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die Konferenz bisher in manchen Puntren jur Einigkeit gelangt fei und daß er hoffe, daß auch in den anderen Punkten eins Verständigung erzielt werden könne. Die größte Schwierigkeit bestehe Wohl zur Zeit in der Kreuzerfrage. Die englische Delegation lasse sich ausschließlich von den Gedanken der wirksamen Vertei­digung des britischen Reiches und seiner zahl­reichen langen Verbindungswege zur See leiten. Es sei natürlich absurd, eine Ab­rüstungskonferenz abzuhalten, deren praktisches Ergebnis in einer Vergrößerung der Kriegsflotten mancher Länder bestehen würde. Auf die Frage eines Pressevertreters, was er von dem japanischen Vorschlag halte, welcher die Festsetzung einer Gesamttonnage für Kreuzer und Zerstörer zusammengenommen for­dert, antwortete er, daß er nicht wisse, ob dieser Antrag irgendwelche Aussicht auf Erfolg hat.

3n den Genfer Meldungen der britischen Presse wird zugegeben, daß man zweifellos auf einem toten Punkte angekommen ist, jedoch wird betont, daß die Lage nicht hoffnungslos ist. Der Korrespondent derTimes" sagt, die Vorschläge der japanischen Delegation auf Zu­sammenlegung der Kreuzer unö Zerstörer und Festsetzung einer Gesamttonnage für sie, habe keine Aussicht auf Annahme. Wenn nicht eine grundsätzliche Verständigung in der Kreuzerfrage erreicht werde, dann würden alle bisher auf- gestellten Derechnungen vergeblich gewesen sein. Auch der WashingtonerTimes"-Korrespondent schreibt, zum ersten Male seit Beginn der Genfer Konferenz hätten die amtlichen Stetten des Staatsdepartements zugegeben, daß er n ft e r Anlaß zur Sorge besteht. Infolge derMei- nungsverfchiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und England werde möglicherweise eine Vereinbarung über die Einschränkung der Hilfs- schiffe unmöglich fein. Es sei erfreulich, zu melden, daß sich anscheinend noch feine ©eite unw iderruflich f e ft gelegt hat und be­vor dies nicht geschehen sei, sei völliger Pessi­mismus nicht zu rechtfertigen, aber die Aus­sichten seien zugegebenermaßen alles andere als ermutigend. Der Korrespondent sagt zum Schluß: Wenn die Versuche, in Genf eine Verständigung herbeizuführen, fehlschlagen soll­ten, dann würden Rückwirkungen auf die englisch-amerikanischen Bezieh un- gen in weitestgehendem Maße zu erwarten sein.

Sturm in der pariser Kammer.

Tas KabmettPoincarö und die Wahlreform

Paris, 8. Juli. (Priv.-Tel.) Das Kabinett Poincare befindet sich zur Zeit in einer höchst un­glücklichen Situation Einem alten Versprechen gemäß hat e s der Kammer eine Vorlage über die Wahlreform zugehen lassen, mit der eigent­lich keine Partei zufrieden ist. Da aber schwer­lich etwas Besseres herauszuschlagen ist, hat sich die Linke mit der Vorlage einverstau den erklärt. Anders dagegen die Rechte und namentlich jene parlamentarischen Gruppen, die mit dem Kabinett ganz besonders eng verbunden sind. Sie sind äußerst erbost über die vorgeschla­gene Wahlreform, die absolut nicht nach ihrem Geschmack ist. Schon in den ersten Kammer- sitzungen, die dieser Angelegenheit gewidmet waren, gaben sie ihrer Unzufriedenheit lebhaft Ausdrua. Am Donnerstag aber platzte die Bombe. Da sie sich davon überzeugen mußte, daß sie in der Mniderheit bleiben wird, verlegte sie sich auf lärmende Obstruktion Ebenso wie bei uns, sahen sich auch die Kommunisten in der französischen Kammer genötigt, nur weil es gegen die Regierung ging, sich auf die Seite der Oppo­sition zu schlagen, also die Rechte $u unterstützen. Die Szenen, die sich namentlich m der Racht- sihung vom Donnerstag auf den Freitag ab- spielten, scheinen noch unwürdiger getoefen zu sein als manche, die unsere Reichstagschronik aufzuweisen vermag Selbst P v i n c a r 6, vor dem eigentlich die Kammer heute noch zittert, mußte sich Beleidigungen gefallen lassen, ohne daß es der Präsident der Kammer wagte, gegen die tobenden Abgeordneten einzuschreiten. Will man allein aus dieser einen Sitzung Rückschlüsse auf die Lage des Kabinetts ziehen, dann gibt es nur eine Feststellung: es bat ganz erheblich ein* gebüßt. Ist es der Linken längst gleichajilttg, so hat die Rechte neuerdings auch kein allzugroßes Interesse mehr an dieser Zusammensetzung. Am besten scheint immer noch Pvincare selbst dazustehen, aber auch nur in seiner Eigenschaft als Finanzminister. Wenn eS etwas gibt, vor dem die Kammer Respekt hat, dann ist es eine einfache Drohung, die Finanzen könnten wieder in Unordnung geraten und die Währung in Mitleidenschaft ziehen. Rur dieser Angst der Kammer ist es auch zu verdanken, daß das Ka­binett nicht schon in Der Donnerstag-Rachtsihung gestürzt wurde. Den Anschein aber hat es doch, als ob es, wenigstens in dieser Zusammen­setzung, nicht mehr lange am Leben bleiben wird,

