrift in gotischen Lettern; wahrscheinlich würde es sich für einen Alter­tumsforscher lohnen, die Steine zu säubern und die Inschriften zu entziffern.

Aber es würde sich in Spanien vieles lohnen, wenn sich nur ein Entdecker finden würde. Hnter* dessen nähert sich die Sonne den fernen Berg­gipfeln und wir haben noch etwa 70 Km. Fahri bis zu unserem Ausgangspunkt Madrid vor uns. In starkem Gefälle folgen wir dem Lauf des Alberche, den wir bei Pelayos verlassen, um auf jetzt steil ansteigender Straße die Kammhöhe der Sierra bei Navas bei Reh zu erreichen. Dann folgt eine eintönige kahle Landschaft, bei der Ortschaft Brünste zweigt links die Straß« nach dem Escorial ab. Mit einbrechender Dunkel­heit passieren wir noch einige häßliche kastilischck Dörfer, verfallene Häuser und Hütten zu beide« Seiten, ungepflegte Kinder und alles nwgtidjd Getier stieben mit viel Lärm aus dem Lichttegel der Scheinwerfer, vorbei an den ausgedehnten, modernen Anlagen der Stieger» und Artillerie­kasernen. Auf der hohen Brücke von Segovia kreuzen wir den Manzanares und nach einigen Minuten landen wir auf der Puerta del Sol, mitten in dem sonntäglichen GewimmB einer un­übersehbaren Menge von Menschen und Aull a