Die Bankenkonferenz in Washington.

Reuyork, 3. Juli. (WB.) WieReuyork Times" meldet, soll in den Besprechungen der Bankdirektoren die Stabilisierung des Franks auf der Basis von 5:1 beschlossen wor­den fein, um die Währungsverhällnisse Europas zu glätten und die Goldtranspotte Frankreichs unnötig zu machen, die hier zu einer unerwünsch­ten Anhäufung eines Goldüberschusses geführt haben. Künftig soll der Frank 4 Cents wert sein. Das französische Kabinett hoffe, diese Reu­regelung schon im August erreichen zu können.

Großherzog Friedrich ' on Baden.

Die Geburtstagswünfche der badischen Negierung.

Karlsruhe, 8. Juli. (WB.) Zum mor­gigen 7 0. Geburtstage des früheren Groß­herzogs Friedrich II. von Baden schreibt die amtlicheKarlsruher Zeitung": An diesem Er­innerungstage gedenkt die Regierung des Freistaates Baden in hoher Achtung der Persönlichkeit Friedrichs 11., der über ein Jahr­zehnt an der Spitze des badischen Staates ge­standen hat und in vorbildlicher G e - wiss enhaftigkeit und Pflichterfül­lung seiner hohen Ausgabe gerecht zu werden immer bestrebt war, und dessen Leitstern bei Ausübung der durch seine Stellung gebotenen Pflichten die Wohlfahrt des badischen Landes gewesen ist. Schon die vorläufige ba­dische Volksregierung hat des Großherzogs Liebe zur badischen Heimat ebr»nh berhr^genoben, hie

Den GrovtzergOg aua; be|t;mmt hat, Die Folgen der weltpolitischen Entwicklung aus der von ihm persönlich nicht verschuldeten Lage durch den Verzicht auf den Thron zu ziehen, und damit dem Wohle des Volkes bei der Reugestal­tung der staatsrechtlichen Verhältnisse des Lan­des zu dienen. Mit dem ehrenden Gedenken an die Persönlichkeit des Jubilars ist verbunden ein Gefühl der Dankbarkeit für die mit einem großen persönlichen Opfer betätigte Liebe zum badischen Volke und der badischen Heimat. An seiner schweren Erkrankung nehmen Re­gierung und Volk aufrichtigen Anteil mit dem Wunsche auf eine baldige Gesundung und einen von Schmerzen und Leiden ungetrübten Lebens­abend.

Die Freiheit des Zentrums.

Zentrum und Koalitionsregierung.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Juli. DieG erm a ni a" nimmt in ihrem gestrigen Leitartikel Veranlassung, um im Zusammenhang mit der Tagung des Reichs­ausschusses der Zentrumspartei und seiner Ver­trauenskundgebung noch einmal im allgemeinen die Ideen und die Ziele, sowie die Ausgaben des Zentrums kurz zu umreihen. Dabei be­tont das Blatt, daß es ein großer Irrtum der Gegner von rechts und links sei, die da meinen würden, die Zeit des Zentrums sei vorbei, die Zentrumsidee sei nicht mehr zugkräftig, sie sei im stillen schon abgelöst von anderen stärkeren Kräf­ten der Parteibildung. Im Gegenteil, Millionen im deutschen Volke" seien nach wie vor bereit, für das alte Ideal zu kämpfen. Das Blatt betont dann, daß das Bekenntnis zu vollständiger Selbständigkeit und Unabhängig- fett einem dringenden Bedürfnis entsprach. Seien doch Behaupttmgen von irgendwelchen Bindungen, die die Zentrumsfraktton einge­gangen fei oder einzugehen geneigt sei, draußen kolportiert worden und hätten Beunruhigung her­vorgerufen. Man hatte jedoch nachweisen können, daß nichts Wahres daran sein. Im Gegenteil, Im Gegenteil, die Fraktion des Zentrums fei auch in der gegenwärtigen Koalition keine festere Bindung eingegangen als sie sich aus jedem Koalittonsverhältnis von selber ergeben würde. Zu der Behauptung eines demokratischen Blattes, daß in der Parteileitung die These ge­siegt habe, unbedingt bis zum natürlichen Ende dieses Reichstags Surchzuhalten, schreibt das Blatt:Kein Mensch im Zentrum weiß etwas von einer derartigen These. Richtig ist, daß Fraktton und Parteiausschluß sich die These Wirths nicht zu eigen gemacht haben, nach der es möglich sei, auf den Sturz der gegenwärtigen Regierung mit allen Mitteln hin- ouarbeiten. Die Zentrumsfraktton als loyale Koalittonspartnerin wird an dieser Koali­tion fe st halten, solange die Grundlagen nicht erschüttert werden, auf denen sie aufgebaut ist: nicht einen Tag länger. Sollten die Reichs­tagswahlen am natürllchen Ende dieses Reichstages stehen, so wird die ZentrumsfraLtton ohne Zaudern die polittsche Verantwortung für daS übernehmen und übernehmen können, was im Zeichen dieser Koalition geschaffen worden ist. 'Für diese Koalition und mit dieser Koalition den Wahlkampf zu führen, fällt niemand in unseren Reihen ein. Eine , Reichstagsauflösung wegen des Verhaltens der Regierungsparteien bei der Schulvorlage dürfte nicht mehr sein als der letzte Anlaß zum Todesurteil über einen Reichstag, der nicht mehr imstande wäre, eine tragfähige Grundlage für eine Regierung zu schaffen. Von der Wahl eines solchen Anlasses raten wir allerdings entschieden ab.

Zolldebatte im Reichstag.

Berlin, 8. Juli. (23. D. Z.) Der Reichstag tritt in die zweite Lesung der Zollvorlage ein.

Abg. Hamkens (D. 23.) erstattet den Bericht des Handelspolitischen Ausschusses. Der Ausschuß hat den Regierungsvorlagen, die die Zollerhöyung für Schweinefleisch, Kartoffeln, Mehl, Zucker usw. und gleichzeitig eine Ermäßigung der Zuckersteuer vor- sehen, unverändert zuge stimmt, ebenso der Verlängerung der jetzt ablaufenden provisorischen Zolltarifregelung.

Abg. Krätzig (Soz.): Unsere schlimmsten Be­fürchtungen für die Politik des Besitzbürgerblocks sind durch diese Vorlagen weit übertroffen worden. Sie stehen in kra fern Widerspruch zu den Beschlüssen der Weltwittscha tskonferenz. Die Industriellen for­dern als Folge d eser Agrarzollerhöhung jetzt bereits wieder höhere Industriezölle. Das ist die bekannte Zollschraube. Die Mehlzollerhöhung ist ein glattes Geschenk an die Mühlenindustrte, der es so glanzend geht wie keiner anderen. Obwohl der Rog- genpreis auf die Hälfte gesunken ist, hat der Mehl­zoll den Mehl- und Brotpreis immer weiter in die Höhe getrieben. (Hort! Hört! links.) Die Ernte wird gut werden, aber das deutsche Volk soll nach den Motten des Grafen Westarp bei vollen Scheunen verhungern. Den Großagrariern will man höhere Kartoffelpreise zuschanzen, damit sie höher« Beiträge an die deutschnationale Partei lasse zahlen können. Richt der Kartoffelzoll ist der Retter, sondern Wissen­schaft und rationeller Betrieb. Der deutsche Bauer ist so rückständig wie keiner in der Welt. Die Ar­beiterschaft werde nicht vergessen, wer ihr das Brot verteuert. Sie werde mit dem Stimmzettel Abrech­nung halten.

Abg. Reddermeyer (Komm.) bestreitet, daß die Zollerhöhung für Mehl der Landwirtschaft im allgemeinen Nutzen bringe. Den wirklich notleiden­den Kleinbauern werde nicht geholfen.

Abg. Dietrich (Dem.) weist auf die un­günstige Lage der Bauern hin, die Schweine züchten. Der Index für Schweinefleisch stehe auf 100, der für Futtermittel auf 156. Der richtige Weg zur Abstellung dieses Rotstandes wäre die Aufhebung oder wenigstens weitgehende Her­absetzung der Futtermittelzölle. Da die Regierungsparteien aber diesen Weg nicht gehen wollen, würden die Demokraten trotz star­rer Bedenken der Erhöhung des Schweinezolles zu st Immen, um der deutschen Schweinezucht die Existenzmöglichkeit zu sichern.

Abg. Frau Wurm (Soz.) spricht sich gegen die Erhöhung des Schweinezolles aus und be­antragt statt dessen die Aufhebung der Futter­mittelzölle Die Rednerin verlangt allgemeine Zollfreiheit für Gefrierfleisch.

Die Anträge der Linken auf Aufhebung der Futtermittelzölle werden abgelehnt. Ein Antrag der Sozialdemokraten auf Herabsetzung der Futterzölle wird in namentlicher Abstimmung mit 242 gegen 192 Stimmen abgelehnt, ebenso ein demokratischer Antrag auf Herabsetzung der Zölle für bestimmte Futtermittel. Ab gelehnt werden

die Anträge auf Herabsetzung der übrigen Zollsätze. Die Regierungsvorlagen werden in der Aus'chußsihung angenommen.

Die Vorlage, durch die die Gelttrngsdauer des Steuermilderungsgesetzes bis zum 30. September 1928 für die Fusionssteuer verlängert wird, wird gegen die Sozialdemokraten und Kommu­nisten in zweiter und dritter Beratung ange­nommen.

Es folgt die zweite Beratung der von den Re­gierungsparteien beantragten Rovelle zur cke- reiverordnung. Der Ausschuß hat einige Aenderungen vor genommen. Danach soll die Verlängerung der Arbeitszeit an ci - zelnen Tagen unter entsprechender Arbeitszeit c.. kürzung an anderen Tagen erst nach Anhörung der gesetzlichen Dettiebsvertretung zulässig sein. Außerdem soll durch Tattsvettrag eine andere Regelung möglich sein.

Abg. B i e n e r (Dn.) tritt für die Vorlage ein. Sie bringe dem Bäckereigewerbe nur das gleiche Recht wie allen übrigen Gewerben. Für Die Vorlage sprechen sich auch die Abg. Ha be­mann (D. Dp.), Rienümp (Ztr.) und Dun- ked(W. Vg.) aus, während die Abg. Florian (Komm.) und Frau An sorge (Soz.) die Ab- lehnung fordern.

Während der Ausführungen der Abg. Flo­rian und Dunkel kommt es zu erregten Sze­nen zwischen den Kommunisten und der Rechten bei der Bemerkung des Abg. Dunkel:Die Kommunisten beschweren sich darüber, daß die Brötchen zu klein werden. Ich habe ihnen schon im Ausschuß gesagt: Reißt das Maul nicht so weit auf, dann werden die Brötchen nicht zu klein sein."

Hierauf wird nach Ablehnung der kommu­nistischen Abänderungsanträge die Ausschutzsas- fung der Vorlage in zweiter Beratung an­genommen.

Der Gesetzentwurf über die Einstellung des Personalabbaus und die Aenderung der Personalabbauverordnung wird ohne De­batte in dritter Beratung angenommen.

Dex Antrag Loibl (B. V.) auf Be­schränkung der Zahl der wirtschaft­lichen Betriebe des Reichs wird in folgender Form angenommen:Die wirtschaft­lichen Betriebe des Reichs und der ihm unter­stehenden öffentlich-rechtlichen Körperschaften mit Ausnahme der gemeinnützigen öffentlichen Ver­sorgungsbetriebe sind aus H)as unerläßliche Mindestmaß zu beschränken. Die Reichsbe­hörden haben bei Auftragserteilung keine Be­dingungen zu stellen, die die Rechte und Frei­heiten, welche die Gewerbeordnung gewährt, irgendwie beeinträchtigen könnten mit der Reichs- verdingungsordnung in Widerspruch stehen.

Samstag: dritte Beratung der Zottände- rungsvorlage, der Rovelle zur Bäckereivervrd- nung und viele kleinere Vorlagen.

Das LiqmöMonsschäüsrWsetz.

Berlin, 9. Juli. Im Zusammenhang mit der Frage, ob sich der Reichstag in seiner Son­dertagung im Herbst mit dein Entwurf des LiquidationSschä^ngesetzes beschäftigen kann, ver­öffentlicht die Arbeitsgemeinschaft für den Ersah von Kriegs-und Verdrän­gungsschäden eine Mitteilung, deren In­halt wir schon in Anbetracht der Wichtigkeit dieser Frage gern an dieser Stell« veröffentlichen. Es heißt in dieser Mitteilung: Der Entwurf des Reichsfinanzministeriums zu einem Entschädi- gungsgeseh liegt zur Zett dem Reichskabi­nett vor. Durch das Gesetz sollen LiauidattonS- und Gewaltschäden in Hohe von mehr als 19 Milliarden Mark, die vom Reiche in den bis­herigen, nach rein fiskalischen Gesichtspunkten eingestellten Entschädigungsverfahren mit 10,5 Milliarden Mark anerkannt worden sind, endgültig abgegolten werden Der Entwurf des Reichsfinanzmini sberiunrs, zu dem die Ar­beitsgemeinschaft nicht gehört worden ist, geht nach Pressemeldungen von einer Gesamt­aufwendung des Reiches in Höhe von we­nig mehr als 900 Millionen Mark aus. Eine solche Entschädigung würde bei der verzweifelten Rotlage weiter Schichten der Ge­schädigten und der drückenden Kapitalnot der betroffenen Auslandkaufleute und Expottunter­nehmungen wiederum nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten. Di« wirt­schaftliche und polittsche Entwicklung im In­land« und in deutschen Kreisen des Auslandes muß durch eine unzureichende Entschädigungs- aktton, die nur geeignet sein kann, die mühsam geschaffenen Ansätze des Wiederaufbaues im Auslande zu zerstören, auf das schwerste gefährdet werden. Die Arbeitsgemeinschaft verlangt, daß die Gesetzesvorlage unverzüg­lich im Reichstag eingebracht wird, damit sie dem 22. Ausschuß des Reichstags noch vor den Sommerferien zur Beratung überwiesen werden kann. Die Arbetsgerneinschaft hat auf Sonntag, den 10. Juli, eine große öffent­liche Kundgebung der Geschädigten einbe­rufen, die im Zirkus Busch in Berlin stattfinden wird.

Aus aller Welt-

Hagelschäden.

Der an der Schwarzwaldbahn Offenburg Konstanz gelegene Bezirk Viklingen wurdet von einem von Hagelschlag begleiteten Wolken­bruch beimgesucht, der die ganze Gegend bis Rottweil unter Wasser setzte. In Peterzell lag der Hagel an manchen Stellen 10 bis 12 Zenti­meter hoch. Das Vieh muhte aus den Ställen geholt und in Sicherheit gebracht werden. Die Keller vieler Häuser wurden überschwemmt und das Wasser hat das Heu von den Wiesen fort­geführt. Die Felder und Gärten sind durch den Hagelschlag schwer verwüstet worden. Der mittlere Teil des Kreises Halberstadt wurde ebenfalls von einem schweren Hagelunwetter heimgesucht, das in verschiedenen Dörfern die Ernte fast völlig vernichtete. Von dem Hagel wurden zum Teil sogar die Schieferplatten der Dächer zerschlagen. Ferner ging über Magde­burg ein kurzes, aber heftiges Gewitter nieder^ Ein Blitz schlug auf dem Alten Markt innerhalb der Stadt in einem Leitungsmast der elMrischen Straßenbahn, wodurch das gesamte Straßenbahn- neh mit Ausnahme einer Linie stillgelegt wurde.

Schwere Unwetterkatastrophe Im Riesengebirge.

Freitag mittag ging von 12 Uhr bis nachmit­tags 4 Uhr besonders über dem Jfergebirgs- k a m m ein schweres Gewitter nieder, von wolken­bruchartigen Niederschlägen begleitet.. Daß Unwetter brachte viel H o ch w a s s e r mit sich und verwandelte die Gebirgsftüsse, besonders die Weißbach, die vom Jserkamrn herunterkommt, in reißende Ströme, so

daß verschiedene Brucken gefährdet und vorüber­gehend gesperrt waren. Einzelne kleinere Brucken sollen dem Flusse zum Opfer gefallen fein. Menschen­leben sollen nicht zu beklagen sein. Einzelheiten fehlen noch. Mehrere Ortschaften sind durch eine furchtbare Wasserkatastrophe heimgesucht worden Am schlimmsten wütete das Unwetter in Seifers» hau. Der Ott bildet ein furchtbares Bild der Ver­wüstung. Drei Scheunen wurden vollständig weg­gerissen, mehrere Gebäude unterspült und teilweise zerstört. Sämtliche Brücken im Orte sind zerstört, die durch das Dorf führende Kunstslraße ist aufgeriffen. Der Fuhrwerks- und Autoverkehr durch die Ortschaft ist vollkommen gesperrt, auch die Lichtleitungen und Telephonleitungen sind zerstört. Das Wasser in den Häusern flieg bis zu drei Meter Höhe. Der Ge­samtschaden ist sicherlich wiederum mehrere Millio­nen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu be­klagen. Auch der Ott Schreiberhau ist ohne Licht.

Wolkenbruch über Hamburg.

In Hamburg-Wandsbek ging Frei­tag abend ein toölkenbruchartiges Gewitter nie­der, durch das besonders die nördlichen Stadt­teile stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bei' den Feuerwehrstellen liefen in einer halben Stunde nicht weniger als 200 Meldungen um Hilfe gegen Wasserschäden, Blitzschläge und dro­hende Kellereinstürze ein.

Deutschamerikaner beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing eine Vertretung des BrooklynerPlattduetfchen Volks­fest v e r e e n s", der sich mtt über vierhundert Personen z. Z. auf einer Deutschlandreife be­findet. Die Herren wurden von dem bremischen Gesandten, Senator Rebelthau, eingeführt. Der Vorsitzende, John C. Meinen, übermit­telte dem Reichspräsidenten den Ausdruck der Verehrung und des Dankes des Vereins, wie aller deutschen Landsleute in den Vereinigten Staaten für all das, was Hindenburg für das deutsche Volk in der Zeit seiner größten Rot getan habe. Er schloß hieran herzliche Wünsche für eine lange und gesegnete Amtszeit und ein langes und gesundes Leben. Der Reichspräsident dankte$ die guten Wünsche und hieß die Herren ist der alten Heimat herzlich willkommen.

General Hoffmann f.

In Reichenhall starb im Alter von 48 Jah­ren der aus den Friedensverhandlungen von Brestlitowsk her bekannte frühere preußische Ge­neral der Infanterie Max Hoffmann. Hoff­mann, der geborener Hesse ist, hat nach dem Besuch der Kriegsakademie und längerem Aufent­halt in Rußland die wechselvolle Laufbahn eines Generalstabsoffiziers durchgemacht. Den russisch­japanischen Krieg erlebte er als Vertreter Deutsch­lands auf japanischer Seite. Im Weltkriege war er zunächst dem Stabe des A. O. K. 8 in Ost­preußen zu geteilt, später wurde er als Rach­folger des Generals Ludendorff Stabschef bei dem Oberbefehlshaber Ost, dem Prinzen Leo­pold von Bayern Als solcher nahm er auch an den Friedensverhandlungen mit Rußland 1917/18 teil.

Jnfetnationate Kameradschaft.

Die Aerzte hatten nach der Operation des Prin­zen Friedrich Sigismund geglaubt, durch eine Blutübertragung das L-eben des Prin­zen retten zu formen. Zu einer solchen Muttrans- fusion hatten sich nach einer Meldung der D. A. Z. aus Luzern nilyt nur die deutschen Kame­rad en des Prinzen zur Versümmg gestellt, sondern auch zahlreiche ausländische Offiziere, französische, belgische, ungarische, bulgarische und aridere.

Gegen den Unfug der Cufttranungen.

Wir berichteten vor einigen Tagen über eine neue Lusttrauung mtt der der Propaganda-Leiter der Rohrbach- Flugzeugwerke Sensation machen wollte. Bei dieser Trauung, die Über dem Ber­liner Westen ftattgefunben hatte, war nicht nur der Standesbeamte, sondern auch ein Geistlicher und zwar her Pfarrer Teichmann von der Berliner Osterkirche zugegen, der über der Kai­ser-Wilhelm-Gedächtniskirche die kirchliche Trau­ung in den Lüsten vollzogen hatte. Dies« Hand­lung hat nun bei ben obersten Kirchenbehördenl mit Recht starken Anstoß erregt. Sie haben die merkwürdige Amtsauffassung ihres Geistlichen nicht nur scharf gerügt, sondern ihn sogar vom Amt« suspendiert unt) ein Disziplinarver­fahren mit dem Ziel« der Dienstentlas­sung eingeleitet, das vor dem Rechtsausschuh der Kirchenkonserenz durchgeführt werden wird. Das Konsistorium sieht nämlich in dem Vollzug einer Lufttrauung, abgesehen von seiner Wirkung nach außen hin, die Herabwürdigung einer ernsten kirchlichen Handlung. In der Mitteilung des Konsistoriums heißt eS weiter, daß die vorgesetzte Kirchenbehörde die Suspendierung des Pfarrers beschlossen hat, da in evangelischen Kreisen diese Trauung allge­mein als eine Ges chmacklvsigkQit ver­urteilt worden sei.

VoBbenexplosion in Rom.

In einem Hause explodierte eine Bomb«. Das Dach und die Fußböden mehrerer Etagen stürzten ein. Ein Vater und vier Kinder wur­den als Leichen unter dem Gebälk hervor­gezogen. Die Frau ist schwer verwundet. Ruv ein dreijähriges Kind blieb unverletzt.

Byrd über den plan einer Südpolexpedition.

Byrd hat über seinen Plan einer antarktischen Expedition erklärt, daß es sich habet nicht um einen Südpolflug handele, vielmehr um eine wissenschaftlich« Expedition in die Antarktis von mehreren Monaten bis zu evtl, einem Jahr«. Es werden wahrscheinlich zwei Reisen unternommen werden, davon ist die erste als eine Art Vorexpeditton gedacht. Das Datum ist noch nicht festgesetzt, jedenfalls aber werden hie Eisfelder nicht vor September erreicht. Das Personal wird so zahlreich sein wie bei her Rordpol expeditton, d. h. also zirka 50 Per­sonen Byrd hofft, daß man ihm zwei Flug­zeuge, und zwar ein dreimotoriges und ein zweimotoriges, zur Verfügung stellt. Außerdem beabsichtigt er zirka 50 Ziehhunde und Schlitten mitzunehmen Rattirlich hofft Byrd auch bei dieser Gelegenheit den Südpol zu erreichen.

Wettervoraussage.

Bei auffrischenden nördlichen bis westlichen Winden veränderlich, wechselnd wollig, zeitweise aufheiternd, mäßig warm und strichweise leicht« Riederschläge. _

Gestrige Tagestemperaturen: Maxrmum 21,d Grad Ceslius, Minimum 15,6 Grad Celsius. Riederschläge 1,6 Millimeter. Sonnenscheindauer V* Stunde. Heutige Morgentemperatur 16,3 Grad Celsius. r

Witterungsaussichten für Montag: Viel­fach aufheiternd und meist trocken

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